Autor: Roger Graf

  • Wasser!

    Ich lebte jahrelang in mit einem feuchten Keller. Obwohl – was heißt feucht? Nass war er. Manchmal konnte man dem Wasser richtig dabei zu sehen, wie es durch einen Riss in der Wand herab lief und sich am Boden sammelte. Die Hausverwaltung sah sich das Malheur immer wieder an, behauptete, es handle sich um ganz typische Feuchtigkeitsbildung, die in Kellern nun mal vorkomme und schob die Schuld auf den über meinem Keller befindlichen Supermarkt. Zehn Jahre machte ich das Hick Hack mit und hatte immer Angst um meine Schätze, die ich in Kartons aufbewahrte.

    Dann zog ich nach Duisburg, in ein uraltes Haus, dessen Kellergewölbe noch danach riechen, wie sich Menschen zwei Weltkriege lang darin versteckten. Der Keller selbst ist so klein und so trocken, dass der Staub von der Decke rieselt. Ich wähnte meine Kartons im Trockenen. Und, ihr ahnt es schon, musste diese Woche eines besseren belehrt werden.

    Vermutlich seit den verheerenden Regenfällen der letzten Woche stand mein Keller unter Wasser, die (zugegeben alten und hässlichen) Möbel hatten sich bereits munter mit Wasser voll gesaugt, aber auch Kartons waren bis zur Hälfte durchnässt. Unter anderem befüllt mit alten Micky Maus Heften. Gut, ihr werdet fragen, weshalb ich so etwas aufbewahre. Nun, es sind alte Micky Maus Hefte, teilweise noch aus den Sechziger und Siebziger Jahren. Diese komplett durchnässt vorzufinden tat sehr weh. Dass auch mein Amiga Karton und Teile meiner Modellbahn Opfer des Wassers wurden, ist da noch ein schmerzliches Randdetail.

    Selbst Schuld natürlich. Man bewahrt kostbare Dinge nicht einfach in einem Karton in einem Keller auf und schließt dann nicht einmal eine Hausratversicherung ab. Die Hefte liegen mittlerweile alle getrocknet und – natürlich – wellig in meiner Wohnung aus. Sobald ich sicher bin, dass sie komplett ihre Feuchtigkeit verloren haben, werden sie wieder glatt gepresst und diesmal sicher verpackt. Und definitiv nicht mehr im Keller verwahrt.

  • Komme ich jetzt ins Fernsehen?

    Ich, weiß, ich schulde euch noch einen Artikel, wie es dazu kommen konnte, dass ich für 90 Sekunden im Fernsehen war. Ich habe lange selbst mit mir gerungen, wie ich diesen Artikel schreiben sollte, denn viel gab es dazu ja nicht zu sagen. Mittlerweile hat sich das geändert.

    Die Frage „Komm ich jetzt ins Fernsehen?“ kennt der eine oder andere vielleicht noch aus der Sat1 Wochenshow, in der Herr Görgens mit sinnlosen Erfindungen versuchte, berühmt zu werden. Er schaffte es nie. Und irgendwie doch.

    Wenn man als Blogger tätig ist, denkt man erstmal nicht daran, damit berühmt zu werden (und/oder Geld damit  zu verdienen). Hin und wieder schielt man vielleicht herüber zu den etwas berühmteren Bloggern, die wichtige Dinge von sich geben, die von wichtigen anderen Medien aufgegriffen werden, doch im ersten Moment ist einem das egal. Man bloggt nur, weil man der Welt etwas mitteilen möchte. Man bloggt um des bloggens Willen. Und nimmt damit (wissentlich oder auch nicht) ebenso aktiv an der Medienlandschaft teil, wie Print, Funk und Fernsehen.

    Hin und wieder kann es nun passieren, dass die Wege in der Medienlandschaft sich kreuzen. Man hat einen Bericht geschrieben, für den sich die örtliche Presse interessiert? Man hat ein Foto online gestellt, das ein Verlag gerne nutzen würde? Man hat sich mit seinen Artikeln als Profi hervorgetan, der sein Wissen im Fernsehen mitteilen soll? Die Möglichkeiten sind mannigfaltig, lassen sich kaum erzwingen und nur schwer steuern. Was aber egal ist, da die große Mehrzahl der Blogger meiner Ansicht nach ohnehin nicht nur aus dem Grund bloggen, um ins Fernsehen zu kommen.

    Als mich vor mittlerweile über einem Jahr unsere Lokalzeitung anschrieb und um ein Interview bat, war ich entsprechend überrascht. Und, ich gebe es zu, ich fühlte mich geehrt. War diese Anfrage doch ein kleiner Beweis für mich, in der Welt wahrgenommen zu werden. Nicht nur von Freunden, Bekannten und Menschen, die zufällig per Google einen Artikel von mir finden. (Wobei der Journalist damals natürlich auch nur per Zufall bei seiner Recherche über mein Blog stolperte) Nein, offenbar gefiel meine Meinung auch jemandem, der so etwas professionell macht, der damit sein Geld verdient und der der Meinung war, dass ich geeignet sei, meine Meinung einem etwas breiteren Publikum mitzuteilen.

    Das breite Publikum war wie gesagt eine Lokalzeitung, der Artikel ist mittlerweile vergessen und verstaubt in einem Archiv. Natürlich bin ich kein Star, natürlich war es ein Einzelfall, von den mir versprochenen 15 Minuten Ruhm hatte ich vielleicht ein paar Sekunden bekommen. Ich kenne auch Blogger, für die das normal ist. Die beinahe täglich von Magazinen oder Sendungen angefragt werden. Ich bloggte einfach weiter.

    Bis dann plötzlich doch das Fernsehen vor der Tür stand. Oder zumindest in meinem Postfach lag. Ein Redakteur der 3sat Sendung „neues“ recherchierte für einen Beitrag, in dem Firmen-Images beleuchtet und „Glaubenskriege“ aufgedeckt werden sollten. Weshalb Apple einen besseren Ruf hat als Microsoft. Und weshalb die Playstation-, Xbox- und Wii-Fans sich gegenseitig fertig machen. Da ich bereits mehr als einmal meinen Senf dazu in meinem Blog veröffentlicht hatte und dem Redakteur mein Stil wohl gefallen hatte, bat er um ein Interview.

    Wow. Das Fernsehen will mich. Und dann auch noch 3sat. Nicht die Putzteufel von RTL2. Nein, 3sat, mit einer Sendung, wie sie ohnehin wie für mich gemacht worden zu sein schien. Ich fühlte mich geehrt. Schon wieder. Und sagte zu.

    Schon wenige Tage später empfing ich den Redakteur bei mir zuhause. Wir unterhielten uns über das Thema, erörterten im Vorfeld, welche Fragen er mir stellen wollte und wir überlegten uns den besten Ort für das Interview. Der war schnell gefunden. Auf meinem Fernseher ließen wir Wii Tennis laufen, während ich mich etwas davor setzte. Er richtete seine Kamera ein, hielt mir irgendwann das Mikrofon vor und mein erster Satz war: „Ähh.“ Jegliche Eloquenz war von mir gewichen. Es war so peinlich. Und so typisch für jemanden, der noch nie vor laufender Kamera Fragen beantworten musste.

