Autor: Roger Graf

  • Ein ganzer Kerl

    Jetzt mal ehrlich. Wo können wir Männer heute denn noch zeigen, dass wir richtige Kerle sind? Ich meine nicht diese Yappadayayippiyppiyeah-ich-machs-mir-selbst-im-Baumarkt-Kerle. Und auch nicht die Kerle, die jetzt schon Brat- und Bier-Vorrat für die WM gekauft haben. Nein, ich meine so richtige Kerle, die etwas schaffen, wovon sie selbst gar nicht gewusst haben, dass sie es können. Und dafür auch dementsprechend von den Frauen bewundert und angehimmelt werden. Tja, ich bin jetzt so ein Kerl.

    Vor kurzem half ich nämlich der damalige Freundinn beim Um- und Einzug. Wir bestellten günstig einen kleinen Transporter, der für die paar Kisten und Möbel vollkommen ausreichend schien. Einen Tag vor dem gewünschten Termin hatte eben dieser Transporter einen Unfall und konnte nicht mehr genutzt werden. Man bot uns freundlicherweise einen größeren Laster zum gleichen Preis an.

    Einen Laster, so fragte ich mich gleich. Und tatsächlich, der Vermieter wollte wissen, ob ich noch einen alten Führerschein hätte. Ja, sagte ich, einen alten, zerfledderten, rosaroten Babbedeckel (wie man bei uns sagt) mit einem Bild von mir, wo ich so um die 15 Jahre alt bin. Ganz egal, wie der Führerschein aussah, im Gegensatz zu den neuen Plastikscheinen war es mit dem alten noch erlaubt, LKW bis zu 7,5 Tonnen zu fahren

    Erlaubt vielleicht, aber gemacht habe ich sowas noch nie.

    Wir hatten keine andere Wahl (sprich: man ließ mir keine andere Wahl) und so sagten wir zu und ich hockte am nächsten Tag hinter dem Steuer eines Trucks! In knappen Worten wurde erklärt, wie das Teil bedient und behandelt werden sollte, wir hinterlegten die Kaution und ich fuhr los. Anfahren am Berg, in einem Geschoß, dass sieben Meter lang war. Ich fühlte mich gar nicht wie der König der Straße. Mir war eher flau.

    lkw3

    Denn der erste Weg, den ich fahren musste, war nach Freiburg in die Innenstadt. Durch kleine Gässchen, an einem belebten, zu geparkten Einkaufsmorgen. Es war die Hölle. Ich schwitzte. Ich zirkelte, blickte im Sekundentakt nach vorne und in die Seitenspiegel, beschleunigte, bremste und hatte das Gefühl in jedem Moment einen Radfahrer oder einen fremden Außenspiegel mitzunehmen.

    Aber um es kurz zu machen, ich schaffte es. Ich parkte den Lastwagen sogar rückwärts ein. Ich schleppte zusammen mit der damalige Freundinn Möbel, fuhr im Lastwagen in ihr Heimatdorf im Schwarzwald um einige der Dinge abzuladen, fuhr das Höllental im Lastwagen wieder hinunter und brachte den Lastwagen sicher und ohne Schramme zurück (ich möchte nur immer wieder erwähnen, dass es sich um einen Lastwagen handelte).

    lkw2

    Und fühlte mich so gut. Erschöpft zwar, aber wie ein Held. Ein ganzer Kerl eben. Ich bin ein Trucker!

    Als wir zuhause ankamen, schnappte ich mir eine Truck Stop CD, ein Glas Whisky und legte mich bei Kerzenlicht in ein entspannendes, heißes Bad. Oder machen echte Kerle so etwas gar nicht?

    lkw1

  • Ich liebe Google (denn die sind nicht evil)

    Hallo liebes Google Imperium. Ich möchte dir hiermit versichern, dass ich dich ganz doll lieb hab. Ehrlich jetzt. Und ich hoffe, du entschuldigst, dass ich dich einfach so duze. Schließlich weiß ich ja fast gar nichts von dir. Bist ja so schweigsam. Aber dafür weißt du mehr über mich. Im Grunde fast alles. Und ich nutze auch täglich mit großer Begeisterung mehrere deiner Produkte. Das freut dich bestimmt und berechtigt mich gewiss, einfach Du zu dir zu sagen. Oder?

    Ach, Google, weißt du noch, wie Harald Schmidt früher zu Sat.1 Kuschelsender gesagt hat? Du bist mein Kuschelimperium. Mit der großartigsten Wohlfühlsuchmaschine. Und weiteren Schnuckeldiensten. Alles an dir ist einfach wunderbar. Das fängt schon beim Namen an. Er beginnt mit einem G. Wie mein Nachname. Und wie Geld, Gesundheit, Glück, Gute Laune, Geduld, Großzügigkeit, Grazie, Gentleman, Geradlinigkeit, Güte, Genuss, Gerne, Genie, Gehirn und Gefühl. Herrlich, oder? Und die beiden Os, die dann folgen, wie mütterliche Brüste, so einladend und beschützend. Schließlich das „gle“, das wie ein glucksendes, glückliches Baby klingt. Und von deinen fröhlichen Farben möchte ich gar nicht erst anfangen.

    Aber hast du vor kurzem diese bösen Artikel in der c’t gelesen? Natürlich hast du, denn du hast ja auch die Links dorthin, nämlich hier und hier. Du weißt schließlich alles. Und genau das warf man dir in den Artikeln vor. Von Googlehagel sprach man dort (obwohl mir das Wortspiel schon gefallen hat) und von der Datenkrake. Ich glaube nichts davon, hörst du. Ich weiß, dass dein Motto „Don’t be evil“ auch wirklich so gemeint ist und auch immer so bestehen bleiben wird. Ich bin stolz in deinem Index zu stehen und hoffe, da auch noch recht lange zu bleiben, am besten so hoch platziert wie möglich (Wink wink). Ich glaube nicht daran, dass du alle Internet User nur zu gläsernen Kunden machen willst. Du musst Geld verdienen, natürlich, und das machst du ausgezeichnet. Und du gibst uns ja auch soviel zurück. Man denke nur an all die kostenlose Software und so.

    Ich glaube nicht, dass du irgendwann wissentlich Informationen verschweigst, nur weil dir eine Firma, eine Weltanschauung oder gewisse Informationen nicht passen. Wenn du Seiten in China blockierst, ist das ja nicht deine Schuld, sondern Sache der dortigen Regierung. Wenn du BMW Deutschland ein paar Tage aussperrst, dann doch nur, damit die frechen Gören dort lernen, dass man dich nicht verarschen sollte. Wenn dein CEO CNet ein Jahr lang boykottiert, dann doch nur, weil sie in seinem Privatleben herum geschnüffelt haben. Bastarde.

