Autor: Roger Graf

  • Avatar

    Ja, okay, Avatar ist Pocahontas in Space. So what? Ja, okay, man kann Avatar sehr vieles vorwerfen: kein wirkliches Charakter-Design, keine neuartige Story, flache Figuren und Dialoge. Ja, und manche schaffen es sogar, dem Film Fremdenfeindlichkeit und Rassismus vorzuwerfen. Neben der Holzhammer-artigen Message und Philosophie. Avatar bietet genug Fläche für Unmut und Hass. Der Film bietet aber auch genug Fläche, um ihn für einen der besten des vergangenen Jahres zu halten.

    Wer in einen Film wie Avatar geht und eine Litarturverfilmung erwartet, der möchte auch bei der Pizzeria um die Ecke einen 5-Sterne-Koch wissen. Avatar ist in erster Linie Spektakel, Bildgewalt, Feuerwerk. Und das par excellence. Noch nie, und ich wiederhole es gerne, noch nie habe ich etwas derartiges auf der Leinwand gesehen. Als James Cameron immer wieder betonte, er würde nur deshalb so lange an dem Film arbeiten, weil die Technik noch nicht so weit sei, ahnte ich Schlimmes. Schon die Matrix-Macher erzählten ähnliches über ihre Fortsetzungen. Wer Avatar aber insbesondere in 3D gesehen hat, kommt kaum umhin, Cameron beizupflichten. Als Schauwert ist der Film quasi perfekt.

    Die Grenzen zwischen Realität und Computer-Design sind noch nie so gut verschwommen. Obwohl die blauen, unwirklichen Navii aus dem Rechner stammen, vergisst man das schon nach wenigen Minuten.  Man vergisst alles. Der Film reißt einen mit, katapultiert den Zuchauer in eine fremde, faszinierende und wunderschöne Welt und nimmt ihm dabei den Atem. Genau dafür wurde Kino erfunden. Wie neu muss eine Geschichte sein, damit sie fesselt? Überhaupt nicht. Nicht das Neue fasziniert, sondern die Art, wie sie erzählt wird. Und hier erlaubt sich Avatar kaum Schnitzer.

    Kino, das mich den Atem anhalten lässt, das mich alles um mich herum vergessen lässt, das mich zum lachen bringt, mir Tränen in die Augen treibt und mich die Sitzlehne fester packen lässt, hat meiner Ansicht nach alles richtig gemacht. Avatar macht in dieser Hinsicht alles richtig. Er erzählt eine im Grunde bekannte Geschichte auf die bester aller Arten. Und ich persönlich bekomme lieber alte Geschichten packend erzählt, als neue lahm.

    Während des Abspanns da zu sitzen und keine Worte zu finden, was man eben zweieinhalb Stunden erlebt hat, ist mir schon sehr lange nicht mehr passiert. Im Übrigen bin ich auch erst jetzt davon überzeugt, dass der derzeitige 3D-Wahn seine Berechtigung haben kann. James Cameron hat sich mit diesem Film ein weiteres Denkmal gesetzt und es ist schon bezeichnend, dass er nun mit zwei Filmen die Liste der erfolgreichsten Filme anführt. Ich finde Avatar fucking großartig. Ich war und bin begeistert. In allen drei Dimensionen.

  • Der richtige Weg

    dunkel breitet er sich vor dir aus
    verschwindet noch vor dem horizont
    um dich herum nur dunkler wald
    stimmen flüstern daraus
    machen dir angst, zwingen dich zum umkehren
    zum aufgeben
    doch du weißt
    du bist auf dem richtigen weg

    siehst du die lichter da vorne
    dort willst du hin
    nur wenige werden verharren
    andere kommen dir entgegen
    rempeln dich an, reißen dich um
    lassen dich straucheln
    doch du wirst aufstehen und weiter gehen
    denn du bist auf dem richtigen weg

    du hast abkürzungen genommen
    bogst falsch ab
    und fandest dich in sackgassen wieder
    abkürzungen führen nie ans ziel
    manch leuchtende wege verlieren sich
    nur deshalb bist du dir sicher
    du bist auf dem richtigen weg

    kein flüstern schreckt dich mehr
    kein rempeln und straucheln hält dich auf
    du weißt, wohin du willst
    zu dem einen licht das verharrt
    du kennst dein ziel
    und du bist
    auf dem richtigen weg

  • Was bloggen wir denn heute?

    Wenn einer der Gründe, sich vom bloggen zu verabschieden der ist, nicht mehr so öffentlich zu leben und nicht mehr so viel von sich preis zu geben, dann hat man natürlich ein kleines Problem, wenn man doch wieder bloggt. Ein Blog ist per se immer persönlich. Selbst Kino-, Kochrezepte-, und Bastelanleitungstippsblogs sind in erster Linie persönlich (wenn sie von Privatpersonen erstellt und gepflegt werden). In diesen Fällen bestimmt letztlich nur das Thema den Ton. Beschließt man also zu bloggen ohne dabei persönlich zu werden, so muss man andere Themen finden.

    Seit dem 1.Januar hat mein Blog fünf neue Artikel zu bieten und ich muss gestehen, sie sind doch wieder persönlicher geworden als geplant. Ich kann auch hier offenbar nicht so wirklich aus meiner Haut. Denn die Alternative wäre wirklich nur, über Filme und Spiele zu schreiben. Oder das blöde Fernsehprogramm. Oder das Wetter. Nun ja. Nicht so prickelnd. Dazu gehen mir zu viele andere Dinge durch den Kopf und die wollen raus.

    Bloggen wird irgendwann zum Bumerang. Das Netz vergisst nie. Und die Leser erst Recht nicht. Bei jedem Satz muss im Hinterkopf die kleine Glocke läuten, die daran erinnert, dass jeder geschriebene Satz etwas bewirken kann, etwas auslöst. Wenn ich etwas hasse, dann sind es subtile Mitteilungen, die man in dieser medialen Welt lancieren kann. Früher, da ging man sich aus dem Weg und sah und hörte sich nie mehr.  Heute hinterlassen wir subversive Meldungen bei Twitter und Facebook, zeigen der Welt und ganz besonders dieser einen Person recht deutlich, was wir nicht persönlich sagen wollen oder können. Wir bloggen über ein bestimmtes Thema und wissen, dass eine ganz bestimmte Person es lesen und ganz genau verstehen wird, was wir damit meinen. Oder die Freunde dieser Person, die es pflichtbewusst weiter tragen.

    Das ist nicht schön. Und führte dazu, bereits jetzt drei Blogartikel auf Halde zu haben, die ich nur nicht veröffentliche, um keine Mitteilungen zu verschicken. Nicht einmal unbeabsichtigt. Ich fürchte, bestimmte Menschen könnten eben jene Artikel falsch verstehen und genau das gilt es zu vermeiden. Auf einem Blog macht man sich angreifbar. Und manchmal greift man auch an. Ich kenne das. Es ist ein schreckliches Spiel.

    Und was ist die Konsequenz daraus? Man könnte es sich leicht machen und sagen: Ich bin nur dafür verantwortlich, was ich sage/schreibe, nicht dafür, was du verstehst. Doch damit macht man es sich vielleicht doch zu einfach. Blogs und das Web2.0 sind nicht die reale Welt, ersetzen niemals ein Gespräch, sind kein echter Dialog, kein Austausch, sondern nur eine Ansammlung von Phrasen und Gedanken, die verstreut werden, in der Hoffnung irgendwo anzukommen.

    Aber es gibt persönliche Dinge, die ich loswerden möchte und das werde ich auch genau hier tun. Ich werde niemals jemanden direkt angreifen und ich werde ganz bestimmt keine subtilen Mitteilungen machen. Selbst dann nicht, wenn ich GENAU weiß, dass ein bestimmter Mensch es liest. Was ich den Menschen zu sagen habe, das sage ich ihnen. Und was ich denke – nun, auch das sage ich. Und ein winzig kleiner Bruchteil davon erscheint hier. Warum das so ist, darüber denken wir dann ein ander Mal nach.

