Schlagwort: unterhaltung

  • Warum Kinotrailer keinen Spaß mehr machen

    Warum Kinotrailer keinen Spaß mehr machen

    „In a time…“ als das Internet noch cool und lustig war und kein Sumpf aus Hass und Lügen, bot Apple eine eigene Filmtrailerseite an. Ja, es gab sogar eine App dafür. Denn damals gab es für alles eine App. Für mich als Filmnerd war diese Trailerseite die erste Anlaufstelle, um etwas über Filme zu erfahren, über die in Deutschland noch nicht einmal gesprochen wurde. Und damals hat das Trailer gucken auch noch Spaß gemacht. Nicht so heute.

    Heutige Filmtrailer sind mit einigen Mängeln behaftet, die es einem Filmfan wirklich schwer machen, sie sich anzuschauen. Heutige Trailer spoilern viel zu sehr. Statt neugierig zu machen und Lust zu wecken, packen heutige Trailer alles hinein, was der Film zu bieten hat. Die besten Gags, die besten Effekte, die besten Szenen, alle Protagonisten und Antihelden und gerne auch die komplette Auflösung. In der Regel zeigen zweiminütige Trailer eine Zusammenfassung der ersten beiden Akte eines Films. Die wirklich schlechten Trailer zeigen auch den dritten Akt.

    Heutige Filmtrailer scheinen immer nach dem gleichen Schema aufgebaut zu sein. Trailer zu machen ist oder war eine Kunst. Ausgewählte Regisseure und Cutter sorgten für das perfekte Zusammenspiel von Bild und Ton, von Tempo und Spannung. Heute bedienen sich alle Trailer der gleichen Elemente: der leisen Klavierklänge zu Beginn, der schnellen Stakkato-Schnitte, der Fades to Black, der Stille vor dem großen Knall, des Jump-Scare-Moments, des 80er-Jahre-Kult-Songs als ruhige Folk-Version in Moll und der bereits erwähnten Aneinanderreihung aller, wirklich aller Best-Of-Momente, die der Film zu bieten hat. Trailer (und auch manche Filme) wirken, als wären sie von einer KI produziert worden, die gelernt hat, wie Trailer zu funktionieren haben, und die immer wieder ihre eigenen Kreationen als Datenbasis verwendet. Es mag an meinem Alter liegen, aber ich feiere Filmstudios wie z.B. A24 nicht nur für ihre mutigen und innovativen Filme, sondern auch für ihre kreativen Trailer, die sich meist gegen den Trend stellen und wirklich Neues wagen.

    Noch frecher ist die Tatsache, dass heutige Trailer schlicht lügen und einen anderen Film „verkaufen“, also beispielsweise durch die Art des Tempos und Auswahl der Musik eine Komödie andeuten, die der eigentliche Film gar nicht ist. Gerne werden auch Szenen gezeigt, die im fertigen Film gar nicht enthalten sind. Trailer werden schon sehr früh in der Produktion und teilweise noch mit Rohmaterial erstellt, weshalb die Endfassung des Films meist noch massive Schnitte durchleben musste. Das kann man niemandem vorwerfen. Mittlerweile werden die Lügen aber bewusst als Verkaufsargument benutzt. Und so wie in der Waschmittelwerbung Hemden stets gebügelt und gestärkt aus der Maschine gezogen werden, deuten heutige Trailer gerne Szenen, Momente oder Personen an, die das Publikum locken sollen und im Kino schließlich nicht oder zumindest in anderer Form zu sehen sind.

    Und sprechen wir bitte einmal über die Trailer-Trailer. Diese kleinen, sekundenlangen TikTok-Schnipsel vor den heutigen Trailern auf YouTube mit dem Hinweis, dass der Trailer jetzt beginnt. Brauchen zwei- bis dreiminütige Trailer wirklich einen Trailer davor? Weil das Publikum von den 4 Sekunden und den Effekten darin abhängig macht, ob es sich überhaupt lohnt, weitere 2 bis 3 Minuten in den Trailer zu investieren? Ist unsere Aufmerksamkeitsspanne schon so abgestumpft? (Wenn ich meine Mitmenschen im Kino beobachte, die es keine 10 Minuten aushalten, ohne auf ihr Handy zu schauen, scheint es tatsächlich so zu sein).

    Aber jetzt zu meinem persönlich größten Ärgernis an den heutigen Trailern. Es gehört zwar auch zum immer gleichen Schema, sticht aber so unangenehm hervor, dass ich darauf besonders eingehen möchte. Die Perkussion. Die Unsitte, wirklich jedes unbedeutende Ereignis in einem Trailer mit einem epischen Knalleffekt zu untermalen. Ja, Baby. Woooshes! Hits! Downers! Risers! Epic! F*cking!! Sounds! So oder so ähnlich klingen heutige Trailer: Bam, bam, bam bam, bam bam bam, ba ba ba bam! BAM! BAM!!! Ständig, unaufhörlich und meistens unpassend.

    Stellen wir uns mal die Frage, warum das überhaupt gemacht wird. Um Emotionen zu erzeugen. Weil derartige Schlagzeuge etwas in uns wecken, uns aufrütteln und natürlich Spannung und Aufregung erzeugen. Gezielt eingesetzt können diese Effekte eine Szene unterstützen, den Schockeffekt verstärken. In aktuellen Trailern werden sie jedoch in einem Ausmaß eingesetzt, das seinesgleichen sucht. Der Held schmiert sich ein Sandwich. Bumm. Butter aufs Brot. Woosh. Salami aufs Brot. Bumm. Käse drauf. Bam! Riser! Ketchup. Bababababa… und die zweite Schicht Brot drauf… Bämm bämm. Krach. Alles episch. Im Übermaß. 3 Minuten lang, jede Bewegung ein epischer, heroischer Moment. Es muss krachen!

    Puh, erst mal runterkommen. Wisst ihr, alle wollen wie Superman sein. Aber wenn alle super sind, wisst ihr, was dann passiert? Dann ist niemand mehr super. Und wenn in einem Trailer alles episch ist, dann ist nichts mehr episch. Alles versinkt im immer gleichen Perkussionsbrei, weckt keine Emotionen mehr und ist auch nicht mehr steigerungsfähig. Die einzige Steigerung, die am Ende bleibt, ist nur noch die Ruhe. Und ich hoffe, dass die Filmindustrie bald wieder dazu zurückfindet, Aufmerksamkeit durch Stille zu erzeugen. Wann schauen wir von unseren Handys auf? Wenn der Lärm noch lauter wird oder wenn es plötzlich still wird?

