Jahr: 2008

  • George Lucas in Love

    Manchmal entdeckt man etwas, das einem den Tag versüßt. In meinem Fall war es ein wunderbarer Kurzfilm, an dem ich mich heute in Sebbis Blog erfreuen konnte. „George Lucas in Love“ erzählt die wahre Geschichte, wie das Star Wars Universum entstand, ist professionell gemacht, mit sympathischen Darstellern, jeder Menge Gags, Anspielungen und einer drolligen Schlusspointe. Einfach herrlich.

  • Mir fehlen die Worte

    Gibt es eigentlich kein Wort, um die Tätigkeit des Filme-guckens (-ansehens, -anschauens) zu beschreiben? Um Ins-Kino-gehen etwas einfacher auszudrücken? Wenn man Fernsehen schaut, dann tut man Fernsehen. Was macht man denn im Kino? Kinosehen? Hat sich der Herr Duden da schon was überlegt? Muss ich erst bei 1Live anrufen, die eine Umfrage starten sollen, wie letztens erst bei der Ersatzwortfindung für Public Viewing? (Die den Begriff „Rudelgucken“ als verdienten Sieger prägte) Und wie ist es, wenn man den Film auf DVD zu Hause schaut, also zwar im Fernsehgerät, aber ohne Fernsehprogramm? Filmesehen?

    Was würdet ihr vorschlagen?

  • Die Welt verstehen

    Manchmal versteht man einfach die Welt nicht. Und man versteht sie oft deshalb nicht, weil einem das Hintergrundwissen dafür fehlt. So weiß ich bei allem Ärger mit der Deutschen Bahn, was hinter den Kulissen passiert, welche Probleme sich auftürmen, wie mit Sicherheit fieberhaft an Lösungen gebastelt wird. Der gemeine Kunde draußen am Bahnhof weiß davon natürlich nichts, ärgert sich und flucht.

    Der Patient im Krankenhaus, der schon seit vier Stunden auf den Besuch eines Arztes wartet, flucht ebenfalls, sieht den Herrn Doktor in seiner Vorstellung mit den Krankenschwestern Kaffee trinken und flirten, während ihm selbst ein krankes Körperteil zu schaffen macht. Dass der Arzt überhaupt nicht an Kaffee denken kann, weil er seit 16 Stunden unter Strom steht und vor lauter Arbeit nicht nach kommt – davon kann der Patient natürlich nichts wissen.

    Unser Blickfeld ist immer eingeschränkt. Und je weniger Informationen wir bekommen, umso quälender ist es, umso schwieriger zu verstehen ist diese Welt.

    Mir ging es erst neulich wieder so, als ich in eine Baustelle auf der Autobahn fuhr. Also natürlich nicht in die Baustelle selbst, sondern in den Stau der sich bildete, weil plötzlich zwei Fahrspuren verloren gingen, um Platz zu schaffen für.. nunja, eigentlich nichts. Ich sah dort einen Bagger, hier eine Maschine, da ein Stückchen platt gewalzter Boden, dort einen Sandhaufen. Aber keinen Menschen und keine Bewegung. Nichts besonderes also. Allerdings sieht dieses Bild bereits seit gut einem Jahr so aus. Es scheint einfach kein bisschen voran zu gehen.

    Auch hier muss ich natürlich gestehen, keinen Einblick zu haben. Jeder Arbeiter in der Autobahnmeisterei wird nun vermutlich stöhnen, wenn er das liest. Aber für mich als uninformierter Autofahrer ist es einfach unverständlich weshalb ein Hochhaus schneller in den Himmel wächst, als ein Stückchen Erde mit Teer bedeckt und platt gewalzt werden kann. Kann es denn so schwer sein, eine Grube auszuheben, Sand hinein zu werfen, diesen platt zu machen, mit der Wasserwaage zu überprüfen, Teer drauf, wieder zu walzen und Striche zu malen? Das ist doch in wenigen Tagen erledigt.

    In meiner Welt. Aber meine Welt ist nicht die reale Welt. Und manchmal versteh ich die Welt einfach nicht. Aber immerhin weiß ich warum.

  • Darf ich in deine Blogroll?

    Die Blogroll, also die Linkliste, die ihr in fast jedem Blog seht, ist in den meisten Fällen eine Aufzählung der Blogs und Seiten im Netz, die der Autor guten Gewissens empfehlen kann. Weil er sie selbst liest und schätzt. Und/oder weil er die Macher der Seiten persönlich kennt. Anfragen nach Aufnahme in meine Blogroll habe ich immer geflissentlich ignoriert (es waren ja auch nicht viele) und selbst nach einer Aufnahme habe ich daher auch nicht. Obwohl ich gerne in so mancher Blogroll stehen würde. Aber wie gesagt: in eine Blogroll aufgenommen zu werden ist eine Art Privileg. Das kann man nicht erzwingen. Nicht mal mit dem Argument "Aber ich hab dich doch auch drin."

    Die Blogroll verändert sich auch stetig. Meine zum Beispiel ist letztens erst wieder angewachsen. Man entdeckt neues, man empfiehlt neues. So einfach ist das. Was aber tun, wenn man Empfehlungen entfernen möchte? Wenn man Blogs in der Liste hat, die man zum einen schon immer drin hat und die zum anderen Menschen gehören, mit denen man auch privat eng verbunden ist. Darf man die entfernen? Muss man sich dafür eine Erlaubnis holen? Oder kann man da frech sagen: "Du schreibst so gut wie keine Beiträge mehr, dein Blog liegt brach, ich kann dich nicht weiter empfehlen."? Oder: "Ganz ehrlich, ich mag deinen Stil nicht mehr. Du bist ein ganz besonderer Mensch, den ich nie verlieren möchte. Aber dein Blog möchte ich nicht weiter empfehlen."?

    Wie haltet ihr das? Was kommt bei euch in die Blogroll und was fliegt raus? Seht ihr euch die Blogroll in Blogs, die euch gefallen, überhaupt an? (Ich glaube ja, nach euren Antworten auf die Frage nach den Seitenleisteninhalten.)

  • Männer, aufgepasst. Ich weiß etwas, was ihr nicht wisst.

    Zumindest bin ich mir sicher, dass über 90% von euch da draußen es nicht wissen. Dabei könnte es so hilfreich, ja wichtig für euch sein. Und soll ich euch erzählen, weshalb ihr es nicht wisst? Weil nur Frauen darüber Bescheid wissen. Weil sie es sich heimlich weiter erzählen, beim Shoppen, beim Brautkleid aussuchen, beim gemeinsam die Toilette besuchen. Oder – und das ist der wahrscheinlichste Fall – weil Mütter es ihren Töchtern weiter tragen, während wir Männer unwissend manipuliert werden und die Frauen sich wissend zunicken und lächeln.

