Der Zeitschriftenmarkt wandelt sich. Und das nicht erst seit gestern. Noch vor wenigen Tagen kündigte Bertelsmann an, beim Verlag Gruner und Jahr nicht nur hunderte von Jobs einsparen zu wollen, sondern auch insgesamt 23 Print-Titel einzustellen. In der Generation TikTok ist es offenbar noch schwerer, Leser für gedruckte Artikel zu finden, als es bislang der Fall war. Alles verlagert sich in den Online-Bereich. Oder Publikationen werden komplett und alternativlos aus dem Markt entfernt, was teilweise wirklich bitter sein kann. So geschehen bei einer der besten (wenn nicht gar der besten) Spielemagazine auf dem deutschen Markt, der GEE.
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Künstliche Aufregung um eine Umweltsau
Wovor man vielleicht Angst haben sollte: Künstliche Intelligenz. Romane und Spielfilme wie Terminator haben uns gelehrt, dass eine KI früher oder später ein Bewusstsein entwickeln wird, erkennt, dass der Mensch der größte Feind der Menschheit ist und Schritte einleitet, diese Plage auszulöschen.
Wovor man mehr Angst haben sollte: Künstliche Aufregung. Soziale und andere Medien haben uns gelehrt, dass jede(r) Meinung, Ansicht, Gedanke, Tat, Untat, Aussage derart emotional bewertet wird, dass zielführende Gespräche nicht mehr möglich sind. Letztes Beispiel (mittlerweile vielleicht auch nicht mehr) ist eine harmlose Umdichtung eines harmlosen Lieds, interpretiert von einem Kinderchor, initiiert vom WDR. Ein Text, der eine Oma als Umweltsau bezeichnet und damit kaum bösartiger oder ernster gemeint ist, als unsere damals neu getexteten Songs auf dem Schulhof oder auf der Otto-Schallplatte. Es reichte dennoch zu einer künstlichen Aufregung, Aufmärschen von Wutbürgern und recht(s) radikalen Arschgeigen vor dem WDR-Gebäude und höchst peinlichen Entschuldigungs-, Beschuldigungs-, Erklärungsversuchen aller WDR-Mitarbeiter (außer den Freien natürlich). Wie man mit einer solchen Situation besser umgehen sollte, hat der bekannte Rezo in seiner Zeit-Kolumne sehr treffend beschrieben.
Wovor man am meisten Angst haben sollte: Reale Dummheit. Die Realität hat uns in den letzten Jahren gelehrt, dass die reale Dummheit die größte Gefahr der Menschheit darstellt, denn einige wenige Clevere nutzen sie, um ihre eigenen, egoistischen Ziele mit dummer Masse zu erreichen. Und so nebenbei den Frieden, die Umwelt und – auf lange Sicht – die Menschheit zu vernichten. Vermutlich noch schneller, als es künstliche Intelligenz schaffen würde. Diese entwickelt immerhin noch ein Bewusstsein.
Wir und das Känguru

Das Känguru ist nicht unser Mitbewohner, sondern fand beim Kleinkünstler Marc-Uwe Kling Zuflucht. Dennoch lässt es uns nachts nicht schlafen. Vermutlich weil wir die Hörbücher mit den Abenteuern der beiden allabendlichen nach dem Zu Bett gehen hören. Ständige Schüttelattacken durch unbändiges Gelächter ist nicht förderlich für gesunden Schlaf. Dies nur als Warnung. Dennoch können wir die mittlerweile drei Hörbücher „Die Känguru-Chroniken“, „Das Känguru-Manifest“ und ganz neu „Die Känguru-Offenbarung“ uneingeschränkt jedem Tierfreund, Kommunisten, Schnapspralinen-Liebhaber, Pinguin-Hasser oder Boxer uneingeschränkt empfehlen.
Vermutlich sind auch die Bücher toll. Die kongeniale Art, wie der Kleinkünstler seine Bücher vertont hat, ist aber mit Sicherheit unerreicht. Die sanfte, ruhige Stimme des Erzählers im Kontrast zum nölenden Tonus des Kängurus machen das Zuhören zu einem einzigen Vergnügen. Leider kann der ebenfalls von Herrn Kling gesprochene und kostenlose Podcast mit dem geballten Witz der Bücher nicht ganz mithalten.
Gebt dem Känguru eine Chance. Aber besser nicht zum Einschlafen. Das sollte auf die Not-To-Do-Liste.
Nächstes Kapitel
Hat eigentlich jemals ein Mensch in der Geschichte der DVD/BluRay das Kapitel-„Feature“ benutzt? Ein ganzes Billy-Regal voller gekaufter Filme zeugt von einem mir bislang völlig ungenutzten, weil nutzlosen Angebot – der Kapitelübersicht. Wann bitte hätte ich auf die Idee kommen sollen, diese aufzurufen? Um mir vor dem Filmgenuss einen Überblick über den Film zu verschaffen? Um heraus zu finden, an welchen Stellen irgendein Praktikant des Filmverleihs wahllos eine Kapitelsprungmarke gesetzt hat? Oder tatsächlich um am Ende direkt zu einem bestimmten Kapitel zu springen? Warum sollte ich das tun?
Wie oft geht man ins Kino, bestellt eine Karte und sagt: „Können Sie bitte direkt zu Kapitel 4 vorspulen? Die Vorgeschichte interessiert mich nicht.“ Oder: „Muss ich denn den ganzen Film bezahlen, wenn ich nur den Endkampf sehen will? Bitte starten Sie Kapitel 19 und ich zahle dafür 1,50€.“
Wie viele Romane werden mit einer Inhaltsangabe gedruckt, mit einer Übersicht aller enthaltenen Kapitel? Wie oft würde jemand gezielt zu einem bestimmten Kapitel springen und die vorherigen auslassen?
