Schlagwort: design

  • Carplay 2.0 – Design Studie für Automobilklassiker

    Carplay 2.0 – Design Studie für Automobilklassiker

    Apple hat vor etwa zwei Jahren sein Konzept Carplay 2.0 vorgestellt. Eine massive Erweiterung der bisherigen Carplay-Lösung, die es Automobilherstellern ermöglichen könnte, das komplette Cockpit mit unterschiedlichsten Displays und Informationen auszustatten und diese auch zu konfigurieren. Das Designstudio BlackBox Infinite hat sich einige Klassiker wie den Porsche 911 Turbo, den Ferrari Testarossa, die Corvette oder den DeLorean vorgenommen, um zu überprüfen, ob Carplay 2.0 wirklich so individuell anpassbar ist und ob sich der Geist der damaligen Cockpits mit dem Framework in die Neuzeit übertragen lässt.

    Und ja, das Ergebnis ist aus meiner Sicht mehr als beeindruckend. Das Team hat es geschafft, die nostalgischen Feinheiten zu erhalten und gleichzeitig frische Ideen zu integrieren. Die Anzeigen sind zum Teil noch kraftvoller und dynamischer als damals. Und doch erkennt man sie sofort wieder, wie es sich für einen Klassiker gehört. Gleichzeitig fällt auf, wie flexibel und anpassbar das von Apple zur Verfügung gestellte Framework zu sein scheint. Von der üblichen Apple-Designsprache ist in diesen Entwürfen kaum noch etwas zu sehen.

    BlackBox Infinite hat dazu ein sehenswertes Video veröffentlicht:

  • Benutzerfreundliche Hotelduschen

    Benutzerfreundliche Hotelduschen

    Wer stand schon einmal ratlos und sorgenvoll in einer Hoteldusche? Ratlos, weil unklar war, wo und in welcher Richtung die Temperatur eingestellt wird und wo und in welcher Richtung der Wasserdruck geregelt wird? Sorgenvoll, weil die Bedienung der Armaturen dazu zwingt, direkt unter dem Duschkopf zu stehen und die Möglichkeit besteht, dass gleich ein kalter oder kochend heißer Schwall Wasser niederprasselt? Jede Dusche in jedem Hotel in jeder Stadt ist anders. Man kann sich auf nichts verlassen und muss die Bedienung immer wieder neu ausprobieren und lernen. Als hätten sich alle Produktdesigner einfach nur ausgetobt, ohne an die notwendige Benutzerfreundlichkeit zu denken.

    Manchmal fragt man sich als Designer, ob es wirklich so schwierig sein kann. Bestimmte Aspekte der Benutzerfreundlichkeit liegen doch auf der Hand und Produktdesigner haben ein jahrelanges Studium hinter sich, in dem sie gelernt haben, wie wichtig die Benutzerfreundlichkeit für ein Produkt ist. Im Mittelpunkt steht immer der Mensch. Bei aller Phantasie, allem Ausprobieren, dem Versuch, Grenzen zu überschreiten und Neues zu wagen, muss die beste Bedienbarkeit immer im Vordergrund stehen. Form follows function. So abgedroschen diese Regel auch sein mag, so wichtig scheint sie gerade bei alltäglichen Dingen zu sein. Und um eine weitere bekannte Regel zu zitieren: Gutes Design ist unsichtbar. Gutes Design funktioniert einfach, ohne dass sich die Anwendenden Gedanken darüber machen, ob und wie das Produkt gestaltet wurde und wie viel Arbeit in das Design geflossen ist.

    Duschen und Duscharmaturen sollten so intuitiv wie möglich gestaltet sein. So, dass man von Anfang an weiß, wie man sie bedienen muss. Im Auto befindet sich das Gaspedal am rechten Fuß und der Blinker an der linken Hand. Blinker nach oben bedeutet rechts abbiegen, nach unten bedeutet links abbiegen. Bestimmte Aspekte und Details können standardisiert werden, um es den Anwendenden, die regelmäßig neue Geräte benutzen, leichter zu machen. Niemand muss das Rad neu erfinden. Und kaum jemand erwartet eine umwerfende Neuinterpretation einer Dusche. Zumindest nicht in Hotels, wo man die Bedienung erst erlernen muss. (In den eigenen vier Wänden mag das mit Sicherheit anders sein, da man die Bedienung dort schnell gelernt hat und sie sich nicht ändert. Dennoch gelten auch dort die meisten der unten stehenden Regeln.)

    Wie sieht die perfekte Duschbedienung aus?

    Bei der Gestaltung von Duschen sollten mindestens folgende Punkte beachtet werden:

