Schlagwort: geschichten

  • Alles Roger – Alles Aus

    Der Titel nimmt es bereits vorweg. Dies wird vorerst der letzte Artikel sein, den ich hier in meinem Blog veröffentliche. Doch nicht nur das, ich ziehe mich komplett aus der Netzwelt zurück. Meine Accounts bei Facebook, MeinVZ, Wer kennt wen, Flickr, vor allem Twitter und wie die ganzen Social Networks noch heißen sind bereits oder werden in den nächsten Tagen gelöscht. Nicht einfach liegen gelassen, sondern gelöscht. Weshalb ich das mache? Nun, in der Antwort steckt bereits ein wichtiger Grund. Ich habe es satt, mich erklären zu müssen. Habe es satt, der ganzen Welt zu erzählen, was mit mir los ist. Vier Jahre lang war in diesem Blog Alles Roger. Das ist es jetzt nicht mehr und der Zeitpunkt ist gekommen, einen klaren Schlussstrich zu ziehen.

    Das Internet hat zuviel Platz in meinem Leben eingenommen. Und soviel ich auch gewonnen und erlebt habe, muss ich einsehen, dass ich durch meine Netzaktivitäten letztlich mehr verloren habe. Ich besinne mich wieder auf mich. Ich habe keine Lust mehr, mich stundenlang mit Konversationen abzulenken, aus der Realität zu flüchten. Habe keine Lust mehr, auf Feedback zu warten (Besucherzahlen, Kommentare, Replies, Followerzahlen etc.) Ich habe keine Lust mehr, mich selbst pausenlos unter Druck zu setzen (Blogartikel schreiben, Fotos veröffentlichen, Anfragen beantworten etc.) Jetzt, zum Ende hin, wurde aus dem ganzen Spaß bitterer Ernst. Zu spät habe ich es erkannt, dass ich mich in einer virtuellen Welt verlor, die verschwunden ist, sobald ich den Stecker ziehe. Bevor mir der Stecker gezogen wird, mache ich das nun bewusst.

    Alle Accounts werden gelöscht, mein Blog lasse ich weiterhin online, bereinigt und nicht mehr interaktiv. Es bleibt mein Baby und vielleicht kehre ich ja irgendwann unter anderen Vorzeichen wieder zurück. Bis dahin haben meine Leser hoffentlich Spaß an den verbliebenen alten Artikeln. Ich wünsche euch allen ein schönes Leben und danke für die große Aufmerksamkeit. Für meine Freunde bin ich weiterhin per Mail und Skype zu erreichen. Vielleicht bis bald.

    Euer Roger.

  • Von Fusseln und Flüssigkeiten

    Über Realismus in Filmen diskutiere ich schon lange nicht mehr. Filme sollen nicht realistisch sein. Filme sind dazu da, mich in fremde Welten zu entführen, mich Abenteuer miterleben zu lassen, mir Dinge zu zeigen, die es so gar nicht geben kann. Filme sind Märchen, Träume, Erfindungen und haben nichts mit Realismus zu tun. In seinen eigenen Grenzen natürlich. So habe ich kein Problem damit, wenn Superhelden alle Gesetze der Physik auf den Kopf stellen, denn im Rahmen der Geschichte sollen, können und dürfen sie das. Auch ein James Bond vollbringt im Film Dinge, die kein Mensch so zustande brächte. Würde er allerdings aus eigener Kraft davon fliegen und übermenschliche Kräfte bekommen wie Superman, so würde er dadurch seinen eigenen Realismus-Rahmen sprengen. Für mich wäre das dann inakzeptabel. Jeder Film bestimmt seinen eigenen Realismus-Rahmen. Wer auch immer ins Kino geht und beim Hinausgehen sagt, das sei völlig unrealistisch gewesen, verdient nichts als mein Mitleid, denn er hat das Prinzip Kino nicht verstanden.

    Worauf ich damit hinaus möchte? Nun, es gibt bei aller Liebe dennoch immer wieder Aspekte im Film, die mich Kopfschütteln lassen. So kann ich bis heute nicht verstehen, wie Personen im Film sich ein Bad einlassen, in der Wohnung herum laufen, Dinge erledigen, wieder ins Bad kommen, sich entkleiden und dann einfach so in das heiße Wasser steigen können. Wenn ich meine Socken ausziehe, so klebt an ihnen etwa ein Pfund Fusseln, die alsdann wie in einer Schneekugel mit schwarzen Flocken im Wasser herum treiben. Auch wenn ich barfuß bin und in der Wohnung umher laufe, nehme ich allerhand Krümel, Fussel und Haare mit in das Badezimmer. Helden im Film scheint das nie zu passieren. Sie müssen in einer komplett fusselfreien Welt leben. VÖLLIG UNREALISTISCH.

    Auch beim Thema Sex habe ich bis dato noch nie gesehen, dass die beiden Liebenden sich nach dem Akt Sorgen um diverse Flüssigkeiten machen. Da wird kaum geschwitzt, da wird nach dem Orgasmus nicht nach Taschentüchern, Handtüchern oder Küchenrollen in greifbarer Nähe gesucht. Da wird auch nicht aufgestanden, um zumindest ein wenig den entstehenden nassen Fleck auf der Matratze zu vermeiden. Nein, im Film zieht man das dünne Laken einfach wieder hoch (bei Frauen bis zum Hals, bei Männern grundsätzlich nur bis zum Bauchnabel) und niemand beklagt sich darüber, dass es unangenehm feucht ist. Körperflüssigkeiten sind beim Sex im Film niemals Thema. VÖLLIG UNREALISTISCH.

    Ok, ich könnte natürlich wetten, dass Superman völlig fusselfreie Füße hat (vermutlich weil er über dem Schmutz schwebt) und trocken ejakuliert. Ich muss nur lernen, auch dies in den Realismus-Rahmen mit einzubeziehen.

  • Von Loch zu Loch

    Wohnungssuche und Umzug gehören meiner Meinung nach zu den großen Geiseln der Zivilisation. Beides mache ich nicht gerne und zwar aus mannigfaltigen Gründen. Nichtsdestotrotz mache ich es oft. Mit zerknirschtem Gesicht. In den letzten paar Wochen musste ich wegen der zurückliegenden Trennung erneut die Immobilienseiten durchforsten, immer die Kompromisse im Hinterkopf, die ich bereit bin einzugehen. Ja, die Wohnungssuche lässt sich gut mit der Partnersuche vergleichen. Das perfekte findet man nie, weil es das nicht gibt. Letztlich bleibt es immer ein Abwägen und Kompromisse schließen.

    Und welche Kompromisse gehe ich ein? Nun, zunächst muss sich feststellen lassen, dass der Wohnungsmarkt in Deutschland unter aller Sau ist. Es gibt, und das ist Fakt, einfach zu viele Löcher die leer stehen. Oftmals habe ich den Eindruck, Menschen die umziehen, hinterlassen immer ein Loch. Vermutlich während sie in ein neues Loch ziehen. Wirklich großartige oder wenigstens annehmbare Wohnungen sind Mangelware. Steht eine auf dem Markt, stürzen sich die Suchenden wie Geier darauf, würden am liebsten den Wohnungsschlüssel sofort in die eigene Tasche stecken. Großartige Wohnungen sind schwer zu finden. Weil Menschen aus großartigen Wohnungen (nachvollziehbar) eigentlich niemals ausziehen. Der Rest sind Löcher. Und ich, als alter Nestbauer, hasse es, in einem Loch zu wohnen. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Suche.

    Und entsprechend schmerzhaft ist sie. Denn im Vergleich zu manch anderen, hinterlasse ich hier kein Loch. Die gemeinsame Wohnung, die wir nun aufgeben mussten, war nahezu perfekt. Ein Traum. Die Begeisterung in den Augen der potentiellen Nachmieter bei der Besichtigung zu sehen, ließ mich mehr als einmal in meinen Träumen mit einem Stuhl auf sie einprügeln und verjagen. Aber letztlich hilft es ja nichts. Der Traum ist vorbei, die Wohnung gekündigt. Auf zum nächsten Kompromiss.

    Und den habe ich nun gefunden. So manches passt mir zwar ganz und gar nicht an der Wohnung. Führe ich mir aber vor Augen, welche Vorteile sie gleichzeitig bietet und wie viel schlechter es mir gehen könnte, so war sie die richtige Wahl. Heute habe ich den Mietvertrag unterschrieben und in Gedanken bin ich bereits am planen und einrichten.