    Worum es geht, wollt ihr wissen. Ums Heiraten. Um das Anschneiden der Torte. Um das kleine, unmissverständliche Zeichen beim Schneiden. In den meisten Fällen wird es nämlich so ablaufen, dass der Mann, der Gentleman, sich das Messer schnappt, an der Torte ansetzt und die frischgebackene Ehefrau ihre Hand auf die seine legt. Dann schneiden die beiden das erste Stück an. Der Mann drückt, aber die Frau dirigiert. Alle jubeln. Ein harmonisches Bild. Das gemeinsame Anschneiden. Alle anwesenden Männer denken sich nichts. Und alle anwesenden Frauen nicken sich gegenseitig zu, als wollten sie sagen: "Sehr gut, sie wird die Hosen anhaben in dieser Ehe. Er führt zwar aus, aber sie regelt, wie er es tut." Die Schwiegermutter wird mit Tränen in den Augen die Hände falten und seufzen.

    Männer, sagt selbst, ihr seid entsetzt. So manipuliert zu werden, ist nicht schön. Aber euch kann geholfen werden. Ihr habt ja mich, den Frauenversteher, der das Geheimnis für euch ans Tageslicht gebracht hat. Und es ist ganz einfach, denn wir drehen den Spieß einfach um. Wir überlassen das Messer der Braut, geben ihr also im wahrsten Sinne des Wortes das Heft in die Hand. Wir hauchen ihr ins Ohr, wie glücklich wir sind, sie gefunden zu haben und legen sanft unsere Hand auf die ihre. Dann werfen wir einen kurzen Blick in die Runde der Gäste, nehmen mit Wohlwollen die entsetzten Gesichter der Frauen und besonders der Schwiegermutter wahr und dirigieren sodann das Messer durch den Kuchen.

    Und dann, zu Hause, lieben und ehren wir die Braut, so wie versprochen und lassen sie in dem Glauben, die Hosen in der Ehe anzuhaben, lächeln leise und freuen uns, rechtzeitig das entscheidende Zeichen gesetzt zu haben, dass dem nicht so ist. Das mag vielleicht nicht helfen, wenn sie von uns verlangt, den Müll runter zu tragen. Aber beim nächsten Besuch der Schwiegereltern wird die Stimmung eine ganz andere sein.

  • Wer hat Freunde bei der Telekom?

    Vor langer Zeit dachte ich darüber nach, wie der optimale Freundeskreis aussehen müsste. Man sollte einen Steuerberater als Freund haben, einen Automechaniker, einen Frisör, einen Bar-Besitzer und so weiter. Jetzt gibt es noch einen Freund, den ich nicht habe. Kennt vielleicht jemand von euch jemanden, der beim T-Konzern arbeitet? Oder kennt ihr jemanden, der jemanden kennt, der beim T-Konzern arbeitet? Oder vielleicht kennt ihr jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der… naja, weil.

  • Kleiner Hai und großes Marketing

    Ich bilde mir ja gerne ein, mitverantwortlich für den Erfolg des kleinen Hais zu sein. Schließlich zeigte ich das Originalvideo hier bereits, als der Song noch nicht in den Charts war. Bei uns im Büro hörte man lange "Dumm dumm"-Gesänge auf den Fluren. Und erst als eine Kollegin auf mich zukam und mir ihren neuen Hai-Klingelton vorspielte, wusste ich, dass hier ein neuer Hype entstand. Der bei allesroger.net seinen Anfang genommen hatte.

    Nun ja. Leider nicht ganz. Und vermutlich überhaupt nicht. Aber der Hype ist da, der Song in den Charts, der Klingelton höchst beliebt. Und plötzlich stellt sich die Musik-produzierende- und die sie beobachtende Berichterstattungswelt die Frage, wie es so weit kommen konnte. War das alles geplant? Ist es eine virale Kampagne gewesen? Stecken dahinter böse mächtige Agenturen? Oder ist die "Sängerin" Alemuel selbst Drahtzieherin des Ganzen? Immer mehr Details kommen ans Licht. Und gleichzeitig bleiben Fragen.

    Fragen, die spätestens dann vergessen sind, wenn der Song vergessen ist. Also im Herbst. Dann wird sich ein neues grusliges, verrücktes, bescheuertes Video bei Youtube auf Stefan Raabs Spuren begeben und einen neuen Hype losbrechen. Ich werde der erste sein, der darüber berichtet und die Welt wird sich wieder fragen, ob das nicht von vornherein von mir so geplant worden war. Man kann echt keinem mehr trauen in diesem Internet.

    Ein paar Links für Interessierte: Ein Interview mit Alemuel. Gedanken der Netzzeitung. Oljo Blog deckt auf. Christiane Schulkzi-Haddouti analysiert sehr gekonnt. Und EKM Consult rechtfertigt sich.

  • Ich hasse den Internet Explorer

    Und er hasst mich. Ich habe es schonmal erwähnt, dass ich ihn hasse, oder? Ich hoffe es. Denn ich tu es. Ich hasse ihn. Derzeit, so musste ich heute feststellen, lässt sich mein Blog mit der Version 6 des IE nicht mehr betrachten. Fehlermeldung unbekannter Ursache. Die eingebundenen Songza Songs waren wohl nicht Schuld, denn die sind gelöscht. Auch die Youtube Videos scheinen unwahrscheinlich… Hat irgendjemand einen Tipp für mich? Oder surft ihr alle schon mit hochwertigen IE-Alternativen?

    Update: Okay, es sollte wieder laufen. Der Fehler lag wohl an einem falschen HTML-Tag am Ende eines Artikels. Was mich wieder zur Erkenntnis bringt, dass ich den IE hasse, weil nur der bei so etwas sofort komplett abbricht. Ätzend ist das.

    Update 2: Mit großartiger Hilfe (mal wieder) des Serendipity Forums und besonders von Chefentwickler Garvin konnte ich zumindet mal all die Fehler beseitigen, die mein Blog so mit sich führte. Von insgesamt 127 XHTM-Fehlern runter auf 0. Ich bin sowas von valide. Einstellungen wurden behoben, Plugins neu eingerichtet, Template Dateien erneuert. Das Ergebnis ist ernüchternd. Offenbar liegt es tatsächlich nur an eingebetteten Flash-Anwendungen, die in meinem Blog nicht im IE angezeigt werden wollen. Und auch hier nur bei manchen. Also ein Fehler von IE oder Flash. Es bleibt mysteriös. Und ich möchte daher nochmals dazu aufrufen:

    Bitte steigt um auf alternative Browser. Die Vorteile überwiegen. Es gibt keinerlei Gründe, es nicht zu tun.

  • Langeweile am Mac

    Gestern mittag – Sonntag mittag – hatte ich doch tatsächlich eine äußerst
    schwache Stunde und… mir war langweilig. Ich hockte am Schreibtisch,
    starrte auf mein aufgeklapptes Macbook und wusste nichts mit mir
    anzufangen. Alles schien bereits erledigt zu sein. Die Musik sortiert,
    die Bilder bearbeitet, die Favoriten entrümpelt, die Blogeinträge
    getippt. Und dazu kam, dass mein Mac einfach läuft. Im Ernst. An dem
    Teil gibt es einfach nichts zu basteln, nichts zu warten. Er läuft und
    läuft und läuft und macht keine Probleme. Das ist gruslig. Und
    langweilig.