    • Beginnen wir mit der Barrierefreiheit. Viele Hersteller denken noch immer, bei Barrierefreiheit handle es sich um Anpassungen für Behinderte. Doch das ist ein großer Irrtum. Barrierefreiheit bedeutet, die Bedürfnisse und Anforderungen von allen Menschen einzubeziehen, gleich jeglichen Alters, Geschlechts, Herkunft oder etwaiger Einschränkungen. Jede Gestaltung, die alle Menschen einbezieht und gleichermaßen die Nutzung erleichtert, dient auch allen Menschen.
    • Primäre Bedienelemente müssen klar und eindeutig gekennzeichnet sein. Es darf nie ein Zweifel darüber bestehen, wo die Temperatur und wo der Wasserdruck eingestellt werden. Es muss jederzeit klar sein, in welche Richtung das Bedienelement bewegt werden kann und muss, um die gewünschte Temperatur oder den gewünschten Wasserdruck zu erreichen. Die Beschriftung der Bedienungselemente muss ausreichend groß, leicht verständlich und eindeutig sein, auch bei eventueller Sehschwäche oder bei unterschiedlicher Interpretation von Farben. In den meisten Duschen sind die Lichtverhältnisse unzureichend und sehbehinderte Menschen sind ohne Sehhilfe hilflos. Außerdem ist davon auszugehen, dass nur wenige Menschen mit Brille duschen. Und wenn sie gezwungen sind, ihre Brille mit unter die Dusche zu nehmen, um sich zurechtzufinden, dann ist etwas schief gelaufen. (Looking at you, ihr Duschseifenhersteller, die mit viel Design und wenig lesbarer Schrift auf Tuben und Tiegeln auf Kundenfang gehen. Wenn Duschgel, Shampoo, Conditioner und Bodylotion alle gleich aussehen und nur in kleiner Schrift beschrieben werden, ist die Verwechslungsgefahr unnötig groß).
    • Darüber hinaus sollten alle Bedienelemente auch für Blinde gut ertastbare Markierungen habe und die Armaturen ebenfalls entsprechend eindeutig in ihrer Funktion wahrgenommen werden können. Auch in nassem und eingeseiftem Zustand. Blinde Menschen sollten nicht befürchten müssen, sich versehentlich zu verbrühen, weil sie einen Hebel in die falsche Richtung drehen.
    • Sekundäre Bedienelemente müssen ebenfalls klar und eindeutig in ihrer Funktion erkennbar sein. Wo und wie wird von Regendusche auf Brausestrahl umgeschaltet und wie ist die Grundeinstellung? Wo und wie werden gegebenenfalls weitere Brause- und Massagestrahlen zugeschaltet und geregelt?
    • Die Kennzeichnung sollte möglichst grafisch, ohne Text und eindeutig erfolgen, um die Identifizierung für Anwender aller Sprachen so einfach wie möglich zu machen. Und ja, das ist eine große Kunst, denn wie ich oft genug betone, sind Icons ohne zusätzliche Erklärung oft genug eine Quelle von Missverständnissen. Auf ausreichende Größe, Kontraste und eventuelle Farbgebung ist zu achten.
    • Alle Bedienelemente müssen so gestaltet sein, dass sie auch im nassen und vor allem eingeseiften Zustand leicht und sicher zu bedienen sind. Wenn man eingeseift und glitschig den Wasserdruck erhöhen will, aber ständig am Regler abrutscht, läuft etwas schief. (Bei diesem Punkt frage ich mich ohnehin: Werden Duscharmaturen wirklich unter realen Bedingungen getestet?) Bei der Bedienung von Knöpfen und Hebeln ist immer daran zu denken, dass sie auch von Kindern, von älteren Menschen, von Menschen mit bestimmten Einschränkungen bedient werden müssen. Umso wichtiger ist es, sie so zu gestalten, dass sie von jeder Person in jeder Lage leicht bedient werden können.
    • Von weiteren Details wie Duschkabinentüren, die dicht schließen und das Bad nicht unter Wasser setzen, wollen wir gar nicht erst anfangen. Oder ausreichend große Ablageflächen in der Dusche. Oder Haken, an denen Handtücher und Bademäntel aufgehängt werden können und nach dem Duschen schnell zur Hand sind. Diese und andere Unzulänglichkeiten in so manchem Hotelbad wären einen weiteren Beitrag wert.

    Wenn ich das nächste Mal in einem neuen Hotel unter der Dusche stehe und wieder minutenlang versuche, den Mechanismus zu entschlüsseln, wie man auf Regendusche umschaltet, oder wenn ich mit Seife an den Händen versuche, den winzigen, glatten Knopf am Bedienhebel herunterzudrücken, während ich den Hebel drehe, werde ich wieder an diese Regeln denken und mich fragen: Kann es wirklich so schwer sein?

  • Meine Experience beim UX-Festival der GermanUPA in Erfurt

    Meine Experience beim UX-Festival der GermanUPA in Erfurt

    „You are not the user“ ist mit Sicherheit eine der wichtigsten Regeln im Bereich des User Experience Designs. Egal wie sehr wir es durch Zuhören, Beobachten und mit Empathie versuchen, als Designer werden wir nie das gleiche erleben wie echte Anwendende, die in einem anderen Kontext stecken, anders denken, anders empfinden. Doch auch wir UX Designer sind Menschen und oft nichts weiter als User, die eine Experience haben (wir betrachten sie vielleicht nur anders – Berufskrankheit).

    Wenn ich also über das mittlerweile zweite UX-Festival der GermanUPA in Erfurt am 17. und 18. Juni 2023 berichten möchte, könnte ich die Fakten aufzählen, die einzelnen Vorträge auflisten, die Menschen, die ich kennenlernen durfte mit Namen nennen. Oder ich könnte einfach versuchen, meine User Experience zu beschreiben.

    Die User Journey

    Die Reise begann mit einer Bahnfahrt mit meinem ehemaligen Team, einem Hotel in angenehmer Nähe zum Bahnhof, einem abendlichen Spaziergang durch die Erfurter Altstadt und einem gleichzeitigen Bummel über das bunte und vielfältige Erfurter Krämerbrückenfest. Der Spaziergang am nächsten Morgen zum Zughafen, der Event-Location in alten, urigen Hallen des nahegelegenen Güterbahnhof, zauberte uns ein Lächeln herbei, denn kleine, auf die Straße gemalte UX-Wegweiser leiteten uns. Es sind die Details, die den Unterschied machen. Das Lächeln verließ uns nicht bei der Ankunft am Veranstaltungsort, der Ausgabe unserer Teilnehmer-Badges, der herzlichen Begrüßung von vielen orange gekleideten Helfern und der Vorfreude auf die kommenden Tage. Schnell wurde klar, was uns alles an diesem Barcamp geboten werden würde.

    Community
    UX Sign

    Informations- und Navigationsarchitektur

    Wer das Prinzip eines Barcamps noch nicht kennt: Jeder Teilnehmende kann eine Session zu einem bestimmten Thema einreichen, dann wird die ungefähre Teilnehmerzahl ermittelt, um daraufhin einen passenden Zeitslot und eine Örtlichkeit für die Session zu finden. Sessions können Workshops sein, Vorträge, Präsentationen, Gesprächsrunden oder gar Selbsthilfegruppen. Alles ist erlaubt.

