Schlagwort: unterhaltung

  • Warum Kinotrailer keinen Spaß mehr machen

    Warum Kinotrailer keinen Spaß mehr machen

    „In a time…“ als das Internet noch cool und lustig war und kein Sumpf aus Hass und Lügen, bot Apple eine eigene Filmtrailerseite an. Ja, es gab sogar eine App dafür. Denn damals gab es für alles eine App. Für mich als Filmnerd war diese Trailerseite die erste Anlaufstelle, um etwas über Filme zu erfahren, über die in Deutschland noch nicht einmal gesprochen wurde. Und damals hat das Trailer gucken auch noch Spaß gemacht. Nicht so heute.

    Heutige Filmtrailer sind mit einigen Mängeln behaftet, die es einem Filmfan wirklich schwer machen, sie sich anzuschauen. Heutige Trailer spoilern viel zu sehr. Statt neugierig zu machen und Lust zu wecken, packen heutige Trailer alles hinein, was der Film zu bieten hat. Die besten Gags, die besten Effekte, die besten Szenen, alle Protagonisten und Antihelden und gerne auch die komplette Auflösung. In der Regel zeigen zweiminütige Trailer eine Zusammenfassung der ersten beiden Akte eines Films. Die wirklich schlechten Trailer zeigen auch den dritten Akt.

    Heutige Filmtrailer scheinen immer nach dem gleichen Schema aufgebaut zu sein. Trailer zu machen ist oder war eine Kunst. Ausgewählte Regisseure und Cutter sorgten für das perfekte Zusammenspiel von Bild und Ton, von Tempo und Spannung. Heute bedienen sich alle Trailer der gleichen Elemente: der leisen Klavierklänge zu Beginn, der schnellen Stakkato-Schnitte, der Fades to Black, der Stille vor dem großen Knall, des Jump-Scare-Moments, des 80er-Jahre-Kult-Songs als ruhige Folk-Version in Moll und der bereits erwähnten Aneinanderreihung aller, wirklich aller Best-Of-Momente, die der Film zu bieten hat. Trailer (und auch manche Filme) wirken, als wären sie von einer KI produziert worden, die gelernt hat, wie Trailer zu funktionieren haben, und die immer wieder ihre eigenen Kreationen als Datenbasis verwendet. Es mag an meinem Alter liegen, aber ich feiere Filmstudios wie z.B. A24 nicht nur für ihre mutigen und innovativen Filme, sondern auch für ihre kreativen Trailer, die sich meist gegen den Trend stellen und wirklich Neues wagen.

    Noch frecher ist die Tatsache, dass heutige Trailer schlicht lügen und einen anderen Film „verkaufen“, also beispielsweise durch die Art des Tempos und Auswahl der Musik eine Komödie andeuten, die der eigentliche Film gar nicht ist. Gerne werden auch Szenen gezeigt, die im fertigen Film gar nicht enthalten sind. Trailer werden schon sehr früh in der Produktion und teilweise noch mit Rohmaterial erstellt, weshalb die Endfassung des Films meist noch massive Schnitte durchleben musste. Das kann man niemandem vorwerfen. Mittlerweile werden die Lügen aber bewusst als Verkaufsargument benutzt. Und so wie in der Waschmittelwerbung Hemden stets gebügelt und gestärkt aus der Maschine gezogen werden, deuten heutige Trailer gerne Szenen, Momente oder Personen an, die das Publikum locken sollen und im Kino schließlich nicht oder zumindest in anderer Form zu sehen sind.

    Und sprechen wir bitte einmal über die Trailer-Trailer. Diese kleinen, sekundenlangen TikTok-Schnipsel vor den heutigen Trailern auf YouTube mit dem Hinweis, dass der Trailer jetzt beginnt. Brauchen zwei- bis dreiminütige Trailer wirklich einen Trailer davor? Weil das Publikum von den 4 Sekunden und den Effekten darin abhängig macht, ob es sich überhaupt lohnt, weitere 2 bis 3 Minuten in den Trailer zu investieren? Ist unsere Aufmerksamkeitsspanne schon so abgestumpft? (Wenn ich meine Mitmenschen im Kino beobachte, die es keine 10 Minuten aushalten, ohne auf ihr Handy zu schauen, scheint es tatsächlich so zu sein).

    Aber jetzt zu meinem persönlich größten Ärgernis an den heutigen Trailern. Es gehört zwar auch zum immer gleichen Schema, sticht aber so unangenehm hervor, dass ich darauf besonders eingehen möchte. Die Perkussion. Die Unsitte, wirklich jedes unbedeutende Ereignis in einem Trailer mit einem epischen Knalleffekt zu untermalen. Ja, Baby. Woooshes! Hits! Downers! Risers! Epic! F*cking!! Sounds! So oder so ähnlich klingen heutige Trailer: Bam, bam, bam bam, bam bam bam, ba ba ba bam! BAM! BAM!!! Ständig, unaufhörlich und meistens unpassend.

    Stellen wir uns mal die Frage, warum das überhaupt gemacht wird. Um Emotionen zu erzeugen. Weil derartige Schlagzeuge etwas in uns wecken, uns aufrütteln und natürlich Spannung und Aufregung erzeugen. Gezielt eingesetzt können diese Effekte eine Szene unterstützen, den Schockeffekt verstärken. In aktuellen Trailern werden sie jedoch in einem Ausmaß eingesetzt, das seinesgleichen sucht. Der Held schmiert sich ein Sandwich. Bumm. Butter aufs Brot. Woosh. Salami aufs Brot. Bumm. Käse drauf. Bam! Riser! Ketchup. Bababababa… und die zweite Schicht Brot drauf… Bämm bämm. Krach. Alles episch. Im Übermaß. 3 Minuten lang, jede Bewegung ein epischer, heroischer Moment. Es muss krachen!

    Puh, erst mal runterkommen. Wisst ihr, alle wollen wie Superman sein. Aber wenn alle super sind, wisst ihr, was dann passiert? Dann ist niemand mehr super. Und wenn in einem Trailer alles episch ist, dann ist nichts mehr episch. Alles versinkt im immer gleichen Perkussionsbrei, weckt keine Emotionen mehr und ist auch nicht mehr steigerungsfähig. Die einzige Steigerung, die am Ende bleibt, ist nur noch die Ruhe. Und ich hoffe, dass die Filmindustrie bald wieder dazu zurückfindet, Aufmerksamkeit durch Stille zu erzeugen. Wann schauen wir von unseren Handys auf? Wenn der Lärm noch lauter wird oder wenn es plötzlich still wird?

    In diesem Video wird das Prinzip der Trailer Percussions sehr anschaulich und Schritt für Schritt erklärt. Hört euch das Ergebnis ab Minute 8:11 an und fragt euch, ob wirklich jeder Trailer so klingen muss.

  • Das Cats Desaster

    Vor sehr vielen Jahren – ich war sicherlich zu jung dafür – sah ich tatsächlich die Musical- Aufführung von Cats in Hamburg. Und ich hasste sie. Nicht nur die kaum vorhandene Geschichte, oder die teilweise wirklich schrecklichen Gesangsstücke (vielleicht bis auf den Klassiker Midnight). Vor allem hasste ich die Übersetzungen, die so holprig, völlig ohne Esprit und Versmaß in den vorhandenen Rhythmus gequetscht wurde und von Darstellern performed wurden, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren und ihren Text offenbar nur phonetisch eingeübt hatten.

    Aber es scheint auch schlimmer zu gehen, wie die aktuelle Neuverfilmung des Musicals zeigt. Cats 2019 dürfte vermutlich in die Annalen als schlechtester Film des Jahrtausends eingehen und man muss sich fragen, wie es soweit kommen konnte. Ich muss voraus schicken, den Film tatsächlich nicht gesehen zu haben, daher soll dies keine Kritik am eigentlichen Film werden. Ich frage mich eher, wie ein Filmstudio offenbar alle Warnhinweise ignorieren konnte und es wagte, einen bereits nach dem ersten Trailer von der breiten Mehrheit gehassten, nicht fertigen Streifen gegen die finale Star Wars Episode antreten zu lassen.