    Und gleichzeitig frage ich mich, wie es sein kann, dass Architekturstudenten offenbar keine Ahnung vom Leben haben. Wird ihnen der gesunde Menschenverstand ausgetrieben? Fehlt es ihnen an Vorstellungskraft, wie ein Haus, eine Wohnung, die nur aus Zahlen und Linien auf dem Papier existiert, in echt aussehen wird? Machen sie sich Gedanken darüber, wie man darin leben soll?

    Da wäre zunächst einmal der Flur. Für mich sind Flure und Dielen verlorener Wohnraum. Im Flur zieht man Schuhe an und aus und hängt Jacken auf. Sonst nichts. Dennoch sehe ich immer wieder Wohnung, die zu einem Drittel aus Flurbereich bestehen. Da wird dann ein 5 qm großes Stück dunkler Flur benutzt um auf die 2qm große Gästetoilette zu gelangen. 5qm, die dann dem Wohnzimmer beispielsweise fehlen. Oder dem Badezimmer. Ich stehe auf große Badezimmer mit großen Wannen. Ich muss mich in einem Badezimmer bewegen können. Ich sah Wohnungen, da war man gezwungen, rückwärts aus dem Bad heraus zu schleichen, um sich im Flur umdrehen zu können. Was spricht denn dagegen, vom Schlafzimmer direkt ins Badezimmer zu gelangen? Oder vom Wohn/Esszimmer direkt in die Küche? Warum immer alles durch Flure verbinden? Und überhaupt – warum sind Bäder in den meisten Fällen innen liegend? Wie kann man einen Raum, in dem es ständig feucht ist, so bauen, dass die Feuchtigkeit nur schwer zu vertreiben ist? Fenster – anyone?

    Auch Dachgeschoss mag ich nicht. Im Sommer ist es brüllend heiß, meist sind die Schrägen mit hässlichem Holz verkleidet und die Möglichkeiten, Möbel aufzustellen wird extremst eingeschränkt. Was manch einer für gemütlich hält, empfinde ich als einengend. Mit meinen 1,85m Körpergröße sind die meisten Dachgeschosswohnungen schlicht inakzeptabel. Auch die Verkabelung heutiger Wohnungen ist komplett am Leben vorbei gestaltet. Irgendwo im Wohnzimmer befindet sich eine Antennensteckdose. Es wird also erwartet, dass der Fernseher dort aufgestellt wird. Dazu gesellt sich allerdings nur eine Steckdose. Eine! Dass moderne Haushalte heute mit TV-Geräten, Radios, Receivern, Rekordern und Konsolen ausgestattet sind, scheint bei so manchem Architekten oder Hausbesitzer noch nicht angekommen zu sein. Bei mir wuseln gerade acht Stecker hinter dem Multimediaschrank in diversen Verteilerkabeln herum.

    Ich könnte noch ewig so weitermachen. In den letzten zwei Jahren sah ich viele Wohnungen und bei vielen wollten mir die Worte entfahren „Habt ihr sie eigentlich noch alle, so ein Loch zu einem solchen Preis anzubieten?“ Aber – die Löcher werden bewohnt. Von Menschen, die sich kurz darauf wieder ein neues Loch suchen. Ich hoffe, ich werde mich mit den Dachschrägen, dem großen Flur, dem kleinen Schlafzimmer und dem unnötigen Gäste-WC schnell abfinden können. Sonst suche auch ich mir bald wieder ein neues Loch. Oder ich entwerfe einfach selbst meine Traumwohnung. Ja, das ist wohl die beste Idee.

  • Ich habe noch eine Stimme – aber mir fehlen die Worte

    Ich war nie ein politischer Mensch. Aufgewachsen bin ich in dem Glauben, dass es keinen Unterschied macht, wer an der Macht sitzt. Macht dient nur denen, die sie haben. Also gleich, welche Parteien oder Koalitionen gerade versuchen Deutschland zu regieren, das Endergebnis ist immer das gleiche. Politiker machen, was sie wollen, der Bürger büßt. Das ist natürlich eine sehr negative Einstellung und führt über kurz oder lang zur berühmten Politikverdrossenheit. „Was soll ich schon wählen, ist doch eh alles egal. Wogegen soll ich protestieren? Wofür soll ich kämpfen?“ Alles gleich.

    Politik, das war etwas, das andere machten. Worauf ich nur alle vier Jahre Einfluss hatte, indem ich ein Kreuz bei Rot, Schwarz, Gelb oder Grün setzte. Ich hatte eine Stimme und doch blieb ich stumm. Nun, da ich meine Stimme wieder gefunden habe, fehlen mir allerdings die Worte. Fassungslos bin ich, was die derzeitige Bundesregierung, die Politiker, die auch ich gewählt habe, am 18.Juni 2009 beschlossen haben. So ohne Worte, dass andere es viel besser beschreiben können. Zum Beispiel Anke Gröner. Oder Torben Friedrich, ehemaliges Mitglied der SPD seit dem Beschluss des Gesetztes zur Internet-Sperre. (Übrigens nicht der einzige SPD-Politiker, der nach der Abstimmung die Partei verließ) Auch die faz und das Handelsblatt-Blog haben recht lesenswerte Artikel über das neue Gesetz geschrieben.

    Mag sein, dass das Geschrei nur im Netz so laut ist (die Generation C-64, die quasi digital aufgewachsen ist). Mag auch sein, dass auch hier wieder viel Polemik und Paranoia mit im Spiel ist (Nein, Deutschland ist nicht China – noch nicht). Fakt ist allerdings auch, dass sich die derzeitige Bundesregierung mit Sicherheit keinen Gefallen getan hat. Man hat Artikel 5 des Grundgesetzes zu Grabe getragen (Zensur findet ab sofort doch statt). Man hat  über 135000 Wählerstimme einfach ignoriert (es war die erfolgreichste Petition ever). Man ist dabei, die Gewaltenteilung, die ein Merkmal unserer Demokratie war, zu zerschlagen. Und dann ist man auch noch so arrogant und blind und tut so, als sei das zum Wohle aller.

    Mir fehlen wirklich die Worte. Aber – ich habe meine Stimme noch. Und diese werde ich nutzen. Ab sofort werde ich nicht mehr denken, ich könne nichts ändern, ich werde nicht mehr still da sitzen und irgendjemanden an die Macht kommen lassen. Ich bin mir sicher, dass ich nicht alleine bin. Viele andere haben ihre Stimme ebenfalls wieder gefunden. Und ich muss der derzeitigen Bundesregierung dafür sogar meinen Dank aussprechen. Sie hat mich daran erinnert, dass ich etwas tun muss und etwas tun kann. Wir alle werden unsere Stimme nutzen.

    Artikel5

    Hier kann übrigens überprüft werden, wie welcher Abgeordnete gestimmt hat. Bildet euch eure Meinung und dann – nutzt eure Stimme.

    Neulich las ich übrigens ein sehr schönes Zitat: „Am anderen Ende der Stadt gibt es einen kleinen Laden, der Kinderpornos verkauft. Die Polizei hat die Straßen dorthin gesperrt, der Laden ist aber noch immer geöffnet.“

  • Meine Dusche – das unbekannte Wesen

    Früher, als ich im schönen Süden wohnte, machte ich mir nicht viele Gedanken darüber, woher das Wasser aus meinem Duschkopf kam, wie es aufbereitet und wo es erhitzt wurde. Es war einfach da, auf Knopfdruck quasi, beziehungsweise bei Betätigung der Armatur. Ich konnte jede von mir gewünschte Strahlstärke einstellen und die Temperatur regeln. Im Nachkommstellenbereich wie es schien. Duschen war schön. Damals.

    Jetzt, in Nordrhein-Westfalen musste ich den Heißwasserboiler kennen lernen. Der hängt hässlich in Bad und Küche und ist dafür verantwortlich, Wasser zu erwärmen. Er hasst diese Arbeit offensichtlich, denn er ist nie gewillt, sie ordentlich zu verrichten. An meinem Boiler befindet sich ein Wahlrad und ein Drei-Stufen Schalter. Allerdings könnte ich wetten, dass beide im Innern des Gehäuses nur mit einem Bauteil verbunden sind, das ‚Klack‘ macht. Sonst nichts. Auswirkungen haben verschiedene Schalterstellungen keine.