  • Verschick dein Gold

    In mir brennt gerade eine neue phantastische Geschäftsidee. Eine Idee, die mich so richtig reich machen könnte. So richtig richtig reich. So Scheiße-reich, dass ich mir alle zehn Minuten auf jedem deutschen Sender Werbespots leisten könnte und dennoch nicht pleite ginge. Und ich kann gar nicht fassen, dass bislang niemand auf diese Idee gekommen ist. Denn sie ist so simpel, wie man es sich nur vorstellen kann. Wie die meisten erfolgreichen Ideen. Und da ich ein so generöser Mensch bin, lasse ich euch, meine mir treu gebliebenen Leser, daran teilhaben. Passt auf, folgendes stelle ich mir vor:

    Ich stelle einen Service zur Verfügung, bei dem die Leute ihr altes Gold loswerden können. Niemand braucht Gold. Alle wollen Geld. Denn Geld ist beständig und Gold verliert pausenlos an Wert. Das ist zwar alles nicht wahr, aber das mache ich den Leute schon noch weiß. Die Leute wissen einfach noch nicht, dass sie ihr Gold loswerden wollen. Und noch viel schlimmer, sie wissen auch nicht wie. Da komme ich ins Spiel. Ich biete ihnen einen Service der verführerischer kaum sein kann. Meine Kunden können bei mir kostenlos eine Tüte bestellen. In diese packen sie dann ihr ganzen Altgold und schicken die pralle Tüte mal einfach so an mich zurück. Echt, ich bin sicher, das machen die, obwohl sie weder mich noch mein Unternehmen kennen. Wie gesagt, die wollen ihr Gold ja um jeden Preis los werden (weil ich ihnen das einrede). Und was ist schon dabei, sein Vermögen ohne Sicherheit an wildfremde Menschen zu schicken? Wenn das Zeug bei mir ankommt, lege ich es billigen Gutachtern vor, die kennen sich besser aus als ich. Diese stellen den Wert des Goldes fest und ich – passt auf, jetzt kommt das magische – überweise sofort den Betrag an den Absender. Naja, also nicht den ganzen Betrag versteht sich. Etwa 15% des Wertes. Der Rest geht selbstverständlich für Aufwandsentschädigung, Steuer, Personalkosten, Porto und Werbung drauf. Die (für mich leider nicht) kostenlosen Tüten nicht zu vergessen. Und hey, ich will ja auch ein wenig daran verdienen, haha.

    Versteht ihr? Die Leute schicken mir einfach so ihr Gold und ich gebe ihnen nicht mal ansatzweise das Geld, das es wert ist. Das funktioniert. Hat ja bei der Abwrackprämie auch geklappt. Ich sage immer: Mach es den Leuten so einfach wie möglich, ihr Vermögen loszuwerden. Denn sie wollen es loswerden. In meinem äußerst seriösen Werbespot lasse ich dann zur Untermauerung der Sicherheit und Attraktivität meines Angebots einen „Kunden“ auftreten, der den Zuschauern mit ernster Miene erzählt, dass er knapp 200 Euro überwiesen bekommen hätte und überrascht war, wie schnell das ging. Hat er natürlich nicht. Und hätte er 200 Euro bekommen, so hätte ich Gold im Wert von weit über 2000 Euro in seiner Tüte gehabt. Aber das weiß der arme Trottel ja nicht.

    Ich bin so von dieser Idee überzeugt, dass ich mich gleich daran mache… wie, was? Das gibt es schon? Wollt ihr mich verarschen? Diese Idee hatte schon jemand? Das kann doch jetzt nicht euer Ernst sein. Oder?

  • Vorsätzlich

    Zu Silvester ist es Brauch, sich gute Vorsätze für das kommende Jahr zu machen. Meist werden sie nicht eingehalten und irgendwie weiß auch jeder, dass es nichts bringt, sich an einem willkürlichen Datum wie dem 31.12 etwas für das komplette neue Jahr vorzunehmen. Dennoch tun es die meisten. Wichtig dabei ist, ganz im Vergleich zum Sternschnuppen-Wünschen, die Vorsätze laut und deutlich auszusprechen, so dass ein jeder sie hören und einem ein Jahr später um die Ohren pfeffern kann, wenn man sie nicht eingehalten hat. Das Schöne an einem Blog ist: ich kann das in aller Öffentlichkeit tun.

    Dass (ein Großteil von) 2009 mein persönlich beschissenstes Jahr überhaupt war, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Umso wichtiger wiegen meine vier Vorsätze für 2010. Sie sind wichtig für mich. Als Beweis für.. nunja, das kann ich sagen, wenn ich es geschafft habe. Vermutlich nur als Beweis, es schaffen zu können. Bitte fragt im September nochmal, wie weit ich mit meinen Vorsätzen gekommen bin und schlagt mich im Dezember, wenn ich nicht wenigstens einen davon umsetzen konnte.

    1) Ich möchte endlich wieder Gitarre spielen. Diesen Wunsch trage ich nun schon seit so vielen Jahren mit mir herum und irgendwann vor langer Zeit nahm ich sogar an einem Einsteigerkurs teil. Das Wissen von damals ist mittlerweile komplett verschwunden. Es wäre also nötig, wieder ganz von vorne anzufangen. Das nehme ich mir für 2010 vor.

    2) Ich möchte Spanisch lernen. Und ehrlich gesagt, frage ich mich hin und wieder, weshalb eigentlich. Ich könnte auch mein Englisch aufbessern, Italienisch lernen oder Russisch. Aber ich entschied mich für Spanisch. Zwei der wichtigsten Sätze kann ich bereits (Ja, ich habe sehr viel gelernt im letzten Jahr, unter anderem auch dies): „Necesito un beso“ und „Te chiero tus ojos“ Ich möchte 2010 endlich einen Spanischkurs machen.

    3) Ich möchte mich in einem Ruderverein anmelden. Sport tut Not, aber da mir Schwimmen Nackenprobleme bereitet und ich mit Joggen nun gar nichts anfangen kann (trotz schweineteurer Schuhe), erinnerte ich mich an das Rudern. Ich habe immer gern gerudert, selbst wenn es nur an den entsprechenden Maschinen im Fitness-Studio war. Rudern ist perfekt für den Oberkörper und den Rücken. Es ist entspannend oder auspowernd. Und ich stelle mir die Einsamkeit auf dem Wasser, während man im Flow der Bewegung ist, als beruhigend Zen-artig vor. Ich möchte 2010 regelmäßig rudern gehen.

    3.5) Das Gesamtziel ist natürlich mehr als offensichtlich: Ich möchte ein muskelbepackter Gitarrenspieler werden, der am Lagerfeuer spanische Liebeslieder schmettert. Ein Scherz.

    4) Der letzte und wichtigste Vorsatz. Und da er die größte Bedeutung für mich hat, habe ich ihn direkt einmal abgeändert. Ursprünglich war der Vorsatz 2010 glücklich zu werden. Doch was heißt das? Wann ist man das? Was bedeutet glücklich? Und wie lange? Habe ich es geschafft, wenn ich eine Woche glücklich bin? Zuviele Fragen, die nicht beantwortet werden können. Deshalb lautet mein wichtigster Vorsatz für 2010 schlicht und einfach:

    4) Ich möchte lieben. Ich möchte richtig und ehrlich lieben und im Idealfall dieses Gefühl erwidert bekommen. Alles weitere (auch das mit dem Glück) findet sich dann von alleine. Denn letztlich will ich die spanischen Liebeslieder auf meiner Gitarre nur für eine Frau spielen. Die ich von ganzem Herzen liebe. Kein Scherz.

    Ich habe noch 363 Tage Zeit! Ich schaffe es.

  • 60 Stunden Solitaire

    Der Name Solitaire stammt aus dem französischen und bedeutet „Allein“. Und er bezeichnet unter anderem ein populäres Kartenspiel, das natürlich allein gespielt wird. Man versucht dabei Ordnung in ein Chaos von herumliegenden und verdeckten Karten zu bringen. Auf meinem iPhone habe ich eine Variante dieses Spiels und die darin befindliche Statistik sagt, ich hätte in den letzten Wochen insgesamt 60 Stunden gespielt. Zweieinhalb Tage habe ich demnach nichts anderes getan, als Karten aufzudecken, sie zu ordnen und zu versuchen, Ordnung in das Chaos zu bringen. Zweieinhalb Tage meines Lebens. Nur für ein Spiel. Es bedarf keiner großen Phantasie um die Metapher zu erkennen, die ich hier zu beschreiben versuche.

    Vor etwas mehr als zwei Monaten zog ich mich aus dem Netz zurück. Quasi komplett, bis auf E-Mail und das Chatprogramm Skype, das mich nicht völlig von meinen Kontakten Abstand nehmen ließ. Selbst mein Blog ließ ich zurück. Dieser Schritt war wohl überlegt, nötig und richtig. Ich bereue ihn nicht. Ich habe die letzten zwei Monate genutzt, Ordnung in das Chaos zu bringen, unaufgedeckte Karten zu betrachten und zu versuchen, endlich Klarheit zu erlangen. Was soll ich sagen, es ist mir zu einem großen Teil gelungen und zu einem noch größeren noch nicht. Ich starte das neue Jahr 2010 mit vielen Erkenntnissen, mit vielen Plänen und mit einem Berg an Arbeit. Und ich kehre zurück ins Netz.

    Ab sofort möchte und werde ich wieder bloggen. Das Schreiben hat mir schon immer geholfen, bereits damals, als ich aus Liebeskummer meinen ersten Roman verfasste. Schreiben gehört zu mir. Ich habe es sehr vermisst. Allerdings werde ich unter anderen Voraussetzungen bloggen. Meine Geschichten bleiben persönlich, das Blog wird weiterhin deutlich als mein Blog zu erkennen sein. Aber ich setze mich nicht mehr unter Druck damit. Ich schreibe nur noch, wenn mir etwas einfällt und meine Kreativität mich nicht im Stich lässt. Ansonsten nicht. Bloggen soll Spaß machen und diesen Spaß versuche ich wieder zu finden.

    Auch das Design hat sich geändert. Nunmehr noch minimalistischer. Damit möchte ich ein Zeichen setzen, dass es mir in meinem Blog einzig und allein um Texte und Fotos geht. Der ganze „Social-Kram“, die ganzen technischen Spielereien bleiben absichtlich außen vor. Hier gibt es nur was zu lesen, nichts zu spielen.

