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  • Star Wars Episode 9: Der Aufstieg Skywalkers

    Wenn man über einen Film schreiben möchte, sollte man sich möglichst ein oder zwei Tage Zeit nehmen. Die Eindrücke verarbeiten und sacken lassen. Das Adrenalin und die Euphorie, oder aber auch die Wut abklingen lassen und rational beschreiben, weshalb der Film so großartig oder so schlecht war.

    Nichts davon funktioniert, wenn es um Star Wars geht. Ich komme gerade aus dem Kino und bin komplett euphorisiert, stehe unter Strom, der Kloß steckt mir noch im Hals und ich verarbeite all die Eindrücke, derer ich gerade Zeuge werden durfte. Star Wars kann man nicht rational beschreiben. Es ist nur pure Emotion. Kein vernünftiges Argument kann funktionieren, egal ob man Star Wars liebt oder hasst. So macht es auch keinen Unterschied, ob ich nun zwei Tage warte, um zu beschreiben, wie großartig ich die abschließende Episode fand und wie glücklich sie mich gemacht hat.

    Man merkt von Beginn an, dass es sehr viel zu erzählen und zu klären gibt. Der Film lässt dem Zuschauer keine Minute Pause. Und könnte man noch unterstellen, dass man dadurch keine Zeit bekommt, Logiklöcher oder Scriptfehler zu entdecken, so liegt der Grund tatsächlich an der Menge des Stoffs. Und dem jederzeit spürbaren Willen, Fan-Service zu betreiben und wirklich alles, alles hinein zu packen, was Fans an Star Wars lieben. Es kommt nichts zu kurz: Laserschwertkämpfe, Weltraumschlachten, exotische Planeten und noch exotischere Wesen. Amüsante Kabbeleien, philosophische Gespräche über die Macht und das obligatorische „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl“. Jeder liebgewonnener Charakter, ob lebend oder tot, hat seinen Moment. Und darüber hinaus bietet der Film noch einige Twists, die man nicht unbedingt kommen sah (und eventuell sogar etwas an den Haaren herbei gezogen waren).

    Star Wars Fans sind leider nie zufrieden zu stellen und ich ahne bereits jetzt – ohne IMdB oder Rotten Tomatoes aufgerufen zu haben, dass sie den Film mehrheitlich hassen werden. Denn er bietet zu viel altbekanntes und gleichzeitig zu viel Neues. Kritiken, die man bereits von Episode 7 kannte (War nur ein Remix der alten Trilogie) und von Episode 8 (War nicht mehr das Star Wars, das jeder kennt). Auch Episode 9 bietet Momente, die man so oder ähnlich schon in allen Teilen zuvor gesehen hat und wagt es manchmal nicht, noch etwas mutiger zu sein. Und das muss sie auch nicht.

    Star Wars ist ein Gefühl, ein phantastisches Märchen, das uns seit 40 Jahren wie eine liebgewonnene Decke wärmt und uns ein wohliges Gefühl gibt. Uns die Magie spüren lässt, die wir schon damals im Kino gespürt haben. Und ich für meinen Teil möchte eine kuschelige Decke nicht immer wieder aufs Neue erfunden haben. Episode 9 bietet alles, was man an Star Wars liebt (wenn man es liebt) und was mehr könnte man von einem Star Wars Film verlangen?

    Der Aufstieg Skywalkers ist der perfekte Abschluss der Filmreihe, verknüpft alle losen Enden miteinander, bringt die Geschichte zu einem wundervollen Ende. Und wer in der Schlussszene keinen Kloß im Hals hat wie ich, der hat entweder kein Herz oder Star Wars nie geliebt.

  • Das Steckdosen-Kind

    In einem kleinen, verschlafenen Dörfchen im sommerlichen Südtirol wartete ein Paar an der Rezeption eines Hotels darauf, auschecken zu können. Die Gastgeber waren gerade unterwegs. Stattdessen stand eine Mitarbeiterin des Spa-Bereichs an der Rezeption und lächelte so freundlich wie nutzlos. Das Paar stand ebenso nutzlos herum, stützte sich auf den gepackten Koffern ab und sah sich ein letztes Mal in dem Hotel um, das ihnen einige Tage lang als angenehme Unterkunft gedient hatte.

    Ihr Blick fiel auf ein kleines Kind, einen Jungen, mit voluminösem, braunen Haar. Er mag vielleicht 1 bis 2 Jahre alt gewesen sein, hockte auf dem Boden neben der hoteleigenen, schläfrigen Dogge und spielte. Vermutlich spielte er „Elektriker“, denn seine volle Aufmerksamkeit galt der Steckdose in der Wand. Konzentriert versuchte er, die Dose zu öffnen oder zumindest seine kleinen Finger in die „Schweinsnase“ zu stecken. Die Dogge ließ das kalt und gähnte.

    Auch die Spa-Mitarbeiterin ließ es kalt, denn als das Paar mit leichtem Entsetzen den Blick von dem Jungen auf die Frau wandte, stand sie weiterhin lächelnd da und beobachtete das Kind ebenfalls. Reglos. Dann sah sie auf und begegnete dem Blick des Mannes. Er sagte: „Sollte man das Kind nicht besser davon abhalten?“ Die Mitarbeiterin schien anderer Meinung oder hatte vielleicht die Frage nicht verstanden. Vielleicht hasste sie das Kind. Oder ihren Chef. Vielleicht war sie aber auch eine Hexe, oder schlimmer noch, die Dienerin des kleinen Jungen, der als Sohn des Satans in diesem Haus lebte, stets bewacht von der Höllen-Dogge und der Satans-Braut. Er hieß vermutlich Damien.

    Die Mitarbeiterin lächelte ungerührt weiter und die Frau des wartenden Paares sprang auf, nahm sanft den Arm des kleinen Jungen und zog ihn vorsichtig aus der Steckdose. Er wehrte sich nicht, sein Blick war allerdings so missbilligend, wie es seine noch eingeschränkte Mimik zuließ. Die Dogge drehte sich gelangweilt um. Sogleich eilten aufgeregte Herrschaften herein. Die Gastgeber, die dankend ihren kleinen Jungen in Empfang nahmen und in eine andere Ecke setzten. Die Spa-Mitarbeiterin lächelte weiter, als das Paar das Hotel verließ.

    Einige Monate später erhielt das Paar eine faltbare Postkarte des Hotels. Übliche Werbepost, die an alle ehemaligen Gäste verschickt wurde. Darauf zu sehen, Impressionen des Hotels, gestellte Spa-Fotos, Berge, gut aussehende, solvente Paare in Bademänteln in großzügigen Zimmern und… ein Foto der Familie. Zu ihren Füßen: das Steckdosen-Kind.

    Das Paar dankte der Familie mit einem freundlichen Antwortbrief. Und der las sich so:

    „Sehr geehrte Familie Hotel-Gastgeber aus Süditrol. Vielen Dank für Ihre freundliche Postkarte. Wir haben uns ausserordentlich darüber gefreut, dass der kleine Junge noch lebt und offenbar bei bester Gesundheit ist. Er scheint keine weiteren Steckdosen untersucht zu haben, bzw. muss den Schlag wohl gut überstanden haben. Wir fragten uns bei der Heimreise, ob es sich hierbei vielleicht um eine Südtiroler Tradition handeln könnte, kleine Kinder mit 230 Volt zu erschrecken. Falls wir uns irren, senden wir Ihnen anbei einen Steckdosen-Schutz, damit kleine Kinderfinger keinen Schaden mehr nehmen können. Bitte beachten Sie anbei auch den Amazon-Link zu weiteren Steckdosen-Schutzvorrichtungen und eine kleine Anleitung zur Wiederbelebung von Kleinkindern. Wir hoffen, die Dogge und Spa-Mitarbeiterin sind ebenfalls wohlauf, lächeln oder gähnen. Mit freundlichen Grüßen verbleiben wir. Das Paar.“

  • Sascha Lobo liebt die Bahn fast so sehr wie ich

    Sascha Lobo schreibt in seiner Spiegel Online Kolumne am 11.Dezember eine (nicht ganz vorbehaltlose) Liebeserklärung an die Bahn. Dem, wie er es nennt, wunderbarsten Verkehrsmittel der Welt. Und geht danach auf Kommentare zu seiner Kolumne im Debatten-Podcast ein (hier), erklärt und vertieft einige seiner Argumente.

