Autor: Roger Graf

  • Des Lokführers letzte Worte – Teil 2

    Auch wenn ich jetzt kein Lokführer mehr bin, bleibe ich diesem Berufsstand dennoch weiter verbunden. Und noch immer verteidige ich ihn, wo es nur geht. Eigentlich verteidigte ich schon immer die gesamte Bahn und werde es wohl auch immer tun. Weil ich aus Leidenschaft als Lokführer arbeitete. Und weil ich genug Hintergrundwissen habe, um mich und die Bahn rechtfertigen zu können. Mein Motto lautete stets: der einzige, der sich über die Bahn aufregen darf, bin ich. Nun denn, ich bin kein Lokführer mehr. Zeit, einmal die wichtigsten Punkte aufzugreifen, über die sich die Leute immer wieder ärgern.

    Zunächst mal muss ich los werden, dass jeder Mitarbeiter den ich kenne, sein möglichstes tut, damit all die Züge sicher und pünktlich unterwegs sind. Niemand, egal ob in der Chefetage (zumindest die Chefetage, die sich noch mit dem Verkehr beschäftigt – was die Herren weiter oben so machen steht auf einem anderen Blatt) oder der Mann, der für das Weichenschmieren zuständig ist, hat ein Interesse daran, absichtlich etwas zu sabotieren. Aber, wie in jeder Firma gibt es immer wieder Menschen, die Fehler machen, Mitarbeiter, denen Informationen fehlen, die im Stress sind, die einfach einen schlechten Tag haben oder genervt sind. Deshalb kann es auch immer wieder mal zu Problemen kommen, deshalb können Dinge schief gehen. Bei der Bahn, wie auch anderswo.

    „Die Bahn hat immer Verspätung“, musste ich mir am häufigsten anhören. Nun, es ist ganz einfach: die Bahn wird niemals immer pünktlich sein. Das ist schon Systembedingt nicht möglich. Das deutsche Bahnnetz ist derart engmaschig, die Züge fahren in so dichtem Takt hintereinander her, wenn hier nur ein kleines bisschen schief läuft, wirkt sich das Großflächig aus. Hat ein Zug in Berlin einen Schaden an der Lokomotive, ist das in Frankfurt noch zu spüren. Wirft sich ein Mensch vor einen Zug und die Strecke ist eine Stunde in Dortmund gesperrt, haben die Nahverkehrszüge in Stuttgart deshalb noch Verspätung. Man stelle sich das Netz der Bahn als stillen See vor und werfe nun irgendwo einen Stein hinein. Die Wellen breiten sich über den kompletten See aus.

    Ich schlage gerne folgendes Gedankenspiel vor: Man nehme sich einen Routenplaner und berechne die Fahrtdauer mit dem Auto von München nach Berlin. Dann fahre man jeden Tag zur gleichen Zeit, ohne irgendwo die Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten los. Ich wette, man kommt an keinem einzigen Tag entweder pünktlich oder gar zur gleichen Zeit an. Warum? Staus, Unfälle, Baustellen, Schleicher, Probleme.

    Das ist bei der Bahn nicht anders, nur das man hier nicht einfach vorbeifahren kann. Ist die Strecke dicht, steht der Zug. Sitzen in dem Zug Fahrgäste, die einen Anschlusszug erwischen müssen, muss auch dieser warten. Was dazu führt, dass man im Idealfall diese paar Fahrgäste glücklich gemacht hat, während man die anderen 200 in dem Anschlusszug verärgert hat, weil der Zug warten musste. Wenn irgendwo in einem Stellwerk ein Relais, das seit 40 Jahren funktioniert, plötzlich seinen Geist aufgibt und ein Signal nicht mehr auf Fahrt gestellt werden kann, dann ist das ein Problem, das nicht innerhalb von zwei Minuten gelöst werden kann. Wenn eine Lok ausfällt, ein Wagen einen Schaden hat, wenn eine Weiche sich nicht mehr legen lässt, es irgendwo einen Stromausfall gibt, wenn Kinder im Gleis herum rennen, ein Baum auf die Strecke gestürzt ist, wenn ein Bahnübergang sich nicht schließen lässt, oder in einem heißen Sommer Büsche in Brand geraten, der durch den Funkenflug der Bremsen entstanden ist und die Feuerwehr anrücken muss – all das sind Probleme, die zu Verspätungen führen, die zu Verspätungen führen und so weiter.

    Würde man alles zusammen rechnen, was kaputt oder schief gehen kann, ist es sogar erstaunlich, dass die Züge doch noch relativ pünktlich unterwegs sind. Aber eben nicht immer. Aber die Leute sagen, die Bahn sei immer verspätet. Und das stimmt ganz einfach nicht. Ich habe jahrelang ICs und ICEs zwischen Basel und Frankfurt hin und her gefahren und kann versichern, dass ich vielleicht alle zwei Wochen größere Verspätungen hatte. Also Verspätungen, die über 15 Minuten lagen.

    „Aber mein Nahverkehrszug morgens hat immer Verspätung“, sagte man mir oft. Warum der nicht pünktlich fahren könne, warum man ihm nicht eine großzügigere Fahrzeit geben könne. Nun, weil kein Platz dafür ist, weil hinter ihm weitere Züge warten, die einen schnell, die anderen äußerst langsam. Hält ein Nahverkehrszug einen Güterzug auf, hält dieser auch einen Intercity auf. Die Bahn ist keine Autobahn, hier kann man nicht jederzeit überholen oder ausweichen.

    Und dann sind da ja noch die Leute, die auf den Bahnsteig gerannt kommen, obwohl die Türen eigentlich schon zu sind. Da sind die Gruppen, die 30 Mann hoch durch eine Tür hinein wollen und nicht auf die Idee kommen, eine weitere Tür zu benutzen. Da sind die Radfahrer und Kinderwagen, die erst einmal herein gewuchtet sein müssen. Da sind die Rentner und Behinderte, die einfach nicht so schnell sind. Viele kleine Verzögerungen, die nach 5 Haltestellen schon eine Verspätung von drei Minuten gebracht haben. Und um das ganze interessanter zu gestalten – am nächsten Tag sind keine Gruppen unterwegs, die Rentner bleiben daheim, keine Verzögerungen. Hätte der Zug hier mehr Luft im Fahrplan würde er unnötig herumstehen und die Strecke dicht machen. Wie man’s macht…

    „Der Zug ist einfach abgefahren, obwohl mich der Lokführer doch bestimmt gesehen hat, wie ich gerannt bin.“ Tja, das hört man immer wieder als Lokführer beim Nahverkehr. Da frage ich mich immer ,was wollen die Leute denn? Soll der Zug nun pünktlich fahren oder nicht? Wenn man spät dran ist um den Zug zu erreichen, soll er gefälligst Verspätung haben und auf mich warten, ist doch klar. Scheiß auf die ganzen Leute, die pünktlich im Zug sitzen und gern pünktlich abfahren würden. Beispiel Freiburg: Da kommen die Fahrgäste immer aus der Straßenbahn gestürmt, die oben auf der Brücke über den Bahnsteigen hält. Sie rennen die Treppe herunter und der Lokführer und der Schaffner sehen sie wohl. Also wartet man noch. Aber bis sie die Treppe runter, zum Zug gerannt und eingestiegen sind, ist mindestens eine Minute vergangen. In dieser Zeit kommt die nächste Straßenbahn an und Leute rennen die Treppen herunter. Eigentlich könnte der Zug den ganzen Tag stehen bleiben, weil immer Leute die Treppe herunter kommen und flehen und winken. Nehmen wir an, der Lokführer hat einen guten Tag und wartet drei Minuten. 5 Leute haben ihren Zug erwischt, der Zug fährt los, kommt in Schallstadt an und findet dort 10 wartende Fahrgäste vor, die schon wieder sauer sind, weil der Zug wie immer Verspätung hat. 5 glücklich, 10 sauer. Wartet er nicht, sind 5 sauer und 10 glücklich. Irgendjemand ist immer sauer…

    „Die Bahn ist zu teuer.“ Ja, das stimmt. Außerdem ist Auto fahren zu teuer. Und Fliegen. Und mobil telefonieren. Und die GEZ Gebühren. Alles zu teuer. Im Ernst.