    Darum möchte ich mich auch bei Gmail anmelden, möchte mein Blog bei dir hosten lassen, möchte, ach, gib mir einfach alles von dir. Und nimm von mir, was immer du brauchst. Ich bin dein. Denn nur durch dich bin ich überhaupt vorhanden, hier im Netz. Ohne dich würde ich nicht gefunden werden, würde gar nicht existieren. Du bist das Alpha und das Omega, ich möchte wahrlich kein Imperium neben dir haben. (Verzeih, dass ich vor kurzem die Microsoft Suchmaschine benutzte – ich tat es nur um zu sehen, wieviel schlechter sie als deine ist)

    Ich weiß, dass du mich durchschaust, dass du besser weißt, wer ich bin, als sonst jemand. Sicherlich weißt du, dass ich gerade eine neue Digitalkamera suche. Ich freue mich schon auf die Werbemails deiner Kunden, denen du freundlicherweise von meinen Wünschen berichtest.

    Weißt du, manche vergleichen dich mit Microsoft, sagen, du würdest dein Monopol, dass du dir gerade aufbaust, missbrauchen. Sie sagen, du würdest irgendwann bestimmen, wer welche Informationen bekommt. Sie sagen, die amerikanische Regierung wird sich deine Daten irgendwann zu Nutze machen um unliebsame Regierungen zu stürzen, um konkurrierende Firmen zu korrumpieren, um Privatpersonen auszuspionieren. Sie sagen, du würdest dich vom Guten abwenden und auf die dunkle Seite der Macht begeben. Ich als treuer Star Wars Fan weiß, wie leicht der Weg dorthin ist. Doch ich weiß ebenso gut, dass am Ende das Gute siegt. Und so wird es auch bei dir sein. Oh Google, ich hab dich ganz doll lieb. Ehrlich jetzt.

    P.S.: Ich weiß, dass du diesen Text nicht falsch verstehen und mir keine Anwälte auf den Hals hetzen wirst.

  • Der ausgestorbene Koffer

    Nicht dass ihn jemand wirklich vermissen würde. Aber ich machte heute am Bahnhof eine Beobachtung und fragte mich, ob denn der gute alte Koffer mittlerweile völlig ausgestorben ist. Ich meine die unhandlichen Dinger aus fettem Leder oder schwerem Hartplastik. Die Dinger, die nur einen (!) Griff hatten. Die man eher mit einem Bein vorwärts schob, als sie tatsächlich zu tragen. Die man so lange besaß, bis sie wirklich völlig aus allen Nähten platzen und nur noch durch Aufkleber aus aller Herren Länder zusammen gehalten wurden.

    Hat mittlerweile alles, was größer als eine Aktentasche ist, Rollen am unteren Ende? Und am oberen Ende einen Griff zum heraus ziehen? Ist denn mit den Koffern auch gleichzeitig der Kofferkuli verschwunden? Ich meine vor kurzem noch welche gesichtet zu haben, wie sie sich scheu in eine Ecke drückten und versteckten. Aber ich kann mich auch geirrt haben.

    Und nächstens wache ich dann auf und stelle fest, dass es keine VHS-Rekorder mehr gibt.

     

  • Müllheim hat einen DVD Automaten

    Auch mein Heimatstädtchen Müllheim entkommt so langsam dem Provinz Mief. Führte uns schon vor wenigen Jahren eine McDonalds Filiale in Richtung Zivilisation, gibt es nun seit etwa einem Monat einen DVD-Automaten. Dieser gesellt sich zu den bereits drei bestehenden Videotheken und wird diese gehörig unter Druck setzen.

    (mehr …)

  • Neulich beim Bloggertreffen

    Meine größte Sorge, als ich gestern zum ersten offiziellen Bloggertreffen Freiburgs ging, war die, wie peinlich es sein könnte, wenn ich die Blogs der anwesenden Gäste gar nicht kennen würde. Natürlich stellte sich schnell heraus, dass diese Sorge völlig unbegründet war. Erstens, weil auch mein Blog (noch) nicht in aller Munde war. Zweitens, weil die bloggende Community rund um Freiburg ein sehr nettes Völkchen ist, bei der sich nicht alles nur um das Thema Computer, Internet und Blogging dreht. Startschuss zu einem angenehmen und informativen Abend.

    Insgesamt zählte ich etwa neun Blogschreiber, darunter natürlich Sven, JC, Niklas, Diana und Jens. Hinzu kamen noch einige Begleiter und zwei reizende Mädels von der BZ (ich gab wohl das kürzeste Interview) und Fudder (Cora, für alle, die die A-Liste kennen), die jeden einzelnen interviewten und auch fotografierten (auf diese Artikel bin ich ja mal gespannt). Wir hockten im Lago am Seepark und ließen uns die Radler und die Schnitzel schmecken, während die Gespräche über Gott ud die Welt in Gang kamen. Für mich war besonders interessant zu erfahren, wie andere Blogger über meine derzeitigen Lieblingsthemen dachten: Für wen schreibe ich? Wie wichtig sind Besucher- und Kommentarzahlen? Wie halte ich es mit aktuellen Themen? Wie lang sollten Artikel sein? Wer findet unsere Blogs und wie?

    Bei einem Blick in die Runde dachte ich darüber nach, wie ich die Anwesenden in einem Artikel beschreiben würde. Auf keinen Fall als Stereotypen. Blogger sind tatsächlich anders, offen, sehr nett und nicht die Geeks, für die man sie vielleicht halten würde. An unserem Tisch saßen und diskutierten Menschen über politisches, über die Welt, über das Medium, das wir benutzen, aber auch auch über alle anderen Themen, auf die man unweigerlich in geselliger Runde kommt. Die Interviewerinnen zeigten sich da natürlich als willkommene Eisbrecher.

    Schnell wurde klar, dass dieses Treffen nach einer Fortsetzung (oder Wiederholung?) schreit. Und beim nächsten Mal werde ich bestimmt alle anwesenden Blogs kennen.

    Die meisten Blogger haben bereits darüber berichtet und erste Fotos gibt es auch schon. Wenn Fudder und die BZ ihre Artikel veröffentlichen, werde ich nochmal darauf hinweisen.