    In diesem Video wird das Prinzip der Trailer Percussions sehr anschaulich und Schritt für Schritt erklärt. Hört euch das Ergebnis ab Minute 8:11 an und fragt euch, ob wirklich jeder Trailer so klingen muss.

  • Verdrehte Buchstaben und UX

    Verdrehte Buchstaben und UX

    Eine der wichtigsten Regeln im Bereich der User Experience lautet: Menschen lesen keine Texte am Bildschirm. Sie scannen. Ja, es gibt eine ganze Menge derartiger Regeln, doch diese ist ganz entscheidend, wenn es darum geht, Menschen bei der Bedienung eines Systems Informationen zu geben. Wir kommen darauf gleich nochmal zurück. Zunächst möchte ich allerdings, dass der geneigte Leser folgende Sätze liest: „Ncah eienr Stidue der Cmabirdge Uinertvisy ist es eagl, in wlehcer Rehenifloge die Bcuhstbaen in Woeretrn vokrmomen. Huaptschae, der esrte und ltzete Bcuhstbae snid an der rhcitgien Setlle.“ Na, alles verstanden? Verblüffend, oder?

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  • Powerwashing ist pure Entspannung

    Powerwashing ist pure Entspannung

    Einmal bei Youtube falsch abgebogen landet man mit etwas Pech bei Videos, die Menschen dabei zeigen, wie sie putzen. Beziehungsweise, wie sie powerwashen. Sie putzen Swimming Pools, Auffahrten, Autos und sogar Teppiche. Dabei benutzen sie die tollsten Bürsten, Lappen, Maschinen und Mittel. Aber vor allem benutzen sie Hochdruckreinigungsgeräte. Und es ist leider unfassbar befriedigend und entspannend, dabei zuzuschauen. Ja, vielleicht sogar meditativ.

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  • Mein Interview mit WDR5 in der Sendung „Neugier genügt“

    Mein Interview mit WDR5 in der Sendung „Neugier genügt“

    „Coulrophobie – Die Angst vor Clowns“ ist einer der meistgelesenen und meistkommentierten Artikel auf Alles Roger. Bereits im Jahr 2007 habe ich zu diesem Phänomen recherchiert und fand im Netz nur wenige Informationen, dafür aber eine lange Liste aller möglichen Phobien, die mich faszinierte und auch ein wenig amüsierte. Die Coulrophobie selbst schien damals noch eine Art Mythos zu sein, etwas, mit dem Buchautoren und Filmemacher spielen. Doch weit gefehlt. Die Angst vor Clowns ist eine sehr weit verbreitete Phobie, wie zahlreiche Kommentare zum Artikel in der Folgezeit bewiesen.

    Im Januar 2023 erhielt ich eine Anfrage des Radiosenders WDR5, ob ich für ein Interview zu diesem Thema zur Verfügung stünde. Geplant sei, am Karnevalsdienstag eine Sendung rund um das Thema Clowns, von Zirkusclowns über Clowns im Krankenhaus bis hin zu Horrorclowns in Literatur und Zeitgeschehen, auszustrahlen. Bei der Recherche stießen sie auf mein Blog und den Artikel mit über 80 Kommentaren von Menschen, die unter der Phobie leiden.

    Das Interview wurde mit dem Titel „Clowns – Spaßmacher oder Schreckgestalt?“ im Rahmen der Sendung „Neugier genügt“ aufgezeichnet und ist unter anderem auf der Seite des WDR, in der ARD Audiothek oder in jedem Podcatcher mit abonniertem RSS-Feed zu hören. Ich bedanke mich an dieser Stelle bei der Hörfunkjournalistin Yesim Ali Oglou für das nette Gespräch.

  • „Alles Roger“ – Bedeutung und Herkunft

    „Alles Roger“ – Bedeutung und Herkunft

    Mein Blog „Alles Roger“ gibt es nun schon seit 2005 und doch habe ich die wichtigste Frage noch nie beantwortet. Nämlich, was der Begriff „Alles Roger“ eigentlich bedeutet und wie er entstanden ist. Dabei scheint die Bedeutung und der Ursprung leicht zu erklären zu sein.

    Zunächst einmal ist der Name Roger eine Form des Namens Rüdiger, der wiederum ein germanischer Name ist und sich aus den Wörtern Ruhm/Ehre und Speer zusammensetzt und somit in etwa „ruhmreicher Speerkämpfer“ bedeutet. Roger wird im englischen, französischen und katalanischen Sprachraum verwendet und jeweils unterschiedlich ausgesprochen. Selbst im deutschen Sprachraum gibt es eine Variante, die so ausgesprochen wird, wie sie geschrieben wird.

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  • OMG! Die GEE ist zurück!

    OMG! Die GEE ist zurück!

    Der Zeitschriftenmarkt wandelt sich. Und das nicht erst seit gestern. Noch vor wenigen Tagen kündigte Bertelsmann an, beim Verlag Gruner und Jahr nicht nur hunderte von Jobs einsparen zu wollen, sondern auch insgesamt 23 Print-Titel einzustellen. In der Generation TikTok ist es offenbar noch schwerer, Leser für gedruckte Artikel zu finden, als es bislang der Fall war. Alles verlagert sich in den Online-Bereich. Oder Publikationen werden komplett und alternativlos aus dem Markt entfernt, was teilweise wirklich bitter sein kann. So geschehen bei einer der besten (wenn nicht gar der besten) Spielemagazine auf dem deutschen Markt, der GEE.

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  • Klimaneutrales Deutschland 2045

    Eine schöne Utopie, die Agora Energiewende und Fraunhofer IEE im folgenden Video zusammengestellt und visualisiert haben. Wie kann Deutschland es bis zum Jahr 2045 schaffen, klimaneutral zu werden. Und dabei nicht nur die Umwelt zu retten, sondern die Lebensqualität der Menschen insgesamt zu verbessern. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind dabei keine Science Fiction, sondern basieren auf dem aktuellen Stand der Technik und Forschung. Heißt: Theoretisch wäre das alles machbar. Sogar schon jetzt.