    „Man bekommt nie Auskunft und weiß nie was los ist.“ Das liegt meist daran, dass die Mitarbeiter, die die Auskünfte erteilen sollen, selbst noch nicht wissen, was los ist. Nehmen wir ein Beispiel. Der Lokführer ist mit seinem Zug unterwegs und aus dem Maschinenraum ertönt ein Knall. Kurz darauf steht der Zug und nichts geht mehr. Spätestens jetzt wollen mindestens drei Stellen gleichzeitig wissen, was los ist und wann es weiter geht. Und das, während der Lokführer eigentlich nach der Ursache forschen sollte. Also sagt er der Leitstelle, dass er erst nachschauen muss, weil die Leitstelle bereits jetzt planen muss, was mit den Anschluss- und nachfolgenden Zügen passieren soll. Der Lokführer informiert den Schaffner, der ja den Fahrgästen etwas sagen muss. Der Lokführer telefoniert auch mit dem Fahrdienstleiter, der im nächsten Bahnhof Durchsagen machen soll, aber auch gleichzeitig überlegen muss, ob man die folgenden Züge überholen lässt. Mindesten vier Minuten sind bereits vergangen und im Grunde weiß niemand etwas. Der Lokführer macht sich auf die Suche. Der Schaffner macht die Durchsage im Zug, dass man nicht wisse, wann es weitergeht. Die Leute sind empört. Am nächsten Bahnhof hören die Leute aus dem Lautsprecher, dass der Zug unbestimmt verspätet sei. Sie sind empört, sie ärgern sich, weil sie seit fünf oder zehn Minuten warten und keine Informationen bekommen. Sie rufen nach Ersatzbussen. Die könnten in der Tat bestellt werden. Was vielleicht eine Stunde dauern würde. Bekommt der Lokführer den Zug aber wieder in Gang, wäre das alles umsonst. Der Fahrdienstleiter sitzt auf heißen Kohlen und weiß nicht, was da draußen vor sich geht, weil der Lokführer im Maschinenraum herum kriecht.

    Um diese Geschichte nicht endlos werden zu lassen: wenn irgendwo etwas schief läuft, sind alle im Stress, niemand weiß im ersten Moment etwas, die Lage muss immer erst geklärt werden, bevor Schritte eingeleitet werden. Und das dauert leider immer seine Zeit.

    Alles, was ich hier erzählte, sind nur kleine Beispiele. Es gäbe noch viel mehr zu erzählen, noch viel mehr Vorwürfe richtig zu stellen. Zu jedem einzelnen Beispiel könnte man ein „Ja, aber“ anführen oder ein anderes, noch schlimmeres Beispiel anführen. Das ist mir bewusst. Und doch bleibe ich dabei. Jeder, der an und auf der Strecke arbeitet, tut sein Möglichstes, um den Betrieb am Laufen zu halten. Das gelingt mal mehr, mal weniger. Ich hatte genügend Tage erlebt, an denen alles problemlos klappte. Deshalb weiß ich, dass die Leute, die behaupten, bei der Bahn ginge immer etwas schief, Menschen sind, die einfach über alles meckern und motzen und es nicht schaffen, das Gehirn einzuschalten, bevor sie anfangen zu schreien.

    Auch ich stand schon einige Male am Bahnsteig und wartete, auch ich habe schon Schalterbeamte gesehen, die nicht wirklich freundlich waren, auch ich konnte schon erleben, dass das Personal am Service Point ratlos war. Aber ich wusste, dass jeder sein Möglichstes tut.

    Ich hoffe, dass ihr, meine Leser, es nun auch wisst, oder zumindest eine Ahnung habt und bei der nächsten Störung, die ihr erlebt, an diesen Artikel denkt. Und das ihr dann durchatmet und euch erinnert, dass hinter den Kulissen gerade viele Menschen schwitzen und arbeiten und sich ebenfalls wünschen, die Störung wäre bereits beseitigt.

  • Des Lokführers letzte Worte – Teil 1

    Sentimental? Ja! Schon immer. Gestern, am 8.Juni 07 endete meine mittlerweile 12 Jahre andauernde Laufbahn als Lokführer. Ich machte zum letzten Mal den Job, den ich schon immer machen wollte, von Kindesbeinen an. Und just eine Stunde vor meinem Feierabend stand ich in Freiburg auf genau dem Gleis, an dem damals alles begonnen hatte. Wo zumindest meine Karriere als Streckenlokführer begonnen hatte. Davor war ich noch Rangierlokführer und stellte mit großen und kleinen Dieselloks Güter- und Reisezüge zusammen. Ich stand da, sah mir den Freiburger Rangierbahnhof an und kam ins Träumen und Erinnern.

    Die Anfänge meines Berufslebens, die langwierige Ausbildung, in der man uns wirklich jedes kleine Detail beibrachte. Meine erste Fahrt auf einer Rangierlok, wie beeindruckt ich war von der Kraft, die in der Maschine steckt. Die ewigen Nachtschichten mit den ewigen Rangierbewegungen. Die Umstrukturierungen bei der Bahn und mein Glück, beim Fernverkehr zu landen. Weitere Ausbildungen auf immer mehr Lokomotiven. Die Ausweitung des befahrenen Streckennetzes. Anfangs nur bis Mannheim, später bis nach Frankfurt und Mainz. Mittlerweile gar bis Köln. Die Ausbildung auf dem ICE. Die Woche in Fulda, wo ich im Simulator trainierte. Meine erste Fahrt eines Intercitys, später meine erste Fahrt eines ICE nach Frankfurt. Dieses Gefühl den Zug auf 250 km/h zu beschleunigen. Alle Fahrten unfallfrei. Und doch zwei Menschen getötet. Einen, weil es sein Wunsch war, auf diese Art aus dem Leben zu scheiden, den anderen, weil er zu blöd war und noch schnell über die Gleise rennen wollte.

    Ich erinnerte mich an die damalige Zeit. Meine Güte, 12 Jahre, das ist rückblickend so wenig und doch ist so viel passiert. Ich weiß noch, wie ich im Auto saß und heulte, als ich meine letzte Schicht als ICE-Lokführer hinter mir hatte. Weil ich dort schon wusste, dass es ein Fehler war, dass ich meinen Kopf, statt meines Bauch hatte entscheiden lassen. Das ist jetzt drei Jahre her. Als ich gestern zum letzten Mal meinen Nahverkehrszug verließ, war mir nicht nach Tränen zumute. Denn bei diesem Abschied ist mein Bauch ebenso wie mein Kopf davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. Jetzt überwiegt die Aufregung vor der neuen Aufgabe.

    Das Thema Eisenbahn läßt mich natürlich nicht los, auch in meinem neuen Unternehmen werde ich mich weiterhin um das reibungslose Rollen der Züge kümmern, wenn auch von anderer Position aus. Aber meine Zeiten als Lokführer sind hiermit vorbei. Sentimental? Ja! Muß man vielleicht auch sein, wenn man einen Beruf mit Leidenschaft ausübt, oder?

  • Alle wollen nur mein Bestes

    Dass mich der Umzug nach Duisburg eine Menge kosten wird, war klar. Nerven, Mühe, Zeit und vor allem Geld. Aber hin und wieder hängt es mir einfach zum Halse raus. Ich habe heute einmal ausgerechnet, was ich im Monat für Telekommunikation, Internet und Fernsehen ausgebe. Da wären die 26 Euro ISDN Grundgebühr an die Telekom, 30 Euro Internet und Phone Flatrate an 1&1, 25 Euro O2 Flatrate plus knapp 10 Euro, die ich dennoch für Telefonate in fremde Mobilfunknetze ausgeben muss. Außerdem nochmals 17 Euro für digitales Kabel-TV. Von den GEZ Gebühren will ich da gar nicht erst anfangen. Alles zusammen also 108 Euro monatlich nur damit etwas surfen, hin und wieder meinem Mütterchen und meiner damalige Freundinn anrufen und Tanz-Shows im Fernsehen sehen kann. Muss das sein?