  • Antjes und andere ehemalige Süßigkeiten

    Antjes und andere ehemalige Süßigkeiten

    Unsere Zunge kann, wie wir ja alle wissen, fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden. Da wären die bekannten Typen süß, salzig, bitter und sauer. Und hierzu gesellt sich noch umami (das ist kein Witz). Aber ich glaube, es gibt noch eine sechste Richtung, die schlicht und einfach Erinnerung heißt. Kann man Erinnerung schmecken? Ich hatte gestern den seltsamen Eindruck, dass es möglich ist, denn ich erinnerte mich an zwei Süßigkeiten aus meiner Jugend und je mehr ich an sie dachte, umso mehr konnte ich mich an den Geschmack erinnern. Seltsam.

    Die erste Leckerei, die mir so unvermittelt einfiel, hieß Canyon und war eine Art Schoko-Müsli Riegel. Die Körner befanden sich in einer weichen, leicht süßlichen Masse während eine Schicht Frucht-Gelee in verschiedenen Sorten darauf lag. Das ganze natürlich umhüllt von Schokolade. Canyon hat mir immer wahnsinnig gut geschmeckt und man bekam auch stets ein klein wenig das beruhigende Gefühl, etwas mehr für die Gesundheit zu tun, als wenn man sich ein Raider (so hieß das damals noch (oder war es da schon Twix?)) oder ein Mars genommen hätte (ja, die Psychologie). Es gab drei Geschmacksrichtungen und ich kann mich auch noch vage an die Werbung erinnern. Und dann… verschwand das Ding vom Markt und ich warte seitdem auf ein Revival. Es wäre nicht das erste Produkt, das aus den Archiven gekramt würde. Man denke zum Beispiel an das kürzlich neu erschienene TriTop.

    Woran ich mich auch immer gerne erinnere sind Antjes. Das waren Traubenzucker Plättchen in den Geschmacksrichtungen Pfefferminz, Zitrone und Waldfrucht. Sie lagen immer neben den Vivil Röllchen und wie ich bei Recherchen herausgefunden habe, war das auch der Hersteller. Komischerweise preist Vivil auf ihrer Website noch immer Antjes an (diesmal mit Erdbeer- Geschmack) aber ich habe bis jetzt noch kein Geschäft ausfindig machen können, dass die geliebten Traubenzucker führt. Ich werde wohl mal bei Vivil anrufen müssen.

    Ich höre besser auf, mich zu erinnern, bevor meine Tastatur sich mit meinem Speichel auseinander setzen muss. Aber wie wäre es, wenn ihr euch erinnert? Welche Leckereien von früher vermisst ihr? Was habt ihr schon seit eurer Kindheit nicht mehr gegessen, gelutscht, geknabbert oder getrunken? Schreibt mir in die Kommentare was das deutsche Volk wieder in den Supermarkt Regalen vorfinden möchte.

  • Die beschissenste Familie Deutschlands

    Eine deutsche TV-Produktionsfirma hat ein neues Konzept für eine Samstag Abendshow. Dieses Konzept wurde diversen großen Privatsendern wie RTL, der Pro7-Sat1 Gruppe und weiteren eventuell Interessierten vorgelegt. Die Sender zeigen sich begeistert und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, wann die große Show „Die beschissenste Familie Deutschlands“ (Arbeitstitel) über den Äther geht. So dachte man…

    Da die TV-Sender mittlerweile alle erkannt haben, wie erfolgreich Bastel-, Renovierungs-, Verschönerungs-, Aufbau-, Lebenshilfe- und Therapie Sendungen sind, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Konzept entsteht. Ziel der „beschissensten Familie Deutschlands“ (Arbeitstitel) ist es, all die Ideen dieser Sendungen zu vereinen.

    Folgendes steht in etwa in dem vorgelegten Konzept:

    Man wird Familien casten, die im Grunde nicht im Fernsehen zu sehen sein
    würden (außer in Boulevard Magazinen). Gesucht wird in den unteren
    Schichten unserer Gesellschaft. Bevorzugt werden Familien ohne Arbeit.
    Je mehr Kinder in der viel zu kleinen Wohnung leben, um so besser. Je
    asozialer, umso geeigneter (Originalton der Produktionsfirma).

    Das Konzept sieht vor, jeglichen verfügbaren Berater zu dieser Familie zu
    schicken und alles mit der Kamera fest zu halten. So werden zuerst
    Spezialisten auftauchen, die die Wohnung entrümpeln (wenn die Familie
    latente Messies sind, wäre das äußerst passend). Die Familie wird ihren
    nicht mehr benötigten Hausrat entsorgen und Tipps für Ordnungshaltung
    bekommen.

    Danach werden sich die Renovierungsprofis daran machen, etwas Stil in die Wohnung zu bringen.
    Neue Farben, neue Möbel, neue Aufteilung etc. Dazu gesellen sich
    schließlich noch Life Coaches, die die Eltern in das harte Leben
    führen, ihnen bei der Jobsuche beistehen und ihnen erklären, wie man so
    manches Familien-internes und -externes in den Griff bekommen kann.

    Die Kinder werden professionell von diversen TV-Nannys betreut. Man wird
    sie in die Schule begleiten und ihnen beibringen, richtig zu lernen und
    vernünftig mit ihren Aggressionen umzugehen. Es werden auch
    Tierpsychologen eingeladen, die sich um den schwer gestörten Hund und
    den Goldfisch der Familie kümmern.

    Das Renovierungsteam wird alsbald dazu übergehen, Handwerker Profis zu
    rufen, da Teile der Wohnung dermaßen verkommen sind, dass kaum mehr
    Reparaturen möglich sind. Und so wird die Familie dabei beobachtet, wie
    sie sich am Rande der Stadt in einer ruhigen Dreißiger Zone ein eigenes
    Fertighaus baut. Und mithilfe des Teams einrichtet.

    Zu guter Letzt kommen noch die Design und Style Profis und werden die
    Familie neu einkleiden, frisieren, schminken und was so alles nötig ist.

    Das Ende der der ersten Staffel wird die Präsentation „der glücklichsten
    Familie Deutschlands“ (Arbeitstitel) sein, die mit neuem Aussehen,
    neuen Jobs, neuen Umgangsformen, neuem Haus und neu gewonnenem
    Selbstbewußtsein wieder zu einem Teil unserer Gesellschaft geworden
    ist. Alles unter dem Slogan: „Manchmal braucht es nur einen kleinen
    Schubs“.

