Es ist der 1. Januar 2026. Mittlerweile sind wieder anderthalb Jahre seit meinem letzten Beitrag vergangen. Und ohne zu Meta zu werden, erneut zu erklären, zu entschuldigen, zu lamentieren, komme ich direkt auf den Punkt. Es wird sich hier einiges ändern. Weil sich einiges ändern muss. Hier und überall.
Was habe ich vor? Zunächst wird es hier wahrscheinlich keine Artikel mehr im üblichen, bekannten Sinne mehr geben. Ich habe gemerkt, wie sehr mich das Format unter Druck gesetzt hat. Gleichzeitig spüre ich aber immer noch diesen Kitzel in mir zu schreiben, Gedanken loszuwerden, oder die Welt auf interessante Aspekte hinzuweisen. Da Social Media sich schon seit langem selbst zersetzt und nur noch toxisch ist, verlagere ich das Ganze hierher. Kein X, kein Mastodon, kein Threads, kein Tik Tok, kein Instagram, kein Bluesky – wenn ich etwas erzählen will, dann hier. Wenn ich nur einen Satz, nur einen Gedanken loswerden will, dann hier. Wenn ich spannende Artikel verlinken will oder tolle Videos entdeckt habe, dann veröffentliche ich sie hier. Aus Blogging wird Microblogging.
Dazu werde ich einiges umbauen müssen und ich gestehe: Ich habe erst heute damit begonnen, mich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Ich werde Zeit brauchen.
Denn, es wird einen zweiten Schritt geben. Auch wenn Social Media sich aus meiner Sicht gerade selbst abschafft, so wie es das Blogging schon vor vielen Jahren getan hat, glaube ich noch immer daran, dass man Leser erreichen kann und muss. Nur eben auf anderem Weg. Niemand abonniert mehr Blogs. Niemand weiß mehr, was ein RSS Feed ist und was man damit macht. Aber noch kennt jeder das Format E-Mail (Noch!). Und deshalb soll es kurzfristig einen unregelmäßigen Newsletter geben. Die Sammlung meiner Gedanken, Ideen, Inspirationen direkt in das heimische Postfach. Auch hier stehe ich noch direkt am Anfang und werde einige Zeit brauchen, den richtigen Weg und die Ausrichtung zu finden.
Mein Ziel ist es, mit meinem Schreiben wieder Menschen zu erreichen, so wie es in den Anfangstagen des Blogs 2005 gelang, so wie es in meiner Hochzeit bei Twitter gelang. Ich möchte wieder Spaß am Schreiben haben und keinen Druck, aus allem einen langen Artikel mit guter Verlinkung und passendem Header-Bild zu machen. Einfach raushauen, einfach machen. Ich glaube, das fehlt mittlerweile an allen Ecken. Es wird diskutiert und gegrübelt und gestritten und Arbeitskreise geschaffen – aber es wird kaum mehr einfach nur gemacht.
Ich mache es jetzt. Und ich hoffe, ihr seid dabei.
P.S.: Noch ein Versprechen an mich und meine Leserschaft. Alles, was ich hier schreibe ist frei von KI. Auch wenn die Satzstruktur nicht so geschliffen ist und es hier und da zu wenig oder zu viele Kommata geben sollte – ich schreibe genau so, wie ich bin. Mit einigen Fehlern, aber echt.
Eine der drängendsten Fragen der Menschheitsgeschichte ist neben der Frage, wie der Klimawandel gestoppt werden kann und ob man das zweite Stück Kuchen essen soll oder nicht, die Frage, ob Socken auf links oder rechts gewaschen werden sollten. Wir schreiben das Jahr 2024 und künstliche Intelligenz ist in aller Munde, ja teilweise sogar in Waschmaschinen. Da muss es doch mittlerweile endlich eine Lösung geben. Ich machte mich auf die Suche.
Zuerst befragte ich den Klassiker: dieses Internet. Wenig überraschend lieferten die Ratgeber, Blogs, Artikel und Geschichten widersprüchliche Informationen darüber, ob Socken vor dem Waschen auf links gedreht werden sollten oder nicht. Denn natürlich kommt es auf die Socken an, auf das Material, die Waschtemperatur, das Waschmittel, die Schleuderdrehzahl… blablabla. „It depends.“
ChatGPT weiß die Antwort
Ich wollte eine eindeutige Antwort. Und selbst keine Statistiken darüber erheben, welche Antwort im Netz am häufigsten und daher am wahrscheinlichsten ist. Die Antwort sollte ChatGPT geben. Der Shootingstar der KI-Modelle. Die ultimative Zusammenfassung aller Quellen und allen Wissens der modernen Welt. Und so stellte ich ChatGPT die Frage:
„Socken auf links oder auf rechts waschen?“
Die knappe Antwort lautete:
„Es ist eigentlich egal, auf welcher Seite du deine Socken wäschst. Hauptsache, sie werden sauber!“
Ähm, ja, okay. Das ist leider wenig hilfreich. Und NATÜRLICH ist die Hauptsache, dass sie sauber werden (und das sogar mit Ausrufezeichen).“ Das ist alles, was du zu bieten ist, ChatGPT? Die Summe aller Informationen, die du in den letzten Jahren von den Menschen gesammelt hast lautet „Es ist egal“?
Gemini weiß noch mehr
Glücklicherweise existieren mittlerweile gute Alternativen zu ChatGPT. Also wandte ich mich an Gemini, Googles Ansatz, im KI-Game mitzumischen. Die Frage an Gemini war ebenfalls:
„Socken auf links oder auf rechts waschen?“
Und die Antwort war überraschend ausführlich:
Es ist besser, Socken auf links zu waschen. Die folgenden Vorteile sprechen dafür:
1. Bessere Reinigung: Durch das Wenden der Socken werden Hautpartikel, Schmutz und Fusseln, die sich in der Innenseite absetzen, besser vom Wasser und Waschmittel erreicht und gelöst. Dies führt zu einer gründlicheren Reinigung und verhindert unangenehme Gerüche.
2. Schonung der Fasern: Die Außenseite der Socken ist meist robuster als die Innenseite. Durch das Wenden werden die empfindlicheren Fasern der Innenseite geschützt und die Bildung von Pilling reduziert.
3. Vermeidung von Verknotungen: Socken auf links neigen weniger dazu, sich während des Waschens mit anderen Kleidungsstücken zu verknoten. Dies schützt die Socken und die Waschmaschine.
4. Erhalt der Farben: Durch das Wenden der Socken werden die Farben vor Verblassen und Auslaufen geschützt.
5. Bessere Trocknung: Socken auf links trocknen schneller und gleichmäßiger, da die Feuchtigkeit besser entweichen kann.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Waschen von Socken auf links mehrere Vorteile bietet. Es sorgt für eine bessere Reinigung, schont die Fasern, verhindert Verknotungen, erhält die Farben und fördert die Trocknung.
Es gibt allerdings einige Ausnahmen:
Empfindliche Socken: Bei sehr empfindlichen Socken aus Wolle oder Seide ist es ratsam, sie im Schonwaschgang oder per Hand zu waschen. In diesem Fall kann es besser sein, die Socken nicht auf links zu wenden, um die Fasern nicht zu beschädigen.
Socken mit Motiven: Socken mit Aufdrucken oder Stickereien sollten auf rechts gewaschen werden, um die Verformung oder Beschädigung der Motive zu vermeiden.
Im Zweifelsfall sollten Sie immer die Pflegehinweise auf dem Etikett der Socken beachten.
Wow. Nimm das, ChatGPT. So sieht eine detaillierte Antwort aus. Wobei – wenn ich mir die einzelnen Punkte genauer ansehe, fallen mir doch einige Dinge auf.
Punkt 1: Natürlich werden Schmutz, Hautpartikel und Fusseln auf der Innenseite der Socken beim Waschen auf links besser entfernt. Aber was ist mit den Partikeln, Haaren und Schmutz auf der Außenseite der Socken, die von der Außenwelt aufgenommen werden und durch das Linksdrehen danach IN den Socken stecken?