    Also erkundigte ich mich, ob ich irgendwo sparen kann. Ish (oder eigentlich Unitymedia, wie sie jetzt heißen) ist der Kabelanbieter in NRW und eben auch in Duisburg. Und Ish bietet wie mittlerweile jeder große Triple-Play Anbieter Internet, Fernsehen und Telefon im Gesamtpaket per Kabel an. Mit 30 Euro wäre ich dabei, frei von der Telekom, weg von 1&1. Aber – war ja klar – genau da wo ich hinziehe, ist das Angebot nicht verfügbar. Naja, aus dem 1&1 Vertrag wäre ich ohnehin nicht vor Ende 2008 heraus gekommen. (Ähnlich wie aus dem bescheuerten O2 Vertrag, aber das ist eine andere Geschichte). Also musste ich eben schweren Herzens einen Umzugsauftrag an die Telekom (T-Com, T-Home) absenden. Und dafür verlangen die Bastarde 60 Euro. Damit aber nicht genug. Auch 1&1 möchte mir für meine Treue und meine Umstände, umziehen zu müssen, ebenfalls 50 Euro abknöpfen. Ich gebe also alleine schon 110 Euro dafür aus, damit zwei Leute an einem Rechner einen Schalter drücken und mir meine Telefon- und Internetleitung freischalten (die ja schon vom Vormieter vorhanden ist). Und DAS nur mit viel viel viel Glück tatsächlich zu dem Zeitpunkt, den ich mir wünsche.

    Oh, ich ahne jetzt schon, dass durch diese ganzen Streiks alles in Verzug kommt, 1&1 mich bei jedem teuren Anruf über mein teures Handy informieren wird, dass die Schuld einzig an der Telekom liegt, während diese sich immer und immer wieder entschuldigen werden und mir irgendwann im September sagen, der Streik sei zwar vorbei, aber 1&1 habe alles falsch gemacht, was man nur falsch machen könne.

    110 Euro. Nicht, dass ich ja schon für die Spedition, eine neue Küche, dutzendweise Formulare und Unterlagen, neue EinEinrichtungsgegenstände, Rollläden, Kautionen etc. schon genug zu zahlen hätte. Nein, ich werde die nächsten zwei Jahre in meinem neuen Job nur dafür arbeiten, die Verluste auszugleichen, die der Umzug mit sich brachte.

    Womit meine Xbox 360 und mein Macbook in immer weitere Ferne rücken, aber naja.

    Zumindest habe ich in Duisburg wieder einen analogen Telefonanschluss, spare also die teure ISDN Grundgebühr. Außerdem habe ich beschlossen, Kabelfernsehen abzubestellen. In Duisburg ist DVB-T nämlich komplett ausgebaut. Das bedeutet, digitales Fernsehen über die Zimmerantenne, ohne Grundgebühr. Allerdings nur die wichtigsten Sender (aber so wenig, wie ich Fernsehen schaue, lässt sich das verschmerzen). Allerdings … ist DVB-T natürlich nicht kompatibel mit DVB-C, was bedeutet, dass der Kabelreceiver, den ich mir erst letztes Jahr gekauft habe nun unnötig wird und ich mir wieder einen neuen Receiver kaufen muss und aaaahrg….

    Ich möchte gar nicht erst davon anfangen, dass ich mir gerne endlich mal einen Festplatten- und/oder DVD-Rekorder gegönnt hätte. Wo gibt es einen günstigen, der alle Formate brennen und abspielen kann, der jeglichen DVB Tuner intus hat und vollkommen HD kompatibel ist, damit ich nicht nächstes Jahr schon wieder ein neues Gerät holen muss?

    Ach, und selbst wenn… vermutlich kostet er mehr als 110 Euro. Wenn ihr ab dem 22.Juni hier nichts Neues mehr von mir lesen könnt, wisst ihr warum…

  • Übers Bloggen

    Vor fast einem Monat las ich Anke Gröners Gedanken über das Bloggen. Kurze Zeit später dachte auch Diana über ihr Hobby nach. Und auch mir kribbelt es schon länger in den Fingern, etwas über das Bloggen zu sagen. Denn ich stellte auch in anderen Blogs fest, dass die Schreiber sich derzeit einige Gedanken machen. Über das Bloggen an sich, über Besucherzahlen, über Werbung und über die Position der Blogs im Vergleich zu anderen Medien.

    Nun, über letzteres denke ich ehrlich gesagt nicht allzu sehr nach. Meine Erfahrung dahin gehend ist eher, dass der durchschnittliche Internet Benutzer noch immer nicht weiß, was ein Blog ist. Weshalb ich noch immer gerne „Homepage“ sage, wenn ich von allesroger.net spreche. Die Erklärung, was ein Blog ist, kommt ohnehin nicht an. Weiterhin wissen noch immer zuviele Leute nicht, dass man ein Blog abonieren kann, kennen die Funktion und Nutzung von RSS Feeds gar nicht. Manchmal denke ich, das scheinen nur Featueres für uns Geeks zu sein. Traurig. So kommt es, dass ich immer wieder von Leuten höre „Was für einen Artikel? Ich war doch erst vor zwei Wochen auf deiner Homepage…“ Tja, in zwei Wochen kann eine Menge passieren.

    Ihr merk schon, das wird wieder so ein Jammerartikel. „Buhu, keiner liest mich.“ Naja, lasst mich erklären, wieso es nicht ganz so schlimm ist.

    Sehr oft höre ich von anderen Bloggern, sie würden nicht für die Leser schreiben, sondern nur für sich selbst. Das halte ich zunächst mal für Quatsch. Wenn ich tatsächlich nur für mich schreiben würde, müsste ich den getippten Text abspeichern, in einen Ordner auf meiner Festplatte verschieben und den Rechner runter fahren. Ich würde mir kaum die Mühe machen, ihn online zu stellen, die Seite nach meinen Wünschen zu gestalten und bei Google anzumelden. Sprich: sobald ich meinen Text online stelle, gebe ich ihn auch an die Öffentlichkeit und damit schreibe ich nicht für mich, sondern für die Öffentlichkeit, die ihn doch bitte lesen möge.

    Bei mir ist es tatsächlich so, dass ich nur deshalb ein Blog habe. Ja, ich möchte gelesen werden. Und noch mehr: ich möchte auch das Feedback. Ich möchte mit meinen Artikeln unterhalten, hinweisen und manchmal auch etwas provozieren. Und ich möchte mich in den Kommentaren mit den Lesern darüber auseinandersetzen. Ich möchte wissen, dass meine Texte jemanden erreichen und eine Reaktion hervor rufen. Ganz gleich ob sie mit mir einer Meinung sind oder nicht. Ich möchte gehört werden. Die ewige Suche nach Anerkennung? Mag sein. Ich erinnere mich an die Zeit, als ich meine alte Homepage ebrake.de unterhielt. Dort stellte ich meine Romane, Kurzgeschichten, Gedichte und Fotos aus. Liebend gern hätte ich von den Menschen etwas dazu gehört. Denn nur so bringt es einen als „Künstler“ weiter. Man braucht das Feedback. ebrake.de war allerdings eine typische, starre HTML Homepage und nicht auf Interaktivität ausgelegt.

    Mit meinem Blog hoffte ich, würde sich das ändern. Allerdings stelle ich noch immer fest, dass sich die Kommentare erschreckend in Grenzen halten. Und, was noch schlimmer ist, gerade bei mir wichtigen Artikeln ist dies der Fall. Schreibe ich über die Ungerechtigkeit in dieser Welt (um es mal so auszudrücken) meldet sich niemand zu Wort. Schreibe ich allerdings darüber, dass ich einen Fleck auf meinem Hemd habe (um es mal so auszudrücken) habe ich plötzlich acht Kommentare. Ich finde das eigenartig.

