Jahr: 2007

  • Dopingaffäre: Ich gestehe

    Ich kann so nicht mehr weiter leben. Mit dieser Schuld, diesem schlechten Gewissen, dieser ganzen Heimlichtuerei. Diese ehemaligen Telekom-, T-Mobile-Radsportler sind mir ein Vorbild, auch diese geständigen Freiburger Ärzte, alle die sich jetzt dazu entschlossen haben, endlich die Wahrheit zu sagen. Denn auch ich möchte gestehen: Ja, ich habe gedopt. Ich hab im Frühjahr 1983 verbotene Mittel eingenommen, um meine Leistung zu steigern. Zu diesen Mitteln gehörte damals auch Traubenzucker. Ich habe vermutlich zwei Rollen Traubenzucker gegessen. Besorgt hatte mir dieses Teufelszeug ein Freund, dessen Vater in einer Apotheke arbeitete. Ich möchte weder den Namen des Freundes noch den seines Vaters nennen. Hier stehe nur ich, schuldbehaftet, demütig, um Vergebung bittend. Ich war nur ein Mensch, ein Kind. Ich wußte es nicht besser. Und es war so lecker.

    Allerdings bekam ich trotz des Dopings nur eine Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen ’83. Wie ich finde, ein Beweis, dass alle meine Konkurrenten damals noch schlimmere Dinge eingenommen haben müssen, wie Mineralwasser oder Frischluft oder gar … ich wage gar nicht daran zu denken. Ich möchte mit diesem Geständnis ein Zeichen setzen und all Schüler von damals aufrufen, zu gestehen. Damit endlich wieder Fairness in den Sport zurück kehrt.

    Übrigens ist das nur ein Geständnis, dass ich gedopt habe. Das hat nicht das Geringste mit Dope zu tun und außerdem habe ich nie inhaliert.

    [Zusatz: Nein, ich werde nicht weinen.]

  • Sometimes I speak not so good English

    Oh, wie ich es hasse, wenn Kunden völlig überraschend Fragen in englischer Sprache stellen. Da stehe ich regelmäßig erstmal wie ein Depp da, stammle vor mich hin, werfe ein paar englische Substantive und Verben in den Raum und gestikuliere wild mit den Händen, in der Hoffnung, man möge mich verstehen. Bisher hat das auch immer funktioniert, dennoch ärgert es mich. Hallo, wozu schaue ich denn ständig TV-Serien und Kinofilme im Original an? Wozu kann ich denn jeden englischen Text lesen und verstehe im Grunde auch alles, was man mir auf Englisch sagt, wenn ich meinerseits keine vernünftige Antwort zustande bringe? Denn das Schlimmste an dieser Misere ist, dass ich, sofort wenn der Kunde von dannen zieht, die perfekte Antworten parat habe. In geschliffenem, lupenreinem Englisch. Nur leider zu spät. Und jedesmal sage ich mir, dass ich mir beim nächsten Mal mehr Zeit nehme und länger über meine Antwort nachdenke (etwas, dass auch viele  Deutsche in ihrer Landessprache tun sollten). Ich schätze, ich brauche wirklich mal ein wenig Auslandsaufenthalt um meine Sprachkenntnisse zu festigen. Neuseeland, so für ein bis vierzig Jahre. Sounds great.

  • Roger Potter hat ’ne Bude

    Meine Güte, da ist man mal ein paar Tage nicht da und schon rutschen die Besucherzahlen meines Blogs auf unter 50. Das muss aber wieder anders werden, liebe Freunde. Ich bin wieder zurück von meinem Trip. Zwei Tage lang sah ich mir alle möglichen Wohnungen in und um Duisburg an und besuchte danach noch meine damalige Freundin und die Familie am Bodensee. An dieser Stelle möchte ich nochmals Britta und Enza danken, meinen beiden Immigrationsbeauftragten für Duisburg, die mich in ihrem Bettchen schlafen und von ihrem Tellerchen essen ließen (dabei habe ich weder das eine noch das andere getan – aber ihr wisst ja was ich meine).

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  • Pläne und Ziele

    Schon erstaunlich, wie man bei einem Neubeginn automatisch Pläne schmiedet und sich gute Vorsätze überlegt. Wie an Silvester zum Beispiel. Derzeit habe ich angesichts meiner „Alles auf Null“ Kampagne und meines bevorstehenden neuen Lebens auch die tollsten Ideen. So habe ich mir fest vorgenommen in Zukunft öfter mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Dazu suche ich natürlich Wohnungen in einem fünf Kilometer Radius. Weiterhin möchte ich gerne wieder regelmäßig ein Fitness Studio besuchen. Aber nicht um meiner Eitelkeit Willen. In erster Linie, weil mir Bewegung ganz einfach gut tut. Besonders meine Nacken- und Schulterpartie bedarf eines besonderen Trainings und würde dadurch hoffentlich von ständigen Verspannung und eingeklemmten Nerven verschont bleiben. Als angenehmen Nebeneffekt erhoffe ich mir natürlich auch einen Abbau der beginnenden Wampe.

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  • Eurovision Song Contest 2007

    Aus Mangel an Alternativen tat ich mir gestern den Eurovision Song Contest 2007 im Ersten an. Ich dachte, es könnte vielleicht spaßig werden. Und nun ja, irgendwie war es das ja auch. Wenn man folgendes bedenkt: Der European Song Contest ist Trash in Reinkultur. Hier gewinnt nicht das Land mit dem besten Lied oder dem besten Sänger. Hier gewinnt das Land, das die meisten Freunde in Osteuropa hat und/oder den schrägsten, schrecklichsten Song und/oder den entsetzlichsten aller Sänger und/oder die ausgeflippteste Performance und/oder Outfit. Sich also über das schlechte Abschneiden des deutschen Roger Cicero aufzuregen ist daher unnötig. Er war sehr gut, ohne Frage. Aber er hat nicht verstanden, dass man mit einem guten Song und einer guten Stimme bei diesem Wettbewerb nichts gewinnt. Man darf all das einfach nicht zu ernst nehmen. Denn wer den Fehler macht und den europäischen Sänger-Wettstreit ernst nimmt, der glaubt vermutlich auch, dass der Gewinner von DSDS tatsächlich ein Superstar ist.