    Wenig überraschend konnte ich beim Lesen und Hören des Herrn Lobo nur zustimmend nicken. Denn mit so gut wie allem hat er Recht. Die Fakten sind gut recherchiert und seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen treffen aus meiner Sicht ins Schwarze. Man spürt die Ehrlichkeit seiner Liebeserklärung und gleichzeitig auch den leicht bitteren Nachgeschmack, jemanden oder etwas trotz seiner Fehler zu lieben.

    Persönlich kann ich das gut nachvollziehen, denn ich liebe die Bahn bis heute. Tat es schon von Kindheit an und hörte nie damit auf. Wie hier und da schon erwähnt, war ich lange Zeit selbst Lokführer bei der deutschen Bahn, fuhr Güterzüge, Regionalzüge, Intercitys und später auch ICE zwischen Basel und Frankfurt. Und ich erlebte hautnah, wie ein Unternehmen durch falsche Entscheidungen und Sparkursen nach und nach zerstört wurde.

    Als ich Mitte der 90er Jahre meine Ausbildung zum Lokführer begann (und davor noch eine damals obligatorische technische Ausbildung absolviert hatte), stieg ich auf dem Höhepunkt der Umstrukturierung ein. So hatte ich beispielsweise einen möglichen Beamtenstatus nur um Monate verpasst und wurde ganz normaler Angestellter mit tariflicher Bezahlung eines zukünftigen Aktienunternehmens (das ab sofort nicht mehr Bundesbahn genannt werden durfte).

    Es war pures Glück dass ich, wenige Monate nach Bestehen meiner Prüfung, dem Fernverkehr zugeteilt wurde. Eine der drei möglichen Lokführer-Gruppierungen, neben dem Regional- und Güterverkehr. Plötzlich war es einem Lokführer nicht mehr möglich, unterschiedliche Züge, Lokomotiven und Strecken zu befahren. Beim Güterverkehr fuhr man den Rest seines Lebens nur noch Güterzüge. Wurde man wie ich dem Fernverkehr zugeordnet, hatte man zumindest noch die Aussicht, Autoreise- und Nachtzüge zu bewegen und dereinst auf Intercity und ICE ausgebildet zu werden.

    So kam es in meinem Falle, bis ich, im Alter von knapp 30 Jahren, den Höhepunkt erreicht hatte und regelmäßig ICE fuhr. In der ganzen Zeit wurden um uns herum Strecken stillgelegt, Verbindungen gestrichen, Personal eingespart und Schichten verlängert. Es wurden Weichen (oder nur deren Heizung) ausgebaut, Überholgleise entfernt und Lokomotiven aus den 1950er Jahren eingesetzt. Bis in die 2000er hinein bewegten wir Material, das über ein halbes Jahrhundert alt war, auf Material, das ein ganzes Jahrhundert alt war. Werkstätten und Kantinen wurden geschlossen, Betriebsstätten, Ruhe- und Pausenräume entfernt, Bahnbetriebswerke verkleinert und auch dort wichtiges Wartungs- und Reinigungspersonal entlassen oder nicht neu eingestellt.

    Eines erlebte ich in der ganzen Zeit allerdings nie: dass die Bahn-Angestellten, die Kollegen, sich davon hätten unterkriegen lassen. Als eingeschworene Gemeinschaft stand man hinter der Bahn. Vom Lokführer, über die Zugführer und Schaffner, von den Disponenten, den Fahrdienstleitern und den Bahnhofsvorstehern, den Kollegen in den Speisewagen, den Rangierern, bis hin zu den Reinigern, Werkstattmitarbeiter und Ansagerinnen. Wir alle waren die Bahn. Wir alle standen aus einem bestimmten Grund morgens (mittags, Abends, Nachts, an Heiligabend und Silvester) auf. Wir motzten darüber, was aus unserer Bahn geworden war und was „die da oben“ jetzt wieder für bescheuerte Pläne geschmiedet hatten, um uns das Leben schwer zu machen. Doch jeder Bahner tat sein Bestes.

    Sascha Lobo beschreibt, wie die Bahn auf den Rücken der Angestellten zerstört wurde und hat Recht damit. In meiner Laufbahn kannte ich kein Beispiel, wo ein Kollege aus Frust über die Bedingungen nicht dennoch versucht hätte, pünktlich und freundlich zu sein. Ich bin mir sicher, dass sich daran bis zum heutigen Tag auch wenig geändert hat. Und ich wünsche mir sehr, dass sich dies in Zukunft auszahlen wird. Dass die Bahn wieder den Stellenwert erhält, den sie haben sollte. Als zuverlässiges, günstiges Verkehrsmittel. Als beste Alternative zum Auto, zum Fernbus, zum Flugzeug.

    Ich liebe die Bahn. Wahrscheinlich etwas vorbehaltloser als Herr Lobo. Ich freue mich auf meine nächste Zugfahrt (natürlich an Weihnachten). Und sollte dabei doch etwas schief gehen, werde ich wissen, warum das so ist. Ich werde wissen, dass viele Menschen eifrig daran arbeiten, das Problem zu beheben. Und ich werde entspannter und glücklicher ankommen, als wenn ich mich mit 300.000 anderen Wahnsinnigen auf die Autobahn gequetscht hätte.

  • S(F)UV

    Neulich, auf einer beliebigen Landstraße in Deutschland: Ich stehe in einem Stau vor einer großen Kreuzung. Vor mir: ein SUV einer beliebigen Automarke. Fett, breit, hoch. Genau in meiner Augenhöhe die Rücklichter des Wagens, die sich wie Laserschwerter in meine Augen brennen. Hinter mir: ein SUV einer beliebigen Automarke. Ebenfalls in meiner Augenhöhe: die Scheinwerfer des Wagens, die sich in meinem normalgroßen PKW ein Laserschwert-Duell liefern. Mit beeindruckenden Effekten in meinem Rückspiegel.

    So oder so ähnlich dürfte es mittlerweile auf jeder beliebigen Landstraße in Deutschland zugehen. SUVs wohin man blickt. Von Umweltschutz, Energiewende etc. keine Spur. Die Teile verkaufen sich so gut wie nie zuvor. Und ohne jetzt die üblichen Gags und Witze zu bringen (denn das Lachen ist mir hier längst vergangen), stelle ich die Frage, was das eigentlich soll.

    Leute, was stimmt nicht mit euch? Was bringt euch dazu, genau das Gegenteil dessen zu machen, was wir jetzt eigentlich alle tun sollten? Was bringt euch dazu, solche Panzer zu kaufen? Weil der Nachbar auch einen hat? Weil alle anderen auf der Straße einen haben und man sich mittlerweile in normalgroßen Autos schon unsicher fühlen muss und keinen Überblick mehr hat (und vorausschauendes Fahren unmöglich wird)? Weil – und das ist immer mein Lieblingsargument – ihr sonst nicht alles transportieren könnt?