    Anke Gröner schrieb in ihrem Artikel, dass sie sich gar nicht mehr mit den Kommentaren auseinandersetzen will und sie deshalb deaktiviert habe. Sie hatte gemerkt, dass sie nur noch für die Diskussion schreibt und nicht mehr dafür, was sie eigentlich schreiben will. Gut, vielleicht meinte sie das damit, dass sie nur noch für sich selbst schreiben will und keinen Pfifferling darauf gibt, was man von ihr und ihrem Geschreibe hält (ich mag es übrigens und würde gerne hin und wieder einen Kommentar abgeben). Bei mir ist es allerdings etwas anders. Auch ich scheibe grundsätzlich nur über Themen, die mich interessieren. Ich habe noch nie und werde auch nie einfach ein populäres Thema suchen, nur damit ich es auch mal angesprochen habe, wenn ich doch eigentlich gar nichts dazu sagen kann. Man könnte sich ja einfach nur über die meist gesuchten Technorati Begriffe etwas aus den Fingern saugen.

    Nein, mein Blog bleibt mein Blog, was Design und Inhalt angeht. Ich werde mir das weder von Besucherzahlen oder von Kommentaren madig machen lassen. Obwohl ich etwas zugeben muss. Ich hatte vor einiger Zeit die Tendenz, mehrmals täglich meine Besucherzahlen zu checken. Der Grund war, dass sie überraschend hoch waren. Ich konnte es mir nicht erklären, stellte aber fest, dass es mich ungemein motivierte. Plötzlich schrieb ich teils drei Artikel am Tag. Nur weil ich meiner neu gewonnenen Leserschaft etwas bieten wollte. Auch hier waren es nur Artikel, die ich auch schreiben wollte (ich habe noch dermaßen viel in Petto). Und dann… waren die Leser plötzlich wieder weg. Feedburner sagte mir mit einem Male, dass zwanzig Abonnenten abgesprungen seien. Und ich fiel in ein Loch.

    So ist das mit uns Löwen. Wir wollen die Aufmerksamkeit. :-) Mir wurde dabei eines klar. Ich schreibe zwar was ich will, aber ich schreibe definitiv nicht für mich. Ich lasse mich wirklich von äußeren Einwirkungen beeinflussen. Das Bloggen wurde ein klein wenig zur Sucht, ich war high als meine Zahlen nach oben gingen, ich ging auf Entzug, als die Zahlen nach unten gingen.

    Was dazu führte, dass ich Anke Gröner verstehen kann. Sie wollte kein Sklave ihres Publikums sein.

    Dennoch könnte man natürlich die Frage stellen, weshalb man sich dann die Mühe macht. Wenn es keine Sau interessiert, was man von sich gibt, was soll dann der Stress? Ich bin immer wieder leicht beleidigt, wenn ich fest stelle, das selbst die Menschen in meiner unmittelbaren Nähe nicht lesen, was ich schreibe. Schließlich ist bloggen für mich auch eine Art Kunst. Zumindest ich versuche, meine Texte auch entsprechend zu gestalten, entsprechend zu formulieren, dass sie wie kleine Geschichten daher kommen. Und auch hier wieder: Jeder Künstler möchte ganz einfach wahrgenommen werden. Würden meine Freunde schreiben, malen, musizieren oder regelmäßig auf dem Sportplatz kämpfen, wäre ich gerne dabei und würde gerne meine Kritik und Lob loswerden. Einfach, weil ich weiß, warum. selbst wenn jeder von ihnen nur deshalb schreibt, malt, musiziert oder über den Platz rennt, weil es ihm einfach nur Spaß macht.

    Quintessenz des Ganzen? Ich werde genauso weiter schreiben wie bisher. Die Themen und die Artikel, die ich möchte. Ich werde mich in keine Richtung verbiegen und anfangen, nur der Zahlen wegen etwas zu ändern. Ich werde lernen, dass Besucherzahlen nicht alles sind. Dass die wenigen Leser, die ich habe, gerne kommen (wenn auch meist nur über Google und mit den immer wieder gleichen Suchbegriffen). Ich werde mich damit abfinden müssen, dass man als kleiner Blogger eben nicht die Resonanz und das Feedback bekommt, das man sich wünscht. Und gerade deshalb werde ich mich über jeden Kommentar freuen und auch über jeden Tag, an dem die Besucherzahl die Hundertermarke überschritten hat.

    Übrigens erzählte ich einem meiner neuen Arbeitskollegen, dass ich ein Blog betreibe. Seine Atwort war nicht wie erwartet „Oh, klasse, worüber schreibst du, wie lautet die Adresse?“ sondern leidiglich: „Wozu?“ Das war eine dermaßen gute Frage, dass ich heute noch darüber nachgrüble.

  • Shooter

    Letztens kam ich endlich dazu, Half Life 2 – Episode 1 zu Ende zu spielen. Für mich immer noch einer der besten Ego-Shooter , die es auf dem Markt gibt. Hier stimmt einfach alles. Grafik, Atmosphäre, Story, Soundeffekte und immer wieder unfassbar spannende Momente. Am gleichen Tag beendete ich auch das Add-on Extraction Point zum Ego-Shooter F.E.A.R. Auch hier gilt: sensationelle Grafik, phantastischer Sound, spannende Story und eine Grusel-Atmosphäre, wie ich sie bisher noch nie erlebt habe. Ungelogen saß ich mehr als einmal mit Gänsehaut da, spürte mein Herz klopfen, wagte nicht, um die nächste Ecke zu gehen. Es war herrlich.

    Und nun? Crysis ist noch weit weg, also legte ich mir S.T.A.L.K.E.R zu (oh Mann ist das nervig zu tippen mit all diesen Punkten). Stalker hat eine lange, tragische Geschichte hinter sich, wurde 4 Jahre lang entwickelt, immer wieder angekündigt und doch verschoben und erblickte mit viel Glück letztendlich doch das Licht der Spielerwelt. Man ist als Artefaktsammler in den versuchten Gebieten rund um Tschernobyl unterwegs. Die gruslige Endzeit-Atmosphäre wurde mit grandioser Grafik und tollen Effekten sehr gut eingefangen. Aber mir fiel bald auf, was mir an dem Spiel nicht gefällt.

    Es ist die Freiheit. Die viel gelobte, hoch angepriesene Freiheit. Jederzeit kann man gehen, wohin man möchte, man kann immer tun was man möchte. Und genau das ist in meinem Augen unsinnig. Denn wenn ich alles tun kann, kann ich auch einfach nichts tun. Anders ausgedrückt: das Besondere an Half Life und Fear ist die Tatsache, dass man als Spieler keine andere Wahl hat. Man muss von A nach B kommen, es gibt nur einen Weg und man muss sich allen Gefahren auf diesem Weg stellen. Im Grunde also wie in einem spannenden Film. Auch beim Film geht es geradewegs vom Anfang zum Ende. Wie spannend wäre der Film noch, wenn man zwischendurch immer wieder entscheiden müsste, was der Held als nächstes tun soll?

    So erledige ich bei Stalker Aufträge, renne dann aber erst einmal wieder 10 Minuten durch das Land, um die Belohnung irgendwo abzuholen (inklusive dem mehrmaligen Neuladen der nächsten Level). Nur um dann wieder irgendwo anders 10 Minuten lang hinzurennen. Das nervt, das langweilt. Da ist eine Fabrik mit Feinden darin. Toll, ich kann auch einfach daran vorbei laufen. Suuperspannend. Da ist ein Monster hinter mir her. Ich kann auch einfach weiter rennen. Prima.