    Aber mal zwei Fragen: Zum wievielten Mal bekam die Türkei eigentlich zwölf Punkte von Deutschland? Und würde es Sinn machen, einen West-European und einen East-European Song Contest zu veranstalten?

  • Das schwarze Band

    Gestern fuhr ich auf dem Weg zu meinen Großeltern durch Auggen. An beiden Ortsschildern hat jemand jeweils ein schwarzes Tuch angeknotet. Es weht dort leicht im Wind und sendet eine stille, subtile Nachricht aus. Jeder, der weiß, was vor kurzem in Auggen passiert ist, versteht diese Nachricht. Man fühlt sich sofort beklemmt und unwohl. Seltsam aber, an den Blumen und Kreuzen, die man hin und wieder neben der Straße (meist an Bäumen) sieht, fahre ich immer achtlos vorbei.

  • Mirjams Mörder ist gefasst

    Drei Wochen nach dem schrecklichen und gleichsam rätselhaften Mord an der 13-jährigen Mirjam aus meinem Nachbardorf Auggen ist der Täter nun gefasst. Es ist ein 31-jähriger Mann, der in Auggen wohnt und gestern festgenommen wurde. Man hatte ihn während der Ermittlungen befragt, wobei er sich wohl in einige Widersprüche verstrickte. Nachdem man ihm eine Speichelprobe abgenommen und diese DNA mit den Spuren am Tatort verglichen hatte, wurde er als Haupttatverdächtiger festgenommen. Nun gestand er den Mord. Ein Motiv soll immer noch nicht festzustellen sein.

    Und damit bleibt es rätselhaft, schrecklich und unverständlich. Ich frage mich, was schlimmer ist. Wenn Triebtäter frei gelassen werden und sich wieder und wieder an Kindern vergreifen – oder wenn die Gefahr unerkannt beim Nachbarn lauert. Deshalb wiederhole ich meine Frage an den Herrn Schäuble nochmal: Wie gedenken Sie in Zukunft kleine Mädchen vor Verbrechern zu schützen?

  • Wie man einen A380 räumt

    Das neue Flaggschiff des Flugzeugherstellers Airbus ist der A380. Damit dieses zweistöckige Riesenflugzeug seine Zulassung bekommt, muss es eine lange Reihe von Tests bestehen. Dazu gehört unter anderem auch der, ob man das komplett mit 873 Menschen besetzte Flugzeug innerhalb von 90 Sekunden räumen kann. Und die lediglich durch die Hälfte der ansonsten zur Verfügung stehenden Ausgänge. Auf arte zeigte man diesen Test. Hochdramatisch das Ganze, auch wenn es etwas nach „Wetten dass“- Außenwette aussieht.

    Zumindest hat man es innerhalb von 77 Sekunden geschafft. Ob das in einem echten Notfall und mit Menschen, die in Panik und nicht vorbereitet sind, auch so gut klappt, ist natürlich eine ganz andere Frage. via

  • 119 Mal Lost

    Eine der faszinierendsten und spannendsten TV-Serien die ich kenne ist, ist neben "24" mit Sicherheit "Lost". Nie zuvor saß ich bei jeder einzelnen Folge so gebannt vor dem Schirm wie bei der Geschichte um eine Gruppe von Menschen, die nach einem Flugzeugabsturz auf einer mysteriösen Insel zu überleben versuchen. Und nie zuvor sagte ich am Ende einer jeden Folge "What the f…" wenn es einen noch abgedrehteren, noch neugieriger machenden Twist und Cliffhanger gab. Lost macht süchtig. Deshalb läuft die Serie in den USA bereits in der dritten Staffel sehr erfolgreich. Allerdings wissen die Produzenten der Serie wohl, dass sie die Zuschauer nicht mehr lange hinhalten können. Irgendwann verlangen sie ganz automatisch nach Antworten, die bisher nur spärlich geliefert wurden. Jede neue Episode wirft noch mehr Fragen auf. Deshalb gab man nun vor kurzem, passend zum bevorstehenden Ende der dritten Staffel am 23.Mai, folgende Meldung heraus:

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  • Landflucht

    Eigenartig. Seit zehn Jahren wohne ich in dieser Wohnung und war auch immer recht zufrieden. Nicht zuletzt wegen des Edeka Marktes, den ich direkt unter mir hatte. Extrem praktisch war das und es wird eine gehörige Umstellung für mich sein, nach meinem Umzug wieder zu einem Supermarkt "fahren" zu müssen. Und nicht einfach sagen zu können: "Oh, die Milch ist alle, ich geh schnell mal runter."

    Und nun erfahre ich doch gerade, dass der Edeka ebenfalls dabei ist, hier auszuziehen. Ende des Jahres wird es ihn nicht mehr geben (dafür kommt bestimmt so ein Billigmarkt rein, der nur abgepacktes Zeuchs hat). Doch nicht nur das. Außer mir ziehen in diesem 6 Parteien Haus noch vier weitere Leute aus oder sind schon weg). Eigenartig. So viele Nachbarn habe ich hier kommen und gehen sehen und nun gehen alle fast gleichzeitig. Tja, die Hebelstraße wird nach meinem Weggang einfach nicht mehr die alte sein.

  • Mein neues Leben – Alles auf Null

    Die Verträge sind unterschrieben. Die Tinte ist trocken. Es ist entschieden. Ich werde mein geliebtes Müllheim verlassen. Auch Freiburg werde ich den Rücken kehren, dem Breisgau, dem Markgräflerland, ja sogar Baden Württemberg wird mich nicht mehr zu seinen Bewohnern zählen können. Am 1.Juli 07 beginnt mein neues Leben in Duisburg. Und wie ihr euch vorstellen könnt, bin ich ganz schön aufgeregt.