    Meine Dusche kennt daher nur zwei Zustände für Wasser: kochend heiß und eiskalt. Je nachdem, was ich mir wünsche. Nun ist der Boiler zu blöd, schnell von einem Zustand zum nächsten zu wechseln. Das sind dann die Zeiten, in denen ich dusche. Beim Aufheizen und beim Abkühlen. Nur dann kann ein menschlicher Körper die Temperatur ertragen. So flitze ich ständig in der Dusche hin und her, warte beim Betätigen der Badewannenarmatur im Nanometerbereich darauf, dass der Boiler das Signal erkennt und auf Kalt umschaltet. Dann stehen mir 8 Sekunden zur Verfügung, um meinen Körper mit Wasser zu benetzen. Anders herum sieht es noch schlimmer aus. Ein Duschvorgang beginnt mit einem fünfminütigen Ritual, bis die Temperatur geregelt ist (weiß der Himmel wie viele Liter kostbarstes Trinkwasser dafür drauf gehen), nur um beim Besteigen der Wanne festzustellen, das alles für die Katz war. Der Boiler ist sogar frech genug, so lange zu warten, bis ich Schaum auf den Haaren habe. Das ist seine Chance, ein leises ‚Klack‘ und er schaltet um auf 78 Grad Celsius. Ich schreie und fluche, die eine Hand sucht tastend den Hebel, während die andere Hand (wie es Jürgen von der Lippe so schön ausdrückte) versucht, den Sonnenkönig vor Verbrühungen zu beschützen. Man ahnt, was gleich darauf kommt. Die Eishölle ergießt sich über verbrannte Haut.

    Vielleicht ist das ein Grund, weshalb ich viel mehr bade als früher. Und damit noch mehr Trinkwasser verschwende. Meine Dusche und ich, wir weden jedenfalls niemals Freunde. ‚Klack‘

  • Meine Haut ist eine blöde Kuh

    Als Teenager muss man sich meist damit abfinden, eine schlimme Haut zu haben. Besonders im Gesicht, also da, wo das inzwischen interessante andere Geschlecht es sofort sieht. Dummerweise hat man mehr Pickel im Gesicht, als am Arsch. Wenn man wirklich darunter leidet, eine böse Haut zu haben, versucht man alles mögliche, um gegen sie vorzugehen. Man fällt auf Clerasil-Werbung herein, geht zum Hautarzt, bekommt allerlei Mittelchen verschrieben und glaubt den Ammenmärchen, man solle keinen Senf, keine Schokolade und keine Chips mehr essen. Und wenn das alles nicht hilft, dann tröstet man sich mit dem Gedanken, bald älter zu werden und dieses Martyrium hinter sich lassen zu können.

    Und dann steht man, mittlerweile über 30 Jahre alt, vor dem Spiegel und flucht. Weil die Haut noch immer nicht problemlos ist. Weil man noch immer spezielle Pflegeprodukte braucht. Seifen, Reiniger, Cremes etc. Bei jedem neu entdeckten Pickel ist man schlagartig wieder 15 Jahre alt. Und noch immer hat man mehr Pickel im Gesicht, als am Arsch.

    Ich hatte schon immer Problemhaut. Was zusammen mit meiner Eitelkeit zu argen Differenzen führt. Kein Produkt, das ich noch nicht getestet habe. Keine Ernährungsumstellung, die ich noch nicht erwogen und versucht habe. Keine Möglichkeit, es einfach locker zu nehmen. Dazu kommt noch, dass meine Haut eine blöde Kuh ist und mich gerne ärgert. Teste ich einen neuen Gesichtsreiniger, fühlt sie sich stets wunderbar an, gibt mir das Gefühl, sie besiegt und beruhigt zu haben. Die T-Zone ist unter Kontrolle und die Demokratie wird abgeschafft. Doch die Rebellion lässt nicht lange auf sich warten. Meine Haut schafft es immer, einen Weg zu finden, jedes noch so teuere Pflege-Produkt auszutricksen. Holt zum Gegenschlag aus und lacht sich ins Fäustchen.

    Auch sonst verhält sie sich völlig widersprüchlich. Egal, wieviel Schlaf ich hatte, was ich aß, wie lange ich in der Sonne war und ob ich mein Gesicht überhaupt wasche, kommen die Probleme. Oder sie kommen nicht. Und sie mag es, wenn ich sie regelmäßig rasiere. Gegen den Strich. Also bitte. Was für eine blöde Kuh.

    So stehe ich weiterhin im Bad vor dem Spiegel, kontrolliere wie bereits vor zwanzig Jahren mein Gesicht, freue mich, wenn alles „clean“ ist und weine leise, wenn sich an besonders exponierter Stelle etwas zusammen braut. Renne wieder in Panik in die Drogerie, wasche mein Gesicht mit noch teureren Mitteln, die anfangs helfen und dann wieder nicht. Und gebe irgendwann auf. Sage mir, ich kann ja jetzt fett werden, meine Haare nie wieder waschen und mich passend zum Gesicht gehen lassen. Was ich natürlich nicht tue. Der Löwe ist eitel und bleibt es auch.

    Ich freue mich schon darauf, eine dicke Schicht Make-Up für meine Aufbahrung verpasst zu bekommen. Vermutlich werde ich im Sarg so gut aussehen, wie mein ganzes Leben zuvor nicht.

  • Meine Phantasie ist verseucht

    Neulich hatte ich seit langer Zeit wieder eine Idee für eine Kurzgeschichte. Eine, wie ich fand, wunderbare kleine „Liebesgeschichte“, mit quasi-überraschendem Ende. Zunächst spukte nur die vage Vorstellung in meinem Kopf. Dann, eines Nachts, überkam mich die Inspiration und ich sah die Schlusssequenz vor meinem geistigen Auge. Auch meine bisherigen Geschichten und Romane schrieb ich immer auf diese Weise, als sähe ich einen Film und beschriebe nur das Geschehen auf der nicht-existenten Leinwand. Diese Sequenz, dieses Ende für die Geschichte, gab den Ausschlag. Ich wusste, wie die Handlung zu genau diesem Punkt kommen musste und fühlte mich freudig erregt. So schnell wie möglich wollte ich mich daran setzen, die Geschichte zu schreiben.

    Doch dann kam das böse Erwachen. Genauso schnell wie die Idee scheinbar aus heiterem Himmel in meinem Kopf war, wurde sie durch einen weiteren Gedanken zerstört. Das Ende der Story entsprang nicht meiner Phantasie, sondern der eines anderen. Der daraus einen Film gemacht hatte. Den ich sehr mochte. Weshalb sich die dortige Schlusssequenz auch derart in mein Gehirn brannte.

    Nicht zum ersten Mal passiert mir so etwas. Früher, als ich noch jung, unerfahren und wissbegierig war, hatte ich tausend Bilder im Kopf, Geschichten, Anekdoten. Ich kann mich erinnern, dass meine Gedanken zu sprudeln begannen vor lauter Eingebung und Phantasie. Das meiste davon floss in meine Playmobil- und Lego-Geschichten. Später, als ich das Schreiben für mich entdeckt hatte, fiel mir das Geschichten-Erfinden nicht mehr ganz so leicht. Ich war verseucht. Von zu vielen Comics. Zu vielen Büchern. Zu viel Fernsehen. Und zu vielen Filmen. Mit einem Mal schien alles bereits beschrieben, gezeichnet, gefilmt oder aufgezeichnet worden zu sein. Oder anders ausgedrückt: ich musste immer wieder feststellen, dass ich keine Inspiration, sondern nur Erinnerungen hatte.

    Nun heißt es zwar, es gäbe in der gesamten Literatur ohnehin nur sieben (oder waren es zwölf?) grundsätzlich verschiedene Geschichten und alle Geschichten, die seitdem erzählt wurden, seien nur Variationen. So ist es nicht wirklich verwerflich mit ähnlichen Ideen um die Ecke zu kommen. Ein Freund sagte mir vor Jahren einmal: „Jede Geschichte ist schon mal erzählt worden. Es kommt nur noch darauf an, WIE du sie erzählst.“ Dem ist kaum zu widersprechen. Doch gibt es einen Unterschied zwischen „anders erzählen“ und „verändert kopieren“. In meinem Kopf schwirren zu viele Bilder, zu viele Erinnerungen, zu viele Szenen herum, als dass ich mir frei und phantasievoll neue ausdenken könnte. Neue Farben zu mischen ist schwer. Ich habe bereits jede Farbe gesehen.

    Aber vielleicht mache ich mir auch nur wieder viel zu viele Gedanken. Vielleicht sollte ich die Geschichte so schreiben, wie ich sie erzählt haben wollte. Vielleicht gelingt es ja doch, nur durch die Art der Erzählung, andere Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen, als in meinem eigenen. Denn klar ist, dass ich nicht plötzlich damit aufhören kann, Geschichten, Bilder und Emotionen zu konsumieren. Wer würde das schon wollen. So entspringen meine Geschichten einer vereuchten Phantasie und können mit etwas Glück doch etwas Besonderes sein.

