Autor: Roger Graf

  • Jede Straße in jeder Stadt

    Das kleine, aber äußerst faszinierende Tool City Roads zeichnet auf Basis von Open Streetmap Karten eine Grafik von Städten, die nur aus den Linien der Straßen besteht. Die Ergebnisse sehen derart hübsch aus, dass man sie am liebsten ausdrucken und an die Wand hängen möchte. Und warum auch nicht? Eine kleine Galerie der persönlichen Lieblingsstädte vielleicht? Probiert es aus.

  • Update Junkie

    Never touch a running system. Eine sehr kluge Redewendung und Regel, die in allen möglichen Lebenslagen beherzigt werden sollte. Ganz egal, ob es um die Fußballmannschaft oder um die heimische Einrichtung der smarten Lampen und Lautsprecher geht. Wenn etwas funktioniert, lässt man besser die Finge davon und freut sich, dass es funktioniert.

    Jeder, der in der IT arbeitet, hält sich natürlich daran. Jeder? Nein. Ein unbeugsamer Autor eines unbedeutenden Blogs lebt seit Jahren nach der Devise „Neues ist immer besser!“ Neues verspricht noch unbekannte oder schnellere Funktionen, schönere Oberflächen, tolleres Benutzererlebnis – hach, Neues ist immer so… neu. Und aufregend. Und ja, ich spreche von mir selbst.

    Auch Jahre der Erfahrung konnten mich bis heute nicht von dem Drang abhalten, jegliches mögliche Update zu installieren. Neue Geräte anzuschaffen. Ja, sogar mit Warnung versehene Beta-Versionen zu ziehen, nur um den Kick des Neuen zu spüren. Ganz vorne dabei zu sein. Oder endlich Bugs entfernt zu wissen (die bislang vermutlich noch gar nie aufgefallen waren).

    Jeden Morgen die gleiche Routine: Wecker ausschalten, Wetter checken, Nach Updates suchen. Für zwei Apps stehen Updates bereits. Performance- und Stabilitätsverbesserungen. Ja, gib es mir, schnell. Natürlich starte ich die aktualisierten Apps nicht. Wozu auch, sie sind neu und verbessert. Ich muss mich davon nicht überzeugen, ich weiß es. Neu ist immer besser. Außerdem interessieren mich diese Apps gar nicht. Hauptsache sie sind aktuell.

    Natürlich fiel ich schon mehrfach auf die Nase mit diesem Verhalten. Apps, die plötzlich nicht mehr funktionierten, liebgewonnene Funktionen über Bord geworfen hatten, nicht mehr mit bestimmten Geräten oder anderen Apps zusammen arbeiteten. Gadgets, die sich nicht mehr starten ließen. Rechner, die neu installiert werden mussten. Ich habe alles durchgemacht.

    Nichts kurierte mich von der Sucht. Der App Store ist mittlerweile ganz hinten in einem Ordner versteckt, um mir den Weg dorthin zu erschweren, doch ich gehe ihn gern. Auf dem Macbook wartet allabendlich ein kleines Programm, das alle installierten Programme auf Aktualisierungen prüft, darauf, von mir gestartet zu werden. Ja, selbst dieser Artikel konnte erst begonnen werden, nachdem ein WordPress-Plugin aktualisiert wurde. Dieser kleine, rote Bubbel mit der weißen Eins, die eine verfügbare Aktualisierung signalisiert, war einfach zu verlockend und hätte mich nur abgelenkt.

    Ich bin ein Update Junkie! Gibt es dafür eine Selbsthilfegruppe? Die AA? Die anonymen Aktualisierer? Oder vielleicht einen Ratgeber? Einen 12 Stufen-Plan zur Entwöhnung. Was? Davon gibt es eine neue, verbesserte Version mit nur 11 Schritten? Ich wusste es. Gekauft.

  • Mein erster (und einziger) Song

    Wie schon oft erwähnt, blieb ich meinem Amiga Computer sehr lange treu. Vermutlich länger, als gut war. Meinen ersten richtigen PC erwarb ich schätzungsweise irgendwann um 1995 herum. Und sofort probierte ich – natürlich neben Spielen – alles aus, was mit der Maschine möglich war: Programmieren, Schreiben, Foto- und Videobearbeitung und so weiter. Alles stets im Rahmen der technischen und amateurhaften Möglichkeiten. Und bald schon reizte mich ein neues Thema: Das Produzieren eines eigenen Songs.

    Mit Programmen wie dem Magix Music Maker wurde dies zum Kinderspiel. Mit einem breiten Set aus vorgefertigten Sounds und Loops, konnte ein Song mit etwas Geschick ähnlich einem Lego-Gebilde „zusammen gesteckt“ werden. Auf mehreren Spuren platzierte man Bass, Drums, Snares und Gesang. Reicherte das Ganze mit Echo- und Hall-Effekten an, verschob Teile oder bastelte als Bridge einen besseren Übergang. Die Sounds gaben den Stil vor, war man mutig und kreativ genug, nutzte man bewusst die falschen Klänge um etwas völlig neues zu kreieren.

    Als ich mit meinem ersten Song begann, war die Hochzeit von Techno, Trance und House und es lag daher nah, einen ähnlichen Weg zu gehen. Das Ergebnis hatte natürlich weder künstlerisch noch technisch einen hohen Wert. Die Samples und Loops waren seinerzeit nicht in CD-Qualität (auch wenn sie auf solchen ausgeliefert wurden, aber ich meine mich zu erinnern, dass die Sample-Rate geringer war). Und vom Komponieren hatte ich so viel Ahnung wie vom Autos reparieren oder Marzipan-Herstellung (was sich bis heute nicht geändert hat). Aber ich ließ mich nicht aufhalten, bastelte einige Tage herum, bis ich zufrieden war und einen Song kreiert hatte, der einen gewissen Drive, Tempowechsel, ausreichend Bass und ein Finale hatte und auf den ich seinerzeit schon ein wenig stolz war.