Punkt 2: Weiß Gemini überhaupt, was es bedeutet, Socken auf links und rechts zu drehen? Wenn die robusteren Außenfasern nach innen gewendet werden, sind sie vielleicht besser vor Pilling geschützt als die empfindlicheren Innenfasern. Aber sind diese Innenfasern dann nicht noch ungeschützter und anfälliger für Pilling?
Punkt 3: Wie lang müssen Socken sein, damit sie sich in der Maschine verknoten? Pippi Langstrumpf hatte wahrscheinlich dieses Problem und auch bei Kniestrümpfen kann ich mir ein solches Szenario vorstellen. Aber auch das Wenden ändert nichts an der Länge der Socken.
Punkt 4 klingt in der Tat vernünftig, während ich bei Punkt 5 nicht glaube, dass linksgedrehte Socken schneller trocknen als rechtsgedrehte. Oder anders gefragt: Wurde das jemals wissenschaftlich getestet?
Auch die Ausnahme mit den Motiven klingt nicht sonderlich sinnvoll, wenn man darüber nachdenkt. Motive sind auf links gewendeten Socken mit Sicherheit haltbarer.
Was sagt Microsofts Copilot zum Thema?
Mit der gleichen Frage konfrontiert, antwortete der Copilot von Microsoft hiermit:
Löblich, dass der im Hintergrund durch ChatGPT angetriebene Copilot direkt angibt, aus welcher Quelle die Information stammt und sogar direkt dorthin verlinkt. Andererseits handelt es sich letztlich um nichts anderes, als um eine Recherche im Netz, wie ich sie bereits ganz zu Anfang gemacht hatte. Immerhin, auch hier scheint die Tendenz in Richtung links waschen zu gehen.
Lasst sie kämpfen
Es ließ mir allerdings keine Ruhe, dass ChatGPT das Thema so undifferenziert behandelt hatte und auch keine konkrete Aussage treffen wollte. Also konfrontierte ich ihn/sie/es damit und schrieb:
„Microsoft Copilot und Gemini sagen aber, dass man Socken auf links waschen solle.“
ChatGPTs Antwort darauf:
Ah, das ist interessant! Das Auf-links-Waschen kann helfen, die Außenseite der Socken zu schützen und das Ausbleichen zu verringern. Es ist also eine gute Idee, diesem Rat zu folgen, wenn du deine Socken länger schön halten möchtest.
Ich daraufhin: „Warum hast du mir das nicht gleich gesagt?“
Und ChatGPT so:
Entschuldigung dafür! Es ist wichtig, hilfreiche Informationen weiterzugeben, besonders wenn es um den Schutz deiner Kleidung geht. Danke, dass du das erwähnt hast!
ChatGPT rät mir also, dem Rat von Gemini und Copilot zu folgen. Und gibt indirekt sogar zu, bei seiner/ihrer ursprünglichen Antwort nicht genau gewusst zu haben, wovon er/sie/es spricht. Da hat ChatGPT nun hoffentlich etwas gelernt.
Wobei, wenn das KI-Modell jetzt etwas gelernt hat, dann ja von anderen KI-Modellen. Oh Gott. Handelt es sich hierbei um einen Ouroboros? Die Schlange, die sich selbst frisst, bzw. die KI, die nicht mehr durch die Erfahrungen und Inhalten von Menschen lernt, sondern von anderen KI-Modellen? Also quasi von sich selbst? Nicht auszudenken, was KI-Modelle in Zukunft tun werden, wenn sie nicht mehr aus echten Daten lernen, sondern aus generierten und möglicherweise fehlerhaften, vereinfachten, falsch interpretierten Daten. (Hier bitte Platz für die Diskussion lassen, inwieweit Daten von Menschen heutzutage noch zu trauen ist…)
Ich konfrontierte Gemini mit den Aussagen von ChatGPT und schrieb: „ChatGPT sagt, dass es egal ist, ob links oder rechts.“ Die Antwort von Gemini lautete:
Es stimmt, dass es in einigen Fällen nicht unbedingt notwendig ist, Socken auf links zu waschen. Dies hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab, wie zum Beispiel dem Material der Socken, dem Verschmutzungsgrad und dem verwendeten Waschprogramm.
In folgenden Fällen ist es tatsächlich egal, ob Socken auf links oder rechts gewaschen werden:
Socken aus pflegeleichten Materialien: Socken aus synthetischen Fasern wie Polyester oder Nylon können bedenkenlos auf rechts gewaschen werden. Diese Materialien sind robust und neigen nicht zum Pilling.
Leicht verschmutzte Socken: Socken, die nur leicht verschmutzt sind, können ebenfalls auf rechts gewaschen werden. In diesem Fall reicht ein normaler Waschgang mit einem milden Waschmittel aus.
Waschprogramme mit geringer Schleuderdrehzahl: Wenn Sie ein Waschprogramm mit geringer Schleuderdrehzahl wählen, ist es weniger wahrscheinlich, dass sich die Socken verknoten oder beschädigen. In diesem Fall können Sie die Socken auch auf rechts waschen.
In den folgenden Fällen sollten Sie jedoch Ihre Socken auf links waschen:
Socken aus empfindlichen Materialien: Socken aus Wolle, Seide oder anderen empfindlichen Materialien sollten auf links gewaschen werden, um die Fasern zu schonen.
Stark verschmutzte Socken: Stark verschmutzte Socken sollten vor dem Waschen auf links gedreht werden, damit Schmutz und Fusseln besser entfernt werden können.
Waschprogramme mit hoher Schleuderdrehzahl: Bei Waschprogrammen mit hoher Schleuderdrehzahl besteht die Gefahr, dass sich die Socken verknoten oder beschädigen. In diesem Fall sollten Sie die Socken immer auf links wenden.
Fazit:
Ob es wirklich egal ist, ob Socken auf links oder rechts gewaschen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Um die Socken optimal zu pflegen und ihre Lebensdauer zu verlängern, sollten Sie jedoch grundsätzlich die Pflegehinweise auf dem Etikett beachten. In den meisten Fällen ist es empfehlenswert, Socken auf links zu waschen, da dies eine bessere Reinigung und Schonung der Fasern ermöglicht.
Danke, Gemini, für dein Fazit. Ob mir das nun weiter hilft und die Frage somit beantwortet ist, bezweifle ich leider noch.
So wäscht man Socken richtig
Wie lautet denn nun die Erkenntnis aus dieser Befragung? Wäscht man Socken nun besser auf link oder auf rechts? Die Antwort ist ein ganz klares „It depends“. Oder auch: Am besten wäscht man Socken zuerst auf links und dann noch einmal auf rechts. Nur so kann man sicher sein, den Schmutz von innen und außen entfernt zu haben. Komisch, dass noch keine KI auf diese Idee gekommen ist. Wahrscheinlich, weil sie völlig unökologisch und dumm ist. So bleibt es weiterhin jedem selbst überlassen, wie er seine Socken wäscht. Hauptsache, sie sind sauber, stinken nicht und werden paarweise getragen. Verdammt. Dann hatte ChatGPT am Anfang ja doch Recht…
In meiner Heimatstadt Aachen gibt es zu wenig Bäume. Statt mehr Bäume zu pflanzen, werden immer mehr gefällt. Weil… aus Gründen. Experten finden Pilze, kranke Äste, instabile Wurzeln, Bäume, die umzustürzen drohen und eine Gefahr für alle darstellen. Und in solchen Fällen ist die einzige Lösung, den Baum zu entfernen. Zugegeben, ich habe keine Ahnung davon. Ich weiß nur, dass ich mir mehr Bäume in der Stadt wünsche und gefühlt mehr gefällt als gepflanzt wird.