    Das Interview dauert vermutlich eine gute Viertelstunde. Ich gab meine Meinung kund, weshalb es keinen sinn machte, dass Wii-Spieler und Playstation-Fans sich gegenseitig fertig machten. Ich erzählte, worin ich die Unterschiede zwischen Xbox360 und PS3 sah. Ich mutmaßte, wie Nintendo es geschafft hatte, sich ein so gutes Image zu zu legen. Dann machten wir uns noch den Spaß, ein wenig Wii Action zu filmen. Ich spielte Tennis, wie man das mit Wii Sports eben so macht. Im Großen und Ganzen waren wir eine Stunde beschäftigt.

    Als ich zwei Wochen später vor dem Fernseher saß und „neues“ begann, spürte ich mein Herz klopfen. War das aufregend. Ich war im Fernsehen. Letztlich nur für etwa 90 Sekunden, die so schnell vorbei gingen, dass ich im ersten Moment nur baff war und zur damalige Freundinn an meiner Seite sagte: „Ich habe bloß gestottert.“

    Meine 15 Minuten Ruhm hatten ein paar Sekunden dazu gewonnen. Und dann kam RTL und klopfte an meine Tür.

    Wie manche von euch vielleicht wissen, schrieb ich vor einer halben Ewigkeit auch für das Freiburger Online Magazin fudder und steuerte damals einen Artikel bei, in dem ich von meinen Erfahrungen als Lokführer berichtete. Um genau zu sein, wie ich die Nachtschicht erlebte, als ich zum ersten Mal mit meinem Zug einen Menschen überfuhr. RTL plante eine Reportage über das Thema und fragte bei fudder an, ob man mit mir in Kontakt treten könne. Dann ging alles recht schnell. Schon am nächsten Tag telefonierte ich mit dem RTL Journalisten, erzählte nochmals meine Erlebnisse, beantwortete Fragen und muss dabei eine so gute Figur gemacht haben, dass er fragte, ob ich bereit wäre, damit auch in dem Beitrag aufzutreten.

    Zugegeben, Medienschlampe die ich nun mal bin (haha), sagte ich zu. Zugegeben, es war RTL und nicht arte. Zugegeben, ich bin noch nicht abgebrüht genug, um solche Anfragen auch zu hinterfragen. Im ersten Moment war das alles nur aufregend. Wie zuvor auch schon hatte die Welt von mir Notiz genommen und wollte etwas von mir hören. So fühlte es sich zumindest an. Der Journalist besprach mit mir Ideen, wie wir das Interview gestalten könnten, wo ich mich mit seinem Kamerateam treffen sollte und was es hierfür vorzubereiten gäbe. Ein Termin war schnell gefunden.

    Der Ball kam ins Rollen. RTL stellte Anfragen, checkte Locations und holte sich Genehmigungen ein. Bis dahin wohl nicht wissend, wie empfindlich die Bahn auf das Thema reagiert. Natürlich möchte die Bahn nicht mit dieser Problematik in Verbindung gebracht werden, auch wenn sie täglich auf Deutschlands Schienen Realität wird. Natürlich wird das Wort Suizid oder Selbstmord niemals kommuniziert, sondern stets von Personenunfällen gesprochen. Und letztlich möchte die Bahn natürlich auch vermeiden, dass es zum sogenannten Werther Effekt kommt (also das Menschen durch die Berichterstattung erst auf die Idee gebracht werden, sich auf der Schiene das Leben zu nehmen).

    Vielleicht stellt sich jetzt der eine oder andere die Frage, weshalb ich dann als ehemaliger Lokführer so offen darüber spreche. Und so gewillt gewesen wäre, dies vor laufender RTL Kamera zu tun. Nun, mir liegt viel daran, ein wenig Aufklärung zu betreiben. Den Leuten klar zu machen, wie traumatisch das für einen Lokführer und die Rettungshelfer sein kann. Ich möchte auch an die Passagiere appellieren, die ich immer wieder verständnislos meckern höre, wenn ein Zug durch einen Personenunfall große Verspätung macht. Und ich möchte auch vor Dummheit warnen, denn Personenunfälle geschehen nicht nur aus Selbstmordgedanken, sondern auch aus schierer Blödheit. Kinder, die auf den Gleisen spielen, Erwachsene, die mal eben über das Gleis rennen wollen, um den Weg abzukürzen. Mein zweiter Personenunfall war ein Mann Mitte Dreißig, der nur noch schnell seine S-Bahn erwischen wollte und über die Gleise rannte, statt die Unterführung zu nehmen. Dass ich mit meinem IC mit 140 km/h um die Ecke kam, damit hatte er nicht gerechnet und bezahlte für diese Dummheit mit seinem Leben. Auch wenn man die Selbstmordrate auf den Schienen vielleicht nicht verkleinern kann, so will ich doch wenigstens versuchen, Unfälle aus purer Blödheit zu verhindern.

    Letztlich musste ich das RTL Interview aber wieder absagen. Denn nicht nur, dass die Bahn eine Berichterstattung auf ihrem Gelände untersagte, sie informierte auch meinen derzeitigen Arbeitgeber darüber, dass ich vor hätte, ein Interview zu diesem Thema zu geben.Und mit einem Male machten sich beide sehr große Sorgen, was ich sagen würde und, vielleicht noch schlimmer, was RTL aus dem Gesagten letztlich machen würde. Im Grunde, so sicherte mir mein Arbeitgeber auch zu, hätte ich natürlich die Freiheit, das Interview zu geben. Niemand könne es mir verbieten. Allerdings musste ich bereits hier schon feststellen, dass einige Details falsch kommuniziert worden waren. Von wessen Seite, möchte ich nicht beurteilen. Und auf Details möchte ich ebenfalls nicht eingehen. Letztlich wurde mir mit einem Male flau im Magen und ich fürchtete, mich, meinen Arbeitgeber und meinen ehemaligen Arbeitgeber falsch dargestellt zu bekommen. Und damit noch weitaus größere Scherereien hervor zu rufen.

    So komme ich also nicht erneut ins Fernsehen. Und habe eine wichtige Lektion gelernt. Alles, was ich hier scheibe, kommt an. Die Welt nimmt mich wahr, liest, speichert und verwertet, was ich hier tue. Ich muss mir bewusst sein, dass alles, was ich hier schreibe, Konsequenzen haben kann. Kleine oder Große. Vielleicht bereite ich jemandem eine kleine Freude, vielleicht trete ich aber auch jemandem auf den Schlips und muss meinen Anwalt einschalten. All das kann passieren.

    Vielleicht wird wieder einmal eine Zeitung oder ein Fernsehsender anfragen, ob ich zu diesem oder jenem etwas sagen könnte. Und ich werde mich wieder geehrt fühlen. Aber auf jeden Fall auch für mich hinterfragen, ob ich es wirklich vertreten kann. Die Medienlandschaft ist ein Minenfeld, für das ich nicht trainiert und ausgebildet wurde. Ich bin ein kleiner Schrei(b)er am Rande des Feldes, der hin und wieder hinein gelockt wird und aufpassen muss, wohin er tritt.