    Warum ich es dennoch für eine Utopie halte? Nicht, weil ich ein Pessimist bin (okay, erwischt). Sondern weil ich mir kaum vorstellen kann, auch nur die Hälfte in den nächsten 23 Jahren in diesem Land Realität werden zu sehen. Nicht, dass ich es mir nicht absolut wünschen würde. Doch wenn ich mir nur mal die letzten 16 Jahre fast totalen Stillstands betrachte, von Politikern verursacht, die nur ihre eigene Machterhaltung im Blick hatten oder schlicht zu dumm waren, etwas zu bewegen, regen sich böse Zweifel in mir.

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  • Liebe ist stärker als Hass

    Ich liege entspannt auf dem Sofa und lausche einer Playlist eines bekannten Musik Streaming Anbieters. Und wundere mich, wie sehr die Playlist nicht zu meinem persönlichen Musik Geschmack passt. Jammernde Folk Songs wechseln sich mit Bossa Nova Stücken ab, deutscher Hip Hop wird nach einem Hard Techno Teil gespielt. Dann beginnt ein Titel von Mark Forster. Ich bin nicht mehr entspannt, springe spätestens jetzt auf und möchte dem Algorithmus hinter dieser Playlist meine Meinung sagen.

    Bei diesem Anbieter leider nicht möglich. Es gibt genau zwei Listen, in denen ich vorgeschlagene Songs und Künstler auch bewusst ablehnen kann. In allen anderen habe ich nur die Chance, es über mich ergehen zu lassen oder den Song zu skippen. Gut, das ist schon mehr als ich beim Radio könnte. Dennoch frage ich mich, weshalb meine Möglichkeiten auch im Jahre 2020 noch so begrenzt sind und weshalb die dahinter stehenden Algorithmen meinen Musikgeschmack nicht besser ermitteln können.

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  • Kino zuhause – zum gleichen Preis

    Meine Entertainment-Ausstattung besteht aus einem phantastischen, perfekt eingestellten, großen Bildschirm und einer 5.1 Surround Anlage, die mehr Bumms macht, als den Nachbar lieb sein könnte. Wenn wir Filme schauen, dann tun wir das mit ordentlichem Seh- und Hörvergnügen. Für mich als Liebhaber ist das sehr wichtig. Nur wenige Filme könnte ich „einfach so weg schauen“, nebenher, mit flachem TV-Ton. Filme schauen ist ein Genuss und wird zelebriert. Das vollkommene Eintauchen in die Geschichte und vor alle in die Emotionen ist das eigentliche Erlebnis.

    Machen wir uns nichts vor: Das funktioniert nur in einem Kino. Und zwar aus mehreren Gründen: Die wenigsten Menschen dürften tatsächlich eine Kino-Atmosphäre in den eigenen vier Wänden herstellen können. Auch ein 7.2-Atmos-Sourround-System, eine große Leinwand mit enstprechendem, hellen 4K-Beamer, Popcorn aus der Mikrowelle und Rollläden runter wird nie das Erlebnis eines Kinobesuchs nachahmen können. So sehr ich den Kinobesuch manchmal hasse (Quatschende, atmende, hustende, raschelnde, aufs Handy starrende Menschen um einen herum, zu große Menschen direkt vor einem, teils unbequeme, klebrige Sitze, der ständige, unnötige 3D-Zwang), so sehr liebe ich ihn auch. Denn all das Negative gehört tatsächlich dazu. Das gemeinsame Erlebnis mit anderen Menschen, das Lachen, die spürbare Anspannung. Und nur im Kino stellt sich das Gefühl des Eintauchens und des Ausgeliefert-Sein ein. Keine Fernbedienung, keine Pause-Taste. Da musst du jetzt durch, oder du gehst.

    Und dazu kommt noch: Die aktuellen Filme, über die man spricht, laufen noch immer zuerst im Kino. Will man keine illegalen Quellen anzapfen, ist das Kino der einzige Weg, die neuesten Blockbuster zu sehen. Bis jetzt. Denn die Corona-Situation trifft alle, auch Kinobesitzer und Filmproduktionen. Kinos bleiben auf lange Zeit geschlossen und es dürften einige Wochen und Monate ins Land gehen, bis die Menschen es wieder wagen, sich in großen Massen zusammen in einen Raum zu bewegen. Dreharbeiten auf der ganzen Welt werden abgebrochen und pausiert. Und Erscheinungstermine bereits fertiger Filme werden auf mehrere Monate oder gar unbestimmt verschoben.

    Neue Ideen müssen her. Nun hatte ich ja lange Zeit die Hoffnung, die Filmindustrie hätte aus den beschwerlichen Erfahrungen der Musikindustrie gelernt und findet sich zusammen, organisiert der heutigen Zeit angepasste Distributionswege, schafft eine gemeinsame Plattform und preislich attraktive Angebote. Kurz dachte man, Netflix könnte der Heilbringer sein, der unsichere, illegalen Quellen unnötig machen wird. Doch das Gegenteil geschah, angespornt durch den weltweiten Erfolg von Netflix, versuchte jeder Anbieter einen Konkurrenten aufzubauen. Ein eigenes Angebot, was früher oder später dazu führen wird, dass die Kunden sich auf ein oder zwei Anbieter konzentrieren werden und auf all die Filme werden verzichten müssen, die dort nicht verfügbar sind. Ein Spotify für Filme und Serien wird es für sehr lange Zeit nicht geben. Zum Schaden der Zuschauer und der Filmhersteller.

    Dann aber wurde die Corona-getriebene Idee, aktuelle Kinofilme über Streaming-Anbieter auszustrahlen, überraschend schnell umgesetzt. Sogar in Deutschland, wo iTunes und Amazon nun Filme anbieten, die eigentlich gerade im Kino gezeigt würden. Und das zu einem Preis, bei dem mir die Luft weg bleibt. Der hochgelobte Thriller „Der Unsichtbare“ mit Elisabeth Moss wird bei Amazon für 18 Euro angeboten. Zum Verleih. Einmal geliehen hat man 30 Tage Zeit, den Film zu starten, einmal gestartet, 48 Stunden, um ihn zu schauen. Zugegeben, in den 48 Stunden kann er so oft angesehen werden, wie man mag. Das muss dann wirklich ein außergewöhnlich guter Streifen sein.

    Rechnet man das mit einem Kinobesuch um, so läge man als Paar bei 9 Euro (Der Single kratzt sich am Kopf und schüttelt ihn). Ein Preis, den man im Kino nur selten erreicht (meist nur am Kino-Dienstag. Nicht an einem Samstag, mit 3D-Zuschlag, Reservierungsgebühr und Überlängenzuschlag (Überlängenzuschlag, den man bezahlen muss, wenn ein Film länger als 120 Minuten läuft)). Ist die Familie größer, spart man natürlich noch mehr. Und im Kino kommen noch Kosten für Popcorn, Chips und Getränke dazu. Also eigentlich ein No-Brainer. Ist doch deutlich attraktiver, das Amazon-Angebot.