Wer im Hochsommer durch manch spanische Großstadt mit ihren begrünten Straßen flaniert, weiß, wie kühlend Bäume in Städten wirken. Und das nicht nur durch Schatten, sondern auch durch abgegebene Feuchtigkeit. Bäume schlucken Schall und bieten Lebensraum für alle möglichen Lebewesen. Und – das mag die meisten überraschen – Bäume produzieren Sauerstoff. Einfach so. Sie stellen einfach etwas zur Verfügung, was wir zum Leben brauchen. Kurzum: Bäume sind lebensnotwendig. Und ehrlich gesagt, ich möchte in einer Stadt auch leben und nicht nur Auto fahren.
Aber, Bäume haben es auch schwer. Abgase, kein Platz für Wurzeln, Müll, pinkelnde Hunde und Menschen, Schädlinge und natürlich das Klima setzen unseren Bäumen zu. Und eine Stadt ist in jeder Hinsicht ein lebensfeindlicher Ort. Für Menschen, Tiere und Pflanzen (außer für Autos). Außerdem kosten Bäume Geld. Jede Menge Geld. Diese ganze Pflege, das Gießen, das Zurechtschneiden, die Entfernung des Laubs im Herbst. Man kann so einen Baum ja nicht einfach wachsen lassen. Und so werden Hunderttausende Euro im Jahr pro Großstadt für den Erhalt von Bäumen ausgegeben. Oder man macht die Rechnung auf und stellt fest, dass ein Platz aus Pflastersteinen viel billiger (und mit weitaus weniger Aufwand verbunden) ist, als ein Baum. Diese Rechnung kennen wir auch von so manchem Hausbesitzer, dessen Vorgarten aus kaltem (bzw. im Sommer extrem heißem) Stein viel unkomplizierter ist als diese aufwändigen Pflanzen.
Bäume sind toll. Wir sollten viel mehr Bäume und überhaupt Pflanzen haben. In unseren Straßen, in unseren Vor- und Hintergärten, auf Terrassen, auf Dächern und an Hauswänden. Und wir sollten sie pflegen, ihnen die bestmöglichen Bedingungen bieten und uns um sie kümmern. Koste es, was es wolle. Denn sie geben uns so viel zurück.
Na, Aachen, wäre das nicht auch eine Idee für uns? Eine Karte für die Bürger, um den Bäumen um uns herum eine gewisse Identität zu geben, eine Verbundenheit und damit am Ende vielleicht auch mehr Pflege und Anerkennung.
Noch vor wenigen Jahren besaß ich einen AV-Receiver (quasi ein Musik-Verstärker mit zusätzlicher Videoausgabe) mit zugehörigem 5.1 Lautsprecher Set und gut versteckter Verkabelung im Wohnzimmer. So ein mächtiger, schwarzer Kasten, der wahnsinnig viel Strom verbrauchte, eine Menge Wärme erzeugte und die Leistung für die Lautsprecher bereitstellte. Die Bedienung des Geräts stammte noch aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, wie bei vermutlich all diesen Firmen aus diesem Zeitalter. Wirklich großartig war das große Rad auf der Vorderseite zur Einstellung der Lautstärke. Im Allgemeinen Potentiometer oder liebevoll nur Poti genannt. Diese Art der Bedienung ist seit vielen Jahren unverändert und vermutlich jedem bekannt. Das Drehen des Rades an meinem Receiver war immer sehr befriedigend, fest und mit leichtem Widerstand aber dennoch weich und gut dosierbar. Außerdem übermittelte das Rad beim Drehen regelmäßige winzige Vibrationen und suggerierte somit eine Art Skala. Jede Vibration war eine Veränderung der Lautstärke um eine Stufe. Jedoch, derartige Skalen funktionieren nicht überall gleich gut.
Es scheint eine Kunst zu sein, eine Skala an einem zu bedienenden Element korrekt einzustellen. Mein AV Receiver erledigte diese Funktion mit Bravour. Allerdings nur an dem Rad. Die Fernbedienung wiederum hatte ein anderes Verständnis davon, in welchen Schritten sich die Lautstärke verändern sollte. Sie erhöhte und verringerte per Tastendruck deutlich schneller bzw. stärker. Oder anders gesagt, um das gleiche Maß an Veränderung zu erreichen, hätte ich recht lange am Rad drehen müssen. Zudem hatte die Fernbedienung den mir völlig unverständlichen Bonus, bei längerem Druck zu beschleunigen. Ist ja auch total sinnvoll, beim Versuch etwas lauter zu machen nicht gleichmäßig bis Stufe 12 zu gehen, sondern schlagartig auf Stufe 87 zu beschleunigen. Inklusive Hör-, Herz- und Wohnungsschäden.
Die Zeiten haben sich geändert und jetzt steht eine Sonos Anlage im Wohnzimmer. Die Bedienung erfolgt quasi ausschließlich per App, vom Smartphone oder Macbook aus. Und auch hier kommt mir die unterschiedliche Interpretation der Skalen eigenartig vor. Um die Lautstärke am Gerät zu verändern, müssen die Touch-„Knöpfe“ recht lange gedrückt werden. Auch hier ist der Spagat schwierig, nicht zu lange auf dem Knopf zu verharren, sondern lieber in vielen Einzelschritten „fein zu tunen“. Noch etwas eigenartiger ist die Bedienung am Mac. Meist erhält man als Anwender gar keine Skalenbeschriftung mehr, sondern ist gezwungen sich an der Postion eines Punktes auf einer schmalen Grafiklinie zu orientieren1. Dieser Punkt muss dann pixelgenau auf der Linie verschoben werden. In meinem Fall jeweils nur um wenige Pixel.
Die Applikation eines Drittherstellers zeigt mir die Lautstärke in Prozent an. Und meist steht sie in unserer Wohnung auf ca. 7 Prozent. Das ist völlig ausreichend. Morgens, oder wenn ich nur leise Hintergrundberieselung wünsche, stelle ich sie auf 2 oder 3 Prozent und selbst dann kann es in Einzelfällen noch zu laut sein. Aber weiter runter geht einfach nicht. Danach herrscht nur noch Stille. Ich bewege mich also stets in vorsichtigen Bereichen von 2 bis 7 Prozent. Und frage mich, was ich mit den restlichen 93 Prozent anstellen soll. Wer würde die Anlage derart hoch aufdrehen? Ist das wirklich noch sinnvoll? Und wäre es nicht besser, meine präferierte Lautstärke in kleineren Skalenschritten im Bereich von vielleicht 0 bis 30 Prozent steuern zu lassen? So dass 30 Prozent guter Mietswohnung-Beschallung entspricht?
Unser Toaster hat ebenfalls ein Poti an der Vorderseite, um den gewünschten Bräunungsgrad des Brotes einstellen zu können. Die Skala unter der Überschrift „Toast Colour“ zeigt Stufen von 0 bis 6 an. Vor einiger Zeit las ich in einem Artikel, diese Stufen seien nicht willkürlich gewählt, sondern sollen tatsächlich die Minuten widerspiegeln, in denen das Brot bis zum gewünschten Ergebnis getoastet wird. Ich habe das nie geprüft.
Was mich zur Weißglut toastet, ist die Tatsache, dass das Rad quasi keinerlei Widerstand hat und sich bei der leisesten Berührung in irgendeine Richtung dreht. Und sich zusätzlich das perfekte Bräunungsergebnis ausschließlich im (unglaublich schwer zu treffenden) Skalenbereich zwischen 3,7 und 3,9 befindet. Bei 3,6 ist der Toast noch weiß, bei 4 ist er verbrannt. Es ist daher ungemein wichtig, vor jeder Toastherrstellung penibel darauf zu achten, das Rad nicht versehentlich bewegt zu haben und die präzise geschätzte Einstellung einem nicht das Frühstück versaut.
Ja, es ist schon eine Kunst, Skalen korrekt und benutzerfreundlich einzustellen, ganz gleich ob in der physischen Welt oder in der digitalen.