  • Mein erster Kaffee

    Ich weiß noch ganz genau, wann und wo ich meinen allerersten Kaffee trank. Ich weiß es deshalb, weil es mit einer sehr schönen Erinnerung verbunden ist. Und, man ahnt es bereits, mit der Erinnerung an eine Frau. Meine erste große Liebe. Gut, so ganz stimmt das leider nicht. Ich war zwar verliebt, sie allerdings nicht. Dennoch war diese Liebe, diese Geschichte, für mich von großer Bedeutung. Inspirierte sie mich letztlich auch zu meinem ersten Roman.

    Das erste Exemplar dieses Romans war damals noch eine sehr lange Kurzgeschichte, eine rudimentäre Aufarbeitung der Geschehnisse eines Aufenthalts in Österreich, auf dem ich das Mädchen kennen gelernt hatte. Mit einem gebundenen Ausdruck dieses ersten Exemplars im Rucksack macht ich mich auf den Weg nach Bruchsal, dem Wohnort der Angebeteten. Heute kommt mir das natürlich lächerlich und sogar gruslig vor, dass ich wie ein Stalker unangekündigt vor ihrem Haus stand und an der Tür klingelte. Und mich einige Stunden in der Bruchsaler Innenstadt herum trieb, weil sie nicht zu Hause  war. Aber ich war jung und verliebt, was macht man da nicht für Dummheiten.

    Als sie schließlich doch zu Hause war und mir die Tür öffnete, konnte mein Herzklopfen kaum größer sein. Sie freute sich, mich zu sehen, umarmte mich und bat mich herein. Und bot mir einen Kaffee an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie zuvor Kaffee getrunken, wollte mir diese Blöße aber nicht geben. Ich musste den Mann von Welt geben, durfte mir meine Kindlichkeit nicht anmerken lassen. Ihr wisst schon, junge, verliebte Kerle, die den großen Macker markieren. Ich nahm einen Kaffee, mit Milch und Zucker. Viel Zucker.

    Kaffeetasse

    Und er schmeckte vorzüglich. Ob er wirklich lecker war, oder einfach nur wegen des Zuckers so berauschend schmeckte oder ich ob der gesamten Situation einfach alles großartig fand, kann ich heute nicht mehr sagen. Kaffeetechnisch war ich an jenem Tag entjungfert worden und trank nun täglich welchen. Weiterhin mit Milch und Zucker, bis ich die (jetzige) damalige Freundin kennen lernte und auch vom Zucker abkam. Und so trinke ich meinen Kaffee auch heute noch.

    Was aus der Angebeteten von damals wurde? Sie wusste, wie sehr ich in sie verknallt war, ließ sich aber nichts anmerken und ging auch nie darauf ein. Im Laufe der Zeit ebbten meine Gefühle ab, so wie sie es immer tun und es entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft zwischen uns. Die Art von Freundschaft, der monatelanges Schweigen nichts anhaben kann und uns umso mehr freuen ließ, wenn mal wieder ein Lebenszeichen des anderen kam. Vor einigen Jahren kehrte sie Deutschland den Rücken und zog nach Portugal, in ihr Heimatland. Seitdem habe ich sie leider aus den Augen verloren.

    Aber ich trinke noch immer Kaffee und weiß, wo ich meinen ersten Kaffee serviert bekam. Wisst ihr es auch noch?

  • web@classic – ein Abend in der Duisburger Philharmonie

    Frank Tentler und sein Web-Team der Duisburger Philharmonie (unter anderem Christian Spließ und Christoph Müller-Girod) machen bei dacapo-dp.de alles richtig. Sie haben erkannt, dass das Web nicht nur dazu dient, um E-Mails zu verschicken oder abfotografierte Plakate nochmals zu veröffentlichen. Sie wissen, wie man das Netz richtig nutzt. Sie bloggen, twittern, streamen, fotografieren und filmen. Aber das wichtigste überhaupt, sie machen Konversation. Sie tauschen sich aus, treten in den Dialog und zeigen dadurch eine für das Medium Internet zwar nicht neue, aber für ihr Thema umso überraschender Frische. Man nenne mir ein anderes philharmonisches Ensemble in Deutschland, das ebenso präsent im Netz ist und die „Kunden“, die Gäste, die Besucher, die Hörer sucht. Bei der Philharmonie Duisburg wird das Medium klassische Musik zu einem Gesamtereignis, tritt heraus aus dem muffigen Schatten der Hochkultur, lässt sie frisch und jung erscheinen und erschließt damit eine komplett neue Hörerschaft. Klassik wird mit einem Male auch für junge Menschen salonfähig. Und hautnah erlebbar.

    Die Aktion „web@classic“ ist nur ein Beispiel, das zeigt, mit wie vielen wunderbaren Ideen die Duisburger Philharmonie sich in das kulturelle Leben Duisburgs mischt. Bei web@classic bekamen interessierte Blogger und Twitterer die Chance, kostenlos und live einem Konzert beizuwohnen. Zwar muss ich zu meiner Schande gestehen, nur durch bloßen Zufall davon erfahren zu haben, aber irgendwo muss die Geschichte ja beginnen. Und ich war sofort Feuer und Flamme. Über den E-Mail Link im Artikel des Upload-Magazins reservierte ich mir drei Karten. Ich twitterte darüber und schrieb einen Blogeintrag und mit einem Male ging alles sehr schnell. Frank Tentler antwortete auf meine Tweets, kommentierte meinen Artikel und bewies damit genau meine Eindrücke, die ich eben beschrieb. Der Dialog wird gesucht. Und er wurde gefunden.

    Am Abend des 25.April schritt ich durch die Mercatorhalle, einem der modernsten Konzerthäuser Deutschlands. Schnell entdeckten wir das sogenannte Web-Team-HQ, in dem Frank und seine Mannen bereits auf den Ansturm warteten. Der nicht lange auf sich warten ließ. Immer mehr Blogger und Twitterer strömten herbei  und bewiesen eindrücklich den Erfolg der Aktion. Interviews wurden geführt, Fotos geschossen, Gespräche und Geplauder begannen und an allen Ecken und Enden hörte man freudige Hallos, wenn die virtuellen Menschen sich zum ersten Mal in Fleisch und Blut sahen.

    Unterstützt wird das ganze Netz-Projekt vom Intendanten Dr. Alfred Wendel, der, wie mir Frank später erzählte, völlig fasziniert von dieser fremden Welt sei, die sich mit einem Male für seine Welt interessierte. Auch für ihn scheint es also grade dieser Reiz zu sein, das alte Medium Klassik zu entstauben und mit dem neuen Medium Internet zu vereinen. Ich muss gestehen, etwas überrumpelt gewesen zu sein, als mir Herr Wendel die Hand zur Begrüßung reichte. Als ich in der Pause mit meinen Begleiterinnen bei einem Gläschen im Foyer stand, konnten wir uns allerdings ein wenig unterhalten. Man sah ihm an, wie ihn unsere Begeisterung freute.

    Für mich war es das erste klassische Konzert meines Lebens. Und nicht nur die Musik begeisterte mich, sondern auch die Atmosphäre und die kleinen Rituale, die ein Konzert begleiten. Das Stimmen der Instrumente (das mich an den Startton der Playstation 3 erinnerte – ich Nerd), die Bedeutung der ersten Geige (als ihr während des Konzerts eine Saite riss, legte sie das Instrument beiseite, ließ sich von der zweiten Geige das Instrument geben, die wiederum eine Geige hinter ihr nahm und diese Musikerin zum stummen sitzen bleiben verdonnerte), das stille Warten des Orchesters auf den Dirigenten und das Erheben zur Begrüßung und dann … die Musik. Mit welcher Wucht und Leichtigkeit das Publikum in die Musik hinein getaucht wird. Mit welchem Leben klassische Musik erfüllt wird, wenn man den Dirigenten und das Orchester zusammen spielen sieht. Mit welcher Perfektion so viele Eindrücke auf einen und noch einen und noch einen Punkt gebracht werden. Ich saß einfach nur da und genoss. Stellte dabei wieder einmal fest, dass mir die Geige das liebste Instrument ist (kein anderes Instrument kann in mir eine solche Traurigkeit oder aber auch Aufregung und Spannung erzeugen). War beeindruckt, wenn das Orchester im Zusammenspiel die Wände schier zum zittern brachte oder die Stimmung so dämpfen konnte und man mit gespitzten Ohren nur darauf wartete, wie das Stück fortgesetzt wird.