Ach so, wenn man den Film bereits gesehen hat ist das etwas anderes? Dann gibt es keinen Grund mehr, ihn komplett anzusehen, sondern wählt nur noch die besten Kapitel aus dem Menü? „Ich fand den Film insgesamt toll. Aber ich muss ihn nicht noch einmal 2 Stunden anschauen. Die besten 10 Minuten genügen mir. Zum Glück habe ich ihn dafür gekauft.“ Aber klar.
Wäre es nicht toll, wenn man auch in anderen Bereichen einfach bestimmte Kapitel auslassen könnte?
- „Vorspiel? Langweilig. Ich springe direkt zu dem Kapitel, wo es zur Sache geht.“
- „Aufwärmen? Das ist mir zu öde. Wo ist denn das Kapitel, in dem der Sport tatsächlich beginnt?“
- „Pubertät? Ganz schreckliches Kapitel. Besser, ich überspringe das.“
- „Ich kenne den Salat schon in- und auswendig. Lass uns direkt zum Hauptgang-Kapitel wechseln.“
- „Das ist ja wohl ein selten dämlicher Blog-Artikel. Schnell zum nächsten…“
Goodbye Gee
Die Gee war und ist kein Spieleheft. Vielmehr brachte der Hamburger Verlag ein Magazin heraus, das sich mit dem Lifestyle, den Hintergründen und dem Gefühl widmete, mit Spielen aufgewachsen zu sein. In der Gee traten die Spieletests in den Hintergrund und Wertungsnoten wurden verbannt. Dafür punktete das Magazin mit der Auseinandersetzung von Spielen als Kulturgut, stellte sie immer wieder als gleichberechtigte Kunstform dar, setzte sich mit der Politik auseinander und beleuchtete den Markt, die Entwicklung und Bedeutung von Spielen in der Gesellschaft. Wenn man die Gee las, bekam man das Gefühl, kein verspieltes Kind zu sein, sondern sich einer Leidenschaft hinzugeben, die der des Bücher- und Filmfreundes gleichkommt. Die Gee blickte dabei stets nach vorne und hielt dennoch die Fahne der „guten alten“ Zeiten hoch. Frühe Konsolen, C64 und Amiga, die Anfänge der Spieleindustrie, ihre Zukunft. All das wurde mit lockerer Schreibe thematisiert und niemals mit erhobenem Zeigefinger vermittelt. Der Leser merkte dem Magazin an, dass hier Erwachsene über ein Medium schreiben, mit dem sie aufgewachsen waren. Und entsprechend richtete sich der Stil, die Aufmachung, das vermittelte Gefühl nicht an daddelnde Farmville-Kids, sondern an Erwachsene, die sich noch daran erinnern können, zum ersten Mal eine Mark ausgegeben zu haben, um an einem Automaten Pacman zu spielen.
Nun ist es ja leider so, dass jedes neue Medium, jede neue Vertriebsform den Ruf hat, die althergebrachten System zu verdrängen, ja zu töten. Jahrzehnte fürchtete man sich vor dem Tod des Theaters, der Bücher, des Kinos oder der Schallplatte. Doch kein Fernsehen, keine Multimediamaschinen, keine hochauflösenden BluRays waren bislang in der Lage auch nur eines davon zu vernichten. Vielmehr wurde das Spektrum erweitert und die wahren Liebhaber finden zu ihren Wurzeln zurück, hören lieber analoge Musik, schmökern in einem Buch, gehen mit Freunden ins Kino. Die derzeitige zum Tode verurteilte Sau, die durch das Dorf getrieben wird ist Print. Print ist tot liest man allerorten. Digitales ist die Zukunft. Bücher werden zu ebooks, Magazine zu pdfs oder Apps.
Und so hat die Gee nun ebenfalls beschlossen, Print für tot zu erklären. Ausgerechnet das Magazin, das in meinen Augen eine der letzten Bastionen für ein „Gefühl“ war, wendet sich davon ab. Ausgerechnet die Gee, die erst vor kurzem noch ihr Layout aufgefrischt hat. Die ihren Slogan treffend in „Spiele, Kultur, Rausch“ änderte. Ausgerechnet das Magazin, das mir noch als letztes das Gefühl gab, echtes Papier in den Händen zu halten, gut geschriebene Texte zu lesen, überall und jederzeit blättern zu können – kurz, mich zwar erwachsen aber dennoch wohlig „altertümlich“ zu fühlen – ausgerechnet dieses Magazin wird es als Print-Version nicht mehr geben.
Zukünftige Ausgaben erscheinen nur noch als digitale Apps auf dem iPad und Android-Tablets. Und ich, als langjähriger Abonnent, der immer Schwierigkeiten hatte, das Heft aufzutreiben (hier und hier) erfahre es quasi als letzter. Die letzte Print-Ausgabe hat mich nicht einmal mehr erreicht. Und nun? Fühle ich mich betrogen. Hintergangen. Verletzt. Vergleichbar mit dem Gefühl, wenn deine Freundin sich schick macht und du dich darüber freust, nur um dann aus heiterem Himmel den Satz zu hören: „Schatz, ich ziehe übrigens weg, in ein anderes Land. Tut mir Leid, wir wussten doch beide, dass es so kommen würde.“ Und du bleibst zurück, mit nichts als Erinnerungen.