    Wahrscheinlich geht es noch lange, bis ich meine 15 Minuten voll habe.

  • Ich muß mal kurz austreten – die Zweite

    Es begab sich aber zu der Zeit als Graf Roger von Duisburg sich entschloss, der Kirche seine Mitgliedschaft zu kündigen und Gott verfügte, dass ein jeder mit einem solchen Vorhaben einen beschwerlichen Pfad der Prüfungen durchlaufen muss, auf dass sein Wille auf die Probe gestellt werden möge. So begab sich der Roger auf den Weg zum Amtsgericht. Und wahrlich, es sollte kein leichter Weg für ihn sein.

    Zunächst war ich sehr überrascht, über die Sicherheitsmaßnahmen am Eingang. Erst nach Entleeren meiner Taschen und dem Durchleuchten der Inhalte wurde eine Ein-Mann-Glas-Schleuse geöffnet, in die ich eintreten musste und das Schließen der Tür hinter mir hörte. Dort blieb mir kaum Zeit, um über Klaustrophobie nachzudenken, die Schleuse öffnete die zweite Tür bereits und ich stand in einem sehr alten, dunklen Gebäude. Das Amtsgericht Duisburg. Nach links. Zimmer 82 suchen.

    Ich ging einen langen Gang entlang. Einen sehr langen, langen Gang. Einen unglaublich langen, dunklen Gang. Und nach der Ecke weiter, lang, dunkel. Sehr lang. Also es war ein sehr langer, langer, laaaanger Gang. Etwas Zen-Artiges hatte dieser lange, lange, dunkle Gang. Ich ging irgendwann nicht nur diesen Gang entlang, sondern auch in mich, hinterfragte mein Vorhaben, meinen Platz in dieser Welt. Lange. Und dann erreichte ich Zimmer 82, klopfte und trat ein.

    Ein – wie sagt man politisch korrekt? – Kleinwüchsiger hockte dort hinter einem viel zu großen Schreibtisch, in einem viel zu großen Zimmer und deutete auf den leeren Stuhl hinter dem viel zu großen Monitor, auf den er unverdrossen starrte. Ich nahm Platz und schilderte meinen Wunsch. Er begann, auf einem kleinen Schmierzettel Zahlen und Buchstaben zu notieren und verlangte dann nach meinem Personalausweis. Noch etwas erschöpft von meinem langen Marsch streckte ich ihm diesen entgegen. Zu kurz, wie sich mir erst viel zu spät erschloss. Stoisch hielt der Kleinwüchsige den Arm gestreckt und die Hand auf, bis ich es endlich bemerkte und mit einem leichten "Oh." meinen Hintern hob, um ihm das Dokument überreichen zu können. Ich glaube, ab diesem Moment mochte er mich nicht mehr.

    Zum Beweis dieser Vermutung gab er mir den kleinen Zettel, den ich nur durch halbes Aufstehen erreichen konnte und erklärte mir, ich solle mit diesem Papier Zimmer 1 aufsuchen, auf dass ich dort meinen Wunsch nach Verlassen der Kirche auch durch Öffnen meiner Brieftasche beweisen könne. "Zimmer 1 finde ich wo?" fragte ich, doch wusste ich die Antwort bereits. Direkt am Eingang. So verließ ich den Raum und ging wieder den langen Gang entlang. Den wirklich äußerst langen, langen, dunklen Gang. Einmal um die Ecke und dann wieder laaaange. Noch einmal meditierend und dem Widerhall der eigenen Schritte lauschend, diesen langen, wirklich langen Gang entlang bis zu Zimmer 1.

    Zimmer 1, auch Kassenbüro genannt, stellte sich wie eine Sparkassen Filiale aus den Sechzigern dar. Die Frau hinter dem Tresen und hinter dickem, schusssicheren Glas würdigte mich keines Blickes und sagte schlicht: "30 Euro." "Das wissen sie jetzt schon?" fragte ich und sie antwortete: "Natürlich, das ist der Standard Tarif." So so, der Standard Tarif. Also alles, was man zu tun gedenkt, kostet hier demnach 30 Euro? Das bedeutet, auch meine 30 Euro werden nur für den Verwaltungsaufwand benötigt, den ich dem Amt hier beschere? 30 Euro, um einen Schmierzettel ausfüllen zu lassen und einen langen, langen, wirklich langen – ihr wisst schon – dunklen Gang entlang zu laufen?

    Als ich mit der ausgestellten Quittung erneut den langen, wirklich sehr langen Gang herunter lief (der war wirklich ganz schön lang, echt jetzt) war aller Zen-Buddhismus von mir gewichen. Mein Körper fühlte sich erschöpft an, die Mühlen des Staates und der Bürokratie waren dabei, mich mürbe zu mahlen. Dies war ein Psychokrieg, Zimmer 82 lag mit perfider, kranker Absicht so weit vom Eingang und von Zimmer 1 entfernt. Der lange dunkle Gang, den ich mehrmals entlang laufen musste, war eine Allegorie auf mein restliches Leben, mein langes, dunkles, trostloses Leben ohne Kirche. Ein Vorgeschmack sozusagen.

    Ich musste erst einmal verschnaufen und blieb für einen Moment vor Zimmer 82 stehen. Dann trat ich ein, setzte mich wieder auf den Stuhl, halb verdeckt hinter dem großen Monitor und überreichte "Oh." die Quittung. Der Kleinwüchsige nahm sie entgegen und streckte mir dafür ein neues Blatt Papier herüber "Ah. Oh.", welches ich durchlesen und unterschreiben sollte. Da stand es. Ab sofort wäre ich kein Mitglied der evangelischen Kirche mehr. Ich unterschrieb und reichte ihm das Unterschriebene zurück. "Oh." Und natürlich auch den Kugelschreiber. "Oh. Verzeihung."

    "In drei bis vier Wochen bekommen Sie schriftlich Bescheid. Damit gehen Sie zum Bürgerbüro im Einwohnermeldeamt", lauteten die Anweisungen des Kopfs hinter dem großen Schreibtisch. Meine Odyssee war also noch nicht vorbei. Und als ich zurück zum Ausgang den langen, wirklich langen, laaangen, dunklen Gang durchschritt (er schien immer länger zu werden. Also noch länger als er ohnehin schon war. Denn das war er. Lang) dachte ich nochmals darüber nach, wohin meine seit Jahrzehnten bezahlten Gelder wohl verschwunden waren. Wenn dieser Akt alleine mich 30 Euro, lange Fußmärsche und Besuche auf verschiedenen Ämtern in verschiedenen Teilen der Stadt kostete, in einer Zeit, in der es E-Mails, Fax und Telefone gibt, elektronische Datenübermittlung und -verarbeitung, so konnte ich mir immer farbiger ein Bild davon machen, wie wenig die Kirche wohl letztlich von den Steuereinnahmen sehen würde. Und wie wenig davon wiederum dort ankamen, wo sie gebraucht wurden, da auch die Kirche selbst eine einzige Bürokratie ist.