    Auf dem UX-Festival mussten insgesamt 62 mögliche Sessions in 5 Zeitslots an 8 (oder mehr) unterschiedlichen Plätzen in eineinhalb Tagen verplant werden. An einem Whiteboard oder auch online konnte man sich jederzeit informieren, wo welche Session stattfindet. Hat man das Gefühl, in einer Session nichts mehr mitnehmen oder beitragen zu können, kann man sie jederzeit verlassen, eine andere besuchen oder etwas völlig anderes zu tun. Die großartige Moderation und die Möglichkeit, mitgestalten, mitarbeiten oder sich zurücklehnen zu können, vermittelte im Vergleich zu anderen, starren Konferenzen ein gewisses Gefühl der Freiheit.

    Sessions

    Content, Margins, Whitespaces

    Neben all der Annehmlichkeiten und der Freiheit ging es auch in diesem Jahr darum, zu lernen, Erfahrung zu sammeln, sich auszutauschen. Die Sessions waren bunt und vielfältig. So wurde erklärt, wie Gamification in Produkten genutzt werden kann, wie man mit Hippos (Highest paid persons opinion) umgeht, wie man die eigene Perfektion in den Griff bekommt und wo UX bei der Nachhaltigkeit unterstützen kann. In weiteren Sessions wurde erörtert, was die Gastronomie mit UX zu tun haben könnte. Es wurde dafür geworben, weitere Mentoren zu finden (eine Runde, in der ich selbst ein wenig beitragen konnte). Und der Arbeitskreis UX Writing, in dem ich Mitglied bin, berichtete von seinen bislang erarbeiteten Heuristiken, die im September auf der Mensch und Computer Konferenz (ebenfalls von der GermanUPA) vorgestellt werden sollen.

    Nachhaltig beeindruckt hatten mich zwei Workshops. Zum Einen „Perspektivenwechsel bei der Produktentwicklung“ von Thomas Hermenau. Und zum zweiten „Was macht UX Management“ von meinem persönlichen Helden Dominique Winter. Im Perspektivenwechsel-Workshop war die Aufgabe eines Teilnehmers die Rolle eines Product Owners einzunehmen, der nur durch sprachliche Anweisungen einer Gruppe von Entwicklern (wir anderen) mitteilen durfte, wie ein Auto aus Legosteinen gebaut werden sollte. Die Anleitung dafür war am anderen Ende des Raumes, wodurch der Product Owner zusätzlich die Schwierigkeit hatte, sich Dinge zu merken zu müssen und diese so zu vermitteln, dass die Erbauer es verstanden. Es dürfte keine Überraschung sein, dass am Ende ein Auto gebaut wurde, das nur grob aussah, wie gedacht. (Schönes Randdetail dabei, dass die Entwickler natürlich bereits mit dem Bau des Autos begonnen hatten, noch bevor der Product Owner etwas dazu gesagt hatte – weil, ist ja klar, wie ein Auto aussehen sollte, ne?)

    Im UX Management Workshop bestückten drei Gruppen unter Zeitdruck jeweils ein Poster mit relevanten Punkten zum Thema UX Ziele, UX Strategie und UX Ressourcen, stellten die Inhalte vor und wechselten dann zum jeweils nächsten Poster, um dieses mit größerem Zeitdruck zu ergänzen. Nach dem dritten Wechsel war es faszinierend zu sehen, wie viel dermaßen guter Content in nur 45 Minuten erstellt worden war. Einfach durch die Tatsache, dass die Teilnehmer motiviert waren, Spaß hatten und die Methode perfekt passte.

    Sessions

    Research und iterative Verbesserungen

    Die Veranstalter hatten auf die Teilnehmer des ersten UX-Festivals gehört. So wie richtige UX Professionals es nunmal tun. Dinge, die im Jahr zuvor nicht ganz reibungslos funktionierten, wurden geändert, alles weitere blieb oder wurde verbessert. So waren die Locations der einzelnen Sessions besser voneinander getrennt, um akustische Störungen zu vermeiden. Das Catering war in diesem Jahr günstiger platziert, qualitativ deutlich besser und – zu unserer Überraschung – sogar kostenlos dank großzügiger Sponsoren.

    Neben kostenlosen Getränken standen jederzeit Obst und Süßigkeiten zur Verfügung und der Zughafen selbst gab weiterhin viel Raum, um es sich zum Beispiel in Liegestühlen bei bestem Sonnenwetter in feinem Sandstrand gemütlich zu machen und sich auszutauschen. Daneben stand im Angebot T-Shirt Druck, Yoga, Tanz-Akrobatik mit alten XBox Kinect-Controllern, ein Eisstand, eine kostenlose Fotobox und natürlich auch die obligatorische Disco. Ob das spätabendliche Feuerwerk zum Krämerbrückenfest oder doch zum UX-Festival gehörte, konnte nicht abschließend geklärt werden, war aber eine gelungene Krönung.

    Healthy Food

    FOMO und zu viele Optionen

    Wenn es Kritik anzumelden gibt, dann vielleicht diese: Die Masse an Teilnehmern, Sessions, Locations und Möglichkeiten machten es mir schwer, Entscheidungen zu treffen. „Too many options“ ist ein weit verbreitetes Problem heutiger Systeme und führt zu schlechter User Experience. Auch wenn das „Law of two feet“ galt (also die Möglichkeit, jederzeit Sessions zu wechseln oder zu verlassen) hatte ich zu oft das Gefühl, spannende Dinge in den anderen, parallel laufenden Sessions zu verpassen. Auch zum gemütlichen Austausch war oft wenig Zeit, weil ein jeder in die nächste Session wollte. Ein Luxusproblem, gewiss. Aber eines, auf das man sich vorbereiten sollte. Denn wenn die Teilnehmerzahl jährlich steigt, werden auch die Sessions und die Optionen jährlich mehr werden. Und ob es dann eine gute Idee ist, das Festival über drei Tage zu machen?