    Heute ist es fast lächerlich das Stück zu hören. Aber da der Song etwa 25 Jahre alt sein dürfte, habe ich genug Abstand, um ihn hier zu präsentieren. Damals noch namenlos, gab ich ihm irgendwann um die Jahrtausendwende den Titel „Have a break“, mein damaliger Claim meiner damaligen frischen Homepage ebrake.

    Und nun viel Spaß. Ihr dürfte gerne die Lautstärke hoch drehen:

    Have a break – Roger Graf, ca. 1995 bis 1997

    By the Way: 25 Jahre? Ein Vierteljahrhundert? Ein Viertel-fucking-jahrhundert?

  • 7 Regeln für Firmenparty-DJs

    Klugscheißermodus an. Ich mag es ja grundsätzlich sehr, wenn Menschen über Dinge schreiben, von denen sie so gar keine Ahnung haben, Tipps geben und Regeln aufstellen. Immer wieder ein Quell der Freude. Und heute möchte ich mich daran beteiligen, denn vom Plattenauflegen als DJ weiß ich so gar nichts. Aber ich weiß, wie man sich als Gast auf einer Firmenfeier fühlt, wenn der DJ es schafft, durch seine Musikauswahl die Tanzfläche zu leeren. Deshalb folgen nun meine ultimativen Klugscheißertipps für Firmenparty-DJs:

    1. Informiere dich im Vorfeld über dein Publikum. Irgendjemand fragt dich an und bucht dich. Dieser Jemand ist höchstwahrscheinlich für die Veranstaltung verantwortlich und war es auch schon auf vielen Veranstaltungen zuvor. Frag nach, wie die Gäste drauf sind, ob gerne getanzt wird. Ob auf früheren Partys eher zu 80er, 9er, Rock oder Pop getanzt wurde.
    2. Lass deinen eigenen Musikgeschmack zuhause. Niemand auf der Party interessiert sich für deinen exotischen Stil oder deinen Radio-Mix, den ohnehin jeder jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit hört. Du bist ein Dienstleister, der deinem Kunden das liefern soll, was das Publikum will. Siehe Punkt 1. Zusatz: Niemand interessiert sich für deine tollen Übergänge. Die Leute wollen tanzen und Spaß haben.
    3. Spiele „tanzbare“ Musik. Die Auswahl ist riesig und das mögliche Feld weit. Daumenregel: Wenn ein Song in Heavy Rotation im Radio läuft, ist er zwar populär aber nicht unbedingt für eine Firmenfeier geeignet. Einzige Ausnahme ist natürlich, wenn während eines Büffets ebenfalls Musik gespielt werden soll – dann bitte etwas loungiges mit Stil
    4. Halte einen beliebten Stil durch. Wenn du einen Rock-Klassiker aus den 80ern spielst und die Gäste johlend auf die Tanzfläche rennen, spielst du danach noch einen Rock-Klassiker aus den 80ern und danach noch einen. Und nachdem du noch einen und dann noch einen gespielt hast, kannst du gerne noch einen spielen. Und dann erst kannst du darüber nachdenken den Stil zu wechseln. Siehe Punkt 5.
    5. Achte auf dein Publikum. Wenn du einen Neue Deutsche Welle Song spielst und die Gäste fluchtartig von der Tanzfläche eilen, dann bemerkst du das und spielst ab sofort keine Neue Deutsche Welle Songs mehr, sondern gehst zu einem Rock-Klassiker aus den 80ern über. Siehe Punkt 4.
    6. Halte dich an unveränderbare Grundregeln. Die Klassiker gehen meistens, egal ob das Publikum Ü40, U22 oder alles zwischen 18 und 64 ist. Mit tanzbaren Rock-Klassikern, mit 80er und 90er Pop-Songs liegst du meistens richtig. Mit R&B und Hip-Hop (auch Deutsch) kannst du punkten, achte aber auch hier darauf, beliebte Klassiker im Repertoire zu haben. Techno funktioniert nie, House unter Umständen. Hard-Rock kann zu später Stunde noch richtig anheizen. Mit deutschen Songs immer Vorsicht walten lassen, nie Schlager spielen, nie Karnevalsmusik, aber jederzeit Lieder, deren Text jeder auswendig kennt. Und neben diesen allgemeinen Grundregeln gelten zwingend folgende Unterregeln:
      1. Nach den Spice Girls kommen die Backstreet Boys
      2. Nach Kenny Loggins kommt Melissa Etheridge
      3. Nach Metallica kommt „Killing in the Name of“
      4. Nach Rihanna kommt Jay-Z, Beyonce oder Alicia Keys
      5. Nach „Mr.Vain“ kommt „Rhythm is a Dancer“
      6. Nach Abba kommen die Bee Gees
      7. Nach den Fanta 4 kommt Fettes Brot und danach Seeed
      8. Nach „It’s my Life“ (Dr.Alban) kommt „There’s no limit“ (2Unlimited) oder „What is Love“ (Haddaway)
      9. Nach „Billy Jean“ kommt „I will survive“
      10. Nach Kool & The Gang kommt Earth, Wind & Fire
      11. Bonus-Regel: „Uptown Funk“ von Bruno Mars und „Blurred Lines“ von Robert Thicke gehen immer. Auf jeder Feier.
      12. Alle oben genannten Kombinationen können in der jeweiligen Reihenfolge getauscht werden und es gibt ca. 2400 weitere unveränderbare Kombinationen, die ein Profi kennen muss.
    7. Du hast jeden erdenklichen Musikwunsch da oder kannst ihn in irgendeinem Streamingdienst aufrufen. Du nimmst jeden Musikwunsch ernst und spielst ihn alsbald in der Playlist anderer Songs, die dazu passen. Sollte der Song gar nicht zum Publikum passen (siehe Punkt 4 und 5) teilst du mit, dass du diesen Song nicht oder nur am Ende der Party spielen kannst.

    Ist doch eigentlich gar nicht so schwer, oder? Klugscheißermodus aus.