    Ha. Könnt ihr, meine treuen Leser, euch erinnern, wie ich mir genau das gewünscht hatte? Endlich nicht mehr basteln zu müssen, endlich ein System zu haben, das tadellos funktioniert? Tja, man ist halt nie zufrieden, gell? Ich stöberte ein wenig herum und stellte zu meiner Beruhigung fest, dass ich nicht alleine mit dem Problem war. Bei MacUser.de wurde das Problem im Forum besprochen und auch Apfelquak widmete dem Thema einen Artikel. Sehr schöne Tipps, was man gegen die Langeweile tun könnte, fand ich.

    Okay, ich gebe es zu, dieser Beitrag ist nicht ganz ernst gemeint. Die Langeweile verschwand schnell wieder. (Ich habe noch Videos zu schneiden, neue Icons zu suchen und mal endlich GTA IV weiter zu spielen). Vielleicht könnte ich ja mal, jetzt da ich einen Rechner habe, der meine Unterstützung nicht braucht, anfangen, mir ein Leben zu suchen. Oh ja. Das ist gute Idee. Hallo Leben, lange nicht gesehen, was gibt’s Neues? Ich? Oh, ich habe mich zu lange mit meinem PC beschäftigt, aber jetzt bin ich wieder ganz für dich da. Versprochen.

  • Die Telekom, Britain´s got Talent und Paul Potts

    Die deutsche Telekom lanciert derzeit massiv einen ungewöhnlich langen und recht emotionalen Werbespot im Fernsehen. Darin zu sehen ist der Auftritt eines eher unscheinbaren Mannes, der in der englischen Sendung „Britain’s got Talent“ Nessun Dorma zum Besten gibt. Dazwischen Einblendungen verschiedener Zuschauer, die an den Fernsehapparaten, ihren Handys und Notebooks den Auftritt verfolgen und hingerissen sind. 

    Zunächst könnte man sich ja fragen, weshalb die Telekom dazu auf eine englische TV-Sendung zurückgreifen muss, die hierzulande so gut wie unbekannt ist. Und auch, was das mit dem Produkt der Telekom zu tun hat. Natürlich, es geht um Emotionen und darum, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, daran teilzuhaben.

    Als ich den Spot sah, wurde mir wieder bewusst, dass ich mit einem Kloß im Hals da saß und ich erinnerte mich daran, schon seit langem etwas über die englischen Talente schreiben zu wollen. Der Opernsänger in dem Telekomspot heißt Paul Potts und war der Gewinner der ersten Staffel „Britain’s got Talent“. Eine außergewöhnliche Stimme, ein außergewöhnlicher Auftritt. Man beachte nur die Reaktionen der Jury vor und nach seinem Auftritt.

    Man beachte bitte auch die Reaktionen des Publikums. Ich habe selten zuvor erlebt, dass ein Publikum so hingerissen und begeistert ist. Und dazu gibt es noch weitere Beispiele. Denken wir nur an den blonden kleinen Andrew, der in der Schule verprügelt wird, weil er singt. Und dann hört man ihm zu, sieht, wie die Jury und das Publikum sich ihrer Tränen nicht erwehren können und schluckt. Legendär auch der Auftritt der kleinen Connie, die mit ihrer Interpretation von „Somewhere over the Rainbow“ alle zum schmelzen bringt. Oder der großartige Auftritt von Craig, der seinen Baton Twirler Auftritt seiner Großmutter widmet. Das alles ist ganz großes Kino. Ganz große Gefühle. Wer hier einfach abwinkt, der hat kein Herz.

    Und RTL scheint kein Talent zu haben, ebenfalls solche magischen Momente zu erzeugen. Hat England vielleicht einfach die besseren Talente? Oder die besseren Zuschauer? Oder eine bessere Jury? Bessere Moderatoren? Mehr Talent, so eine Sendung richtig über den Äther zu schicken? Ja, vermutlich von allem ein bisschen. So ist es mehr als verständlich und auch mehr als clever von der Telekom, damit einen Spot zu gestalten. Ich bin hingerissen (nur von dem Spot).

  • Mein getaggtes Leben

    Folgendes sollte ich vielleicht gar nicht erzählen. Zum einen, weil mir dann vielleicht jemand die Idee klaut. Zum anderen, weil mir dann jemand sagt, dass es die Idee bereits gibt, und mir die Hoffnung nimmt. Die Idee ist folgende: Spätestens seit dem Web2.0 ist Tagging en vogue, also das stichwortartige Beschreiben. Auch mein Blog basiert weitestgehend auf der Navigation mittels Tags. Besonders beliebt und auch weit verbreitet sind sogenannte Tag-Wolken. Das ist eine Ansammlung von Tags, die entsprechend ihrer Häufigkeit in ihrer Größe variieren. Je öfter, sprich je wichtiger das Tag, umso größer ist es.  Wäre das keine tolle Idee für T-Shirts? Tag-Wolken, die den Träger des T-Shirts beschreiben. Mit allen Adjektiven, die einem einfallen, gewichtet und entsprechend vergrößert. Wenn man hauptsächlich witzig und sexy aber auch nachdenklich und naschsüchtig ist. Wenn man sportlich ist, dafür aber auch Mario-Kart-Fan. Die Möglichkeiten wären mannigfaltig. Für Singles, die auf Partnersuche (mit ähnlicher Tag-Wolke sind) ein cooles Accessoire.

    Das Leben als Tag-Wolke. Mir würde so manches zu meiner Person und zu meinem Leben einfallen. Und während ich darüber nachdenke schweift mein Blick über die Tag-Wolke in meinem Blog. Mein Blog hält seit mittlerweile fast drei Jahren alles fest, was ich interessant, lustig oder ärgerlich finde. Alles, was ich persönlich für erwähnenswert erachte, wird in einem Artikel festgehalten und getaggt. Verstichwortet. Verstichwortbewölkt. Sprich, die Tag-Wolke meines Blogs könnte eine Tag-Wolke meines Lebens der letzten drei Jahre sein. Schauen wir mal hin.

    Welches Tag erscheint denn am größten, und somit auch am häufigsten in den Artikeln? Lustig. Mein Leben scheint also viel Spaß zu beinhalten. Außerdem sind Filme und Videos offenbar beliebte Inhalte. Aber auch Fragen werden wohl sehr oft gestellt, was auf einen nachdenklichen Menschen schließen könnte. Natürlich ist das Tag "Blog" sehr präsent. Verständlich, wenn man als Blogger auch über das Bloggen schreibt. Das Internet und Fernsehen stechen noch hervor. Die Städte, die ich bewohn(t)e und zum Glück auch Freunde. Ärger ist auch ein großes Wort, genauso wie Kritik und Welt. Interessant. Am besten gefällt mir aber, dass das Wort "Leben" mit zu den größten gehört. Ein Beweis, wie wichtig mir das Leben ist? Wie gerne ich über das Leben an sich schreibe? Das Leben, das Universum und der ganze Rest?