    Das heißt, ihr seid alle Förster, Extremsportler, Handwerker, Forscher oder habt andere spannende Berufe und/oder Hobbys, die viel Equipment benötigen? Nicht? Dann habt ihr täglich mehrfach 7 Kinder durch die Stadt zu fahren? Ach, auch nicht? Und in ein SUV passen ebenfalls nur 5 Personen bequem hinein, wie bei jedem anderen Auto auch? Aber dann MÜSSEN es doch die unfassbaren Mengen an Einkäufen sein, die man als Hausfrau täglich besorgen muss (Verdammt, jetzt habe ich den alten Witz doch gemacht).

    Oder ist es die einfachste aller Antworten: Ihr wollt euren Mitmenschen, der Umwelt und euren Nachkommen einfach ein möglichst großes und gepflegtes „Fickt euch!“ entgegen rufen. Glückwunsch. Neben einem Hummer gibt es dafür wohl kein besseres Vehikel als eure S-FU-V.

  • Ghosting, als es Ghosting noch nicht gab

    Unter Ghosting versteht man – in knappen Worten – den überraschenden und völligen Kontaktabbruch von Freunden oder Geliebten. Von heute auf morgen sind diese Menschen von der Bildfläche verschwunden, nicht mehr zu erreichen und quasi nur noch ein Geist. Der Begriff Ghosting existiert seit ca. 2015. Dass dieses Verhalten überhaupt zu einem Phänomen wurde, dem man einen Namen geben musste, dürfte vermutlich dem Internet, Social Media, Tinder und Co. und den ganzen Verlockungen, Ablenkungen und Möglichkeiten zu verdanken sein. Und der Tatsache, dass man, trotz ständiger Verfolg- und Erreichbarkeit genau dies bewusst unterbinden und verwehren möchte. Mir selbst ist dies erst vor kurzem mit „guten Freunden“ passiert. Eine Erklärung für das Ghosting blieb bis heute aus. Aber letztlich ist das ja genau das Prinzip.

    Früher™ gab es sowas nicht. Oder etwa doch? Ich kann mich an einige Lieb- und Bekanntschaften erinnern, die irgendwann einfach nicht mehr da waren. Dabei handelte es sich meist um einen schleichenden und/oder nicht überraschenden Prozess. Man einigte sich im Stillen darauf, keinen Kontakt mehr zueinander zu pflegen. Selbst wenn es schmerzhaft war. Aber hat man im vergangenen Jahrhundert einfach kommentarlos und völlig willkürlich den Kontakt zu jemandem abgebrochen? Ohne als Entschuldigung wenigstens den Tod oder Schlimmeres anführen zu können?

    Für mich hat Ghosting aber noch eine andere Bedeutung. So ist es mir unerklärlich, wie Menschen heutzutage einfach nirgendwo stattfinden können. Weder bei Google, Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Tumblr, Youtube, Xing, Linkedin oder wenigstens Etsy, dem Telefonbuch oder ebay auffindbar zu sein, ist einfach unglaublich. Entweder sind einige Menschen niemals online, oder wissen sich bestens zu verstecken.

    Aus meiner Vergangenheit gibt es Menschen, über deren Leben ich gerne mehr wüsste. Egal aus welchen Gründen der Kontakt damals abgebrochen wurde, mittlerweile ist so viel Zeit vergangen, dass ich mir eine Kontaktaufnahme wünschen würde. Selbst wenn es nur eine Bestätigung für die damalige „Trennung“ wäre. Was ist aus diesen Menschen geworden, mit denen man tage- und nächtelang gelacht, geweint, gefeiert, getröstet, gefiebert und vielleicht auch gestritten hat? Mit denen man sehr lange sein Leben geteilt hat?

    Und die andere Frage: Suchen sie mich hin und wieder? Ich bin nun wahrlich nicht schwer im Netz zu finden und war eine Zeitlang auf quasi jeder Social Media Plattform aktiv. Mittlerweile ist es ruhiger geworden und obwohl ein gleichnamiger Autor stets weit vor mir die Suchergebnisse blockiert, bedarf es nur weniger Minuten, alle meine Accounts zu finden. Inklusive diesem Blog. Suchen und lesen sie mich? Oder bin ich raus aus ihrem Leben, wie ein Geist, den man nie wieder in seinem Haus haben möchte?

    Falls ihr das lest: Liebe Grüße. Ihr wisst, dass ich euch meine.

  • Auto Supertrumpf der anderen Art

    Als ich noch jung war™ , spielten wir regelmäßig Quartett. Flugzeuge, Züge, Schiffe, Trucks, Motorräder und selbstverständlich Autos galt es in diesem Kartenspiel in den unterschiedlichsten Kategorien zu vergleichen. Wer hatte die jeweils schnellste, größte, längste, stärkste Leistung, Länge, Geschwindigkeit, Beschleunigung, was-auch-immer. Gegenspieler, deren Karte in der genannten Kategorie einen schlechteren Wert hatten, verloren die Karte, so lange, bis ein Spieler alle Karten besaß und somit gewann. So brachten wir die Sommertage im Schwimmbad zu, wenn wir nicht im Wasser oder an der Süßigkeiten-Bude waren.

    Ich musste allerdings so alt werden™, um zu erfahren, dass das von uns schlicht „Quartett“ genannte Spiel in Wahrheit Supertrumpf heißt. Im Volksmund sagte man Auto-Quartett, weil dies die damals beliebtesten Karten waren. Ich komme darauf, weil ich ein Auto-Supertrumpf der etwas anderen Art erleben durfte. Die beiden Spieler versuchten, sich mit den besten Werten ihrer eigenen Autos zu übertrumpfen. Und das ging ungefähr so:

    Spieler 1: „Also an meinem Auto quietschen schon seit Monaten die Bremsen.“

    Spieler 2: „An meinem Auto quietscht dafür während der Fahrt ständig etwas.“

    Spieler 1: „Aber an meinem Auto lassen sich die Scheiben nicht mehr öffnen.“

    Spieler 2: „Dafür schaltet sich bei meinem Auto der Motor regelmäßig von alleine aus.“

    Spieler 1: „Und meinem Auto fällt immer wieder die hintere Tür ab. Auch während der Fahrt.“

    Spieler 2: „Das ist ja gar nichts. Mein Auto fängt immer wieder mal Feuer und brennt aus dem Motorraum.“

    Spieler 1: „Mir fliegen während der Fahrt alle vier Räder weg und das Dach explodiert in hohem Bogen davon.“

    Spieler 2: „Also… ich… mein Auto… okay, du hast gewonnen. Dein Auto ist beschissener als meins.“

    Spieler 1: „Ich hab zwar gewonnen, aber du darfst es gerne behalten.“

  • Straßenbahn und Trolleybus in Aachen

    Wenn man, wie ich, im südlichsten Südbaden aufwuchs, kennt man lange Zeit nur zwei Großstädte: Basel oder Freiburg. Alles weitere ist weit entfernt. Beide Städte zeichnet bis heute eine starke Vorliebe für nachhaltigen öffentlichen Nahverkehr aus. So ist Freiburgs Stadtkern völlig autofrei und das Rad eines der beliebtesten Fortbewegungsmittel. In Basel ist das bis auf wenige verkehrsberuhigte Zonen ähnlich. In beiden Städten gehören Straßenbahnen (in Basel seit 1895 in Freiburg seit 1901 und in beiden liebevoll „Trämli“ genannt) zum ganz normalen Alltag.