  • Titanic sinkt in Echtzeit

    Gefunden bei Spreeblick: Ein etwas älteres Video, das in Echtzeit darstellt, wie die Titanic seinerzeit sank. Volle 2 Stunden und 40 Minuten lang. Das ist faszinierend und gruselig zugleich. Das Ganze entstand mit der bekannten Unreal Engine 4 und sollte offenbar auch hier für ein Game benutzt werden.

  • Künstliche Aufregung um eine Umweltsau

    Wovor man vielleicht Angst haben sollte: Künstliche Intelligenz. Romane und Spielfilme wie Terminator haben uns gelehrt, dass eine KI früher oder später ein Bewusstsein entwickeln wird, erkennt, dass der Mensch der größte Feind der Menschheit ist und Schritte einleitet, diese Plage auszulöschen.

    Wovor man mehr Angst haben sollte: Künstliche Aufregung. Soziale und andere Medien haben uns gelehrt, dass jede(r) Meinung, Ansicht, Gedanke, Tat, Untat, Aussage derart emotional bewertet wird, dass zielführende Gespräche nicht mehr möglich sind. Letztes Beispiel (mittlerweile vielleicht auch nicht mehr) ist eine harmlose Umdichtung eines harmlosen Lieds, interpretiert von einem Kinderchor, initiiert vom WDR. Ein Text, der eine Oma als Umweltsau bezeichnet und damit kaum bösartiger oder ernster gemeint ist, als unsere damals neu getexteten Songs auf dem Schulhof oder auf der Otto-Schallplatte. Es reichte dennoch zu einer künstlichen Aufregung, Aufmärschen von Wutbürgern und recht(s) radikalen Arschgeigen vor dem WDR-Gebäude und höchst peinlichen Entschuldigungs-, Beschuldigungs-, Erklärungsversuchen aller WDR-Mitarbeiter (außer den Freien natürlich). Wie man mit einer solchen Situation besser umgehen sollte, hat der bekannte Rezo in seiner Zeit-Kolumne sehr treffend beschrieben.

    Wovor man am meisten Angst haben sollte: Reale Dummheit. Die Realität hat uns in den letzten Jahren gelehrt, dass die reale Dummheit die größte Gefahr der Menschheit darstellt, denn einige wenige Clevere nutzen sie, um ihre eigenen, egoistischen Ziele mit dummer Masse zu erreichen. Und so nebenbei den Frieden, die Umwelt und – auf lange Sicht – die Menschheit zu vernichten. Vermutlich noch schneller, als es künstliche Intelligenz schaffen würde. Diese entwickelt immerhin noch ein Bewusstsein.

  • Freiburg wird 900 Jahre jung

    Meine Lieblingsstadt Freiburg im Breisgau feiert in diesem Jahr 2020 seinen 900. Geburtstag. Wie es sich für eine solchen Anlass gehört, wurde eigens für dieses Jubiläum ein visuelles Design erstellt. Die von der Agentur designconcepts gestalteten Visuals werden auf Flyern, Straßenbahnen, Webseiten, Postern, Schlüsselanhängern und so weiter verwendet und ergeben ein zunächst gelungenes Gesamtergebnis.

    Nun bin ich ja leider ein einigermaßen visueller Mensch, der vielleicht manchmal zu oft auf Details achtet. Und dieser Mensch muss trotz aller Liebe zu Freiburg sagen, dass die gefälligen Farben und die moderne Darstellung weder etwas über die Stadt oder das Umland aussagen und leider äußerst austauschbar, ja, sogar uninspiriert sind. Derartige Hintergründe findet man auf einschlägigen Webseiten zuhauf und kostenlos. Mir will auch kein Grund einfallen, weshalb das FREI kleiner und eingerückt ist und nicht bündig mit dem BURG abschließt. Und das, wo sich die 4 mal 4 mal 4 Darstellung mit der 2020 so schön anbietet.

    Aber egal. Zu sehr mag ich die Stadt, sage herzlichen Glückwunsch und hoffe, dieses Jahr einmal zu Besuch kommen zu können. Es ist schon viel zu lange her seit ich zuletzt eine lange Rote auf dem Münsterplatz aß.

  • Die verrückte Grenze der Vennbahn

    Wenn man im Aachener Dreiländereck lebt, kennt man die Vennbahn. Eine ehemalige Eisenbahnstrecke, die mittlerweile zu einem Radweg umgebaut wurde und eine recht eigenartige Grenze zwischen Deutschland und Belgien zieht. Tim Traveller beschreibt dies sehr amüsant im folgenden Video (auf englisch. Und ja, ich habe mehrfach gelacht):

    Und weil wir gerade vom Dreiländereck sprachen: Irgendwie ist das hier ja ein Vierländereck. Oder auch nicht, da Holland ja nicht gleich Niederlande ist, Neural-Moresnet nicht mehr existiert und überhaupt der Vaalserberg gar nicht wirklich der höchste Berg der Niederlande ist, sondern seit 2010 ein Vulkan auf der Karbik-Insel Saba, die als besondere Gemeinde der Niederlande gilt. Aber das wusste Tim Traveller offenbar nicht in dem weiteren sehr amüsanten Video aus dem Aachener Dreivierländereck (Ich habe auch hier mehrfach gelacht):

  • Rückblicke, Ausblicke und ein frohes neues Jahr 2020

    Ende November kündigte ich an, ein kleines Experiment durchführen zu wollen. Ich nahm mir vor, jeden Tag im Dezember einen Blog-Artikel zu verfassen. Und dieses Ziel erreichte ich nicht nur, insgesamt entstanden in den letzten Wochen 39 Artikel (inklusive diesem hier). So viel wie zuletzt im Jahr 2009. Also vor 10 Jahren und damals waren es knapp über vierzig Artikel im ganzen Jahr.