Und dabei bin ich keineswegs ein Technik-Verweigerer. Ganz im Gegenteil. Ich hatte vermutlich schon jedes Gadget in meinem Haushalt und werde auch nie aufhören, mir immer wieder die neuesten Errungenschaften zu kaufen. Auch das iPad steht ganz oben auf meiner Wunschliste. Ich sehe nur derzeit für mich persönlich keinen Mehrwert darin, da es zwischen meinem iPhone und meinem Macbook keinen wirklichen Platz gibt. Aber darum geht es auch nicht. Neue Techniken sollen hier nicht verteufelt werden. Und ich möchte auch den Fortschritt nicht aufhalten. Aber ist es ein Fortschritt, Print sterben zu lassen? Jenseits aller Diskussionen über Kosten/Nutzen, über Ökologie, Verkaufszahlen, Auflagen, Werbekosten – wollen wir WIRKLICH, das Print stirbt? Wollten wir je, das Theater, Schallplatten, Kino, Bücher sterben? Haben wir lieber ein Tablet in der Hand als ein gedrucktes Heft? Und ja, auch ich weiß, dass Print nicht stirbt, nur weil ein Magazin sich vom Papier abwendet. Und dann noch eins. Und dann noch eins. Und dann…
Ich wuchs mit Büchern auf. Mit Heften, mit Magazinen, mit altmodischen Fernsehserien, mit spartanischen Spielekonsolen, die nur 16 Farben und Pieps-Sound darstellen konnten und mich dennoch in eine faszinierende fremde Welt entführten. Ich wuchs in einer Zeit auf, in der sich die Medien Jahr um Jahr wandelten und es auch weiter tun werden. Regelmäßig meine Gee als gedruckte Ausgabe zu erhalten, gab mir aber immer aufs Neue das Gefühl, das sich nicht ALLES ändert. Dass es andere wie mich gibt, die sich dem Rausch und dem Gefühl neuer Medien hingeben können, ohne dabei die Wurzeln zu vergessen und sich hin und wieder etwas melancholisch an die guten alten Zeiten zu erinnern. Die Gee gab mir stets das Gefühl, kein Kind mehr zu sein. Jetzt gibt sie mir das Gefühl, wie ein reaktionärer alter Sack zu klingen. Danke Gee.
web@classic – ein Abend in der Duisburger Philharmonie
Frank Tentler und sein Web-Team der Duisburger Philharmonie (unter anderem Christian Spließ und Christoph Müller-Girod) machen bei dacapo-dp.de alles richtig. Sie haben erkannt, dass das Web nicht nur dazu dient, um E-Mails zu verschicken oder abfotografierte Plakate nochmals zu veröffentlichen. Sie wissen, wie man das Netz richtig nutzt. Sie bloggen, twittern, streamen, fotografieren und filmen. Aber das wichtigste überhaupt, sie machen Konversation. Sie tauschen sich aus, treten in den Dialog und zeigen dadurch eine für das Medium Internet zwar nicht neue, aber für ihr Thema umso überraschender Frische. Man nenne mir ein anderes philharmonisches Ensemble in Deutschland, das ebenso präsent im Netz ist und die „Kunden“, die Gäste, die Besucher, die Hörer sucht. Bei der Philharmonie Duisburg wird das Medium klassische Musik zu einem Gesamtereignis, tritt heraus aus dem muffigen Schatten der Hochkultur, lässt sie frisch und jung erscheinen und erschließt damit eine komplett neue Hörerschaft. Klassik wird mit einem Male auch für junge Menschen salonfähig. Und hautnah erlebbar.
Die Aktion „web@classic“ ist nur ein Beispiel, das zeigt, mit wie vielen wunderbaren Ideen die Duisburger Philharmonie sich in das kulturelle Leben Duisburgs mischt. Bei web@classic bekamen interessierte Blogger und Twitterer die Chance, kostenlos und live einem Konzert beizuwohnen. Zwar muss ich zu meiner Schande gestehen, nur durch bloßen Zufall davon erfahren zu haben, aber irgendwo muss die Geschichte ja beginnen. Und ich war sofort Feuer und Flamme. Über den E-Mail Link im Artikel des Upload-Magazins reservierte ich mir drei Karten. Ich twitterte darüber und schrieb einen Blogeintrag und mit einem Male ging alles sehr schnell. Frank Tentler antwortete auf meine Tweets, kommentierte meinen Artikel und bewies damit genau meine Eindrücke, die ich eben beschrieb. Der Dialog wird gesucht. Und er wurde gefunden.
Am Abend des 25.April schritt ich durch die Mercatorhalle, einem der modernsten Konzerthäuser Deutschlands. Schnell entdeckten wir das sogenannte Web-Team-HQ, in dem Frank und seine Mannen bereits auf den Ansturm warteten. Der nicht lange auf sich warten ließ. Immer mehr Blogger und Twitterer strömten herbei und bewiesen eindrücklich den Erfolg der Aktion. Interviews wurden geführt, Fotos geschossen, Gespräche und Geplauder begannen und an allen Ecken und Enden hörte man freudige Hallos, wenn die virtuellen Menschen sich zum ersten Mal in Fleisch und Blut sahen.
Unterstützt wird das ganze Netz-Projekt vom Intendanten Dr. Alfred Wendel, der, wie mir Frank später erzählte, völlig fasziniert von dieser fremden Welt sei, die sich mit einem Male für seine Welt interessierte. Auch für ihn scheint es also grade dieser Reiz zu sein, das alte Medium Klassik zu entstauben und mit dem neuen Medium Internet zu vereinen. Ich muss gestehen, etwas überrumpelt gewesen zu sein, als mir Herr Wendel die Hand zur Begrüßung reichte. Als ich in der Pause mit meinen Begleiterinnen bei einem Gläschen im Foyer stand, konnten wir uns allerdings ein wenig unterhalten. Man sah ihm an, wie ihn unsere Begeisterung freute.