    So verließ ich doch etwas befreit die Schleuse, ließ das große Gebäude hinter mir und trat hinaus in das grelle Sonnenlicht. Ich war ausgetreten, in vielerlei Hinsicht.

  • Ich muß mal kurz austreten

    Jeder, der aus der Kirche ausgetreten ist, hatte sein Gründe. Mag sein, dass er vom Glauben abgefallen war, oder seinen Glauben geändert hatte. Mag auch sein, dass er der Institution Kirche einfach keinen Glauben mehr schenkte. Bei den meisten dürfte das Argument „Geld sparen“ maßgeblich gewesen sein. Bisher hatte ich selbst nie daran gedacht, aus der Kirche auszutreten. Ich wurde getauft, später konfirmiert und seit ich denken kann, zieht mir der Staat im Namen der Kirche Geld von meinem Lohn ab. Ich hatte das nie hinterfragt. Es war einfach so. Ähnlich wie beim Solidaritätszuschlag musste ich es hinnehmen und tat das auch.

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  • iPhone 3G mit UMTS, GPS und günstig

    Mann, war das spannend. Nein, nicht das Fußballmatch Frankreich gegen Rumänien. Das war ja mehr als langweilig. Ich spreche von der WWDC 08, der Apple Developer Conference in San Fransisco. Denn die Gerüchte waren diesmal allesamt wahr. Mit dem MBP auf dem Schoß, drei Livetickern gleichzeitig und einem Auge beim Fernseher, verfolgte ich die Veranstaltung. (Apropos, Mac Life berichtete per Abschreiben und Übersetzen, inklusive der Tippfehler der Live-Schreiber ;-) ) Aus .Mac wird MobileMe (sehr attraktiv aber leider zum gleichen Preis). Und aus dem iPhone wird ein iPhone 3G. Mit UMTS. Mit GPS. Mit neuer Firmware 2.0, die weitere leckere Schmankerl bieten wird. Und mit einem fast halbierten Preis. 199 Dollar soll die kleine, schwarze 8Gb Version kosten, 299 USD die (auch in weiß – seufz – erhältliche) 16Gb Version. Abzuwarten ist natürlich noch, wie die entsprechenden Tarife dazu aussehen werden und ob es überhaupt noch einen Anbieterzwang geben wird, wenn das neue iPhone am 11.Juli erscheinen wird. Hach, das könnte ein schöner Sommer werden.

  • Kleiner Hai – again

    Entschuldigt bitte die Belästigung. Aber ich kann gerade nicht anders. Denn nachdem das Hai-Video eine so „positive Resonanz“ hervor gerufen hat und ich bei TiJay das offizielle Video zu dem Song sehen konnte, muss ich es euch einfach präsentieren: „Kleiner Hai feat. Alemuel“. Und ehrlich, mit dem richtigen Alkoholpegel, den richtigen Leuten (und Gürkchen brauchse noch), in der richtigen Lautstärke macht der Song bestimmt richtig Spaß, oder? Ich würde sagen, der schwule Schnappi darf endgültig einpacken. Haie sind eh cooler als Krokodile.

  • Die Qual der Wahl

    Früher ging man in den nächsten CD-Laden um die Ecke, um sich mit Musik einzudecken. Mochte man einen ganz bestimmten Song erstehen, hatte man nur die Wahl, sich das komplette Album zu kaufen, oder die Maxi CD zu nehmen. Auf dieser fanden sich zumeist noch ein paar Remixe oder ein Bonus Song. Ich erinnere mich, für so manche Maxi bis zu 12 Mark hingelegt zu haben. Heute würden wir bei einem Preis von sechs Euro für ein Lied ganz schön schlucken. Aber heute ist ja alles anders. Oder nicht?

    Wenn ich in den iTunes Store gehe, um mir einen Song zu besorgen, ist es eigentlich wie früher. Ich tippe den Titel ein, hoffe, dass er verfügbar ist und bekomme dann verschiedene Möglichkeiten Angebot: Album, Maxi (oder EP) oder nur der Song? Ah, nur den Song, danke. Aber welche Version? Und schon beginnt das Dilemma. Ich darf bei jeder Fassung 30 Sekunden hinein hören und muss mich dann entscheiden. Oder doch gleich die ganze EP für 7 Euro kaufen? Das wäre ja wie damals. Und was will ich mit fast einem Dutzend Versionen des gleichen Songs? Letztendlich höre ich doch eh nur eine. Die richtige. Und welche ist das?

    Passiert ist mir das heute mit dem Song „With every Heratbeat“ von Robyn. Lassen wir mal die Remixe weg, so verbleiben immer noch der Radio Edit und die Original Version. Letztere ist fast eine Minute länger, man bekommt also für das gleiche Geld mehr Musik (darf man Musik so kaufen?). Erstere schien mir etwas knackiger gemixt. Ich entschied mich für die Original Version. Die hat auch Geigen drin. Geigen sind immer gut, selbst bei einem Pop-Song. Ein Song für nen Euro und das Gefühl, vielleicht etwas zu verpassen, läuft er gerade, während ich diesen Text schreibe…

  • Es geht immer noch grusliger (Jede Zelle meines Körpers)

    Youtube ist ein wahres Sammelsurium an unsäglichem Schrott. Ohne Zweifel. Doch hin und wieder findet man so manches Kleinod. Oder Videos, die einen zweifeln lassen, dass es die Menschheit an sich noch lange machen wird. Darwin sag ich da nur. So ging mir tagelang das Lied aus dem Video nicht mehr aus dem Kopf, das ich bei Cait entdeckt hatte. Jede Zelle meines Körpers zieht sich noch immer erschrocken zusammen, wenn das Video startet.

    Aber es geht noch grusliger. Natürlich. Bei Out of uppen singt/führt vor/deliriert ein Mädchen in einem Sessel ein Lied über einen Hai. Haltet durch bis zum Schluss, da wird es richtig aufregend. Und viel Spaß beim nächsten Baggersee Ausflug, wenn ihr es auf eurer Luftmatratze vor euch hinsummt.

  • Wat brauchse für ne Party?

    Gestern im Vorbeigehen auf der Straße gehört:

    "Machen wa Party. Bringse alle mit. Weil, wat brauchse für ne Party? Gute Leute brauchse. Und gute Stimmung brauchse. Bringse gute Leute und gute Stimmung mit. Und weiß, watte noch brauchs? Gürkchen brauchse. Bringse Gürkchen mit."

    Der hat’s erfasst. Gürkchen braucht man.