    Allein, es ist kein Kino. Und es sollte daher auch kein „Kino-Preis“ verlangt werden. Auch wenn es eine Milchmädchenrechnung sein mag: Für 18 Euro erhalte ich drei Monate Netflix mit Inhalten ohne Ende. Für 18 Euro höre ich zwei Monate pausenlos lang Spotify. Die psychologische Hürde ist an der Stelle der mögliche Vergleich zu anderen Angeboten. Beim Kino ist das nicht möglich, da geht man hin und zahlt pro Person seine 12 Euro und weiß, was man im Gegenzug dafür bekommt (siehe oben). Auf der Couch ist die Hürde, 18 Euro auszugeben, eine völlig andere. Was sollte mich als Normal-Zuschauer dazu bewegen, einen Film wie „Der Unsichtbare“ für 18 Euro auszuleihen? Wird der nicht in drei Monaten ohnehin im normalen Amazon Prime oder Netflix-Programm dabei sein? Ist er wirklich so viel besser als all die anderen Thriller, die ich bei meinen jetzt schon abonnierten Streaming-Anbietern inklusive habe? Ist es ein Film, den ich jetzt sehen muss, weil jetzt meine Freunde, meine Umwelt darüber spricht (im Sinne eines Blockbusters)? Und nicht zuletzt: Bin ich bereit, den Preis für Kino zu bezahlen, selbst wenn ich kein Kino dafür bekomme?

    Zuhause ist anders. Die Badewanne ist kein Thermal-Bad, die Musik-Anlage ist keine Disko, die Küche ist kein Restaurant, der Balkon kein Urlaub und der Fernseher ist kein Kino. Und das müssen sie auch nicht. Das Tolle an der Badewanne, der Musik-Anlage, der Küche, des Balkons und des Fernsehers ist, dass sie da sind, jederzeit genutzt werden können, eine ganz andere Art von Glück erschaffen. Und für alle die Momente, wo man darüber hinaus gehen möchte, mit Menschen genießen und eintauchen, Neues erleben und dem Alltag und Zuhause entfliehen möchte, geht man raus. Und bezahlt den verlangten Preis.

    Vielleicht werde ich mich in fünf oder zehn Jahren für diesen Artikel hier schämen und denken, wie sehr ich mich doch geirrt habe. Wie sehr die Corona-Krise die Distribution von Filmen, die Angebote und die Seh-Gewohnheiten der Menschen verändert hat. Wie bereit man doch war, das Kino zu vergessen. Vielleicht werden sich nun viel mehr Menschen zu Hause Kino-Atmosphäre schaffen. Vielleicht verkommen Filme aber auch zu einem Fast-Food-Vergnüngen, ähnlich einem Spotify, wo namenlose Musik ohne Seele in einer Playlist über den Zaun geworfen wird und kein Zuhörer überhaupt weiß, wie der Song, der Interpret oder das Album heißt.

    Nichts davon möchte ich jetzt glauben. Und ich hoffe, bald wieder ins Kino gehen zu können.

  • Mein erster (und einziger) Song

    Wie schon oft erwähnt, blieb ich meinem Amiga Computer sehr lange treu. Vermutlich länger, als gut war. Meinen ersten richtigen PC erwarb ich schätzungsweise irgendwann um 1995 herum. Und sofort probierte ich – natürlich neben Spielen – alles aus, was mit der Maschine möglich war: Programmieren, Schreiben, Foto- und Videobearbeitung und so weiter. Alles stets im Rahmen der technischen und amateurhaften Möglichkeiten. Und bald schon reizte mich ein neues Thema: Das Produzieren eines eigenen Songs.

    Mit Programmen wie dem Magix Music Maker wurde dies zum Kinderspiel. Mit einem breiten Set aus vorgefertigten Sounds und Loops, konnte ein Song mit etwas Geschick ähnlich einem Lego-Gebilde „zusammen gesteckt“ werden. Auf mehreren Spuren platzierte man Bass, Drums, Snares und Gesang. Reicherte das Ganze mit Echo- und Hall-Effekten an, verschob Teile oder bastelte als Bridge einen besseren Übergang. Die Sounds gaben den Stil vor, war man mutig und kreativ genug, nutzte man bewusst die falschen Klänge um etwas völlig neues zu kreieren.

    Als ich mit meinem ersten Song begann, war die Hochzeit von Techno, Trance und House und es lag daher nah, einen ähnlichen Weg zu gehen. Das Ergebnis hatte natürlich weder künstlerisch noch technisch einen hohen Wert. Die Samples und Loops waren seinerzeit nicht in CD-Qualität (auch wenn sie auf solchen ausgeliefert wurden, aber ich meine mich zu erinnern, dass die Sample-Rate geringer war). Und vom Komponieren hatte ich so viel Ahnung wie vom Autos reparieren oder Marzipan-Herstellung (was sich bis heute nicht geändert hat). Aber ich ließ mich nicht aufhalten, bastelte einige Tage herum, bis ich zufrieden war und einen Song kreiert hatte, der einen gewissen Drive, Tempowechsel, ausreichend Bass und ein Finale hatte und auf den ich seinerzeit schon ein wenig stolz war.

    Heute ist es fast lächerlich das Stück zu hören. Aber da der Song etwa 25 Jahre alt sein dürfte, habe ich genug Abstand, um ihn hier zu präsentieren. Damals noch namenlos, gab ich ihm irgendwann um die Jahrtausendwende den Titel „Have a break“, mein damaliger Claim meiner damaligen frischen Homepage ebrake.

    Und nun viel Spaß. Ihr dürfte gerne die Lautstärke hoch drehen:

    Have a break – Roger Graf, ca. 1995 bis 1997

    By the Way: 25 Jahre? Ein Vierteljahrhundert? Ein Viertel-fucking-jahrhundert?