    Auch wurde in der Vorstellungsrunde zwar grob erklärt, welchen Inhalt jede Session haben sollte – im späteren Entscheidungsprozess war es dann aber doch etwas schwer, sich zu erinnern oder einen Überblick zu bekommen, um eine „gute“ Entscheidung treffen zu können. Natürlich, keine Entscheidung war am Ende falsch, jede Session und jedes Gespräch war genau richtig. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, blieb bei mir dennoch.

    Lego Enten

    Die Experience

    Das UX-Festival ist und war auch diesmal geprägt von tollen Menschen, von Offenheit, Neugier, Menschlichkeit. Von einem großartigen Miteinander und einem ständigen Wir-Gefühl. Zwei Tage hatte ich das starke Gefühl unter meinesgleichen zu sein, unter Menschen, die mich verstehen, meine Nöte und Probleme kennen. Menschen, die bereits in ähnlichen Situationen steckten oder gerade dabei sind, dort hinein zu geraten und froh sind, von anderen lernen zu können.

    Es war phantastisch zu erleben, dass unter den etwa 300 Teilnehmern nicht nur UX Professionals gekommen waren, sondern auch Entwickler, Produktmanager, Strategen, Marketingleute, die alle an diesem großen Thema UX arbeiten und verstehen wollen, wie wir es schaffen, gute UX zu etablieren. Denn auch das hat dieses Festival wieder gezeigt: Es geht am besten (oder gar nur) gemeinsam. Und: Es sind die Menschen, die gute UX schaffen, die verstehen, wie Menschen funktionieren und welche Anforderungen sie haben.

    In Zeiten, in denen aus allen Richtungen zu hören ist, dass AI uns Designern die Jobs wegnehmen wird, bin ich davon überzeugt, dass wir weiterhin Menschen benötigen, die mit Verstand und Empathie, mit Visionen und unterschiedlichen Perspektiven weitaus bessere Erlebnisse schaffen werden. Heute mehr denn je. Und auch wenn es abgedroschen klingen mag: Ja, wir arbeiten daran, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und als UX Professional und Mentor bin ich stolz und glücklich, Teil dieser Community sein zu dürfen.

    Und so kann ich nur alle Lesenden einladen, im nächsten Jahr am 15. und 16. Juni 2024 ebenfalls dabei zu sein, zu lernen, sich zu vernetzen, sich auszutauschen und Spaß zu haben.

    Gruppenfoto
    Sonnenuntergang auf dem UX Festival

    Die Aufzeichnungen des Live Streams

  • Das Design von Netzplänen im öffentlichen Nahverkehr

    Das Design von Netzplänen im öffentlichen Nahverkehr

    Der norwegische Designer Torger Jansen hat den Linien- und Netzplan Oslos analysiert und überarbeitet. Seine Herangehensweise, den eigentlichen Design-Prozess und die Ergebnisse hielt er in einem sehr interessanten Video fest. Er beschreibt darin auch für Nicht-Designer nachvollziehbar, mit welchen Ideen er spielte und welche er aus bestimmten Gründen wieder verwerfen musste. Außerdem betont er – sehr zu meiner Freude – dass seine Ideen bislang nicht getestet wurden. Erfreulich ist es deshalb, weil er sich dadurch von vielen anderen „Künstlern“ und UI-Designern unterscheidet, die zwar schöne Visuals, interessante Konzepte und tolle Interface-Konzepte entwickeln und auf Plattformen wie Dribble und Behance damit flexen (sorry, angeben meinte ich natürlich). Die aber im Vergleich zu einem echten UX-Konzept darauf verzichten, herauszufinden, welche Anforderungen zugrunde liegen, welchen Mehrwert das Design bietet und ob es überhaupt für echte Menschen gut funktioniert.

    Jansen, der sich neben seinen vielfältigen kreativen Interessen selbst als UI/UX Designer bezeichnet, hatte den Linien- und Netzplan Oslos bereits vor einigen Jahren angepasst. Fünf Jahre später wiederholte er den Prozess. Wieder in nicht offiziellem Auftrag. Sein Ansatz war, Züge, Tram und Metro Linien in einem übersichtlichen, gut lesbaren Plan zu kombinieren und die Barrierefreiheit noch besser zu unterstützen. Das Ergebnis kann man – bis auf wenige kleine Details – als gelungen bezeichnen.

    Hintergrund des Redesigns

    Kaum im Video zu sehen sind die ursprünglichen, offiziellen Pläne der Stadt Oslo. Doch gerade hierin liegt ja der Reiz. Was genau wurde denn verbessert? Also machte ich mich auf die Suche nach den Originalplänen und fand sie auch bald bei Ruter.no, der Seite der öffentlichen Verkehrsbehörde Oslos. Und siehe da: auch die offiziellen Pläne sind bereits durchdacht. Leicht scan- und lesbar, übersichtlich, mit starken Kontrasten und gut ausgewählten Schriftarten. Auch wenn es wie ein Klischee klingt: das klare skandinavische Design ist unverkennbar. Wie übrigens nicht nur in den Netzplänen, sondern auf der gesamten Ruter-Seite inklusive des Reiseplaners.

    Weshalb nahm sich Jansen dann ausgerechnet diese Pläne vor? Es war die Herausforderung, Zug-, Tram- und Metro-Linien in genau einem Plan unterzubringen. Und zwar so, dass eine Reiseplanung damit wirklich möglich wurde. Verlässt man sich auf die offiziellen Ausgaben, ist man gezwungen mit drei unterschiedlichen Plänen zu hantieren (Siehe hier: Zug, Tram, Metro und der Vollständigkeit halber auch Bus). Nicht gerade einfach, die beste Verbindung von A nach B zu finden, wenn man gar nicht weiß, wo man auf welches Verkehrsmittel umsteigen kann oder muss.