    Natürlich muss ich gestehen, dass ich wahrlich kein Klassik-Kenner bin. Abgesehen von den wirklich populären Stücken, die man auf den Kuschel-Klassik CDs findet, und die ich mir gerne einmal bei einem heißen Bad anhöre, kenne ich nur die orchestrale Musik von Filmen. So muss ich auch gestehen, dass mir das erste Stück von Haydn, das das WDR-Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Thomas Hengelbrock spielte, ausgesprochen gut gefiel, leichtfüßig und dennoch mitreißend daher kam. Und ja, ich muss gestehen, in den Pausen zwischen den einzelnen Sätzen aus Versehen mitgeklatscht zu haben, weil einige andere Neulingen das auch taten. Doch wir lernten schnell (spätestens beim missbilligenden „Nein nein nein“-Fuchteln des Taktstocks). Danach trat die überaus talentierte (und hübsche) Violinistin Alina Pogostkina auf, die ein Violinenkonzert von Prokofjew zum Besten gab. Mit Feuer, ausladender Gestik und verspielter Perfektion wusste sie zu begeistern. Doch fehlte mir hier ein Thema, ein roter Faden, an den ich mich klammern konnte. So auch beim dritten Werk nach der Pause. Bartoks „Konzert für Orchester“ bestach durch wunderbare und überraschende Arrangements, die aber scheinbar zusammenhanglos gespielt wurden. Später erfuhr ich, dass dieses Stück mit zu den schwersten für ein Orchester gehört und offenbar nicht nur mich verwirrte.

    Dennoch war ich berauscht.

    Entsprechend beseelt und lächelnd trafen wir uns mit dem Web-Team und einigen weiteren Bloggern/Twitterern nach dem Konzert noch auf ein Schwätzchen. Frank lud mich ein, einmal einer Probe beiwohnen zu können, bei dir ich auch die Hintergründe und die Infrastruktur eines Konzerthauses entdecken, vielleicht sogar ins Gespräch mit einigen Musikern kommen und Fotos schießen könnte. Auch erzählte er von den vielen anderen Aktionen, die die Duisburger Philharmonie bestreitet, wie beispielsweise die Kulturaffäre. Auch das werde ich mir mit Sicherheit bald möglichst ansehen und anhören.

    Der ganze Abend war ein einziges spannendes Abenteuer und möchte an dieser Stelle nochmals vielen Dank sagen an Frank Tentler, das ganze Web-Team, dem Intendanten Alfred Wendel und der Duisburger Philharmonie im allgemeinen. Ich bin froh, endlich auch eine andere Seite Duisburgs kennen gelernt zu haben und kann nur appellieren, sich ein Beispiel daran zu nehmen, wie man es hier in Duisburg verstanden hat, junge Leute und Menschen aus dem Netz für Hochkultur zu begeistern. Ich freue mich auf viele Fortsetzungen und weitere spannende Ideen der Duisburger Philharmonie.

    Weitere interessante Einblicke finden sich im zugehören Blogeintrag von Frank Tentler, wo auch Fotos und Videos verlinkt sind. Wie beispielsweise dieses hier:


    Duisburger Philharmoniker >> web@classic from Duisburger Philharmoniker on Vimeo.

  • Ich habe im Radio gewonnen

    Online-Magazin, Zeitung, Fernsehen. Na, was fehlt da noch? Natürlich. Mein zweitliebstes Medium nach dem Kino: das Radio. Ich habe es bislang noch nicht geschafft, ins Radio zu kommen. Und das, wo doch mein langjähriger Traum es einst war, selbst Radiomoderator zu werden. Dass dieser Traum vollkommen illusorisch ist, weiß ich natürlich schon seit langem. Und obwohl ich mittlerweile so einige nette Menschen aus dem „Gewerbe“ kenne, kam es bislang noch nicht dazu, meine Stimme im Radio zu hören. Bis heute morgen.

    Da machte ich mir nämlich den Spaß, bei Hit Radio FFH anzurufen und beim ersten Quiz des Tages teilzunehmen. Gehört habe ich den Sender über Webradio und von dem Quiz erfahren habe ich per Twitter. Denn nicht nur, dass der wunderbare Moderator Michael Münkner bloggt (und offensichtlich keinen RSS-Feed anbietet – bitte schnell ändern), er twittert auch. Und suchte auch über diesen Weg nach Kandidaten. Ich nutzte die Chance, rief im Sender an und kam durch.

    Spätestens hier merkt man den Unterschied zwischen Profi und Normalo. Während Michael das kleine, nun folgende Gespräch locker, charmant und witzig führte, stotterte ich herum, suchte nach den richtigen Worten und versuchte so krampfhaft, keinen Stuss zu erzählen, dass man mir anhörte, wie ich einen Stock im A… hatte. Die grinsenden Arbeitskollegen um mich herum halfen da natürlich nicht. Glücklicherweise konnte ich die Frage richtig beantworten und bin nun stolzer Gewinner eines Hit Radio FFH-Frühaufsteher-T-Shirts. Das mir zugeschickt und dann natürlich hier präsentiert wird.

    Ich nahm das kurze Gespräch mit meinem iPhone auf, was aber gar nicht nötig gewesen wäre. Denn nicht nur, dass das Mainhattan Girl einen Mitschnitt anfertigte und mir zukommen ließ (vielen lieben Dank), Michael Münkner persönlich schickte mir kurz danach einen Mp3-Mitschnitt, den ich euch hier nicht vorenthalten möchte. Also für alle, die es heute morgen verpasst haben und einmal hören wollen, wie ich mich zum Affen mache – bitteschön:

  • web@classic – die Duisburger Philharmoniker laden ein

    Die Duisburger Philharmoniker sind wohl das coolste Ensemble in Deutschland. Nicht nur, dass sie eine eigene Website haben – das hat ja jeder. Nein, hier in Duisburg wird dazu auch noch ein Blog betrieben, Videos auf Youtube veröffentlicht, eine Flickr-Galerie genutzt und, man ahnt es bereits, natürlich auch getwittert. Die Duisburger Philharmonie entdeckt nicht nur Web2.0, sie nutzt es aktiv. Für mich als Internet-Freak schon ein Grund, sie zu lieben. Zumal ich mich mit klassischer Musik durchaus anfreunden kann. Als heißblütiger Fan von orchestralem Film-Score ist der Schritt zur „klassischen“ klassischen Musik nicht mehr weit.

    Nun laden die Duisburger Philharmoniker zum Konzert. Unter dem Titel „web@classic“ sind Blogger herzlich eingeladen, einem Konzert des WDR Sinfonie-Orchesters Köln beizuwohnen. Das Konzert findet am 24.April 2009 um 20:00 Uhr in der Mercatorhalle in Duisburg statt. Und es gibt tatsächlich noch Karten.  Im Upload-Magazin stehen weitere Details, wie beispielsweise auch die E-Mail Adresse, unter der man sich anmelden kann. Weitere Informationen erhält man selbstverständlich auch über die oben genannten Kanäle der Philharmoniker.

    Ich habe mir drei Karten reserviert und bin schon mächtig aufgeregt. Vielleicht ergibt es sich auch, örtliche Blogger und Twitterer kennen zu lernen. Zusätzlich zur Chance, auch mit dem Orchester ins Gespräch zu kommen. Ich werde natürlich von meinem Eindrücken berichten und mache mir bis morgen erst einmal Sorgen über meine Garderobe.

  • Von alten und neuen Automobilen

    Am 28.April wird mein alter Peugeot 206 genau Neun Jahre alt. Er erreicht damit das Mindestalter, um ihn für 2500 Euro verschrotten zu lassen. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit darüber geschrieben. Der 28.April sollte somit auch das Datum sein, an dem ich meinen neuen Wagen, einen Honda Civic Type S, in Empfang nehmen könnte. Als ich vor einigen Wochen beim Honda Händler saß, dachte ich noch, wie wunderbar sich das alles zusammen fügt. Das tolle Angebot für den Neuwagen, das Erreichen des Mindestalters für das alte Vehikel, mein derzeitiger Kontostand. Ich war beseelt und wusste, dass nun der richtige Zeitpunkt für ein neues Auto war.

    Der Verkäufer allerdings war mir nicht ganz so sympathisch. Er starrte meist auf den Monitor und tippte irgendwelche Sachen. Informationen musste ich ihm aus der Nase ziehen. „Was tippen sie denn da?“ „Was bedeutet das denn für mich?“ „Wie ist denn der folgende Ablauf?“ Mehr schlecht als Recht gab er Antwort und erweckte den Eindruck, als sei es ihm eine Last. Warum kann ich auch nicht einfach nur das Geld hinlegen und meine Fresse halten? Ich blöder, zahlender Kunde, ich. Nichtsdestotrotz brachten wir das Geschäft zum Abschluss. Zum Verkaufsleiter zu gehen und ihm zu sagen, ich hätte zwecks Unsympathie gerne einen anderen Verkäufer, kam mir eigenartig vor.