    Worüber sich die Produktionsfirma und die Sender allerdings noch streiten, ist die
    Wiedersehensfolge ein Jahr später. In dieser Sendung soll die Familie
    erneut besucht und interviewt werden, um den Zuschauern zu zeigen, wie
    sehr diese Verwandlungen ihr (der Familie) geholfen hat. Die TV-Sender
    sind allerdings davon überzeugt, dass eine beschissene Familie
    (Arbeitstitel) immer eine beschissene Familie (Arbeitstitel) bleiben
    wird und man dem Fernsehzuschauer lieber nicht die Illusion rauben
    möchte, dass solche TV-Hilfesendungen irgendetwas langfristiges
    bewirken können. Außerdem wären nicht gar so glückliche Familien
    ohnehin die besseren Fernsehzuschauer, da sie jeden Dreck im deutschen
    Fernsehen schlucken würden, ohne sich zu beschweren (aus gut
    unterrichteten Kreisen erhaltenes Zitat eines Programmchefs).

    Der Zynismus, der hier offen zur Schau gestellt wird, sollte
    schnellstmöglich in die Öffentlichkeit gelangen, um eine solche Sendung
    zu verhindern.

  • Der Müllmann kommt

    Nach beinahe neun Wochen haben es ver.di und die Arbeitgeber geschafft, sich zu einigen. Juhu. Neun Wochen Streik, neun Wochen keine Müllabfuhr in den Großstädten. Neun Wochen, in denen Kinder zu Hause sein mussten, weil Kindergärten geschlossen hatten. Neun Wochen, in denen sich Papa endlich mal wieder um die Kleinen kümmern konnte. Und wofür? Für eine halbe Stunde Arbeit mehr in der Woche. Ob sich der Aufwand für diese dreißig Minuten gelohnt hat, sei dahin gestellt. Von dem Geld, das verbraten wurde und der Schaden, der dabei entstanden ist, ganz zu schweigen.

    (mehr …)

  • Wenn ihr das hier lest…

    …bin ich vielleicht schon tot. Nein, so schlimm ist es zum Glück nicht. Aber gestern diagnostizierte mein Arzt, dass die Krankheit, die mich seit Donnerstag letzter Woche in ihrem festen Griff hält, eine ausgeprägte Angina ist. Mit allem Drum und Dran wie ständige Temperaturen um die 40, Schwindel, Zittern und Schwitzen, und geschwollen Lymphdrüsen, die mich wie ein Hamster aussehen lassen. Außerdem kann ich kaum etwas schlucken und wenn, kann ich es kaum drin behalten. Es ist schrecklich und ich wünsche das echt niemandem. Diesen kleinen Beitrag zu schreiben hat mich mehrere Stunden gekostet, aber ich wollte meine Stammleserschaft (Hallo, ihr Drei) darüber informieren, warum es keine neuen Artikel mehr zu lesen gibt.

    Ich hoffe, ich bin bald wieder auf dem Damm. Etwas Gutes hat es allerdings. Durch das Schwitzen und wenige Essen habe ich bestimmt vier Kilo abgenommen. Das heißt, der Sommer kann kommen, meine Strandfigur ist bereit. Bis bald

  • Soso

    Ich plädiere dafür, das kleine Wörtchen „So“ aus der deutschen Sprache zu verbannen. Auf Probe und nur fürs erste. So lange, bis sich die Lage beruhigt hat (und ich überlege bis dahin, wie ich diesen Satz ohne das Wörtchen „So“ hätte schreiben können). Denn wenn ich noch länger diese dumm daher quatschenden, Pisa nicht auf der Landkarte findenden, für meine Rente nicht mehr zuständigen jungen Leute höre, die es schaffen, in jedem Satz mindestens zweimal ein „So“ unterzubringen, bekomme ich echt Zustände.

    „Weil, weißt du so, das ist so, ich weiß auch nicht. So, voll bekloppt und so. Kommt der so daher so und er so: Was geht? Und ich so: Nichts. Voll beknackt, so.“

    Ach und wenn wir grad dabei sind, könnten wir dann nicht noch das Wörtchen „voll“ mit in die Zelle sperren, dann ist das „So“ nicht so allein und ich habe endlich meine Ruhe. Voll im Ernst so.

  • Ein Appell an die DVD Industrie

    Liebe Filmfirmen und DVD Hersteller. Ich weiß ja, dass ihr mich als Kunden nicht für voll nehmt und nur auf mein Geld aus seid. Ich weiß auch, dass es euch völlig egal ist, was ihr so auf den Markt werft und in welcher Qualität, solange der Käufer nur brav bezahlt. Am besten mehrmals hintereinander (Früher die VHS, nun die DVD, danach die Special Edition, dazu noch die GEZ Gebühren für die TV-Ausstrahlung und nicht zu vergessen die Pauschalabgabe für alle Geräte – außerdem freuen wir uns alle jetzt schon auf den Blu-Ray und das HDDVD Chaos). Offensichtlich lebt ihr in einer eigenen Welt, in der die Wünsche und Ansprüche des Kunden nicht zählen, solange er weiterhin brav sein Portemonnaie öffnet.

    Ich werde an anderer Stelle noch einmal auf all eure Verfehlungen
    zurück kommen. In diesem Beitrag möchte ich allerdings für die
    Veröffentlichung einiger fast vergessener Perlen plädieren. Nachdem ihr
    so viele B- und C-Filme auf den Markt geworfen habt, kann ich nicht
    verstehen, wieso zum Beispiel „Joe gegen den Vulkan“ bisher nicht auf
    DVD erschienen ist. Dies ist eine der besten Komödien mit dem noch
    jungen Tom Hanks und Meg Ryan. Ein wahres Märchen in schönen Bildern
    und feinem Humor. Auch „Forget Paris“ von und mit Billy Crystal fehlt
    mir noch in meiner Sammlung. Dieser Film wurde als inoffizielle
    Fortsetzung von Harry und Sally betrachtet (obwohl das nur am Thema und
    dem ähnlichen Humor festzumachen ist). Warum kann ich die Steve Martin
    Komödie „My blue Heaven“ noch nicht kaufen? Wieso darf ich nicht bei
    den „Indianern von Cleveland“ auf die Originaltonspur umschalten, um
    mich zu vergewissern, wie gut der Film ohne die deutsche
    Synchronisation ist. Weil es ihn nicht auf DVD gibt – richtig erraten.
    Wo bleibt der Teenie Klassiker „Can’t buy me love“? Und nicht zu
    vergessen der Weihnachtsklassiker schlechthin „Fröhliche Weihnachten“.
    Außerdem warte ich noch immer auf einen Release des „großen Rennens um
    die Welt“ und des „Hofnarren“.

    Wieso kann ich auch alle möglichen Schrott-Serien in schönen Boxen erstehen,
    während die wirklich großartigen Serien wie beispielsweise „Ed“ und
    „Frasier“ nur im Morgen- und Nachtprogramm der TV-Sender versteckt
    werden.