    Gut gestaltete Netzpläne und Barrierefreiheit

    Nun kann man sich im Jahr 2023 natürlich die Frage stellen, wer sich überhaupt noch für derartige Pläne interessiert. Wer verreisen will, eine Verbindung sucht, der soll doch bitte einfach eine App benutzen. Oder auf entsprechenden Webseiten ganz einfach Start und Ziel eingeben, um ohne langes Suchen in einem Plan den kompletten Reiseverlauf angezeigt zu bekommen, mit allen Umsteigemöglichkeiten, aktuellen Verspätungen, Sperrung und Unwägbarkeiten. Doch ganz so einfach ist es nicht. Erst im April dieses Jahres erschien eine Studie nach der etwa 3,4 Millionen Menschen in Deutschland noch nie im Internet waren. Die also auch keine Apps oder andere Services nutzen und daher auf „gedruckte Alternativen“ angewiesen sind. In Norwegen könnte es eine relevante, ähnlich hohe Zahl sein.

    Laut Studie handelt es sich bei den genannten Offlinern vornehmlich um Senioren im Alter von 65 bis 74 Jahren. Gerade älteren Mitmenschen fällt es zunehmend schwer, mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Ständig neue Apps, neue Möglichkeiten, neue Dinge die gelernt werden müssen. Heutige Webseiten und Apps werden komplexer statt einfacher. Nicht wenige Hersteller halten das Verlangen nach weiteren Features für einen Wunsch der Kunden, der gerne erfüllt wird, um die Einnahmen konstant zu halten. Aber ist das wirklich wahr? Ehrlich, auch ich verstehe beispielsweise Instagram mittlerweile kaum mehr und fühle mich jenseits der ursprünglichen Grundfunktionen meist überfordert. Das Übermaß an Komplexität ist allerdings nicht nur ein Thema der älteren Generationen, auch Menschen mit kognitiven, visuellen, auditiven oder motorischen Einschränkungen leiden darunter. Und letztlich jeder Mensch, dem das Ganze einfach zu viel wird. Komplexität ist ein integraler Bestandteil im Bereich Barrierefreiheit. In inklusivem Design und der Arbeit von UX Designern, die darauf abzielt, keinen Menschen zurück zu lassen, sondern allen Anwendenden die bestmögliche Nutzbarkeit zu bieten.

    Ich selbst stand schon in Städten wie London oder Barcelona vor derartigen Plänen, suchte den „Sie befinden sich hier“-Punkt und versuchte heraus zu finden, welche U-Bahn mich an mein Ziel bringen könnte. Und zwar aus unterschiedlichen Gründen: Überangebot an Mobilitäts-Apps in den Stores mit nicht eingehaltenen Versprechungen und schlechter Bedienung. Kaum oder nur schwer nutzbare offizielle Webseiten mit Linien- und Tarif-Dschungel. Geringe oder nicht vorhandene Netzabdeckung. Oder gar einfach die Erkenntnis, dass die Zeit für die Suche in einem gut gestalteten Plan kürzer ist, als der Aufruf und die Eingabe in einer App.

    Der Netzplan von Oslo und Aachen im Vergleich

    Doch kommen wir zurück zu den Netzfahrplänen. Sie haben noch heute eine Daseinsberechtigung und müssen genau deshalb so einfach, übersichtlich und barrierefrei wie möglich gestaltet sein, damit jeder Mensch, egal welcher Herkunft und welchem Hintergrund, sie verstehen und nachvollziehen kann. Ist das denn überall so? Beispielsweise in meiner Heimatstadt Aachen? Ich machte den Versuch, suchte auf der Seite des regionalen Verkehrsunternehmen ASEAG und wurde bald fündig. Aachen hat, wie schon einmal erwähnt, leider nur ein Busnetz und die Pläne dazu finden sich hier. Interessanterweise weist die ASEAG schon vor dem Download darauf hin, dass alle Netzpläne nicht barrierefrei sind (Wirklich alle, was schon fast peinlich ist, wenn man nicht gleichzeitig auch barrierefreie Varianten anbietet). Doch immerhin wirbt die Überschrift damit, das Liniennetz Aachens sei in den Plänen übersichtlich dargestellt. So sieht der schematische Netzplan von Aachens Innenstadt aus:

    Netzplan der Buslinien in Aachens Innenstadt

    Dies ist im Vergleich der Netzplan der Buslinien Oslos:

    Netzplan der Buslinien in Oslos Innenstadt

    Es kann davon ausgegangen werden, dass Oslo nicht nur deutlich größer als Aachen ist, sondern auch eine Menge mehr Buslinien als Aachen hat. Was vermutlich der Grund sein dürfte, weshalb im Osloer Plan viele Farben für mehrere unterschiedliche Linien benutzt werden mussten. Ein deutlicher Schwachpunkt, auch im Sinne der Barrierefreiheit (Stichwort Farbenblindheit). Dennoch ist schon auf den ersten Blick der Osloer Netzplan aufgeräumter, entzerrter, besser erfassbar, die Linien und Stationen besser verfolgbar. Allein die Legende an der Seite des Aachener Plans bereitet mir schweissnasse Hände. Dagegen stellt sich der Plan Oslos beinahe als selbsterklärend dar. Interessant ist auch, dass beide Pläne zwar schematisch sein sollen, sich jedoch sehr an den geografischen Gegebenheiten orientieren. Nehmen wir als Gegenbeispiel den offiziellen Metroplan Oslos:

    Netzplan der Metrolinien in Oslos Innenstadt

    Im Netzplan der Osloer Metro scheint Geografie, Entfernungen etc. keine Rolle zu spielen. Der Plan ist ein Musterbeispiel an Übersichtlichkeit, was natürlich auch daran liegen kann, dass es weniger Metrolinien als Buslinien gibt. Doch warum war die schematische Darstellung hier möglich, bei den Busen aber nicht? Oder anders gefragt, wäre diese Art der Darstellung bei Buslinien eventuell gar nicht hilfreich?