    Wenn ich von meinem neuen Leben spreche, meine ich das auch tatsächlich so. Zunächst ist Duisburg und der komplette Ruhrpott eine völlig neue und fremde Umgebung für mich. Und für jemanden, der seine Jugend im beschaulichen Weil am Rhein verbrachte und die letzten zehn Jahre im schnuckeligen Müllheim wohnte, kommt der Umzug in eine Großstadt einem kleinen Kulturschock gleich.

    Es gibt natürlich einen Grund, weshalb ich diesen Umzug auf mich nehme. Ich habe einen neuen Job. Und auch hier handelt es sich um etwas völlig Neues und mir weitestgehend Unbekanntes. Somit ist auch die berufliche Neuorientierung ein Sprung ins kalte Wasser für jemanden, der Zeit seines Lebens nur einen Beruf ausgeübt hat. Nämlich den des Lokführers, der natürlich ein Kindheitswunsch war.

    Nun also etwas Neues. Eigentlich alles Neu. Alles auf Null.

    Ich habe diesen Satz „Alles auf Null“ in letzter Zeit oft gebraucht. Nun ist der Grund dafür wohl klar. Denn mit der Neuausrichtung meines Lebens wurde auch der Wunsch geweckt, sich von alten Dingen zu trennen, alte Zöpfe abzuschneiden. Daher zum Beispiel die Entscheidung, meinen Roman vom Markt zu nehmen. Daher auch der Gedanke, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, auf Apple umzusteigen (in meinem Träumen sehe ich mich in meinem Großstadtloft an einem dunklen Eßzimmertisch sitzen, auf dem lediglich eine mit Obst gefüllte Schale, ein Glas Rotwein und ein silbernes MacBook steht). Es gab noch einige Details mehr, die sich bereits geändert haben oder es noch werden. Wichtige, wie banale. Es ist in der Tat aufregend.

    Und gleichzeitig auch traurig. Denn ich lasse nicht nur Ballast zurück, sondern auch lieb gewonnene Menschen und meine Heimat. Also alles, was zu mir gehört. Darüber hinaus lasse ich auch profane, wirklich banale Dinge zurück, wie zum Beispiel die Möglichkeit, SWR3 zu hören, einfach so in die Schweiz zu fahren oder Pizzafleischkäse (scheint es im Ruhrpott nicht zugeben). Das klingt lächerlich, doch wird mir immer stärker bewusst, welche Vielzahl an Details es sind, die die Heimat eben zur Heimat machen.

    Was die lieb gewonnen Menschen anbelangt, so habe ich doch die starke Hoffnung und den Willen, alle durch gegenseitige Besuche so oft wie möglich zu sehen. Allen voran natürlich die Familie und die damalige Freundin, die ich hier im Ländle zurück lasse. Aber auch die Freunde, die sich selbst schon in ganz Deutschland verteilt haben. Und sogar die Freiburger Blogger, zu denen ich demnächst nicht mehr gehören werde.

    Wer mich näher kennt, weiß, dass ich im Grunde meines Herzens ein Dinosaurier bin (ich denke da an diese großen, trägen Pflanzenfresser mit dem langen Hals und dem ebenso langen Schwanz), der sich nur schwer anpassen kann und es gerne so hat, wie er es gewohnt ist. Umso erstaunlicher mag meine Entscheidung sein. Ein neues Leben in fremder Umgebung, mit einem neuen, unbekannten Job, ohne Sicherheitsnetz und Rückfallebene – das war 30 Jahre lang nicht gerade mein Wunschtraum. Aber umso wichtiger, umso besser und umso aufregender ist es nun, dieses Abenteuer zu wagen. Wann, wenn nicht jetzt?

    Nun gut, manch einer wird vielleicht denken, ich solle mich nicht so anstellen. Schließlich ziehe ich ja nur 500 Kilometer in den Norden. Fast jeder hat etwas ähnliches in seinem Leben schon hinter sich gebracht. Wer dies allerdings noch vor sich hat, es sich gar nicht erst vorstellen kann, oder nun, mit 33 Jahren zum ersten Mal einen solchen Schritt wagt, wird mir meine Aufregung vielleicht nachfühlen können.

    Glücklicherweise gibt es ja auch vieles, das sich nicht ändern wird. Mein Blog wird weiterhin bestehen. Und ich bleibe auch weiterhin per Chat, Mail oder Phone erreichbar. Selbstverständlich wird mich alles, was mir ans Herz gewachsen ist, in die „Fremde“ begleiten. Meine Filme, die Bücher, ja sogar meine geliebten Songs auf meinem iPod und noch banalere Dinge. An Erinnerungen mangelt es also nicht und ich überlege, mir vielleicht noch eine von diesen Städte Jacken mit einem Freiburg Schriftzug zu kaufen (oder schenken zu lassen). Der Dinosaurier zieht auf eine neue Weide und nimmt sich dabei ein Bündel seines Lieblingsgrünzeugs mit.

    Derzeit bin ich auf intensiver Wohnungssuche, was sich etwas knifflig erweist. Man kann ja nicht eben mal nach Duisburg fahren, um sich ein Objekt anzusehen. Außerdem muss ich noch eine günstige Umzugsspedition finden, da mir ein Freund einen versprochenen LKW nun doch nicht zur Verfügung stellen darf. Bald schon wird das Rennen auf verschiedene Ämter losgehen.
    Anrufe mit Ummeldewünschen werden getätigt und dutzende Mails und Briefe werden verschickt, um den neuen Wohnort zu verkünden.

    Am 9.Juni arbeite ich zum letzten Mal in meinem alten Job. Damit wird eine kleine Ära zu Ende gehen, denn mein Traumjob Lokführer wird nach diesem Tag hinter mir liegen. Und eine neue, spannende Herausforderung wird seinen Platz einnehmen.

    Alles auf Null.

    Erinnert ihr euch, wie ich vor kurzem erzählte, dass ich mir manchmal vorstelle, mein Leben sei eine Fernsehserie? Nun, die Serie „Roger Graf – ein Lokführer aus Müllheim“ geht ihrer letzten, finalen Episode entgegen. Es werden in den verbleibenden Folgen hoffentlich nochmals alle Darsteller auftreten und alle lieb gewonnenen Locations besucht. Ich hoffe, die Serie endet schön, ohne großes Drama oder Herzschmerz, dafür aber mit dem Gefühl, ein vorübergehendes Happy End erreicht zu haben (um sich auf die Suche nach dem nächsten zu begeben). Ich hasse Abschiede.