    Ich habe auch meinen Facebook-Account reaktiviert. Und auch dies ist wohl überlegt. Mein Rückzug von allen Kontakten (bis auf Skype) sollte mir helfen, mich wieder auf mich zu besinnen. Um zu erkennen, was ich eigentlich möchte und wohin ich möchte. Denn diese Frage umtrieb mich das ganze Jahr 2009 und führte mich von einer Katastrophe in die nächste (oder nächst schlimmere). Nun, da ich erste konkrete Antworten gefunden habe, sehe ich keinen Sinn mehr darin, mich abzukapseln. Ich möchte mich der Welt wieder öffnen, auch wenn es nur eine virtuelle, technische Welt ist. Ich öffne mich auch nur auf einer Plattform und weit vorsichtiger und unter anderen Vorzeichen. Was ich damit meine, werden die lieb gewonnenen Menschen, die ich durch das Netz finden durfte, bald bemerken. Twitter allerdings lasse ich derzeit noch in der Schublade. Die Gründe dafür erkläre ich vielleicht irgendwann.

    Wundervoll ist, dass ich das neue Jahr nicht unglücklich beginnen muss. Wo ich an einer Stelle Freunde verlor, kamen auf der anderen Seite neue dazu. Und mehr als das. Ich bin unendlich froh, diese geliebten Menschen um mich zu wissen. Zu wissen, dass sie sich kümmern, sich sorgen und dass ich so manche Karte nicht alleine einordnen muss. Und die restlichen Karten – da ist die Hoffnung größer denn je, auch das allein zu schaffen. Und währenddessen spiele ich Solitaire.

  • Alles Roger – Alles Aus

    Der Titel nimmt es bereits vorweg. Dies wird vorerst der letzte Artikel sein, den ich hier in meinem Blog veröffentliche. Doch nicht nur das, ich ziehe mich komplett aus der Netzwelt zurück. Meine Accounts bei Facebook, MeinVZ, Wer kennt wen, Flickr, vor allem Twitter und wie die ganzen Social Networks noch heißen sind bereits oder werden in den nächsten Tagen gelöscht. Nicht einfach liegen gelassen, sondern gelöscht. Weshalb ich das mache? Nun, in der Antwort steckt bereits ein wichtiger Grund. Ich habe es satt, mich erklären zu müssen. Habe es satt, der ganzen Welt zu erzählen, was mit mir los ist. Vier Jahre lang war in diesem Blog Alles Roger. Das ist es jetzt nicht mehr und der Zeitpunkt ist gekommen, einen klaren Schlussstrich zu ziehen.

    Das Internet hat zuviel Platz in meinem Leben eingenommen. Und soviel ich auch gewonnen und erlebt habe, muss ich einsehen, dass ich durch meine Netzaktivitäten letztlich mehr verloren habe. Ich besinne mich wieder auf mich. Ich habe keine Lust mehr, mich stundenlang mit Konversationen abzulenken, aus der Realität zu flüchten. Habe keine Lust mehr, auf Feedback zu warten (Besucherzahlen, Kommentare, Replies, Followerzahlen etc.) Ich habe keine Lust mehr, mich selbst pausenlos unter Druck zu setzen (Blogartikel schreiben, Fotos veröffentlichen, Anfragen beantworten etc.) Jetzt, zum Ende hin, wurde aus dem ganzen Spaß bitterer Ernst. Zu spät habe ich es erkannt, dass ich mich in einer virtuellen Welt verlor, die verschwunden ist, sobald ich den Stecker ziehe. Bevor mir der Stecker gezogen wird, mache ich das nun bewusst.

    Alle Accounts werden gelöscht, mein Blog lasse ich weiterhin online, bereinigt und nicht mehr interaktiv. Es bleibt mein Baby und vielleicht kehre ich ja irgendwann unter anderen Vorzeichen wieder zurück. Bis dahin haben meine Leser hoffentlich Spaß an den verbliebenen alten Artikeln. Ich wünsche euch allen ein schönes Leben und danke für die große Aufmerksamkeit. Für meine Freunde bin ich weiterhin per Mail und Skype zu erreichen. Vielleicht bis bald.

    Euer Roger.

  • Der Civic und das iPhone

    Seit letztem Wochenende liebe ich Molly noch ein klein wenig mehr. Und das nicht nur, weil die Sitzheizung meinen Hintern schön warm hält. Nein, ich fand durch Zufall (und natürlich mit unglaublichem Spürsinn) heraus, wie der iPod (in meinem Fall natürlich das iPhone) bedient wird. Besser gesagt, wie das iPhone über das Autoradio bedient wird. Seit ich den Wagen besitze, habe ich mich über die Tatsache geärgert, dass in der Mittelkonsole zwar ein USB-Anschluss vorhanden ist und das iPhone auch erkannt wird, jedoch nur alle Titel nacheinander abgespielt werden können. Was ich auch versuchte, ein Zugriff auf bestimmte Künstler, Alben, Songs oder Wiedergabelisten war nicht möglich. Und somit wurde die iPod-Anbindung unbrauchbar. Auch das 585 Seiten starke Handbuch half nicht wirklich weiter. Es wurde erklärt, wo ich das iPhone anzuschließen hatte und was ich bei möglichen Fehlern tun könnte. Mehr nicht. Und glaubt mir, ich habe jede einzelne Seite gelesen. Jede einzelne der 585 Seiten.

    Letztes Wochenende also wärmte mir Molly den Hintern und ich betrachtete das Autoradio-Panel. Dabei entdeckte ich an einem Knopf die Beschriftung „Folder“. Nun, welche Folder (also Ordner) könnten damit gemeint sein? Doch nur die eines angeschlossenen USB-Gerätes, oder? Und tatsächlich, ich stöpselte mein iPhone an, klickte auf besagten Button und die Anzeige im Autoradio ließ mich durch Alben, durch Wiedergabelisten und durch Künstler rollen. Ich wählte eine Wiedergabeliste mit den bestbewertesten Songs aus und voilà – sie wurden gespielt. Es war so einfach. Nunja, die Steuerung selbst ist immer noch etwas tricky und nicht während der Fahrt zu empfehlen, aber immerhin – es funktioniert.

    Wieder zuhause konsultierte ich sofort das Handbuch. Und ihr könnt mir die Geschichte glauben oder nicht – ich schlug das Handbuch irgendwo auf und landete genau auf der Seite, die den Folder-Button erklärt. Beim ersten Aufschlagen. Eine Seite, die zuvor nicht existiert hatte. Ich schwöre. Keine Ahnung wie sie mit einem Male dort erschien. Vielleicht durch ein W-Launiges oder Bluetuffiges Analog-Update. Wer weiß.

    Ich liebe Molly nun ein wenig mehr. Sie wärmt meinen Hintern und spielt meine Lieblingsmusik aus meinem Lieblings-Gadget. Derzeit sammle ich die besten Songs zum Autofahren in einer neuen Wiedergabeliste namens Driver.

  • Von Fusseln und Flüssigkeiten

    Über Realismus in Filmen diskutiere ich schon lange nicht mehr. Filme sollen nicht realistisch sein. Filme sind dazu da, mich in fremde Welten zu entführen, mich Abenteuer miterleben zu lassen, mir Dinge zu zeigen, die es so gar nicht geben kann. Filme sind Märchen, Träume, Erfindungen und haben nichts mit Realismus zu tun. In seinen eigenen Grenzen natürlich. So habe ich kein Problem damit, wenn Superhelden alle Gesetze der Physik auf den Kopf stellen, denn im Rahmen der Geschichte sollen, können und dürfen sie das. Auch ein James Bond vollbringt im Film Dinge, die kein Mensch so zustande brächte. Würde er allerdings aus eigener Kraft davon fliegen und übermenschliche Kräfte bekommen wie Superman, so würde er dadurch seinen eigenen Realismus-Rahmen sprengen. Für mich wäre das dann inakzeptabel. Jeder Film bestimmt seinen eigenen Realismus-Rahmen. Wer auch immer ins Kino geht und beim Hinausgehen sagt, das sei völlig unrealistisch gewesen, verdient nichts als mein Mitleid, denn er hat das Prinzip Kino nicht verstanden.

    Worauf ich damit hinaus möchte? Nun, es gibt bei aller Liebe dennoch immer wieder Aspekte im Film, die mich Kopfschütteln lassen. So kann ich bis heute nicht verstehen, wie Personen im Film sich ein Bad einlassen, in der Wohnung herum laufen, Dinge erledigen, wieder ins Bad kommen, sich entkleiden und dann einfach so in das heiße Wasser steigen können. Wenn ich meine Socken ausziehe, so klebt an ihnen etwa ein Pfund Fusseln, die alsdann wie in einer Schneekugel mit schwarzen Flocken im Wasser herum treiben. Auch wenn ich barfuß bin und in der Wohnung umher laufe, nehme ich allerhand Krümel, Fussel und Haare mit in das Badezimmer. Helden im Film scheint das nie zu passieren. Sie müssen in einer komplett fusselfreien Welt leben. VÖLLIG UNREALISTISCH.