  • ebay-Trottel

    Hey, ihr ebay-Trottel, die ihr für einen 200 Euro Monitor ein Gebot von einem Euro abgebt. Was glaubt ihr eigentlich? Dass ihr damit Erfolg habt? Ein Schnäppchen machen könnt? Ihr denkt wirklich, ihr werdet damit die nächsten vier Tage Höchstbietender bleiben? Bis zum Ende? Und ihr Trottel, die ihr die anderen Trottel mit 3,50 Euro überbietet seid auch keinen Deut besser. Was ist los mit euch? Hat man euch den Geiz mit nem Holzstock eingeprügelt? Oder die Schwachsinnigkeit? Geht bitte zum Recyclinghof und fischt euch dort was aus der Tonne, anstatt richtige Käufer, die wissen, was ein Gerät wert ist, daran zu hindern, etwas per Sofortkauf erstehen zu können. Gebt gefälligst vernünftige Preise für vernünftige Ware. Am Ende seid ihr ja trotz allem noch günstiger weggekommen, als wenn ihr zum Media Markt fahrt.

  • Je feuchter, desto trockener

    Je feuchter, desto trockener

    Zwei bis drei Liter Wasser soll der Mensch täglich zu sich nehmen. Dagegen ist nichts einzuwenden. Ich mache das gerne mit stillem Mineralwasser, auch wenn ich damit ein eigenartiges Problem habe. Je mehr stilles Wasser ich trinke, desto trockener wird mein Mund. Ich kann kaum erklären, wieso das passiert, aber es scheint, als spülte das Mineralwasser jeglichen Speichel fort.

    Nach einer Flasche fühlt sich mein Mund an, als hätte ich vier Scheiben trockenen Toast gegessen. So machen drei Liter natürlich keinen Spaß, also begann ich den Test. In den umliegenden Supermärkten kaufte ich alle möglichen Sorten Mineralwasser und trank wie ein Weltmeister. Immer mit dem gleichen Ergebnis: trockener Mund und das Verlangen, noch mehr zu trinken, nur um den Mund zu befeuchten.

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  • Alles Roger bei 3Sat

    Kennt ihr den Sender 3Sat? Kennt ihr die Sendung „neues“, die immer Sonntag Mittags auf 3Sat ausgestrahlt wird? Und im ZDF des Nachts wiederholt wird? Und in der 3Sat Mediathek immer online abrufbar ist? Wisst ihr, worum es in „neues“, dem Computainment-Magazin geht? Computer, Technik, Spiele, Web und all die anderen interessanten Themen für uns Nerds? Und wisst ihr, warum ihr die nächste Sendung am 18.Mai um 16:30 Uhr auf einen Fall verpassen solltet? Wisst ihr nicht? Dann schaut es euch an und wenn ich aus dem Urlaub zurück bin, werde ich euch mehr darüber erzählen.

  • Drei Geschichten der Begegnung: Vier

    Was sagen mir diese drei Geschichten (Eins, Zwei, Drei)? Was bleibt übrig von diesem Wochenende? Nichts Neues im Grunde. Das Internet bringt uns näher zusammen, lässt uns Dinge sehen, die zuvor verborgen blieben. Es gibt uns das Gefühl des globalen Dorfs, wo Freunde, Bekannte und Geschäftspartner im Grunde neben einem auf dem Sofa sitzen. Mailen, Chatten, Twittern, all das verbindet uns. Und doch, sobald der Computer ausgeschaltet, die Verbindung zum Netz gekappt ist, wird mit jedem neuen Kommunikationskanal noch deutlicher als zuvor, wie flüchtig dieses globale Dorf ist, wie weit entfernt man tatsächlich ist. Die Kommunikationsmittel schrumpfen mit einem Schlag auf das althergebrachte: Briefe schreiben, telefonieren und persönliches Treffen. Man ist plötzlich nicht mehr immer und überall verfügbar, aber auch die Bekannten sind nicht mehr ohne weiteres zu greifen. Man ist befreiter und gleichzeitig wieder allein. Um so wichtiger ist gerade jetzt, in Zeiten dieser Kommunikationsmittel, dieser ständigen Verfügbarkeit, dieses wohligen Gefühls, hunderte von Freunden gleich um die Ecke zu haben, das echte Leben nicht zu vergessen. Nur darauf kommt es an. Das echte Leben. Das echte Gespräch.

    Das Netz schenkt uns mannigfaltige Möglichkeiten, uns auszudrücken, uns zu finden. Die Kunst allerdings ist letztlich die, all das in unser reales Leben einfließen zu lassen. Wer das schafft, hat es gut und ich kenne unzählige positive Beispiel. Auch mein Freundes- und Bekanntenkreis besteht zu einem großen Teil aus Online-Bekanntschaften. Wirklich wertvoll wurden diese aber erst durch die Gewissheit, sie auch nach dem Ausschalten des Rechners zu haben.

    Also nutzt das Netz, chattet, twittert, mailt. Telefoniert und schreibt Briefe. Nutzt, was euch bereit gestellt wird, um euer Leben zu bereichern. Und vergesst dabei nicht, dass nur das reale Leben zählt, reale Freundschaften. Echte Begegnungen sind so viel besser als virtuelle, eine Berührung so viel wertvoller als ein neuer Kontakt im Netzwerk, echte Gespräche so viel interessanter als reduziertes Tippen. Das Netz gibt uns Wege dorthin. Wir können sie gehen und müssen dabei nur aufpassen, uns nicht zu verlieren.

  • Drei Geschichten der Begegnung: Drei

    Über ein Jahr ist es mittlerweile her, als ich zum ersten Mal in der Geschichte meines kleinen Blogs einen Artikel komplett löschte. "Mein imaginärer Freund" hieß die Geschichte und handelte von einem jungen Mann, der sich vom Rest der Welt, seinen Freunden und mir, abkapselte und die Schuld daran seiner Freundin gab. Natürlich war dieser Freund alles andere als imaginär, obwohl alles anonym und wenig konkret erzählt wurde und selbstverständlich hoffte ich, ihn durch diese Geschichte etwas aufrütteln zu können. Gespräche, Zureden und Abwarten hatten zu diesem Zeitpunkt seit Jahren nicht gefruchtet. Bezeichnenderweise rüttelte ich allerdings nicht ihn, sondern sie auf. Seine Freundin las offenbar öfter in meinem Blog mit als er und erkannte sich in der Geschichte sofort wieder. Woraufhin sie zum Telefon griff und anrief.

    Was folgte, war ein einstündiges Gespräch, das mir eine neue Sicht der Dinge bescherte. Denn wie so oft in Beziehungsdingen hat jede Medaille zwei Seiten, es gibt immer zwei Meinung und nur selten ist einer alleine Schuld am Chaos. Es würde hier zu weit gehen, Details zu nennen und dürfte für alle, die die Betroffenen nicht kennen, höchst uninteressant sein, wo es in der Beziehung der beiden hakte. Aber noch mehr als zuvor wurde deutlich, dass es so nicht funktionieren könnte.

    Interessanterweise klingelte mein Telefon gleich nach dem Anruf der Freundin erneut. Diesmal war er am Apparat, hatte sich von ihr erzählen lassen, was ich im Internet verbreitete und verlangte ein Anpassung nach seinen Vorstellungen. Ich solle das doch so und jenes vielleicht so und dieses hier komplett anders schreiben. Ich weigerte mich. Schließlich hatte ich meine Worte mit Bedacht gewählt. Schließlich wollte ich mit dem Artikel erreichen, dass die beiden aufwachen und es vielleicht endlich schaffen, sich aus dem selbst gebauten Gefängnis, in dem sie seit vielen Jahren lebten, zu befreien. Ich wollte meinen Freund zurück, ja.