    Ich stelle mir vor, die letzte Szene läuft folgendermaßen ab: Ich stehe in der nun zum ersten Mal seit zehn Jahren leer stehenden Wohnung und sehe mich ein letztes Mal um. Dann schnappe ich meinen Rucksack, gehe hinaus und schließe die Tür hinter mir. Dazu hört man im Hintergrund Bruce Springsteens „Glory Days“.

    Und dann? Dann startet eine brandneue Serie in einer neuen Stadt, mit neuen Abenteuern. Ich hoffe auf viele Gaststars aus der alten Serie und ich hoffe, dass die neue mindestens genauso spannend, witzig, dramatisch, nachdenklich, traurig, besinnlich und manchmal etwas schräg wird, wie die alte.

  • Gedanken über Mirjam und die innere Sicherheit

    Am morgigen Freitag wird die 13-jährige Mirjam in meinem Nachbarort Auggen beerdigt. Das Mädchen wurde letzte Woche tot in einem Dornengebüsch gefunden. Offenbar war es auf dem Weg zur Schule überfallen, getötet und danach dort versteckt worden. Noch gibt es weder ein Motiv noch hat man einen Täter gefunden, obwohl die Polizei hunderte von Zeugen befragte und ebenso vielen Hinweisen nachging. Aber es scheint noch immer eine heiße Spur zu fehlen. Nun denkt man darüber nach, einen DNA Massentest zu veranstalten, an dem ich mit Sicherheit auch teilnehmen müsste (alleine schon, weil ich vermutlich in das Täterprofil passe: männlich, jung, mittelständisch, ledig und ich spiele Killerspiele). Und gerade jetzt, in einer Zeit, in der sich der deutsche Staat wünscht, seine Bürger mehr und mehr überwachen zu können, frage ich mich, was geschähe, wenn ich mich diesem DNA Test verweigerte.

    Versteht mich nicht falsch. Auch ich möchte, dass dieser Verbrecher so schnell wie möglich gefasst und seiner Strafe zugeführt wird. Auch habe ich im Grunde nichts dagegen, wenn die Polizei alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel einsetzt, um ihn zu schnappen. Doch nehmen wir einmal an, ich möchte nicht, dass der deutsche Staat in den Besitz meiner DNA Daten kommt. Genauso wenig wie ich möchte, dass er meinen PC regelmäßig durchsucht, dabei zusieht, wo ich surfe, meine Mails liest, meine Telefonate abhört, Einblick in meine Konten bekommt oder Wanzen in meiner Wohnung versteckt. Nehmen wir an, ich bin paranoid genug zu glauben, dass der Staat all meine Daten und alles, was mich als Bürger Roger Graf auszeichnet zusammen trägt und mit der DNA und den biometrischen Daten speichert. In der Hoffnung, jetzt oder zukünftig mehr Kontrolle über mich zu haben. Will ich das?

    Ich habe ein Alibi für den Tatzeitpunkt. Ich war arbeiten und mehrere hundert Menschen könnten das vermutlich bezeugen. Könnte ich mich nun anhand meines Alibis einem DNA Test entziehen? Ich habe keine Ahnung, wie die rechtliche Seite hier aussieht. Aber stünden vielleicht wenige Stunden später die Kripobeamten erneut vor meiner Tür, in der Hand einen Gerichtsbeschluss, der ihnen erlaubt, mir ein Wattestäbchen in den Mund zu stecken? Und was wäre, wenn ich gar kein Alibi hätte und den Test dennoch verweigern würde?

    Kurz gesagt: Machte ich mich automatisch verdächtig, wenn ich mich weigerte, bei der Aufklärung dieses Verbrechens hilfreich zu sein?

    Und machte ich mich verdächtig, wenn ich mich weigern würde, dem deutschen Staat und dem lieben Herrn Schäuble auch nur etwas mehr als meine Anschrift zu geben? Bin ich dann automatisch ein Verbrecher? Ein Terrorist gar?

    Um ehrlich zu sein, ich glaube dass solche Verbrechen auch mit einer kompletten DNA Datenbank geschehen können. Wenn ein Täter in seinem Wahn meint, er müsse ein unschuldiges Kind erdrosseln, denkt er garantiert nicht über möglicherweise hinterlassene Spuren nach. Auch halte ich eine deutsche DNA Datenbank gerade hier im Dreiländereck, also im Grenzgebiet, für einigermaßen wirkungslos. Lückenlose Kameraüberwachung ist Fehlanzeige. Biometrische Daten im Ausweis wären hier ebenfalls Makulatur.

    Sei’s drum. Dieses Verbrechen muss aufgeklärt werden. Von mir aus soll die Kripo meine DNA auch bekommen. Aber woher weiß ich, was mit diesen Daten später geschieht? Werden sie gelöscht? Wer gibt mir hierfür Garantien? Und vor wem muss ich mich in Zukunft mehr fürchten? Vor Verbrechern, Terroristen oder dem eigenen Staat, der mehr über mich weiß als meine eigene Mutter? Ein ungutes Gefühl.

    Ja, ich weiß: „Wer nichts zu verbergen hat, braucht sich auch vor nichts zu fürchten“, höre ich schon allerorten. Erzählt das mal jemandem, der unschuldig unter einem Überwachungsstaat litt. Haben denn gerade wir Deutschen noch immer nichts gelernt?