    Gleichzeitig würde man aber auch Tags vermissen: Bücher. Als würde ich nicht lesen (was ich allerdings zur Genüge tue). Oder Sport (okay, der kommt noch zu kurz). Aber vielleicht möchte ich ja auch nicht über alles schreiben, was mein Leben bestimmt. Vielleicht gibt es noch viel Privates, was hier nichts verloren hat. Entdeckt irgendjemand das Tag "Privat"?

    Okay, ich gebe zu, das war ein Gedankenspiel. Natürlich beschreibt die Tag-Wolke meines Blogs nicht mein Leben. Aber sie kommt schon sehr nahe. Zumindest so nahe, dass ich wirklich sagen kann: Ja, dies ist meine Tag-Wolke, zu diesen Themen stehe, diese Themen bewegen mich, über diese Themen denke ich nach und schreibe darüber.

    Erzählt mir, was in eurer Tag-Wolke stünde. Oder, wenn ihr Blogger seid, ob ihr eurer Tag-Wolke uneingeschränkt zustimmen könnt und sie etwas über euch aussagt. Und falls jemand mit mir die Idee mit den T-Shirts verwirklichen will (ein cooles Web2.0-Projekt vielleicht) so möge er sich bitte an mich wenden.

    Hmm, welche Tags gebe ich nun diesem Artikel?

  • Amiga mit Wasserschaden

    So ein Wasserschaden im Keller hat vielleicht auch etwas gutes. Derzeit stehen noch alle ehemals nassen Kartons in meiner Wohnung, während ich entscheide, was von den Inhalten ich noch weiter behalten will/kann. Einige Sachen sind kaputt, andere nicht und bei diesen gilt es nun zu überlegen, ob sie mir überhaupt noch wichtig sind, wenn sie doch nur in Kartons im Keller liegen. So auch mein Amiga nebst Zubehör. Ein ganzer Karton voller Disketten, Kabel, Mäusen, Competition Pro Joysticks, Büchern, einem Monitor und natürlich der nassen Freundin selbst gilt es nun zu sichten. Und selbst wenn bei meinem Test am Wochenende, ob das Gerät noch funktioniert und die Disketten überhaupt noch Daten enthalten (manche sind noch aus dem Jahr 1987 und den magnetisch gespeicherten Daten kann die Lagerung und die lange Zeit nicht gut getan haben), muss ich mich doch folgendes fragen: Will ich das alles behalten?

    Ich bin ein Nostalgiker, was hin und wieder meinem "Simplify your Life" Prinzip im Wege steht. Von manchen Dingen, die ich nicht mehr benötige, kann ich mich problemlos trennen. Von meinem PC beispielsweise. Von anderen wiederum nicht. Mit meinem Amiga verbinde ich eben nicht nur Computerspiele, sondern ein Gefühl, meine Jugend, alles. Sehr emotional das Ganze, ihr versteht. Rational gesehen muss ich natürlich gestehen, das Gerät und all das Zubehör ausschließlich aus Nostalgiegründen zu behalten. Anschließen und nutzen tu ich das alles nicht mehr. Und wenn, dann stelle ich fest, dass meine Erinnerungen an die damaligen Spiele, an die Demos, die Programme, die Bedienung weitaus leuchtender sind, als die Realität. Ich muß damals viel Zeit gehabt haben, denn die Ladezeiten sind quälend. Auch habe ich damals wohl viel mehr meine Phantasie eingebracht, denn aus den einfarbigen Polygonklötzen erkenne ich heutzutage nichts mehr. Kurz gesagt, die Frage ist wirklich, ob ich diesen Karton weiter behalten soll.

    Und diese Frage stelle ich mir ja nicht zum ersten Mal, wie ihr wisst. So lange ist es nicht her, dass ich mich auf den Weg machte, eine ganze Wagenladung Amiga Rechner und Spiele in einer fernen Stadt abzuholen. Bis auf meine eigenen Disketten und die meiner damaligen Demo Gruppe Addonic kann man so gut wie alles im Netz herunter laden. Was also spräche dagegen, den Nostalgiegefühlen per Emulator zu frönen? Nun, wie gesagt, die persönlichsten Erinnerungen gingen verloren. Und ein Emulator fühlt sich nunmal nicht an wie echt. Das ist wie Sex mit einer Gummipuppe (stell ich mir vor).

    Was mich gleich zu meiner Frage bringt: Kann mir jemand einen guten Amiga Emulator auf dem Mac empfehlen? Offenbar werden diese nur unter Windows gehegt gepflegt. Für OS X fand ich nur alte Emulatoren, die seit der Jahrtausendwende nicht mehr weiter entwickelt wurden. Und möchte ich wirklich einen Emulator in einer virtuellen Maschine (Parallels oder so) laufen lassen? Sprich, quasi die doppelte Simulation?

    Ist Nostalgie in unseren Köpfen schöner als in Wirklichkeit? Kämen wir heute noch auf die Idee unsere alten Musik Kassetten anzuhören? Andererseits erfreuen sich Schallplatten noch immer großer Beliebtheit. Würden wir wirklich noch Filme auf VHS kaufen? Andererseits wurden und werden alte Autos verehrt und geliebt. Ich kenne Leute, die noch immer mit alten Nintendo Entertainment Konsolen spielen.

    Ich fürchte, dass ich mich pünktlich zu meinem nun nahenden 35. Geburtstag von alten Zöpfen trennen muss. Keine Kartons mehr im Keller stehend zu wissen, um die ich mich immer sorgen muß, kann etwas befreiendes haben. Hoch lebe meine Erinnerung und Phantasie. Kein Spiel kann so schön sein, wie ich es in meinem Kopf habe. Mach es gut, meine alte Freundin. Wir hatten eine wirklich tolle Zeit und du wirst immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

  • Komödie oder Drama – die Musik macht’s

    Wie ihr vielleicht wisst, bin ich ein bekennender Filmsoundtrack-Fan. Oder, um präzise zu sein, ein Score Fan. Der Score bezeichnet die instrumentale Untermalung eines Films, während der Soundtrack meist auch auch die im Film vorkommenden Songs beinhaltet. So sagen mir Namen wie Hans Zimmer, James Newton Howard, James Horner, John Williams oder Thomas Newman vermutlich mehr, als manch einem anderen. Oftmals erkenne ich bei einem Film schon beim Hören des Scores den Komponisten.

    Was mich bei guten Scores so fasziniert, ist, wie sie es schaffen, eine Stimmung zu erzeugen, die das Bild untermalt und unterstützt. Oder, wie man es in Psychothrillern gerne auch sieht, den Zuschauer damit verwirrt, dass die Schrecklichkeit des Bildes durch beruhigende Musik ad absurdum geführt wird. In den meisten Fällen jedoch dient der Score einzig der Geschichte. Die besten Scores bemerkt man daher auch gar nicht, sie strömen in unser Gehirn, verbinden sich mit den Bildern zu einem Erlebnis und kommen so natürlich daher, dass man sich gar nicht vorstellen könnte, so etwas ohne musikalische Begleitung zu sehen. (Ja, hin und wieder würde ich mir auch im richtigen Leben den passenden Score herbei wünschen.) Filmscores machen den Film noch spannender, noch trauriger, noch witzige, kurz, noch intensiver.