    Im Laufe der nächsten drei Tage telefonierte ich sehr oft mit beiden. Jedes mal, wenn einer der zwei mir seine Sicht der Dinge erklärt hatte, verständigte er den anderen darüber, woraufhin dieser dann bei mir eine Gegendarstellung hinterließ. Meine Vorschläge, sich vielleicht einmal zu treffen und das alles nicht kompliziert über das Telefon zu besprechen, fruchteten nicht.

    Dann wurde es mir zuviel. Ich sah meinen Fehler ein. In so mancher Hinsicht. Natürlich konnte ich keine Beziehungen reparieren, schon gar nicht mit einem Blogeintrag. Natürlich durfte ich mich nicht einmischen. Natürlich konnte ich beiden nicht helfen. Und, was noch viel schlimmer für mich war, durch die Möglichkeit, auch einmal die Gegenseite zu hören, musste ich feststellen, wie armselig unsere Freundschaft war. Wie ich über die Jahre hinweg getäuscht und vertröstet worden war. Wie mir einer meiner besten Freunde wieder und wieder Lügengeschichten über die Ach-so-Böse Freundin erzählte, die ihm das Leben schwer machte, ihm die Luft zum atmen nahm und ihn einsperrte.

    Die zwei sperrten sich gegenseitig ein und sie konnten oder wollten nichts daran ändern.  Und gaben mir die Schuld, dass ich es zur Sprache gebracht hatte.

    Die Diskussionen war ich leid. Das ewige Sich-im-Kreis-drehen und immer wieder die gleichen Argumente und Erklärungen abzugeben und zu hören, musste ein Ende finden. Ich nahm den Artikel aus meinem Blog um endlich Frieden zu schaffen, beschwor beide ein letztes Mal, sich zu besinnen und eine Lösung zu finden, die beide glücklich macht. Und beide versprachen es.

    Ich zog nach Duisburg, weg aus der Heimat, weg aus ihrem Blickfeld und wie zuvor hörte ich nichts mehr von meinem ehemals besten Freund. Er antwortete nicht auf Anrufe oder SMS oder Mails und ich gab es irgendwann (wieder) auf. Ob sie noch zusammen waren? Keine Ahnung. Aber ich hoffte nicht.

    Und dann war ich ein Wochenende lang wieder im guten alten Freiburg, besuchte am Samstag das BarCamp in Offenburg und schlenderte am sonnigen Sonntag gemütlich mit der damalige Freundinn durch meine Lieblingsstadt. Und man ahnt es bereits, wer mir dort über den Weg lief. Der Freund. Und an seiner Hand, sie. Die Szene hätte kaum peinlicher sein können, man spürte ihr Unbehagen, man sah ihnen die Verlegenheit an, zusammen erwischt worden zu sein. Das folgende Gespräch hätte kaum oberflächlicher sein können. Er fragte, wie es mir in Duisburg ging. Ich stellte die Gegenfrage, wie es den beiden ging. Woraufhin sie als einzige Antwort nur diesen Satz sagte: "Da musst du ihn fragen." Wie immer bei solchen Begegnungen verspricht man sich, mal wieder anzurufen, sich wieder zu melden. Doch als ich mit der damalige Freundinn eine Minute später weiter schlenderte, wusste ich, dass diese Freundschaft schon lange tot war. Und es wahrscheinlich für immer bleiben würde. Manchmal braucht es nur ein so kurzes Treffen, um einem klar zu machen, wie sehr man sich mittlerweile entfremdet hat und wie sehr man es leid ist, weiter mit Lügen und falschen Versprechungen belästigt zu werden.

    Und, ihr zwei, falls ihr das lest, dürft ihr gerne einen Kommentar hinterlassen und eine Gegendarstellung schreiben. Aber dieser Artikel wird weder verändert noch gelöscht. Ich wünsche euch beiden das Allerbeste für die Zukunft. Hoffentlich habt ihr es im Griff.

  • Drei Geschichten der Begegnung: Zwei

    Auf dem BarCamp in Offenburg hätte man unzählige Kontakte knüpfen können. Wäre genug Zeit dazu gewesen. Ich schätze mal, die Mehrzahl der Anwesenden kannte sich bereits vorher. Daher kam es wieder zur üblichen Grüppchenbildung, in die nur schwer einzubrechen war. So lernte ich persönlich nicht allzu viele Menschen kennen. Mit Oliver Gassner tauschte ich mich nur in einer Session mit wenigen Worten aus, ich traf Christoph von fudder und konnte einem der Veranstalter, Sebastian Grünwaldt, schnell Hallo sagen. Und einen Menschen traf ich dort, der mir bereits durch die Kommentare in meinem und die Texte in seinem Blog bekannt war. Flominator nennt sich der junge Mann, heißt eigentlich Florian Straub und kommt aus dem lauschigen Hinterzarten.

    Während des BarCamps liefen wir uns mehr als einmal über den Weg und konnten uns austauschen. Leider verpasste ich seine Session, was ich beim nächsten Mal sicherlich nachholen werde. Den ganzen Tag über hatten wir beide nicht den geringsten Verdacht, dass wir uns vielleicht schon seit längerem kennen könnten. Erst am Abend, zuhause wieder am Rechner sitzend (Nerds) und im ICQ chattend, fiel ihm mein Nickname auf. Webster. So fragte er, ob ich denn früher eine andere Homepage gehabt hätte. Ja, ebrake.de hieß sie, wo ich meine Gedichte, Kurzgeschichten, Fotografien und meine Romane vorgestellt hatte. Ob ich vor vielen Jahren einmal in Kirchzarten bei einem Käsefondue Essen gewesen sei, fragte er anschließend. Gut, ich merke mir nicht jedes Käsegericht meines Lebens. Außerdem mag ich Käsefondue ja absolut nicht, allerdings kannte ich vor langer Zeit jemanden in Kirchzarten. Ich nannte einen Namen. Und da fiel es ihm wie Schuppen aus den Haaren (Uralter Witz von Otto), er kramte in alten E-Mails und schickte mir eine Nachricht, die er vor fast acht Jahren von mir bekommen hatte.

    Wir hatten uns auf einer Party kennen gelernt, die von den Freunden der Freundin eines guten Freundes veranstaltet worden war. Im mondänen Haus der verreisten Eltern. Bei Käsefondue. (Die Freunde der Freundin des Freundes, ein hübsches Pärchen, wurden übrigens ein paar Tage nach dieser Party von mir für das Cover meines ersten Romans "Ist ja hinReisend" fotografiert). Schlagartig war die gesamte Erinnerung wieder da. Ich könnte noch heute die Küche in allen Einzelheiten beschreiben. Dass ich mich allerdings mit Flominator (er nannte sich schon damals so) an diesem Abend unterhalten und schließlich E-Mail Adressen ausgetauscht hatte, war mir völlig entfallen.