    Was Basel dabei seit meiner Kindheit einzigartig machte, waren sogenannte Trolleybusse. Wer das nicht kennt: Trolleybusse wirken und fahren wie normale Busse, tun dies aber rein elektrisch. Den Strom dafür beziehen sie wie Züge und Straßenbahnen aus einer Oberleitung und einem dazu gehörigen, sehr flexiblen Stromabnehmer. Also neben Straßenbahnen ein weiteres, emissionsfreies Angebot des Nahverkehrs, überall dort, wo keine Schienen liegen. Und das schon seit 1941. Aus purer Not wurde das System damals eingeführt, um der Rohstoffknappheit während des Krieges etwas entgegen setzen zu können. Leider wurden die Trolleybusse offenbar 2008 abgeschafft.

    Für mich gehörten Straßenbahnen und Trolleybusse immer zum Bild einer „Großstadt“ (wobei richtige Großstädte mit U- und S-Bahnen natürlich noch weit mehr Angebote haben). Umso ärgerlicher ist es, in einer Stadt zu leben, die nichts dergleichen zu bieten hat. In Aachen fahren ausschließlich Busse. Diesel-Busse wohlgemerkt. Und damit ist das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs auch schon ausgeschöpft. Bemühungen, Straßenbahnen oder Projekte wie eine „Campus-Bahn“ zu etablieren, scheiterten immer wieder.

    Gräbt man aber nur leicht unter der Oberfläche, entdeckt man schnell Dokumente, Filme und Zeitzeugenberichte, die Aachen in einem anderen Licht strahlen lassen. Nämlich mit einem dichten Straßenbahnnetz und – man höre und staune – Trolleybussen. Aachens Nahverkehr war bis zum Jahr 1974 elektrisch unterwegs. Das Straßenbahnnetz wurde ab 1895 (ähnlich wie in Basel) elektrifiziert, verband dabei sogar über Land die Stadt Aachen mit den umliegenden Ortschaften, Belgien und Holland und zählte im Jahr 1914 zum viertgrößten Straßenbahnnetz Deutschlands!

    Und heute ist Aachen eine reine Autostadt. Nur wenige Fußgängerzonen bieten Ruhe. Radwege sind so gut wie nicht vorhanden. Bäume werden gefällt, um weitere Parkplätze zu bauen. Diesel-Busse schieben sich durch die täglichen Staus und Baustellen der teilweise vierspurigen Straßen. Aachens Stickoxidwerte liegen seit Jahren über dem erlaubten Grenzwert, doch statt Verkehrswende probiert man lieber neue Straßenbeläge aus, die die Emissionen binden sollen. Und das in einer Universitätsstadt, die mit ihrer RWTH eine der renommiertesten technischen Hochschulen bieten kann, die Projekte wie den Streetscooter oder den eGo hervor gebracht hat.

    Wenn man, wie ich, in südlichsten Südbaden aufwuchs, blutet einem das Herz, wie wenig sich Aachen um das Wohlbefinden der Bewohner, um gute Anbindung, um moderne Nahverkehre, und um ruhige schöne, grüne Innenstädte kümmert. Und dabei hatte Aachen das schon alles. Schande.

    Wäre dies vielleicht eine Alternative?

  • Meine Märklin Modellbahn

    Schöner kleiner Artikel bei „brand eins“ zu meiner liebsten Modellbahn Marke Märklin. Gerade jetzt in der Weihnachtszeit denke ich immer wieder nostalgisch an meine damalige Bahn, von der es heute nicht einmal mehr ein einziges Foto gibt. In meinem Kopf ist allerdings noch alles präsent. Zwei Züge fuhren gleichzeitig, begegneten sich in einem großen Bahnhof, durchfuhren Tunnel, überquerten Brücken und konnten bei Bedarf ein Betriebswerk anfahren.

    Die Anlage hatte Oberleitung und gleichzeitig besaß ich zwei Dampflokomotiven (Baureihe 01 und 050), die echten ( wohlriechenden) Dampf während der Fahrt ausstießen. Wenn ich das Zimmer verdunkelte leuchteten Züge, Signale, Straßenlaternen und Häuser um die Wetter. Güterzüge, Schnell- und Nahverkehrszüge waren unterwegs, wie auch Schienenbusse und ein exotisches, amerikanisches Diesel-Kraftpaket.

    Irgendwann, nach dem x-ten Umzug trennte ich mich schweren Herzens von der Bahn, baute alles ab, verpackte jedes Teil sorgfältig in Kartons und versuchte Jahre später eine neue Anlage in einem Kellerraum aufzubauen. Über den Rohbau- Status kam ich nie hinweg. Und seitdem lagern die Lokomotiven, die Waggons, die Häuser, Schienen und Signale und der originale Haltinger Wasserturm in den Kartons und werden hin und wieder zu Weihnachten hervor gekramt. Zuletzt vor zwei Jahren, wo meine Züge klappernd den Weihnachtsbaum umrunden konnten.

    Toll, dass es Märklin wieder gut geht und diese Traditionsmarke weiter großartige Modelleisenbahnen heraus bringen wird. Und ihre Strategie, dabei nicht nur auf Kinder, sondern auch auf eine weitaus solventere Klientel als bisher zu setzen (zu der ich leider nicht gehöre), klingt spannend.

    Und wer weiß? Vielleicht werde ich ja irgendwann wieder einen Keller, viel Zeit und Lust haben, meine Züge fahren zu lassen.

  • An Katrin aus Hildesheim

    Wunderbare Beobachtung in einem Twitter Thread, der mich sehr zum schmunzeln brachte. Lasst es bitte wahr sein.

    https://twitter.com/plbkwsk/status/1198208936647766019?ref_src=twsrc%5Etfw%7Ctwcamp%5Etweetembed%7Ctwterm%5E1198208936647766019&ref_url=https%3A%2F%2Fwww.allesroger.net%2Farchives%2F12735-an-katrin-aus-hildesheim.html

    Psst: Thread bedeutet, dass da eine kleine Geschichte aus mehreren einzelnen Tweets erzählt wird. Öffnet einfach die komplette zugehörige Unterhaltung (xxxx Nutzer sprechen darüber). Bittegerne.

  • Satsumas sind keine Mandarinen

    Als ich jung war™ gab es in den Supermärkten zur Advents- und Weihnachtszeit nicht nur Marzipan und Schokolade, sondern auch Orangen und Mandarinen. Und Mandarinen waren zur damaligen Zeit meist Satsumas. Ja, so hießen sie. Wie es nicht einfach nur Äpfel, sondern Granny Smith, Elstar, Boskop und Pink Lady gibt, so gibt es eben auch Clementinen, Tangerinen und Satsumas.

    So dachte ich zumindest. Denn eigentlich ist die originale Mandarine der Ursprung der hierzulande bekannten Sorten. Die Satsumas sind nur Mandarinen-ähnlich, aus dem japanischen Raum stammend und süßer als die hier weit verbreitete Clementine. Gleichzeitig ist die Mandarine, gekreuzt mit der Pampelmuse, der eigentlich Ursprung der Orange.