Interessante Randnotiz: Das Wort „orientieren“ bezieht sich tatsächlich auf den Orient, denn im Mittelalter wurden christlich geprägte Landkarten noch nach Osten ausgerichtet, wo die Sonne aufging und sich Jerusalem befand, also im Orient. Daher orientierte man sich nach dem Orient ↩︎
„You are not the user“ ist mit Sicherheit eine der wichtigsten Regeln im Bereich des User Experience Designs. Egal wie sehr wir es durch Zuhören, Beobachten und mit Empathie versuchen, als Designer werden wir nie das gleiche erleben wie echte Anwendende, die in einem anderen Kontext stecken, anders denken, anders empfinden. Doch auch wir UX Designer sind Menschen und oft nichts weiter als User, die eine Experience haben (wir betrachten sie vielleicht nur anders – Berufskrankheit).
Wenn ich also über das mittlerweile zweite UX-Festival der GermanUPA in Erfurt am 17. und 18. Juni 2023 berichten möchte, könnte ich die Fakten aufzählen, die einzelnen Vorträge auflisten, die Menschen, die ich kennenlernen durfte mit Namen nennen. Oder ich könnte einfach versuchen, meine User Experience zu beschreiben.
Die User Journey
Die Reise begann mit einer Bahnfahrt mit meinem ehemaligen Team, einem Hotel in angenehmer Nähe zum Bahnhof, einem abendlichen Spaziergang durch die Erfurter Altstadt und einem gleichzeitigen Bummel über das bunte und vielfältige Erfurter Krämerbrückenfest. Der Spaziergang am nächsten Morgen zum Zughafen, der Event-Location in alten, urigen Hallen des nahegelegenen Güterbahnhof, zauberte uns ein Lächeln herbei, denn kleine, auf die Straße gemalte UX-Wegweiser leiteten uns. Es sind die Details, die den Unterschied machen. Das Lächeln verließ uns nicht bei der Ankunft am Veranstaltungsort, der Ausgabe unserer Teilnehmer-Badges, der herzlichen Begrüßung von vielen orange gekleideten Helfern und der Vorfreude auf die kommenden Tage. Schnell wurde klar, was uns alles an diesem Barcamp geboten werden würde.
Informations- und Navigationsarchitektur
Wer das Prinzip eines Barcamps noch nicht kennt: Jeder Teilnehmende kann eine Session zu einem bestimmten Thema einreichen, dann wird die ungefähre Teilnehmerzahl ermittelt, um daraufhin einen passenden Zeitslot und eine Örtlichkeit für die Session zu finden. Sessions können Workshops sein, Vorträge, Präsentationen, Gesprächsrunden oder gar Selbsthilfegruppen. Alles ist erlaubt.
Auf dem UX-Festival mussten insgesamt 62 mögliche Sessions in 5 Zeitslots an 8 (oder mehr) unterschiedlichen Plätzen in eineinhalb Tagen verplant werden. An einem Whiteboard oder auch online konnte man sich jederzeit informieren, wo welche Session stattfindet. Hat man das Gefühl, in einer Session nichts mehr mitnehmen oder beitragen zu können, kann man sie jederzeit verlassen, eine andere besuchen oder etwas völlig anderes zu tun. Die großartige Moderation und die Möglichkeit, mitgestalten, mitarbeiten oder sich zurücklehnen zu können, vermittelte im Vergleich zu anderen, starren Konferenzen ein gewisses Gefühl der Freiheit.
Content, Margins, Whitespaces
Neben all der Annehmlichkeiten und der Freiheit ging es auch in diesem Jahr darum, zu lernen, Erfahrung zu sammeln, sich auszutauschen. Die Sessions waren bunt und vielfältig. So wurde erklärt, wie Gamification in Produkten genutzt werden kann, wie man mit Hippos (Highest paid persons opinion) umgeht, wie man die eigene Perfektion in den Griff bekommt und wo UX bei der Nachhaltigkeit unterstützen kann. In weiteren Sessions wurde erörtert, was die Gastronomie mit UX zu tun haben könnte. Es wurde dafür geworben, weitere Mentoren zu finden (eine Runde, in der ich selbst ein wenig beitragen konnte). Und der Arbeitskreis UX Writing, in dem ich Mitglied bin, berichtete von seinen bislang erarbeiteten Heuristiken, die im September auf der Mensch und Computer Konferenz (ebenfalls von der GermanUPA) vorgestellt werden sollen.
Nachhaltig beeindruckt hatten mich zwei Workshops. Zum Einen „Perspektivenwechsel bei der Produktentwicklung“ von Thomas Hermenau. Und zum zweiten „Was macht UX Management“ von meinem persönlichen Helden Dominique Winter. Im Perspektivenwechsel-Workshop war die Aufgabe eines Teilnehmers die Rolle eines Product Owners einzunehmen, der nur durch sprachliche Anweisungen einer Gruppe von Entwicklern (wir anderen) mitteilen durfte, wie ein Auto aus Legosteinen gebaut werden sollte. Die Anleitung dafür war am anderen Ende des Raumes, wodurch der Product Owner zusätzlich die Schwierigkeit hatte, sich Dinge zu merken zu müssen und diese so zu vermitteln, dass die Erbauer es verstanden. Es dürfte keine Überraschung sein, dass am Ende ein Auto gebaut wurde, das nur grob aussah, wie gedacht. (Schönes Randdetail dabei, dass die Entwickler natürlich bereits mit dem Bau des Autos begonnen hatten, noch bevor der Product Owner etwas dazu gesagt hatte – weil, ist ja klar, wie ein Auto aussehen sollte, ne?)
Im UX Management Workshop bestückten drei Gruppen unter Zeitdruck jeweils ein Poster mit relevanten Punkten zum Thema UX Ziele, UX Strategie und UX Ressourcen, stellten die Inhalte vor und wechselten dann zum jeweils nächsten Poster, um dieses mit größerem Zeitdruck zu ergänzen. Nach dem dritten Wechsel war es faszinierend zu sehen, wie viel dermaßen guter Content in nur 45 Minuten erstellt worden war. Einfach durch die Tatsache, dass die Teilnehmer motiviert waren, Spaß hatten und die Methode perfekt passte.
Research und iterative Verbesserungen
Die Veranstalter hatten auf die Teilnehmer des ersten UX-Festivals gehört. So wie richtige UX Professionals es nunmal tun. Dinge, die im Jahr zuvor nicht ganz reibungslos funktionierten, wurden geändert, alles weitere blieb oder wurde verbessert. So waren die Locations der einzelnen Sessions besser voneinander getrennt, um akustische Störungen zu vermeiden. Das Catering war in diesem Jahr günstiger platziert, qualitativ deutlich besser und – zu unserer Überraschung – sogar kostenlos dank großzügiger Sponsoren.
Neben kostenlosen Getränken standen jederzeit Obst und Süßigkeiten zur Verfügung und der Zughafen selbst gab weiterhin viel Raum, um es sich zum Beispiel in Liegestühlen bei bestem Sonnenwetter in feinem Sandstrand gemütlich zu machen und sich auszutauschen. Daneben stand im Angebot T-Shirt Druck, Yoga, Tanz-Akrobatik mit alten XBox Kinect-Controllern, ein Eisstand, eine kostenlose Fotobox und natürlich auch die obligatorische Disco. Ob das spätabendliche Feuerwerk zum Krämerbrückenfest oder doch zum UX-Festival gehörte, konnte nicht abschließend geklärt werden, war aber eine gelungene Krönung.