    Und hier prangte plötzlich eine Mail vom 19.Oktober 2000 auf meinem Schirm, die ich ihm damals geschickt hatte. Mit einem Hilferuf verzweifelter Eltern, die ihre Tochter Alexandra vermissten. (Unglaublich, dass ich so etwas weiter schickte. Ist Alexandra eigentlich gefunden worden? Oder war das reiner Spam?) Den Flominator, den ich auf dem BarCamp 2008 in Offenburg kennen gelernt hatte, kannte ich schon vor fast acht Jahren.

    Doch es kommt noch verrückter. In der Liste der Empfänger meiner Mail entdeckte ich so manchen Kontakt, zu dem ich heute überhaupt keinen, nunja, Kontakt mehr habe. Trauriger/glücklicherweise. Viele der Kontakte sind ehemalige Freunde, Menschen, die man irgendwann aus den Augen verloren hat und… Kontakte, die ich durch meine damalige Schriftstellerei gesammelt hatte. Darunter auch ein gewisser Oliver Gassner. Ich stutzte und recherchierte. Tatsächlich. Mit dem Oliver Gassner, den ich beim BarCamp in Offenburg zum ersten Mal sah, hatte ich ebenfalls vor gut acht Jahren regen Mailverkehr (wie das klingt). Damals in seiner Funktion als Chef des Litareraturportals Carpe.com (das auch heute noch existiert).

    Ist die (Online-) Welt nicht ein Dorf?

  • Drei Geschichten der Begegnung: Eins

    Der Vortrag beim BarCamp ist spannend und gut besucht. Ich sitze irgendwo am Rand und lausche dem Sprecher, mein Macbook wärmt meine Schenkel. Ich tippe eine kurze Nachricht in die Twitterwelt und konzentriere mich wieder auf den Vortrag. Jugend im Netz. Ich glaube, ich bin zu alt. Nur wenige Sekunden später blinkt es auf meinem Bildschirm. Wer nicht? Und ich merke übrigens gerade, dass ein Follower von mir direkt vor mir sitzt. Ich lese es und denke mir nichts dabei. Wen meinst du? Mich? frage ich in die Twitterwelt hinaus. Ja. Nun bin ich verblüfft und registriere erst richtig, was da steht. Langsam drehe ich mich um und entdecke auf dem Stuhl hinter mir eine junge Frau, die lächelt und leise "Hallo." sagt. Es ist die Vizekönigin, die auf meinen Bildschirm gespickt und dabei entdeckt hat, dass ich ihr Gezwitscher verfolge. Nur eine Armlänge von mir entfernt. Sie hätte mir auch einfach an die Schulter tippen können. Bedenkt man nun, dass ihre Nachricht über das Burda-WLAN, durch das Internet, zu den Twitter Servern, die vermutlich auf einem anderen Kontinent stehen, wieder zurück über Datenleitungen und Unterseekabeln in das Burda WLAN geschickt wurde, um daraufhin auf dem Rechner zu erscheinen, der sich direkt vor ihr befindet, so wirft das doch die leise Frage auf, wie und ob uns das Internet, das Chatten, das Bloggen, das Twittern, das Social Networken tatsächlich näher bringt. Die Welt ist gleichzeitig so unendlich groß und so nah geworden.

  • BarCamp Offenburg 2008

    Ihr kennt die Theorie des Marmeladenbrotes, das beim Herunterfallen von einem Tisch immer auf der Marmeladenseite landet. Ähnliches überlegte ich mir am Samstag beim BarCamp 2008 in Offenburg. Sven und ich waren schon recht früh bei phantastischem Wetter dort und bekamen am Eingang sogleich unsere Badges mit den Namen und den WLAN Zugangs-Codes überreicht. Und eben diese Badges, so stellte ich im Laufe des Tages fest, hingen meistens so an den Hälsen der Teilnehmer, das sie nur die blanke Rückseite zeigten. Als sei es ein Naturgesetz, das Marmeladenbrote mit der beschmierten Seite auf dem Boden landen und Namensschilder grundsätzlich umgedreht sind.

    Doch diese Erkenntnis sollte mit Sicherheit die unwichtigste des ganzen Tages sein. Es war mein erster Besuch bei einem Barcamp (eine Erklärung). Entsprechend gespannt schritt ich durch die modernen und hellen Hallen des Burda Verlages, einem der Hauptveranstalter. Genauer gesagt fand das Barcamp in einigen Konferenzräumen, der Kantine und auf dem Sonnendeck von Burda Media statt, die in eben diesem großartigen Gebäude residieren. Die Kantine war, wie zuhause die Küche, der allgemeine Treffpunkt. Hier wurde auch ein reichhaltiges Frühstücksbüffet bereit gestellt, sowie ein leckeres Mittagessen serviert.

    Auch die Vorstellung aller Teilnehmer fand hier statt. Das Mikrofon wurde durch die Reihen weitergegeben, ein jeder erhob sich, um sich vorzustellen und mit drei Tags zu beschreiben. Dann ging der Aufruf an die Veranstalter der Sessions. Sessions sind Vorträge oder Diskussionsrunden, die sich einem bestimmten Thema widmen. Das Angebot war mannigfaltig und der Stundenplan der Veranstaltungen füllte sich rasch. Es liegt in der Natur der Sache, dass man früher oder später gezwungen war, sich entscheiden zu müssen, welcher Session man beiwohnen wollte. So verpasste ich mindestens drei Runden mit ähnlich spannenden Themen.

    Meine erste besuchte Session war die BarCamp-Newbie-Runde. Denn schon bei der Vorstellung war schnell deutlich geworden, wieviele Neu-Camper anwesend waren. Zum Glück, ich musste also nicht allein dort sitzen und erfuhr so manches über die Geschichte, die Durchführung und Zielsetzung von BarCamps. Besonders Wert gelegt wird dabei auf den Austausch, das Einbringen und das Kennenlernen, was mir sehr gut gefällt. Eine eigene Session hielt ich dennoch nicht. Dazu später noch ein Wort mehr.

    Kaum war diese Session zu Ende, ging es wieder in den nächsten Konferenzraum, stets beobachtet von Security Personal, welches aufpassen sollte, dass keiner der Teilnehmer aus Versehen verbotene Büros betrat. Ich hatte mich für die Runde "Erfolgsrezepte von Webprojekten " entschieden. Was genau macht Flickr, MySpace, Twitter, Facebook, ebay und all die anderen bekannten Seiten im Netz denn überhaupt so erfolgreich? Wo liegt das Geheimnis, worauf gilt es zu achten und weshalb haben Mitbewerber trotz perfekten Ausgangssituation mitunter Pech und scheitern?