Für mich war es das erste klassische Konzert meines Lebens. Und nicht nur die Musik begeisterte mich, sondern auch die Atmosphäre und die kleinen Rituale, die ein Konzert begleiten. Das Stimmen der Instrumente (das mich an den Startton der Playstation 3 erinnerte – ich Nerd), die Bedeutung der ersten Geige (als ihr während des Konzerts eine Saite riss, legte sie das Instrument beiseite, ließ sich von der zweiten Geige das Instrument geben, die wiederum eine Geige hinter ihr nahm und diese Musikerin zum stummen sitzen bleiben verdonnerte), das stille Warten des Orchesters auf den Dirigenten und das Erheben zur Begrüßung und dann … die Musik. Mit welcher Wucht und Leichtigkeit das Publikum in die Musik hinein getaucht wird. Mit welchem Leben klassische Musik erfüllt wird, wenn man den Dirigenten und das Orchester zusammen spielen sieht. Mit welcher Perfektion so viele Eindrücke auf einen und noch einen und noch einen Punkt gebracht werden. Ich saß einfach nur da und genoss. Stellte dabei wieder einmal fest, dass mir die Geige das liebste Instrument ist (kein anderes Instrument kann in mir eine solche Traurigkeit oder aber auch Aufregung und Spannung erzeugen). War beeindruckt, wenn das Orchester im Zusammenspiel die Wände schier zum zittern brachte oder die Stimmung so dämpfen konnte und man mit gespitzten Ohren nur darauf wartete, wie das Stück fortgesetzt wird.
Natürlich muss ich gestehen, dass ich wahrlich kein Klassik-Kenner bin. Abgesehen von den wirklich populären Stücken, die man auf den Kuschel-Klassik CDs findet, und die ich mir gerne einmal bei einem heißen Bad anhöre, kenne ich nur die orchestrale Musik von Filmen. So muss ich auch gestehen, dass mir das erste Stück von Haydn, das das WDR-Sinfonieorchester Köln unter der Leitung von Thomas Hengelbrock spielte, ausgesprochen gut gefiel, leichtfüßig und dennoch mitreißend daher kam. Und ja, ich muss gestehen, in den Pausen zwischen den einzelnen Sätzen aus Versehen mitgeklatscht zu haben, weil einige andere Neulingen das auch taten. Doch wir lernten schnell (spätestens beim missbilligenden „Nein nein nein“-Fuchteln des Taktstocks). Danach trat die überaus talentierte (und hübsche) Violinistin Alina Pogostkina auf, die ein Violinenkonzert von Prokofjew zum Besten gab. Mit Feuer, ausladender Gestik und verspielter Perfektion wusste sie zu begeistern. Doch fehlte mir hier ein Thema, ein roter Faden, an den ich mich klammern konnte. So auch beim dritten Werk nach der Pause. Bartoks „Konzert für Orchester“ bestach durch wunderbare und überraschende Arrangements, die aber scheinbar zusammenhanglos gespielt wurden. Später erfuhr ich, dass dieses Stück mit zu den schwersten für ein Orchester gehört und offenbar nicht nur mich verwirrte.
Dennoch war ich berauscht.
Entsprechend beseelt und lächelnd trafen wir uns mit dem Web-Team und einigen weiteren Bloggern/Twitterern nach dem Konzert noch auf ein Schwätzchen. Frank lud mich ein, einmal einer Probe beiwohnen zu können, bei dir ich auch die Hintergründe und die Infrastruktur eines Konzerthauses entdecken, vielleicht sogar ins Gespräch mit einigen Musikern kommen und Fotos schießen könnte. Auch erzählte er von den vielen anderen Aktionen, die die Duisburger Philharmonie bestreitet, wie beispielsweise die Kulturaffäre. Auch das werde ich mir mit Sicherheit bald möglichst ansehen und anhören.
Der ganze Abend war ein einziges spannendes Abenteuer und möchte an dieser Stelle nochmals vielen Dank sagen an Frank Tentler, das ganze Web-Team, dem Intendanten Alfred Wendel und der Duisburger Philharmonie im allgemeinen. Ich bin froh, endlich auch eine andere Seite Duisburgs kennen gelernt zu haben und kann nur appellieren, sich ein Beispiel daran zu nehmen, wie man es hier in Duisburg verstanden hat, junge Leute und Menschen aus dem Netz für Hochkultur zu begeistern. Ich freue mich auf viele Fortsetzungen und weitere spannende Ideen der Duisburger Philharmonie.
Weitere interessante Einblicke finden sich im zugehören Blogeintrag von Frank Tentler, wo auch Fotos und Videos verlinkt sind. Wie beispielsweise dieses hier:
Duisburger Philharmoniker >> web@classic from Duisburger Philharmoniker on Vimeo.web@classic – die Duisburger Philharmoniker laden ein
Die Duisburger Philharmoniker sind wohl das coolste Ensemble in Deutschland. Nicht nur, dass sie eine eigene Website haben – das hat ja jeder. Nein, hier in Duisburg wird dazu auch noch ein Blog betrieben, Videos auf Youtube veröffentlicht, eine Flickr-Galerie genutzt und, man ahnt es bereits, natürlich auch getwittert. Die Duisburger Philharmonie entdeckt nicht nur Web2.0, sie nutzt es aktiv. Für mich als Internet-Freak schon ein Grund, sie zu lieben. Zumal ich mich mit klassischer Musik durchaus anfreunden kann. Als heißblütiger Fan von orchestralem Film-Score ist der Schritt zur „klassischen“ klassischen Musik nicht mehr weit.
Nun laden die Duisburger Philharmoniker zum Konzert. Unter dem Titel „web@classic“ sind Blogger herzlich eingeladen, einem Konzert des WDR Sinfonie-Orchesters Köln beizuwohnen. Das Konzert findet am 24.April 2009 um 20:00 Uhr in der Mercatorhalle in Duisburg statt. Und es gibt tatsächlich noch Karten. Im Upload-Magazin stehen weitere Details, wie beispielsweise auch die E-Mail Adresse, unter der man sich anmelden kann. Weitere Informationen erhält man selbstverständlich auch über die oben genannten Kanäle der Philharmoniker.