    Auch beim Thema Sex habe ich bis dato noch nie gesehen, dass die beiden Liebenden sich nach dem Akt Sorgen um diverse Flüssigkeiten machen. Da wird kaum geschwitzt, da wird nach dem Orgasmus nicht nach Taschentüchern, Handtüchern oder Küchenrollen in greifbarer Nähe gesucht. Da wird auch nicht aufgestanden, um zumindest ein wenig den entstehenden nassen Fleck auf der Matratze zu vermeiden. Nein, im Film zieht man das dünne Laken einfach wieder hoch (bei Frauen bis zum Hals, bei Männern grundsätzlich nur bis zum Bauchnabel) und niemand beklagt sich darüber, dass es unangenehm feucht ist. Körperflüssigkeiten sind beim Sex im Film niemals Thema. VÖLLIG UNREALISTISCH.

    Ok, ich könnte natürlich wetten, dass Superman völlig fusselfreie Füße hat (vermutlich weil er über dem Schmutz schwebt) und trocken ejakuliert. Ich muss nur lernen, auch dies in den Realismus-Rahmen mit einzubeziehen.

  • Von Loch zu Loch

    Wohnungssuche und Umzug gehören meiner Meinung nach zu den großen Geiseln der Zivilisation. Beides mache ich nicht gerne und zwar aus mannigfaltigen Gründen. Nichtsdestotrotz mache ich es oft. Mit zerknirschtem Gesicht. In den letzten paar Wochen musste ich wegen der zurückliegenden Trennung erneut die Immobilienseiten durchforsten, immer die Kompromisse im Hinterkopf, die ich bereit bin einzugehen. Ja, die Wohnungssuche lässt sich gut mit der Partnersuche vergleichen. Das perfekte findet man nie, weil es das nicht gibt. Letztlich bleibt es immer ein Abwägen und Kompromisse schließen.

    Und welche Kompromisse gehe ich ein? Nun, zunächst muss sich feststellen lassen, dass der Wohnungsmarkt in Deutschland unter aller Sau ist. Es gibt, und das ist Fakt, einfach zu viele Löcher die leer stehen. Oftmals habe ich den Eindruck, Menschen die umziehen, hinterlassen immer ein Loch. Vermutlich während sie in ein neues Loch ziehen. Wirklich großartige oder wenigstens annehmbare Wohnungen sind Mangelware. Steht eine auf dem Markt, stürzen sich die Suchenden wie Geier darauf, würden am liebsten den Wohnungsschlüssel sofort in die eigene Tasche stecken. Großartige Wohnungen sind schwer zu finden. Weil Menschen aus großartigen Wohnungen (nachvollziehbar) eigentlich niemals ausziehen. Der Rest sind Löcher. Und ich, als alter Nestbauer, hasse es, in einem Loch zu wohnen. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Suche.

    Und entsprechend schmerzhaft ist sie. Denn im Vergleich zu manch anderen, hinterlasse ich hier kein Loch. Die gemeinsame Wohnung, die wir nun aufgeben mussten, war nahezu perfekt. Ein Traum. Die Begeisterung in den Augen der potentiellen Nachmieter bei der Besichtigung zu sehen, ließ mich mehr als einmal in meinen Träumen mit einem Stuhl auf sie einprügeln und verjagen. Aber letztlich hilft es ja nichts. Der Traum ist vorbei, die Wohnung gekündigt. Auf zum nächsten Kompromiss.

    Und den habe ich nun gefunden. So manches passt mir zwar ganz und gar nicht an der Wohnung. Führe ich mir aber vor Augen, welche Vorteile sie gleichzeitig bietet und wie viel schlechter es mir gehen könnte, so war sie die richtige Wahl. Heute habe ich den Mietvertrag unterschrieben und in Gedanken bin ich bereits am planen und einrichten.

    Und gleichzeitig frage ich mich, wie es sein kann, dass Architekturstudenten offenbar keine Ahnung vom Leben haben. Wird ihnen der gesunde Menschenverstand ausgetrieben? Fehlt es ihnen an Vorstellungskraft, wie ein Haus, eine Wohnung, die nur aus Zahlen und Linien auf dem Papier existiert, in echt aussehen wird? Machen sie sich Gedanken darüber, wie man darin leben soll?

    Da wäre zunächst einmal der Flur. Für mich sind Flure und Dielen verlorener Wohnraum. Im Flur zieht man Schuhe an und aus und hängt Jacken auf. Sonst nichts. Dennoch sehe ich immer wieder Wohnung, die zu einem Drittel aus Flurbereich bestehen. Da wird dann ein 5 qm großes Stück dunkler Flur benutzt um auf die 2qm große Gästetoilette zu gelangen. 5qm, die dann dem Wohnzimmer beispielsweise fehlen. Oder dem Badezimmer. Ich stehe auf große Badezimmer mit großen Wannen. Ich muss mich in einem Badezimmer bewegen können. Ich sah Wohnungen, da war man gezwungen, rückwärts aus dem Bad heraus zu schleichen, um sich im Flur umdrehen zu können. Was spricht denn dagegen, vom Schlafzimmer direkt ins Badezimmer zu gelangen? Oder vom Wohn/Esszimmer direkt in die Küche? Warum immer alles durch Flure verbinden? Und überhaupt – warum sind Bäder in den meisten Fällen innen liegend? Wie kann man einen Raum, in dem es ständig feucht ist, so bauen, dass die Feuchtigkeit nur schwer zu vertreiben ist? Fenster – anyone?

    Auch Dachgeschoss mag ich nicht. Im Sommer ist es brüllend heiß, meist sind die Schrägen mit hässlichem Holz verkleidet und die Möglichkeiten, Möbel aufzustellen wird extremst eingeschränkt. Was manch einer für gemütlich hält, empfinde ich als einengend. Mit meinen 1,85m Körpergröße sind die meisten Dachgeschosswohnungen schlicht inakzeptabel. Auch die Verkabelung heutiger Wohnungen ist komplett am Leben vorbei gestaltet. Irgendwo im Wohnzimmer befindet sich eine Antennensteckdose. Es wird also erwartet, dass der Fernseher dort aufgestellt wird. Dazu gesellt sich allerdings nur eine Steckdose. Eine! Dass moderne Haushalte heute mit TV-Geräten, Radios, Receivern, Rekordern und Konsolen ausgestattet sind, scheint bei so manchem Architekten oder Hausbesitzer noch nicht angekommen zu sein. Bei mir wuseln gerade acht Stecker hinter dem Multimediaschrank in diversen Verteilerkabeln herum.

    Ich könnte noch ewig so weitermachen. In den letzten zwei Jahren sah ich viele Wohnungen und bei vielen wollten mir die Worte entfahren „Habt ihr sie eigentlich noch alle, so ein Loch zu einem solchen Preis anzubieten?“ Aber – die Löcher werden bewohnt. Von Menschen, die sich kurz darauf wieder ein neues Loch suchen. Ich hoffe, ich werde mich mit den Dachschrägen, dem großen Flur, dem kleinen Schlafzimmer und dem unnötigen Gäste-WC schnell abfinden können. Sonst suche auch ich mir bald wieder ein neues Loch. Oder ich entwerfe einfach selbst meine Traumwohnung. Ja, das ist wohl die beste Idee.

  • Ich habe noch eine Stimme – aber mir fehlen die Worte

    Ich war nie ein politischer Mensch. Aufgewachsen bin ich in dem Glauben, dass es keinen Unterschied macht, wer an der Macht sitzt. Macht dient nur denen, die sie haben. Also gleich, welche Parteien oder Koalitionen gerade versuchen Deutschland zu regieren, das Endergebnis ist immer das gleiche. Politiker machen, was sie wollen, der Bürger büßt. Das ist natürlich eine sehr negative Einstellung und führt über kurz oder lang zur berühmten Politikverdrossenheit. „Was soll ich schon wählen, ist doch eh alles egal. Wogegen soll ich protestieren? Wofür soll ich kämpfen?“ Alles gleich.

    Politik, das war etwas, das andere machten. Worauf ich nur alle vier Jahre Einfluss hatte, indem ich ein Kreuz bei Rot, Schwarz, Gelb oder Grün setzte. Ich hatte eine Stimme und doch blieb ich stumm. Nun, da ich meine Stimme wieder gefunden habe, fehlen mir allerdings die Worte. Fassungslos bin ich, was die derzeitige Bundesregierung, die Politiker, die auch ich gewählt habe, am 18.Juni 2009 beschlossen haben. So ohne Worte, dass andere es viel besser beschreiben können. Zum Beispiel Anke Gröner. Oder Torben Friedrich, ehemaliges Mitglied der SPD seit dem Beschluss des Gesetztes zur Internet-Sperre. (Übrigens nicht der einzige SPD-Politiker, der nach der Abstimmung die Partei verließ) Auch die faz und das Handelsblatt-Blog haben recht lesenswerte Artikel über das neue Gesetz geschrieben.