FOMO und zu viele Optionen
Wenn es Kritik anzumelden gibt, dann vielleicht diese: Die Masse an Teilnehmern, Sessions, Locations und Möglichkeiten machten es mir schwer, Entscheidungen zu treffen. „Too many options“ ist ein weit verbreitetes Problem heutiger Systeme und führt zu schlechter User Experience. Auch wenn das „Law of two feet“ galt (also die Möglichkeit, jederzeit Sessions zu wechseln oder zu verlassen) hatte ich zu oft das Gefühl, spannende Dinge in den anderen, parallel laufenden Sessions zu verpassen. Auch zum gemütlichen Austausch war oft wenig Zeit, weil ein jeder in die nächste Session wollte. Ein Luxusproblem, gewiss. Aber eines, auf das man sich vorbereiten sollte. Denn wenn die Teilnehmerzahl jährlich steigt, werden auch die Sessions und die Optionen jährlich mehr werden. Und ob es dann eine gute Idee ist, das Festival über drei Tage zu machen?
Auch wurde in der Vorstellungsrunde zwar grob erklärt, welchen Inhalt jede Session haben sollte – im späteren Entscheidungsprozess war es dann aber doch etwas schwer, sich zu erinnern oder einen Überblick zu bekommen, um eine „gute“ Entscheidung treffen zu können. Natürlich, keine Entscheidung war am Ende falsch, jede Session und jedes Gespräch war genau richtig. Das Gefühl, etwas verpasst zu haben, blieb bei mir dennoch.
Die Experience
Das UX-Festival ist und war auch diesmal geprägt von tollen Menschen, von Offenheit, Neugier, Menschlichkeit. Von einem großartigen Miteinander und einem ständigen Wir-Gefühl. Zwei Tage hatte ich das starke Gefühl unter meinesgleichen zu sein, unter Menschen, die mich verstehen, meine Nöte und Probleme kennen. Menschen, die bereits in ähnlichen Situationen steckten oder gerade dabei sind, dort hinein zu geraten und froh sind, von anderen lernen zu können.
Es war phantastisch zu erleben, dass unter den etwa 300 Teilnehmern nicht nur UX Professionals gekommen waren, sondern auch Entwickler, Produktmanager, Strategen, Marketingleute, die alle an diesem großen Thema UX arbeiten und verstehen wollen, wie wir es schaffen, gute UX zu etablieren. Denn auch das hat dieses Festival wieder gezeigt: Es geht am besten (oder gar nur) gemeinsam. Und: Es sind die Menschen, die gute UX schaffen, die verstehen, wie Menschen funktionieren und welche Anforderungen sie haben.
In Zeiten, in denen aus allen Richtungen zu hören ist, dass AI uns Designern die Jobs wegnehmen wird, bin ich davon überzeugt, dass wir weiterhin Menschen benötigen, die mit Verstand und Empathie, mit Visionen und unterschiedlichen Perspektiven weitaus bessere Erlebnisse schaffen werden. Heute mehr denn je. Und auch wenn es abgedroschen klingen mag: Ja, wir arbeiten daran, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Und als UX Professional und Mentor bin ich stolz und glücklich, Teil dieser Community sein zu dürfen.
Und so kann ich nur alle Lesenden einladen, im nächsten Jahr am 15. und 16. Juni 2024 ebenfalls dabei zu sein, zu lernen, sich zu vernetzen, sich auszutauschen und Spaß zu haben.
Der norwegische Designer Torger Jansen hat den Linien- und Netzplan Oslos analysiert und überarbeitet. Seine Herangehensweise, den eigentlichen Design-Prozess und die Ergebnisse hielt er in einem sehr interessanten Video fest. Er beschreibt darin auch für Nicht-Designer nachvollziehbar, mit welchen Ideen er spielte und welche er aus bestimmten Gründen wieder verwerfen musste. Außerdem betont er – sehr zu meiner Freude – dass seine Ideen bislang nicht getestet wurden. Erfreulich ist es deshalb, weil er sich dadurch von vielen anderen „Künstlern“ und UI-Designern unterscheidet, die zwar schöne Visuals, interessante Konzepte und tolle Interface-Konzepte entwickeln und auf Plattformen wie Dribble und Behance damit flexen (sorry, angeben meinte ich natürlich). Die aber im Vergleich zu einem echten UX-Konzept darauf verzichten, herauszufinden, welche Anforderungen zugrunde liegen, welchen Mehrwert das Design bietet und ob es überhaupt für echte Menschen gut funktioniert.
Jansen, der sich neben seinen vielfältigen kreativen Interessen selbst als UI/UX Designer bezeichnet, hatte den Linien- und Netzplan Oslos bereits vor einigen Jahren angepasst. Fünf Jahre später wiederholte er den Prozess. Wieder in nicht offiziellem Auftrag. Sein Ansatz war, Züge, Tram und Metro Linien in einem übersichtlichen, gut lesbaren Plan zu kombinieren und die Barrierefreiheit noch besser zu unterstützen. Das Ergebnis kann man – bis auf wenige kleine Details – als gelungen bezeichnen.
Hintergrund des Redesigns
Kaum im Video zu sehen sind die ursprünglichen, offiziellen Pläne der Stadt Oslo. Doch gerade hierin liegt ja der Reiz. Was genau wurde denn verbessert? Also machte ich mich auf die Suche nach den Originalplänen und fand sie auch bald bei Ruter.no, der Seite der öffentlichen Verkehrsbehörde Oslos. Und siehe da: auch die offiziellen Pläne sind bereits durchdacht. Leicht scan- und lesbar, übersichtlich, mit starken Kontrasten und gut ausgewählten Schriftarten. Auch wenn es wie ein Klischee klingt: das klare skandinavische Design ist unverkennbar. Wie übrigens nicht nur in den Netzplänen, sondern auf der gesamten Ruter-Seite inklusive des Reiseplaners.
Weshalb nahm sich Jansen dann ausgerechnet diese Pläne vor? Es war die Herausforderung, Zug-, Tram- und Metro-Linien in genau einem Plan unterzubringen. Und zwar so, dass eine Reiseplanung damit wirklich möglich wurde. Verlässt man sich auf die offiziellen Ausgaben, ist man gezwungen mit drei unterschiedlichen Plänen zu hantieren (Siehe hier: Zug, Tram, Metro und der Vollständigkeit halber auch Bus). Nicht gerade einfach, die beste Verbindung von A nach B zu finden, wenn man gar nicht weiß, wo man auf welches Verkehrsmittel umsteigen kann oder muss.
Gut gestaltete Netzpläne und Barrierefreiheit
Nun kann man sich im Jahr 2023 natürlich die Frage stellen, wer sich überhaupt noch für derartige Pläne interessiert. Wer verreisen will, eine Verbindung sucht, der soll doch bitte einfach eine App benutzen. Oder auf entsprechenden Webseiten ganz einfach Start und Ziel eingeben, um ohne langes Suchen in einem Plan den kompletten Reiseverlauf angezeigt zu bekommen, mit allen Umsteigemöglichkeiten, aktuellen Verspätungen, Sperrung und Unwägbarkeiten. Doch ganz so einfach ist es nicht. Erst im April dieses Jahres erschien eine Studie nach der etwa 3,4 Millionen Menschen in Deutschland noch nie im Internet waren. Die also auch keine Apps oder andere Services nutzen und daher auf „gedruckte Alternativen“ angewiesen sind. In Norwegen könnte es eine relevante, ähnlich hohe Zahl sein.
Laut Studie handelt es sich bei den genannten Offlinern vornehmlich um Senioren im Alter von 65 bis 74 Jahren. Gerade älteren Mitmenschen fällt es zunehmend schwer, mit der Digitalisierung Schritt zu halten. Ständig neue Apps, neue Möglichkeiten, neue Dinge die gelernt werden müssen. Heutige Webseiten und Apps werden komplexer statt einfacher. Nicht wenige Hersteller halten das Verlangen nach weiteren Features für einen Wunsch der Kunden, der gerne erfüllt wird, um die Einnahmen konstant zu halten. Aber ist das wirklich wahr? Ehrlich, auch ich verstehe beispielsweise Instagram mittlerweile kaum mehr und fühle mich jenseits der ursprünglichen Grundfunktionen meist überfordert. Das Übermaß an Komplexität ist allerdings nicht nur ein Thema der älteren Generationen, auch Menschen mit kognitiven, visuellen, auditiven oder motorischen Einschränkungen leiden darunter. Und letztlich jeder Mensch, dem das Ganze einfach zu viel wird. Komplexität ist ein integraler Bestandteil im Bereich Barrierefreiheit. In inklusivem Design und der Arbeit von UX Designern, die darauf abzielt, keinen Menschen zurück zu lassen, sondern allen Anwendenden die bestmögliche Nutzbarkeit zu bieten.