    Daten sammeln und überwachen. Schön und gut. Besonders wenn es tatsächlich Verdachtsmomente gibt und es um Präventivmaßnahmen gegen Terrorismus geht. Doch wer entscheidet, wann Verdacht besteht? Und, sehr geehrter Herr Schäuble, ich fürchte mich weitaus mehr vor Wahnsinnigen, die aus irgendeinem Grund 13-jährige Mädchen töten, als vor islamistischen Terroristen (oder heißt es islamisch?). Hätte ich eine Tochter, würde ich mich vor jedem Zebrastreifen an einer viel befahrenen Straße, vor jedem abseits gelegenen Fahrradweg, vor jedem Discobesuch und vor jedem Kerl jeglichen Alters fürchten. Also vor jeder potentiellen Gefahr, der ein Mädchen heute mehr oder weniger ausgesetzt sein kann. Aber dass ein Terrorist die Auggener Bushaltestelle in die Luft sprengt und mehrere Unschuldige mit in den Tod reißt, halte ich dagegen für eher unwahrscheinlich. Ganz egal, wie gut die Überwachung bisher war. Anders herum gefragt, Herr Schäuble: Wie gedenken Sie in Zukunft kleine Mädchen vor Verbrechern zu schützen?

    Zugegeben, dieser letzte Abschnitt klingt vielleicht etwas übertrieben. Wir leben in einer bösen Welt, oder zumindest wird uns gesagt, wie böse die Welt ist. Aber keine noch so lückenlose Kontrolle kann Böses oder Schlimmes verhindern. Und ich weigere mich einfach, ab sofort in Angst oder mit schlechtem Gewissen zu leben.

    Natürlich begibt man sich mit einem Text wie diesem in eine Grauzone. Man merkt es vielleicht auch an meiner Zerrissenheit. Man könnte mir zu jedem Aspekt dieses Artikels Fragen und Gegenargumente an den Kopf werfen. Was aber nichts brächte, da ich das schon selbst tue. Die Grenzen verschwimmen bei dem was nötig, was möglich und was tatsächlich zu vertreten ist. Und besonders wenn es um die Sicherheit unserer Kinder geht, sind rein objektive Argumente schnell passé. Wie weit kann, darf und muss ein Staat gehen, um Verbrechen zu verhindern und aufzuklären?

    Meine Gedanken sind bei jedem Trauernden, bei allen, die Angst haben, bei allen Kindern, die immer wieder Gefahren ausgesetzt sind. Mein Beileid den Verwandten und Freunden der kleinen Mirjam, die so sinnlos aus dem Leben scheiden musste.

  • Roger meldet sich

    Vor kurzem berichtete über das Design-Print-Magazin Roger, welches sich darüber freute, einen weiteren Roger in mir gefunden zu haben. In meinem daraufhin verfassten Artikel stellte ich zwei einigermaßen freche Forderungen um im Gegenzug Roger-Partner (also ein Spender) werden zu können. Nun meldete sich Herr Siebertz von der Online Redaktion zurück. Und diese Mail ist so charmant, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte:

    Hallo Herr ROGER Graf!

    Also unseren ROGER spricht man englisch aus. Und Ihrer Forderung gehen wir natürlich gerne nach. Zwar sind die Buttons gerade „aus“ – aber schon bald kommen frische auf den Markt. Mit Ihren Cover-Ambitionen – nun – wir werden sehen. Im Rahmen der Gleichberechtigung ist allerdings auf der nächsten Ausgabe wieder eine „ROGERine“ drauf. Das würde also sehr schwer für Sie (vermutlich).

    Schöne Grüße, Marco Siebertz

    Also Herr Siebertz, eine ROGERine könnte ich bestimmt problemlos verkörpern. Ob dies natürlich zuträglich für ihre Verkaufszahlen wäre, ist eine andere Frage. In diesem Fall warte ich gerne auf die übernächste Ausgabe und mein dortiges Engagement als echter, männlicher Roger. Aber ich danke zumindest schon mal für die noch „ausen“ Buttons.

  • Heck Mac

    Computertechnisch aufgewachsen bin ich mit einem Amiga. Nicht wie viele andere Menschen mit einem C-64. Ich war quasi schon einen Schritt weiter als ich einstieg. Denn der Amiga bot bereits zu seiner Einführung echtes Multitasking, eine Fenster und Maus geführte Benutzeroberfläche, phantastische Multimediale Möglichkeiten und ein Konzept, das einfach aus einem Guss war. Ganz anders als der PC, den man damals noch als IBM Kompatibel bezeichnete und Windows noch recht weit von seinem jetzigen Erfolg entfernt war. Der einzige Computer, der dem Amiga das Wasser reichen konnte, war entweder der Atari ST (vergessen wir ihn) oder ein Macintosh.

    So wäre es eigentlich die logische Konsequenz gewesen, nach dem Ende des Amigas zu Apple zu wechseln. Alles sprach dafür. Amiga User sind und waren schon immer den Apple Nutzern ähnlich, was ihre Ansprüche an einen Computer, an ein Betriebssystem und an die Entfaltung ihrer Kreativität anging.

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  • Der Sonntag, die Zeitung, das Interview

    Heute ist Sonntag. Und wie jeden Sonntag erscheint „Der Sonntag“, eine kostenlose lokale Zeitung hier im Markgräflerland. Diesmal beschäftigt diese sich natürlich auf Seite Eins mit dem schrecklichen Mord einer 13-jährigen in meinem Nachbardorf. Doch ganz hinten, auf Seite 21, findet sich ein weitaus angenehmeres, wenn doch auch kontroverses Thema. Der Krieg der Spielkonsolen. Wie ich euch bereits berichtet hatte, wurde ich vom Sonntag interviewt, um ein wenig über Nintendos Wii zu erzählen. Die, sagen wir mal, Quintessenz dessen, was ich in dem Gespräch erzählte, kann man heute in dem Artikel „Aufwärmübungen und Grafikschlachten“ nachlesen. Außerdem kommen ein Lörracher Playstation 3 Fan und mein Freund Jens Cornelis für die XBox 360 zu Wort.