Ich habe mir drei Karten reserviert und bin schon mächtig aufgeregt. Vielleicht ergibt es sich auch, örtliche Blogger und Twitterer kennen zu lernen. Zusätzlich zur Chance, auch mit dem Orchester ins Gespräch zu kommen. Ich werde natürlich von meinem Eindrücken berichten und mache mir bis morgen erst einmal Sorgen über meine Garderobe.
Offener Brief an Medien, Politik und Eltern zur „Killerspiel“-Debatte
Bevor das Thema schlagartig wieder verschwindet (you bet), darf ich nicht vergessen, auf den derzeit wohl besten Artikel zu aktuellen Debatte rund um „Killerspiele“ hinzuweisen. Deef von der Gefühlskonserve schrieb einen offenen Brief an Medien, Politik und Eltern und ich kann nur dringendst empfehlen, diesen zu lesen. Mehr ist der unsäglichen Diskussion nämlich kaum hinzuzufügen.
Update: Der Artikel ist leider nicht mehr verfügbar. Bis auf das hier.
Werde Superstar
Du möchtest ein Star sein? Berühmt und in aller Munde? Du willst, dass jedermann in Deutschland über dich spricht? RTL und Co. Reportagen über dich drehen, die Bild Zeitung, Spiegel und Stern dein Gesicht auf das Cover bringen und einen großen Leitartikel verfassen? Nur zu, du kannst es schaffen. Und es ist nicht einmal so schwer. Das deutsche Fernsehen zeigt es in den letzten Wochen beinahe pausenlos, wie leicht es sein kann, ins Rampenlicht zu kommen. Du brauchst dafür kein Talent. Du musst nicht singen können. Oder tanzen. Du musst auch nicht gut aussehen. Oder gar gehen können. Es ist egal, ob du hochgebildet oder grenzdebil bist. Um berühmt zu werden, brauchst du nur eines: du musst anders sein. Anders als all die anderen. Etwas schräg vielleicht und gut darin. Nicht zu gut, nur eben … anders. Leicht verrückt. Verschroben. Und mit dem eisernen Willen, deine Selbstachtung komplett über Bord zu werfen und alles zu tun für den Ruhm. Je schräger, desto besser. Je merkwürdiger du aussiehst, je weniger du singen kannst, je mehr Schwachsinn du von dir gibst, umso größer werden deine Chancen, vor eine Kamera gestellt zu werden. Sollte all das nicht fruchten und solltest du feststellen müssen, doch nicht verrückt genug zu sein, um berühmt zu werden, dann klinke dein Gehirn komplett aus. Wenn es zum Supertstar, zum Topmodel oder zum Dschungel-Camp Kandidaten nicht reicht, werde einfach Amokläufer und Massenmörder. Vergiss allerdings nicht, zuvor anzukündigen, wie durchgedreht du demnächst sein wirst und installiere noch schnell ein paar brutale Spiele auf deinem Computer, selbst wenn du viel lieber Volleyball spielst. Du wirst sehen, ins Fernsehen und auf die Titelseiten zu kommen war noch nie so leicht wie heute. Jeder Depp kann das. Und je bescheuerter du bist, umso einfacher wird es. Man kann gar nicht bescheuert genug sein, berühmt zu werden. Werde also jetzt ein Star und zeig es den anderen mal so richtig.
Die Gee wird noch von Hand gemacht
Ja, ich sage in der Tat die Gee. Weiblich. Vermutlich, weil es die Zeitschrift ist. Natürlich könnte es auch das Magazin (die Website spricht selbst von GeeMag) oder das Heft sein. Für mich aber ist die Gee weiblich. Warum? Weil sie wunderbar ist. Die unbestritten beste Spielezeitschrift auf dem deutschen Markt, mit den besten Artikeln, der besten Aufmachung, und überhaupt. Außerdem ist sie sehr schwer zu bekommen, was wiederum ein eindeutig weibliches Attribut ist. Ich habe bereits davon berichtet. Nämlich hier. Und hier. Ein ständiger Kampf.
Selbstverständlich sollte man sich fragen, warum man es sich selbst so schwer macht. Und so habe ich neulich den Schritt gewagt und seit Ewigkeiten zum ersten Mal wieder eine Zeitschrift abonniert. Nämlich die Gee. Und dabei aus Schusseligkeit vergessen meine Adresse anzugeben. Was der aufmerksamen Abonnement-Abteilung natürlich nicht entging. Man schrieb mir eine persönliche, nicht vorgefertigte E-Mail und bedankte sich auch nochmals per persönlicher E-Mail, als ich die fehlenden Daten nachreichte. Und nicht nur das, die neueste Ausgabe der Gee wurde wenige Tage später geliefert. In einem braunen Umschlag. Mein Name und die Adresse waren mit Kugelschreiber auf den Umschlag geschrieben worden. Keine vorgefertigten, maschinell aus einer Datenbnak gespuckten Sticker. Ja, bei der Gee ist man offenbar mit Herz und Hand dabei. Was ein weiterer Grund ist, sie zu lieben.
Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte
Dieser Artikel war bereits eine ganze Seite lang. Doch ich musste feststellen, wie mich mehr und mehr die Wut überkam. Weshalb ich ihn wieder radikal kürzte. Im Grunde möchte ich nur folgendes sagen:
Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen möchte.
Kotzen über euch beknackte Amokläufer, über euch noch beknacktere Waffensammler, euch vollkommen schwachsinnige Schützenvereine, über euch debile Drecks-Journalisten, über euch pawlowsche, sabbernde, Müll veröffentlichende Medienhunde, über euch Möchtegern-Moralisten, euch gewissenlose Heuchler, euch inkompetente Politiker, über euch beschissene Besserwisser und Weltverbesserer. Über das ganze Gesocks, dass die Schnauze aufreißt und Speichel spuckt beim Schreien von Phrasen wie Killerspieleverbot, strengere Waffengesetze, Metalldetektoren, Überwachung. Ihr habt es nicht kapiert und ihr werdet es nie kapieren.