Ich selbst stand schon in Städten wie London oder Barcelona vor derartigen Plänen, suchte den „Sie befinden sich hier“-Punkt und versuchte heraus zu finden, welche U-Bahn mich an mein Ziel bringen könnte. Und zwar aus unterschiedlichen Gründen: Überangebot an Mobilitäts-Apps in den Stores mit nicht eingehaltenen Versprechungen und schlechter Bedienung. Kaum oder nur schwer nutzbare offizielle Webseiten mit Linien- und Tarif-Dschungel. Geringe oder nicht vorhandene Netzabdeckung. Oder gar einfach die Erkenntnis, dass die Zeit für die Suche in einem gut gestalteten Plan kürzer ist, als der Aufruf und die Eingabe in einer App.
Der Netzplan von Oslo und Aachen im Vergleich
Doch kommen wir zurück zu den Netzfahrplänen. Sie haben noch heute eine Daseinsberechtigung und müssen genau deshalb so einfach, übersichtlich und barrierefrei wie möglich gestaltet sein, damit jeder Mensch, egal welcher Herkunft und welchem Hintergrund, sie verstehen und nachvollziehen kann. Ist das denn überall so? Beispielsweise in meiner Heimatstadt Aachen? Ich machte den Versuch, suchte auf der Seite des regionalen Verkehrsunternehmen ASEAG und wurde bald fündig. Aachen hat, wie schon einmal erwähnt, leider nur ein Busnetz und die Pläne dazu finden sich hier. Interessanterweise weist die ASEAG schon vor dem Download darauf hin, dass alle Netzpläne nicht barrierefrei sind (Wirklich alle, was schon fast peinlich ist, wenn man nicht gleichzeitig auch barrierefreie Varianten anbietet). Doch immerhin wirbt die Überschrift damit, das Liniennetz Aachens sei in den Plänen übersichtlich dargestellt. So sieht der schematische Netzplan von Aachens Innenstadt aus:
Dies ist im Vergleich der Netzplan der Buslinien Oslos:
Es kann davon ausgegangen werden, dass Oslo nicht nur deutlich größer als Aachen ist, sondern auch eine Menge mehr Buslinien als Aachen hat. Was vermutlich der Grund sein dürfte, weshalb im Osloer Plan viele Farben für mehrere unterschiedliche Linien benutzt werden mussten. Ein deutlicher Schwachpunkt, auch im Sinne der Barrierefreiheit (Stichwort Farbenblindheit). Dennoch ist schon auf den ersten Blick der Osloer Netzplan aufgeräumter, entzerrter, besser erfassbar, die Linien und Stationen besser verfolgbar. Allein die Legende an der Seite des Aachener Plans bereitet mir schweissnasse Hände. Dagegen stellt sich der Plan Oslos beinahe als selbsterklärend dar. Interessant ist auch, dass beide Pläne zwar schematisch sein sollen, sich jedoch sehr an den geografischen Gegebenheiten orientieren. Nehmen wir als Gegenbeispiel den offiziellen Metroplan Oslos:
Im Netzplan der Osloer Metro scheint Geografie, Entfernungen etc. keine Rolle zu spielen. Der Plan ist ein Musterbeispiel an Übersichtlichkeit, was natürlich auch daran liegen kann, dass es weniger Metrolinien als Buslinien gibt. Doch warum war die schematische Darstellung hier möglich, bei den Busen aber nicht? Oder anders gefragt, wäre diese Art der Darstellung bei Buslinien eventuell gar nicht hilfreich?
(Besser, aber aus meiner Sicht immer noch unübersichtlich und schwer scan- und lesbar. Warum übrigens jeder seinen eigenen Netzplan erstellen muss – ASEAG als Busbetreiber und AVV als Verkehrsverbund – wird sich mir vermutlich auch nie erschließen)
Es scheint kein Zufall zu sein, dass Torger Jansen sich „nur“ die Pläne der Metro-, Tram- und Zuglinien vorgenommen hat und das offenbar viel zu komplexe Busliniennetz aussen vor ließ. Auf diese Weise war es ihm möglich, aus den drei sehr schematischen Ansichten eine Gesamtvariante zu erstellen:
Wer gestaltet eigentlich Netzpläne und warum mache ich es nicht?
Sehe ich mir den Netzplan von Aachens Buslinien an, juckt es mich in den Fingern, es Torger Jansen gleich zu tun. Wie gerne würde ich versuchen, aus diesem unübersichtlichen Kuddelmuddel einen gut lesbaren, barrierefreien Plan zu erstellen. Wie gerne würde ich entsprechenden User Research betreiben, mit Menschen sprechen, testen und so lange daran feilen, bis man sicher sein kann, alle „Anwendenden“ mit einem neuen Netzplan gut unterstützt und geholfen zu haben. Ob es mir gelingen würde? Keine Ahnung. Vielleicht könnte das eine spannende Aufgabe für ein kleines Team sein. Eine richtige Case Study…
Und so stellt sich auch die letzte Frage. Wer erstellt eigentlich diese offiziellen Pläne. Designer? Ingenieure? Wurden echte Menschen dazu befragt? Wurden die Pläne mit ihnen getestet? Wurden Studien und Analysen dazu angestellt, um herauszufinden, ob ein ganz normaler Reisender mit den Plänen klar kommt? Hat Oslo mit seinen gut gestalteten Plänen versucht, einem Reisenden die Aufgabe zu stellen, nur mit Hilfe der unterschiedlichen Netzpläne mit viermaligem Verkehrsmittelwechsel von einem Ort zum anderen zu kommen? Und wie ist das in Deutschland? In wessen Auftrag und von wem werden die Pläne erstellt? Wer hierzu nähere Informationen hat, ist gerne eingeladen, sich direkt bei mir zu melden oder einfach einen Kommentar zu hinterlassen. Ich wäre sehr verbunden.
Die Geschichte über den südlichen Teil Deutschlands ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Gewiss, jedes der 16 Bundesländer hat mit Vorurteilen und Falschinformationen zu kämpfen. Jede Region Deutschlands dürfte sich im kollektiven Verständnis unterrepräsentiert fühlen. Besteht der Osten Deutschlands nicht nur aus Sachsen? Wo genau ist dieses Ost-Westfalen? Weiß eigentlich irgendjemand, wo das Sauerland beginnt und endet? Und liegt Ostfriesland nicht in Wirklichkeit an der Westküste der Nordsee? Ich kenne dieses Gefühl, denn ich selbst stamme aus einer Region Deutschlands, die den meisten Menschen nicht bekannt ist. Und damit räume ich jetzt auf.
Um es konkret zu machen: Woran denkt der/die übliche Mittel-, Ost-, West- und Norddeutsche, wenn nach Süddeutschland gefragt wird? Vermutlich meist an Bayern. Im besten Fall an Schwaben. Als bestünde Süddeutschland aus einem einzigen Bundesland. In Wahrheit sind es derer zwei. Und dieses unscheinbare kleine Ländle neben Bayern heißt Baden Württemberg. Baden Württemberg! Ein Bundesland so reich an Geschichte, so reich an wundervollen Landschaften, so reich… Nun, ein Bundesland so verkannt, dass der Rest der Welt der Meinung ist, es lebten nur Schwaben darin. Dabei kommt das Wort Schwaben nicht einmal im Namen vor. Das Land heißt Baden Württemberg. Es ist das einzige Bundesland, das durch einen Volksentscheid entstand. Württemberg-Baden, Baden und Württemberg-Hohenzollern entschlossen sich 1952 ein einziges Bundesland zu werden. Badener und Württemberger friedlich vereint. Wer hätte das gedacht?