    Worauf ich hinaus wollte: Warum zum Geier gibt es eigentlich keine Satsumas mehr in den Supermärkten, sondern nur diese saueren, harten Clementinen, die nicht, wie überall behauptet, immer kernlos sind? Also als ich jung war™…

  • Ich bin kein Cowboy

    Während Jugendliche heute bereits mit 17 Jahren den Autoführerschein machen wollen, war ich in meinem Freundeskreis eher ein Spätzünder. Erst mit 21 erhielt ich das kleine, rosafarbene Dokument. (Welches ich noch heute in meinem Portemonnaie mit mir führe. Inklusive einem Foto, auf dem ich schätzungsweise gerade mal 16 Jahre alt bin.) Bis dahin erreichte ich jedes Ziel bequem mit meinem Fahrrad. Ich liebte es und bilde mir auch ein, recht gut trainiert und fit gewesen zu sein.

    Als ein Auto unausweichlich wurde, blieb das Rad im Keller. Es war stets nur ein Fortbewegungsmittel, nie ein Sportgerät. Dies blieb nicht nur jahre- sondern jahrzehntelang so. Und doch fehlte es mir. Also machte ich mich auf die Suche, erwarb ein neues Rad, das mir wenige Wochen später aus dem abgeschlossenen Fahrradkeller gestohlen wurde. Das nächste Rad erwies sich sofort als Fehlkauf, war ständig defekt und bereite mir Nacken- und Handgelenk Schmerzen.

    Aber ich möchte doch wieder Radfahren, das Auto stehen lassen, mich bewegen und all das möglichst entspannt und wen es geht auch ein bisschen stylish. So stieß ich auf das Cowboy E-Bike, das elektrische Rad für Urban Bikers. Auf den ersten Blick schien dieses Bike all meine Wünsche zu erfüllen. Das in Belgien erfundene Rad nutzt ein recht innovatives Antriebssystem, hat einen sehr schlanken, leistungsstarken und schnell wieder aufladbaren Akku, hat eine sehr reduzierte und schicke Optik und einige smarte Features, die per App zu steuern sind.

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    Da kein Ständer vorhanden, musste ich das Rad zum Fotografieren festhalten.

    Außerdem kann ich das Rad über meine Firma leasen. Ich vereinbarte unkompliziert (!) eine Probefahrt, die mittlerweile auch in Aachen angeboten wird und traf mich an einem sonnigen und eiskalten Samstag Nachmittag mit einem der „Cowboys“, wie sich die Mitglieder der Community selbst nennen. Diese Community scheint übrigens sehr stark und per App gut vernetzt zu sein. Sollte man Probleme mit dem Rad haben, ist Hilfe immer nah.

    Der Cowboy erklärte zunächst einige grundsätzliche Details, die Vor- und Entstehungsgeschichte des Bikes und ging dabei auf alle Besonderheiten ein, die das Rad von der Konkurrenz abhebt. So zum Beispiel der Riemenantrieb, der selbst entwickelte Motor in der Hinterachse, die Sensoren in der Pedalachse, die eine Gangschaltung obsolet machen sollte, da durch die Geschwindigkeit und den „Druck“ der Füße die Motorleistung jederzeit genau angepasst wird.

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    Das Licht wird per App ein- und ausgeschaltet.

    Nachdem der Sitzt auf meine Größe eingestellt war, konnte ich endlich eine halbe Stunde herum fahren. Und wow, das Rad zieht einen wirklich davon. Ein phantastisches Gefühl. Der Motor ist nicht zu hören und schaltet sich so sanft zu, dass man hin und wieder nicht sicher sein kann, ob man nun Unterstützung hat oder nicht.

    Fahren in der Ebene war ein flottes, angenehmes Erlebnis. Genau so hatte ich es mir erwünscht und begann in Richtung einer kleinen Anhöhe zu rasen. Diese nahm ich Anfangs noch zügig, doch schnell wurden mir zwei Dinge bewusst: Der Motor hatte nicht genug Kraft, mich den Berg hinauf zu bringen. Erschwerend kam die fehlende Gangschaltung dazu. Und zu meiner Schande (oder der des Bikes?) erklomm ich die Anhöhe nicht, sondern musste enttäuscht auf halber Höhe stehen bleiben.

    Was war passiert? Hatte ich etwas falsch gemacht oder ging ich von falschen Erwartungen aus? Meine Hoffnung war, dass mich ein E-Bike gerade bei Steigungen unterstützt und ich nicht jeden Hügel schweißüberströmt nehmen muss. War es der nicht zu starke Motor, der mich in der Ebene wie eine Rakete nach vorne trieb? Oder die fehlende Möglichkeit, wie bei jedem anderen Rad ein paar Gänge runter zu schalten, um die Steigung nehmen zu können?

    Vermutlich war es ein Zusammenspiel aller Faktoren. Dies hinterließ allerdings ein enttäuschtes Gefühl, das sich zu den weiteren negativen Aspekten gesellte: Das Bike ist für mich persönlich zu sportlich ausgelegt, mit seinem sehr engen, sehr tief liegenden Lenker. Dieser kann nicht höher gestellt werden, sondern benötigt Zusatzteile. Wie das ganze Rad überhaupt Zusatzteile benötigt. Weder Schutzbleche, Gepäckträger oder ein Ständer sind im Lieferumfang dabei. Das muss nicht unbedingt ein Nachteil sein und unterstützt natürlich auch das sehr schlanke Aussehen des Rads. Alltagstauglich (also eben nicht als Sportrad) ist es im Auslieferungsstatus aber nicht.

    Mein Fazit auf der Pro Seite:

    • Tolles, schlankes, sehr reduziertes Design
    • Toller Motor und praktikabler, schnell aufgeladener Akku
    • Innovative Ideen
    • Extrem sportliches und rasantes Fahrgefühl

    Und auf der Negativ Seite:

    • Keine Gangschaltung (und dabei fehlende Kraft des Motors), die jeden Hügel nicht nur schwer, sondern teilweise unbezwingbar machen
    • Reduziert bis auf wirklich jedes kleinste Detail, so dass selbst Standardzubehör dazu gekauft werden muss
    • Für mich persönlich zu sportlich. Ich kann mir nicht vorstellen, mit dem Rad eine Stunde ohne Nackenschmerzen fahren zu können

    Schade. Ich wollte so gerne ein Cowboy sein. Ich mochte so vieles an diesem Rad. Aber ein Rad, das mich an der ersten Anhöhe stehen lässt, ist nicht das Richtige für mich. Ob das Electrified S2 von Vanmoof die bessere Wahl ist? Ich werde es testen.

  • Kläff mich nicht an!

    In unserem Haus wohnen Nachbarn, die… nun, sagen wir es so, wir verstehen uns nicht besonders gut. Sie haben einen Hund. Er ist das liebste und vor allem ruhigste Familienmitglied. Seit einigen Monaten wohnt eine weitere Person in der Wohnung, die einen weiteren Hund mitbrachte. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Arschloch-Hund.

    Arschloch-Hund hat offenbar noch nie einen Hundetrainer gesehen bzw. wurde nie erzogen und ist extrem nervös. Jedes kleine Geräusch führt dazu, dass er komplett ausflippt und kläfft. Wohlgemerkt nur bei Geräuschen von außen. Innerhalb der Wohnung wird sorglos Lärm gemacht. Die Angespanntheit von Arschloch-Hund führt regelmäßig zu folgenden Situationen:

    Wir öffnen die Haustür. Arschloch-Hund: „Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!“ Besitzer von Arschloch-Hund: „Hey! Hey! Hey! Hey!“

    Wir öffnen die Wohnungstür. Arschloch-Hund: „Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!“ Besitzer von Arschloch-Hund: „Hey! Hey! Hey! Hey!“

    Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!

