Autor: Roger Graf

  • Notiz 22

    Man gewöhnt sich ja an so einiges. Training und so. Auch mit dem Horror lernt man irgendwann umzugehen. Ob es Abstumpfen ist? Schwer zu sagen. Ich kann mir heute Grusel- und Horrorfilme ansehen, die ich vor Jahrzehnten nicht ertragen hätte. Aber auch jetzt bleibt immer noch eine natürliche Grenze, die nicht überschritten werden kann: Folter, unnötig explizite Darstellungen, Vergewaltigungen, die ganze abscheuliche Latte. So werde ich beispielsweise die komplette Saw Reihe auf ewig einfach nur abstoßend finden.

    Es gibt aber noch eine andere Grenze und die existiert aus mir unerfindlichen Gründen im Mainstream, nicht im Horror-Genre. Das spielerische massenhafte Abknallen von Menschen. Keine Ahnung, wann das zum Spaß wurde. So gesehen die Tage in dem gar nicht so guten Streifen Kingsmen, in dem zu fröhlicher Musik und mit wilden Schnitten und toller Akrobatik Dutzende Menschen mit Kopfschüssen und anderen abscheulichen Mitteln erledigt wurden. Es sollte wie ein Tanz wirken, es ist aber ein Abschlachten. Und klar, bei John Wick oder Bullet Train kann man in ähnlichen Szenen immer sagen: Aber es sind doch die Bösen, die hier draufgehen. Aber ist das der Maßstab? Will ich, dass der Kopfschuss und das Ausschalten eines Menschen in Nahaufnahme und Zeitlupe normal für mich wird? Will ich so abstumpfen, dass mich das nicht mehr erschreckt?

    Wollen wir das als Gesellschaft? Schockt es uns noch genug, in den Fernsehnachrichten zu sehen, wie wehrlose und unschuldige Menschen durch ICE Beamte einfach so erschossen werden, so als wären wir in einem Film? Ich glaube, wir sitzen grade alle im falschen Film.

  • Notiz 21

    The bugs are real. The math is not. All estimates are made up. Your frustration, however, is valid.

    Bugs Apple Loves präsentiert eine wundervolle Liste von Fehlern in den Betriebssystemen und Programmen von Apple, die die Verantwortlichen schon seit viel zu langer Zeit nicht verbessern oder anerkennen. Vermutlich weil sie sie einfach lieben. Bugs Apple Love ist eine Satire-Seite und gibt offen zu, die (um ehrlich zu sein, viel zu ausführliche) Berechnung der verlorenen Lebenszeit durch die einzelnen Bugs frei erfunden zu haben. Die Bugs selbst existieren aber wirklich, teilweise schon seit Monaten und Jahren und sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Qualität, Sorgfalt und das Gespür für die Details bei Apple in den letzten Jahren stark nachgelassen hat. Shame! Shame! Shame!

  • Notiz 20

    Reminder an mich selbst: Sollte ich jemals wieder ein Produkt bestellen, dann halte ich den kompletten Vorgang des Auspackens fotografisch fest. Selbst wenn ich in diesem Moment noch der festen Überzeugung bin, das Produkt behalten zu wollen. Anhand dieser Fotostrecke sollte es mir dann hoffentlich möglich sein, das Produkt auch wieder so einpacken zu können, dass es wirklich in den Karton passt. Denn ganz offensichtlich gibt es jeweils immer nur genau eine (1) Variante, in welcher Reihenfolge und Position Einzelteile zurück in die Verpackung müssen. Dies wurde zuvor mathematisch berechnet und mit Robotern durchgeführt und als normaler Mensch hat man nicht die geringste Chance, die richtige Methode zum Verpacken herauszufinden.

  • Notiz 19

    Predator: Badlands ist ein großartiger Film von „10 Cloverflied Lane“ Regisseur Dan Trachtenberg. Phantastische, fantasievolle Settings, hervorragende Action, toller Schnitt, packende Musik und eine Story, die ausreichend ist, um die Beweggründe und Ziele der Protagonisten deutlich zu machen. Der Rest ist reiner Plot mit genau der richtigen Mischung an Bildern, Lautstärke und feinem Humor. Eigentlich die perfekte Unterhaltung. Und… endlich wieder ein Film, der auch nach Kino aussieht und nicht wie eine Netflix/Amazon/DisneyPlus Produktion. Nach „Prey“ tatsächlich der nächste richtige Kracher. Und ja, auch „Killer of Killers“ (die Animationsvariante) hatte seinen Reiz.