Baden Baden Baden
Fiel nun oft genug der Begriff Baden? Ist mittlerweile klar geworden, worauf ich hinaus möchte? Dass Baden Württemberg nur zu einem Teil aus Württemberg besteht. Zu einem großen Teil besteht es aus Baden. Meine Güte, Baden möchte so sehr darauf hinweisen, dass es Baden heißt, dass sogar eine Stadt darin Baden Baden getauft wurde. Was soll man denn noch tun? Es „Baden Baden!“ nennen? (Das ist natürlich ein Scherz. Ein Ausrufezeichen hat noch nie dazu geführt, einen Text und dessen Bedeutung zu verstärken. Deshalb, liebe Kids, Finger weg von den Ausrufezeichen!!!! (und von den falschen Apostrophen, aber ich schweife ab))
Das schöne Baden ist der äußerste Südwesten Deutschlands. Und somit neben Württemberg (nicht Schwaben) und Bayern ein nicht zu unterschätzender Teil Süddeutschlands. Baden ist mein Heimatland, hier wuchs ich auf, hier verbrachte ich Jahrzehnte meiner – nunja – Jugend, bevor es mich in die weite Welt hinaus trieb. Baden wird südlich und westlich durch den Verlauf des Rheins klar definiert, während die Grenzen im Norden und Osten – auch sprachlich – gerne schwammig werden. Landschaftlich wird Baden durch die stets warme Rheinebene und den Schwarzwald bestimmt. Und der vorherrschende Dialekt ist das Alemannisch, dem Schweizerdeutschen nicht unähnlich. Vieles spricht für Baden als Land, als Kulturgut, dass ich hier gar nicht alles aufzählen kann. Doch im kollektiven Verständnis kommt es kaum vor. Warum ist das so?
Baden hat so viel zu bieten
Zum Einen liegt es vermutlich am Mangel an Prominenz. Außer Jogi Löw dürften die wenigsten weitere Berühmtheiten kennen, die aus Baden stammen. Des Weiteren am Mangel an politischem Einfluss. Die Politik wird in Stuttgart gemacht, von Schwaben. Zudem am Mangel an Skandalen. Welches Ereignis oder welche Person hat in den vergangenen Jahrzehnten das Land in das kollektive Gedächtnis gebrannt? Positiv oder negativ. Und schließlich auch durch Mangel an Präsenz in den Medien. Welche Filme oder Serien spielen in Baden und thematisieren dies auch? Ein Freiburger Tatort vielleicht. Apropos Freiburg: Immerhin ist Freiburgs Fußballmannschaft mittlerweile ein Begriff in der Bundesliga, im Europapokal, in der – Wahnsinn – Champions League? (Stand: Mai 2023. In zehn Jahren werde ich seufzend auf diesen Artikel zurück blicken)
Auch die Sprache in Baden dürfte den meisten unbekannt sein, zu präsent ist das Schwäbische im südwestlichen Bundesland. Und zugegeben, Alemannisch als Dialekt ist wirklich ungeheuer schwer zu destillieren, zu nah ist die Grenze am Schweizerdeutsch, zu sehr verschwimmt der Dialekt ins Schwäbische je weiter man in den Osten kommt und nördlich von Offenburg und Karlsruhe nimmt schnell ein badischer, pfälzischer Dialekt überhand. Ich erinnere mich an kleine Dörfer, die ihren eigenen Dialekt hatten, während die Bewohner des Nachbardorfes viele Begriffe wieder anders aussprachen. Für Außenstehende ist das Alemannisch kein Dialekt, der in Deutschland gesprochen wird.
Zugegeben, in meiner Jugendzeit im Markgräflerland (grob gesagt die Kreise Lörrach und Freiburg) blickte ich oftmals neidisch in die viel cooleren Bundesländer und Städte. Nach Köln und Berlin. Mit ihren TV- und Radiosendern, mit ihren Kinos und Fast-Food Restaurants. Mit all den Möglichkeiten, dem Lifestyle, den es bei mir in der Provinz einfach nicht gab. Da saß ich dann auf einem gemütlichen Weinfest, während anderenorts Raves stattfanden. Aber vielleicht lag es auch an mir und meinem Blickwinkel.
Ich halte das Badener Land für eines der schönsten Landstriche Deutschlands, mit seinen gemütlichen Dörfern und Städten, den Hügeln und (Wein-) Bergen, den Wäldern und der Landwirtschaft, den Baggerseen und dem Rhein, der Nähe zu Frankreich und der Schweiz, dem Essen, des mediterranen Klimas, der Traditionen, der Menschen und der Lebensfreude. Das mag sehr subjektiv sein, doch ich kenne niemanden, der Baden und Schwarzwald besucht hat und gegenteiliger Meinung sein kann.
Und so halte ich das Zepter hoch und breche eine Lanze für Baden. Den schönsten Teil Baden Württembergs. Den kleinsten und vielleicht unbekanntesten Teil Süddeutschlands. Der Teil Deutschlands, der es verdient hat, mehr im kollektiven Bewusstsein stattzufinden. Denn auch wenn wir alles außer Hochdeutsch können, so mag ich diesen Werbespruch noch immer sehr: „Schön hier. Aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“ Kommt nach Baden und überzeugt euch selbst. Und lernt, dass Süddeutschland eben auch Baden ist!
Paul Watzlawick sagt „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Aber kann man auch nicht nicht lesen? Und was soll das mit diesen doppelten Verneinungen? Ich werde später darauf zurück kommen. Lasst mich zunächst mit einer kleinen persönlichen Geschichte beginnen. Ich hasse SUVs. Leidenschaftlich. Vor ein paar Monaten standen zwei dieser Monster regelmäßig in unserer Straße. Und zwar so, dass sie nicht nur einen Teil des Bürgersteigs in Beschlag nahmen, sondern es mit ihrer Überbreite auch schafften, den Autoverkehr zu behindern. Darüber kann man sich nur aufregen.
Jetzt bin ich nicht nur ein SUV-Hasser, sondern auch einer, der KFZ-Kennzeichen liest. Oder um es anders auszudrücken: Ich kann KFZ-Kennzeichen nicht nicht lesen. Ich sehe und lese sie. Oder noch einmal anders formuliert: Ich sehe sie und interpretiere sie. Und diese Geländewagen hatten Wiesbadener Kennzeichen.
Murphys Gesetz besagt: Der beste Weg im Internet die richtige Antwort zu bekommen, ist nicht eine Frage zu stellen, sondern die falsche Antwort zu verbreiten. Denn das Internet und insbesondere die Besserwisser darin sind weniger hilfreich als glücklich darüber, andere zu korrigieren und Recht zu haben. Vergesst also Seiten wie „Guter Rat“ oder „Frag Mutti“, beziehungsweise fragt nicht, sondern behauptet. Und sehr schnell werdet ihr korrigiert und erhaltet die richtige Antwort.
„Coulrophobie – Die Angst vor Clowns“ ist einer der meistgelesenen und meistkommentierten Artikel auf Alles Roger. Bereits im Jahr 2007 habe ich zu diesem Phänomen recherchiert und fand im Netz nur wenige Informationen, dafür aber eine lange Liste aller möglichen Phobien, die mich faszinierte und auch ein wenig amüsierte. Die Coulrophobie selbst schien damals noch eine Art Mythos zu sein, etwas, mit dem Buchautoren und Filmemacher spielen. Doch weit gefehlt. Die Angst vor Clowns ist eine sehr weit verbreitete Phobie, wie zahlreiche Kommentare zum Artikel in der Folgezeit bewiesen.