    Der Trailer kam im frühen Sommer heraus und weckte zu der Zeit noch große Erwartungen. Inszeniert vom Oscar prämierten Regisseur Tom Hooper und gespickt mit einem A-Listen Cast, galt Cats zu den kommenden Oscar Anwärtern. Nur wenige Minuten nach Veröffentlichung des Trailers war allen klar, dass Cats gnadenlos untergehen würde. Man sah Monstrositäten, pelzige Katzen-Mensch-Hybriden, mit menschlichen Gesichtern, katzenartigen Nasen und Ohren, Schwänzen, behaarten Brüsten, die teils nackt, oder in Pelzmänteln unterwegs waren und deren Gesamterscheinung einem schrecklichen Fiebertraum entstammen mussten. Die Aufregung war groß, Cats erhielt maximale Publicity, die Meinungen waren bereits zu diesem Zeitpunkt vernichtend.

    Kurz zuvor hatten die Macher des Films „Sonic the Hedgehog„ Ähnliches erlebt. Nach Erscheinen des ersten Trailers gingen Fans auf die Barrikaden ob der unbegreiflich schlechten Umsetzung und Gesamt-Designs des titelgebenden Igels. Nichts an diesem Gebilde erinnerte an den liebgewonnenen Helden aus den Konsolen-Spielen. Das Filmstudio gelobte sofort Besserung, zog sich zurück, designte Sonic komplett neu und überarbeitete alle CGI Effekte des Films. Egal, ob der Streifen am Ende ein Erfolg werden würde, an Sonics Aussehen sollte es nicht mehr liegen. Er sah aus, als sei er direkt vom Mega Drive auf die Leinwand gesprungen.

    Nichts dergleichen schien man bei Cats getan zu haben. Zwar gab Universal nach dem für sie überraschenden Medienaufruhr bekannt, sofortige Nacharbeiten anzuordnen. Geändert wurde aber entweder nichts, oder zu wenig. Kein weiterer Trailer wurde veröffentlicht, dafür gab es ein Berichterstattungs-Embargo bis zwei Tage vor Veröffentlichung (nicht unüblich, aber immer ein schlechtes Zeichen). Und dann wurde es noch schlimmer. Waren es zuvor nur Trailer- Zuschauer, die Cats verrissen, schlug nun die Stunde der Medien, der professionellen Kritiker. Und sie alle zerrissen Cats in der Luft, zählten genüsslich alle Verfehlungen auf, jeden Fehler, den man beim Story-Telling, beim Design, beim Casting, bei der grundsätzlichen Umsetzung gemacht hatte.

    Das Studio hatte zuvor noch eilige Verbesserungen und Anpassungen versprochen und dieses Versprechen offenbar nicht eingehalten oder gar nicht einhalten können. Denn offenbar war einfach alles an dem Film falsch. Die Versuche, das Kind im Brunnen noch zu retten gingen gar soweit, zwei Tage nach Premiere Mails an über 3000 Kinobetreiber zu verschicken, dass es in Kürze ein Update des Films gäbe, mit angepassten Digital-Effekten. Ein bis dahin einzigartiges Vorgehen und nur von Spieleherstellern bekannt. Ein Day One Patch für einen Kinofilm, der bereits in den Kinos lief.

    Und genau hier stellt sich die Frage, was Universal sich dachte. Wie konnte es soweit kommen? Wie kann ein Film, der von einer Hundertschaft von Profis erstellt wird, zu einem solchen Desaster werden? Hat keiner der Produzenten, Drehbuchautoren, Effekt-Spezialisten irgendwann seine Stimme erhoben und gesagt „Ich fürchte, das geht alles in die Hose.“? Gab es keine Test-Screenings? Hat man den Film nicht, wie branchenüblich, mit echten Zuschauern getestet? Warum wurde das Design, der Schnitt nach dem vernichtenden Trailer offenbar nicht angepasst? Warum kam der Film dennoch in die Kinos, obwohl es offensichtliche Fehler bei den CGI Effekten gab? Warum nahm man dazu auch noch das Risiko in Kauf, weiteren Spott auf sich zu ziehen, indem man eine angepasste Version in die Kinos brachte und versucht, das gesunkene Schiff, dadurch noch zu retten? Warum wurde der Filmstart nicht einfach verschoben? Vielleicht 6 Monate, um alles noch einmal zu überarbeiten?

    Mir mag nur eine Erklärung einfallen: Reines Kalkül. Das Filmstudio dachte sich womöglich, dass Cats niemals zu retten sei, egal wie viel Geld man noch rein steckte. Der Film hätte neu konzipiert und neu gedreht werden müssen und die knapp 100 Millionen Dollar Produktionskosten wären verloren. Wie geht man stattdessen mit einer solchen Situation um? Man nutzt sie. Man spielt mit ihr und platziert den Film ganz bewusst nicht mehr als Meisterwerk, sondern als das schreckliche Chaos, das er nunmal ist. Und hofft zwar nicht mehr auf Erfolg an der Kinokasse, sondern bei Bluray-Verkäufen und Streaming. Der Film könnte ein Kult-Klassiker werden, so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Menschen sind neugierig, wollen das Grauen sehen, sich daran ergötzen und darüber lustig machen. Und selbst dafür geben sie Geld aus. Der Film würde ein Klassiker bei Trinkspielen und platziert sich zwischen Sharknado und Iron Sky in Tele 5 Ausstrahlungen der schlechtesten Filme aller Zeiten. Wenn schon mies, dann aber richtig.

    Ich bin gespannt, ob diese Rechnung aufgehen wird. Neugierig auf den Film bin ich natürlich. Verdammt clevreres Marketing.

  • Trailer Parade: Tenet, Top Gun 2, A Quite Place 2

    Lange und sehnsüchtig erwartet erschien heute der erste richtige Trailer zum neuen Film von Christopher Nolan namens Tenet. Zur Story ist bislang noch sehr wenig bekannt. Der Trailer zeigt einige eindrucksvolle Szenen, verrät rein gar nichts, gibt aber einige eindeutige Hinweise, worum es sich drehen könnte. Der Soundtrack drückt gewaltig und stammt mal nicht von Hans Zimmer. Visuell wie Storytechnisch erwarte ich ein weiteres Meisterwerk.

    Tom Cruise macht mal wieder, was er mittlerweile offenbar am besten kann: Handgemachte Action, im Trailer zu Top Gun: Maverick, dem Nachfolger des Actionkrachers aus den 80ern. Inszeniert von Joseph Kosinski, der zuvor Tron 2 und Oblivion gedreht hat, erwarte ich ein visuelles Spektakel, das natürlich mehr von seinen sensationellen Aufnahmen als von tiefgründiger Story lebt. Das wird ein Kino-Spaß.

    Ich habe „A Quite Place“ geliebt und damals jeden gehasst, der es wagte, während der Vorführung im Popcorn-Eimer zu wühlen oder in ein Nacho zu beißen. Bislang gibt es nur einen kurzen Teaser zur Fortsetzung, der aber haargenau den Ton des Vorgängers zu treffen scheint. Kein Wunder, denn alle sind wieder mit dabei, wenn auch Emily Blunts Ehemann John Krasinski diesmal nur noch hinter Kamera steht. Aus Gründen.

    https://www.youtube.com/watch?v=QbynQn2_0RU&feature=youtu.be
  • Blue Monday Remix aus dem Wonder Woman 1984 Trailer

    Muss ich jetzt einfach hier reinpacken: Der sensationelle Blue Monday Mix aus dem Wonder Woman 1984 Trailer von Sebastian Böhm in der 6:17 Min Version. Gönnt euch.

    https://www.youtube.com/watch?v=ifaSc6Xftjk

    Dank an Chris fürs finden.