    Mag sein, dass das Geschrei nur im Netz so laut ist (die Generation C-64, die quasi digital aufgewachsen ist). Mag auch sein, dass auch hier wieder viel Polemik und Paranoia mit im Spiel ist (Nein, Deutschland ist nicht China – noch nicht). Fakt ist allerdings auch, dass sich die derzeitige Bundesregierung mit Sicherheit keinen Gefallen getan hat. Man hat Artikel 5 des Grundgesetzes zu Grabe getragen (Zensur findet ab sofort doch statt). Man hat  über 135000 Wählerstimme einfach ignoriert (es war die erfolgreichste Petition ever). Man ist dabei, die Gewaltenteilung, die ein Merkmal unserer Demokratie war, zu zerschlagen. Und dann ist man auch noch so arrogant und blind und tut so, als sei das zum Wohle aller.

    Mir fehlen wirklich die Worte. Aber – ich habe meine Stimme noch. Und diese werde ich nutzen. Ab sofort werde ich nicht mehr denken, ich könne nichts ändern, ich werde nicht mehr still da sitzen und irgendjemanden an die Macht kommen lassen. Ich bin mir sicher, dass ich nicht alleine bin. Viele andere haben ihre Stimme ebenfalls wieder gefunden. Und ich muss der derzeitigen Bundesregierung dafür sogar meinen Dank aussprechen. Sie hat mich daran erinnert, dass ich etwas tun muss und etwas tun kann. Wir alle werden unsere Stimme nutzen.

    Artikel5

    Hier kann übrigens überprüft werden, wie welcher Abgeordnete gestimmt hat. Bildet euch eure Meinung und dann – nutzt eure Stimme.

    Neulich las ich übrigens ein sehr schönes Zitat: „Am anderen Ende der Stadt gibt es einen kleinen Laden, der Kinderpornos verkauft. Die Polizei hat die Straßen dorthin gesperrt, der Laden ist aber noch immer geöffnet.“

  • Meine Dusche – das unbekannte Wesen

    Früher, als ich im schönen Süden wohnte, machte ich mir nicht viele Gedanken darüber, woher das Wasser aus meinem Duschkopf kam, wie es aufbereitet und wo es erhitzt wurde. Es war einfach da, auf Knopfdruck quasi, beziehungsweise bei Betätigung der Armatur. Ich konnte jede von mir gewünschte Strahlstärke einstellen und die Temperatur regeln. Im Nachkommstellenbereich wie es schien. Duschen war schön. Damals.

    Jetzt, in Nordrhein-Westfalen musste ich den Heißwasserboiler kennen lernen. Der hängt hässlich in Bad und Küche und ist dafür verantwortlich, Wasser zu erwärmen. Er hasst diese Arbeit offensichtlich, denn er ist nie gewillt, sie ordentlich zu verrichten. An meinem Boiler befindet sich ein Wahlrad und ein Drei-Stufen Schalter. Allerdings könnte ich wetten, dass beide im Innern des Gehäuses nur mit einem Bauteil verbunden sind, das ‚Klack‘ macht. Sonst nichts. Auswirkungen haben verschiedene Schalterstellungen keine.

    Meine Dusche kennt daher nur zwei Zustände für Wasser: kochend heiß und eiskalt. Je nachdem, was ich mir wünsche. Nun ist der Boiler zu blöd, schnell von einem Zustand zum nächsten zu wechseln. Das sind dann die Zeiten, in denen ich dusche. Beim Aufheizen und beim Abkühlen. Nur dann kann ein menschlicher Körper die Temperatur ertragen. So flitze ich ständig in der Dusche hin und her, warte beim Betätigen der Badewannenarmatur im Nanometerbereich darauf, dass der Boiler das Signal erkennt und auf Kalt umschaltet. Dann stehen mir 8 Sekunden zur Verfügung, um meinen Körper mit Wasser zu benetzen. Anders herum sieht es noch schlimmer aus. Ein Duschvorgang beginnt mit einem fünfminütigen Ritual, bis die Temperatur geregelt ist (weiß der Himmel wie viele Liter kostbarstes Trinkwasser dafür drauf gehen), nur um beim Besteigen der Wanne festzustellen, das alles für die Katz war. Der Boiler ist sogar frech genug, so lange zu warten, bis ich Schaum auf den Haaren habe. Das ist seine Chance, ein leises ‚Klack‘ und er schaltet um auf 78 Grad Celsius. Ich schreie und fluche, die eine Hand sucht tastend den Hebel, während die andere Hand (wie es Jürgen von der Lippe so schön ausdrückte) versucht, den Sonnenkönig vor Verbrühungen zu beschützen. Man ahnt, was gleich darauf kommt. Die Eishölle ergießt sich über verbrannte Haut.

    Vielleicht ist das ein Grund, weshalb ich viel mehr bade als früher. Und damit noch mehr Trinkwasser verschwende. Meine Dusche und ich, wir weden jedenfalls niemals Freunde. ‚Klack‘

  • Meine Haut ist eine blöde Kuh

    Als Teenager muss man sich meist damit abfinden, eine schlimme Haut zu haben. Besonders im Gesicht, also da, wo das inzwischen interessante andere Geschlecht es sofort sieht. Dummerweise hat man mehr Pickel im Gesicht, als am Arsch. Wenn man wirklich darunter leidet, eine böse Haut zu haben, versucht man alles mögliche, um gegen sie vorzugehen. Man fällt auf Clerasil-Werbung herein, geht zum Hautarzt, bekommt allerlei Mittelchen verschrieben und glaubt den Ammenmärchen, man solle keinen Senf, keine Schokolade und keine Chips mehr essen. Und wenn das alles nicht hilft, dann tröstet man sich mit dem Gedanken, bald älter zu werden und dieses Martyrium hinter sich lassen zu können.

    Und dann steht man, mittlerweile über 30 Jahre alt, vor dem Spiegel und flucht. Weil die Haut noch immer nicht problemlos ist. Weil man noch immer spezielle Pflegeprodukte braucht. Seifen, Reiniger, Cremes etc. Bei jedem neu entdeckten Pickel ist man schlagartig wieder 15 Jahre alt. Und noch immer hat man mehr Pickel im Gesicht, als am Arsch.

    Ich hatte schon immer Problemhaut. Was zusammen mit meiner Eitelkeit zu argen Differenzen führt. Kein Produkt, das ich noch nicht getestet habe. Keine Ernährungsumstellung, die ich noch nicht erwogen und versucht habe. Keine Möglichkeit, es einfach locker zu nehmen. Dazu kommt noch, dass meine Haut eine blöde Kuh ist und mich gerne ärgert. Teste ich einen neuen Gesichtsreiniger, fühlt sie sich stets wunderbar an, gibt mir das Gefühl, sie besiegt und beruhigt zu haben. Die T-Zone ist unter Kontrolle und die Demokratie wird abgeschafft. Doch die Rebellion lässt nicht lange auf sich warten. Meine Haut schafft es immer, einen Weg zu finden, jedes noch so teuere Pflege-Produkt auszutricksen. Holt zum Gegenschlag aus und lacht sich ins Fäustchen.

    Auch sonst verhält sie sich völlig widersprüchlich. Egal, wieviel Schlaf ich hatte, was ich aß, wie lange ich in der Sonne war und ob ich mein Gesicht überhaupt wasche, kommen die Probleme. Oder sie kommen nicht. Und sie mag es, wenn ich sie regelmäßig rasiere. Gegen den Strich. Also bitte. Was für eine blöde Kuh.

    So stehe ich weiterhin im Bad vor dem Spiegel, kontrolliere wie bereits vor zwanzig Jahren mein Gesicht, freue mich, wenn alles „clean“ ist und weine leise, wenn sich an besonders exponierter Stelle etwas zusammen braut. Renne wieder in Panik in die Drogerie, wasche mein Gesicht mit noch teureren Mitteln, die anfangs helfen und dann wieder nicht. Und gebe irgendwann auf. Sage mir, ich kann ja jetzt fett werden, meine Haare nie wieder waschen und mich passend zum Gesicht gehen lassen. Was ich natürlich nicht tue. Der Löwe ist eitel und bleibt es auch.

    Ich freue mich schon darauf, eine dicke Schicht Make-Up für meine Aufbahrung verpasst zu bekommen. Vermutlich werde ich im Sarg so gut aussehen, wie mein ganzes Leben zuvor nicht.

  • Männer und ihre Spielzeuge

    Ein weit verbreitetes Klischee über Männer lautet, dass sie ihren Autos gerne Namen geben. Natürlich passen viele Kerle nicht in dieses Schema, was dem Klischee bislang aber nicht schaden konnte. Auch ich habe da nie hinein gepasst. In meinem Leben besaß ich bislang genau zwei Autos. Und das erste gehörte noch nicht einmal mir, sondern war auf meine Mutter angemeldet. Ein treuer, weißer Ford Fiesta mit vier Gängen und gefühlten 18 PS. Als ihm der Boden durchgerostet war, erstand ich meinen Peugeot 206. Ein knuffiges, freundliches, französisches Auto mit fünf Gängen und gefühlten 50 PS. Auch diesem Wagen gab ich nie einen Namen. Erkannte nicht mal ein Geschlecht. Vielleicht weil ich es lächerlich fand. Oder vielleicht, weil er zu unpersönlich daher kam, der Wagen. Doch nur ein Gebrauchsgegenstand war, der einfach Peugeot hieß. Müsste ich ihm heute einen Namen geben, würde ich ihn vielleicht … Luc nennen. Oder Egon. Au revoir, Egon.