    Versteht mich nicht falsch, bei WoW mag ich die Freiheit, aber WoW setzt auch nicht auf spannende Atosphäre sondern auf eine andere Art des Abenteuers und des Sammelns. Bei einem Shooter aber sollte man als Held gezwungen sein, sich den Gefahren zu stellen. Und ich will innerhalb weniger Minuten von einer spannenden Stelle in die nächste geführt werden. Ich will das Gefühl haben, dass hinter jeder Ecke der Tod lauern kann. Al das kann Stalker nicht.

    Nehmen wir dazu noch einige dumme Designfehler und KI-Probleme, geht der Spaß irgendwann völlig flöten: Mitstreiter schieben mich einfach aus meiner Deckung wenn ich im Weg stehe. Sie stellen sich in meine Schusslinie und erschießen mich, wenn ich dann aus Versehen einen von ihnen erschieße. Das Beute sammeln ist sehr umständlich gemacht. Der größte Witz ist der Rucksack, da passt nur eine bestimmtes Gewicht hinein. Man kann ihn aber so weit voll packen, bis der Charakter einfach nicht mehr weiter läuft. Das wurde mir zum Verhängnis. Ich plünderte ein Opfer, sah den nächsten Feind auf mich zu rennen und wollte in Deckung gehen, da sagte mir das Spiel, der Rucksack sei zu voll. Ich klebte fest. Bis ich etwas heraus geworfen hatte, war ich schon tot. Das ist verdammt ärgerlich und hätte um einiges besser gelöst werden können.

    Alles in allem hinterläßt Stalker bei mir einfach einen faden Beigeschmack und wird es nie schaffen, auch nur annähernd eine Spannug wie Half Life 2 oder Fear zu erzeugen.

  • Roger and me

    Hallo liebe ROGER Redaktion, hallo Herr Siebertz. Ich hatte Ihnen ja versprochen, ROGER-Unterstützer zu werden, also ein Magazin käuflich zu erwerben. Wie Sie auf folgendem Foto sehen, habe ich mein Versprechen gehalten. Gleichzeitig soll dieses Foto eine Bewerbung für ein Cover-Shooting werden. Gerne auch für die übernächste Ausgabe (da in der nächsten ja ein weibliches Gesicht das Cover zieren wird). Ich bin übrigens recht angetan von Ihrem Magazin, obwohl ich nicht wirklich die Zielgruppe bin. Aber die teils englischen, teils deutschsprachigen Texte rund um Design und die Leute, die sich damit befassen, sind recht interessant. Das Heftdesign gefällt auch – Sie machen meinem Namen damit alle Ehre. Ach, und ich sage all das nicht nur, um (immer noch) in den Besitz der „I love ROGER“ Buttons zu kommen, die hoffentlich nicht mehr lange „aus“ sein werden. Da fällt mir ein, dass ich demnächst nach Duisburg umziehe, als ganz in Ihre Nähe. So habe ich es nicht so weit zum Shooting. Die Lieferadresse für die Buttons teile ich Ihnen gerne noch mit. Ich freue mich schon jetzt auf eine Antwort. Mit freundlichen Grüßen…

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  • Dopingaffäre: Ich gestehe

    Ich kann so nicht mehr weiter leben. Mit dieser Schuld, diesem schlechten Gewissen, dieser ganzen Heimlichtuerei. Diese ehemaligen Telekom-, T-Mobile-Radsportler sind mir ein Vorbild, auch diese geständigen Freiburger Ärzte, alle die sich jetzt dazu entschlossen haben, endlich die Wahrheit zu sagen. Denn auch ich möchte gestehen: Ja, ich habe gedopt. Ich hab im Frühjahr 1983 verbotene Mittel eingenommen, um meine Leistung zu steigern. Zu diesen Mitteln gehörte damals auch Traubenzucker. Ich habe vermutlich zwei Rollen Traubenzucker gegessen. Besorgt hatte mir dieses Teufelszeug ein Freund, dessen Vater in einer Apotheke arbeitete. Ich möchte weder den Namen des Freundes noch den seines Vaters nennen. Hier stehe nur ich, schuldbehaftet, demütig, um Vergebung bittend. Ich war nur ein Mensch, ein Kind. Ich wußte es nicht besser. Und es war so lecker.

    Allerdings bekam ich trotz des Dopings nur eine Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen ’83. Wie ich finde, ein Beweis, dass alle meine Konkurrenten damals noch schlimmere Dinge eingenommen haben müssen, wie Mineralwasser oder Frischluft oder gar … ich wage gar nicht daran zu denken. Ich möchte mit diesem Geständnis ein Zeichen setzen und all Schüler von damals aufrufen, zu gestehen. Damit endlich wieder Fairness in den Sport zurück kehrt.

    Übrigens ist das nur ein Geständnis, dass ich gedopt habe. Das hat nicht das Geringste mit Dope zu tun und außerdem habe ich nie inhaliert.

    [Zusatz: Nein, ich werde nicht weinen.]

  • Sometimes I speak not so good English

    Oh, wie ich es hasse, wenn Kunden völlig überraschend Fragen in englischer Sprache stellen. Da stehe ich regelmäßig erstmal wie ein Depp da, stammle vor mich hin, werfe ein paar englische Substantive und Verben in den Raum und gestikuliere wild mit den Händen, in der Hoffnung, man möge mich verstehen. Bisher hat das auch immer funktioniert, dennoch ärgert es mich. Hallo, wozu schaue ich denn ständig TV-Serien und Kinofilme im Original an? Wozu kann ich denn jeden englischen Text lesen und verstehe im Grunde auch alles, was man mir auf Englisch sagt, wenn ich meinerseits keine vernünftige Antwort zustande bringe? Denn das Schlimmste an dieser Misere ist, dass ich, sofort wenn der Kunde von dannen zieht, die perfekte Antworten parat habe. In geschliffenem, lupenreinem Englisch. Nur leider zu spät. Und jedesmal sage ich mir, dass ich mir beim nächsten Mal mehr Zeit nehme und länger über meine Antwort nachdenke (etwas, dass auch viele  Deutsche in ihrer Landessprache tun sollten). Ich schätze, ich brauche wirklich mal ein wenig Auslandsaufenthalt um meine Sprachkenntnisse zu festigen. Neuseeland, so für ein bis vierzig Jahre. Sounds great.

  • Roger Potter hat ’ne Bude

    Meine Güte, da ist man mal ein paar Tage nicht da und schon rutschen die Besucherzahlen meines Blogs auf unter 50. Das muss aber wieder anders werden, liebe Freunde. Ich bin wieder zurück von meinem Trip. Zwei Tage lang sah ich mir alle möglichen Wohnungen in und um Duisburg an und besuchte danach noch meine damalige Freundin und die Familie am Bodensee. An dieser Stelle möchte ich nochmals Britta und Enza danken, meinen beiden Immigrationsbeauftragten für Duisburg, die mich in ihrem Bettchen schlafen und von ihrem Tellerchen essen ließen (dabei habe ich weder das eine noch das andere getan – aber ihr wisst ja was ich meine).

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  • Pläne und Ziele

    Schon erstaunlich, wie man bei einem Neubeginn automatisch Pläne schmiedet und sich gute Vorsätze überlegt. Wie an Silvester zum Beispiel. Derzeit habe ich angesichts meiner „Alles auf Null“ Kampagne und meines bevorstehenden neuen Lebens auch die tollsten Ideen. So habe ich mir fest vorgenommen in Zukunft öfter mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Dazu suche ich natürlich Wohnungen in einem fünf Kilometer Radius. Weiterhin möchte ich gerne wieder regelmäßig ein Fitness Studio besuchen. Aber nicht um meiner Eitelkeit Willen. In erster Linie, weil mir Bewegung ganz einfach gut tut. Besonders meine Nacken- und Schulterpartie bedarf eines besonderen Trainings und würde dadurch hoffentlich von ständigen Verspannung und eingeklemmten Nerven verschont bleiben. Als angenehmen Nebeneffekt erhoffe ich mir natürlich auch einen Abbau der beginnenden Wampe.