    Meine Beweggründe hatte ich im Artikel vom 26.November bereits dargelegt. Ich wollte diesem Blog wieder Leben einhauchen, wollte wieder schreiben. Und: ich wollte mich nicht einschränken, die Hürden nicht direkt zu hoch setzen. So sollte es egal sein, ob ich am Rechner, am Tablet oder am Smartphone poste. Es sollte egal sein, ob es nur ein Foto, ein Tweet, eine Geschichte, eine Anleitung oder ein Video ist. Es sollte nur endlich was passieren. Dies ist mein Spielplatz und ich schreibe über die Dinge, die mich gerade bewegen.

    Was habe ich im vergangenen Monat gelernt? Bloggen macht noch immer Spaß, täglich bloggen ist eine ganz schöne Arbeit und das Feedback ist mittlerweile zum Erliegen gekommen. Ohne Publicity funktioniert es nicht. Ich bewarb nur einige meiner Artikel auf Twitter, doch nur die haben eine größere Menge an Lesern erhalten. Der Rest ging quasi unter. Auch die Kommentare blieben aus. Wo früher noch Diskussionen entstanden, ist es heute ruhig.

    All das hält mich aber nicht auf. Ich blogge weiter, wenn auch ab sofort wieder in etwas gemäßigterem Tempo. Und ich möchte keinerlei Ankündigen oder Versprechungen machen. Zu oft meldete ich mich ab und wieder an, schwor Abstinenz oder neues Engagement und beides wurde nie eingehalten. Vielleicht ist es Altersmilde, aber ich sehe das alles mittlerweile lockerer. Es kommt, was kommt. Auch in diesem Blog. Vielleicht gewinne ich Leser dazu, vielleicht auch nicht. Zum ersten Mal kann ich wirklich sagen: Ich schreibe hauptsächlich für mich. Und wenn ihr, liebe Leser, dabei Spaß habt, umso besser.

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes neues Jahr 2020. Habt euch lieb. Habt die Natur lieb. Meidet alles fremdenfeindliche. Meidet zu viel Plastik. Fahrt Fahrrad oder nehmt den Zug. Rast nicht und esst gesund. Glaubt nicht immer alles, was ihr im Netz lest, seht und hört. Hinterfragt, aber verurteilt nicht sofort. Trinkt nicht zu viel Alkohol und nehmt nicht zu viel Zucker zu euch. Schreibt Silvester nicht mit y. Schaltet öfter den Fernseher aus und hängt nicht ständig bei Whatsapp und Instagram rum. Löscht euren Facebook-Account! Und um Himmels Willen, regt euch nicht ständig über alles und jeden auf. Auf ein glückliches neues Jahr.

  • Ich bin zertifizierter User Experience Professional

    Ein Mensch kann von Glück sprechen, wenn er die Chance erhält, sich beruflich nach seinen Wünschen entfalten zu können. Ein Mensch kann von großem Glück sprechen, wenn er das zweimal in seinem Leben kann. Ich darf mich zu diesen glücklichen Menschen zählen. Konnte ich zuerst meinen Kindheitstraum wahr werden lassen und Lokführer werden, so bekam ich vor knapp zwei Jahren die Chance, eine andere Leidenschaft zum Beruf zu machen. Und seit diesem Monat darf ich mich, nach bestandener Prüfung, auch offiziell „zertifizierter User Experience Professional“ nennen.

    Nun werden sich einige fragen, was ein User Experience Professional überhaupt ist. Vielleicht stellt sich zuvor noch die Frage, was User Experience eigentlich bedeutet. Das International Usability and UX Qualification Board (UXQB) definiert User Experience so:

    Die Wahrnehmungen und Reaktionen eines Benutzers, die sich aus der Benutzung und/oder der erwarteten Benutzung eines interaktiven Systems ergeben.

    Ein User Experience Professional ist nach dieser Definition ein Fachmann (oder natürlich auch Fachfrau), der den Prozess menschenzentrierter Gestaltung plant und managt, den Nutzungskontext beschreibt, Nutzungsanforderungen ableitet, die Interaktion zwischen Mensch und interaktiven System definiert und konzipiert, das User Interface entwirft und Evaluierungen durchführt. Vereinfacht gesagt, ist die Aufgabe des UX Professional die Anforderungen von Benutzern zu verstehen und diese in entsprechenden Bedienoberflächen abzubilden, so dass die Benutzer ihre Anforderungen befriedigen können und ihre Ziele mit dem System erreichen. Das ist aber extrem stark herunter gebrochen und sagt nur einen Teil dessen aus, was ein UX Professional macht. Versuchen wir es mal so:

    Wer von meinen werten Lesern hatte je bei Benutzung eines Systems das Gefühl, nicht zu wissen, was eigentlich zu tun ist? Wer hatte je Angst, etwas falsch zu machen? Wer hatte je Fehlermeldungen, die nicht weiter halfen? Wer gab schon einmal einfach auf? Wer hatte ganz bestimmte Erwartungen an ein System, die nicht erfüllt wurden? Wer fühlte sich je verloren und auch nach vermeintlich erfolgreicher Bedienung noch immer unwohl und unsicher? Jeder, der diese Gefühle kennt, hatte mit schlechter User Experience zu tun. Und mein Job ist es, dies zu verhindern.

    Meine Aufgabe und meine Berufung ist es, interaktive Systeme menschenzentriert und menschenwürdig zu gestalten. Der Mensch als Anwender steht immer im Mittelpunkt unserer Arbeit.

    Die Arbeit als User Experience Professional ist wahnsinnig spannend und vielfältig und ich bin froh, dies in einem tollen Team in meiner Firma ausüben zu können. Jeden Tag lernt man etwas Neues dazu und – wie so oft bei Experten – man betrachtet die Welt plötzlich mit anderen Augen. Jedes Usability Problem, jede schlechte User Experience wird sofort analysiert und nach möglichen Lösungen gesucht. Es ist verblüffend, wie fern von menschentauglicher Gestaltung interaktive Systeme noch immer sind. An der Schwelle zum Jahr 2020.