    Nun steht das neue Auto quasi vor der Tür. Sechs Gänge, schöne 100 PS, rassiges Auftreten. Und mir fiel mit einem Male auf, dieses Auto ist eine Sie. Und sie braucht einen Namen. Einen guten Namen, der zu ihr passt. Wieder durchzuckte es mich (metaphorisch) und drei mögliche Namen erschienen vor meinem geistigen Auge. Drei Namen, an die ich zuerst denken musste, wenn ich an Frauen mit den Attributen rassig, kurvig, heiß dachte. (Ladys, bitte seid mir nicht böse. Ich werfe nachher einige Euro in die Chauvikasse, versprochen) Es war klar, dass diese Namen in der engeren Auswahl für meine(n) Civic standen.

    Eine Freundin, die ihren Autos ebenfalls seit je her Geschlechter und Namen zuteilt (!!!), erklärte, ich wüsste erst dann den Namen des Wagens, wenn ich die ersten Kilometer mit ihm (ihr) gefahren sei. Das Auto teilt den Namen mit, lässt mich ihn spüren, sagte sie. Ich bin gespannt, was mein neues Auto mir miteilt. Schließlich möchte ich nicht, dass es mir ein „Olga“ zuflüstert, oder ein „Waltraud“. Oder ähnlich – nunja – schlimmes.

    Was wäre eure Idee? Seht sie euch an, wie sie da steht. Wie eine Raubkatze. Zum Sprung bereit, sich auf ein Opfer zu stürzen, genannt Straße, und es zu bezwingen. Seht nur wie sie strahlt (okay, sie muss gewaschen werden, ich weiß). Seht ihr ihre hellen Augen? Spürt ihr die Kraft, die sie gerade noch so zurück halten kann? Welchen Namen würdet ihr diesem Auto, ihr, geben.

    Civic Type S

  • Meine Phantasie ist verseucht

    Neulich hatte ich seit langer Zeit wieder eine Idee für eine Kurzgeschichte. Eine, wie ich fand, wunderbare kleine „Liebesgeschichte“, mit quasi-überraschendem Ende. Zunächst spukte nur die vage Vorstellung in meinem Kopf. Dann, eines Nachts, überkam mich die Inspiration und ich sah die Schlusssequenz vor meinem geistigen Auge. Auch meine bisherigen Geschichten und Romane schrieb ich immer auf diese Weise, als sähe ich einen Film und beschriebe nur das Geschehen auf der nicht-existenten Leinwand. Diese Sequenz, dieses Ende für die Geschichte, gab den Ausschlag. Ich wusste, wie die Handlung zu genau diesem Punkt kommen musste und fühlte mich freudig erregt. So schnell wie möglich wollte ich mich daran setzen, die Geschichte zu schreiben.

    Doch dann kam das böse Erwachen. Genauso schnell wie die Idee scheinbar aus heiterem Himmel in meinem Kopf war, wurde sie durch einen weiteren Gedanken zerstört. Das Ende der Story entsprang nicht meiner Phantasie, sondern der eines anderen. Der daraus einen Film gemacht hatte. Den ich sehr mochte. Weshalb sich die dortige Schlusssequenz auch derart in mein Gehirn brannte.

    Nicht zum ersten Mal passiert mir so etwas. Früher, als ich noch jung, unerfahren und wissbegierig war, hatte ich tausend Bilder im Kopf, Geschichten, Anekdoten. Ich kann mich erinnern, dass meine Gedanken zu sprudeln begannen vor lauter Eingebung und Phantasie. Das meiste davon floss in meine Playmobil- und Lego-Geschichten. Später, als ich das Schreiben für mich entdeckt hatte, fiel mir das Geschichten-Erfinden nicht mehr ganz so leicht. Ich war verseucht. Von zu vielen Comics. Zu vielen Büchern. Zu viel Fernsehen. Und zu vielen Filmen. Mit einem Mal schien alles bereits beschrieben, gezeichnet, gefilmt oder aufgezeichnet worden zu sein. Oder anders ausgedrückt: ich musste immer wieder feststellen, dass ich keine Inspiration, sondern nur Erinnerungen hatte.

    Nun heißt es zwar, es gäbe in der gesamten Literatur ohnehin nur sieben (oder waren es zwölf?) grundsätzlich verschiedene Geschichten und alle Geschichten, die seitdem erzählt wurden, seien nur Variationen. So ist es nicht wirklich verwerflich mit ähnlichen Ideen um die Ecke zu kommen. Ein Freund sagte mir vor Jahren einmal: „Jede Geschichte ist schon mal erzählt worden. Es kommt nur noch darauf an, WIE du sie erzählst.“ Dem ist kaum zu widersprechen. Doch gibt es einen Unterschied zwischen „anders erzählen“ und „verändert kopieren“. In meinem Kopf schwirren zu viele Bilder, zu viele Erinnerungen, zu viele Szenen herum, als dass ich mir frei und phantasievoll neue ausdenken könnte. Neue Farben zu mischen ist schwer. Ich habe bereits jede Farbe gesehen.

    Aber vielleicht mache ich mir auch nur wieder viel zu viele Gedanken. Vielleicht sollte ich die Geschichte so schreiben, wie ich sie erzählt haben wollte. Vielleicht gelingt es ja doch, nur durch die Art der Erzählung, andere Bilder im Kopf des Lesers zu erzeugen, als in meinem eigenen. Denn klar ist, dass ich nicht plötzlich damit aufhören kann, Geschichten, Bilder und Emotionen zu konsumieren. Wer würde das schon wollen. So entspringen meine Geschichten einer vereuchten Phantasie und können mit etwas Glück doch etwas Besonderes sein.

  • Mein erster Kaffee

    Ich weiß noch ganz genau, wann und wo ich meinen allerersten Kaffee trank. Ich weiß es deshalb, weil es mit einer sehr schönen Erinnerung verbunden ist. Und, man ahnt es bereits, mit der Erinnerung an eine Frau. Meine erste große Liebe. Gut, so ganz stimmt das leider nicht. Ich war zwar verliebt, sie allerdings nicht. Dennoch war diese Liebe, diese Geschichte, für mich von großer Bedeutung. Inspirierte sie mich letztlich auch zu meinem ersten Roman.

    Das erste Exemplar dieses Romans war damals noch eine sehr lange Kurzgeschichte, eine rudimentäre Aufarbeitung der Geschehnisse eines Aufenthalts in Österreich, auf dem ich das Mädchen kennen gelernt hatte. Mit einem gebundenen Ausdruck dieses ersten Exemplars im Rucksack macht ich mich auf den Weg nach Bruchsal, dem Wohnort der Angebeteten. Heute kommt mir das natürlich lächerlich und sogar gruslig vor, dass ich wie ein Stalker unangekündigt vor ihrem Haus stand und an der Tür klingelte. Und mich einige Stunden in der Bruchsaler Innenstadt herum trieb, weil sie nicht zu Hause  war. Aber ich war jung und verliebt, was macht man da nicht für Dummheiten.

    Als sie schließlich doch zu Hause war und mir die Tür öffnete, konnte mein Herzklopfen kaum größer sein. Sie freute sich, mich zu sehen, umarmte mich und bat mich herein. Und bot mir einen Kaffee an. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie zuvor Kaffee getrunken, wollte mir diese Blöße aber nicht geben. Ich musste den Mann von Welt geben, durfte mir meine Kindlichkeit nicht anmerken lassen. Ihr wisst schon, junge, verliebte Kerle, die den großen Macker markieren. Ich nahm einen Kaffee, mit Milch und Zucker. Viel Zucker.

    Kaffeetasse

    Und er schmeckte vorzüglich. Ob er wirklich lecker war, oder einfach nur wegen des Zuckers so berauschend schmeckte oder ich ob der gesamten Situation einfach alles großartig fand, kann ich heute nicht mehr sagen. Kaffeetechnisch war ich an jenem Tag entjungfert worden und trank nun täglich welchen. Weiterhin mit Milch und Zucker, bis ich die (jetzige) damalige Freundin kennen lernte und auch vom Zucker abkam. Und so trinke ich meinen Kaffee auch heute noch.

    Was aus der Angebeteten von damals wurde? Sie wusste, wie sehr ich in sie verknallt war, ließ sich aber nichts anmerken und ging auch nie darauf ein. Im Laufe der Zeit ebbten meine Gefühle ab, so wie sie es immer tun und es entwickelte sich eine wunderbare Freundschaft zwischen uns. Die Art von Freundschaft, der monatelanges Schweigen nichts anhaben kann und uns umso mehr freuen ließ, wenn mal wieder ein Lebenszeichen des anderen kam. Vor einigen Jahren kehrte sie Deutschland den Rücken und zog nach Portugal, in ihr Heimatland. Seitdem habe ich sie leider aus den Augen verloren.

    Aber ich trinke noch immer Kaffee und weiß, wo ich meinen ersten Kaffee serviert bekam. Wisst ihr es auch noch?