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  • Eurovision Song Contest 2007

    Aus Mangel an Alternativen tat ich mir gestern den Eurovision Song Contest 2007 im Ersten an. Ich dachte, es könnte vielleicht spaßig werden. Und nun ja, irgendwie war es das ja auch. Wenn man folgendes bedenkt: Der European Song Contest ist Trash in Reinkultur. Hier gewinnt nicht das Land mit dem besten Lied oder dem besten Sänger. Hier gewinnt das Land, das die meisten Freunde in Osteuropa hat und/oder den schrägsten, schrecklichsten Song und/oder den entsetzlichsten aller Sänger und/oder die ausgeflippteste Performance und/oder Outfit. Sich also über das schlechte Abschneiden des deutschen Roger Cicero aufzuregen ist daher unnötig. Er war sehr gut, ohne Frage. Aber er hat nicht verstanden, dass man mit einem guten Song und einer guten Stimme bei diesem Wettbewerb nichts gewinnt. Man darf all das einfach nicht zu ernst nehmen. Denn wer den Fehler macht und den europäischen Sänger-Wettstreit ernst nimmt, der glaubt vermutlich auch, dass der Gewinner von DSDS tatsächlich ein Superstar ist.

    Aber mal zwei Fragen: Zum wievielten Mal bekam die Türkei eigentlich zwölf Punkte von Deutschland? Und würde es Sinn machen, einen West-European und einen East-European Song Contest zu veranstalten?

  • Das schwarze Band

    Gestern fuhr ich auf dem Weg zu meinen Großeltern durch Auggen. An beiden Ortsschildern hat jemand jeweils ein schwarzes Tuch angeknotet. Es weht dort leicht im Wind und sendet eine stille, subtile Nachricht aus. Jeder, der weiß, was vor kurzem in Auggen passiert ist, versteht diese Nachricht. Man fühlt sich sofort beklemmt und unwohl. Seltsam aber, an den Blumen und Kreuzen, die man hin und wieder neben der Straße (meist an Bäumen) sieht, fahre ich immer achtlos vorbei.

  • Mirjams Mörder ist gefasst

    Drei Wochen nach dem schrecklichen und gleichsam rätselhaften Mord an der 13-jährigen Mirjam aus meinem Nachbardorf Auggen ist der Täter nun gefasst. Es ist ein 31-jähriger Mann, der in Auggen wohnt und gestern festgenommen wurde. Man hatte ihn während der Ermittlungen befragt, wobei er sich wohl in einige Widersprüche verstrickte. Nachdem man ihm eine Speichelprobe abgenommen und diese DNA mit den Spuren am Tatort verglichen hatte, wurde er als Haupttatverdächtiger festgenommen. Nun gestand er den Mord. Ein Motiv soll immer noch nicht festzustellen sein.

    Und damit bleibt es rätselhaft, schrecklich und unverständlich. Ich frage mich, was schlimmer ist. Wenn Triebtäter frei gelassen werden und sich wieder und wieder an Kindern vergreifen – oder wenn die Gefahr unerkannt beim Nachbarn lauert. Deshalb wiederhole ich meine Frage an den Herrn Schäuble nochmal: Wie gedenken Sie in Zukunft kleine Mädchen vor Verbrechern zu schützen?

  • Wie man einen A380 räumt

    Das neue Flaggschiff des Flugzeugherstellers Airbus ist der A380. Damit dieses zweistöckige Riesenflugzeug seine Zulassung bekommt, muss es eine lange Reihe von Tests bestehen. Dazu gehört unter anderem auch der, ob man das komplett mit 873 Menschen besetzte Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden räumen kann. Und die lediglich durch die Hälfte der ansonsten zur Verfügung stehenden Ausgänge. Auf arte zeigte man diesen Test. Hochdramatisch das Ganze, auch wenn es etwas nach „Wetten dass“- Außenwette aussieht.

    Zumindest hat man es innerhalb von 77 Sekunden geschafft. Ob das in einem echten Notfall und mit Menschen, die in Panik und nicht vorbereitet sind, auch so gut klappt, ist natürlich eine ganz andere Frage. via

  • 119 Mal Lost

    Eine der faszinierendsten und spannendsten TV-Serien die ich kenne ist, ist neben "24" mit Sicherheit "Lost". Nie zuvor saß ich bei jeder einzelnen Folge so gebannt vor dem Schirm wie bei der Geschichte um eine Gruppe von Menschen, die nach einem Flugzeugabsturz auf einer mysteriösen Insel zu überleben versuchen. Und nie zuvor sagte ich am Ende einer jeden Folge "What the f…" wenn es einen noch abgedrehteren, noch neugieriger machenden Twist und Cliffhanger gab. Lost macht süchtig. Deshalb läuft die Serie in den USA bereits in der dritten Staffel sehr erfolgreich. Allerdings wissen die Produzenten der Serie wohl, dass sie die Zuschauer nicht mehr lange hinhalten können. Irgendwann verlangen sie ganz automatisch nach Antworten, die bisher nur spärlich geliefert wurden. Jede neue Episode wirft noch mehr Fragen auf. Deshalb gab man nun vor kurzem, passend zum bevorstehenden Ende der dritten Staffel am 23.Mai, folgende Meldung heraus:

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  • Landflucht

    Eigenartig. Seit zehn Jahren wohne ich in dieser Wohnung und war auch immer recht zufrieden. Nicht zuletzt wegen des Edeka Marktes, den ich direkt unter mir hatte. Extrem praktisch war das und es wird eine gehörige Umstellung für mich sein, nach meinem Umzug wieder zu einem Supermarkt "fahren" zu müssen. Und nicht einfach sagen zu können: "Oh, die Milch ist alle, ich geh schnell mal runter."

    Und nun erfahre ich doch gerade, dass der Edeka ebenfalls dabei ist, hier auszuziehen. Ende des Jahres wird es ihn nicht mehr geben (dafür kommt bestimmt so ein Billigmarkt rein, der nur abgepacktes Zeuchs hat). Doch nicht nur das. Außer mir ziehen in diesem 6 Parteien Haus noch vier weitere Leute aus oder sind schon weg). Eigenartig. So viele Nachbarn habe ich hier kommen und gehen sehen und nun gehen alle fast gleichzeitig. Tja, die Hebelstraße wird nach meinem Weggang einfach nicht mehr die alte sein.

  • Mein neues Leben – Alles auf Null

    Die Verträge sind unterschrieben. Die Tinte ist trocken. Es ist entschieden. Ich werde mein geliebtes Müllheim verlassen. Auch Freiburg werde ich den Rücken kehren, dem Breisgau, dem Markgräflerland, ja sogar Baden Württemberg wird mich nicht mehr zu seinen Bewohnern zählen können. Am 1.Juli 07 beginnt mein neues Leben in Duisburg. Und wie ihr euch vorstellen könnt, bin ich ganz schön aufgeregt.

    Wenn ich von meinem neuen Leben spreche, meine ich das auch tatsächlich so. Zunächst ist Duisburg und der komplette Ruhrpott eine völlig neue und fremde Umgebung für mich. Und für jemanden, der seine Jugend im beschaulichen Weil am Rhein verbrachte und die letzten zehn Jahre im schnuckeligen Müllheim wohnte, kommt der Umzug in eine Großstadt einem kleinen Kulturschock gleich.

    Es gibt natürlich einen Grund, weshalb ich diesen Umzug auf mich nehme. Ich habe einen neuen Job. Und auch hier handelt es sich um etwas völlig Neues und mir weitestgehend Unbekanntes. Somit ist auch die berufliche Neuorientierung ein Sprung ins kalte Wasser für jemanden, der Zeit seines Lebens nur einen Beruf ausgeübt hat. Nämlich den des Lokführers, der natürlich ein Kindheitswunsch war.

    Nun also etwas Neues. Eigentlich alles Neu. Alles auf Null.