Im Januar 2023 erhielt ich eine Anfrage des Radiosenders WDR5, ob ich für ein Interview zu diesem Thema zur Verfügung stünde. Geplant sei, am Karnevalsdienstag eine Sendung rund um das Thema Clowns, von Zirkusclowns über Clowns im Krankenhaus bis hin zu Horrorclowns in Literatur und Zeitgeschehen, auszustrahlen. Bei der Recherche stießen sie auf mein Blog und den Artikel mit über 80 Kommentaren von Menschen, die unter der Phobie leiden.
Mein Blog „Alles Roger“ gibt es nun schon seit 2005 und doch habe ich die wichtigste Frage noch nie beantwortet. Nämlich, was der Begriff „Alles Roger“ eigentlich bedeutet und wie er entstanden ist. Dabei scheint die Bedeutung und der Ursprung leicht zu erklären zu sein.
Zunächst einmal ist der Name Roger eine Form des Namens Rüdiger, der wiederum ein germanischer Name ist und sich aus den Wörtern Ruhm/Ehre und Speer zusammensetzt und somit in etwa „ruhmreicher Speerkämpfer“ bedeutet. Roger wird im englischen, französischen und katalanischen Sprachraum verwendet und jeweils unterschiedlich ausgesprochen. Selbst im deutschen Sprachraum gibt es eine Variante, die so ausgesprochen wird, wie sie geschrieben wird.
Wie wäre es, ein generelles Tempolimit auf Deutschlands Autobahnen auf Probe umzusetzen? Für drei Monate vielleicht. Oder sechs. Nur um mal zu gucken. Einfach mal ausprobieren, ob tatsächlich die Welt untergeht. Ob das Abendland wirklich dem Untergang geweiht ist. Ob wirklich die Freiheit jedes einzelnen Bürgers verloren geht. Ob plötzlich halb Deutschland zu spät zur Arbeit kommt, es keine Urlaube mehr gibt, Einkaufszentren und Innenstädte schließen müssen und Tankstellen bankrott gehen.
Die Finger schweben über der Tastatur. Ich überlege, was ich schreiben wollte. Gerade war es doch noch da. Das ganze Thema, die ersten Sätze. Worüber wollte ich denn noch schreiben,verdammt? Vergessen.
Kennt ihr das? Steht ihr auch hin und wieder in der Küche vor dem offenen Kühlschrank und fragt euch, weshalb ihr ihn überhaupt geöffnet habt? Klar, man nimmt sich eine Cola raus, ein Stück Wurst und Käse, den übrig gebliebenen Kuchen von gestern und einen Apfel wegen des schlechten Gewissens. Aber war das der Grund um von der Couch aufzustehen?
Der öffentliche Nahverkehr in Aachen gehört zu den grausamsten Erfahrungen in dieser schönen kleinen Stadt. Schon vor einiger Zeit betonte ich, Aachen fehle es an guten Verbindungen, einem stabilen Netz und vor allem an Straßenbahnen. Die Busse und die dazugehörigen Verbindungen sind unbequem, unzuverlässig und nicht auf die Bedürfnisse der Einwohner zugeschnitten. Ein kleines persönliches Beispiel: Um mit dem Bus von zuhause zu meiner aktuellen Arbeitsstätte zu kommen, benötige ich mit dem Bus über eine Stunde Fahrzeit. Für den Hinweg. Zurück nochmal das Gleiche. Inklusive 20-minütigem Aufenthalt am sogenannten Bushof, einem Brennpunkt aller sozialer und menschlicher Schichten und Buslinien. Mit dem Auto kostet mich die Fahrt keine zwanzig Minuten. Ich prangere das an, denn ich würde viel lieber mit dem öffentlichen Nahverkehr fahren. Gibt es denn keine vernünftige Lösung?
Wie kann es eigentlich sein, dass ich seit mittlerweile genau vier Jahren UX Designer bin und bislang kaum über dieses Berufsfeld geschrieben habe? Vielleicht, weil ich über meine anderen Berufe davor ebenfalls nicht geschrieben habe? Was nicht ganz der Wahrheit entspricht. Dass ich leidenschaftlicher Lokomotivführer war und im Herzen auch weiterhin bin, wurde bestimmt schon das eine oder andere Mal erwähnt.
Und da ist dieses Wort. Leidenschaft. Ist es nicht schön, eine Leidenschaft zu haben? Oder besser gesagt, eine Leidenschaft gefunden zu haben, der man regelmäßig nachgehen kann, egal ob privat oder beruflich? Wie oft erzählte ich in diesem Blog, dass Filme meine Leidenschaft seien? Wie gerne nahm ich mir TV-Serien vor, Apple Produkte, Gadgets und Spiele. Alles Dinge, die ich leidenschaftlich mag. Doch dies sind nur Dinge.
Eine schöne Utopie, die Agora Energiewende und Fraunhofer IEE im folgenden Video zusammengestellt und visualisiert haben. Wie kann Deutschland es bis zum Jahr 2045 schaffen, klimaneutral zu werden. Und dabei nicht nur die Umwelt zu retten, sondern die Lebensqualität der Menschen insgesamt zu verbessern. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind dabei keine Science Fiction, sondern basieren auf dem aktuellen Stand der Technik und Forschung. Heißt: Theoretisch wäre das alles machbar. Sogar schon jetzt.
Warum ich es dennoch für eine Utopie halte? Nicht, weil ich ein Pessimist bin (okay, erwischt). Sondern weil ich mir kaum vorstellen kann, auch nur die Hälfte in den nächsten 23 Jahren in diesem Land Realität werden zu sehen. Nicht, dass ich es mir nicht absolut wünschen würde. Doch wenn ich mir nur mal die letzten 16 Jahre fast totalen Stillstands betrachte, von Politikern verursacht, die nur ihre eigene Machterhaltung im Blick hatten oder schlicht zu dumm waren, etwas zu bewegen, regen sich böse Zweifel in mir.
Am 1. Juni 2021 begann ein Experiment. Ich forderte mich selbst heraus und starte eine Challenge mit dem Titel: „Der 30 Tage Lauf“. Ich wollte dabei heraus finden, ob ich es schaffe, jeden einzelnen Tag im Monat Juni einmal laufen zu gehen. Und nebenher beobachten, ob und was sich bei mir körperlich und geistig verändert. Rekorde sollten nicht aufgestellt werden. Auch keine konkreten Ziele wie minimale Kilometer oder Zeiten wurden erhoben. Es ging dabei nur um den Versuch, den inneren Schweinehund täglich aufs Neue besiegen zu können.
Manchmal kommt dir das Leben in die Quere. Manchmal der Tod. Oder alles, was dazwischen liegt. Manchmal ist alles andere wichtiger, als die Herausforderungen, die man sich selbst gestellt hat. Wie John Lennon einst sang: „Life is what happens to you while you are busy making other plans“. So kam es, dass ich in den vergangenen zwei Tagen weder Laufen war, noch etwas schrieb.
Nach einem furiosen und spannenden Spiel der Spanier gegen Kroatien beschloss auch ich, an Tag 28 meiner Challenge „Der 30 Tage Lauf“ in die Verlängerung und somit in den Wald zu gehen. Es sollte nur eine kurze Runde werden. Es wurde eine meiner Schnellsten. Und obgleich sich statt der Knie wieder mein Rücken schmerzhaft bemerkbar machte, flog und schwebte ich schier (für meine Verhältnisse natürlich). Auch Puls und Atmung blieben stets im angenehmen Bereich.
Statt eines Laufs war heute Expedition angesagt. Verwunschene und zerfallene Gebäude in tiefem Dickicht erkunden und telefonisch den horrenden Preis für die Ruine und den Urwald erfragen. Auch eine Art Sport, aber erwartungsgemäß nicht die Erwartung einer Challenge „Der 30 Tage Lauf“ an Tag 27. Es ist geplant, morgen wieder einer Waldrunde zu drehen. Mein Rücken wird es diesmal entscheiden.
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