    Eins meiner Lieblingsbeispiele, wenn ich versuche zu erklären, was schlechte User Experience ist, beziehungsweise, wie schlechtes Design Menschen behindert, sind die so genannten Norman Doors. Benannt nach Don Norman, Mitbegründer der Nielsen Norman Group und Verfasser des sehr lesenswerten Buches „The design of everyday things“. Norman beschreibt dort, wie schwierig es offenbar sein muss, Türen so gestalten, dass deren Nutzung intuitiv klar wird. Sobald es notwendig ist, ein „Ziehen“ oder „Drücken“ Schild an die Tür zu kleben, hat ein „Tür-Designer“ versagt. Wenn Sie je an einer Tür standen und nicht wussten, ob sie drücken oder ziehen sollen, ob die Tür nach links oder nach rechts aufschwingt, ob sie offen oder verschlossen ist oder ob es evtl. gar eine Schiebetür ist, so hatten Sie es mit schlechter User Experience zu tun.

    Und was wäre das Positiv Beispiel? Eine Tür, bei der Sie gar nicht überlegen müssen. Deren Gestaltung Ihnen offensichtlich anzeigt, an welcher Stelle welche Aktion durchzuführen ist und die Tür gemäß dieser Erwartung auch funktioniert.

    Im Dezember 2019 erwarb ich das CPUX-F Zertifikat (Certified Professional for Usability and User Experience – Foundation Level) und ich gedenke, darauf weiter aufzubauen. Ich kann mich glücklich schätzen, in diesem Metier zu arbeiten, eine etwas bessere Welt zu schaffen und Systeme zu entwickeln, die jeder Mensch einfach und gut bedienen kann. Und die Benutzern ein gutes Gefühl gibt, wenn sie damit genau das erreichen, was sie erreichen wollten.

  • Der bipolare Durchlauferhitzer

    Wo ich herkomme, kennt man so etwas wie Untertischgeräte oder Durchlauferhitzer nicht. Zumindest begegnete ich nie etwas derartigem – und glaubt mir, ich wohnte in sehr vielen unterschiedlichen Wohnungen. Wollte man warmes oder heißes Wasser, drehte/bewegte/drückte/zog man die entsprechende Armatur und erhielt sofort einen zuverlässigen, angemessen temperierten und satten Strahl aus dem Hahn. Alles andere war Magie, die irgendwo im Keller stattfand und nicht weiter hinterfragt wurde.

    Bis ich nach Nordrhein-Westfalen zog und bei jedem Umzug aufs Neue Untertischgeräte oder kleine Elektroboiler für die Küche und Durchlauferhitzer im Badezimmer organisieren/warten/reklamieren und an ihnen verzweifeln durfte. Für mich unverständliche Zustände. Auch in der aktuellen Wohnung treibt mich ein solches Gerät regelmäßig in den Wahnsinn. Dabei ist es doch das Gerät selbst, das an einer bipolaren Störung zu leiden scheint.

    Der Durchlauferhitzer im Badezimmer kennt nur zwei Zustände: zu heiß oder zu kalt. Angenehmes, warmes Wasser kennt er nicht. Und in der Dusche kennt er auch keinen Druck. Man kann zwischen kaltem oder heißem Plätschern wählen. Gerne übernimmt das Gerät die Wahl, je nach Lust und Laune. Stets durch ein lautes „KLACK!“ angekündigt, wird die aktuelle Temperatur umgeschaltet, obwohl man selbst nichts an den Armaturen geändert hat. Noch fluchend und mit Schaum in Haar und Augen, verbrüht oder verkühlt man sich und hört direkt im Anschluss ein weiteres „KLACK!“, das einen verkühlt oder verbrüht. Je nachdem.

    Das Gerät hat einen Umschalter mit drei Stellungen und einen großen Regler. Dies, so die Anleitung, soll komfortabel jede gewünschte Temperatur garantieren, speziell für jedes Bedürfnis, jede Jahreszeit, jeden gewünschten Energieverbrauch angepasst. In Wahrheit kann jegliche Schalter/Regler-Kombination zur zwei Dinge: zu kalt oder zu heiß. Ich habe es im Laufe der Jahre getestet. Und wieder getestet. Und wieder…

    Einmal wurde der bipolare Durchlauferhitzer so krank, dass er regelmäßig die Sicherung aktivierte, wenn ihm zu heiß wurde. Ein Installateur kam zur Rettung, tauschte irgendwas Durchlauferhitzendes und quittierte mein Klagen über die bipolaren Zustände des Geräts mit einem Achselzucken. Das sei nunmal so, ich solle mal versuchen, den Schalter und den Regler auf eine andere Position zu stellen.

    Irgendetwas in mir machte „KLACK!“

  • Probleme mit YouTube Videos in Safari auf iPadOS

    Eines der tollsten Features des iOS-Ablegers iPadOS ist das sogenannten Desktop Class Browsing, also die Möglichkeit, im Safari Browser nicht mehr nur mobile Webseiten, sondern normale Webseiten-Ansichten aufzurufen, wie man sie von Desktop-Rechnern und Laptops kennt. Dies ist zum Beispiel sinnvoll für Office-Webanwendungen, die zuvor mit einem iPad nicht genutzt werden konnten. Tolle Sache, die auch grundsätzlich super funktioniert.

    Leider existiert seit Erscheinen von iPadOS (auch in der aktuellen Version 13.3) ein Problem, wenn man etwas bei Google sucht, ein YouTube Video angeboten bekommt und dieses im Browser ansehen möchte. YouTube Videos werden trotz aktiviertem Desktop-Browsing mit der Adresse m.youtube.com geöffnet, also der mobilen Variante. Dies passiert bei jedem Aufruf aus Google-Suchergebnissen und führt dazu, dass die Videos nicht gestartet werden können und eine Fehlermeldung erscheint, Safari könne die Seite nicht öffnen, da die Adresse ungültig sei.

    Offenbar kommt es zu dem Fehler, weil Google an der Stelle grundsätzlich auf die mobile Seite umleitet, der Browser aber mit der Desktop-Seite rechnet. Klickt man neben der Adressleiste auf das „aA“-Symbol, kann man diverse Einstellungen vornehmen und in einem solchen Fall die mobile Seite anfordern. Das Video kann dann zwar abgespielt werden, stellt aber nur niedrige Auflösungen zur Verfügung und scheint sich auch bei den Kontrollen wie Play und Pause eigenartig zu verhalten. Über das „aA“-Symbol kann dieses Verhalten (oder die Reader Einstellung) fest eingestellt werden.