    Arschloch-Hund

    Wir schließen die Wohnungstür ab. Arschloch-Hund: „Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!“ Der ruhige aber jetzt angestachelte Hund: „Woff! Woff! Woff! Woff!“ Besitzer von Arschloch-Hund: „Hey! Hey! Hey! Hey!“

    Wir gehen in den Keller. Arschloch-Hund: „Wäff! Wäff! Wäff! Wäff!“ Der ruhige aber noch immer angestachelte Hund: „Woff! Woff! Woff! Woff!“ Besitzer von Arschloch-Hund: „Hey! Hey! Hey! Hey!“ Anderer Nachbar in der Wohnung: „Ruhe! Aus!! Hör auf!!!“

    Wir kommen vom Keller wieder hoch. Alle: „Wäff! Wäff! Woff! Hey! Woff! Ruhe! Woff! Wäff! Aus! Hey! Wäff! Hey! Wäff! Woff! Hör auf. Woff!“

    Wir verlassen die Wohnung. Alle: „Wäff! Wäff! Woff! Hey! Woff! Ruhe! Woff! Wäff! Aus! Hey! Wäff! Hey! Wäff! Woff! Hör auf. Woff! Wäff! Woff! Hey! Woff! Ruhe! Woff! Wäff! Aus!“

    Der Rest geht langsam im Straßenlärm unter, während wir uns weiter vom Haus entfernen. Wir atmen auf. „Uff!“

  • Interrail

    Das Zugfahren liegt mir im Blut. So sehr, dass ich in einem früheren Leben die Züge selbst fuhr. Doch auch heute noch, beruflich ganz woanders, schlägt mein Herz noch immer für die Bahn. Und das wird sich vermutlich auch nie ändern.

    Seltsamerweise fehlte mir in jungen Jahren der unbedingte Drang, zu reisen, die Welt zu erleben und zu entdecken. Ich erinnere mich noch immer gerne an eine mehrtägige (bzw. nächtige) Fahrt im Schlafwagenzug durch Skandinavien. Doch solche Reisen blieben leider die Ausnahme.

    Zugstolz statt Flugscham!

    Quelle: Internet

    Und heute kitzelt es mich. Ich würde am liebsten jedes Wochenende in einen Zug steigen, um irgendeine europäische Metropole, phantastische Landschaft, noch unbekannte Kultur zu erreichen. Erst letzte Woche raste ich mit dem Eurostar zum ersten Mal in meinem Leben durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal gen London. Gut, es war lange dunkel während der Fahrt, faszinierend und spannend war es dennoch. Und London ist eine sensationell tolle Stadt.

    Vor einigen Wochen erinnerte ich mich daran, dass es in meinen jungen Jahren Interrail-Tickets gab. Bahntickets, die in ganz Europa gültig waren und dazu einluden, mehrere Wochen oder Monate mit dem Zug unterwegs zu sein. Was für eine tolle Idee. Wie europäisch und weltoffen. Und das lange vor der Europäischen Union. Welch schöne Art, Europa kennenzulernen.

    Ich war nicht wenig erstaunt, als ich erfuhr, dass Interrail-Tickets noch immer angeboten werden. Sogar für alte Menschen jenseits der 28. Also perfekt für mich (etwas älter als 28) und meine Liebste (jünger als ich). In Gedanken plane ich bereits die Route, pikse Stecknadeln in all die Orte, die ich nie zuvor besucht habe und sehe mich schon jetzt sehnsuchtsvoll und neugierig durch große Waggonfenstern die vorbei rasende Welt betrachten.

  • Der alte Mann und das Internet

    Der alte Mann regte sich seit Monaten wieder, klappte den Deckel seiner silberfarbenen transportablen Rechenmaschine auf und begann zu tippen. Schrieb über die gute alte Zeit. Über diese neumodischen Plattformen in dieser komischen Cloud. Wie ihm alles fad geworden war, krank und böse und… ach.

    Nicht ach, sondern wach waren sie, die Plattformen. Nahmen die Regung des alten Mannes auf und mit einem Mal regten sie sich. Und die Menschen dort. Der alte Mann indes verstand es nicht. Wähnte sich allein in seinem Blog, kümmerte sich im seinen Kram. Doch die Empfehlung war ausgesprochen. Und er wusste nicht wie und warum.

    Er weiß es bis jetzt nicht. Und wer auch immer dies hier auf Empfehlung liest: Herzlich Willkommen. Schön, dass Sie hier sind. Schauen Sie sich um. Erschrecken Sie aber bitte den alten Mann nicht.

  • Mein Blog

    Seit 14 Jahren schreibe und veröffentliche in diesem Blog. Meinem eigenen kleinen Spielplatz in diesem großen Netz. 610 (übrig gebliebene) Artikel. 3400 Kommentare. Verlinkungen, die mittlerweile im Nirwana verschwinden. 14 Jahre. Ein kleine Ewigkeit, wenn man die Entwicklungen in den letzten Jahren betrachtet. Und wie sehr würde ich mir wünschen, mein Blog wäre ein umfassender Spiegel dieser Zeit. Eine Art Tagebuch. Wie es eigentlich immer hätte sein sollen.

    Doch es kam anders. In den Anfangsjahren veröffentlichte ich nicht nur regelmäßig, es wurde auch eifrig kommentiert und diskutiert. Das Leben in der Blogosphäre machte Spaß. Man vernetzte sich, verlinkte, teilte. Und man traf tolle und interessante Menschen, machte auf sich aufmerksam, knüpfte Verbindung, die über das Netz hinaus gingen.

    Und irgendwann wurde das Netz zu laut, andere Plattformen leichter und verführerischer. Das Leben im Blog schlief langsam ein, Kommentare und Artikel wurden immer weniger. Es folgten (damals) bedeutungsschwangere Gedanken wie es weitergehen sollte. Die in falschen Entscheidungen mündeten, „alles mal aufzuräumen“, „schlechte Beiträge“ zu entfernen, zu entschlacken. Es kam zum Ausverkauf, zur Stilllegung, Löschung. Am Ende blieb ein Gerippe eines einst lebhaften Blogs.

    Und heute, 14 Jahre später, denke ich sehnsuchtsvoll an die alten Zeiten zurück, an ein freies Netz, in dem man einfach wild drauf los schrieb. Nicht versuchte, möglichst professionell zu sein, sondern interessante und spannende Geschichten, Neuigkeiten oder Hilfen zu bieten. Zu verlinken und zu teilen.

    Ich bin ein alter Mann geworden, dem diese ganze Social Media Plattformen nichts mehr geben. Facebook ist längst gelöscht, Twitter liegt brach, Instagram und Co. langweilen mich nur noch. Aber ich möchte wieder schreiben. Wieder teilnehmen. Und wo könnte ich das besser als hier? In meinem 14 Jahre alten Garten, meinem Spielplatz, wo ich tun kann, was ich will. Und mich nicht darum schere, ob es jemand liest oder nicht.

    Nächsten Monat starte ich ein Experiment: Ich möchte jeden Tag einen Artikel veröffentlichen. 31 Artikel im Dezember. Auch an Weihnachten und Silvester. Und ich möchte mich nicht einzwängen in Schreibblockaden oder Angst vor Nichtigkeit. Ob es also ein langer Text wird, ein Zitat, ein Foto oder einfach nur ein Link oder Youtube Video ist völlig offen. Denn so möchte ich mein Blog wieder mit Leben erfüllen. Mit Inhalt.