    Ich habe diesen Satz „Alles auf Null“ in letzter Zeit oft gebraucht. Nun ist der Grund dafür wohl klar. Denn mit der Neuausrichtung meines Lebens wurde auch der Wunsch geweckt, sich von alten Dingen zu trennen, alte Zöpfe abzuschneiden. Daher zum Beispiel die Entscheidung, meinen Roman vom Markt zu nehmen. Daher auch der Gedanke, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, auf Apple umzusteigen (in meinem Träumen sehe ich mich in meinem Großstadtloft an einem dunklen Eßzimmertisch sitzen, auf dem lediglich eine mit Obst gefüllte Schale, ein Glas Rotwein und ein silbernes MacBook steht). Es gab noch einige Details mehr, die sich bereits geändert haben oder es noch werden. Wichtige, wie banale. Es ist in der Tat aufregend.

    Und gleichzeitig auch traurig. Denn ich lasse nicht nur Ballast zurück, sondern auch lieb gewonnene Menschen und meine Heimat. Also alles, was zu mir gehört. Darüber hinaus lasse ich auch profane, wirklich banale Dinge zurück, wie zum Beispiel die Möglichkeit, SWR3 zu hören, einfach so in die Schweiz zu fahren oder Pizzafleischkäse (scheint es im Ruhrpott nicht zugeben). Das klingt lächerlich, doch wird mir immer stärker bewusst, welche Vielzahl an Details es sind, die die Heimat eben zur Heimat machen.

    Was die lieb gewonnen Menschen anbelangt, so habe ich doch die starke Hoffnung und den Willen, alle durch gegenseitige Besuche so oft wie möglich zu sehen. Allen voran natürlich die Familie und die damalige Freundin, die ich hier im Ländle zurück lasse. Aber auch die Freunde, die sich selbst schon in ganz Deutschland verteilt haben. Und sogar die Freiburger Blogger, zu denen ich demnächst nicht mehr gehören werde.

    Wer mich näher kennt, weiß, dass ich im Grunde meines Herzens ein Dinosaurier bin (ich denke da an diese großen, trägen Pflanzenfresser mit dem langen Hals und dem ebenso langen Schwanz), der sich nur schwer anpassen kann und es gerne so hat, wie er es gewohnt ist. Umso erstaunlicher mag meine Entscheidung sein. Ein neues Leben in fremder Umgebung, mit einem neuen, unbekannten Job, ohne Sicherheitsnetz und Rückfallebene – das war 30 Jahre lang nicht gerade mein Wunschtraum. Aber umso wichtiger, umso besser und umso aufregender ist es nun, dieses Abenteuer zu wagen. Wann, wenn nicht jetzt?

    Nun gut, manch einer wird vielleicht denken, ich solle mich nicht so anstellen. Schließlich ziehe ich ja nur 500 Kilometer in den Norden. Fast jeder hat etwas ähnliches in seinem Leben schon hinter sich gebracht. Wer dies allerdings noch vor sich hat, es sich gar nicht erst vorstellen kann, oder nun, mit 33 Jahren zum ersten Mal einen solchen Schritt wagt, wird mir meine Aufregung vielleicht nachfühlen können.

    Glücklicherweise gibt es ja auch vieles, das sich nicht ändern wird. Mein Blog wird weiterhin bestehen. Und ich bleibe auch weiterhin per Chat, Mail oder Phone erreichbar. Selbstverständlich wird mich alles, was mir ans Herz gewachsen ist, in die „Fremde“ begleiten. Meine Filme, die Bücher, ja sogar meine geliebten Songs auf meinem iPod und noch banalere Dinge. An Erinnerungen mangelt es also nicht und ich überlege, mir vielleicht noch eine von diesen Städte Jacken mit einem Freiburg Schriftzug zu kaufen (oder schenken zu lassen). Der Dinosaurier zieht auf eine neue Weide und nimmt sich dabei ein Bündel seines Lieblingsgrünzeugs mit.

    Derzeit bin ich auf intensiver Wohnungssuche, was sich etwas knifflig erweist. Man kann ja nicht eben mal nach Duisburg fahren, um sich ein Objekt anzusehen. Außerdem muss ich noch eine günstige Umzugsspedition finden, da mir ein Freund einen versprochenen LKW nun doch nicht zur Verfügung stellen darf. Bald schon wird das Rennen auf verschiedene Ämter losgehen.
    Anrufe mit Ummeldewünschen werden getätigt und dutzende Mails und Briefe werden verschickt, um den neuen Wohnort zu verkünden.

    Am 9.Juni arbeite ich zum letzten Mal in meinem alten Job. Damit wird eine kleine Ära zu Ende gehen, denn mein Traumjob Lokführer wird nach diesem Tag hinter mir liegen. Und eine neue, spannende Herausforderung wird seinen Platz einnehmen.

    Alles auf Null.

    Erinnert ihr euch, wie ich vor kurzem erzählte, dass ich mir manchmal vorstelle, mein Leben sei eine Fernsehserie? Nun, die Serie „Roger Graf – ein Lokführer aus Müllheim“ geht ihrer letzten, finalen Episode entgegen. Es werden in den verbleibenden Folgen hoffentlich nochmals alle Darsteller auftreten und alle lieb gewonnenen Locations besucht. Ich hoffe, die Serie endet schön, ohne großes Drama oder Herzschmerz, dafür aber mit dem Gefühl, ein vorübergehendes Happy End erreicht zu haben (um sich auf die Suche nach dem nächsten zu begeben). Ich hasse Abschiede.

    Ich stelle mir vor, die letzte Szene läuft folgendermaßen ab: Ich stehe in der nun zum ersten Mal seit zehn Jahren leer stehenden Wohnung und sehe mich ein letztes Mal um. Dann schnappe ich meinen Rucksack, gehe hinaus und schließe die Tür hinter mir. Dazu hört man im Hintergrund Bruce Springsteens „Glory Days“.

    Und dann? Dann startet eine brandneue Serie in einer neuen Stadt, mit neuen Abenteuern. Ich hoffe auf viele Gaststars aus der alten Serie und ich hoffe, dass die neue mindestens genauso spannend, witzig, dramatisch, nachdenklich, traurig, besinnlich und manchmal etwas schräg wird, wie die alte.

  • Gedanken über Mirjam und die innere Sicherheit

    Am morgigen Freitag wird die 13-jährige Mirjam in meinem Nachbarort Auggen beerdigt. Das Mädchen wurde letzte Woche tot in einem Dornengebüsch gefunden. Offenbar war es auf dem Weg zur Schule überfallen, getötet und danach dort versteckt worden. Noch gibt es weder ein Motiv noch hat man einen Täter gefunden, obwohl die Polizei hunderte von Zeugen befragte und ebenso vielen Hinweisen nachging. Aber es scheint noch immer eine heiße Spur zu fehlen. Nun denkt man darüber nach, einen DNA Massentest zu veranstalten, an dem ich mit Sicherheit auch teilnehmen müsste (alleine schon, weil ich vermutlich in das Täterprofil passe: männlich, jung, mittelständisch, ledig und ich spiele Killerspiele). Und gerade jetzt, in einer Zeit, in der sich der deutsche Staat wünscht, seine Bürger mehr und mehr überwachen zu können, frage ich mich, was geschähe, wenn ich mich diesem DNA Test verweigerte.

    Versteht mich nicht falsch. Auch ich möchte, dass dieser Verbrecher so schnell wie möglich gefasst und seiner Strafe zugeführt wird. Auch habe ich im Grunde nichts dagegen, wenn die Polizei alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, um ihn zu schnappen. Doch nehmen wir einmal an, ich möchte nicht, dass der deutsche Staat in den Besitz meiner DNA Daten kommt. Genauso wenig wie ich möchte, dass er meinen PC regelmäßig durchsucht, dabei zusieht, wo ich surfe, meine Mails liest, meine Telefonate abhört, Einblick in meine Konten bekommt oder Wanzen in meiner Wohnung versteckt. Nehmen wir an, ich bin paranoid genug zu glauben, dass der Staat all meine Daten und alles, was mich als Bürger Roger Graf auszeichnet zusammen trägt und mit der DNA und den biometrischen Daten speichert. In der Hoffnung, jetzt oder zukünftig mehr Kontrolle über mich zu haben. Will ich das?