    Ich kann ja nicht mal beleidigt sagen, dass ihr offensichtlich mein Geld nicht wollt. Denn
    das wollt ihr ja. Nur liefert ihr mir nicht die gewünschte Ware. Warum
    es immer noch DVDs gibt, die mich mit nervender Werbung, unkomfortabler
    Bedienung und unterirdischer Qualität ärgern, werde ich wie gesagt
    demnächst behandeln. Bis dahin möchte ich gerne oben genannte Filme so
    schnell wie möglich bei Amazon bestellen können. Und wehe ihr wagt es,
    alles nur lieblos auf die Scheibe zu pressen, nach dem Motto: „Die
    Leute werden es so oder so zahlen!“

  • Mach keine Witze über Bill Gates

    Jeder von uns kennt die Tastenkombination Strg+Alt+Entf. Hier der Ausschnitt einer Talkrunde, in der offensichtlich ein Entwickler erzählt wie es zu diesem Tastaturkürzel kam.

    Das ist schon recht interessant. Viel interessanter fand ich allerdings den Witz, den er sich auf Kosten von Bill Gates erlaubt. Bill sitzt ebenfalls in der Runde und ist gar nicht amused. Der Entwickler versucht seinen kleinen Gag zu erklären. Bill lächelt nur. Im Publikum hört man zwischen dem Gelächter schon einzelne „Ohh“s. Das Publikum weiß, dass man keine Witze auf Kosten von Bill macht. Bill lächelt weiter und nickt nur kurz. Und man sieht ihm direkt an, was er gerade denkt:

    (mehr …)
  • Plus bietet viel Geld für wenig Geld

    Mittlerweile kann man ja die tollsten Dinge bei den hiesigen Discountern erstehen. Plus kommt da mit einem Angebot, das im ersten Moment sehr suspekt klingt. „Gib uns 89 Euro und du kriegst dafür 100 Euro zurück.“ Okay, der Hunderter ist in Acryl eingegossen und man müsste sich fragen, ob man das dünne Papier gefahrlos aus diesem Block herausschneiden kann (wer fühlt sich dazu berufen? Bitte melden, dann machen wir ne Großbestellung). Selbst mit den Portokosten hätte man immer noch Gewinn gemacht.

    Einige Fragen stellen sich da natürlich automatisch: Wer kauft so etwas? Geldwäscher-Azubis? Und wie kann Plus echtes Geld so billig abgeben? Haben die nur die Produktionskosten gezahlt? Kriegt man Geldscheine auch zum Einkaufspreis? Und wenn ja, wo? Bei der Zentralbank? Oder sollte ich einfach mal bei Metro nachfragen (die ja ohnehin ihr eigenes Geld drucken, glaube ich).

    100euro

    In dem Angebotstext steht dabei, dass der Hunderter nicht umlauffähig sei. Was bedeutet das bitte, wenn der Schein echt ist? Ist irgendwo der Schriftzug „Muster“ aufgedruckt? Oder findet man in einem der Sicherheitsmerkmale den winzigen Satz „Achtung, kann nicht umlaufen.“ Welche Supermarkt Kassiererin achtet darauf?

    Es könnte natürlich sein, dass tatsächlich bestimmte Merkmale einfach fehlen, wie zum Beispiel diese Farbkleckse, die nur unter Schwarzlicht zu sehen sind. Oder die Seriennummern sind speziell gekennzeichnet. Aber ist es dann nicht Falschgeld?

    Ächz, ich glaube, das sind mir zuviel Unwägbarkeiten.

    Nachtrag: Viele Blogs haben das Thema bereits behandelt. Zum Beispiel Arne und Basic Thinking und KK-Works. Und mir ist eben aufgefallen, dass die Stückzahl zwar auf 3000 begrenzt ist, wie im Angebotstext beschrieben, das Foto aber eine Nummerierung zeigt, die nur bis 2000 geht. Da muß Plus wohl noch mehr Geld gießen.

  • Freiburg ist eine Insel – ohne Vogelgrippe

    Als glücklicher, gebürtiger Einwohner Südbadens fühlt man sich wahrlich wie auf einer Insel. All die bösen Dinge, die in der Welt geschehen, passieren eben nur dort, aber niemals hier. Hier im Markgräflerland und im Breisgau gibt es keine Flutkatastrophen. Auch keine Lawinenunglücke. Keine Hurrikans oder Sturmfluten. Keine Dächer stürzen ein. Und keine Berge. Wir leben zwar in einem Erdbebengebiet und hin und wieder rumpelt es sogar (manche meinen, dass der Kaiserstuhl nicht wirklich ein erloschener Vulkan ist) aber wenn wir gerade mal darüber nachdenken, dann finden wir das eher noch cool und verwegen von uns, hier zu leben.

    Auch bei den Arbeitslosen sieht es ähnlich aus. Wir haben nämlich eine recht moderate Rate. Ebenso mit der Kriminalität. Oder Drogentoten. Oder irgendetwas, was man eben aus den Nachrichten und aus den Großstädten kennt.

    Wir haben die Skigebiete direkt vor der Haustür und die wärmsten Sommer. Wir haben die Schweiz direkt nebenan, wo es billigen Sprit und Zigaretten gibt.

    Ergo: es gibt kaum einen besseren Platz in Deutschland zum Leben, als das schöne Gebiet rund um Freiburg. Freiburg ist eine Insel, an der all das Böse nicht angeschwemmt wird.

    Wie ich eben schon erwähnte, wurden wir bisher auch von all diesen Katastrophen verschont (nunja, Tokio Hotel kamen trotzdem (aah, ich wollte schon immer Tokio Hotel und die Vogelgrippe im gleichen Artikel unterbringen)). Doch das könnte sich schneller ändern, als uns lieb ist.

    Als ich von der Vogelgrippe zum ersten Mal hörte, dachte ich noch: Auweia, das ist ja mal wieder schlimm, drüben in China. Als die Pest in der Türkei war, dachte ich: Auweia, das ist aber wirklich schlimm da in der Türkei. Als die toten Vögel auf Rügen gefunden wurden, dachte ich: Auweia, hoffentlich kriegen die das bald in den Griff. Rügen war noch immer weit genug von unserer Insel entfernt.

    Nun wurde zum ersten Mal H5N1 in Überlingen entdeckt (siehe hier, hier, hier und hier). Ich muss voraus schicken, dass ein Teil meiner Familie im schönen Überlingen am schönen Bodensee lebt. Und mit einem Mal schiebt sich die Insel näher an die restliche Bevölkerung heran. Mit einem Mal muss man sich Gedanken machen, was eigentlich gerade passiert auf dieser Welt. Plötzlich denkt man: Hätte ich doch nur die Verhaltensregeln gelesen, die die Bild Zeitung vor kurzem veröffentlicht hatte.