  • Trailer Parade: Ghostbusters, Wonder Woman 84, No Time to die, Free Guy

    Ghostbusters: Afterlife, oder Ghostbusters 3, wie ihn alle nenne werden (da die letzte Ghostbusters-Inkarnation einfach ignoriert wird). Geschrieben, produziert und inszeniert von Jason Reitman, Sohn von Ivan Reitman, der auch die ersten beiden Ghostbuster Filme schuf. Nun also eine Fortsetzung, 35 nach dem ersten Teil. Mir persönlich etwas zu warm, zu episch, zu wenig Komödie. Aber gut, dass noch nicht viel gezeigt wurde.

    No Time to die. Daniel Craig zum letzten Mal als James Bond 007. Großartige Bildsprache, sehr wenig Action (die dafür aber exzellent aussieht), dafür viel zu viel Story und Spoiler. Nach eher mauen Bonds freue ich mich auf den wieder sehr. Auch wenn ich diese Franchise-artige Verknüpfung von allem nicht so sehr mag.

    Free Guy. Ein normaler Kerl stellt fest, dass er ein NPC in einem GTA-ähnlichen Videospiel ist. Mit Ryan Reynolds. Mit diesen Fakten hatten sie mich schon. Und verloren mich mit dem Trailer. Was eine großartige Satire oder philosophische Parabel auf das Leben und die Realität a la Truman Show hätte werden können, scheint eher ein Spy Kids ähnliches Action-Gezappel zu werden. Nett für nen DVD-Abend (Nutzt man diesen Ausdruck noch?)

    Wonder Woman 1984. Ich hasse DC. Bis auf Man of Steel, Aquaman und Wonder Woman (alles mit Einschränkungen) könnte ich bei jedem DC Film schreien, so schlecht sind sie. Und dann kommt dieser Trailer und ich bekomme mein Grinsen nicht aus dem Gesicht. Er ist perfekt. 80er Jahre Setting, phänomenaler Blue Monday-Mix, perfekter Schnitt, gute Action Szenen, abgefahrene Bilder, toller Cast. Das könnte wirklich was werden. Ich möchte ihn lieben. Bitte, DC, verkackt es nicht.

  • Du sollst keine anderen Medien neben mir haben

    Noch vor wenigen Jahren fragte ich mich, weshalb es im deutschen Fernsehen keine vernünftigen Sendungen über Kino, Spiele, Internet und Literatur gibt. Immerhin handelt es sich doch um Medien, die mindestens so interessant wie Fernsehen sind (nicht schreien, ich führe diesen Gedanken gleich fort). Ausnahmen gab es natürlich hier und da. Elke Heidenreich und Jürgen von der Lippe durften eine kurze Zeit über Bücher plaudern. Game One wurde auf MTV versteckt gezeigt. Kino-Reportagen sah man am ehesten auf Tele 5 oder in Form von Marketing-gerechten Making-Ofs, eingequetscht zwischen Samstag-Vormittags-Werbung. Und GIGA wagte es als kompletter Sender, nur über diese Themen zu informieren.

    Die Antwort auf meine Frage erhielt ich nie. Vermutlich weil der Fehler bereits in der Fragestellung lag. Denn letztlich ist es so offensichtlich. Kino, Spiele, Multimedia und Literatur sind nicht mindestens so interessant wie das deutsche Fernsehen, sondern um ein vielfaches interessanter. Interaktiver. Sozialer. Verbindender. Spannender. Daher scheint sich das deutsche Fernsehen nah an den Leitspruch „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ zu halten. Weshalb sollte Fernsehen ein Interesse daran haben, auf alle Alternativen des Medienkonsums hinzuweisen? Die deutsche Bahn verteilt schließlich auch keine Flyer in ihren Zügen, die alle Vorteile des Autofahrens lobpreisen. Das Fernsehen sägt nicht am Ast, auf dem es sitzt.

    Umso spannender wäre nun mehr die Frage, weshalb es aber doch immer wieder zaghafte (und laut Fernsehmachern erfolglose) Versuche gibt, spannende Sendungen über andere Medien zu produzieren. „Was liest Du?“ und „Lesen“ waren wunderbare Konzepte, die weit über amazons „Kunden, die dieses Buch kauften, kauften auch…“ hinaus gingen. „Neues“ auf 3Sat bot eine wunderbare Mischung aus Technik, Internet und Geekness. Game One  informierte und unterhielt aufs vortrefflichste mit klugen und frechen Beiträgen, die von Game-Liebhabern gemacht wurden. Und leider würde ich nun gerne noch eine bemerkenswerte Kino-Sendung aufführen, doch kann ich mich seit Sabine Sauer im ZDF an nichts Herausragendes mehr erinnern (und auch dies war wohl nur deshalb herausragend, weil ich damals jung und unschuldig war). All die genannten Produktionen verschwanden wieder vom Bildschirm, wurden kastriert oder immer weiter im Spät-Programm versteckt, damit es bloß kein Zuschauer finden möge. Der oben genannte Sender GIGA wurde zum Internet-Auftritt herunter destilliert.

    Sagte ich zu Beginn, dass ich mich noch vor einigen Jahren fragte, weshalb die deutsche Fernsehlandschaft nichts derartiges mehr biete, so sieht das mittlerweile anders aus. Fernsehen muss gar nicht mehr über Bücher, Games und Kino informieren. Diesen Part hat mittlerweile das Internet wunderbar übernommen. Blogs, Youtube, amazon, Podcasts – es gibt eine schier unüberschaubare Anzahl an Möglichkeiten, wirklich alles über sein Lieblings-Medium zu erfahren. Social-Media hat den Platz der Anpreisung und Empfehlung übernommen. Und in einer Zeit, in der News in der Sekunde auf dem Smartphone erscheinen, in der sie passieren, haben altertümliche TV-Sendungen, die erst eine Woche später darüber berichten können, ihre Berechtigung als Informationsquelle verloren.

    Allein, es gilt eben nicht immer nur den Erwerb von Informationen anzustreben. Hin und wieder möchte man sich auch einfach zurück lehnen und unterhalten werden. Ohne Klicks, ohne Interaktivität. Und es stellt sich die Frage, ob es mangelnder Mut der Macher ist, oder tatsächlich das Desinteresse der Zuschauer, die einfach nur jede Woche einen neuen Superstar oder ein Supermodel finden wollen und sich rechts und links davon für kaum mehr interessieren. Ich mochte es, mir von Lippes Gästen ihre Lieblingsstellen aus Büchern vorlesen zu lassen. Ich mochte (mag) die kleinen verrückten Einspieler bei Game One. Ich mochte die bunte Mischung von Neues. Ich mochte Sabine Sauer.

    Deshalb plädiere ich weiter dafür: Liebes deutsches Fernsehen. Versucht es weiter und produziert auch Sendungen über euren Tellerrand hinaus. Die Konkurrenz ist bereits da und ihr müsst keine Angst vor ihr haben oder sie totschweigen. Ihr könnt es, das habt ihr bewiesen. Ihr habt die Kanäle, wie EinsPlus oder ZDF Neo, wo derartige Formate bestens aufgehoben sind. Traut euch wieder.

    Nicht unerwähnt bleiben darf hier die neue kleine Sendung namens Reload. Ein knackiges Magazin im Stil von Game One, aber der Hingabe und Liebe der Gee-Macher. Eine absolute Empfehlung von mir und vielleicht auch ein Beispiel dafür, dass es eben doch möglich ist, Qualitätsfernsehen über so etwas „banales“ wie Spiele zu machen. Vielleicht auch bald wieder über Bücher, Kino, Internet und Technik?

    Wer weitere Beispiele findet, möge sie mir mitteilen.

  • Letterboxd – Social Media at the Movies

    Communitys und Social-Media-Plattformen gibt es viele. Für jeden Geschmack, jede Nutzung, jedes Hobby ist etwas dabei. Neu und noch im geschlossenen Beta-Status ist Letterboxd, ein Facebook-Twitter-GooglePlus-IMDB für Filme und Filmfreunde. Auf Letterboxd spielt das ganz große Kino (und das kleine ebenso) und ist für mich, der mit Facebook nie warm wurde, Google+ gerne ignoriert und Twitter weit sporadischer als früher aufsucht, die perfekte Plattform. Als Filmfreak und wandelndes Filmlexikon kann ich mich austoben.