    Freudig erregt verließ ich das Autohaus und begann die Tage zu zählen, bis ich das neue Auto endlich selbst würde fahren dürfen. Ich nahm mir vor, eine Woche vorher nochmals anzurufen, um zu erfragen, wie denn der Stand der Dinge sei, ob das Auto bereits da sei, wann ich denn den Fahrzeugbrief bekäme, um damit zur Anmeldung zu gehen etc. Diesen Anruf tätigte ich vor zwei Tagen und war nicht wirklich überrascht, als der Verkaufsleiter persönlich ans Telefon ging und mir sagte, der Verkäufer von damals sei nicht mehr in dem Autohaus beschäftigt. In seiner Stimme konnte ich hören, dass er froh über diese Tatsache war. Ich auch. Obwohl, plötzlich kam ich mir verloren vor. Der Mensch mit dem alles abgesprochen war, war weg. Nun musste ich alles neu erfragen und dabei kam so manches zum Vorschein.

    So hatte der alte Verkäufer mir nicht gesagt, dass ich auf den Bescheid der Bafa warten müsste. Und dass mir dieser Bescheid sogar nach Hause geschickt würde. Natürlich war ich ein wenig naiv, zu denken, alles würde seinen geregelten Gang gehen. Aber ich hätte mir doch gewünscht, darauf hingewiesen zu werden. Der Verkaufsleiter fragte mich, ob ich den Bescheid schon hätte. Ich verneinte, fragte, was man denn da tun könnte und seine Antwort war „Entweder sie warten weiter ab, oder aber sie strecken die 2500 Euro vor.“

    Was bedeutete, mit einem Male 13500@ zu bezahlen. Soviel hatte ich nun wirklich nicht. Die Aussicht, nun aber Wochen oder Monate zu warten, bis ich dieses Schreiben der Bafa bekomme, erquicke mich keinesfalls. Zumal der Verkaufsleiter mir sagte, dass mein Wagen bereits da stehe und auf mich wartete. Weitere Fragen kamen auf und ich sagte ihm, dass ich mich nicht gut informiert fühlte. Er seufzt kurz, sagte dann mit gesenkter Stimme „Wissen Sie, Herr Graf, auch das ist ein Grund weshalb Herr *PIEP* nicht mehr bei uns arbeitet. Ich merke, dass Sie verunsichert sind. Ich schlage Ihnen folgendes vor. Kommen Sie die Tage vorbei, dann besprechen wir alles nochmal in Ruhe bei einem Kaffee.“ Ich mochte diesen Mann.

    Gestern saß ich dem Verkaufschef also bei einem Kaffee gegenüber. Er entschuldigte sich dafür , dass man mich etwas hätte im Regen stehen lassen. Ich andererseits entschuldigte mich dafür, den Ablauf wohl doch zu unproblematisch gesehen zu haben: „Ich hatte es so verstanden, dass ich mich um nichts weiter kümmern müsste. Ich dachte, die Sache mit der Umweltprämie geht komplett an mir vorbei und wird nur zwischen Ihnen und dem Staat ausgehandelt. Und ich dachte, ich könnte meinen Civic am 28.April abholen.“ Das könnte ich auch, antwortete er, allerdings würde er mir nicht dazu raten. Mein Antrag sei um Mitternacht des 31.03.09 eingereicht worden. Er hoffe also, dass ich in der ersten Runde der Bearbeitung sei, die seit dem 16.April wohl verschickt würden. Er riet mir, zumindest bis Mitte Mai abzuwarten, ob ich den Bescheid bekäme. Falls nicht, könne man sich noch immer andere Strategien überlegen. Letztlich bliebe mir dann aber nur, die 2500€ aus eigener Tasche „vorzuschießen“ und zu hoffen, sie irgendwann vom Staat zurück zu bekommen.

    Es wäre wohl auch zu schön gewesen, wenn das alles reibungslos geklappt hätte. Ich habe die Rechnung natürlich nicht mit Vater Staat und dessen Bürokratie gemacht. Und ich wurde letztlich auch nicht über alle Fallstricken aufgeklärt. Wir gingen auf den Parkplatz hinaus wo ich meinen Civic stehen sah. Schwarz, neu, glänzend und mit einer dicken Schicht Blütenstaub bedeckt. „Sie würden ihn jetzt am liebsten sofort mitnhmen, oder?“ fragte der Verkaufsleiter. Ohja. Ich zähle wieder die Tage…

  • Sieben

    Die Zahl Sieben ist mir die liebste. Die wichtigste. Ich fühle mich zur Sieben hingezogen, sie gehört zu mir. Obgleich ich nicht wirklich erklären kann, weshalb. Das offensichtlichste wäre mein Geburtstag, der am 28.7 ist. Im siebten Monat also, während der 28.Tag das vierfache Produkt der Sieben ist. Und das im Jahr 1973, in den Siebziger Jahren also. Bereits in der Grundschule hatte ich mit Zahlen nicht viel am Hut. Mathematik war mir ein Graus und das Auswendiglernen der einzelnen Zahlenreihen machte keinen Spaß. Bis auf die Reihe der Sieben. Ohne darüber nachzudenken hatte ich diese am schnellsten und leichtesten von allen intus. Erst sehr viel später fiel mir auf, mit welcher Leichtigkeit sich die Sieben in meinem Kopf breit gemacht hatte. Und erst da wurde ich auch der massiven Nennung und Bedeutung der Zahl gewahr. Angefangen von den sieben Todsünden, bis hin zu den sieben Zwergen hinter den sieben Bergen. Die Sieben steckt überall. Und das meine ich nicht im paranoiden, mystifizierten Sinne der 23.

    „Sieben ist das Zahlwort für die Zahl 7. Sie ist eine ungerade, natürliche, positive Zahl und eine Primzahl. Sieben ist der Nachfolger der Sechs und der Vorgänger von Acht und als einzige einstellige Zahl zweisilbig.“ sagt Wikipedia. Im ersten Abschnitt. Dann folgen unglaublich viele Deutungen, Erklärungen, Vorkommnisse und Eigenschaften der Zahl Sieben, die ihr euch am besten in dem entsprechenden Artikel zu Gemüte führt. Die Sieben ist also ungerade, natürlich und positiv. Eigenartig, das bin ich in den meisten Fällen nicht. Als Primzahl könnte ich selbst gerade noch durchgehen. Ich bin auch nur durch mich selbst teilbar (oder durch eins). Schön finde, ich dass die Sieben die einzige einstellige zweisilbige Zahl ist, denn wer so etwas von seiner Lieblingszahl sagen kann, hat schon alle verwirrt.

    Ich reagiere auf die Sieben. Zahlen, die eine Sieben enthalten oder auf der Sieben basieren kann ich mir besser merken. Ich erkenne sie auch schneller als andere Zahlen. Und ich rechne eigenartigerweise mit ihnen. Wie beim Datum 28.07. Oder wenn ich eine Rechnung über 49,70€ bekomme. Oder wenn bei den Lottozahlen die 14, die 21 und die 35 gezogen werden. Wären es die 15, die 22 und 36, würde ich nicht reagieren. So aber scheint ein winzig kleines Relais in meinem Kopf zu klicken und ich kann nicht sagen, weshalb.

    Verschwörungstheorien könnte ich nun spinnen. Behaupten, dass ich vermutlich 77 Jahre alt werde. Oder mit sieben Messerstichen ermordet werde. Vom Bus der Linie 7 überfahren oder 7 Millionen gewinne im Juli 2014. Aber das will ich nicht. Denn das wäre, mit Verlaub, Quatsch. Ich frage mich allerdings, ob ich alleine mit meiner Verbundenheit zu einer Zahl bin. Oder ob es andere Menschen mit anderen Zahlen gibt, die ihnen mehr bedeuten, als eine schnelle Antwort auf die Frage, was die Lieblingszahl sei.

    Laut meinem Lieblingsautor Douglas Adams ist die Zahl 42 die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Und wie die Frage dazu lautet, habe ich mir schon ausgerechnet.

  • Alles Roger bei WordPress

    Wer sich ab sofort auf mein Blog verirrt, wird ganz schön überrascht sein. Denn nicht nur der Mai macht alles neu. Passend zum Frühling präsentiere ich „Alles Roger“ in neuem Gewand. Weiß, aufgeräumt, edel. Genau so, wie ich es schon seit langem wollte. Doch das ist nicht alles. Nicht nur die Karosserie wurde erneuert, auch unter der Haube hat sich etwas getan. Denn endlich habe ich den Schritt gewagt und bin auf WordPress umgestiegen. Ob meine Leserschaft davon etwas mitbekommen wird, muss sich zeigen. Aber ich erhoffe mir große Vorteile durch den Umstieg und konnte diese auch bereits beim verwendeten, „erwachseneren“ Theme und so manchen Plugins bemerken.