    Natürlich gibt es auch noch die YouTube App, die ich aus diversen Gründen aber nicht nutzen möchte. Vornehmlich wegen der penetranten Werbeeinblendungen. HTML 5 sollte mich auch gar nicht in eine App zwingen. Daher habe ich derzeit nur die Möglichkeit, YouTube jedesmal auf die mobile Variante umzuschalten und keine hochaufgelösten Videos zu sehen. Oder auf das MacBook auszuweichen.

    Letztlich stellt sich mir die Frage, wo das Problem liegt. Ist es ein Bug von iPadOS? Ist es ein Bug auf Seiten Google? Ist es bewusstes Verhalten von Google? Sind es mal wieder Sturheit und Streitigkeiten von beiden Seiten? Bislang konnte ich keine Antworten zu finden. Technisch kann es kein Problem sein, die YouTube Seite korrekt als Desktop Variante aufzurufen und die Videos korrekt anzuzeigen. Hat vielleicht einer meiner Leser eine Idee?

  • 40 Tage Dunkelheit und ein iPhone 11 Pro

    Im russischen Murmansk herrschen in Dezember und Januar jedes Jahres 40 Tage lang Dunkelheit, bedingt durch die Nähe zum Polarkreis. Der Fotograf Amos Chapple besuchte die Stadt erstmalig nur mit einem iPhone 11 Pro bewaffnet und ist beeindruckt von der Aufnahmequalität und des Night Modes. Großartige Fotos, die Lust auf das Gerät machen.

    The iPhone’s Night Mode is the witchiest camera technology I’ve ever used. I still don’t understand it. I was shooting three second exposures made handheld, yet I never saw any movement blur. All of the shots I made were tack sharp.

    Even more strange is that, whenever there was movement in the frame, like a person walking, or snow falling, the camera somehow froze, or only slightly blurred that movement, *while* it was soaking up light for a long exposure. 

    Interestingly, when the camera senses it’s on a tripod it behaves exactly like a normal camera — so during a long exposure people walking or snow falling just become faint blurs. I took a tripod with me but hardly ever used it after noticing this switch that the camera makes.

  • Familien-Rommé

    In meiner Familie ist es Tradition, bei jeglichem Zusammentreffen früher oder später gemeinsam am Tisch zu sitzen und das Kartenspiel Rommé zu spielen. Ich kenne es seit Jahrzehnten nicht anders. Dafür kennen andere die Spielregeln meiner Familie nicht, denn wie ich im Laufe der Jahre feststellen musste, scheint jedes Land, jede Region, jede andere Familie Rommé nach ihren eigenen Regeln zu spielen. Jedes neue Familienmitglied hat sich diesen Regeln zu beugen, beziehungsweise sie zu erlernen.

    Versucht man, die offiziellen und korrekten Regeln für Rommé zu recherchieren, gelangt man schnell zum Schluss, dass es eben nicht das eine Rommé gibt, sondern Dutzende von unterschiedlichen Varianten. Meist unterscheiden sie sich nur in kleinen Details, die dann aber wiederum zu gravierend sind, um unterschiedliche Rommé Spieler nach einem Regelwerk spielen zu lassen. Meist wäre es leichter, einfach Uno zu spielen. Wobei – auch hier sind mir mindestens fünf unterschiedliche leicht abgewandelte Varianten bekannt und niemand auf dieser Welt scheint nach den originalen Regeln zu spielen.

    Das Regelwerk in meiner Familie unterscheidet sich zunächst beim Zählen von allen bisher gefundenen Regelwerken. Gewonnen hat der Spieler, der als erster 1000 Punkte erreicht hat. Wurde eine Runde gewonnen, zählt jeder die Punkte, die er auslegen oder woanders anlegen konnte zusammen und zieht die Punkte, die er noch auf der Hand hat, wieder ab. Der Sieger der Runde erhält für seinen Sieg zusätzliche 30 Punkte, bei Hand sogar 60. Alle Karten mit Zahlen sind 5 Punkte wert, alle mit einem Bild zählen 10. Asse zählen 25, wenn sie in Kombination mit anderen Assen gelegt wurden. Sind sie nur Teil einer Straße (Dame, König, Ass), sind auch sie nur 10 Punkte wert. Joker zählen, was sie ersetzen, außer, man hat noch welche auf der Hand. Dann tun sie mit 50 Minuspunkten sehr weh.

    Ich schätze, gerade diese Zählweise macht die Variante unserer Familie so interessant. Doch vermutlich sagen das Millionen anderer Familien ebenfalls über ihr Rommé Spiel, das sie seit Jahrzehnten und über Generationen hinweg kennen.

    Ich muss jetzt auch wieder los, alle sitzen schon am Tisch und warten nur noch auf mich.

  • Das Cats Desaster

    Vor sehr vielen Jahren – ich war sicherlich zu jung dafür – sah ich tatsächlich die Musical- Aufführung von Cats in Hamburg. Und ich hasste sie. Nicht nur die kaum vorhandene Geschichte, oder die teilweise wirklich schrecklichen Gesangsstücke (vielleicht bis auf den Klassiker Midnight). Vor allem hasste ich die Übersetzungen, die so holprig, völlig ohne Esprit und Versmaß in den vorhandenen Rhythmus gequetscht wurde und von Darstellern performed wurden, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren und ihren Text offenbar nur phonetisch eingeübt hatten.