  • web@classic – ein Abend in der Duisburger Philharmonie

    Frank Tentler und sein Web-Team der Duisburger Philharmonie (unter anderem Christian Spließ und Christoph Müller-Girod) machen bei dacapo-dp.de alles richtig. Sie haben erkannt, dass das Web nicht nur dazu dient, um E-Mails zu verschicken oder abfotografierte Plakate nochmals zu veröffentlichen. Sie wissen, wie man das Netz richtig nutzt. Sie bloggen, twittern, streamen, fotografieren und filmen. Aber das wichtigste überhaupt, sie machen Konversation. Sie tauschen sich aus, treten in den Dialog und zeigen dadurch eine für das Medium Internet zwar nicht neue, aber für ihr Thema umso überraschender Frische. Man nenne mir ein anderes philharmonisches Ensemble in Deutschland, das ebenso präsent im Netz ist und die „Kunden“, die Gäste, die Besucher, die Hörer sucht. Bei der Philharmonie Duisburg wird das Medium klassische Musik zu einem Gesamtereignis, tritt heraus aus dem muffigen Schatten der Hochkultur, lässt sie frisch und jung erscheinen und erschließt damit eine komplett neue Hörerschaft. Klassik wird mit einem Male auch für junge Menschen salonfähig. Und hautnah erlebbar.

    Die Aktion „web@classic“ ist nur ein Beispiel, das zeigt, mit wie vielen wunderbaren Ideen die Duisburger Philharmonie sich in das kulturelle Leben Duisburgs mischt. Bei web@classic bekamen interessierte Blogger und Twitterer die Chance, kostenlos und live einem Konzert beizuwohnen. Zwar muss ich zu meiner Schande gestehen, nur durch bloßen Zufall davon erfahren zu haben, aber irgendwo muss die Geschichte ja beginnen. Und ich war sofort Feuer und Flamme. Über den E-Mail Link im Artikel des Upload-Magazins reservierte ich mir drei Karten. Ich twitterte darüber und schrieb einen Blogeintrag und mit einem Male ging alles sehr schnell. Frank Tentler antwortete auf meine Tweets, kommentierte meinen Artikel und bewies damit genau meine Eindrücke, die ich eben beschrieb. Der Dialog wird gesucht. Und er wurde gefunden.

    Am Abend des 25.April schritt ich durch die Mercatorhalle, einem der modernsten Konzerthäuser Deutschlands. Schnell entdeckten wir das sogenannte Web-Team-HQ, in dem Frank und seine Mannen bereits auf den Ansturm warteten. Der nicht lange auf sich warten ließ. Immer mehr Blogger und Twitterer strömten herbei  und bewiesen eindrücklich den Erfolg der Aktion. Interviews wurden geführt, Fotos geschossen, Gespräche und Geplauder begannen und an allen Ecken und Enden hörte man freudige Hallos, wenn die virtuellen Menschen sich zum ersten Mal in Fleisch und Blut sahen.

    Unterstützt wird das ganze Netz-Projekt vom Intendanten Dr. Alfred Wendel, der, wie mir Frank später erzählte, völlig fasziniert von dieser fremden Welt sei, die sich mit einem Male für seine Welt interessierte. Auch für ihn scheint es also grade dieser Reiz zu sein, das alte Medium Klassik zu entstauben und mit dem neuen Medium Internet zu vereinen. Ich muss gestehen, etwas überrumpelt gewesen zu sein, als mir Herr Wendel die Hand zur Begrüßung reichte. Als ich in der Pause mit meinen Begleiterinnen bei einem Gläschen im Foyer stand, konnten wir uns allerdings ein wenig unterhalten. Man sah ihm an, wie ihn unsere Begeisterung freute.

    Für mich war es das erste klassische Konzert meines Lebens. Und nicht nur die Musik begeisterte mich, sondern auch die Atmosphäre und die kleinen Rituale, die ein Konzert begleiten. Das Stimmen der Instrumente (das mich an den Startton der Playstation 3 erinnerte – ich Nerd), die Bedeutung der ersten Geige (als ihr während des Konzerts eine Saite riss, legte sie das Instrument beiseite, ließ sich von der zweiten Geige das Instrument geben, die wiederum eine Geige hinter ihr nahm und diese Musikerin zum stummen sitzen bleiben verdonnerte), das stille Warten des Orchesters auf den Dirigenten und das Erheben zur Begrüßung und dann … die Musik. Mit welcher Wucht und Leichtigkeit das Publikum in die Musik hinein getaucht wird. Mit welchem Leben klassische Musik erfüllt wird, wenn man den Dirigenten und das Orchester zusammen spielen sieht. Mit welcher Perfektion so viele Eindrücke auf einen und noch einen und noch einen Punkt gebracht werden. Ich saß einfach nur da und genoss. Stellte dabei wieder einmal fest, dass mir die Geige das liebste Instrument ist (kein anderes Instrument kann in mir eine solche Traurigkeit oder aber auch Aufregung und Spannung erzeugen). War beeindruckt, wenn das Orchester im Zusammenspiel die Wände schier zum zittern brachte oder die Stimmung so dämpfen konnte und man mit gespitzten Ohren nur darauf wartete, wie das Stück fortgesetzt wird.

    Natürlich muss ich gestehen, dass ich wahrlich kein Klassik-Kenner bin. Abgesehen von den wirklich populären Stücken, die man auf den Kuschel-Klassik CDs findet, und die ich mir gerne einmal bei einem heißen Bad anhöre, kenne ich nur die orchestrale Musik von Filmen. So muss ich auch gestehen, dass mir das erste Stück von Haydn, das das WDR-Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Thomas Hengelbrock spielte, ausgesprochen gut gefiel, leichtfüßig und dennoch mitreißend daher kam. Und ja, ich muss gestehen, in den Pausen zwischen den einzelnen Sätzen aus Versehen mitgeklatscht zu haben, weil einige andere Neulingen das auch taten. Doch wir lernten schnell (spätestens beim missbilligenden „Nein nein nein“-Fuchteln des Taktstocks). Danach trat die überaus talentierte (und hübsche) Violinistin Alina Pogostkina auf, die ein Violinenkonzert von Prokofjew zum Besten gab. Mit Feuer, ausladender Gestik und verspielter Perfektion wusste sie zu begeistern. Doch fehlte mir hier ein Thema, ein roter Faden, an den ich mich klammern konnte. So auch beim dritten Werk nach der Pause. Bartoks „Konzert für Orchester“ bestach durch wunderbare und überraschende Arrangements, die aber scheinbar zusammenhanglos gespielt wurden. Später erfuhr ich, dass dieses Stück mit zu den schwersten für ein Orchester gehört und offenbar nicht nur mich verwirrte.

    Dennoch war ich berauscht.

    Entsprechend beseelt und lächelnd trafen wir uns mit dem Web-Team und einigen weiteren Bloggern/Twitterern nach dem Konzert noch auf ein Schwätzchen. Frank lud mich ein, einmal einer Probe beiwohnen zu können, bei dir ich auch die Hintergründe und die Infrastruktur eines Konzerthauses entdecken, vielleicht sogar ins Gespräch mit einigen Musikern kommen und Fotos schießen könnte. Auch erzählte er von den vielen anderen Aktionen, die die Duisburger Philharmonie bestreitet, wie beispielsweise die Kulturaffäre. Auch das werde ich mir mit Sicherheit bald möglichst ansehen und anhören.

    Der ganze Abend war ein einziges spannendes Abenteuer und möchte an dieser Stelle nochmals vielen Dank sagen an Frank Tentler, das ganze Web-Team, dem Intendanten Alfred Wendel und der Duisburger Philharmonie im allgemeinen. Ich bin froh, endlich auch eine andere Seite Duisburgs kennen gelernt zu haben und kann nur appellieren, sich ein Beispiel daran zu nehmen, wie man es hier in Duisburg verstanden hat, junge Leute und Menschen aus dem Netz für Hochkultur zu begeistern. Ich freue mich auf viele Fortsetzungen und weitere spannende Ideen der Duisburger Philharmonie.

    Weitere interessante Einblicke finden sich im zugehören Blogeintrag von Frank Tentler, wo auch Fotos und Videos verlinkt sind. Wie beispielsweise dieses hier:


    Duisburger Philharmoniker >> web@classic from Duisburger Philharmoniker on Vimeo.

  • Ich habe im Radio gewonnen

    Online-Magazin, Zeitung, Fernsehen. Na, was fehlt da noch? Natürlich. Mein zweitliebstes Medium nach dem Kino: das Radio. Ich habe es bislang noch nicht geschafft, ins Radio zu kommen. Und das, wo doch mein langjähriger Traum es einst war, selbst Radiomoderator zu werden. Dass dieser Traum vollkommen illusorisch ist, weiß ich natürlich schon seit langem. Und obwohl ich mittlerweile so einige nette Menschen aus dem „Gewerbe“ kenne, kam es bislang noch nicht dazu, meine Stimme im Radio zu hören. Bis heute morgen.

    Da machte ich mir nämlich den Spaß, bei Hit Radio FFH anzurufen und beim ersten Quiz des Tages teilzunehmen. Gehört habe ich den Sender über Webradio und von dem Quiz erfahren habe ich per Twitter. Denn nicht nur, dass der wunderbare Moderator Michael Münkner bloggt (und offensichtlich keinen RSS-Feed anbietet – bitte schnell ändern), er twittert auch. Und suchte auch über diesen Weg nach Kandidaten. Ich nutzte die Chance, rief im Sender an und kam durch.