  • Dear Tim Cook

    Lieber Tim,

    Apple betont seit je her, dass Musik Teil seiner DNA sei. Und nicht erst mit dem iPod nano, sondern spätestens mit Einführung der Apple Watch, den Sport-Features auf der Watch und dem iPhone und den weiteren Gesundheitsprogrammen scheint das Thema Fitness und Gesundheit ein weiterer Eckpfeiler dieser DNA zu sein. Warum gab es bis heute keine Anstrengung, Musik und Sport besser zu vereinen?

    Ein Beispiel: iTunes kann seit Jahren die Beats per Minute von Songs anzeigen und sogar dynamische Wiedergabelisten auf Basis bestimmter bpm-Werte erstellen. Ein Tool zur Analyse der Musikbibliothek gab es aber nie. Drittanbieter lieferten teure und unzuverlässige Lösungen. Wäre es nicht toll, eine Running-Playlist auf Basis meines eigenen Tempos zu erstellen? Wieso kann iTunes nicht automatisch die ppm-werte meiner Songs ermitteln?

    Und warum nicht noch weiter gehen? Euer Mitbewerber Spotify bot lange ein wenig beachtetes, aber äußerst cooles Feature in seiner iPhone-App an: Die Geschwindigkeit und Schrittfrequenz wurde analysiert und eine Playlist in genau dem richtigen Tempo abgespielt. Das ganze funktionierte sogar dynamisch. Wurde der Läufer langsamer, wurde es auch die Musik. Der Beat passte jederzeit zu jedem Schritt. Ein unglaublich motivierendes Feature beim Laufen. Ein Feature, das ein Drittanbieter anbot (und aus unerfindlichen Gründen kürzlich abschaffte).

    Warum nicht Apple? Ihr habt die notwendigen Daten doch bereits auf dem Tisch, Apple Watch und/oder iPhone können Beats per minute und Schrittfrequenz genau ermitteln und dazu die passende Musik in der passenden Geschwindigkeit spielen. Und das nicht nur mit Apple Music, sondern auch mit der eigenen, lokalen Musikbibliothek (die viele über Jahrzehnte aufgebaut und gepflegt haben).

    Wenn Apple das Thema Gesundheit, Fitness und Sport noch stärker pushen möchte und dabei eine Schnittstelle zu Musik, die uns antreibt herstellen möchte, dann ist jetzt die Chance. Nutzt diese Lücke, bietet einen Service, der über Erfolgsringe und Statistiken hinaus geht. Motiviert nicht nur vor und nach dem Sport, sondern auch während des Sports mit der perfekten Musik. Mit perfekten Electro-Beats, treibendem Film-Score oder rockigen Riffs im Takt der Schritte.

    Ich würde sofort loslegen.

    Und warum nicht mal den großartigen Deepl-Übersetzer an dem Text probieren lassen?

    Dear Tim,

     

    Apple has always stressed that music is part of its DNA. And not just with iPod nano, but at the latest with the introduction of Apple Watch, the sports features on the Watch and iPhone and the other health programs, fitness and health seems to be another cornerstone of this DNA. Why has there been no effort to this day to combine music and sport better?

     

    For example, iTunes has been able to display the beats per minute of songs for years and even create dynamic playlists based on specific bpm values. However, there was never a tool for analyzing the music library. Third-party vendors provided expensive and unreliable solutions. Wouldn’t it be great to create a running playlist based on my own tempo? Why can’t iTunes automatically determine the bpm values of my songs?

     

    And why not go even further? Your competitor Spotify offered a little noticed but extremely cool feature in its iPhone app for a long time: The speed and step frequency were analyzed and a playlist was played at exactly the right tempo. The whole thing even worked dynamically. When the runner slowed down, so did the music. The beat was always right for every step. An incredibly motivating feature when running. A feature offered by a third party (and recently discontinued for some obscure reason).

     

    Why not Apple? You already have the necessary data on your desk, Apple Watch and/or iPhone can determine beats per minute and step frequency exactly and play the appropriate music at the appropriate speed. And not only with Apple Music, but also with their own local music library (which many have built up and maintained over decades).

     

    If Apple wants to push the topic of health, fitness and sports even more and at the same time create an interface to music that drives us, then now is the chance. Utilizing this gap, offers a service that goes beyond success rings and statistics. Motivates not only before and after sports, but also during sports with perfect music. With perfect electro beats, driving film scores or rocking riffs to the beat of the steps.

     

    I’d get started right away.

    Und… gesendet.

  • DSGVO und das private WordPress Blog

    DSGVO und das private WordPress Blog

    Einstieg und Fazit

    Blogartikel mit abgedroschenen Floskeln zu beginnen ist mir eigentlich ein Graus. Doch Datenschutz geht uns wirklich alle an und ich kann seine heutige Bedeutung nicht deutlich genug betonen. Datenschutz bedeutet, dass ich mich und meine Daten vor fremdem Zugriff geschützt wissen möchte. Dabei ist es mir egal, ob der fremde Zugriff durch einen Konzern, einem Staat, einer Institution oder den Nachbarn erfolgt. Meine Daten gehören mir.

    Wenn die EU nun also beschließt, den Status Quo in Sachen Datenschutz zu verbessern, eine Datenschutzgrundverordnung beschließt, die ab dem 25.Mai 2018 gilt, sollten wir doch alle jubeln und uns freuen, dass wir und unsere Daten geschützt werden. Wie mittlerweile durch alle Medien bekannt, war das Gegenteil der Fall. Kritiker und Datenschützer schlagen Alarm, Experten decken die Schwachstellen der DSGVO auf und im freien Netzt macht sich eine große Unsicherheit breit.

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  • Facebook ist kein freies Internet!

    Facebook ist kein freies Internet!

    Mein Fitness-Studio hat eine recht schicke Webseite. Sie ist modern gestaltet und nutzt all die aktuellen Technologien, die man heutzutage für einen professionellen Auftritt im Netz benötigt. Natürlich dient die Seite vornehmlich der Information, welche Kurse und Fitnessmöglichkeiten angeboten werden. Aber auch Kontaktformulare, regulären Öffnungszeiten, Zusatzinfos und eine Vorstellung der Mitarbeiter wird schnell gefunden. Außerdem ein Reiter namens „Aktuelles“. Dort, so vermutet man, sollten sich aktuelle Informationen finden lassen.

    In der Tat weist das Studio unter „Aktuelles“ auf geänderte Kurse oder neue Trainingsmethoden hin. Wenn ich aber beispielsweise wissen möchte, ob ich an Christi Himmelfahrt die Chance habe zu trainieren, so werde ich enttäuscht. Die Öffnungszeiten an Feiertagen sind nicht immer ganz nachvollziehbar. Karfreitag ist geschlossen, Karsamstag geöffnet, Ostersonntag geöffnet, Ostermontag wiederum geschlossen. Um sich also nicht unnötig auf den Weg zum Training zu machen, sollte man sich besser informieren. Allein, man findet auf der Webseite keine derartigen Informationen.

    Diese werden nur auf der Facebook-Seite des Fitnessstudios verteilt. Und das ist ein Problem. Nicht nur, wenn man sich wie ich schon vor langem von Facebook verabschiedet hat. Auch für das freie Netz ist das ein Problem, da Facebook derartige Inhalte gerne für sich behält und nicht für Suchmaschinen auffindbar macht. Was in Facebook veröffentlicht wird, bleibt bei Facebook. Wenn du nicht dazu gehörst (gehören willst), hast du Pech gehabt. Öffne ich die Facebook-Seite als nicht angemeldetes Facebook-Mitglied, wird die von mir gesuchte Information durch bildschirmgroße Pop-ups mit einem unübersehbaren „Registrieren“-Button verdeckt. Die Absicht ist klar. Du willst freie Informationen? Dann komm zu uns! Du willst dich nicht registrieren? Dein Pech!