    Nein, natürlich gibt es keinen Grund zur Panik. Das ist auch mir klar. Und auch den Überlingern. Dennoch ist es ein eigenartiges Gefühl, wenn das eigene Paradies mit einem Mal so unmittelbar bedroht wird.

    Mir schwant (!!!) Böses.

  • In Nürnberg ist es geiler

    Nicht nur mein alter Freund Chris sagt gerne, er wünschte sich zurück nach Nürnberg. Damals, als er dort studiert hat, war die Welt noch in Ordnung. Und auch ich habe nur schöne Erinnerungen an Nürnberg. Schließlich war ich dort das erste Mal in meinem Leben in einem KFC. Seufz. Holger, der nun ebenfalls nach Nürnberg gezogen ist, schickte mir letztens ein Foto, das den letzten Beweis erbringt, das es in Nürnberg einfach geiler ist.

    latte_Grenvernderung

    Zu sehen ist eine Tafel an einem Cafe, die einem eine Morgenlatte zu kleinem Preis anbietet. Haha. Scheint ohnehin ein sehr witziges Lokal zu sein – auf einer anderen Tafel steht: Kommst rein, kannst raus schauen. Ich schmeiß mich weg.

    latte2_Grenvernderung

    Also ich würde gerne mal wieder nach Nürnberg. Lecker essen. Ein bißchen auf der Burg herum spazieren und abends in dieser einen Bar einen Cocktail schlürfen (die mit dem Getränkebuch und dem Klavier). Die Morgenlatte kommt dann schon von allein. Danke, Holger. Ich werde Dich demnächst besuchen.

  • Alles ist CD

    Kann es sein, dass die beiden Buchstaben C und D in unser Gehirn gebrannt wurden? Gebrannt würde tatsächlich passen, denn ich spreche hier von der allseits beliebten CD. Diese kleine, silberne, flache Scheibe, die uns schon seit vielen Jahren soviel Freude bereitet. Tatsächlich habe ich in meinem Umfeld die Erfahrung gemacht, dass zu jedem Medium, das Musik oder Film enthält CD gesagt wird.

    Früher war das einfacher. Da gab es nur Schallplatten und Kassetten
    und niemand wäre auf die Idee gekommen, das eine mit dem anderen zu verwechseln. Auch als die VHS Kassette ihren Durchbruch feiern konnte, war der Unterschied zu den anderen Datenträgern groß genug für jeden Technik-Deppen.

    Doch heute ist alles flach, rund und silbern. Die Sache mit der CD war ja noch überschaubar. Komplexer wurde es, als die DVD erschien. Denn sie glich der CD auf den ersten Blick wie ein Ei dem anderen. Schlimmer wurde es noch, als die brennbaren Versionen mit kryptischen Zusätzen wie +R oder -R aufwarteten. Oder gar +/-RW. Für viele Menschen sind das immer noch CDs und werden es wohl auch immer bleiben. Egal, wieviel Speicherplatz sie
    bieten und was sich darauf befindet.

    Manch einer sagte sogar zu den mittlerweile nicht mehr populären MDs CD. Dabei waren die MiniDiscs wie der Name schon sagte kleiner und in einem Plastikgehäuse versteckt. Aber es war halt Musik drauf, also konnte das ja nur eine CD sein, gell. Auch die in der neuen Sony PSP benutzten Datenträger kommen klein und mit Gehäuse daher und heißen UMD. Das Prinzip setzt sich aber auch hier fort.

    Ganz übel wird es dieses Jahr werden, wenn die DVD Nachfolger BluRay (BD) und HD-DVD, auf den Markt kommen. Nicht nur weil ein ähnlicher Streit um Standards entstehen wird wie seinerseits bei BetaMax und VHS oder zuletzt bei DVD-R und DVD+R.

    Der Kunde wird am Ende entscheiden (so meinen Fachleute). Ich dagegen behaupte, dass sich die Industrie ins eigene Bein schießt, mit diesem Wirrwarr. Ich werde den Markt sehr genau und lange beobachten um mich für ein Medium zu entscheiden und bis dahin werden vermutlich wieder teure Multiformat-Leser auf den Markt geworfen werden.

    Aber, was trotz allem immer bleiben wird: Die Leute werden immer sagen, sie hätten da eine ganz tolle CD. Egal, was drauf ist. „Ich mein halt das runde Ding wo Filme und Musik drauf sein tun.“ Eben.

  • unfreiwillige Radio Comedy

    Manche Radiosender sind immer wieder für einen Lacher gut. Sei es SWR3, die mit den meisten ihrer Comedy Angeboten punkten können. Oder auch Radio Regenbogen, die so dämlich versuchen, diesen Erfolg zu kopieren, dass einem schnell das Lachen im Hals stecken bleibt. Und dann gibt es noch Antenne Südbaden, welches bei uns im Raum Freiburg leider unfreiwillig komisch ist.

    So sagt mir der Moderator nach jedem Nachrichtenblock, dass nun der Verkehr käme, der mich wirklich interessiert. Also, ich würde gern mal wissen, woher die wissen wollen, welcher Verkehr das denn sein könnte. Denn dann erzählen sie mir doch nur wieder, wo in Südbaden Staus sind und Blitzer stehen.

    Gerne weist Antenne Südbaden auf ihr Gewinnspiel hin, das sich in etwa so abspielt. Der Moderator sagt: „Rufen Sie uns an, wenn Sie wissen, welches Geräusch wir suchen.“ Man hört ein Quietschen, oder Ratschen. „Na, haben Sie es erkannt? Welches Geräusch suchen wir?“

    Nun, da möchte ich am liebsten anrufen und sagen: „Ihr sucht das Geräusch, das ihr da eben gespielt habt – dieses Quietschen oder Ratschen.“

    Man darf mir wieder Klugscheißerei vorwerfen, aber sollte die Frage nicht eher lauten: „Wissen Sie den Namen des Objekts, das dieses Geräusch verursacht?“

    Immer wieder schmunzeln kann ich auch beim Aufruf, Mädchen des Monats zu werden. Da werden Freiburgs weibliche Schönheiten einen Tag lang mit der Kamera begleitet und dann jede Nacht, unterlegt mit den besten Hits der Achtziger, Neunziger und von heute auf FRTV (dem angeschlossenen Regional TV-sender) gezeigt.