    (mehr …)

  • Werde Superstar

    Du möchtest ein Star sein? Berühmt und in aller Munde? Du willst, dass jedermann in Deutschland über dich spricht? RTL und Co. Reportagen über dich drehen, die Bild Zeitung, Spiegel und Stern dein Gesicht auf das Cover bringen und einen großen Leitartikel verfassen? Nur zu, du kannst es schaffen. Und es ist nicht einmal so schwer. Das deutsche Fernsehen zeigt es in den letzten Wochen beinahe pausenlos, wie leicht es sein kann, ins Rampenlicht zu kommen. Du brauchst dafür kein Talent. Du musst nicht singen können. Oder tanzen. Du musst auch nicht gut aussehen. Oder gar gehen können. Es ist egal, ob du hochgebildet oder grenzdebil bist. Um berühmt zu werden, brauchst du nur eines: du musst anders sein. Anders als all die anderen. Etwas schräg vielleicht und gut darin. Nicht zu gut, nur eben … anders. Leicht verrückt. Verschroben. Und mit dem eisernen Willen, deine Selbstachtung komplett über Bord zu werfen und alles zu tun für den Ruhm. Je schräger, desto besser. Je merkwürdiger du aussiehst, je weniger du singen kannst, je mehr Schwachsinn du von dir gibst, umso größer werden deine Chancen, vor eine Kamera gestellt zu werden. Sollte all das nicht fruchten und solltest du feststellen müssen, doch nicht verrückt genug zu sein, um berühmt zu werden, dann klinke dein Gehirn komplett aus. Wenn es zum Supertstar, zum Topmodel oder zum Dschungel-Camp Kandidaten nicht reicht, werde einfach Amokläufer und Massenmörder. Vergiss allerdings nicht, zuvor anzukündigen, wie durchgedreht du demnächst sein wirst und installiere noch schnell ein paar brutale Spiele auf deinem Computer, selbst wenn du viel lieber Volleyball spielst. Du wirst sehen, ins Fernsehen und auf die Titelseiten zu kommen war noch nie so leicht wie heute. Jeder Depp kann das. Und je bescheuerter du bist, umso einfacher wird es. Man kann gar nicht bescheuert genug sein, berühmt zu werden. Werde also jetzt ein Star und zeig es den anderen mal so richtig.

  • Promo-Trailer

    Halb dösend auf dem Sofa liegend und in die Glotze starrend, wünschte ich mir, die Fernsehsender würden endlich damit aufhören, ihre Promo-Trailer zu kommenden Serien und Filmen nicht so schneiden, als würden die Darsteller eine Art Dialog führen oder Kommentare zum Programm abgeben. Ich kann es nicht mehr sehen, wenn die CSI-Cops Sätze sagen wie „Das muss man gesehen haben“, woraufhin die Medium-Tante meint „Oh, großartig“, um von einer verzweifelten Hausfrau mit „Toll. Die sind wirklich die Besten“ bestätigt zu werden, was irgendeinen Bones-Kameraden zu der Aussage „Das sage ich auch immer“ nötigt. Die Beispiele sind mannigfaltig und der Sinn ist mir absolut schleierhaft. Was bezwecken diese Trailer-Cutter damit? Soll damit das Programm leichter zu merken sein? Soll der gemeine RTL2-Zuschauer mit dem Eindruck geködert werden, das komplette Fernsehprogramm sei eine große, zusammenhängende Show, in der eine Serie und ein Film nahtlos die/den nächsten beeinflusst und ineinander übergeht? Oder ist es nur ein Gag, ohne tieferen Hintergrund? Ich weiß es nicht.

    Was ich allerdings weiß, ist die Tatsache, dass es zuviel Eigenwerbung im Programm der Sender gibt. Zusätzlich zur üblichen Produktwerbung nerven diese Trailer und Promos noch mehr. Einen Abend lang im deutschen Fernsehen verbracht, ist man mindestens acht Mal darüber informiert worden welche phantastische Show am Samstag Abend gezeigt wird und welche Spielfilme im Frühjahr ausgestrahlt werden. Und das wiederholt sich bis zum betreffenden Samstag/Frühjahr. Weniger Ankündigung für das Programm würde mehr Platz für das Programm schaffen und weit weniger zum Abschalten nötigen. „Meinst du?“ „Mit Sicherheit.“ „Das sollten sie sich mal anhören.“ „Auf keinen Fall verpassen.“ „Ohja.“

  • Beowulf ab 12 Jahren – Antwort der FSK

    Vor gut einem dreiviertel Jahr hatte ich mich hier etwas über einen Film namens „Beowulf“ echauffiert. Doch nicht die Qualität des Streifens an sich brachte mich zur Weißglut, sondern die Tatsache, dass der Film bereits ab 12 Jahren freigeben war. In einer Zeit, in der Politiker und gewisse Medien immer lauter nach Verboten schreien, nach Zensur und der obligatorischen Schnittschere, war diese Entscheidung der FSK wie ein Schlag ins Gesicht für mich. Denn selten zuvor habe ich einen Film gesehen, der einem Kind so offensichtliche und übertriebene Gewalt und Blut entgegen wirft, wie Beowulf. 

    Ich bekam einige Kommentare auf diesen Artikel. Der interessanteste davon stammte von Christian Eberle, der mit mir einer Meinung war und diese der FSK kund tat. Und siehe da, sie antworteten auch. Christian veröffentlichte das Antwortschreiben ebenfalls in den Kommentaren. Da ich aber befürchte, dass es dort etwas untergeht, möchte ich es hier noch einmal aufgreifen. Und zwar weitestgehend kommentarlos von meiner Seite. Denn ich denke, der Brief spricht genug für sich, zeigt deutlich, wie die FSK arbeitet, wie es zu solchen Beurteilungen und Feststellungen kommt und was man selbst als mündiger Bürger und Kunde davon halten sollte. 

    Lest also selbst und teilt mir mit, was ihr davon haltet. Auf dass euch genauso die Spucke weg bleibt, wie mir.

    „Sehr geehrter Herr Eberle,

    bevor wir näher auf den genannten Film eingehen, lassen Sie uns einige
    Informationen zu unserer Arbeit vorausschicken: Die FSK ist im Auftrag der
    Obersten Landesjugendbehörden für die Freigaben von Kinofilmen, Videos und
    vergleichbaren Bildträgern sowie auch von Trailern und Werbefilmen
    zuständig. Sie vertritt damit den gesetzlichen Jugendschutz im Bereich
    audiovisueller Medien. Die Entscheidungen treffen pluralistisch
    zusammengesetzte Ausschüsse, deren Prüferinnen und Prüfer von der
    Öffentlichen Hand sowie Bundes- und Länderministerien bzw. von der Film- und
    Videowirtschaft entsandt werden und ca. 3 Wochen pro Jahr bei der FSK
    ehrenamtlich tätig sind. Die Ständigen Vertreter der Obersten
    Landesjugendbehörden haben in den Arbeitsausschüssen den Vorsitz.