    Diskutiere ich mit anderen über meine Abkehr von Facebook, höre ich als Antwort gerne die Schwarz-Weiß-Argumentation, ich müsste mich dann komplett vom Internet fern halten, da ja jeder an meine Daten möchte und ohnehin alle Böse sind. Doch das ist gar nicht der Punkt. Ich meldete mich von Facebook ab, weil mir das „Facebook-Erlebnis“ nie gefallen hat. Die Benutzerführung war mir immer ein Graus und zu undurchsichtig (Stichwort: Privatsphäreneinstellung).

    Ich meldete mich ab, weil Facebook mehr und mehr zum Treffpunkt der Trolle und Idioten wurde. Weil ich es leid war, nur Posts gegen Tierversuche, dumme Selfies, Fotos von Mittagessen, Hassparolen, und „Meine Meinung ist die einzig richtige“ zu lesen. Ja, das Netz ist voll von all dem. Aber wie ich mich in der freien Welt entscheiden kann, in einen schönen Park zu gehen, statt zu den betrunkenen Gestalten am Bushof, so möchte ich auch im Netz die Wahl haben, wo ich mich herum treibe. Und das freie Netz ist (noch) so viel mehr als Facebook. Stellt euch vor, ihr könnt nicht mehr in den Park, sondern alles ist nur noch Bushof.

    Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass Google, Amazon und Co. nicht meine Daten wollen. Auch ich war und bin in Social-Media Kanälen unterwegs. Auch mir ist bewusst, wie viel ich im Netz von mir preisgebe. Auch ich bin notgedrungen wieder zu WhatsApp (das ebenfalls zu Facebook gehört), weil eben alle dort sind, mit denen man kommunizieren möchte. Auch ich bin bei Instagram (das EBENFALLS zu Facebook gehört), weil mir die Community und der Umgang dort gefällt.

    Ich bin ebenfalls Teil dieses Molochs „Netz“. Scheinheiligkeit? Mag sein. Ich möchte und muss ohne Schwarz-Weiß-Malerei eine Grenze ziehen. Und die Grenze ist, zu verlangen, dass frei zugängliche Informationen auch in einem freien Netz verfügbar gemacht werden müssen, nicht in einem abgetrennten Teil des Netzes.

    Es geht nicht darum, dass Inhalte monetisiert werden müssen. Mir ist bewusst, dass Verlage und Redaktionen ihre Mitarbeiter bezahlen und daher auf Werbung, Abomodelle oder Paywalls zurück greifen müssen. Aktuelle Informationen zu Öffnungszeiten können aber nicht dazu gehören. Das ist kein Content. Das ist Teil einer Dienstleistung, die nicht nur für eine ausgewählte (zugegeben 2 Milliarden große) Gruppe zugänglich sein darf. Facebook darf nicht alles gehören.

    Ich wage gar nicht, mir auszumalen, wohin das führen kann und wird. Eigentlich frei zugängliche Informationen, die nur ausgewählten „Clubs“ zugänglich werden. Was, wenn ich beim Verkehrsverbund registriert sein muss, um Abfahrtzeiten erfahren zu können? Was, wenn ich bei jedem privaten Autobahnbetreiber angemeldet sein muss, um zu erfahren, wo gerade ein Stau ist? Oder was, wenn ALL diese Information nicht mehr im freien Netz, sondern nur noch im Facebook-Netz gefunden werden können? Ein Unternehmen, das die Hand auf allen Informationen hat. Alternativlos. Schöne neue Welt.

    Liebes Fitnessstudio, macht doch einen Anfang und veröffentlicht eure aktuellen Öffnungszeiten nicht nur bei Facebook, sondern auch auf Eurer schönen Webseite. Nutzt doch bitte auch andere Kanäle wie Twitter oder Google+ (haha). Lasst Eure Öffnungszeiten bitte von Google, Bing, DuckDuckGo und wie sie alle heißen finden. Helft, dass das Netz frei bleibt.

  • Wenn schwarze Wäsche stinkend aus der Waschmaschine kommt

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    Wir Hausfrauen müssen zusammen halten, sage ich immer. Und wir Waschweiber erst Recht. Sucht man im Netz nach Antworten zu genau dem einen quälenden Waschproblem, findet man mit Sicherheit tausend verschiedene Erklärungen, aber selten die wahre Lösung. So erging es mir beim Problem der schwarzen Wäsche, die immer müffelnd aus der Maschine kam.

    Egal, was ich versuchte, die Wäsche stank. Ich versuchte es mit Hygienespüler, mit höheren Temperaturen und verschiedenen Waschmitteln. Pulver und Tabs, Flüssig und Gel. Ich gab mehr oder weniger duftenden Weichspüler hinzu, spielte an den Schleuderzahlen, Programmen und Wasserbeigaben der Maschine herum. Ich gab mehr Waschmittel hinzu, verringerte die Menge der Wäsche. Irgendwann warf ich die am deutlichsten stinkenden Kleidungsstücke in den Müll, in der Annahme, sie seien Auslöser des Übels und verpesteten die anderen Teile.

    Allein, es half nichts. Manche Waschladungen wusch ich direkt ein zweites Mal, um dem Gestank Herr zu werden. Das Müffeln, so die Erklärung der vielen Ratgeber, stamme aus billigen, dunklen Farbstoffen und in der Tat schienen eher die billigen Teile den Geruch nicht loswerden zu wollen. Bunte und weiße Wäsche waren ebenfalls stets aprilfrisch. Guter Rat war irgendwann nicht mehr nur teuer, sondern unbezahlbar.

    Doch Rettung ist nah, denn hier nun die ultimativen Tipps, wie schwarze Wäsche duftend aus der Waschmaschine kommt:

    1. Der wichtigste Punkt ist tatsächlich die Menge des Waschmittels. Und dabei ist es völlig egal, ob ein Pulver oder ein Gel benutzt wird. Entscheidend ist, genau die Menge zu nehmen, die auf der Packung vorgeschlagen wird, in Abhängigkeit des Verschmutzungsgrads und der Wasserhärte. Der Gedanke, mehr Waschmittel müsste doch zu noch saubererer Wäsche führen, stimmt nicht. Denn was die dunkle Wäsche müffeln lässt, sind nicht ausgewaschene Seifenreste. Hinzu kommt der zweite Effekt bei zuviel Waschmittel: Die starke Schaumbildung. Zuviel Schaum bremst das „Schlagen“ der Wäsche aus, das durch die Drehung der Trommel und dem Herunterfallen der Wäsche simuliert wird.
    2. Was uns zum nächsten Punkt bringt. Nicht umsonst wurde Wäsche früher noch regelrecht geprügelt, um sauber zu werden. Damit die Wäsche auch in der teueren Maschine geschlagen wird, darf die Maschine nicht überladen werden. Eine Handbreit sollte noch Platz sein.
    3. Auf Weich- und Hygienespüler kann getrost verzichtet werden. Ebenso wie auf zusätzliche Wassermengen oder höhere Temperaturen, um Rückstände „auszukochen“ (Ausnahmen bestätigen gewiss die Regel). Ein gutes Vollwaschmittel genügt.

    Mit diesen einfachen Regeln gelang es mir endlich, all meine schwarze Wäsche – egal, ob fein, ob Sport, ob billiges T-Shirt oder hochwertiges Hemd – frisch, duftend und sauber zu bekommen. Und da wir Waschweiber zusammen halten, helfen diese Tipps euch hoffentlich auch.