Genug gekotzt. Schluß mit Wut. Alles Roger.
MTV Game One
Noch nie habe ich es verstanden, weshalb das Thema PC- und Konsolenspiele im Fernsehen so stiefmütterlich behandelt wird. Schließlich spielt mittlerweile fast jeder, egal ob am Rechner, am Fernseher, oder mobil. Und mit Games werden nachweislich mehr Dollar umgesetzt als in der Filmindustrie. Dennoch gibt es im deutschen Fernsehen nur eine Sendung, die regelmäßig über Neues und Interessantes auf dem Spielemarkt informiert. MTVs Game One.
Woran liegt das? Ist es wirklich nur mangelndes Interesse der Zuschauer? Oder hat da das Internet mittlerweile weit die Nase voraus? Ist das passive Medium Fernsehen einfach nicht geeignet, um aktive Unterhaltung wie Spiele an den Mann zu bringen? Aber wieso gibt es dann soviel mehr Game-Zeitschriften? (Wobei auch hier der Markt rückläufig ist). Oder sind Spiele in den Augen der Senderchefs entweder Kinderkram oder gefährliche Ego-Shooter-Massenmörder-Inspirationen? Und um nochmal den Vergleich zur Filmindustrie heranzuziehen: Es gibt auch keine vernünftige Sendung über Kino. So gesehen scheint das deutsche TV alles zu ignorieren, was man jenseits des Fernsehkonsums zum Zeitvertreib tun kann. (Selbst Elke Heidenreich liest nicht mehr)
Doch zurück zu Game One auf MTV. Auch diese Sendung hat es nicht leicht. In wunderbarer Regelmäßigkeit wird ihre Länge verändert. Oder der Sendeplatz. Was dazu führt, dass ich mehr Folgen verpasse, als mir lieb ist. Denn ich mag die Sendung. Und ich mag die beiden Moderatoren. Simon Krätschmer und Daniel Budimann führen durch das Programm, stellen neue Spiele für alle Systeme vor, führen Interviews und zeigen auch Hintergrundberichte. Und dazwischen machen sie viel Quatsch. Da werden mit Green-Screen und Außenaufnahmen kleine Einspieler produziert, da wird teils plumper Humor benutzt oder Filmschnipsel werden eingestreut. Eine Menge Aufwand und stets an der Grenze zum kindischen und zur Lächerlichkeit. Aber irgendwie charmant. Die beiden Jungs machen das alles mit soviel Witz und Spaß an der Sache, dass auch der Zuschauer seine Freude hat.
Und dann kommt noch dazu, dass sie fundiertes Wissen und kritische Bewertung an den Tag legen, die weit abseits von McDonalds-Spiele-Promotions liegt. So wird beispielsweise nicht nur erzählt und gezeigt, dass ein neuer Call-of-Duty-Teil auf dem Markt ist. Nein, man spricht öffentlich über die moralischen Bedenken, zeigt Spieleszenen, die grenzwertig sind und gibt dem Titel mutig einen faden Beigeschmack. Was dem Zuschauer wieder beweist, dass Spiele auf dem Bildschirm eben nicht nur aus Schießen und Töten bestehen sollen. Game One geht mit dem Thema tatsächlich auch differenziert um.
Diese Mischung aus plumpem Klamauk, kritischem Betrachten und den sympathischen Moderatoren macht für mich den Reiz der Sendung aus. Denn jenseits des
GagaGiga-Programms (zu 95% nur für unter 16-Jährige zu ertragen) ist Game One die letzte Bastion der Spieleberichterstattung im Fernsehen.Wer, wie ich, immer wieder die Folgen verpasst, kann sie natürlich auch online sehen, was mich zu meiner anfänglichen Frage bringt: Ist das Internet in Sachen Spiele weiter und vielleicht auch geeigneter? Schwer zu sagen, denn interessanterweise macht Game One im Netz nicht so viel Spaß. Im Netz suche ich gezielt nach Informationen, da will und kann ich mich nicht berieseln lassen. Da will ich auch keinen Klamauk, da will ich Szenen aus dem Spiel, eine Bewertung und die Frage beantwortet haben, ob ich es kaufen kann. Lässig auf dem Sofa liegend, macht es viel mehr Spaß, eine Show zu sehen, gut gelaunte Leute vor der Kamera und witzige Ideen.
In Sachen Spiele ist MTV ja glücklicherweise noch sehr engagiert. Die MTV Game Awards stehen an. Diese werden zwar nie den Stellenwert eines EMA bekommen, aber immerhin. Und sagte ich eben "noch"? Nun, wie man allerorten lesen kann, ist MTV (und die Tochtersender Viva und Comedy Central) in argen Geldnöten. Sendungen werden gestrichen, VJs ihres Jobs beraubt.
Bitte MTV, lasst Game One nicht sterben. Kürzt es auch nicht wieder. Seid mutig und zeigt Game One prominenter. Ihr habt da wirklich eine kleine Perle, die eine komplett brachliegende Nische nutzt. Bitte füllt euer Programm nicht nur mit weiteren Kuppel- und Castingshows und anderem Mist (By the Way: Zeigt ihr eigentlich überhaupt noch Musikvideos? Wenn ja, wann?).
Das Ende der HD-DVD
"Das Ende ist nah", hieß es bereits seit längerem und nun ist es tatsächlich eingetreten. Toshiba, einer der Mitbegründer des HD-DVD Standards gibt sich geschlagen und auf. Damit hat, schneller als ich erwartet hatte, das BluRay Format gewonnen. Ob das bessere System gewonnen hat, kann ich nicht wirklich beurteilen. Beide haben (hatten) Vor- und Nachteile und auch das Argument des Preises war im Grunde nur eine Frage der Zeit. Mir persönlich war das HD-DVD Format sympathischer, weil es ohne Ländercodes und weniger restriktiv daher kam. Aber nun gut. Jetzt müssen wir in der hoch definierten (High Definiton, HD) Zukunft also mit BluRay leben.