    Ich habe ein Alibi für den Tatzeitpunkt. Ich war arbeiten und mehrere hundert Menschen könnten das vermutlich bezeugen. Könnte ich mich nun anhand meines Alibis einem DNA Test entziehen? Ich habe keine Ahnung, wie die rechtliche Seite hier aussieht. Aber stünden vielleicht wenige Stunden später die Kripobeamten erneut vor meiner Tür, in der Hand einen Gerichtsbeschluss, der ihnen erlaubt, mir ein Wattestäbchen in den Mund zu stecken? Und was wäre, wenn ich gar kein Alibi hätte und den Test dennoch verweigern würde?

    Kurz gesagt: Machte ich mich automatisch verdächtig, wenn ich mich weigerte, bei der Aufklärung dieses Verbrechens hilfreich zu sein?

    Und machte ich mich verdächtig, wenn ich mich weigern würde, dem deutschen Staat und dem lieben Herrn Schäuble auch nur etwas mehr als meine Anschrift zu geben? Bin ich dann automatisch ein Verbrecher? Ein Terrorist gar?

    Um ehrlich zu sein, ich glaube dass solche Verbrechen auch mit einer kompletten DNA Datenbank geschehen können. Wenn ein Täter in seinem Wahn meint, er müsse ein unschuldiges Kind erdrosseln, denkt er garantiert nicht über möglicherweise hinterlassene Spuren nach. Auch halte ich eine deutsche DNA Datenbank gerade hier im Dreiländereck, also im Grenzgebiet, für einigermaßen wirkungslos. Lückenlose Kameraüberwachung ist Fehlanzeige. Biometrische Daten im Ausweis wären hier ebenfalls Makulatur.

    Sei’s drum. Dieses Verbrechen muss aufgeklärt werden. Von mir aus soll die Kripo meine DNA auch bekommen. Aber woher weiß ich, was mit diesen Daten später geschieht? Werden sie gelöscht? Wer gibt mir hierfür Garantien? Und vor wem muss ich mich in Zukunft mehr fürchten? Vor Verbrechern, Terroristen oder dem eigenen Staat, der mehr über mich weiß als meine eigene Mutter? Ein ungutes Gefühl.

    Ja, ich weiß: „Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich auch vor nichts zu fürchten“, höre ich schon allerorten. Erzählt das mal jemandem, der unschuldig unter einem Überwachungsstaat litt. Haben denn gerade wir Deutschen noch immer nichts gelernt?

    Daten sammeln und überwachen. Schön und gut. Besonders wenn es tatsächlich Verdachtsmomente gibt und es um Präventivmaßnahmen gegen Terrorismus geht. Doch wer entscheidet, wann Verdacht besteht? Und, sehr geehrter Herr Schäuble, ich fürchte mich weitaus mehr vor Wahnsinnigen, die aus irgendeinem Grund 13-jährige Mädchen töten, als vor islamistischen Terroristen (oder heißt es islamisch?). Hätte ich eine Tochter, würde ich mich vor jedem Zebrastreifen an einer viel befahrenen Straße, vor jedem abseits gelegenen Fahrradweg, vor jedem Discobesuch und vor jedem Kerl jeglichen Alters fürchten. Also vor jeder potentiellen Gefahr, der ein Mädchen heute mehr oder weniger ausgesetzt sein kann. Aber dass ein Terrorist die Auggener Bushaltestelle in die Luft sprengt und mehrere Unschuldige mit in den Tod reißt, halte ich dagegen für eher unwahrscheinlich. Ganz egal, wie gut die Überwachung bisher war. Anders herum gefragt, Herr Schäuble: Wie gedenken Sie in Zukunft kleine Mädchen vor Verbrechern zu schützen?

    Zugegeben, dieser letzte Abschnitt klingt vielleicht etwas übertrieben. Wir leben in einer bösen Welt, oder zumindest wird uns gesagt, wie böse die Welt ist. Aber keine noch so lückenlose Kontrolle kann Böses oder Schlimmes verhindern. Und ich weigere mich einfach, ab sofort in Angst oder mit schlechtem Gewissen zu leben.

    Natürlich begibt man sich mit einem Text wie diesem in eine Grauzone. Man merkt es vielleicht auch an meiner Zerrissenheit. Man könnte mir zu jedem Aspekt dieses Artikels Fragen und Gegenargumente an den Kopf werfen. Was aber nichts brächte, da ich das schon selbst tue. Die Grenzen verschwimmen bei dem was nötig, was möglich und was tatsächlich zu vertreten ist. Und besonders wenn es um die Sicherheit unserer Kinder geht, sind rein objektive Argumente schnell passé. Wie weit kann, darf und muss ein Staat gehen, um Verbrechen zu verhindern und aufzuklären?

    Meine Gedanken sind bei jedem Trauernden, bei allen, die Angst haben, bei allen Kindern, die immer wieder Gefahren ausgesetzt sind. Mein Beileid den Verwandten und Freunden der kleinen Mirjam, die so sinnlos aus dem Leben scheiden musste.

  • Roger meldet sich

    Vor kurzem berichtete über das Design-Print-Magazin Roger, welches sich darüber freute, einen weiteren Roger in mir gefunden zu haben. In meinem daraufhin verfassten Artikel stellte ich zwei einigermaßen freche Forderungen um im Gegenzug Roger-Partner (also ein Spender) werden zu können. Nun meldete sich Herr Siebertz von der Online Redaktion zurück. Und diese Mail ist so charmant, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte:

    Hallo Herr ROGER Graf!

    Also unseren ROGER spricht man englisch aus. Und Ihrer Forderung gehen wir natürlich gerne nach. Zwar sind die Buttons gerade „aus“ – aber schon bald kommen frische auf den Markt. Mit Ihren Cover-Ambitionen – nun – wir werden sehen. Im Rahmen der Gleichberechtigung ist allerdings auf der nächsten Ausgabe wieder eine „ROGERine“ drauf. Das würde also sehr schwer für Sie (vermutlich).

    Schöne Grüße, Marco Siebertz

    Also Herr Siebertz, eine ROGERine könnte ich bestimmt problemlos verkörpern. Ob dies natürlich zuträglich für ihre Verkaufszahlen wäre, ist eine andere Frage. In diesem Fall warte ich gerne auf die übernächste Ausgabe und mein dortiges Engagement als echter, männlicher Roger. Aber ich danke zumindest schon mal für die noch „ausen“ Buttons.

  • Heck Mac

    Computertechnisch aufgewachsen bin ich mit einem Amiga. Nicht wie viele andere Menschen mit einem C-64. Ich war quasi schon einen Schritt weiter als ich einstieg. Denn der Amiga bot bereits zu seiner Einführung echtes Multitasking, eine Fenster und Maus geführte Benutzeroberfläche, phantastische Multimediale Möglichkeiten und ein Konzept, das einfach aus einem Guss war. Ganz anders als der PC, den man damals noch als IBM Kompatibel bezeichnete und Windows noch recht weit von seinem jetzigen Erfolg entfernt war. Der einzige Computer, der dem Amiga das Wasser reichen konnte, war entweder der Atari ST (vergessen wir ihn) oder ein Macintosh.

    So wäre es eigentlich die logische Konsequenz gewesen, nach dem Ende des Amigas zu Apple zu wechseln. Alles sprach dafür. Amiga User sind und waren schon immer den Apple Nutzern ähnlich, was ihre Ansprüche an einen Computer, an ein Betriebssystem und an die Entfaltung ihrer Kreativität anging.

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