    Spätestens hier merkt man den Unterschied zwischen Profi und Normalo. Während Michael das kleine, nun folgende Gespräch locker, charmant und witzig führte, stotterte ich herum, suchte nach den richtigen Worten und versuchte so krampfhaft, keinen Stuss zu erzählen, dass man mir anhörte, wie ich einen Stock im A… hatte. Die grinsenden Arbeitskollegen um mich herum halfen da natürlich nicht. Glücklicherweise konnte ich die Frage richtig beantworten und bin nun stolzer Gewinner eines Hit Radio FFH-Frühaufsteher-T-Shirts. Das mir zugeschickt und dann natürlich hier präsentiert wird.

    Ich nahm das kurze Gespräch mit meinem iPhone auf, was aber gar nicht nötig gewesen wäre. Denn nicht nur, dass das Mainhattan Girl einen Mitschnitt anfertigte und mir zukommen ließ (vielen lieben Dank), Michael Münkner persönlich schickte mir kurz danach einen Mp3-Mitschnitt, den ich euch hier nicht vorenthalten möchte. Also für alle, die es heute morgen verpasst haben und einmal hören wollen, wie ich mich zum Affen mache – bitteschön:

  • web@classic – die Duisburger Philharmoniker laden ein

    Die Duisburger Philharmoniker sind wohl das coolste Ensemble in Deutschland. Nicht nur, dass sie eine eigene Website haben – das hat ja jeder. Nein, hier in Duisburg wird dazu auch noch ein Blog betrieben, Videos auf Youtube veröffentlicht, eine Flickr-Galerie genutzt und, man ahnt es bereits, natürlich auch getwittert. Die Duisburger Philharmonie entdeckt nicht nur Web2.0, sie nutzt es aktiv. Für mich als Internet-Freak schon ein Grund, sie zu lieben. Zumal ich mich mit klassischer Musik durchaus anfreunden kann. Als heißblütiger Fan von orchestralem Film-Score ist der Schritt zur „klassischen“ klassischen Musik nicht mehr weit.

    Nun laden die Duisburger Philharmoniker zum Konzert. Unter dem Titel „web@classic“ sind Blogger herzlich eingeladen, einem Konzert des WDR Sinfonie-Orchesters Köln beizuwohnen. Das Konzert findet am 24.April 2009 um 20:00 Uhr in der Mercatorhalle in Duisburg statt. Und es gibt tatsächlich noch Karten.  Im Upload-Magazin stehen weitere Details, wie beispielsweise auch die E-Mail Adresse, unter der man sich anmelden kann. Weitere Informationen erhält man selbstverständlich auch über die oben genannten Kanäle der Philharmoniker.

    Ich habe mir drei Karten reserviert und bin schon mächtig aufgeregt. Vielleicht ergibt es sich auch, örtliche Blogger und Twitterer kennen zu lernen. Zusätzlich zur Chance, auch mit dem Orchester ins Gespräch zu kommen. Ich werde natürlich von meinem Eindrücken berichten und mache mir bis morgen erst einmal Sorgen über meine Garderobe.

  • Von alten und neuen Automobilen

    Am 28.April wird mein alter Peugeot 206 genau Neun Jahre alt. Er erreicht damit das Mindestalter, um ihn für 2500 Euro verschrotten zu lassen. Ich habe vor nicht allzu langer Zeit darüber geschrieben. Der 28.April sollte somit auch das Datum sein, an dem ich meinen neuen Wagen, einen Honda Civic Type S, in Empfang nehmen könnte. Als ich vor einigen Wochen beim Honda Händler saß, dachte ich noch, wie wunderbar sich das alles zusammen fügt. Das tolle Angebot für den Neuwagen, das Erreichen des Mindestalters für das alte Vehikel, mein derzeitiger Kontostand. Ich war beseelt und wusste, dass nun der richtige Zeitpunkt für ein neues Auto war.

    Der Verkäufer allerdings war mir nicht ganz so sympathisch. Er starrte meist auf den Monitor und tippte irgendwelche Sachen. Informationen musste ich ihm aus der Nase ziehen. „Was tippen sie denn da?“ „Was bedeutet das denn für mich?“ „Wie ist denn der folgende Ablauf?“ Mehr schlecht als Recht gab er Antwort und erweckte den Eindruck, als sei es ihm eine Last. Warum kann ich auch nicht einfach nur das Geld hinlegen und meine Fresse halten? Ich blöder, zahlender Kunde, ich. Nichtsdestotrotz brachten wir das Geschäft zum Abschluss. Zum Verkaufsleiter zu gehen und ihm zu sagen, ich hätte zwecks Unsympathie gerne einen anderen Verkäufer, kam mir eigenartig vor.

    Freudig erregt verließ ich das Autohaus und begann die Tage zu zählen, bis ich das neue Auto endlich selbst würde fahren dürfen. Ich nahm mir vor, eine Woche vorher nochmals anzurufen, um zu erfragen, wie denn der Stand der Dinge sei, ob das Auto bereits da sei, wann ich denn den Fahrzeugbrief bekäme, um damit zur Anmeldung zu gehen etc. Diesen Anruf tätigte ich vor zwei Tagen und war nicht wirklich überrascht, als der Verkaufsleiter persönlich ans Telefon ging und mir sagte, der Verkäufer von damals sei nicht mehr in dem Autohaus beschäftigt. In seiner Stimme konnte ich hören, dass er froh über diese Tatsache war. Ich auch. Obwohl, plötzlich kam ich mir verloren vor. Der Mensch mit dem alles abgesprochen war, war weg. Nun musste ich alles neu erfragen und dabei kam so manches zum Vorschein.

    So hatte der alte Verkäufer mir nicht gesagt, dass ich auf den Bescheid der Bafa warten müsste. Und dass mir dieser Bescheid sogar nach Hause geschickt würde. Natürlich war ich ein wenig naiv, zu denken, alles würde seinen geregelten Gang gehen. Aber ich hätte mir doch gewünscht, darauf hingewiesen zu werden. Der Verkaufsleiter fragte mich, ob ich den Bescheid schon hätte. Ich verneinte, fragte, was man denn da tun könnte und seine Antwort war „Entweder sie warten weiter ab, oder aber sie strecken die 2500 Euro vor.“

    Was bedeutete, mit einem Male 13500@ zu bezahlen. Soviel hatte ich nun wirklich nicht. Die Aussicht, nun aber Wochen oder Monate zu warten, bis ich dieses Schreiben der Bafa bekomme, erquicke mich keinesfalls. Zumal der Verkaufsleiter mir sagte, dass mein Wagen bereits da stehe und auf mich wartete. Weitere Fragen kamen auf und ich sagte ihm, dass ich mich nicht gut informiert fühlte. Er seufzt kurz, sagte dann mit gesenkter Stimme „Wissen Sie, Herr Graf, auch das ist ein Grund weshalb Herr *PIEP* nicht mehr bei uns arbeitet. Ich merke, dass Sie verunsichert sind. Ich schlage Ihnen folgendes vor. Kommen Sie die Tage vorbei, dann besprechen wir alles nochmal in Ruhe bei einem Kaffee.“ Ich mochte diesen Mann.

    Gestern saß ich dem Verkaufschef also bei einem Kaffee gegenüber. Er entschuldigte sich dafür , dass man mich etwas hätte im Regen stehen lassen. Ich andererseits entschuldigte mich dafür, den Ablauf wohl doch zu unproblematisch gesehen zu haben: „Ich hatte es so verstanden, dass ich mich um nichts weiter kümmern müsste. Ich dachte, die Sache mit der Umweltprämie geht komplett an mir vorbei und wird nur zwischen Ihnen und dem Staat ausgehandelt. Und ich dachte, ich könnte meinen Civic am 28.April abholen.“ Das könnte ich auch, antwortete er, allerdings würde er mir nicht dazu raten. Mein Antrag sei um Mitternacht des 31.03.09 eingereicht worden. Er hoffe also, dass ich in der ersten Runde der Bearbeitung sei, die seit dem 16.April wohl verschickt würden. Er riet mir, zumindest bis Mitte Mai abzuwarten, ob ich den Bescheid bekäme. Falls nicht, könne man sich noch immer andere Strategien überlegen. Letztlich bliebe mir dann aber nur, die 2500€ aus eigener Tasche „vorzuschießen“ und zu hoffen, sie irgendwann vom Staat zurück zu bekommen.

    Es wäre wohl auch zu schön gewesen, wenn das alles reibungslos geklappt hätte. Ich habe die Rechnung natürlich nicht mit Vater Staat und dessen Bürokratie gemacht. Und ich wurde letztlich auch nicht über alle Fallstricken aufgeklärt. Wir gingen auf den Parkplatz hinaus wo ich meinen Civic stehen sah. Schwarz, neu, glänzend und mit einer dicken Schicht Blütenstaub bedeckt. „Sie würden ihn jetzt am liebsten sofort mitnhmen, oder?“ fragte der Verkaufsleiter. Ohja. Ich zähle wieder die Tage…