    Die Werbung lockt die Mädchen unter anderem mit folgendem Satz: „Zeigen Sie Ihren Freunden, was in Ihnen drin steckt.“ Was in ihnen drin steckt? Ich hoffe doch, es steckt nichts in den Mädchen drin. Ein Messer gar. Oder schlimmeres. Vielleicht mag es an der Mundart liegen, weshalb man nicht sagt „was in ihnen steckt“, aber lustig ist es trotzdem.

    Weiter so, Antenne Südbaden. Ihr habt einen Platz in meinem Herzen.

  • Du bist eine Klowand

    Ja, da ging ein Ruck durch Deutschland. Ich habe ihn gespürt, denn ich bin ja Deutschland. Und dazu noch Blogger. Denn ehrlich gesagt ging dieser Ruck mehr durch das bloggende Deutschland und veranlasste sehr viele Blogs zu der Überschrift, die ich hier ebenfalls benutze. Was war geschehen?

    Die Kampagne „Du bist Deutschland“ kommt offensichtlich nicht so gut an in dem Land, das es betrifft. Zwar liest man auf der offiziellen Seite dazu sehr optimistische Zahlen. Doch die Gegenbewegung in den Blogs, bei Flickr und weiteren zeigen ein anderes Bild. Deutschland scheint sich eher auf den Fuß getreten zu fühlen und macht sich auch noch über die gesamte Kampagne lustig. Wie gemein. Das ist Deutschland?

    In etwa diese Frage stellte sich Jean-Remy von Matt von der renommierten Werbeagentur Jung von Matt. Allerdings formulierte er es etwas anders, etwas beleidigter und schrieb das Ganze in eine E-Mail an die Belegschaft. Wie es das Schicksal wollte, erreichte diese Mail die Öffentlichkeit und brachte damit eine Lawine ins Rollen, die der Agentur nun noch weniger gefallen dürfte, als die Verhohnepipelung ihrer tollen Kampagne.

    Hier die Mail:

    Meine Mutter hat mir beigebracht, dass man sich für ein Geschenk bedankt, selbst wenn man damit nichts anfangen kann. Wie Recht sie hatte, ist mir gerade wieder klar geworden.

    Vor zwei Wochen startete „Du bist Deutschland“, die größte gemeinnützige Kampagne aller Zeiten und ein riesiges Geschenk.

    Die großen Verlage haben Zeit und Raum im Wert von 35 Millionen Euro geschenkt. 30 Promis der ersten Liga haben Zeit und ihr Gesicht geschenkt. Wir und kempertrautmann haben Zeit und Herzblut geschenkt.

    Das Ziel: Die Miesepetrigkeit bekämpfen.

    Der Dank: Miesepetrigkeit. Glücklicherweise nur von den Gruppen, von denen man nichts besseres erwarten konnte:

    1. Von den Werbekollegen, die sich in den Branchenblättern eifrig zu Wort meldeten. Viele von ihnen finden die Kampagne nutzlos, „weil Werbung doch nicht das geeignete Mittel sein kann, eine Nation wirtschaftlich wieder nach vorn zu bringen“. Nicht gut, wenn unsere Branche selber nicht mehr an die Kraft von Kommunikation glaubt.

    2. Von den Weblogs, den Klowänden des Internets. (Was berechtigt eigentlich jeden Computerbesitzer, ungefragt seine Meinung abzusondern? Und die meisten Blogger sondern einfach nur ab. Dieser neue Tiefststand der Meinungsbildung wird deutlich, wenn man unter www.technorati.com eingibt: Du bist Deutschland.)

    3. Von den intellektuellen Journalisten von FAZ bis TAZ, die ihre Meinung zwar insofern gefragt absondern als sie eine nachweisbare Leserschaft haben, aber: „Den Höhepunkt an Zynismus gewinnt die Kampagne aber in dem Fernsehspot, der Schwule und Behinderte auf dem Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals versammelt“ (Die Zeit).

    Blöd, wenn man soviel Kopf hat, dass einem jedes Bauchgefühl verloren gegangen ist.

    Übrigens: Sebastian Turner findet die Kampagne einfach nur falsch.

    Falsch, was ist das? Auch nach dem 50. Mal gucken, bin ich von dem TV-Spot immer noch berührt bis ergriffen – obwohl ich nicht einmal Deutschland bin.

    Kann das falsch sein?
    Euer Jean-Remy

    Man ist im ersten Moment ergriffen und geschockt. Danach ist man geschockt und ergriffen. Die Klowände Deutschlands taten das ihre, um auf diesen „Angriff“ zu reagieren. Und sie taten es wie zuvor schon bei der Kampagne. Bitte lest selbst. Hier, hier und hier (zum Beispiel) oder man macht, was Jean-Remy in der Mail vorschlägt: Man suche einfach mal bei technorati.com (und wenn wir schon dabei sind, sollte man auch mal nach dem Begriff „Jung von Matt“ suchen, um sich darüber zu informieren, wie beliebt und in aller Munde die Agentur mittlerweile ist).

    Ein kleine pikantes Detail möchte ich hier noch zum Besten geben, das ich in Alex Wunschels „Tellerrand“ Podcast gehört habe: Offensichtlich hat ein anonymer Kommentar Schreiber auf dem Blog von Jens Scholz versucht, die Mail von Jean-Remy herunter zu spielen. Bei Überprüfung der IP-Adresse kam heraus, dass dieser Anonyme an einem Rechner saß, der in den Büros von Jung von Matt steht. Peinlich, peinlich. Und schlimm, dass man offensichtlich nicht aus Jambas Fehlern gelernt hat, die ebenfalls mit gut gemeinten Kommentaren versucht hatten, beim Spreeblick-Blog gegen Johnny Häuslers Sparabo-Attacken vorzugehen.

    Also Herr von Matt, Sie haben hier einige Fehler gemacht, die man als Profi einfach nicht machen sollte. Und das sage ich Ihnen als absoluter Anfänger und Unwissender.