Interessant war aber zu verfolgen, wie die HD DVD so ganz langsam an Boden verlor, durch günstige Preise versuchte, noch einen Umschwung zu erreichen und doch immer mehr Firmen, Filmstudios und Märkte zum anderen Lager wechselten. Der Anfang vom Ende war sicherlich die Abkehr Warner Brothers als Unterstützer. Und spätestens seit Wal Mart in den USA sagte, man würde in Zukunft keine HD-DVDs mehr verkaufen, war die Sache so gut wie beschlossen.
Mich erinnert das Ganze an zweierlei: Erstens: In den 70er/80er Jahren tobte schon einmal ein Formatkrieg. Video2000 gegen Betamax gegen VHS. Wer damals gewann, wissen wir alle. Das (vielfach gehört) schlechteste aller Formate, VHS. Und interesanterweise nicht das offenbar technisch überlegenere Betamax-Format von Sony. Damals gab die Unterstützung der Pornoindustrie den Ausschlag (die meisten Pornos gab es nun mal auf VHS). heute waren es die großen Filmstudios. Und diesmal ist Sony mit BluRay der Gewinner.
Ich als Kunde habe da nichts einzuwenden. Die Preise für BluRays sowie entsprechender Player werden mit der Zeit fallen. Man muss sich nun nicht mehr darum sorgen, ob man auf das richtige Format gesetzt hat und teure Comboplayer, die beides spielen können sind ebenfalls nicht nötig. Die Verwirrung ist verschwunden. Denn, und damit zweitens, nicht mal bei der guten alten CD hatte man sich einigen oder entscheiden können. Dort gibt es noch immer das Plus und Minus Format.
Dennoch frage ich mich, was das ganze soll. Wieso stecken Firmen Milliarden und Abermilliarden in unterschiedliche Formate, obwohl von vornherein klar ist, dass nur eines überleben kann? Wieso werden diese Gelder nicht von Anfang an gebündelt und für den Verbraucher ein gutes Paket geschnürt, ein Format, günstige Player und Medien. Ausgereifte Technik zum günstigen Preis? Ich lebe wohl noch immer in einer Traumwelt. Marketingtechnisch gesehen.
Und nun? Heißt es weiter abwarten, bis die BluRay so günstig geworden ist, dass sie der herkömmlichen DVD Konkurrenz machen kann. Denn erst dann wird es zu einer Ablösung kommen. Für mich bietet die DVD noch genug hochwertiges Material, das ein Upgrade noch nicht so dringend ist. Zumindest nicht zu jedem (diesem) Preis.
Und selbst Microsoft denkt ja schon öffentlich darüber nach, ihr bisher angebotenes und nun obsoletes HD-DVD-Laufwerk für die Xbox360 sterben zu lassen und vielleicht schon im Sommer ein externes BluRay Laufwerk anzubieten. Dann muss ich mir nicht mal eine PS3 holen.
Spielen ist gut für die Partnerschaft.
Eben lese ich in meinem neuen Lieblings-Magazin Gee (ja, ich habe endlich ein Exemplar gefunden) von Pärchen, die gemeinsam und gegeneinander spielen. Und zwar per Gamepad an Spielekonsolen. Da berichtet einen Pärchen von einer Begebenheit bei Halo. "Einmal, als er sauer auf mich war, hat er mich erschossen und danach noch immer weiter auf mich gefeuert, als ich schon tot am Boden lag", erzählt sie. Und er ergänzt: "Das war toll. Hat richtig gut getan. Danach haben wir uns wieder vertragen." Also das klingt doch mal nach einer wirklich gesunden Beziehung, oder? Ich musste schmunzeln.
Ach übrigens. Wisst ihr schon, dass nun mittlerweile feststeht, wie die Welt eine bessere werden kann? Warum es soviel Böses und soviel Gewalt gibt? Warum unsere Jugendlichen immer mehr verrohen und brutaler werden? Die Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (sagt das mal fünf mal schnell hintereinander) hat es heraus gefunden und wird nun endlich, passend zur Weihnachtszeit, den Frieden auf die Erde bringen. Denn es gibt ja nur einen Grund für all das Böse und wenn wir das verbieten, ist es einfach verschwunden. Wie geil, oder? Die Rettung der Welt kommt aus Deutschland.
Nein, keine GQ.
Neulich, an einem neuen Kiosk. Ich gehe auf die Verkäuferin zu und sage: "Entschuldigen Sie, haben Sie die Gee?" Sie schaut verdutzt. "Dietschie?" fragt sie. "Oh Mann. Nein. Gee. Dschie. Dschie", knirsche ich etwas entnervt. Sie beginnt die Regale zu durchsuchen. Plötzlich ruft sie triumphierend: "Ah, da haben wir sie ja. Die GQ." Ich atme hörbar aus. "Nein. Ich suche die aktuelle Gee, nicht die GQ. Nur ein Dschie, kein Kiu." Wieder sieht mich die Verkäuferin fragend an. "Und was ist das für ein Heft?" möchte sie wissen. "Ein Videospiele-Magazin", antworte ich vorsichtig. Und tatsächlich, sie wendet sich den DVD-Magazinen zu. Ich entkomme, ohne dass sie es merkt. Vermutlich sucht sie heute noch.
Nein, kein Geo.