    Die Fantasy-Heldensaga über Beowulf versetzt den Zuschauer in eine auf
    Perfektion ausgerichtete, computeranimierte mittelalterliche Welt. Die
    erzählte Geschichte wirkt schlicht bezüglich ihrer inhaltlichen Gestaltung.
    Auch die filmischen Figuren, abgefilmte und in Computertechnik präsentierte
    prominente Darsteller, bleiben in ihrer Zeichnung blass. Der Ausschuss war
    der Meinung, dass im Film keine Identifikationsfiguren für die Altersgruppe
    der 12-Jährigen angeboten werden. Beowulf ist ein ambivalenter Held, ein
    starker Kämpfer, doch ohne Erfüllung in sozialer Hinsicht. Prägend für die
    Rezeption des Fantasyspektakels ist nach Auffassung der Ausschussmitglieder
    die filmische Umsetzung: Opulente Bilder, die eine mittelalterliche Welt
    perfekt inszenieren, aufwendig gestaltete Kulissen und Kostüme, eine
    beeindruckende Farb- und Lichtdramaturgie und eine auf Effekte ausgerichtete
    Ton- und Musikuntermalung. Als problematisch im Sinne einer Übererregung und
    Ängstigung 12-Jähriger diskutierte der Ausschuss die drastisch in Szene
    gesetzten Gewalt- und Tötungsszenen. Insbesondere die Eingangskampfszene, in
    der Grendel vorgestellt wird, zeigt drastische Gewaltbilder, wie das
    Zerreißen von Menschen. Da im Fortgang des Films diese explizite Darstellung
    von Gewalt einer stärker auf Action ausgerichteten, temporeichen und einer
    fantastischen Welt zuzuordnenden Kämpfinszenierung weicht, konnten die
    Ausschussmitglieder für eine Freigebe des Films für 12-jährige Mädchen und
    Jungen votieren. Dieser Altersgruppe ist zuzutrauen, dass sie das Tempo, die
    Geräuschkulisse und die gewaltgeprägte fantastische Welt verkraften und die
    nötige Distanz zu den Protagonisten und deren gewalttätigem Vorgehen
    aufbauen.

    Hierbei ist allerdings zu sagen, dass die FSK-Kennzeichnungen keine
    pädagogischen Empfehlungen sind sondern lediglich sicherstellen sollen, dass
    das körperliche, geistige oder seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen
    einer bestimmten Altersgruppe nicht beeinträchtigt wird. Die Ausschüsse der
    FSK, die unter anderem aus Jugendamtsleitern, Jugendbildungsreferenten,
    Lehrern, Kinderärzten, Psychologen, die natürlich auch Eltern sind,
    bestehen, versuchen mit großer Sorgfalt die mögliche Wirkung eines jeden
    Filmes zu beurteilen. Eine letztlich „objektive richtige“ Freigabe
    kann es
    nicht geben. Zu unterschiedlich sind die Filme, zu unterschiedlich sind die
    Rezeptionsbedingungen und -möglichkeiten von Kindern und Jugendlichen. Die
    Prüferinnen und Prüfer versuchen dies zu berücksichtigen.

    Mit freundlichen Grüßen

    T…
    Assistent der
    Ständigen Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden bei der FSK
    Kreuzberger Ring 56
    65205 Wiesbaden“

  • MTV Game One

    Noch nie habe ich es verstanden, weshalb das Thema PC- und Konsolenspiele im Fernsehen so stiefmütterlich behandelt wird. Schließlich spielt mittlerweile fast jeder, egal ob am Rechner, am Fernseher, oder mobil. Und mit Games werden nachweislich mehr Dollar umgesetzt als in der Filmindustrie. Dennoch gibt es im deutschen Fernsehen nur eine Sendung, die regelmäßig über Neues und Interessantes auf dem Spielemarkt informiert. MTVs Game One.

    Woran liegt das? Ist es wirklich nur mangelndes Interesse der Zuschauer? Oder hat da das Internet mittlerweile weit die Nase voraus? Ist das passive Medium Fernsehen einfach nicht geeignet, um aktive Unterhaltung wie Spiele an den Mann zu bringen? Aber wieso gibt es dann soviel mehr Game-Zeitschriften? (Wobei auch hier der Markt rückläufig ist). Oder sind Spiele in den Augen der Senderchefs entweder Kinderkram oder gefährliche Ego-Shooter-Massenmörder-Inspirationen? Und um nochmal den Vergleich zur Filmindustrie heranzuziehen: Es gibt auch keine vernünftige Sendung über Kino. So gesehen scheint das deutsche TV alles zu ignorieren, was man jenseits des Fernsehkonsums zum Zeitvertreib tun kann. (Selbst Elke Heidenreich liest nicht mehr)

    Doch zurück zu Game One auf MTV. Auch diese Sendung hat es nicht leicht. In wunderbarer Regelmäßigkeit wird ihre Länge verändert. Oder der Sendeplatz. Was dazu führt, dass ich mehr Folgen verpasse, als mir lieb ist. Denn ich mag die Sendung. Und ich mag die beiden Moderatoren. Simon Krätschmer und Daniel Budimann führen durch das Programm, stellen neue Spiele für alle Systeme vor, führen Interviews und zeigen auch Hintergrundberichte. Und dazwischen machen sie viel Quatsch. Da werden mit Green-Screen und Außenaufnahmen kleine Einspieler produziert, da wird teils plumper Humor benutzt oder Filmschnipsel werden eingestreut. Eine Menge Aufwand und stets an der Grenze zum kindischen und zur Lächerlichkeit. Aber irgendwie charmant. Die beiden Jungs machen das alles mit soviel Witz und Spaß an der Sache, dass auch der Zuschauer seine Freude hat.

    Und dann kommt noch dazu, dass sie fundiertes Wissen und kritische Bewertung an den Tag legen, die weit abseits von McDonalds-Spiele-Promotions liegt. So wird beispielsweise nicht nur erzählt und gezeigt, dass ein neuer Call-of-Duty-Teil auf dem Markt ist. Nein, man spricht öffentlich über die moralischen Bedenken, zeigt Spieleszenen, die grenzwertig sind und gibt dem Titel mutig einen faden Beigeschmack. Was dem Zuschauer wieder beweist, dass Spiele auf dem Bildschirm eben nicht nur aus Schießen und Töten bestehen sollen. Game One geht mit dem Thema tatsächlich auch differenziert um.

    Diese Mischung aus plumpem Klamauk, kritischem Betrachten und den sympathischen Moderatoren macht für mich den Reiz der Sendung aus. Denn jenseits des Gaga Giga-Programms (zu 95% nur für unter 16-Jährige zu ertragen) ist Game One die letzte Bastion der Spieleberichterstattung im Fernsehen.

    Wer, wie ich, immer wieder die Folgen verpasst, kann sie natürlich auch online sehen, was mich zu meiner anfänglichen Frage bringt: Ist das Internet in Sachen Spiele weiter und vielleicht auch geeigneter? Schwer zu sagen, denn interessanterweise macht Game One im Netz nicht so viel Spaß. Im Netz suche ich gezielt nach Informationen, da will und kann ich mich nicht berieseln lassen. Da will ich auch keinen Klamauk, da will ich Szenen aus dem Spiel, eine Bewertung und die Frage beantwortet haben, ob ich es kaufen kann. Lässig auf dem Sofa liegend, macht es viel mehr Spaß, eine Show zu sehen, gut gelaunte Leute vor der Kamera und witzige Ideen.

    In Sachen Spiele ist MTV ja glücklicherweise noch sehr engagiert. Die MTV Game Awards stehen an. Diese werden zwar nie den Stellenwert eines EMA bekommen, aber immerhin. Und sagte ich eben "noch"? Nun, wie man allerorten lesen kann, ist MTV (und die Tochtersender Viva und Comedy Central) in argen Geldnöten. Sendungen werden gestrichen, VJs ihres Jobs beraubt.

    Bitte MTV, lasst Game One nicht sterben. Kürzt es auch nicht wieder. Seid mutig und zeigt Game One prominenter. Ihr habt da wirklich eine kleine Perle, die eine komplett brachliegende Nische nutzt. Bitte füllt euer Programm nicht nur mit weiteren Kuppel- und Castingshows und anderem Mist (By the Way: Zeigt ihr eigentlich überhaupt noch Musikvideos? Wenn ja, wann?).

  • Ich liebe Pixar

    Ich liebe ja so manches auf dieser Welt. Aber Pixar muss man einfach lieben. Jeden einzelnen Film, den sie heraus brachten, liebe ich. Jeden Kurzfilm liebe ich. Jede Dokumentation über Pixar liebe ich. Als ich zum ersten Mal den Trailer zum neuesten Meisterwerk Wall-E sah, musste ich glucksen vor Freude. Ich liebte diesen kleinen Roboter. Ich werde den ganzen Film lieben.