    Zunächst stellt sich die Frage, weshalb die Kampagne so veräppelt, nicht ernst oder erst gar nicht wahr genommen wird. Woher kommt die Miesepetrigkeit (davor und danach)? Ganz einfach. Weil Deutschland einfach Miesepetrig ist. Und Deutschland ist auch noch stolz darauf (oder bemerkt es einfach nicht). Und Deutschland will sich von keinem vorschreiben lassen, wie es gerade fühlen soll. Oder gar wer oder was es ist (der Hintergrundmelodie des Werbespots nach sind wir alle Forrest Gump – und das wäre nicht mal soo schlecht). In Zeiten der Globalisierung, des Enger-zusammenrückens aus Angst vor Terror, Umweltkatastrophen und einer Kanzlerin fällt es schwer genug die eigene Identität zu finden. Da muss kein dahergelaufener Werbespot kommen und mir was von Schmetterlingen und Orkanen in China erzählen, die dort einen Sack Reis umwerfen. Ich weiß, dass ich Deutschland bin. Aber die Miesepetrigkeit wurde uns die Wiege gelegt, zusammen mit dem schlechten Gewissen und der Scham. Wir sind keine Hauruck Gesellschaft wie die USA die mit ein paar „Jahuus“ und „Tschakas“ motiviert werden kann. (By the way: Hallo liebe Walmart Mitarbeiter. Müsst ihr immer noch jeden Morgen zusammen Juhuu und Tschaka rufen um euch für den Tag zu puschen? Fühlt ihr euch dann so richtig Deutschland?)

    Weiterhin sollte Ihnen, Herr von Matt, vorher schon klar gewesen sein, gegen wen Sie hier wettern. Man muss einfach mal davon ausgehen, dass der gemeine Blog-Schreiber einen gewissen Intelligenzquotienten hat, der ihn dazu befähigt, nachzudenken, zu reflektieren, sich zu äußern. Auch das ist Deutschland. Das ist das denkende Deutschland. Und um es noch schlimmer zu machen: das ist das denkende Deutschland, das durch Blogging eine Stimme gefunden hat. Meinungsfreiheit in Reinform.

    Es war also abzusehen, welche Art von Lawine hier los getreten wird. Und hier unterstelle ich als Laie einfach mal dem Profi in Sachen Marketing, dass ganz bewusst so gehandelt wurde. Wir alle wissen dass keine Publicity noch schlechter ist als schlechte. Nun, für Publicity hat Jean-Remy gesorgt.

    P.S.: Herr von Matt, Sie als Schweizer (also nicht Deutschland!) werden mich verstehen, wenn ich folgendes sage: Würde der Slogan lauten: „Du bist Deutschland, arbeitest in der Schweiz und wohnst in Frankreich“, dann würde ich sofort zustimmen und laut Juhuu und Tschaka ausrufen.

    Update um 19:24: Jean-Remy „entschuldigt“ sich bei den Bloggern, ohne allerdings Seitenhiebe lassen zu können. Nunja, Herr von Matt, wir wissen um die „virale Kraft“ der Blogs und Sie als Werbetreibender und immer auf der Suche nach der passenden Plattform, um Werbung zu verbreiten wissen dies natürlich auch. Ein logischer Schritt also sich diese Gemeinde nicht zum Feind zu machen. Vielleicht sind wir bald Kunden, Zielgruppe und Macher in einem.

    Auf Melas Blog wird das alles noch schön auseinander gepflückt.

  • Ich stoppte Wikipedia.de

    Jeder sollte es in den letzten Tagen mitbekommen haben: Wikipedia.de war für kurze Zeit abgeschaltet. Mittlerweile funktioniert die Weiterleitung auf die Hauptseite Wikipedia.org wieder und alles ist so wie früher. Aber ganz einverstanden bin ich damit nicht. Denn ich war der Grund, warum die Seite gestoppt worden war.

    Viele Nachrichtenagenturen berichteten, die Eltern eines verstorbenen Hackers namens Tron hätten per einstweiliger Verfügung Wikipedia.de zur Schließung gezwungen. Sie wollten nicht akzeptieren, dass ihr Sohn mit voller Namensnennung in den Artikeln genannt wurde. Das Amtsgericht Berlin Charlottenburg gab ihnen Recht. Der Knackpunkt an dieser Sache ist allerdings, dass es sich hier nur um einen vorgeschobenen Grund handelte, der von dem echten Skandal ablenken sollte. (Ich meine, wer interessiert sich schon dafür wie Tron mit Nachnamen heißt?)

    Der echte Skandal ist folgender: Ich habe mit meinen Anwälten einen Antrag auf Schließung des kompletten Wikipedia Projekts eingereicht, da es unhaltbar ist, wie fahrlässig hier mit falschen Informationen umgegangen wird. Ich möchte einmal aufzählen, welche gravierenden Fehler ich auf Wikipedia.de entdecken musste.

    Der schlimmste Fehler betrifft mich selbst: Wenn man sich über meine Person erkundigen möchte, so erfährt man zwar vieles, aber kaum etwas davon ist wahr. So heiße ich zwar tatsächlich Roger Graf und ich bin in der Tat Schriftsteller. Aber weder wurde ich in der Schweiz geboren, noch sind die aufgeführten Romane von mir (sondern bisher nur dieser hier: „Ist ja hinReisend“ . Auch sonst möchte nichts in dieser Biographie zu mir passen.

    Bei weiteren Recherchen erkannte ich, dass ich auch nicht als Mitentwickler der Atombombe genannt werde. Auch, dass ich enger Vertrauter Ernest Hemingways gewesen war und ihn zu seiner Geschichte des alten Mannes und dem Meer ermutigt hatte, wird nicht erwähnt. Weiterhin fehlt ein Eintrag, dass das erste Kind von Heidi Klum von mir ist (dieser Flavio Briatore drängte sich zwischen Heidi und mich und während ich noch gegen ihn anging, nahm sich Heidi diesen Seal). Und schließlich konnte ich nicht einmal einen Eintrag über meine neueste Erfindung entdecken, der Million Dollar Homepage, die ich einem guten Kumpel anvertraut hatte und der damit tatsächlich Millionär geworden war (bish heute habe ich noch keinen Cent von ihm bekommen – nicht mal ’ne Dankeskarte).

    Es ist also nur allzu offensichtlich, dass Wikipedia.de schlecht recherchiert, verschweigt und gar lügt. Und dagegen muss mit aller mir zur Verfügung stehender Macht vorgegangen werden. Sollte mich hier jemand als Lügner bezeichnen, so werde ich ihm meine Anwälte auf den Hals hetzen. Ich bin für freie Meinungsäußerung aber alles hat seine Grenzen.

  • Der, die, das Blog

    Hallo, ihr Duden-festen Germanistik Studenten, ihr IT-Spezialisten, ihr kosmopolitischen Blogger/Podcaster/Leser/Hörer. Um eine kleine Frage und Diskussion zu beenden, könntet ihr mir mal eben mit Beweisen erläutern, ob es „das Blog“ oder „der Blog“ heißt und ob es „das Podcast“ oder „der Podcast“ genannt wird. Deutsche Sprache, schwere Sprache, besonders wenn Teile davon gar nicht Deutsch sind. Ich tendiere ja zu „das Blog“ und „der Podcast“, wüsste allerdings gerne warum.