    Aber es scheint auch schlimmer zu gehen, wie die aktuelle Neuverfilmung des Musicals zeigt. Cats 2019 dürfte vermutlich in die Annalen als schlechtester Film des Jahrtausends eingehen und man muss sich fragen, wie es soweit kommen konnte. Ich muss voraus schicken, den Film tatsächlich nicht gesehen zu haben, daher soll dies keine Kritik am eigentlichen Film werden. Ich frage mich eher, wie ein Filmstudio offenbar alle Warnhinweise ignorieren konnte und es wagte, einen bereits nach dem ersten Trailer von der breiten Mehrheit gehassten, nicht fertigen Streifen gegen die finale Star Wars Episode antreten zu lassen.

    Der Trailer kam im frühen Sommer heraus und weckte zu der Zeit noch große Erwartungen. Inszeniert vom Oscar prämierten Regisseur Tom Hooper und gespickt mit einem A-Listen Cast, galt Cats zu den kommenden Oscar Anwärtern. Nur wenige Minuten nach Veröffentlichung des Trailers war allen klar, dass Cats gnadenlos untergehen würde. Man sah Monstrositäten, pelzige Katzen-Mensch-Hybriden, mit menschlichen Gesichtern, katzenartigen Nasen und Ohren, Schwänzen, behaarten Brüsten, die teils nackt, oder in Pelzmänteln unterwegs waren und deren Gesamterscheinung einem schrecklichen Fiebertraum entstammen mussten. Die Aufregung war groß, Cats erhielt maximale Publicity, die Meinungen waren bereits zu diesem Zeitpunkt vernichtend.

    Kurz zuvor hatten die Macher des Films „Sonic the Hedgehog„ Ähnliches erlebt. Nach Erscheinen des ersten Trailers gingen Fans auf die Barrikaden ob der unbegreiflich schlechten Umsetzung und Gesamt-Designs des titelgebenden Igels. Nichts an diesem Gebilde erinnerte an den liebgewonnenen Helden aus den Konsolen-Spielen. Das Filmstudio gelobte sofort Besserung, zog sich zurück, designte Sonic komplett neu und überarbeitete alle CGI Effekte des Films. Egal, ob der Streifen am Ende ein Erfolg werden würde, an Sonics Aussehen sollte es nicht mehr liegen. Er sah aus, als sei er direkt vom Mega Drive auf die Leinwand gesprungen.

    Nichts dergleichen schien man bei Cats getan zu haben. Zwar gab Universal nach dem für sie überraschenden Medienaufruhr bekannt, sofortige Nacharbeiten anzuordnen. Geändert wurde aber entweder nichts, oder zu wenig. Kein weiterer Trailer wurde veröffentlicht, dafür gab es ein Berichterstattungs-Embargo bis zwei Tage vor Veröffentlichung (nicht unüblich, aber immer ein schlechtes Zeichen). Und dann wurde es noch schlimmer. Waren es zuvor nur Trailer- Zuschauer, die Cats verrissen, schlug nun die Stunde der Medien, der professionellen Kritiker. Und sie alle zerrissen Cats in der Luft, zählten genüsslich alle Verfehlungen auf, jeden Fehler, den man beim Story-Telling, beim Design, beim Casting, bei der grundsätzlichen Umsetzung gemacht hatte.

    Das Studio hatte zuvor noch eilige Verbesserungen und Anpassungen versprochen und dieses Versprechen offenbar nicht eingehalten oder gar nicht einhalten können. Denn offenbar war einfach alles an dem Film falsch. Die Versuche, das Kind im Brunnen noch zu retten gingen gar soweit, zwei Tage nach Premiere Mails an über 3000 Kinobetreiber zu verschicken, dass es in Kürze ein Update des Films gäbe, mit angepassten Digital-Effekten. Ein bis dahin einzigartiges Vorgehen und nur von Spieleherstellern bekannt. Ein Day One Patch für einen Kinofilm, der bereits in den Kinos lief.

    Und genau hier stellt sich die Frage, was Universal sich dachte. Wie konnte es soweit kommen? Wie kann ein Film, der von einer Hundertschaft von Profis erstellt wird, zu einem solchen Desaster werden? Hat keiner der Produzenten, Drehbuchautoren, Effekt-Spezialisten irgendwann seine Stimme erhoben und gesagt „Ich fürchte, das geht alles in die Hose.“? Gab es keine Test-Screenings? Hat man den Film nicht, wie branchenüblich, mit echten Zuschauern getestet? Warum wurde das Design, der Schnitt nach dem vernichtenden Trailer offenbar nicht angepasst? Warum kam der Film dennoch in die Kinos, obwohl es offensichtliche Fehler bei den CGI Effekten gab? Warum nahm man dazu auch noch das Risiko in Kauf, weiteren Spott auf sich zu ziehen, indem man eine angepasste Version in die Kinos brachte und versucht, das gesunkene Schiff, dadurch noch zu retten? Warum wurde der Filmstart nicht einfach verschoben? Vielleicht 6 Monate, um alles noch einmal zu überarbeiten?

    Mir mag nur eine Erklärung einfallen: Reines Kalkül. Das Filmstudio dachte sich womöglich, dass Cats niemals zu retten sei, egal wie viel Geld man noch rein steckte. Der Film hätte neu konzipiert und neu gedreht werden müssen und die knapp 100 Millionen Dollar Produktionskosten wären verloren. Wie geht man stattdessen mit einer solchen Situation um? Man nutzt sie. Man spielt mit ihr und platziert den Film ganz bewusst nicht mehr als Meisterwerk, sondern als das schreckliche Chaos, das er nunmal ist. Und hofft zwar nicht mehr auf Erfolg an der Kinokasse, sondern bei Bluray-Verkäufen und Streaming. Der Film könnte ein Kult-Klassiker werden, so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Menschen sind neugierig, wollen das Grauen sehen, sich daran ergötzen und darüber lustig machen. Und selbst dafür geben sie Geld aus. Der Film würde ein Klassiker bei Trinkspielen und platziert sich zwischen Sharknado und Iron Sky in Tele 5 Ausstrahlungen der schlechtesten Filme aller Zeiten. Wenn schon mies, dann aber richtig.

    Ich bin gespannt, ob diese Rechnung aufgehen wird. Neugierig auf den Film bin ich natürlich. Verdammt clevreres Marketing.