  • 7 Regeln für Firmenparty-DJs

    Klugscheißermodus an. Ich mag es ja grundsätzlich sehr, wenn Menschen über Dinge schreiben, von denen sie so gar keine Ahnung haben, Tipps geben und Regeln aufstellen. Immer wieder ein Quell der Freude. Und heute möchte ich mich daran beteiligen, denn vom Plattenauflegen als DJ weiß ich so gar nichts. Aber ich weiß, wie man sich als Gast auf einer Firmenfeier fühlt, wenn der DJ es schafft, durch seine Musikauswahl die Tanzfläche zu leeren. Deshalb folgen nun meine ultimativen Klugscheißertipps für Firmenparty-DJs:

    1. Informiere dich im Vorfeld über dein Publikum. Irgendjemand fragt dich an und bucht dich. Dieser Jemand ist höchstwahrscheinlich für die Veranstaltung verantwortlich und war es auch schon auf vielen Veranstaltungen zuvor. Frag nach, wie die Gäste drauf sind, ob gerne getanzt wird. Ob auf früheren Partys eher zu 80er, 9er, Rock oder Pop getanzt wurde.
    2. Lass deinen eigenen Musikgeschmack zuhause. Niemand auf der Party interessiert sich für deinen exotischen Stil oder deinen Radio-Mix, den ohnehin jeder jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit hört. Du bist ein Dienstleister, der deinem Kunden das liefern soll, was das Publikum will. Siehe Punkt 1. Zusatz: Niemand interessiert sich für deine tollen Übergänge. Die Leute wollen tanzen und Spaß haben.
    3. Spiele „tanzbare“ Musik. Die Auswahl ist riesig und das mögliche Feld weit. Daumenregel: Wenn ein Song in Heavy Rotation im Radio läuft, ist er zwar populär aber nicht unbedingt für eine Firmenfeier geeignet. Einzige Ausnahme ist natürlich, wenn während eines Büffets ebenfalls Musik gespielt werden soll – dann bitte etwas loungiges mit Stil
    4. Halte einen beliebten Stil durch. Wenn du einen Rock-Klassiker aus den 80ern spielst und die Gäste johlend auf die Tanzfläche rennen, spielst du danach noch einen Rock-Klassiker aus den 80ern und danach noch einen. Und nachdem du noch einen und dann noch einen gespielt hast, kannst du gerne noch einen spielen. Und dann erst kannst du darüber nachdenken den Stil zu wechseln. Siehe Punkt 5.
    5. Achte auf dein Publikum. Wenn du einen Neue Deutsche Welle Song spielst und die Gäste fluchtartig von der Tanzfläche eilen, dann bemerkst du das und spielst ab sofort keine Neue Deutsche Welle Songs mehr, sondern gehst zu einem Rock-Klassiker aus den 80ern über. Siehe Punkt 4.
    6. Halte dich an unveränderbare Grundregeln. Die Klassiker gehen meistens, egal ob das Publikum Ü40, U22 oder alles zwischen 18 und 64 ist. Mit tanzbaren Rock-Klassikern, mit 80er und 90er Pop-Songs liegst du meistens richtig. Mit R&B und Hip-Hop (auch Deutsch) kannst du punkten, achte aber auch hier darauf, beliebte Klassiker im Repertoire zu haben. Techno funktioniert nie, House unter Umständen. Hard-Rock kann zu später Stunde noch richtig anheizen. Mit deutschen Songs immer Vorsicht walten lassen, nie Schlager spielen, nie Karnevalsmusik, aber jederzeit Lieder, deren Text jeder auswendig kennt. Und neben diesen allgemeinen Grundregeln gelten zwingend folgende Unterregeln:
      1. Nach den Spice Girls kommen die Backstreet Boys
      2. Nach Kenny Loggins kommt Melissa Etheridge
      3. Nach Metallica kommt „Killing in the Name of“
      4. Nach Rihanna kommt Jay-Z, Beyonce oder Alicia Keys
      5. Nach „Mr.Vain“ kommt „Rhythm is a Dancer“
      6. Nach Abba kommen die Bee Gees
      7. Nach den Fanta 4 kommt Fettes Brot und danach Seeed
      8. Nach „It’s my Life“ (Dr.Alban) kommt „There’s no limit“ (2Unlimited) oder „What is Love“ (Haddaway)
      9. Nach „Billy Jean“ kommt „I will survive“
      10. Nach Kool & The Gang kommt Earth, Wind & Fire
      11. Bonus-Regel: „Uptown Funk“ von Bruno Mars und „Blurred Lines“ von Robert Thicke gehen immer. Auf jeder Feier.
      12. Alle oben genannten Kombinationen können in der jeweiligen Reihenfolge getauscht werden und es gibt ca. 2400 weitere unveränderbare Kombinationen, die ein Profi kennen muss.
    7. Du hast jeden erdenklichen Musikwunsch da oder kannst ihn in irgendeinem Streamingdienst aufrufen. Du nimmst jeden Musikwunsch ernst und spielst ihn alsbald in der Playlist anderer Songs, die dazu passen. Sollte der Song gar nicht zum Publikum passen (siehe Punkt 4 und 5) teilst du mit, dass du diesen Song nicht oder nur am Ende der Party spielen kannst.

    Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder? Klugscheißermodus aus.

  • Titanic sinkt in Echtzeit

    Gefunden bei Spreeblick: Ein etwas älteres Video, das in Echtzeit darstellt, wie die Titanic seinerzeit sank. Volle 2 Stunden und 40 Minuten lang. Das ist faszinierend und gruselig zugleich. Das Ganze entstand mit der bekannten Unreal Engine 4 und sollte offenbar auch hier für ein Game benutzt werden.

  • Künstliche Aufregung um eine Umweltsau

    Wovor man vielleicht Angst haben sollte: Künstliche Intelligenz. Romane und Spielfilme wie Terminator haben uns gelehrt, dass eine KI früher oder später ein Bewusstsein entwickeln wird, erkennt, dass der Mensch der größte Feind der Menschheit ist und Schritte einleitet, diese Plage auszulöschen.

    Wovor man mehr Angst haben sollte: Künstliche Aufregung. Soziale und andere Medien haben uns gelehrt, dass jede(r) Meinung, Ansicht, Gedanke, Tat, Untat, Aussage derart emotional bewertet wird, dass zielführende Gespräche nicht mehr möglich sind. Letztes Beispiel (mittlerweile vielleicht auch nicht mehr) ist eine harmlose Umdichtung eines harmlosen Lieds, interpretiert von einem Kinderchor, initiiert vom WDR. Ein Text, der eine Oma als Umweltsau bezeichnet und damit kaum bösartiger oder ernster gemeint ist, als unsere damals neu getexteten Songs auf dem Schulhof oder auf der Otto-Schallplatte. Es reichte dennoch zu einer künstlichen Aufregung, Aufmärschen von Wutbürgern und recht(s) radikalen Arschgeigen vor dem WDR-Gebäude und höchst peinlichen Entschuldigungs-, Beschuldigungs-, Erklärungsversuchen aller WDR-Mitarbeiter (außer den Freien natürlich). Wie man mit einer solchen Situation besser umgehen sollte, hat der bekannte Rezo in seiner Zeit-Kolumne sehr treffend beschrieben.