Neulich, wieder mal beim Kiosk meines Unvertrauens. Ich gehe zur Verkäuferin und sage: "Entschuldigung. Haben Sie die Gee?" Sie schaut verdutzt. "Dietschie?" fragt sie. "Nein, nicht Dietschie. Die Gee. Gee. Dschie. Geschrieben G, E, E." Die Verkäuferin fängt an, das Regal zu durchsuchen und murmelt dabei "Ditschi, Ditschi, Ditschi…" "Gee", verbessere ich, "G, E, E." Sie sucht weiter und ruft plötzlich triumphierend "Ah, da haben wir sie ja. Die Geo." Und zum Beweis buchstabiert sie mir den Titel: "G, E, O." Ich schlage innerlich die Hände über dem Kopf zusammen und sage: "Nein, nicht G, E, O, sondern G, E, E. Das ist ein Videospielemagazin." "Achso, Videos", stellt sie fest und beginnt die DVD-Hefte zu durchsuchen. Ich verabschiede mich schnellstens.
Bye Bye PC Games
In der Bestätigungsmail zur Kündigung meines "PC Games DVD ab 18" Abonnements bat mich der verlegende Computec Verlag darum, meine Gründe für die Kündigung anzugeben. Dies war ein leichtes.
Zunächst einmal ist bei mir die Schmerzgrenze für ein monatlich erscheinendes Magazin bei 5,30 Euro um 30 Cent überschritten. Das mag im ersten Moment nicht viel Geld sein, aber irgendwo muss man ja Grenzen ziehen. Von mir aus hätte man auf die zumeist lächerlichen Vollversionen auf den DVDs verzichten können, um den Preis unter fünf Euro zu halten. Was auch immer. Jedenfalls halte ich alles über fünf Euro für zu teuer.
Die DVD wurde für mich immer uninteresanter. Hatte die Redaktion sich früher richtig Mühe gegeben und eine echte Sendung mit Reportagen und profesionellen Sprechern geboten, so findet man jetzt nur noch einige InGame-Mitschnitte, unterlegt von unmotivierten Testerstimmen. Das macht keine Lust auf die Spiele und keinen Spaß beim Zuschauen.
Nein, keine Creme.
Neulich beim Kiosk meines Unvertrauens. Ich gehe auf die Verkäuferin zu und sage: "Hallo, haben sie die neue Game Pro?" Sie schaut verdutzt. "Die neue was?" "Die neu Game Pro. Die Zeitschrift Game Pro," wiederhole ich. "Die … wie heißt die?" "Game Pro." "Creme Po?" "Nein, das R ist im hinteren Wort. Game Pro." Die Verkäuferin fängt an, das Regal zu durchsuchen und murmelt "Creme… Creme…" "Game … Pro", verbessere ich. "Was ist denn das für eine Zeitschrift?" fragt sie. "Ein Videospielemagazin", antworte ich. "Videos", stellt sie fest und blättert die DVD-Hefte durch. "Nein, keine Videos. Videospiele", verbessere ich erneut. Nun ist sie völlig verwirrt, blickt auf die Reihe mit Spielemagazinen, sagt "Haben wir nicht" und verschwindet. Und tatsächlich. Sie haben weder Creme Po noch Game Pro.
Roger and me
Hallo liebe ROGER Redaktion, hallo Herr Siebertz. Ich hatte Ihnen ja versprochen, ROGER-Unterstützer zu werden, also ein Magazin käuflich zu erwerben. Wie Sie auf folgendem Foto sehen, habe ich mein Versprechen gehalten. Gleichzeitig soll dieses Foto eine Bewerbung für ein Cover-Shooting werden. Gerne auch für die übernächste Ausgabe (da in der nächsten ja ein weibliches Gesicht das Cover zieren wird). Ich bin übrigens recht angetan von Ihrem Magazin, obwohl ich nicht wirklich die Zielgruppe bin. Aber die teils englischen, teils deutschsprachigen Texte rund um Design und die Leute, die sich damit befassen, sind recht interessant. Das Heftdesign gefällt auch – Sie machen meinem Namen damit alle Ehre. Ach, und ich sage all das nicht nur, um (immer noch) in den Besitz der „I love ROGER“ Buttons zu kommen, die hoffentlich nicht mehr lange „aus“ sein werden. Da fällt mir ein, dass ich demnächst nach Duisburg umziehe, als ganz in Ihre Nähe. So habe ich es nicht so weit zum Shooting. Die Lieferadresse für die Buttons teile ich Ihnen gerne noch mit. Ich freue mich schon jetzt auf eine Antwort. Mit freundlichen Grüßen…

Roger meldet sich
Vor kurzem berichtete über das Design-Print-Magazin Roger, welches sich darüber freute, einen weiteren Roger in mir gefunden zu haben. In meinem daraufhin verfassten Artikel stellte ich zwei einigermaßen freche Forderungen um im Gegenzug Roger-Partner (also ein Spender) werden zu können. Nun meldete sich Herr Siebertz von der Online Redaktion zurück. Und diese Mail ist so charmant, dass ich sie euch nicht vorenthalten möchte:
Hallo Herr ROGER Graf!
Also unseren ROGER spricht man englisch aus. Und Ihrer Forderung gehen wir natürlich gerne nach. Zwar sind die Buttons gerade „aus“ – aber schon bald kommen frische auf den Markt. Mit Ihren Cover-Ambitionen – nun – wir werden sehen. Im Rahmen der Gleichberechtigung ist allerdings auf der nächsten Ausgabe wieder eine „ROGERine“ drauf. Das würde also sehr schwer für Sie (vermutlich).
Schöne Grüße, Marco Siebertz
Also Herr Siebertz, eine ROGERine könnte ich bestimmt problemlos verkörpern. Ob dies natürlich zuträglich für ihre Verkaufszahlen wäre, ist eine andere Frage. In diesem Fall warte ich gerne auf die übernächste Ausgabe und mein dortiges Engagement als echter, männlicher Roger. Aber ich danke zumindest schon mal für die noch „ausen“ Buttons.