    Allerdings: Nun hat man auch dem Predator nachdenkliche, fast menschliche, emotionale Züge verpasst und beleuchtet, was so ein Predator alles durchmacht. Zuvor war er einfach eine anonyme Tötungsmaschine, die nicht zu stoppen war und genau aus diesem Umstand Spannung erzeugte. Das ist nun vorbei. Predators haben Eltern und Geschwister und Verluste und Traumata und Regeln, an die sie sich halten müssen, ob es ihnen gefällt oder nicht. Seufz. Was kommt als nächstes? Wir sehen, dass die Aliens in ihrer Heimat eigentlich doch ganz soziale und liebende Wesen sind? Dass der Terminator eigentlich aus ganz verständlichen Beweggründen handelt?

  • Notiz 18

    Wer hat die Polarlichter letzte Nacht verpasst? *Zeigt mit zwei Daumen auf sich selbst*. Es reicht wohl nicht, täglich die Wettervorhersage zu checken, sondern auch die Polarlicht-Vorhersage.

  • Notiz 17

    Influencer sind ein komisches Volk. Alles bei Influencern muss etwas toller als üblich sein. Immer eine Spur drüber. Immer eine Spur daneben. Denn oft scheint es so, als seien Influencer nur deshalb anderer Meinung, um Reichweite zu erlangen. Fluorid ist tödlich, Hafer macht fett und krank, die Erde ist eine Scheibe, dieser ETF bringt dir 200% Rendite. Auffallen um jeden Preis, Hauptsache anders als die anderen. Und dann wird gefolgt und der gesunde Menschenverstand und Fakten ausgeblendet.

    Zwei Gedanken dazu: 1) Vor einigen Wochen fiel ich selbst wieder darauf rein, als irgendeine Instagram-Influencerin vor Verzückung vom Stuhl rutschte und einen Baumarkt anpries, der eine derart großartige Weihnachtsabteilung haben solle, wie man es noch nie erlebt habe. Wir fuhren hin und fanden drei Regale mit billigstem Plastikmüll vor. Reingefallen. 2) Diese bescheuerte Behauptung im Netz, dass Fluorid in Zahnpasta per se gesundheitsschädlich und giftig sei, ist mittlerweile im Mainstream angekommen. Es gibt tatsächlich Zahnpastahersteller, die bewusst damit werben, kein Fluorid zu nutzen, weil… giftig und so. Dabei kommt es, wie so oft, auf die Menge an. Und ich möchte denjenigen mal sehen, der so viel Zahnpasta schluckt, dass er sich tatsächlich eine Vergiftung einfängt. Alles, was derzeit wirklich toxisch ist, ist Social Media.

  • Notiz 16

    John Gruber in Daring Fireball:

    Es gab mal eine Zeit, da war ich als Apple Fanboy verschrieen. Ob das stimmte oder nicht, wer weiß. Aber ja, die grundsätzlichen Design-Entscheidungen von Apple begeisterten und überzeugten mich. Heute sehe ich das differenzierter. Zum Einen, weil ich selbst seit fast einem Jahrzehnt als UX Designer arbeite, zum anderen weil ich mit sehr vielen Entscheidungen seitens Apple nicht einverstanden sein kann. Damit sind noch nicht mal deren politischen oder geschäftlichen Entscheidungen gemeint. Liquid Glass ist ein komplettes Desaster. Das muss noch einmal deutlich gesagt werden. Fast täglich lese ich von neuen Verfehlungen in aktuellen OS Versionen. Wie beispielsweise von den lächerlich übertriebenen Fensterrundungen in macOS, die eine normale Nutzung beim Vergrößern und Verkleinern völlig absurd machen. Oder den in diesem Zusammenhang aufgefallenen Darstellungs- und Bedienfehlern bei Scrollbalken. Die insgesamt dann noch schlimmer werden, wenn man genauer hinschaut. Es scheint nicht aufzuhören.

    Das Schlimmste ist allerdings, dass wir nicht mit baldiger Verbesserung rechnen dürften. Denn was Apple so gut wie nie macht, ist, Fehler einzugestehen. Und bei einer derart massiven Designumstellung wie bei Liquid Glass käme das auch einem Gesichtsverlust gleich. Deshalb wird Apple auch keinen Schritt zurück machen. Sie werden hier und da kleine Anpassungen machen oder Probleme komplett ignorieren. Man denke nur daran, wie lange es dauerte, bis die unsäglichen Butterfly Tastaturen in den Macbooks verschwanden. Von den einst goldenen Zeiten, als Apple noch Design-Vorreiter und Speerspitze ware, sind wir leider weiter entfernt denn je.