    Zunächst ist natürlich klar, dass ein solch kurzer Artikel nur an der Oberfläche kratzen kann. Außerdem ist er bewusst subjektiv gehalten, deshalb gibt es ja auch zu jeder Konsole einen überzeugten Fan. Zwei Dinge fielen mir aber sofort auf: Erstens bin ich in der Runde offenbar der Typ mit dem Kinderspielzeug. Zweitens klingt es im Artikel so, als könne man nur von einer Konsole begeistert sein. Um bei meinem Beispiel zu bleiben: ich mag die Wii wirklich sehr. Sie macht großen Spaß. Aber wie im Artikel schon beschrieben, bin auch ich ein Grafik Fetischist, in dessen PC immer eine aktuelle Grafikkarte steckt und der auch gerne von schöner Grafik geblendet wird. So ist auch mir klar, dass die Wii da niemals mithalten kann. Auch nicht in einer Neuauflage. (Da hat mich der Herr Huber leider falsch verstanden. Ich sprach nicht von einer Neuauflage der Wii Konsole, sondern von Spielegenerationen. Denn bei jeder Konsole müssen die Grafiker und Programmierer sich erst einmal an die Fähigkeiten des Geräts heran tasten und lernen. Xbox 360 Spiele, die jetzt schon in zweiter und dritter Generation erscheinen, sehen bei weitem besser aus als die ersten Generationen. Und dies wird bei der Wii und auch bei der PS3 der Fall sein)

    Also liebe auch ich Grafikpracht und Effektfeuerwerk. Und deshalb kann ich mir gut vorstellen, mir in nächster Zukunft auch eine Xbox 360 zu holen (was preislich mit der Wii zusammen immer noch günstiger wäre als eine PS3 – soviel dazu, man wäre nur von einer Konsole begeistert).

    Die Wii macht wirklich nur durch die neue Art der Steuerung Spaß. Und am besten noch, wenn mehrere Leute dabei involviert sind. Auch ich würde mir bessere Grafik für die Wii wünschen, aber nunja… beides scheint derzeit offenbar nicht machbar zu sein. Neuartiges Spielgefühl UND geniale Grafik. Und muss es auch nicht.

    Was den Verfechter der Playstation 3 angeht: ob BluRay tatsächlich das Format der Zukunft ist, steht in den Sternen. Ebenso, wie sich die Community und die Welt rund um die PS3 entwickeln wird. Sony hat in den letzten Monaten einige Versprechen platzen lassen (Abwärtskompatibilität, Ausstattung etc.). Ob der Online Modus komplett kostenfrei bleiben wird, ist fraglich. Zumindest wird es sicherlich bald auch kostenpflichtige Zusätze geben. Auch dass die Grafikfähigkeiten der PS3 „mit Abstand“ besser sind, würde ich so nicht unterschreiben. Von den technischen Möglichkeiten her vielleicht schon. Aber die müssen teuer erkauft werden und werden auch noch eine Zeit zum Reifen brauchen (nächste, übernächste Spielegeneration). Mit einem hat der PS3 Fan allerdings Recht: Sie ist ein Porsche. Und so gern ich auch einen Porsche haben will, so wenig kann ich ihn mir leisten und so wenig brauche ich wirklich einen. Wenn ich doch zum gleichen Preis ein spritziges, spaßiges Cabrio und einen gut ausgestatteten BMW in der Garage stehen haben kann.

    Wer gerade vor der Entscheidung steht, welche Konsole er sich zulegen soll, muss ganz einfach folgendes bedenken: Was und mit wem will ich spielen? Und wie viel ist mir das wert? Niemals sollte man dem Gedankenfehler erliegen, dass Grafikmonster mehr Wert auf Grafik legen und schwächere Konsolen mehr Wert auf Spielspaß. Das ist Unsinn. Spielspaß und gute Grafik schließen einander nicht aus. Wem High End Grafik nicht wichtig ist und wer Spiele einmal etwas anders erleben will, greift zur Wii. Wer ein breites Angebot und tolle Grafik haben möchte, greift zur mittlerweile kaum teureren Xbox 360. Und mit beiden zusammen würde er preislich in etwa auf dem Niveau einer Playstation 3 liegen, die derzeit (!!) noch keinen echten Vorteil bietet.

    Jens Cornelis besitzt übrigens neben seiner Xbox 360 auch eine Wii. Ich werde es ihm demnächst nachmachen. Denn dann kann ich nach Lust und Laune wählen, ob mir im Moment der Sinn nach lustiger Bewegung oder beeindruckender Pracht steht.

    Egal, ob PS3, Xbox 360 oder Wii. Die Spiele sind eröffnet. Möge jeder mit seiner Konsole so viel Spaß wie möglich haben.

    Und danke an den „Sonntag“ für das nette Interview, den ansonsten gelungenen Artikel und die Nennung meines Blogs.

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  • Kauft mein Buch! Letzte Chance!

    BOD, die Firma, die mein Buch vertreibt, schickte mir heute meine Kündigungsbestätigung. Mein 14 Jahre alter Jugendroman "Ist ja hinReisend" wird demnach am 31.Juli 2007 aus dem Programm genommen. Wenn ihr noch in den Besitz dieses Kleinods gelangen wollt, solltet ihr euch also beeilen. Bestellen könnt ihr bei amazon, bei libri und in jeder Buchhandlung. Schnell schnell, das ist die letzte Chance. Das Buch wird es nie wieder zu kaufen geben. (Höchstens vielleicht, wenn ich es doch noch einmal überarbeite und zum 25 jährigen Jubiläum als Special Edition erneut heraus bringe)

  • Roger – Das Magazin

    Hallo, wieso sagt mir denn niemand, dass es da draußen ein mir gewidmetes Magazin gibt? Nicht nur, weil es sich mit Design beschäftigt und sich somit, wie ich, den schönen Dingen des Lebens zuwendet. Nein, auch weil es schlicht und einfach "Roger" heißt. Ein sehr gelungener Name übrigens. Aber "Roger" mußte tatsächlich selbst auf mich zukommen, in Form einer freundlichen E-Mail der Online Redaktion (Grüße an den Herrn Siebertz), die sich darüber freut, einen weiteren Roger gefunden zu haben. Nun, mich freut es ebenso. Ich scheine ja in guter Gesellschaft zu sein (sicher, dass die alle Roger heißen?). Und natürlich hat Roger auch ein Blog, so wie es sich gehört.