    Der Vollständigkeit halber sei hier auch der Netzplan des AVV, dem Aachener Verkehrsverbund erwähnt, der, wie in diesem Blogartikel von 2016 beschrieben, ein aufwändiges Redesign erhielt und sich heute so darstellt:

    AVV Netzplan Aachen

    (Besser, aber aus meiner Sicht immer noch unübersichtlich und schwer scan- und lesbar. Warum übrigens jeder seinen eigenen Netzplan erstellen muss – ASEAG als Busbetreiber und AVV als Verkehrsverbund – wird sich mir vermutlich auch nie erschließen)

    Es scheint kein Zufall zu sein, dass Torger Jansen sich „nur“ die Pläne der Metro-, Tram- und Zuglinien vorgenommen hat und das offenbar viel zu komplexe Busliniennetz aussen vor ließ. Auf diese Weise war es ihm möglich, aus den drei sehr schematischen Ansichten eine Gesamtvariante zu erstellen:

    Designvorschlag der Tram Metro und Zuglinien in Oslo

    Wer gestaltet eigentlich Netzpläne und warum mache ich es nicht?

    Sehe ich mir den Netzplan von Aachens Buslinien an, juckt es mich in den Fingern, es Torger Jansen gleich zu tun. Wie gerne würde ich versuchen, aus diesem unübersichtlichen Kuddelmuddel einen gut lesbaren, barrierefreien Plan zu erstellen. Wie gerne würde ich entsprechenden User Research betreiben, mit Menschen sprechen, testen und so lange daran feilen, bis man sicher sein kann, alle „Anwendenden“ mit einem neuen Netzplan gut unterstützt und geholfen zu haben. Ob es mir gelingen würde? Keine Ahnung. Vielleicht könnte das eine spannende Aufgabe für ein kleines Team sein. Eine richtige Case Study…

    Und so stellt sich auch die letzte Frage. Wer erstellt eigentlich diese offiziellen Pläne. Designer? Ingenieure? Wurden echte Menschen dazu befragt? Wurden die Pläne mit ihnen getestet? Wurden Studien und Analysen dazu angestellt, um herauszufinden, ob ein ganz normaler Reisender mit den Plänen klar kommt? Hat Oslo mit seinen gut gestalteten Plänen versucht, einem Reisenden die Aufgabe zu stellen, nur mit Hilfe der unterschiedlichen Netzpläne mit viermaligem Verkehrsmittelwechsel von einem Ort zum anderen zu kommen? Und wie ist das in Deutschland? In wessen Auftrag und von wem werden die Pläne erstellt? Wer hierzu nähere Informationen hat, ist gerne eingeladen, sich direkt bei mir zu melden oder einfach einen Kommentar zu hinterlassen. Ich wäre sehr verbunden.

  • Read, listen, view, live later

    Read, listen, view, live later

    Oh, dieser Artikel ist bestimmt spannend. Ich habe jetzt aber keine Zeit, das alles zu lesen. Mache ich später. Ich speichere mir das mal. Ach, das ist doch diese Serie, von der alle schwärmen. Kann ich grad nicht schauen. Speichere ich mir für später. Hui, da ist ein Job, der interessant klingt, kann ich mich grad nicht drum kümmern, speichere ich erstmal ab. Und da ist ja noch die Einkaufsliste, die ich mal angelegt habe. Und die Playlist, die ich hören wollte. Nicht zu sprechen von den ganzen Podcasts. Da hab ich ja auch noch diese ganzen Social Media Posts in den ganzen unterschiedlichen Apps, die ich bestimmt irgendwann mal weiter leiten oder etwas dazu schreiben werde. Und diese Videos bei Youtube, also da komme ich bestimmt recht bald dazu. Ich speichere, notiere, like, herze. Und das meiste für später. Ich kann grad nicht. Aber später kann ich bestimmt. Es gibt so viel zu sehen, so viel zu hören, so viel zu lesen, so viel zu lernen, so viel zu kaufen, so viel zu zeigen so viel zu notieren, so viel zu merken. Es. Gibt. Einfach. So. Viel.

    Wer kennt das auch? Wer hat ebenfalls Playlisten bei Netflix, Prime, Disney und Co. und wartet auf die richtige Zeit, sich das alles anzusehen? Wer hat ebenfalls Playlists mit Podcasts und Musik bei Spotify und Apple Music oder in einem anderen Feed-Programm? Wer speichert sich ebenfalls Posts in Instagram, LinkedIn, Twitter, Youtube, um sie später anschauen zu können? Wer besitzt einen Account eines Read-Later Services wie Pocket, Matter oder Instapaper? Wer nutzt eventuell Tools wie Miro, Notion und Co. um der Flut der Informationen Herr zu werden? Wessen Linksammlung in unterschiedlichsten Browsern platzt aus allen Nähten? Oder wer ist so Hardcore und schließt sie ganzen offenen Tabs im Browser einfach gar nie? Weil man es nicht mehr schafft, das alles aufzunehmen, zu strukturieren, zu priorisieren? Weil alles doch bestimmt irgendwann wichtig sein wird und dann griffbereit sein muss. Weil man irgendwann die Zeit hat, das alles zu lesen, schauen, hören. (Einen schönen Gruß an die ehemalige Kollegin, die sich selbst Tab-Schlampe nannte)

    Doch der Moment kommt nie. Stattdessen kommt immer mehr Inhalt dazu. Und neben all den Dingen, die uns im Netz und in Apps angeboten werden, gibt es ja auch noch dieses analoge Leben, wo Kinofilme, Zeitschriften und Bücher darauf warten, konsumiert zu werden. Und dann soll man auch noch arbeiten, schlafen, essen, das Bad putzen und sozialen Kontakten nachkommen?