  • Notiz 15

    Auf der Suche nach einem Fußpedal für den Auszug unter der Spüle so bei mir selbst gedacht: Ich möchte das überall haben – einen Schalter, bei dem ich Dinge mit den Füßen treten kann, damit sie tun was ich möchte. Wie befriedigend muss das sein?

  • Notiz 14

    Die überall herrschende Begeisterung für das Xbox/PS5 Game „Indiana Jones und der große Kreis“ kann ich leider nicht teilen. Trotz schöner Grafik und superben Sprechern finde ich es tödlich langweilig. Nach ca. 4 Stunden Spielzeit habe ich bereits vergessen, worum es eigentlich geht. Die große Geschichte wird auch kaum erzählt, man erhält nur Fragmente und sieht sich letztlich nur damit beschäftigt, Checkpoints zu erreichen und langweilige Aufgaben auszuführen. Hier und da ein überkomplexer Faustkampf und behäbige, schwerfällige Kletterpartien (ja, er ist ein Professor und kein Nathan Drake, ich weiß). Überhaupt: Diese Steuerung. Wie kann ein solches Spiel eine derart unnötig komplizierte Steuerung haben? Beispiel: Verschlossene Türen können nicht einfach mit einem passenden Schlüssel geöffnet werden. Nein, man muss den Schlüssel auswählen, ihn in Schloss stecken, mit dem linken Stick drehen und dann erst öffnet sich die Tür. Das mag zwar realistisch sein, ist aber auf keinen Fall spaßig. Dass das Spiel in der First-Person-Perspektive dargestellt wird, mag ja okay sein, oft verliert man aber dennoch den Überblick, Kletterpassagen werden ungenau und – das allerschlimmste – ich habe nie das Gefühl, wirklich durch Rom zu laufen, denn die Kamera schwebt einfach nur durch die Räume. Immersion kommt da nicht auf und was für einen reinrassigen Shooter absolut geeignet ist, scheint mir bei einem Abenteuer eher nicht so passend. Schade. Ich hatte mich so sehr auf ein neues Indy-Abenteuer gefreut.

    By the way, liebe Spielehersteller: Müsst ihr jedesmal das Rad neu erfinden, wenn es um die Steuerung geht? Könnt ihr nicht mal erprobte Mechaniken aus anderen erfolgreichen Spielen einfach übernehmen? Muss ich denn für jedes Spiel immer wieder erst alles neu lernen? Und: Muss es denn immer so überkomplex sein? Ich möchte das Spiel genießen können und mir nicht auf die Schulter klopfen, dass ich nach 3 Wochen Training 300 Tastenkombinationen und Kombos im schlaf kann.

  • Notiz 13

    Ach übrigens, wenn hier jetzt jeder Ansprüche an Grönland anmelden kann – also ich hätte Grönland auch gerne. Weiß zwar nicht wofür, aber bevor es Trump oder die Russen bekommen, werfe ich meinen Hut in den Ring. Was letzte Preis?

  • Notiz 12

    Seit ich schon vor etwa 2 oder 3 Jahren damit begonnen habe, den Nachrichten- und Informationsfluss zu regulieren, Eilmeldungen und Mitteilungen massiv einzuschränken, geht es mir deutlich besser. Ich habe keine Nachrichten-Apps mehr auf meinem Phone und werde auch nicht mehr ständig mit jeder Hiobsbotschaft belästigt. Aber natürlich möchte ich weiter informiert sein und habe es mir daher zur Regel gemacht, bei Bedarf bei tagesschau.de reinzuschauen. Bewusst auf der Web-Version, nicht in der App. Und wie ich hier bei ifun.de lese, eine gute Entscheidung. Denn die Tagesschau scheint dort, offenbar durch Forderung der Printmedien, mehr zu einem TikTok-Klon geworden zu sein. Da spricht vielleicht wieder der alte Mann in mir, aber ich möchte nicht ständig kleine Videos schauen. Ich glaube auch, dass ich Schlagzeilen schneller erfasse, wenn ich sie lese (und dann bei Bedarf den Artikel aufrufe, um mehr zu erfahren). Baut die Tagesschau auch schon Emojis in die Videos und untertitelt das Ganze mit „Wait ‚till the end!“?

  • Notiz 11

    Schlagzeile heute: Söder will weniger Bundesländer. Und ich glaube, die Bundesländer wollen weniger Söder. Würde allen gut tun.