    Wovor man am meisten Angst haben sollte: Reale Dummheit. Die Realität hat uns in den letzten Jahren gelehrt, dass die reale Dummheit die größte Gefahr der Menschheit darstellt, denn einige wenige Clevere nutzen sie, um ihre eigenen, egoistischen Ziele mit dummer Masse zu erreichen. Und so nebenbei den Frieden, die Umwelt und – auf lange Sicht – die Menschheit zu vernichten. Vermutlich noch schneller, als es künstliche Intelligenz schaffen würde. Diese entwickelt immerhin noch ein Bewusstsein.

  • Die verrückte Grenze der Vennbahn

    Wenn man im Aachener Dreiländereck lebt, kennt man die Vennbahn. Eine ehemalige Eisenbahnstrecke, die mittlerweile zu einem Radweg umgebaut wurde und eine recht eigenartige Grenze zwischen Deutschland und Belgien zieht. Tim Traveller beschreibt dies sehr amüsant im folgenden Video (auf englisch. Und ja, ich habe mehrfach gelacht):

    Und weil wir gerade vom Dreiländereck sprachen: Irgendwie ist das hier ja ein Vierländereck. Oder auch nicht, da Holland ja nicht gleich Niederlande ist, Neural-Moresnet nicht mehr existiert und überhaupt der Vaalserberg gar nicht wirklich der höchste Berg der Niederlande ist, sondern seit 2010 ein Vulkan auf der Karbik-Insel Saba, die als besondere Gemeinde der Niederlande gilt. Aber das wusste Tim Traveller offenbar nicht in dem weiteren sehr amüsanten Video aus dem Aachener Dreivierländereck (Ich habe auch hier mehrfach gelacht):

  • Probleme mit YouTube Videos in Safari auf iPadOS

    Eines der tollsten Features des iOS-Ablegers iPadOS ist das sogenannten Desktop Class Browsing, also die Möglichkeit, im Safari Browser nicht mehr nur mobile Webseiten, sondern normale Webseiten-Ansichten aufzurufen, wie man sie von Desktop-Rechnern und Laptops kennt. Dies ist zum Beispiel sinnvoll für Office-Webanwendungen, die zuvor mit einem iPad nicht genutzt werden konnten. Tolle Sache, die auch grundsätzlich super funktioniert.

    Leider existiert seit Erscheinen von iPadOS (auch in der aktuellen Version 13.3) ein Problem, wenn man etwas bei Google sucht, ein YouTube Video angeboten bekommt und dieses im Browser ansehen möchte. YouTube Videos werden trotz aktiviertem Desktop-Browsing mit der Adresse m.youtube.com geöffnet, also der mobilen Variante. Dies passiert bei jedem Aufruf aus Google-Suchergebnissen und führt dazu, dass die Videos nicht gestartet werden können und eine Fehlermeldung erscheint, Safari könne die Seite nicht öffnen, da die Adresse ungültig sei.

    Offenbar kommt es zu dem Fehler, weil Google an der Stelle grundsätzlich auf die mobile Seite umleitet, der Browser aber mit der Desktop-Seite rechnet. Klickt man neben der Adressleiste auf das „aA“-Symbol, kann man diverse Einstellungen vornehmen und in einem solchen Fall die mobile Seite anfordern. Das Video kann dann zwar abgespielt werden, stellt aber nur niedrige Auflösungen zur Verfügung und scheint sich auch bei den Kontrollen wie Play und Pause eigenartig zu verhalten. Über das „aA“-Symbol kann dieses Verhalten (oder die Reader Einstellung) fest eingestellt werden.

    Natürlich gibt es auch noch die YouTube App, die ich aus diversen Gründen aber nicht nutzen möchte. Vornehmlich wegen der penetranten Werbeeinblendungen. HTML 5 sollte mich auch gar nicht in eine App zwingen. Daher habe ich derzeit nur die Möglichkeit, YouTube jedesmal auf die mobile Variante umzuschalten und keine hochaufgelösten Videos zu sehen. Oder auf das MacBook auszuweichen.

    Letztlich stellt sich mir die Frage, wo das Problem liegt. Ist es ein Bug von iPadOS? Ist es ein Bug auf Seiten Google? Ist es bewusstes Verhalten von Google? Sind es mal wieder Sturheit und Streitigkeiten von beiden Seiten? Bislang konnte ich keine Antworten zu finden. Technisch kann es kein Problem sein, die YouTube Seite korrekt als Desktop Variante aufzurufen und die Videos korrekt anzuzeigen. Hat vielleicht einer meiner Leser eine Idee?

  • 40 Tage Dunkelheit und ein iPhone 11 Pro

    Im russischen Murmansk herrschen in Dezember und Januar jedes Jahres 40 Tage lang Dunkelheit, bedingt durch die Nähe zum Polarkreis. Der Fotograf Amos Chapple besuchte die Stadt erstmalig nur mit einem iPhone 11 Pro bewaffnet und ist beeindruckt von der Aufnahmequalität und des Night Modes. Großartige Fotos, die Lust auf das Gerät machen.

    The iPhone’s Night Mode is the witchiest camera technology I’ve ever used. I still don’t understand it. I was shooting three second exposures made handheld, yet I never saw any movement blur. All of the shots I made were tack sharp.

    Even more strange is that, whenever there was movement in the frame, like a person walking, or snow falling, the camera somehow froze, or only slightly blurred that movement, *while* it was soaking up light for a long exposure. 

    Interestingly, when the camera senses it’s on a tripod it behaves exactly like a normal camera — so during a long exposure people walking or snow falling just become faint blurs. I took a tripod with me but hardly ever used it after noticing this switch that the camera makes.