    Was ein unpassender Score (und natürlich auch die Schnitttechnik) bewirken kann, habe ich in folgen zwei Videos entdeckt. Der Horrorstreifen „Shining“ von Stanley Kubrick könnte laut diesem Trailer auch eine Komödie sein.

    Noch bemerkenswerter ist aber dieser Trailer zu einem nicht-existenten „Ferris macht blau“ Drama. Wer den Film bisher noch nicht gesehen hat, sollte nie wieder hierher kommen, da er keine Ahnung von Filmen hat, sollte sich die 80er Jahre Komödie (die vermutlich zu den besten Filmen aus diesem Jahrzehnt zählt und alleine an der Menge an Material für einen Drama Trailer schon beweist, wieviel Ernst und Hintergründigkeit sie besitzt) unbedingt nach diesem Trailer ansehen und überrascht sein.

    Das verwendete Stück in diesem Trailer stammt übrigens von Clint Mansell und ist etwas knifflig zu finden. Es existieren einige Remixe davon, manche offenbar nicht einmal im Handel erhältlich. Das Original heißt „Lux Aeterna“ und findet sich auf dem Soundtrack Album des Films „Requiem for a Dream„. Interessanterweise gibt es aber Versionen des Stücks, die ebenso wie der Film heißen und auch neu gemischte Versionen namens „Requiem for a Tower“ was auf die Benutzung in einem Herr der Ringe Trailer zurück zu führen ist. Überhaupt wird dieses Stück sehr oft für Trailer verwendet, ganz einfach, weil es die perfekte Dramatik vermittelt – wie in dem Ferris-macht-blau-Fake-Trailer wohl eindrucksvoll bewiesen wird.

  • Wasser!

    Ich lebte jahrelang in mit einem feuchten Keller. Obwohl – was heißt feucht? Nass war er. Manchmal konnte man dem Wasser richtig dabei zu sehen, wie es durch einen Riss in der Wand herab lief und sich am Boden sammelte. Die Hausverwaltung sah sich das Malheur immer wieder an, behauptete, es handle sich um ganz typische Feuchtigkeitsbildung, die in Kellern nun mal vorkomme und schob die Schuld auf den über meinem Keller befindlichen Supermarkt. Zehn Jahre machte ich das Hick Hack mit und hatte immer Angst um meine Schätze, die ich in Kartons aufbewahrte.

    Dann zog ich nach Duisburg, in ein uraltes Haus, dessen Kellergewölbe noch danach riechen, wie sich Menschen zwei Weltkriege lang darin versteckten. Der Keller selbst ist so klein und so trocken, dass der Staub von der Decke rieselt. Ich wähnte meine Kartons im Trockenen. Und, ihr ahnt es schon, musste diese Woche eines besseren belehrt werden.

    Vermutlich seit den verheerenden Regenfällen der letzten Woche stand mein Keller unter Wasser, die (zugegeben alten und hässlichen) Möbel hatten sich bereits munter mit Wasser voll gesaugt, aber auch Kartons waren bis zur Hälfte durchnässt. Unter anderem befüllt mit alten Micky Maus Heften. Gut, ihr werdet fragen, weshalb ich so etwas aufbewahre. Nun, es sind alte Micky Maus Hefte, teilweise noch aus den Sechziger und Siebziger Jahren. Diese komplett durchnässt vorzufinden tat sehr weh. Dass auch mein Amiga Karton und Teile meiner Modellbahn Opfer des Wassers wurden, ist da noch ein schmerzliches Randdetail.

    Selbst Schuld natürlich. Man bewahrt kostbare Dinge nicht einfach in einem Karton in einem Keller auf und schließt dann nicht einmal eine Hausratversicherung ab. Die Hefte liegen mittlerweile alle getrocknet und – natürlich – wellig in meiner Wohnung aus. Sobald ich sicher bin, dass sie komplett ihre Feuchtigkeit verloren haben, werden sie wieder glatt gepresst und diesmal sicher verpackt. Und definitiv nicht mehr im Keller verwahrt.

  • Komme ich jetzt ins Fernsehen?

    Ich, weiß, ich schulde euch noch einen Artikel, wie es dazu kommen konnte, dass ich für 90 Sekunden im Fernsehen war. Ich habe lange selbst mit mir gerungen, wie ich diesen Artikel schreiben sollte, denn viel gab es dazu ja nicht zu sagen. Mittlerweile hat sich das geändert.

    Die Frage „Komm ich jetzt ins Fernsehen?“ kennt der eine oder andere vielleicht noch aus der Sat1 Wochenshow, in der Herr Görgens mit sinnlosen Erfindungen versuchte, berühmt zu werden. Er schaffte es nie. Und irgendwie doch.

    Wenn man als Blogger tätig ist, denkt man erstmal nicht daran, damit berühmt zu werden (und/oder Geld damit  zu verdienen). Hin und wieder schielt man vielleicht herüber zu den etwas berühmteren Bloggern, die wichtige Dinge von sich geben, die von wichtigen anderen Medien aufgegriffen werden, doch im ersten Moment ist einem das egal. Man bloggt nur, weil man der Welt etwas mitteilen möchte. Man bloggt um des bloggens Willen. Und nimmt damit (wissentlich oder auch nicht) ebenso aktiv an der Medienlandschaft teil, wie Print, Funk und Fernsehen.

    Hin und wieder kann es nun passieren, dass die Wege in der Medienlandschaft sich kreuzen. Man hat einen Bericht geschrieben, für den sich die örtliche Presse interessiert? Man hat ein Foto online gestellt, das ein Verlag gerne nutzen würde? Man hat sich mit seinen Artikeln als Profi hervorgetan, der sein Wissen im Fernsehen mitteilen soll? Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, lassen sich kaum erzwingen und nur schwer steuern. Was aber egal ist, da die große Mehrzahl der Blogger meiner Ansicht nach ohnehin nicht nur aus dem Grund bloggen, um ins Fernsehen zu kommen.

    Als mich vor mittlerweile über einem Jahr unsere Lokalzeitung anschrieb und um ein Interview bat, war ich entsprechend überrascht. Und, ich gebe es zu, ich fühlte mich geehrt. War diese Anfrage doch ein kleiner Beweis für mich, in der Welt wahrgenommen zu werden. Nicht nur von Freunden, Bekannten und Menschen, die zufällig per Google einen Artikel von mir finden. (Wobei der Journalist damals natürlich auch nur per Zufall bei seiner Recherche über mein Blog stolperte) Nein, offenbar gefiel meine Meinung auch jemandem, der so etwas professionell macht, der damit sein Geld verdient und der der Meinung war, dass ich geeignet sei, meine Meinung einem etwas breiteren Publikum mitzuteilen.