    Ihr mögt mich für verrückt halten. Doch lest selbst, was ich heute bei nom nom nom entdeckte. Lest von Courtney, die beim Wall-E Trailer zu weinen begann, weil sie sich spontan in den kleinen Kerl verliebte. Lest, wie sie das Video ihres "Heulkrampfes" bei Youtube veröffentlichte. Lest, wie Pixar Mitarbeiter und Produzenten das Video sahen, sich geehrt fühlten, Courtney zu sich einluden und… ach, lest selbst, warum man Pixar einfach lieben muss. Und weshalb ich es nun noch mehr tue.

    Ja, ich gebe zu, ich freue mich auf Wall-E ein klitzekleines bißchen mehr als auf The Dark Knight. (Achtet im Trailer mal auf Wall-Es romantische Avancen. Da hatte selbst ich einen Kloß im Hals.)

  • The Daily Show with Jon Stewart – nun auch in Deutschland

    Breaking News: Eben beim Fernsehlexikon gelesen, The Daily Show with Jon Stewart wird ab sofort auch in Deutschland ausgestrahlt. Im normalen Fernsehen, nicht im Netz. Und mit deutschen Untertiteln, nicht synchronisiert. Comedy Central hat nun ein deutsches Hauptquartier, wo beschlossen wurde, die "Global Edition" der Daily Show, also der Best-of-Zusammenschnitt der vier Folgen der Woche, untertitelt jeden Dienstag in ihrem Abendprogramm zu zeigen. Somit bietet Comedy Central neben "Little Britain" und "Drawn together" den nächsten Grund, hin und wieder den Fernseher einzuschalten. Weiter so.

  • Die Telekom, Britain´s got Talent und Paul Potts

    Die deutsche Telekom lanciert derzeit massiv einen ungewöhnlich langen und recht emotionalen Werbespot im Fernsehen. Darin zu sehen ist der Auftritt eines eher unscheinbaren Mannes, der in der englischen Sendung „Britain’s got Talent“ Nessun Dorma zum Besten gibt. Dazwischen Einblendungen verschiedener Zuschauer, die an den Fernsehapparaten, ihren Handys und Notebooks den Auftritt verfolgen und hingerissen sind. 

    Zunächst könnte man sich ja fragen, weshalb die Telekom dazu auf eine englische TV-Sendung zurückgreifen muss, die hierzulande so gut wie unbekannt ist. Und auch, was das mit dem Produkt der Telekom zu tun hat. Natürlich, es geht um Emotionen und darum, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, daran teilzuhaben.

    Als ich den Spot sah, wurde mir wieder bewusst, dass ich mit einem Kloß im Hals da saß und ich erinnerte mich daran, schon seit langem etwas über die englischen Talente schreiben zu wollen. Der Opernsänger in dem Telekomspot heißt Paul Potts und war der Gewinner der ersten Staffel „Britain’s got Talent“. Eine außergewöhnliche Stimme, ein außergewöhnlicher Auftritt. Man beachte nur die Reaktionen der Jury vor und nach seinem Auftritt.

    Man beachte bitte auch die Reaktionen des Publikums. Ich habe selten zuvor erlebt, dass ein Publikum so hingerissen und begeistert ist. Und dazu gibt es noch weitere Beispiele. Denken wir nur an den blonden kleinen Andrew, der in der Schule verprügelt wird, weil er singt. Und dann hört man ihm zu, sieht, wie die Jury und das Publikum sich ihrer Tränen nicht erwehren können und schluckt. Legendär auch der Auftritt der kleinen Connie, die mit ihrer Interpretation von „Somewhere over the Rainbow“ alle zum schmelzen bringt. Oder der großartige Auftritt von Craig, der seinen Baton Twirler Auftritt seiner Großmutter widmet. Das alles ist ganz großes Kino. Ganz große Gefühle. Wer hier einfach abwinkt, der hat kein Herz.

    Und RTL scheint kein Talent zu haben, ebenfalls solche magischen Momente zu erzeugen. Hat England vielleicht einfach die besseren Talente? Oder die besseren Zuschauer? Oder eine bessere Jury? Bessere Moderatoren? Mehr Talent, so eine Sendung richtig über den Äther zu schicken? Ja, vermutlich von allem ein bisschen. So ist es mehr als verständlich und auch mehr als clever von der Telekom, damit einen Spot zu gestalten. Ich bin hingerissen (nur von dem Spot).

  • Komme ich jetzt ins Fernsehen?

    Ich, weiß, ich schulde euch noch einen Artikel, wie es dazu kommen konnte, dass ich für 90 Sekunden im Fernsehen war. Ich habe lange selbst mit mir gerungen, wie ich diesen Artikel schreiben sollte, denn viel gab es dazu ja nicht zu sagen. Mittlerweile hat sich das geändert.

    Die Frage „Komm ich jetzt ins Fernsehen?“ kennt der eine oder andere vielleicht noch aus der Sat1 Wochenshow, in der Herr Görgens mit sinnlosen Erfindungen versuchte, berühmt zu werden. Er schaffte es nie. Und irgendwie doch.

    Wenn man als Blogger tätig ist, denkt man erstmal nicht daran, damit berühmt zu werden (und/oder Geld damit  zu verdienen). Hin und wieder schielt man vielleicht herüber zu den etwas berühmteren Bloggern, die wichtige Dinge von sich geben, die von wichtigen anderen Medien aufgegriffen werden, doch im ersten Moment ist einem das egal. Man bloggt nur, weil man der Welt etwas mitteilen möchte. Man bloggt um des bloggens Willen. Und nimmt damit (wissentlich oder auch nicht) ebenso aktiv an der Medienlandschaft teil, wie Print, Funk und Fernsehen.

    Hin und wieder kann es nun passieren, dass die Wege in der Medienlandschaft sich kreuzen. Man hat einen Bericht geschrieben, für den sich die örtliche Presse interessiert? Man hat ein Foto online gestellt, das ein Verlag gerne nutzen würde? Man hat sich mit seinen Artikeln als Profi hervorgetan, der sein Wissen im Fernsehen mitteilen soll? Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, lassen sich kaum erzwingen und nur schwer steuern. Was aber egal ist, da die große Mehrzahl der Blogger meiner Ansicht nach ohnehin nicht nur aus dem Grund bloggen, um ins Fernsehen zu kommen.

    Als mich vor mittlerweile über einem Jahr unsere Lokalzeitung anschrieb und um ein Interview bat, war ich entsprechend überrascht. Und, ich gebe es zu, ich fühlte mich geehrt. War diese Anfrage doch ein kleiner Beweis für mich, in der Welt wahrgenommen zu werden. Nicht nur von Freunden, Bekannten und Menschen, die zufällig per Google einen Artikel von mir finden. (Wobei der Journalist damals natürlich auch nur per Zufall bei seiner Recherche über mein Blog stolperte) Nein, offenbar gefiel meine Meinung auch jemandem, der so etwas professionell macht, der damit sein Geld verdient und der der Meinung war, dass ich geeignet sei, meine Meinung einem etwas breiteren Publikum mitzuteilen.

    Das breite Publikum war wie gesagt eine Lokalzeitung, der Artikel ist mittlerweile vergessen und verstaubt in einem Archiv. Natürlich bin ich kein Star, natürlich war es ein Einzelfall, von den mir versprochenen 15 Minuten Ruhm hatte ich vielleicht ein paar Sekunden bekommen. Ich kenne auch Blogger, für die das normal ist. Die beinahe täglich von Magazinen oder Sendungen angefragt werden. Ich bloggte einfach weiter.

    Bis dann plötzlich doch das Fernsehen vor der Tür stand. Oder zumindest in meinem Postfach lag. Ein Redakteur der 3sat Sendung „neues“ recherchierte für einen Beitrag, in dem Firmen-Images beleuchtet und „Glaubenskriege“ aufgedeckt werden sollten. Weshalb Apple einen besseren Ruf hat als Microsoft. Und weshalb die Playstation-, Xbox- und Wii-Fans sich gegenseitig fertig machen. Da ich bereits mehr als einmal meinen Senf dazu in meinem Blog veröffentlicht hatte und dem Redakteur mein Stil wohl gefallen hatte, bat er um ein Interview.