  • Familien-Rommé

    In meiner Familie ist es Tradition, bei jeglichem Zusammentreffen früher oder später gemeinsam am Tisch zu sitzen und das Kartenspiel Rommé zu spielen. Ich kenne es seit Jahrzehnten nicht anders. Dafür kennen andere die Spielregeln meiner Familie nicht, denn wie ich im Laufe der Jahre feststellen musste, scheint jedes Land, jede Region, jede andere Familie Rommé nach ihren eigenen Regeln zu spielen. Jedes neue Familienmitglied hat sich diesen Regeln zu beugen, beziehungsweise sie zu erlernen.

    Versucht man, die offiziellen und korrekten Regeln für Rommé zu recherchieren, gelangt man schnell zum Schluss, dass es eben nicht das eine Rommé gibt, sondern Dutzende von unterschiedlichen Varianten. Meist unterscheiden sie sich nur in kleinen Details, die dann aber wiederum zu gravierend sind, um unterschiedliche Rommé Spieler nach einem Regelwerk spielen zu lassen. Meist wäre es leichter, einfach Uno zu spielen. Wobei – auch hier sind mir mindestens fünf unterschiedliche leicht abgewandelte Varianten bekannt und niemand auf dieser Welt scheint nach den originalen Regeln zu spielen.

    Das Regelwerk in meiner Familie unterscheidet sich zunächst beim Zählen von allen bisher gefundenen Regelwerken. Gewonnen hat der Spieler, der als erster 1000 Punkte erreicht hat. Wurde eine Runde gewonnen, zählt jeder die Punkte, die er auslegen oder woanders anlegen konnte zusammen und zieht die Punkte, die er noch auf der Hand hat, wieder ab. Der Sieger der Runde erhält für seinen Sieg zusätzliche 30 Punkte, bei Hand sogar 60. Alle Karten mit Zahlen sind 5 Punkte wert, alle mit einem Bild zählen 10. Asse zählen 25, wenn sie in Kombination mit anderen Assen gelegt wurden. Sind sie nur Teil einer Straße (Dame, König, Ass), sind auch sie nur 10 Punkte wert. Joker zählen, was sie ersetzen, außer, man hat noch welche auf der Hand. Dann tun sie mit 50 Minuspunkten sehr weh.

    Ich schätze, gerade diese Zählweise macht die Variante unserer Familie so interessant. Doch vermutlich sagen das Millionen anderer Familien ebenfalls über ihr Rommé Spiel, das sie seit Jahrzehnten und über Generationen hinweg kennen.

    Ich muss jetzt auch wieder los, alle sitzen schon am Tisch und warten nur noch auf mich.

  • Das Cats Desaster

    Vor sehr vielen Jahren – ich war sicherlich zu jung dafür – sah ich tatsächlich die Musical- Aufführung von Cats in Hamburg. Und ich hasste sie. Nicht nur die kaum vorhandene Geschichte, oder die teilweise wirklich schrecklichen Gesangsstücke (vielleicht bis auf den Klassiker Midnight). Vor allem hasste ich die Übersetzungen, die so holprig, völlig ohne Esprit und Versmaß in den vorhandenen Rhythmus gequetscht wurde und von Darstellern performed wurden, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren und ihren Text offenbar nur phonetisch eingeübt hatten.

    Aber es scheint auch schlimmer zu gehen, wie die aktuelle Neuverfilmung des Musicals zeigt. Cats 2019 dürfte vermutlich in die Annalen als schlechtester Film des Jahrtausends eingehen und man muss sich fragen, wie es soweit kommen konnte. Ich muss voraus schicken, den Film tatsächlich nicht gesehen zu haben, daher soll dies keine Kritik am eigentlichen Film werden. Ich frage mich eher, wie ein Filmstudio offenbar alle Warnhinweise ignorieren konnte und es wagte, einen bereits nach dem ersten Trailer von der breiten Mehrheit gehassten, nicht fertigen Streifen gegen die finale Star Wars Episode antreten zu lassen.

    Der Trailer kam im frühen Sommer heraus und weckte zu der Zeit noch große Erwartungen. Inszeniert vom Oscar prämierten Regisseur Tom Hooper und gespickt mit einem A-Listen Cast, galt Cats zu den kommenden Oscar Anwärtern. Nur wenige Minuten nach Veröffentlichung des Trailers war allen klar, dass Cats gnadenlos untergehen würde. Man sah Monstrositäten, pelzige Katzen-Mensch-Hybriden, mit menschlichen Gesichtern, katzenartigen Nasen und Ohren, Schwänzen, behaarten Brüsten, die teils nackt, oder in Pelzmänteln unterwegs waren und deren Gesamterscheinung einem schrecklichen Fiebertraum entstammen mussten. Die Aufregung war groß, Cats erhielt maximale Publicity, die Meinungen waren bereits zu diesem Zeitpunkt vernichtend.

    Kurz zuvor hatten die Macher des Films „Sonic the Hedgehog„ Ähnliches erlebt. Nach Erscheinen des ersten Trailers gingen Fans auf die Barrikaden ob der unbegreiflich schlechten Umsetzung und Gesamt-Designs des titelgebenden Igels. Nichts an diesem Gebilde erinnerte an den liebgewonnenen Helden aus den Konsolen-Spielen. Das Filmstudio gelobte sofort Besserung, zog sich zurück, designte Sonic komplett neu und überarbeitete alle CGI Effekte des Films. Egal, ob der Streifen am Ende ein Erfolg werden würde, an Sonics Aussehen sollte es nicht mehr liegen. Er sah aus, als sei er direkt vom Mega Drive auf die Leinwand gesprungen.

    Nichts dergleichen schien man bei Cats getan zu haben. Zwar gab Universal nach dem für sie überraschenden Medienaufruhr bekannt, sofortige Nacharbeiten anzuordnen. Geändert wurde aber entweder nichts, oder zu wenig. Kein weiterer Trailer wurde veröffentlicht, dafür gab es ein Berichterstattungs-Embargo bis zwei Tage vor Veröffentlichung (nicht unüblich, aber immer ein schlechtes Zeichen). Und dann wurde es noch schlimmer. Waren es zuvor nur Trailer- Zuschauer, die Cats verrissen, schlug nun die Stunde der Medien, der professionellen Kritiker. Und sie alle zerrissen Cats in der Luft, zählten genüsslich alle Verfehlungen auf, jeden Fehler, den man beim Story-Telling, beim Design, beim Casting, bei der grundsätzlichen Umsetzung gemacht hatte.