    Das breite Publikum war wie gesagt eine Lokalzeitung, der Artikel ist mittlerweile vergessen und verstaubt in einem Archiv. Natürlich bin ich kein Star, natürlich war es ein Einzelfall, von den mir versprochenen 15 Minuten Ruhm hatte ich vielleicht ein paar Sekunden bekommen. Ich kenne auch Blogger, für die das normal ist. Die beinahe täglich von Magazinen oder Sendungen angefragt werden. Ich bloggte einfach weiter.

    Bis dann plötzlich doch das Fernsehen vor der Tür stand. Oder zumindest in meinem Postfach lag. Ein Redakteur der 3sat Sendung „neues“ recherchierte für einen Beitrag, in dem Firmen-Images beleuchtet und „Glaubenskriege“ aufgedeckt werden sollten. Weshalb Apple einen besseren Ruf hat als Microsoft. Und weshalb die Playstation-, Xbox- und Wii-Fans sich gegenseitig fertig machen. Da ich bereits mehr als einmal meinen Senf dazu in meinem Blog veröffentlicht hatte und dem Redakteur mein Stil wohl gefallen hatte, bat er um ein Interview.

    Wow. Das Fernsehen will mich. Und dann auch noch 3sat. Nicht die Putzteufel von RTL2. Nein, 3sat, mit einer Sendung, wie sie ohnehin wie für mich gemacht worden zu sein schien. Ich fühlte mich geehrt. Schon wieder. Und sagte zu.

    Schon wenige Tage später empfing ich den Redakteur bei mir zuhause. Wir unterhielten uns über das Thema, erörterten im Vorfeld, welche Fragen er mir stellen wollte und wir überlegten uns den besten Ort für das Interview. Der war schnell gefunden. Auf meinem Fernseher ließen wir Wii Tennis laufen, während ich mich etwas davor setzte. Er richtete seine Kamera ein, hielt mir irgendwann das Mikrofon vor und mein erster Satz war: „Ähh.“ Jegliche Eloquenz war von mir gewichen. Es war so peinlich. Und so typisch für jemanden, der noch nie vor laufender Kamera Fragen beantworten musste.

    Das Interview dauert vermutlich eine gute Viertelstunde. Ich gab meine Meinung kund, weshalb es keinen sinn machte, dass Wii-Spieler und Playstation-Fans sich gegenseitig fertig machten. Ich erzählte, worin ich die Unterschiede zwischen Xbox360 und PS3 sah. Ich mutmaßte, wie Nintendo es geschafft hatte, sich ein so gutes Image zu zu legen. Dann machten wir uns noch den Spaß, ein wenig Wii Action zu filmen. Ich spielte Tennis, wie man das mit Wii Sports eben so macht. Im Großen und Ganzen waren wir eine Stunde beschäftigt.

    Als ich zwei Wochen später vor dem Fernseher saß und „neues“ begann, spürte ich mein Herz klopfen. War das aufregend. Ich war im Fernsehen. Letztlich nur für etwa 90 Sekunden, die so schnell vorbei gingen, dass ich im ersten Moment nur baff war und zur damalige Freundinn an meiner Seite sagte: „Ich habe bloß gestottert.“

    Meine 15 Minuten Ruhm hatten ein paar Sekunden dazu gewonnen. Und dann kam RTL und klopfte an meine Tür.

    Wie manche von euch vielleicht wissen, schrieb ich vor einer halben Ewigkeit auch für das Freiburger Online Magazin fudder und steuerte damals einen Artikel bei, in dem ich von meinen Erfahrungen als Lokführer berichtete. Um genau zu sein, wie ich die Nachtschicht erlebte, als ich zum ersten Mal mit meinem Zug einen Menschen überfuhr. RTL plante eine Reportage über das Thema und fragte bei fudder an, ob man mit mir in Kontakt treten könne. Dann ging alles recht schnell. Schon am nächsten Tag telefonierte ich mit dem RTL Journalisten, erzählte nochmals meine Erlebnisse, beantwortete Fragen und muss dabei eine so gute Figur gemacht haben, dass er fragte, ob ich bereit wäre, damit auch in dem Beitrag aufzutreten.

    Zugegeben, Medienschlampe die ich nun mal bin (haha), sagte ich zu. Zugegeben, es war RTL und nicht arte. Zugegeben, ich bin noch nicht abgebrüht genug, um solche Anfragen auch zu hinterfragen. Im ersten Moment war das alles nur aufregend. Wie zuvor auch schon hatte die Welt von mir Notiz genommen und wollte etwas von mir hören. So fühlte es sich zumindest an. Der Journalist besprach mit mir Ideen, wie wir das Interview gestalten könnten, wo ich mich mit seinem Kamerateam treffen sollte und was es hierfür vorzubereiten gäbe. Ein Termin war schnell gefunden.

    Der Ball kam ins Rollen. RTL stellte Anfragen, checkte Locations und holte sich Genehmigungen ein. Bis dahin wohl nicht wissend, wie empfindlich die Bahn auf das Thema reagiert. Natürlich möchte die Bahn nicht mit dieser Problematik in Verbindung gebracht werden, auch wenn sie täglich auf Deutschlands Schienen Realität wird. Natürlich wird das Wort Suizid oder Selbstmord niemals kommuniziert, sondern stets von Personenunfällen gesprochen. Und letztlich möchte die Bahn natürlich auch vermeiden, dass es zum sogenannten Werther Effekt kommt (also das Menschen durch die Berichterstattung erst auf die Idee gebracht werden, sich auf der Schiene das Leben zu nehmen).

    Vielleicht stellt sich jetzt der eine oder andere die Frage, weshalb ich dann als ehemaliger Lokführer so offen darüber spreche. Und so gewillt gewesen wäre, dies vor laufender RTL Kamera zu tun. Nun, mir liegt viel daran, ein wenig Aufklärung zu betreiben. Den Leuten klar zu machen, wie traumatisch das für einen Lokführer und die Rettungshelfer sein kann. Ich möchte auch an die Passagiere appellieren, die ich immer wieder verständnislos meckern höre, wenn ein Zug durch einen Personenunfall große Verspätung macht. Und ich möchte auch vor Dummheit warnen, denn Personenunfälle geschehen nicht nur aus Selbstmordgedanken, sondern auch aus schierer Blödheit. Kinder, die auf den Gleisen spielen, Erwachsene, die mal eben über das Gleis rennen wollen, um den Weg abzukürzen. Mein zweiter Personenunfall war ein Mann Mitte Dreißig, der nur noch schnell seine S-Bahn erwischen wollte und über die Gleise rannte, statt die Unterführung zu nehmen. Dass ich mit meinem IC mit 140 km/h um die Ecke kam, damit hatte er nicht gerechnet und bezahlte für diese Dummheit mit seinem Leben. Auch wenn man die Selbstmordrate auf den Schienen vielleicht nicht verkleinern kann, so will ich doch wenigstens versuchen, Unfälle aus purer Blödheit zu verhindern.