    Wow. Das Fernsehen will mich. Und dann auch noch 3sat. Nicht die Putzteufel von RTL2. Nein, 3sat, mit einer Sendung, wie sie ohnehin wie für mich gemacht worden zu sein schien. Ich fühlte mich geehrt. Schon wieder. Und sagte zu.

    Schon wenige Tage später empfing ich den Redakteur bei mir zuhause. Wir unterhielten uns über das Thema, erörterten im Vorfeld, welche Fragen er mir stellen wollte und wir überlegten uns den besten Ort für das Interview. Der war schnell gefunden. Auf meinem Fernseher ließen wir Wii Tennis laufen, während ich mich etwas davor setzte. Er richtete seine Kamera ein, hielt mir irgendwann das Mikrofon vor und mein erster Satz war: „Ähh.“ Jegliche Eloquenz war von mir gewichen. Es war so peinlich. Und so typisch für jemanden, der noch nie vor laufender Kamera Fragen beantworten musste.

    Das Interview dauert vermutlich eine gute Viertelstunde. Ich gab meine Meinung kund, weshalb es keinen sinn machte, dass Wii-Spieler und Playstation-Fans sich gegenseitig fertig machten. Ich erzählte, worin ich die Unterschiede zwischen Xbox360 und PS3 sah. Ich mutmaßte, wie Nintendo es geschafft hatte, sich ein so gutes Image zu zu legen. Dann machten wir uns noch den Spaß, ein wenig Wii Action zu filmen. Ich spielte Tennis, wie man das mit Wii Sports eben so macht. Im Großen und Ganzen waren wir eine Stunde beschäftigt.

    Als ich zwei Wochen später vor dem Fernseher saß und „neues“ begann, spürte ich mein Herz klopfen. War das aufregend. Ich war im Fernsehen. Letztlich nur für etwa 90 Sekunden, die so schnell vorbei gingen, dass ich im ersten Moment nur baff war und zur damalige Freundinn an meiner Seite sagte: „Ich habe bloß gestottert.“

    Meine 15 Minuten Ruhm hatten ein paar Sekunden dazu gewonnen. Und dann kam RTL und klopfte an meine Tür.

    Wie manche von euch vielleicht wissen, schrieb ich vor einer halben Ewigkeit auch für das Freiburger Online Magazin fudder und steuerte damals einen Artikel bei, in dem ich von meinen Erfahrungen als Lokführer berichtete. Um genau zu sein, wie ich die Nachtschicht erlebte, als ich zum ersten Mal mit meinem Zug einen Menschen überfuhr. RTL plante eine Reportage über das Thema und fragte bei fudder an, ob man mit mir in Kontakt treten könne. Dann ging alles recht schnell. Schon am nächsten Tag telefonierte ich mit dem RTL Journalisten, erzählte nochmals meine Erlebnisse, beantwortete Fragen und muss dabei eine so gute Figur gemacht haben, dass er fragte, ob ich bereit wäre, damit auch in dem Beitrag aufzutreten.

    Zugegeben, Medienschlampe die ich nun mal bin (haha), sagte ich zu. Zugegeben, es war RTL und nicht arte. Zugegeben, ich bin noch nicht abgebrüht genug, um solche Anfragen auch zu hinterfragen. Im ersten Moment war das alles nur aufregend. Wie zuvor auch schon hatte die Welt von mir Notiz genommen und wollte etwas von mir hören. So fühlte es sich zumindest an. Der Journalist besprach mit mir Ideen, wie wir das Interview gestalten könnten, wo ich mich mit seinem Kamerateam treffen sollte und was es hierfür vorzubereiten gäbe. Ein Termin war schnell gefunden.

    Der Ball kam ins Rollen. RTL stellte Anfragen, checkte Locations und holte sich Genehmigungen ein. Bis dahin wohl nicht wissend, wie empfindlich die Bahn auf das Thema reagiert. Natürlich möchte die Bahn nicht mit dieser Problematik in Verbindung gebracht werden, auch wenn sie täglich auf Deutschlands Schienen Realität wird. Natürlich wird das Wort Suizid oder Selbstmord niemals kommuniziert, sondern stets von Personenunfällen gesprochen. Und letztlich möchte die Bahn natürlich auch vermeiden, dass es zum sogenannten Werther Effekt kommt (also das Menschen durch die Berichterstattung erst auf die Idee gebracht werden, sich auf der Schiene das Leben zu nehmen).

    Vielleicht stellt sich jetzt der eine oder andere die Frage, weshalb ich dann als ehemaliger Lokführer so offen darüber spreche. Und so gewillt gewesen wäre, dies vor laufender RTL Kamera zu tun. Nun, mir liegt viel daran, ein wenig Aufklärung zu betreiben. Den Leuten klar zu machen, wie traumatisch das für einen Lokführer und die Rettungshelfer sein kann. Ich möchte auch an die Passagiere appellieren, die ich immer wieder verständnislos meckern höre, wenn ein Zug durch einen Personenunfall große Verspätung macht. Und ich möchte auch vor Dummheit warnen, denn Personenunfälle geschehen nicht nur aus Selbstmordgedanken, sondern auch aus schierer Blödheit. Kinder, die auf den Gleisen spielen, Erwachsene, die mal eben über das Gleis rennen wollen, um den Weg abzukürzen. Mein zweiter Personenunfall war ein Mann Mitte Dreißig, der nur noch schnell seine S-Bahn erwischen wollte und über die Gleise rannte, statt die Unterführung zu nehmen. Dass ich mit meinem IC mit 140 km/h um die Ecke kam, damit hatte er nicht gerechnet und bezahlte für diese Dummheit mit seinem Leben. Auch wenn man die Selbstmordrate auf den Schienen vielleicht nicht verkleinern kann, so will ich doch wenigstens versuchen, Unfälle aus purer Blödheit zu verhindern.

    Letztlich musste ich das RTL Interview aber wieder absagen. Denn nicht nur, dass die Bahn eine Berichterstattung auf ihrem Gelände untersagte, sie informierte auch meinen derzeitigen Arbeitgeber darüber, dass ich vor hätte, ein Interview zu diesem Thema zu geben.Und mit einem Male machten sich beide sehr große Sorgen, was ich sagen würde und, vielleicht noch schlimmer, was RTL aus dem Gesagten letztlich machen würde. Im Grunde, so sicherte mir mein Arbeitgeber auch zu, hätte ich natürlich die Freiheit, das Interview zu geben. Niemand könne es mir verbieten. Allerdings musste ich bereits hier schon feststellen, dass einige Details falsch kommuniziert worden waren. Von wessen Seite, möchte ich nicht beurteilen. Und auf Details möchte ich ebenfalls nicht eingehen. Letztlich wurde mir mit einem Male flau im Magen und ich fürchtete, mich, meinen Arbeitgeber und meinen ehemaligen Arbeitgeber falsch dargestellt zu bekommen. Und damit noch weitaus größere Scherereien hervor zu rufen.

    So komme ich also nicht erneut ins Fernsehen. Und habe eine wichtige Lektion gelernt. Alles, was ich hier scheibe, kommt an. Die Welt nimmt mich wahr, liest, speichert und verwertet, was ich hier tue. Ich muss mir bewusst sein, dass alles, was ich hier schreibe, Konsequenzen haben kann. Kleine oder Große. Vielleicht bereite ich jemandem eine kleine Freude, vielleicht trete ich aber auch jemandem auf den Schlips und muss meinen Anwalt einschalten. All das kann passieren.