    Beim Mittagessen traf ich Christoph von fudder, dem Freiburger Online Portal, für das ich auch vor langer Zeit ein paar Artikel verfasst hatte. Es kam zu einem interessanten und lockeren Plausch über das Web, über fudder, das Ruhrgebiet, die Schriftstellerei und den Unterschied zwischen Journalisten und Bloggern. Und, wie ich heute festgestellt habe, muss man immer aufpassen, was man sagt, wenn man mit Journalisten spricht. (Christoph, ich war nicht beim Barcamp, um Frauen kennen zu lernen ;-) )

    Wohl gesättigt saß ich kurz darauf in der Session von Sven, der ein neues Blogsystem namens Blogforge vorstellte, das seine Firma Esono entwickelt hatte. Blogforge ist im runde der kleine, kostenlose Ableger ihres Chamäleon CMS System und sieht bereits jetzt so vielversprechend aus, das ein Wechsel von Serendipity zu Blogforge sehr wahrscheinlich wird. Zumindest im geschlossenen Beta Test werde ich mir die Blog-Schmiede genauer anschauen. Angeschaut haben sich diese Session übrigens auch die beiden A-Blogger Yoda und Oliver Gassner.

    Wieder im großen Saal im oberen Stockwerk lauschte ich Zeniscalm, ihres Zeichens Headhunterin, die einen kurzen Einblick in ihren Arbeitsalltag gewährte. Und der scheint recht spannend zu sein. Eine der ersten Fragen aus dem Publikum lautete, ob sie denn nachts überhaupt noch schlafen könne. Denn in Ausübung ihres Jobs bewegt sie sich zwar immer in den Grenzen der Legalität (wenn auch manchmal scharf am Rande), aber für manche doch weit jenseits von Moral und Ethik. Ihr Statement, dass ohnehin nur die Menschen abgeworben werden könnten, die nicht 100% zufrieden in ihrer Firma seien und es in diesem Fall sogar für alle Beteiligten besser sei, wenn sie wechselten, rief erneute Fragen auf.

    Die nächste Session "Jugend im Netz" wurde sehr schnell zu "Frauen im Netz" und "Wie mache ich ein erfolgreiches Projekt im Netz", was nicht zuletzt durch Oliver Gassners Tipps sehr kurzweilig und interessant wurde. Besonders seine Bitte, dies nicht mitzubloggen und den Live Stream zu deaktivieren, machte es schon spannend.

    Was mir an diesem ganzen Tag wirklich auffiel, war die Tatsache, dass ich nicht halb so nerdig bin, wie ich immer dachte. Außerdem scheine ich das Web2.0 nicht zu leben, wie manch anderer. Auch ich twitterte hin und wieder und schoss ein paar Fotos. Aber ich betrieb kein Liveblogging, stellte die Fotos nicht sofort bei Flickr bereit, nahm nicht intensiv an den Twitterdiskussionen teil und verfolgte auch nicht den Livestream in den Pausen.

    Deshalb kam mir auch nicht in den Sinn, eine Session zu halten. Denn erstens wollte ich mir erst einmal nur ansehen, wie so etwas abläuft. Und dann wurde mir schnell bewusst, dass ich als Internet-Normal-User den anwesenden Powerwebern überhaupt nichts mitteilen könnte, was sie nicht ohnehin schon wüssten. Teilweise fühlte ich mich wie ein kompletter Neuling. Ein Kind, das mit großen Augen und Ohren staunte ob dieser großen, spannenden Netzwelt, die so viel weiter ging, als bisher geahnt.

    Ich lernte einige sehr nette Menschen kennen, erhielt neue Twitter-Verfolger und ging mit einem Packen T-Shirts, neuen und interessanten Eindrücken und dem Wunsch bald wieder ein BarCamp zu besuchen nach Hause. Mein Lob geht hiermit an die Veranstalter.

    Und sonst? Stellte ich fest, dass die hauptsächlichen Computer doch tatsächlich Macbooks waren. Und diese in den meisten Fällen, in Crumpler Taschen steckten. Dass jeder, der fotografierte, dies entweder mit dem Handy tat oder gleich eine Spiegelreflexkamera zückte. Dass die heutigen Nerds nicht mehr anhand der Kleidung oder des Aussehens als solche zu erkennen sind. Dass ich nur zwei iPhones sichtete. Dass ich doch noch C-Bloggerisch genug bin, um ehrfürchtig herüber zu schauen, wenn ein A-Blogger den Raum betritt. Dass ich mich darauf freue, beim nächsten Mal mehr Bekanntschaften zu machen.

    Weitere Berichte über das BarCamp Offenburg findet man hier. Es wäre müssig, hier nochmals alle Links zu veröffentlichen. Bei Flickr finden sich Fotos zur Veranstaltung, eine wenige werden noch von mir dazu kommen.

  • Ich bin nicht von hier

    In Freiburg, meiner Heimatstadt, angekommen, war mein erstes Ziel ein Computerladen in der Nähe des Martintors, das auch Crumpler Taschen führte. Ich betrat das Geschäft und steuerte sofort auf das Taschenregal zu. Ein junger Verkäufer gesellte sich zu mir und fragte, ob er mir helfen könne. Ich suchte eine ganz bestimmte Tasche und fragte, ob sie denn überhaupt vorrätig sei. Ein Blick in den Computer verriet dem Verkäufer, dass dem nicht so war. Er fragte, ob er sie bestellen solle. "Nein danke", erwiderte ich, "das bringt leider nichts." Der Verkäufer meinte daraufhin, dass die Tasche schon in drei Tagen da sein könnte. Da erklärte ich ihm: "Nein, wie gesagt, das nützt leider nichts. Ich bin nicht von hier." Und noch während ich den Satz aussprach, spürte ich ein beklemmendes Gefühl in meinem Herzen. Was hatte ich eben gesagt? Ich bin nicht von hier? Aber das war doch gar nicht wahr. Natürlich bin ich von hier. Ich bin nur grade nicht da.

    Es sind so kleine Momente, die einem verdeutlichen, wo das Herz zuhause ist. Auch wenn man gerade woanders wohnt.

  • Pizzaboten in Venedig

    Vorhin, als ich nägelkauend am Fenster stehend auf das Auto des Pizzaboten wartete, fragte ich mich folgendes: Kommen die Pizzaboten in Venedig mit Pizzabooten?

  • Es kracht mal wieder in Duisburg

    Feierabend, ab in die Tiefgarage. Mit dem Auto hinaus auf die Straße, links abbiegen. An der Baustelle für das Eurogate (wo die zukünftigen neuen Büroräume entstehen) am Innenhafen langsam fahren. Wie all die anderen auf den riesigen Baukran starren, der da im Becken schwimmt und sich vornehmen, demnächst mal mit einer Kamera vorbei zu kommen. Aber erstmal nach Hause. Und dann liest man plötzlich, dass nur wenige Minuten nach den eben beschriebenen Ereignissen der Kran auf die Brücke kippte und explodierte. So. Da ist man erstmal baff. Paff. Und nun hält sich das Gefühl des Glücks, dass niemanden etwas passiert ist (auch einem selbst nicht) und dem Ärger, dass man keine Spätschicht hatte und es live vom Balkon aus hätte beobachten können, die Waage. Ich werde morgen viele Geschichten aus dem Office hören. Derweil hat es hier noch ein paar Bilder.