    Letztlich musste ich das RTL Interview aber wieder absagen. Denn nicht nur, dass die Bahn eine Berichterstattung auf ihrem Gelände untersagte, sie informierte auch meinen derzeitigen Arbeitgeber darüber, dass ich vor hätte, ein Interview zu diesem Thema zu geben.Und mit einem Male machten sich beide sehr große Sorgen, was ich sagen würde und, vielleicht noch schlimmer, was RTL aus dem Gesagten letztlich machen würde. Im Grunde, so sicherte mir mein Arbeitgeber auch zu, hätte ich natürlich die Freiheit, das Interview zu geben. Niemand könne es mir verbieten. Allerdings musste ich bereits hier schon feststellen, dass einige Details falsch kommuniziert worden waren. Von wessen Seite, möchte ich nicht beurteilen. Und auf Details möchte ich ebenfalls nicht eingehen. Letztlich wurde mir mit einem Male flau im Magen und ich fürchtete, mich, meinen Arbeitgeber und meinen ehemaligen Arbeitgeber falsch dargestellt zu bekommen. Und damit noch weitaus größere Scherereien hervor zu rufen.

    So komme ich also nicht erneut ins Fernsehen. Und habe eine wichtige Lektion gelernt. Alles, was ich hier scheibe, kommt an. Die Welt nimmt mich wahr, liest, speichert und verwertet, was ich hier tue. Ich muss mir bewusst sein, dass alles, was ich hier schreibe, Konsequenzen haben kann. Kleine oder Große. Vielleicht bereite ich jemandem eine kleine Freude, vielleicht trete ich aber auch jemandem auf den Schlips und muss meinen Anwalt einschalten. All das kann passieren.

    Vielleicht wird wieder einmal eine Zeitung oder ein Fernsehsender anfragen, ob ich zu diesem oder jenem etwas sagen könnte. Und ich werde mich wieder geehrt fühlen. Aber auf jeden Fall auch für mich hinterfragen, ob ich es wirklich vertreten kann. Die Medienlandschaft ist ein Minenfeld, für das ich nicht trainiert und ausgebildet wurde. Ich bin ein kleiner Schrei(b)er am Rande des Feldes, der hin und wieder hinein gelockt wird und aufpassen muss, wohin er tritt.

    Wahrscheinlich geht es noch lange, bis ich meine 15 Minuten voll habe.

  • Ich muß mal kurz austreten – die Zweite

    Es begab sich aber zu der Zeit als Graf Roger von Duisburg sich entschloss, der Kirche seine Mitgliedschaft zu kündigen und Gott verfügte, dass ein jeder mit einem solchen Vorhaben einen beschwerlichen Pfad der Prüfungen durchlaufen muss, auf dass sein Wille auf die Probe gestellt werden möge. So begab sich der Roger auf den Weg zum Amtsgericht. Und wahrlich, es sollte kein leichter Weg für ihn sein.

    Zunächst war ich sehr überrascht, über die Sicherheitsmaßnahmen am Eingang. Erst nach Entleeren meiner Taschen und dem Durchleuchten der Inhalte wurde eine Ein-Mann-Glas-Schleuse geöffnet, in die ich eintreten musste und das Schließen der Tür hinter mir hörte. Dort blieb mir kaum Zeit, um über Klaustrophobie nachzudenken, die Schleuse öffnete die zweite Tür bereits und ich stand in einem sehr alten, dunklen Gebäude. Das Amtsgericht Duisburg. Nach links. Zimmer 82 suchen.

    Ich ging einen langen Gang entlang. Einen sehr langen, langen Gang. Einen unglaublich langen, dunklen Gang. Und nach der Ecke weiter, lang, dunkel. Sehr lang. Also es war ein sehr langer, langer, laaaanger Gang. Etwas Zen-Artiges hatte dieser lange, lange, dunkle Gang. Ich ging irgendwann nicht nur diesen Gang entlang, sondern auch in mich, hinterfragte mein Vorhaben, meinen Platz in dieser Welt. Lange. Und dann erreichte ich Zimmer 82, klopfte und trat ein.

    Ein – wie sagt man politisch korrekt? – Kleinwüchsiger hockte dort hinter einem viel zu großen Schreibtisch, in einem viel zu großen Zimmer und deutete auf den leeren Stuhl hinter dem viel zu großen Monitor, auf den er unverdrossen starrte. Ich nahm Platz und schilderte meinen Wunsch. Er begann, auf einem kleinen Schmierzettel Zahlen und Buchstaben zu notieren und verlangte dann nach meinem Personalausweis. Noch etwas erschöpft von meinem langen Marsch streckte ich ihm diesen entgegen. Zu kurz, wie sich mir erst viel zu spät erschloss. Stoisch hielt der Kleinwüchsige den Arm gestreckt und die Hand auf, bis ich es endlich bemerkte und mit einem leichten "Oh." meinen Hintern hob, um ihm das Dokument überreichen zu können. Ich glaube, ab diesem Moment mochte er mich nicht mehr.

    Zum Beweis dieser Vermutung gab er mir den kleinen Zettel, den ich nur durch halbes Aufstehen erreichen konnte und erklärte mir, ich solle mit diesem Papier Zimmer 1 aufsuchen, auf dass ich dort meinen Wunsch nach Verlassen der Kirche auch durch Öffnen meiner Brieftasche beweisen könne. "Zimmer 1 finde ich wo?" fragte ich, doch wusste ich die Antwort bereits. Direkt am Eingang. So verließ ich den Raum und ging wieder den langen Gang entlang. Den wirklich äußerst langen, langen, dunklen Gang. Einmal um die Ecke und dann wieder laaaange. Noch einmal meditierend und dem Widerhall der eigenen Schritte lauschend, diesen langen, wirklich langen Gang entlang bis zu Zimmer 1.

    Zimmer 1, auch Kassenbüro genannt, stellte sich wie eine Sparkassen Filiale aus den Sechzigern dar. Die Frau hinter dem Tresen und hinter dickem, schusssicheren Glas würdigte mich keines Blickes und sagte schlicht: "30 Euro." "Das wissen sie jetzt schon?" fragte ich und sie antwortete: "Natürlich, das ist der Standard Tarif." So so, der Standard Tarif. Also alles, was man zu tun gedenkt, kostet hier demnach 30 Euro? Das bedeutet, auch meine 30 Euro werden nur für den Verwaltungsaufwand benötigt, den ich dem Amt hier beschere? 30 Euro, um einen Schmierzettel ausfüllen zu lassen und einen langen, langen, wirklich langen – ihr wisst schon – dunklen Gang entlang zu laufen?

    Als ich mit der ausgestellten Quittung erneut den langen, wirklich sehr langen Gang herunter lief (der war wirklich ganz schön lang, echt jetzt) war aller Zen-Buddhismus von mir gewichen. Mein Körper fühlte sich erschöpft an, die Mühlen des Staates und der Bürokratie waren dabei, mich mürbe zu mahlen. Dies war ein Psychokrieg, Zimmer 82 lag mit perfider, kranker Absicht so weit vom Eingang und von Zimmer 1 entfernt. Der lange dunkle Gang, den ich mehrmals entlang laufen musste, war eine Allegorie auf mein restliches Leben, mein langes, dunkles, trostloses Leben ohne Kirche. Ein Vorgeschmack sozusagen.