    Vielleicht wird wieder einmal eine Zeitung oder ein Fernsehsender anfragen, ob ich zu diesem oder jenem etwas sagen könnte. Und ich werde mich wieder geehrt fühlen. Aber auf jeden Fall auch für mich hinterfragen, ob ich es wirklich vertreten kann. Die Medienlandschaft ist ein Minenfeld, für das ich nicht trainiert und ausgebildet wurde. Ich bin ein kleiner Schrei(b)er am Rande des Feldes, der hin und wieder hinein gelockt wird und aufpassen muss, wohin er tritt.

    Wahrscheinlich geht es noch lange, bis ich meine 15 Minuten voll habe.

  • Alles Roger bei 3Sat

    Kennt ihr den Sender 3Sat? Kennt ihr die Sendung „neues“, die immer Sonntag Mittags auf 3Sat ausgestrahlt wird? Und im ZDF des Nachts wiederholt wird? Und in der 3Sat Mediathek immer online abrufbar ist? Wisst ihr, worum es in „neues“, dem Computainment-Magazin geht? Computer, Technik, Spiele, Web und all die anderen interessanten Themen für uns Nerds? Und wisst ihr, warum ihr die nächste Sendung am 18.Mai um 16:30 Uhr auf einen Fall verpassen solltet? Wisst ihr nicht? Dann schaut es euch an und wenn ich aus dem Urlaub zurück bin, werde ich euch mehr darüber erzählen.

  • Ist das Leben ohne Schina schöner?

    Eben gesehen: eine Familie stellt ihren Haushalt auf den Kopf und überprüft alles, was sie besitzen, auf die Herkunft. Und das meiste ist aus Schina. Aufgabe: Einen Monat lang ohne schinesiches Zeug auskommen. Und das scheint gar nicht so einfach. Das Telefon ist aus Schina, die Akkus sind aus Schina, das Radio ist aus Schina, das Glätteisen ist aus Schina, der Fernseher ist aus Schina, die meisten Küchengeräte sind aus Schina. Alles aus Schina. Sogar der Taschenrechner. Aus Schina. Also geht die Familie einkaufen, sieht sich in den Geschäften um und ist wenig überrascht. Die Hosen sind aus Schina, die Blusen sind aus Schina, die Jacken sind aus Schina. Ein Hemd ist aus Bangladesh. Aber sonst ist alles aus Schina. Ein neues Telefon findet die Familie nicht. Weil alles aus Schina ist. Wenigstens die Akkus sind jetzt aus Deutschland. Und die Dübel, die man im 20% Baumarkt kauft, sind gute deutsche Plastikware. Zur Belohnung darf die Familie essen gehen. Nach Schina. Ne, das nicht, aber schinesisch auf jeden Fall. Und wieder: der Reis ist aus Schina, die Gewürze sind aus Schina, die Stäbchen sind aus Schina… Zum Abschluss die Frage: Ist das Leben ohne Schina schöner? Schon!

  • WDR Poetry Slam

    Schon wieder Fernsehen. Ja, so langsam wird es auffällig, wie meine Wochenenden hier in der Fremde aussehen. Ich zappe schlaftrunken durch das Programm und entdecke eine Sendung, die ich nie zuvor gesehen habe. Da wo früher Nachwuchs-Komödianten in einem Waschsalon auftraten, der aber mittlerweile zu einem anderen Sender gewechselt hat. Auf der Bühne steht eine sehr junge Frau und liest mit Inbrunst einen Text, der so witzig ist, so wunderbar, so köstlich ist, dass ich die Fernbedienung weg lege und zu lachen beginne. Was ich bei den meisten Komödianten Sendungen mittlerweile nicht mehr tue. Und schnell stelle ich fest, die Sendung heißt WDR Poetry Slam. Fünf junge Autoren stellen sich und ihre selbst verfassten Werke vor und das Publikum entscheidet am Ende, wer am besten gefiel. Mir gefielen alle. Eine wunderbare Sendung. Und eine Schande, dass ich auf so etwas durch Zufall stoßen muss. Warum wird für so etwas keine Werbung gemacht? Warum wird es im Nachtprogramm versteckt? Egal, ich habe es entdeckt. Und ich werde weiter zuschauen. Wenn es noch weitere Folgen gibt. Und wenn es wieder Karten gibt, werde ich hinfahren. Und wenn mich, und hiermit zitiere ich die junge Frau, endlich mal wieder "kreative Schübe ereilen" (herrlich), dann melde ich mich an. Und werde berühmt. Morgen. Ganz bestimmt. Wann kommt die nächste Sendung?

  • Der Eva Herman Autobahn Sketch

    Ich muss ja gestehen, die Kerner Sendung mit Eva Hermans Rausschmiss nicht gesehen zu haben. Nicht mal nachträglich auf Youtube. Einfach weil mir die Diskussion um diesen Auftritt erst am A… vorbei ging und sich kurz darauf als so dermaßen lächerlich heraus stellte, dass ich das Original gar nicht erst sehen musste, um zu verstehen, wie manche Dinge eine erschreckende Eigendynamik bekommen. Drüben beim Fernsehlexikon hat man sich die Mühe gemacht, den Ablauf der Diskussion festzuhalten und als kleines Theaterstück, oder besser Sketch, aufzubereiten. Herrlich.

    Und wie gesagt, ich habe die Sendung nicht gesehen, kann und will darüber auch kein Urteil fällen. Auch nicht über Hermanns getätigte oder nicht getätigte Äußerungen. Beim Lesen des Sketches Ablaufs stellte ich mir allerdings die Frage, ob die Szene auch im Fernsehen so absurd rüber kam. Die Konstellation der Diskussionsrunde, die Äußerungen aller Beteiligten, die Dialoge und Argumente, die einfach nicht zusammen passen wollen, der verdammt pointierte Umschwung auf Mario Barths Haare nach Hermans Weggang. Das scheint mir großes, absurdes Kino gewesen zu sein. "Autobahn geht gar nicht." Wer von euch hat es gesehen?

    Komme ich jetzt eigentlich in Teufels Küche, wenn ich euch erzähle, dass ich nächste Woche auf der Autobahn zu meinen Freunden und meiner Familie fahren werde und mich während der Fahrt sogar noch möglichst rechts halte?

  • Außerirdische bei Maischberger

    Eben gesehen: Maischberger mit dem Thema "Ufos, Außerirdische und Engel". Zu Gast Walter von Lucadou, der sich am liebsten selbst reden hört, aber niemals auf den oder zum Punkt kommt. Eine Sabrina Fox, die sich beim Autofahren Tipps von Engeln geben lässt. Ein Johannes von Buttlar, der keine Ahnung hat, wie er sein Lebenswerk (Ufo-Forschung) vor diesen Knalltüten verteidigen soll. Ein Joachim Bublath, der irgendwann die Sendung verlässt und man es ihm nicht mal verübeln kann. Und eine Nina Hagen, die außerirdischste von allen, die Scheiße aussieht, Scheiße erzählt und beim geistigen Niveau einer Siebenjährigen stehen geblieben ist. Dazu eine Sandra Maischberger, die am Ende der Sendung verzweifelt ihr Gesicht in den Händen vergräbt. Das war peinlich. Höchstpeinlich.

    Und wenn ich euch nun erzähle, dass ich das Thema Außerirdische, Ufos, Parapsychologie, Mysterien und Verschwörungen in der Theorie äußerst interessant finde und nächtelang darüber diskutieren und mich austauschen könnte, dann ist das nun noch umso peinlicher.

    Update: Mittlerweile finden sich bei Youtube Videos zu diesem neuen "Fernseh-Eklat" (Eva Herrman lässt grüssen). Und beim erneuten Betrachten stelle ich abermals fest: Wie kann es sein, dass man einer Frau wie Nina Hagen noch immer die Möglichkeit gibt, vor Publikum aufzutreten. Dass man ihr für ihren Schwachsinn und ihr unmögliches Verhalten ein Podium gibt? Wer hat eigentlich diese Gästekonstellation bei Maischberger zusammen gestellt? Und überhaupt und letztendlich: so interessant ich dieses Thema auch finde, was hat das bei Maischberger zu suchen?