    Ich werde mich also demnächst aufmachen, mich selbst zu finden. Quasi. In einem gut sortierten Kiosk. Und ich werde auf jeden Fall Roger-Unterstützer. Ob ich Roger-Partner werde und eine kleine Spende überweise, hängt davon ab, wie kooperativ Roger ist. Ich möchte auf jeden Fall ein paar dieser "I love Roger" Buttons, die man auf der Startseite sieht (und liebe Roger-Redaktion, sagt mir nicht, das sei nur ein grafischer Gimmick gewesen). Weiterhin möchte ich mich selbst als Covermodel für eine der nächsten Ausgaben vorschlagen. Erstens bin nur ich der echte Roger und zweitens kann ich mindestens ebenso cool und hypnotisierend in die Kamera blicken wie das aktuelle Cover Face. Dann, lieber Roger, sei dir eine Spende gewiss. Schreib mir, was du von meinem Angebot hältst.

    Ach, eine letzte Frage hätte ich noch. Eine, die man auch mir pausenlos stellt. Spricht man deinen Namen in der französischen, der englischen oder der deutschen Variante aus?

  • WAZ macht ihr da mit meinem Artikel?

    Eigentlich ist es ja etwas, wovon wir C-Blogger immer träumen. Von den Medien wahrgenommen, zitiert oder gar angestellt zu werden. Also das Hobby zu schreiben, in bare Münze zu verwandeln und einem breiteren Publikum vorzustellen. Was aber, wenn die Medien überhaupt kein Interesse an dem Blogger haben, sondern sich einfach nur den Artikel krallen und als eigenes Werk verkaufen?

    Peer Schader (der natürlich kein C-Blogger, sondern selbst Medienjournalist ist) schrieb in seinem Blog Medienpiraten.tv einen äußerst gelungenen Artikel über Stefan Raab und dessen Sendung TV Total. Der Artikel war so gelungen, dass die WAZ darauf aufmerksam wurde, sich den Text zur Brust nahm, ihn etwas umformulierte und ihn veröffentlichte. Und zwar ohne den Verfasser um Erlaubnis zu bitten oder ihn darüber zu informieren. Dem Herrn Schader gefiel das verständlicherweise gar nicht, woraufhin er der "Autorin" des WAZ Artikels einen Brief schrieb.

    Was nun folgt ist eine kleine Geschichte aus dem Medienzirkus, über die wir C-Blogger zwar noch schmunzeln können, die uns aber dennoch zum Nachdenken anregen sollte, wie dreist hin und wieder mit geistigem Eigentum umgegangen wird. Und ich bin wirklich über die Maßen gespannt, wie diese Geschichte weiter geht.

    gefunden via Wogibt.

    Nachtrag 17.April Abends: die Geschichte war doch schneller vorbei als erwartet. Denn die WAZ lenkte ein, entschuldigte sich (hoffentlich ehrlich) und zahlte dem Herrn Schader ein Honorar für seinen Artikel. Nun stellt sich nur noch die Frage, ob es zu diesem Ende auch gekommen wäre, wenn nicht alle möglichen Blogs wie beispielsweise Spreeblick, Basic Thinking und allesroger.net (um die wichtigsten zu nennen ;-)) darüber berichtet hätten?

  • Die Angst geht um

    Letzten Samstag war ich bei der Eröffnung des Circo Loco, einer Cocktailbar in Müllheim, die nach mehrmonatigem Umzug und Umbau nun in größerer und schönerer Lage residiert. Als ich vor zehn Jahren nach Müllheim zog, gab es eigentlich nur eine Kneipe, wo man hingehen konnte, die alte Münz. Nun aber ist es neben dem Mezzo Café eben auch das Circo Loco. Dementsprechend gespannt war ich, wie die neue Erlebnis Gastronomie auftritt. Dass es voll sein würde, war mir klar. Dass das Service Personal damit allerdings nicht gerechnet hatte und völlig überfordert war, überraschte aber doch.

    Doch das soll gar nicht das Thema dieses Artikels sein. Das Thema ist nämlich, dass ich mich beinahe nicht traue, über diesen Abend zu schreiben, denn die Abmahnwelle zieht durch Deutschland und speziell durch die Bloggerszene. Was, wenn ich hier zwar nur meine Beobachtungen und meine Meinung zu jenem Abend aufschreibe? Ich weiß, Meinungen können nicht eingeklagt werden. Sollte aber das Management des Circo Loco auf die Idee kommen, ich würde hier geschäftsschädigendes verbreiten, müsste ich mich dennoch mit Anwälten und Gerichten auseinandersetzen.

    Die Angst geht um, nicht nur bei uns kleinen Bloggern. Was kann man noch sorgenfrei sagen bzw. schreiben? Wo ist die Grenze zwischen freier Meinung und Aufhetzerei? Was zählt noch zu Satire und was nicht? Der Anwalt und Betreiber des sehr lesenswerten Law Blogs Udo Vetter gab der Tagesschau ein interessantes Interview zu dem Thema.

    Was mir ja besonders Angst macht, ist das Gebaren mancher Firmen, die ich hier nicht einmal namentlich nennen möchte, aus Sorge, ebenfalls belangt zu werden. So habe ich schon von Elektronikmärkten gelesen, die mit bekannten Anwälten auf Satireblogs losgingen, in dem guten Wissen, dass es nicht darauf ankommt, wer Recht hat, sondern wer den längeren Atem, sprich mehr Geld zur Verfügung hat. Das stimmt einen nachdenklich, oder? (und ich vermeide wie gesagt absichtlich die Nennung von Namen oder das Setzen von Links – wer sich näher informieren möchte wird schnell fündig werden)

    Im Abmahnungsblog werden alle die Fälle gesammelt und präsentiert. Und auch hier bekommt man den Eindruck, dass es gar zu viele Kläger gibt, die einfach mal einen Anwalt losschicken, wenn jemand etwas sagt, das dem Kläger nicht in die Schuhe passt.

    Die Konsequenz daraus? Soll ich nur noch vom Frühling und den Blumen und Bienen berichten?