    Was vermutlich niemand bemerken wird, ist die dritte Neuerung. Mein Blog läuft ab sofort auf einem neuen Server. Derzeit zwar noch etwas langsam, aber ich schätze, das sollte durch Optimierungen in den Griff zu kriegen sein. Überhaupt möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass dies in den nächsten Wochen eine Operation am offenen Herzen werden wird. Plugins werden getestet, verschiedene Grafiken eingebunden, an allen Ecken wird geschraubt und optimiert. Alte Artikel haben ihre Bilder noch nicht wieder, ein Logo fehlt ebenfalls noch. Das Theme verwendet noch überall die englische Sprache. Wundert euch nicht, wenn sich hier und da noch einiges verändert.

    Als WordPress-Neueinsteiger bitte ich auf diesem Wege auch um Unterstützung und Tipps. Welche Plugins sind unverzichtbar? Wie mache ich WordPress sicherer? Was würdet ihr am Design ändern (Geschmacksfragen natürlich außen vor)?

    Achja, noch etwas ist neu. Mit dem heutigen Update heißt mein Blog nun ofiziell „Alles Roger“. Die frühere Bezeichnung allesroger.net, die ich nur wählte, um die unsäglichen .net/.de Verwirrungen zu vermeiden, wird aufgegeben. Ich denke, dass mein Blog nach vier Jahren bekannt genug ist bzw. einfach genug gefunden werden kann.

    Teilt mir Eure Meinung mit. Ich bin gespannt.

  • Roger braucht

    Keine Ahnung, wann ich zuletzt ein Stöckchen zugeworfen bekam. Das nun folgende lag einfach so bei Babblemouth herum und wartete auf jemanden, der Spaß daran haben könnte. Also auf mich, denn die Idee ist nicht nur charmant, sondern auch amüsant. Die Aufgabe besteht darin, bei Google die Phrase „Dein Name braucht“ (inklusive Anführungszeichen) einzugeben und die ersten zehn Ergebnisse aufzulisten. In meinem Fall erfahre ich so zum ersten Mal wirklich, was „Roger braucht“:

    "Roger braucht einen versierten Coach." Klingt gut. So einen Lebensberater, der einem bei allen Fragen zur Seite steht.

    "Roger braucht vor allem Zeit." Ja, das ist wirklich so. Besonders jetzt, da ich älter werde und mir die Zeit davon rinnt.

    "Roger braucht psychische Aufbauhilfe." Echt? Ich scheine kaputter zu sein, als ich dachte.

    "Was Roger braucht, um sich wohl und geborgen zu fühlen…" Ja? Was braucht er denn?

    "Roger braucht viel." Jap. Dem ist nichts hinzuzufügen. Google weiß Bescheid.

    "Roger braucht überhaupt nichts." Häh? Aber eben noch…

    "Roger braucht eine Pause." Hat vielleicht jemand eine unbewohnte Insel in der Südsee für mich?

    "Jemanden wie Roger braucht es in jeder Band." Klar, um Kabel aufzuwickeln und die Groupies vor der Tür zu halten.

    "Roger braucht Teile." Aber nicht mehr viele.

    "Roger braucht kurze Haare." Ähm, nein, nicht jetzt, da ich mir die Haare länger wachsen lasse.

    "Roger braucht jetzt viel Liebe." Ach, wer nicht?

    "Roger braucht jetzt vor allem eins: viel guten Schlaf." Das ist definitiv so. Wie gut das Internet mich doch kennt.

    Das waren nun doch mehr als zehn, aber es hat so Spaß gemacht. Probiert es doch selbst mal aus. Ich lasse das Stöckchen hiermit für alle Interessierten liegen.

  • Offener Brief an Medien, Politik und Eltern zur „Killerspiel“-Debatte

    Bevor das Thema schlagartig wieder verschwindet (you bet), darf ich nicht vergessen, auf den derzeit wohl besten Artikel zu aktuellen Debatte rund um „Killerspiele“ hinzuweisen. Deef von der Gefühlskonserve schrieb einen offenen Brief an Medien, Politik und Eltern und ich kann nur dringendst empfehlen, diesen zu lesen. Mehr ist der unsäglichen Diskussion nämlich kaum hinzuzufügen.

    Update: Der Artikel ist leider nicht mehr verfügbar. Bis auf das hier.

  • Werde Superstar

    Du möchtest ein Star sein? Berühmt und in aller Munde? Du willst, dass jedermann in Deutschland über dich spricht? RTL und Co. Reportagen über dich drehen, die Bild Zeitung, Spiegel und Stern dein Gesicht auf das Cover bringen und einen großen Leitartikel verfassen? Nur zu, du kannst es schaffen. Und es ist nicht einmal so schwer. Das deutsche Fernsehen zeigt es in den letzten Wochen beinahe pausenlos, wie leicht es sein kann, ins Rampenlicht zu kommen. Du brauchst dafür kein Talent. Du musst nicht singen können. Oder tanzen. Du musst auch nicht gut aussehen. Oder gar gehen können. Es ist egal, ob du hochgebildet oder grenzdebil bist. Um berühmt zu werden, brauchst du nur eines: du musst anders sein. Anders als all die anderen. Etwas schräg vielleicht und gut darin. Nicht zu gut, nur eben … anders. Leicht verrückt. Verschroben. Und mit dem eisernen Willen, deine Selbstachtung komplett über Bord zu werfen und alles zu tun für den Ruhm. Je schräger, desto besser. Je merkwürdiger du aussiehst, je weniger du singen kannst, je mehr Schwachsinn du von dir gibst, umso größer werden deine Chancen, vor eine Kamera gestellt zu werden. Sollte all das nicht fruchten und solltest du feststellen müssen, doch nicht verrückt genug zu sein, um berühmt zu werden, dann klinke dein Gehirn komplett aus. Wenn es zum Supertstar, zum Topmodel oder zum Dschungel-Camp Kandidaten nicht reicht, werde einfach Amokläufer und Massenmörder. Vergiss allerdings nicht, zuvor anzukündigen, wie durchgedreht du demnächst sein wirst und installiere noch schnell ein paar brutale Spiele auf deinem Computer, selbst wenn du viel lieber Volleyball spielst. Du wirst sehen, ins Fernsehen und auf die Titelseiten zu kommen war noch nie so leicht wie heute. Jeder Depp kann das. Und je bescheuerter du bist, umso einfacher wird es. Man kann gar nicht bescheuert genug sein, berühmt zu werden. Werde also jetzt ein Star und zeig es den anderen mal so richtig.

  • Die Vergangenheit ändern

    Aus purer Langeweile machte ich mich daran, meine alten Blogeinträge durchzustöbern. Teilweise war ich amüsiert darüber, worüber ich schon philosophiert habe, manchmal erstaunt, was bereits angesprochen worden ist. Doch leider musste ich mich auch einige Male mit Schrecken abwenden, ob dem Quatsch, den ich hier mitunter von mir gegeben habe. Nicht nur inhaltlich, auch stilistisch. Hinzu kommen Artikel, die (jetzt) völlig uninteressante Themen abhandeln oder eine Einstellung widerspiegeln, mit der ich mich heute gar nicht mehr identifizieren kann. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“ sagte Francis Picabia einst und ich denke mehr denn je über seine Bedeutung nach. Nicht zum ersten Mal, wie ich betonen muss. Im April 2007 habe ich schon einmal über früheres Denken sinniert und in einem Artikel mit eben diesem Zitat als Titel verarbeitet. Offenbar scheine ich mich öfter anders zu entscheiden, umzudenken, mich überzeugen lassen oder mich von etwas abwenden, als mir bewusst ist. Auch mein Kopf ist rund und meine Gedanken – jeder der mich kennt, wird es bestätigen – drehen sich oftmals im Kreis und ändern die Richtung fünfhundert Mal.