    Gesucht wird: Die perfekte Später-App

    So stelle ich also die Frage: Wo bleibt denn DIE eine App, die Ordnung in das ganze Chaos bringt? Denn Services wie beispielsweise Pocket sind wunderbar geeignet, um Links und Inhalte für später zu speichern. Es ist eine wundervolle Ablage, doch in Wirklichkeit ist die Ablage ein Papierkorb, der niemals voll wird und in den man in den meisten Fällen nie wieder hinein schaut. Dazu kommt die Tatsache, dass dies nur Pocket ist. Schon mal versucht, Inhalte aus LinkedIn, Instagram oder Pinterest NICHT in den Plattformen selbst, sondern irgendwo zentral zu speichern? In der dafür benötigten Zeit, könnten zwei für später gespeicherte Artikel gelesen werden. Wo also ist DIE eine App, die alle Plattformen verbindet?

    Was ich benötige ist ein Service, der auf jeglicher Plattform und auf jedem Gerät funktioniert und es mir ermöglicht, alles was ich möchte für später zu speichern. Außerdem soll das Speichern möglichst einfach funktionieren, denn ich habe keine Zeit, um Tags und Sterne und dergleichen zu vergeben. Natürlich soll es mir der Service erlauben, dennoch alles sehr einfach wiederzufinden. Aber jetzt kommt die Königsdisziplin: Der Service soll so intelligent sein, dass er fehlerlos erkennt, wenn Inhalte nicht mehr benötigt werden: Die Trailer von Filmen, die ich bereits gesehen habe? Die gespeicherten Produkte, die ich schon längst bestellt habe? Die Artikel über Reiseziele, die ich längst besucht habe? Weg damit. Außerdem möchte ich, dass der Service mir gespeicherte Inhalte passend zur Tageszeit, in passenden Häppchen vorschlägt, nämlich dann, wenn es passt. Zeitlich und inhaltlich. Suche ich nach Schuhen, will ich, dass mir irgendwann gespeicherte Schuhe angezeigt werden. Möchte ich mich zum Thema Moderation im agilen Umfeld fortbilden, möchte, dass der Service all die Artikel findet, die ich vor Monaten dazu gespeichert habe und sie mir vorschlägt. Scrolle ich zu lange durch Instagram, möchte ich dass der Service mir vorschlägt, lieber etwas sinnvolles zu lesen.

    Es ist einfach alles zu viel. Zu viele Plattformen, zu viele Inhalte. Und gleichzeitig zu wenig Zeit, alles zu konsumieren. Eine Überforderung tritt ein. Schnell ist man nicht mehr Herr seiner Inhalte. Und was eventuell sogar einfach damit abgetan werden kann, dass diese ganzen „verlorenen“ Inhalte in diesem Fall offenbar doch nicht so wichtig waren, so könnte auch argumentiert werden, dass aus genau diesem Grund die tatsächlich wichtigen, relevanten Inhalte verloren gehen. Verloren in dem schwarzen Loch, das uns die Später-Konsumieren-Dienste bieten. Verloren in der unbesiegbaren Welle an vermeintlichen Nichtigkeiten.

    Überforderung und UX

    Diese Art der Überforderung ist ein wichtiger Aspekt im Bereich der User Experience. Auch hier muss es immer das Ziel sein, den Anwendenden nur genau die Informationen anzuzeigen, die sie tatsächlich benötigen. Werden zu viele Informationen, Optionen und Aktionen angeboten, tritt auch hier schnell der Effekt der Überforderung ein. Anwendende finden sich nicht mehr zurecht und übersehen dabei sogar angezeigte, relevante Informationen, selbst wenn sie direkt vor ihrer Nase sind. Die Devise lautet wie so oft: Weniger ist mehr.

    Nun wird es den von mir so sehr gewünschten Service niemals geben (Prove me wrong!). Die unterschiedlichen Plattformen sind ganz bewusst viel zu erpicht darauf, ihre Nutzer:innen möglichst lange auf der eigenen Plattform zu halten. Es soll nur dort konsumiert werden. Doch vielleicht gibt es einen menschlichen Workaround für dieses „Problem“. Vielleicht benötigen wir nicht noch einen digitalen Dienst, der uns hilft, Ruhe im Chaos zu finden. Vielleicht können wir das selbst.

    Oder liegt die Lösung bei uns selbst?

    Das Wort Konsum ist gerade gefallen. Und ist es nicht gerade heute, in diesen Zeiten, sinnvoll über Zurückhaltung nachzudenken, Nachhaltigkeit, Verzicht? Könnte eine mögliche Lösung sein, einfach weniger zu konsumieren. Weniger Inhalte auf weniger Plattformen. Und wäre es nicht empfehlenswert, bewusster zu konsumieren? Sich zu fragen, ob der Artikel, das Video, die Serie, der Podcast, was auch immer, wirklich so wichtig ist, dass man ihn oder sie später lesen, sehen, hören will? Oder anders ausgedrückt: Wenn er oder so sie so wichtig ist, warum dann nicht jetzt? Die „Weniger ist mehr“-Devise haben wir selbst in der Hand.

    Warme Worte eines UX Profis, der genau versteht, wie verlockend die beliebten Dienste sind. Wie Dark Patterns funktionieren. Wie Menschen funktionieren und wie diese Dienste es perfektioniert haben, die menschlichen Bedürfnisse zu nutzen oder gar auszunutzen. Und wie sie, wie schon erwähnt, peinlichst genau darauf achten, ihre Nutzer:innen möglichst lange auf den eigenen Plattformen zu halten.