    Das Studio hatte zuvor noch eilige Verbesserungen und Anpassungen versprochen und dieses Versprechen offenbar nicht eingehalten oder gar nicht einhalten können. Denn offenbar war einfach alles an dem Film falsch. Die Versuche, das Kind im Brunnen noch zu retten gingen gar soweit, zwei Tage nach Premiere Mails an über 3000 Kinobetreiber zu verschicken, dass es in Kürze ein Update des Films gäbe, mit angepassten Digital-Effekten. Ein bis dahin einzigartiges Vorgehen und nur von Spieleherstellern bekannt. Ein Day One Patch für einen Kinofilm, der bereits in den Kinos lief.

    Und genau hier stellt sich die Frage, was Universal sich dachte. Wie konnte es soweit kommen? Wie kann ein Film, der von einer Hundertschaft von Profis erstellt wird, zu einem solchen Desaster werden? Hat keiner der Produzenten, Drehbuchautoren, Effekt-Spezialisten irgendwann seine Stimme erhoben und gesagt „Ich fürchte, das geht alles in die Hose.“? Gab es keine Test-Screenings? Hat man den Film nicht, wie branchenüblich, mit echten Zuschauern getestet? Warum wurde das Design, der Schnitt nach dem vernichtenden Trailer offenbar nicht angepasst? Warum kam der Film dennoch in die Kinos, obwohl es offensichtliche Fehler bei den CGI Effekten gab? Warum nahm man dazu auch noch das Risiko in Kauf, weiteren Spott auf sich zu ziehen, indem man eine angepasste Version in die Kinos brachte und versucht, das gesunkene Schiff, dadurch noch zu retten? Warum wurde der Filmstart nicht einfach verschoben? Vielleicht 6 Monate, um alles noch einmal zu überarbeiten?

    Mir mag nur eine Erklärung einfallen: Reines Kalkül. Das Filmstudio dachte sich womöglich, dass Cats niemals zu retten sei, egal wie viel Geld man noch rein steckte. Der Film hätte neu konzipiert und neu gedreht werden müssen und die knapp 100 Millionen Dollar Produktionskosten wären verloren. Wie geht man stattdessen mit einer solchen Situation um? Man nutzt sie. Man spielt mit ihr und platziert den Film ganz bewusst nicht mehr als Meisterwerk, sondern als das schreckliche Chaos, das er nunmal ist. Und hofft zwar nicht mehr auf Erfolg an der Kinokasse, sondern bei Bluray-Verkäufen und Streaming. Der Film könnte ein Kult-Klassiker werden, so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Menschen sind neugierig, wollen das Grauen sehen, sich daran ergötzen und darüber lustig machen. Und selbst dafür geben sie Geld aus. Der Film würde ein Klassiker bei Trinkspielen und platziert sich zwischen Sharknado und Iron Sky in Tele 5 Ausstrahlungen der schlechtesten Filme aller Zeiten. Wenn schon mies, dann aber richtig.

    Ich bin gespannt, ob diese Rechnung aufgehen wird. Neugierig auf den Film bin ich natürlich. Verdammt clevreres Marketing.

  • Star Wars Episode 9: Der Aufstieg Skywalkers

    Wenn man über einen Film schreiben möchte, sollte man sich möglichst ein oder zwei Tage Zeit nehmen. Die Eindrücke verarbeiten und sacken lassen. Das Adrenalin und die Euphorie, oder aber auch die Wut abklingen lassen und rational beschreiben, weshalb der Film so großartig oder so schlecht war.

    Nichts davon funktioniert, wenn es um Star Wars geht. Ich komme gerade aus dem Kino und bin komplett euphorisiert, stehe unter Strom, der Kloß steckt mir noch im Hals und ich verarbeite all die Eindrücke, derer ich gerade Zeuge werden durfte. Star Wars kann man nicht rational beschreiben. Es ist nur pure Emotion. Kein vernünftiges Argument kann funktionieren, egal ob man Star Wars liebt oder hasst. So macht es auch keinen Unterschied, ob ich nun zwei Tage warte, um zu beschreiben, wie großartig ich die abschließende Episode fand und wie glücklich sie mich gemacht hat.

    Man merkt von Beginn an, dass es sehr viel zu erzählen und zu klären gibt. Der Film lässt dem Zuschauer keine Minute Pause. Und könnte man noch unterstellen, dass man dadurch keine Zeit bekommt, Logiklöcher oder Scriptfehler zu entdecken, so liegt der Grund tatsächlich an der Menge des Stoffs. Und dem jederzeit spürbaren Willen, Fan-Service zu betreiben und wirklich alles, alles hinein zu packen, was Fans an Star Wars lieben. Es kommt nichts zu kurz: Laserschwertkämpfe, Weltraumschlachten, exotische Planeten und noch exotischere Wesen. Amüsante Kabbeleien, philosophische Gespräche über die Macht und das obligatorische „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl“. Jeder liebgewonnener Charakter, ob lebend oder tot, hat seinen Moment. Und darüber hinaus bietet der Film noch einige Twists, die man nicht unbedingt kommen sah (und eventuell sogar etwas an den Haaren herbei gezogen waren).

    Star Wars Fans sind leider nie zufrieden zu stellen und ich ahne bereits jetzt – ohne IMdB oder Rotten Tomatoes aufgerufen zu haben, dass sie den Film mehrheitlich hassen werden. Denn er bietet zu viel altbekanntes und gleichzeitig zu viel Neues. Kritiken, die man bereits von Episode 7 kannte (War nur ein Remix der alten Trilogie) und von Episode 8 (War nicht mehr das Star Wars, das jeder kennt). Auch Episode 9 bietet Momente, die man so oder ähnlich schon in allen Teilen zuvor gesehen hat und wagt es manchmal nicht, noch etwas mutiger zu sein. Und das muss sie auch nicht.

    Star Wars ist ein Gefühl, ein phantastisches Märchen, das uns seit 40 Jahren wie eine liebgewonnene Decke wärmt und uns ein wohliges Gefühl gibt. Uns die Magie spüren lässt, die wir schon damals im Kino gespürt haben. Und ich für meinen Teil möchte eine kuschelige Decke nicht immer wieder aufs Neue erfunden haben. Episode 9 bietet alles, was man an Star Wars liebt (wenn man es liebt) und was mehr könnte man von einem Star Wars Film verlangen?

    Der Aufstieg Skywalkers ist der perfekte Abschluss der Filmreihe, verknüpft alle losen Enden miteinander, bringt die Geschichte zu einem wundervollen Ende. Und wer in der Schlussszene keinen Kloß im Hals hat wie ich, der hat entweder kein Herz oder Star Wars nie geliebt.