    In meinem oben beschriebenen Fall müßte ich mich also davor fürchten, zu behaupten, dass der Service im Circo Loco nicht funktioniert. Immerhin könnte so etwas geschäftsschädigend sein, insbesonders da ich weiß, dass viele Müllheimer Internet-Nutzer mein Blog lesen. Zu Ehrenrettung der einzigen Cocktailbar Müllheims und nicht nur um meinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, kann ich aber folgendes festhalten: An jenem Abend war wirklich die Hölle los und villeicht war der eine oder andere Kellner nicht auf der Höhe. Aber ich kenne das Circo Loco noch von früher und weiß, das dies nur ein Ausrutscher war. Ich werde wieder hingehen und möchte alle Leser dazu aufrufen, ebenfalls mal einen Abstecher in die neue Erlebnis Gastronomie zu machen und euch selbst von dem gelungenen Ambiente zu überzeugen. Besonders diejenigen, die am Samtag Abend enttäuscht wurden. Und falls ihr dann doch enttäuscht werdet, verklagt mich bitte nicht.

  • Ohne Bonus – Zusatzmaterial bei DVDs

    Als echter Film Fan wie ich es bin, gibt man sich natürlich nicht mit dem Kauf einer stinknormalen DVD zufrieden. Je besser einem der Film gefallen hat, umso dringender wird der Kauf von Special Editions, Director Cuts und Ultimate Releases, am besten mit zwei bis drei Bonus DVDs, massig Hintergrund Material und geschnittenen Szenen. Dann sitzt man gierig auf dem Sofa, zieht sich die Making-oOs rein, lässt sich davon beeindrucken, wie die Effekte zustande gekommen sind, hört, warum der Regisseur diese oder jene Szene aus dem Film schneiden musste, ja man sieht sich sogar die Trailer und Konzeptzeichungen an. Und erst dann kann man wirklich von sich behaupten, alles über den Film zu wissen, was es zu wissen gibt und restlos alles gesehen zu haben.

    Nun ist es aber leider so, dass ich mittlerweile weiß, wie die meisten Effekte gemacht werden. Im Grunde überrascht mich nichts mehr wirklich. Irgendwo hat immer ein Grafik- und Computerkünstler seine Hände im Spiel. Ist klar. Auch sind mir mittlerweile die Interviews mit den Schauspielern nur allzu bekannt, in denen sie immer wieder davon erzählen, was für eine außergewöhnliche Erfahrung es war, für diesen Regisseur / mit diesen Schauspielern / in dieser Location / in dieser Rolle zu arbeiten. Man lobt sich wie immer gegenseitig. Die Trailer des Films habe ich schon Monate vorher im Netz gesehen (die Trailer, die VOR dem eigentlichen Film zwangseingeblendet werden übrigens auch). Und die geschnittenen Szenen sind in den allermeisten Fällen vollkommen zurecht heraus geschnitten worden.

    Die letzte rühmliche Ausnahme, die mir in die Finger kam, ist natürlich der "Herr der Ringe". Das Warten auf die drei Special Edition Boxen hatte sich vollkommen gelohnt. Das Mehr an Film war atemberaubend, die Discs und die Zusammensetzung mit Liebe, Sinn für Details und einfach großartig arrangiert. So sollte es sein.

    Umso enttäuschter war ich, als ich die King Kong Deluxe Extended Edition sah. Ein ganzes Jahr hatte ich darauf verzichtet, mir den Film zu kaufen, in der sicheren Hoffnung, wieder einmal von Peter Jackson beeindruckt zu werden. Leider kam es anders. Die Making-Ofs waren zum Gähnen, das Hintergrundwissen, das vermittelt wurde, altbekannt. Die verpatzten Szenen hatten zwar einigen Unterhaltungswert (einmal). Doch dafür stellte sich heraus, dass die in der Kinoversion fehlenden Szenen wirklich hätten verschwunden bleiben können. Sie sind weder spannend, noch tricktechnisch herausragend (eher im Gegenteil). Sie lassen uns weder tiefer in die Geschichte versinken, noch bringen sie uns die Charaktere näher (ohnehin eines der wenigen Mankos des Films). Das Schlimmste ist aber: sie gehören nun zu dem Film und lassen sich nicht ohne weiteres übergehen. Du hast es so gewollt, also guck es auch.

    Mir ist klar, dass in solchen Director-Cuts die Szenen immer in den Film eingepflegt werden. Bei "Herr der Ringe" war es ja auch nicht anders. Aber es geht auch besser, wie man beispielsweise in James Camerons "Abyss" sieht. Dort lässt sich im Startmenü auswählen, ob man die Kino- oder die Extended-Version des Films sehen möchte. Bei letzterer werden die fehlenden Szenen einfach während der Wiedergabe eingefügt.

    Das andere Extrem bietet die DVD "Blues Brothers". Dort wurden geschnittene Szenen zwar auch fest mit dem Film verknüpft, diese sind aber in schlechter Qualität und auch nicht synchronisiert. Ganz davon abgesehen, dass sie wirklich dumm, langweilig und wahrlich unnötig sind, machen sie auf diese Weise den Versuch, den Film zu genießen, komplett zunichte.

    Auch bei Mission Impossible III nervten die Extras schlicht durch nichtssagende Parolen, tausendmal gesehene Einblicke hinter die Kulissen und eine Beweihräucherung des Hauptdarstellers Tom Cruise, die schier an Glorifizierung grenzt.

    Von kindlichen Ratespielen oder unnötigen Weblinks, Poster Galerien oder Musik Videos will ich gar nicht erst anfangen.

    Meinen jüngsten DVD Kauf habe ich aus diesen Gründen mit voller Absicht auf eine Einzel DVD beschränkt. "Casino Royale" steht nun für faire zehn Euro in meinem Regal. Ohne Schnick Schnack. Einfach nur der Film in bestmöglicher Qualität. So sollte es sein. Das einzige Gimmick, das mich in Zukunft noch reizen kann ist ein untertitelter Audiokommentar des Regisseurs und der Crew. Warum? Weil man hier tatsächlich noch einige Hintergrundinfos und Anekdoten zu den jeweilen Szenen erfährt, die professionell und medienwirksam produzierte Making-Ofs meist nicht bieten.