    Es ist Mai. Zeit für den Frühjahrsputz. Nicht nur in der Wohnung, auch in den Köpfen, in den Ordnern auf dem Rechner, in den beliebten Plattformen, in all unseren Speichere-für-später-Diensten. Räumt auf, schmeisst weg, werdet euch des Konsums bewusst und konsumiert ab sofort bewusster. Ich nehme mir das fest vor. Viel Glück.

    Und wer bis hier gelesen hat, muss diesen Artikel zum Glück auch nicht mehr abspeichern.

  • Notes Art – Oder wie Restriktionen die Kreativität fördern

    Notes Art – Oder wie Restriktionen die Kreativität fördern

    DamalsTM, als ich noch jung war, erlaubte Twitter nur 140 Zeichen für einen Tweet. Weniger als eine handelsübliche SMS. 140 Zeichen reichten aus, um witzige, informative und kluge Tweets zu kreieren. Mehr noch, 140 Zeichen zwangen dazu, nicht nur witzig, informativ und klug zu sein, sondern vor allem kreativ. Wie schafft man es, mit so wenig Platz maximale Aussage zu tätigen? Wie bringt man Kommunikation auf den Punkt? Wie begeistert man mit einer derartigen Restriktion?

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  • Icons und das Redesign der Apple Website

    Icons und das Redesign der Apple Website

    Interessante Änderung auf der Apple Website. Das Auswahlmenü der Produktkategorien am oberen Rand öffnete bislang eine weitere, darunter liegende Leiste, in der die einzelnen Produkte als Icon abgebildet waren. Die Icons wurde durch eine Beschriftung begleitet und erleichterten die Auswahl. So wurden unter der Kategorie „Mac“ alle jeweiligen Modelle als Grafik und mit zusätzlicher Beschreibung angeboten.

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  • Audio Branding der Deutschen Bahn

    Audio Branding der Deutschen Bahn

    Die deutsche Bahn hat im Rahmen der Weiterentwicklung ihrer Marketingstrategie das Audio Branding modernisiert und in einem, wie ich finde, sehr schönen Video erklärt. Mir gefallen solche Einblicke, in denen zwar mit viel Marketing-Blabla und Buzzwords um sich geworfen wird, die aber dennoch eine Idee davon geben, wie hart und detailliert für ein derart stimmiges, erklärbares, nachvollziehbares Konzept gearbeitet werden muss. Als UX Designer und Gatte einer Marketingfrau kann ich ein Lied davon singen, wie anstrengend das sein kann. In diesem Fall ist der zuständigen Agentur „Why do birds“ (toller Name übrigens) etwas sehr gutes gelungen.

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  • Jede Straße in jeder Stadt

    Das kleine, aber äußerst faszinierende Tool City Roads zeichnet auf Basis von Open Streetmap Karten eine Grafik von Städten, die nur aus den Linien der Straßen besteht. Die Ergebnisse sehen derart hübsch aus, dass man sie am liebsten ausdrucken und an die Wand hängen möchte. Und warum auch nicht? Eine kleine Galerie der persönlichen Lieblingsstädte vielleicht? Probiert es aus.

  • Freiburg wird 900 Jahre jung

    Meine Lieblingsstadt Freiburg im Breisgau feiert in diesem Jahr 2020 seinen 900. Geburtstag. Wie es sich für eine solchen Anlass gehört, wurde eigens für dieses Jubiläum ein visuelles Design erstellt. Die von der Agentur designconcepts gestalteten Visuals werden auf Flyern, Straßenbahnen, Webseiten, Postern, Schlüsselanhängern und so weiter verwendet und ergeben ein zunächst gelungenes Gesamtergebnis.

    Nun bin ich ja leider ein einigermaßen visueller Mensch, der vielleicht manchmal zu oft auf Details achtet. Und dieser Mensch muss trotz aller Liebe zu Freiburg sagen, dass die gefälligen Farben und die moderne Darstellung weder etwas über die Stadt oder das Umland aussagen und leider äußerst austauschbar, ja, sogar uninspiriert sind. Derartige Hintergründe findet man auf einschlägigen Webseiten zuhauf und kostenlos. Mir will auch kein Grund einfallen, weshalb das FREI kleiner und eingerückt ist und nicht bündig mit dem BURG abschließt. Und das, wo sich die 4 mal 4 mal 4 Darstellung mit der 2020 so schön anbietet.

    Aber egal. Zu sehr mag ich die Stadt, sage herzlichen Glückwunsch und hoffe, dieses Jahr einmal zu Besuch kommen zu können. Es ist schon viel zu lange her seit ich zuletzt eine lange Rote auf dem Münsterplatz aß.

  • User Interface gone wrong

    Für mich als UX Designer sollte die Seite User Inyerface ein Alptraum sein. Ist sie aber nicht, weil sie sehr konzentriert zeigt, was so alles schief laufen kann, wenn man ein User Interface falsch gestaltet. Wir haben im Büro Tränen gelacht beim Versuch, den Ablauf komplett durchzugehen.

  • GIF-Art

    Wunderschöne GIF-Animation von Cento Lodigiani, die er in seinem Tumblr präsentiert.

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  • Mac OS X Dock Icons with Style

    Mac OS X Dock Icons with Style

    Auf der Suche nach stylischen neuen Icons für mein OS X Dock entdeckte ich einen Eintrag im MacRumors Forum. Der im Moment 26 Seiten lange Thread beginnt mit der üblichen Suche und einigen Angeboten, bis ein gewisser Arn0 beginnt, Icons auf Anfrage zu erstellen. Anfangs noch in vollständig runden Versionen, später in unterschiedlichen Ausführungen und im iOS 7-Style.

    Der echte Name des Künstlers ist Arnaud Leroy und in diesem Dropbox-Ordner können alle bislang erstellten Icons herunter geladen werden.

    Auch wenn sich am „flachen“ iOS 7-Design die Geister scheiden, liebe ich den einfachen und klaren Stil. Für meinen Frühjahrsputz waren diese Icons genau das richtige.