  • Notiz 10

    Weil wir neulich von Icons sprachen und wie inflationär, unnötig und falsch Apple derzeit mit Icons umgeht: Ich fand in meinem Archiv einen Artikel von 2023, wo ich über die Änderungen auf Apples Webseite schrieb und wie dort das Hauptmenü von Icons zu reiner Textdarstellung geändert worden war. Und ja, damals hinterfragte ich diesen Schritt. Heute begrüße ich ihn. Interessant, wie sich meine und Apples Meinung in den letzten 3 Jahren offenbar geändert hat. Es bleibt aber abzuwarten, ob sie auf ihrer Hauptseite je wieder zu Icons zurückkehren werden.

  • Notiz 9

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    Ein verspätetes Weihnachtsgeschenk von mir für mich. Ein Stück Kindheitserinnerung in tadellosem Zustand. Der originale Nintendo Gameboy Classic inklusive Tetris. Na, wer hat direkt die Titelmelodie des Games im Kopf?

  • Notiz 8

    Diese Trumps, Putins, Orbans und all die anderen Kerle – sind die eigentlich jemals glücklich? Haben die auch mal einen guten Tag? Einfach mal mit leckerem Frühstück und einem entspannten Tag an einem See, ein Nickerchen und ein Bierchen mit Freunden. Ja, Geld und Macht, alles geil und so. Aber ständig nur wütend sein, paranoid und schlecht gelaunt? Das ganze Leben lang? Ist es das wert?

  • Notiz 7

    Jim Nielsen:

    Schöner Gedanke, dass Wachstum wie ein Baum sein sollte und nicht wie Krebs. Lesenswert.

  • Notiz 6

    Wer Wordle mag, aber der Meinung ist, dass es zu viele Buchstaben und zu wenig Pferde bietet, findet jetzt vielleicht mit Enclose.horse eine gute Alternative. Das Puzzlespiel bietet täglich eine neue Karte und verlangt vom Spieler, ein Pferd auf einer Wiese einzusperren, ihm aber möglichst viel Freiraum zu bieten. Hat bei mir neben Wordle (und dieser recht guten, deutschsprachigen Alternative) seinen Platz als morgendlicher Rätselspaß gewonnen.

  • Notiz 5

    Müde vom stundenlangen Doom-Scrolling? Erschöpft von toxischen Social Media Diskussionen? Nachrichten Portale gaben dir den Rest, während du schon am Boden liegst? Und die KI lügt und halluziniert wieder vor sich hin? Dann nutze das für dich. Sag deinem KI-Bot, er soll dir sagen, dass alles wieder gut wird. Trump, Ukraine-Krieg, Nazis in Deutschland, Klimawandel, was auch immer dich gerade fertig macht. Sag ihm, er soll die Aussage, das alles wieder gut wird nur mit Fakten belegen und hierzu auch die Quellen nennen. Und dann hülle dich ein in eine wohlig warme Zukunftsvision, die sich so real anhört, dass sie fast wahr sein könnte. Das Leben ist schön.

  • Notiz 4

    Mein Verhältnis zu Icons ist zwiespältig. Sie sind sinnvoll und nützlich, können aber bei falscher Anwendung mehr Schaden anrichten, als manch einer denkt. Zu viele Icons, Icons mit unklarer Bedeutung oder falscher Metapher verschlechtern die kognitive Last von Nutzern, die Scanbarkeit von Oberflächen und somit auch die Usability. Nun wird Apple ja gerne als der Gold-Standard in Sachen Design angesehen, besonders bei Nicht-Designern. Umso bemerkenswerter die Vielzahl an Verfehlungen, die Apple seit den 26er Updates eingeführt hat. Liquid Glass kann nur als üblen Fehltritt bezeichnet werden, der hoffentlich in den kommenden Jahren angepasst wird. Ähnlich schlimm sind allerdings auch die Änderungen in den Human Interface Guidelines von Apple und dem dort beschriebenen Umgang mit Icons. Denn ein Jahrzehnte altes Paradigma wurde über Bord geworfen und die massenhafte Nutzung von Icons wird nicht nur erlaubt, sondern empfohlen und durchgeführt. Mit entsprechend schlechten Ergebnissen. Icons sind überall – doppelt und dreifach, inkonsistent oder komplett falsch. Neben den oben genannten Verschlechterungen markiert Apple damit allerdings einen Präzedenzfall, der leider viele Nachahmer finden wird. Weil: Gold-Standard. Howard Oakly fasst den Zustand hier sehr gut zusammen. Noch besser und genauer auf das Icon-Thema eingegangen wird hier bei Jim Nielsen und vor allem bei Niki Tonsky, der eine sehr ausführliche Zusammenfassung, Gegenüberstellung und Analyse anbietet.

  • Notiz 3

    Und dann stellst du mit einem Mal fest, dass dein persönliches Blog 21 Jahre alt ist. Und du das Jubiläum zum 20sten einfach verpasst hast…