    Im Leben kann man nichts ungeschehen machen, die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Man macht Fehler, man lernt aus ihnen (oder auch nicht), man erinnert sich (oder auch nicht). Im Netz ist das anders. Es ist ein leichtes, in die Vergangenheit zu wandern und oftmals genauso leicht, Vergangenes zu ändern. So könnte ich beispielsweise alle Aussagen in meinem Blog löschen, die mich skeptisch über Apple denken ließen. Denn ich war skeptisch, verteidigte Windows (XP wohlgemerkt) wo es nur ging und dachte nicht im Traum daran, mir ein solch teures Luxus-Gerät wie ein Macbook zuzulegen. Die Geschichte zeigte, dass ich meine Meinung komplett geändert habe und mittlerweile quasi zum Apple-Fanboy mutiert bin. Werde ich heute noch auf meine damalige Einstellung festgenagelt (schließlich hat man es schriftlich), ist mir das unangenehm und ich ertappe mich dabei, mir an den Kopf zu fassen und zu fragen „Was hast du dir damals nur dabei gedacht, du Trottel?“.

    Hypothetischer Gedanke: Angenommen, jemand hat Interesse an mir, als Mensch wohlgemerkt, und beginnt, mein Blog von vorne bis zum Ende zu lesen – welchen Eindruck würde er über mich gewinnen? Dass ich ein wankelmütiges Wesen habe? Mich ständig anders entscheide? Oder vielleicht nicht einmal zu einer eigenen, festen Meinung imstande bin? Kein angenehmer Gedanke, oder? Was also läge näher, als alle Ideen und Meinungen, die heute keine Bedeutung mehr haben, zu tilgen? Zensur an der eigenen Vergangenheit üben.

    Wie manche von euch vielleicht wissen, habe ich irgendwann im letzten Jahrtausend einen Roman geschrieben und diesen sogar veröffentlicht und verkauft. Damals platzte ich schier vor Stolz. Heute wende ich mich ab, wenn ich das Exemplar im Regal liegen sehe. Ich stehe nicht mehr zu meinem Werk und möchte nicht damit identifiziert werden. Das einzige, was ich noch akzeptiere, ist die Tatsache, vor Äonen einmal einen Roman veröffentlicht zu haben. Welchen und in welcher Qualität, das ist egal. Auch meine alten Kurzgeschichten und Gedichte lassen mich eher Kopfschütteln als mir ein Lächeln zu bereiten. Es ist, als stünde ich nicht mehr zu mir und meiner Vergangenheit und das, was mich einst ausmachte.

    Doch bevor ich nun gar zu psychologisch werde – es ging mir eigentlich nur um mein Blog und um die Tatsache, dass man im Netz die Vergangenheit ändern kann. Im eigenen Blog einfacher als anderswo. Ich könnte Artikel löschen. Andere einfach umformulieren, eine geschliffenere Sprache nutzen, Bilder ersetzen. Ich könnte wie George Lucas mein Star Wars Universum nochmals durch den Rechner jagen, um es so aussehen zu lassen, wie ich es immer wollte. Was heißt immer? Wie ich es jetzt wollte.

    Doch ist das sinnvoll? Welchen Erfolg George Lucas hatte, wissen wir. (Ich hatte tatsächlich einmal die Idee, meinen Roman nochmals neu zu schreiben) Gehört mein ehemals Gedachtes und Geschriebenes nicht genauso zu mir, wie der Artikel, den ich gestern verfasste? Ist die Entwicklung, die ich im Laufe der Zeit, im Laufe des Blogs durchlief nicht genau das, was mich zu dem Roger macht, der jetzt gerade tippt? Bin ich nicht die Summe aller bisheriger Gedanken, Fehler und Richtungsänderungen? Und ist es nicht genau das, was am Tagebuch-schreiben oder bloggen fasziniert: Eine Entwicklung zu sehen? Ich habe mich als Mensch natürlich entwickelt, ebenso als Schreiber, als Blogger, als Konsument. Ich habe Fehler gemacht, habe abgewogen, umentschieden, und nach Verbesserungen gesucht. Und hier bin ich. Und werde in drei Jahren vielleicht die Hände vors Gesicht schlagen, wenn ich das hier lese. 

    Ist es sinnvoll, alte Artikel zu überarbeiten? Oder unnütze gar zu löschen (längst nicht mehr vorhandene Videos oder Trailer zu Filmen, die mittlerweile im Fernsehen laufen)? Oder sollte mein Blog genau so bleiben wie es ist. Mit allen Fehlern, Unzulänglichkeiten, Stimmungs- und Meinungsschwankungen, die im Grunde mich selbst beschreiben? Ich glaube, all die Fragen beinhalten bereits die Antwort.

    Als kleine Anekdote am Rande stieß ich beim Stöbern auf einen Artikel vom 31.Januar 2006.  Mittlerweile also über drei Jahre alt. In diesem Eintrag (mit mittlerweile veraltetem Link) schwärmte ich von Honda und speziell von der damaligen Neuerscheinung, dem Honda Civic. Und jetzt ratet mal, welches Auto ich mir gerade gekauft habe und euch demnächst in einem bebilderten Artikel vorstellen werde. Manches hat doch Bestand. Manche Meinungen bleiben. Und diese Verbindung aus der Vergangenheit in die Gegenwart zauberte mir doch ein Lächeln auf mein Gesicht.

  • Die Gee wird noch von Hand gemacht

    Ja, ich sage in der Tat die Gee. Weiblich. Vermutlich, weil es die Zeitschrift ist. Natürlich könnte es auch das Magazin (die Website spricht selbst von GeeMag) oder das Heft sein. Für mich aber ist die Gee weiblich. Warum? Weil sie wunderbar ist. Die unbestritten beste Spielezeitschrift auf dem deutschen Markt, mit den besten Artikeln, der besten Aufmachung, und überhaupt. Außerdem ist sie sehr schwer zu bekommen, was wiederum ein eindeutig weibliches Attribut ist. Ich habe bereits davon berichtet. Nämlich hier. Und hier. Ein ständiger Kampf.

    Selbstverständlich sollte man sich fragen, warum man es sich selbst so schwer macht. Und so habe ich neulich den Schritt gewagt und seit Ewigkeiten zum ersten Mal wieder eine Zeitschrift abonniert. Nämlich die Gee. Und dabei aus Schusseligkeit vergessen meine Adresse anzugeben. Was der aufmerksamen Abonnement-Abteilung natürlich nicht entging. Man schrieb mir eine persönliche, nicht vorgefertigte E-Mail und bedankte sich auch nochmals per persönlicher E-Mail, als ich die fehlenden Daten nachreichte. Und nicht nur das, die neueste Ausgabe der Gee wurde wenige Tage später geliefert. In einem braunen Umschlag. Mein Name und die Adresse waren mit Kugelschreiber auf den Umschlag geschrieben worden. Keine vorgefertigten, maschinell aus einer Datenbnak gespuckten Sticker. Ja, bei der Gee ist man offenbar mit Herz und Hand dabei. Was ein weiterer Grund ist, sie zu lieben.

  • Google möchte nicht, dass ich meinen Namen ändere

    Mittlerweile bin ich – Paranoiker bitte weghören – bei so gut wie allen Google-Diensten angemeldet. Ich besitze einen Googlemail-Account, mache Werbung mit Adsense, lasse meine Feeds per Feedburner verwalten, kontrolliere meine Website mit Google-Analytics, nenne einen bisher nicht genutzten Youtube-Account mein Eigen, bin Mitglied in den Google-Groups und habe letztlich auch noch ein Picasa-Webalbum. Google weiß also alles, was ich im Netz und privat so treibe. Aber darum soll es hier gar nicht gehen.

    Einmal mit seinem Account-Namen auf der Google-Hauptseite angemeldet, kann man auf all diese Dienste problemlos zugreifen. Allein, ich mag den Namen nicht mehr. Als ich mich zum ersten Mal bei einem Google-Dienst anmeldete, fiel mir tatsächlich kein besserer ein. Ich wählte schlicht den Nickname, den ich in Jugendtagen bereits in diversen Chats nutzte. Außerdem machte ich mir damals keine Gedanken darüber, wo der Name am Ende überall erscheinen würde. Zum Beispiel in meiner Gmail-Adresse.

    Nun ist es leider so, dass Google nicht vorsieht, seinen Namen zu ändern. Einmal gewählt, bleibt er für immer bestehen. Die einzige Lösung scheint ein komplettes Aufgeben des Accounts und das Einrichten eines neuen zu sein. Mit neuem Namen und mit viel Mühe. Google möchte einfach nicht, dass ich anders heiße. Und ich möchte mir nicht diese Arbeit machen.

    Habe ich vielleicht etwas übersehen? Bietet Google doch irgendwo die Option, seinen Account-Namen zu ändern? Und falls nicht, liebes Google-Universum, könntest du da nicht was drehen? Eine Namensänderung ist doch wirklich so einfach und tut auch gar nicht weh. Komm schon, sonst hab ich dich bald nicht mehr ganz so lieb