    Ich musste erst einmal verschnaufen und blieb für einen Moment vor Zimmer 82 stehen. Dann trat ich ein, setzte mich wieder auf den Stuhl, halb verdeckt hinter dem großen Monitor und überreichte "Oh." die Quittung. Der Kleinwüchsige nahm sie entgegen und streckte mir dafür ein neues Blatt Papier herüber "Ah. Oh.", welches ich durchlesen und unterschreiben sollte. Da stand es. Ab sofort wäre ich kein Mitglied der evangelischen Kirche mehr. Ich unterschrieb und reichte ihm das Unterschriebene zurück. "Oh." Und natürlich auch den Kugelschreiber. "Oh. Verzeihung."

    "In drei bis vier Wochen bekommen Sie schriftlich Bescheid. Damit gehen Sie zum Bürgerbüro im Einwohnermeldeamt", lauteten die Anweisungen des Kopfs hinter dem großen Schreibtisch. Meine Odyssee war also noch nicht vorbei. Und als ich zurück zum Ausgang den langen, wirklich langen, laaangen, dunklen Gang durchschritt (er schien immer länger zu werden. Also noch länger als er ohnehin schon war. Denn das war er. Lang) dachte ich nochmals darüber nach, wohin meine seit Jahrzehnten bezahlten Gelder wohl verschwunden waren. Wenn dieser Akt alleine mich 30 Euro, lange Fußmärsche und Besuche auf verschiedenen Ämtern in verschiedenen Teilen der Stadt kostete, in einer Zeit, in der es E-Mails, Fax und Telefone gibt, elektronische Datenübermittlung und -verarbeitung, so konnte ich mir immer farbiger ein Bild davon machen, wie wenig die Kirche wohl letztlich von den Steuereinnahmen sehen würde. Und wie wenig davon wiederum dort ankamen, wo sie gebraucht wurden, da auch die Kirche selbst eine einzige Bürokratie ist.

    So verließ ich doch etwas befreit die Schleuse, ließ das große Gebäude hinter mir und trat hinaus in das grelle Sonnenlicht. Ich war ausgetreten, in vielerlei Hinsicht.

  • Ich muß mal kurz austreten

    Jeder, der aus der Kirche ausgetreten ist, hatte sein Gründe. Mag sein, dass er vom Glauben abgefallen war, oder seinen Glauben geändert hatte. Mag auch sein, dass er der Institution Kirche einfach keinen Glauben mehr schenkte. Bei den meisten dürfte das Argument „Geld sparen“ maßgeblich gewesen sein. Bisher hatte ich selbst nie daran gedacht, aus der Kirche auszutreten. Ich wurde getauft, später konfirmiert und seit ich denken kann, zieht mir der Staat im Namen der Kirche Geld von meinem Lohn ab. Ich hatte das nie hinterfragt. Es war einfach so. Ähnlich wie beim Solidaritätszuschlag musste ich es hinnehmen und tat das auch.

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  • iPhone 3G mit UMTS, GPS und günstig

    Mann, war das spannend. Nein, nicht das Fußballmatch Frankreich gegen Rumänien. Das war ja mehr als langweilig. Ich spreche von der WWDC 08, der Apple Developer Conference in San Fransisco. Denn die Gerüchte waren diesmal allesamt wahr. Mit dem MBP auf dem Schoß, drei Livetickern gleichzeitig und einem Auge beim Fernseher, verfolgte ich die Veranstaltung. (Apropos, Mac Life berichtete per Abschreiben und Übersetzen, inklusive der Tippfehler der Live-Schreiber ;-) ) Aus .Mac wird MobileMe (sehr attraktiv aber leider zum gleichen Preis). Und aus dem iPhone wird ein iPhone 3G. Mit UMTS. Mit GPS. Mit neuer Firmware 2.0, die weitere leckere Schmankerl bieten wird. Und mit einem fast halbierten Preis. 199 Dollar soll die kleine, schwarze 8Gb Version kosten, 299 USD die (auch in weiß – seufz – erhältliche) 16Gb Version. Abzuwarten ist natürlich noch, wie die entsprechenden Tarife dazu aussehen werden und ob es überhaupt noch einen Anbieterzwang geben wird, wenn das neue iPhone am 11.Juli erscheinen wird. Hach, das könnte ein schöner Sommer werden.

  • Kleiner Hai – again

    Entschuldigt bitte die Belästigung. Aber ich kann gerade nicht anders. Denn nachdem das Hai-Video eine so „positive Resonanz“ hervor gerufen hat und ich bei TiJay das offizielle Video zu dem Song sehen konnte, muss ich es euch einfach präsentieren: „Kleiner Hai feat. Alemuel“. Und ehrlich, mit dem richtigen Alkoholpegel, den richtigen Leuten (und Gürkchen brauchse noch), in der richtigen Lautstärke macht der Song bestimmt richtig Spaß, oder? Ich würde sagen, der schwule Schnappi darf endgültig einpacken. Haie sind eh cooler als Krokodile.

  • Die Qual der Wahl

    Früher ging man in den nächsten CD-Laden um die Ecke, um sich mit Musik einzudecken. Mochte man einen ganz bestimmten Song erstehen, hatte man nur die Wahl, sich das komplette Album zu kaufen, oder die Maxi CD zu nehmen. Auf dieser fanden sich zumeist noch ein paar Remixe oder ein Bonus Song. Ich erinnere mich, für so manche Maxi bis zu 12 Mark hingelegt zu haben. Heute würden wir bei einem Preis von sechs Euro für ein Lied ganz schön schlucken. Aber heute ist ja alles anders. Oder nicht?

    Wenn ich in den iTunes Store gehe, um mir einen Song zu besorgen, ist es eigentlich wie früher. Ich tippe den Titel ein, hoffe, dass er verfügbar ist und bekomme dann verschiedene Möglichkeiten Angebot: Album, Maxi (oder EP) oder nur der Song? Ah, nur den Song, danke. Aber welche Version? Und schon beginnt das Dilemma. Ich darf bei jeder Fassung 30 Sekunden hinein hören und muss mich dann entscheiden. Oder doch gleich die ganze EP für 7 Euro kaufen? Das wäre ja wie damals. Und was will ich mit fast einem Dutzend Versionen des gleichen Songs? Letztendlich höre ich doch eh nur eine. Die richtige. Und welche ist das?

    Passiert ist mir das heute mit dem Song „With every Heratbeat“ von Robyn. Lassen wir mal die Remixe weg, so verbleiben immer noch der Radio Edit und die Original Version. Letztere ist fast eine Minute länger, man bekommt also für das gleiche Geld mehr Musik (darf man Musik so kaufen?). Erstere schien mir etwas knackiger gemixt. Ich entschied mich für die Original Version. Die hat auch Geigen drin. Geigen sind immer gut, selbst bei einem Pop-Song. Ein Song für nen Euro und das Gefühl, vielleicht etwas zu verpassen, läuft er gerade, während ich diesen Text schreibe…