  • Star Wars Episode 9: Der Aufstieg Skywalkers

    Wenn man über einen Film schreiben möchte, sollte man sich möglichst ein oder zwei Tage Zeit nehmen. Die Eindrücke verarbeiten und sacken lassen. Das Adrenalin und die Euphorie, oder aber auch die Wut abklingen lassen und rational beschreiben, weshalb der Film so großartig oder so schlecht war.

    Nichts davon funktioniert, wenn es um Star Wars geht. Ich komme gerade aus dem Kino und bin komplett euphorisiert, stehe unter Strom, der Kloß steckt mir noch im Hals und ich verarbeite all die Eindrücke, derer ich gerade Zeuge werden durfte. Star Wars kann man nicht rational beschreiben. Es ist nur pure Emotion. Kein vernünftiges Argument kann funktionieren, egal ob man Star Wars liebt oder hasst. So macht es auch keinen Unterschied, ob ich nun zwei Tage warte, um zu beschreiben, wie großartig ich die abschließende Episode fand und wie glücklich sie mich gemacht hat.

    Man merkt von Beginn an, dass es sehr viel zu erzählen und zu klären gibt. Der Film lässt dem Zuschauer keine Minute Pause. Und könnte man noch unterstellen, dass man dadurch keine Zeit bekommt, Logiklöcher oder Scriptfehler zu entdecken, so liegt der Grund tatsächlich an der Menge des Stoffs. Und dem jederzeit spürbaren Willen, Fan-Service zu betreiben und wirklich alles, alles hinein zu packen, was Fans an Star Wars lieben. Es kommt nichts zu kurz: Laserschwertkämpfe, Weltraumschlachten, exotische Planeten und noch exotischere Wesen. Amüsante Kabbeleien, philosophische Gespräche über die Macht und das obligatorische „Ich habe da ein ganz mieses Gefühl“. Jeder liebgewonnener Charakter, ob lebend oder tot, hat seinen Moment. Und darüber hinaus bietet der Film noch einige Twists, die man nicht unbedingt kommen sah (und eventuell sogar etwas an den Haaren herbei gezogen waren).

    Star Wars Fans sind leider nie zufrieden zu stellen und ich ahne bereits jetzt – ohne IMdB oder Rotten Tomatoes aufgerufen zu haben, dass sie den Film mehrheitlich hassen werden. Denn er bietet zu viel altbekanntes und gleichzeitig zu viel Neues. Kritiken, die man bereits von Episode 7 kannte (War nur ein Remix der alten Trilogie) und von Episode 8 (War nicht mehr das Star Wars, das jeder kennt). Auch Episode 9 bietet Momente, die man so oder ähnlich schon in allen Teilen zuvor gesehen hat und wagt es manchmal nicht, noch etwas mutiger zu sein. Und das muss sie auch nicht.

    Star Wars ist ein Gefühl, ein phantastisches Märchen, das uns seit 40 Jahren wie eine liebgewonnene Decke wärmt und uns ein wohliges Gefühl gibt. Uns die Magie spüren lässt, die wir schon damals im Kino gespürt haben. Und ich für meinen Teil möchte eine kuschelige Decke nicht immer wieder aufs Neue erfunden haben. Episode 9 bietet alles, was man an Star Wars liebt (wenn man es liebt) und was mehr könnte man von einem Star Wars Film verlangen?

    Der Aufstieg Skywalkers ist der perfekte Abschluss der Filmreihe, verknüpft alle losen Enden miteinander, bringt die Geschichte zu einem wundervollen Ende. Und wer in der Schlussszene keinen Kloß im Hals hat wie ich, der hat entweder kein Herz oder Star Wars nie geliebt.

  • Deutschland, deine Untertitel

    In sogenannten „Reality-Shows“ im privaten Fernsehen ist es gang und gäbe, Untertitel einzublenden, wenn die Darsteller trotz aller Bemühungen nicht zu verstehen sind. Dies passiert gerne, wenn sie aus dem entferntesten Süden, Osten, Norden oder Westen des Landes stammen. Ich kann ein Lied davon singen. Auch mich versteht niemand, wenn ich im Dialekt meiner Heimat spreche. Gesamtdeutschland versteht seine Einwohner nicht und Untertitel helfen dabei.

    Deutschland hat eine gut gepflegte Synchronisationskultur, weshalb es schwer ist, Filme im Originalton im Kino zu sehen. Seit es Streaming Dienste gibt, ist es ein Leichtes, die Sprache fast jeden Films oder Serie jederzeit umzuschalten und, falls notwendig, den passenden Untertitel dazu einblenden. Eventuell sogar einen anderssprachigen Untertitel, um die Sprache zu lernen oder zu vertiefen. In Ländern wie zum Holland oder der Schweiz ist es übrigens ganz normal, Kinofilme im Originalton zu zeigen. Und auch dort helfen Untertitel.

    Nun sind deutsche Synchronsprecher in den meisten Fällen sehr gut ausgebildete Profis, was dazu führt, dass synchronisierte Filme meist klar und deutlich zu verstehen sind. Da wird nicht geflüstert, da wird nicht genuschelt, und falls doch, dann immer so, dass der Zuschauer es weiter versteht. Leider fehlt es so manchem deutschen Schauspieler an dieser Kunst. Zuletzt beobachtete ich dies bei dem recht starken Film „Aus dem Nicht“ von Fatih Akin mit Diane Kruger (Krüger?) in der Hauptrolle. Ohne deutschen Untertitel waren viele Dialoge einfach unverständlich. Da wird gemurmelt, gestammelt, geheult, dass die Hälfte der Handlung verloren geht. In einer Szene blendete der Untertitel gar folgendes ein: „[Birgit flüstert etwas unverständliches]“ Also wenn es selbst der Untertitel nicht versteht…

    Wie kommt es dazu? Legen weder Regisseur, Tontechniker und Schauspieler Wert darauf, gut verstanden zu werden? Würde es den Realismus zerstören, wenn eine Figur sich jederzeit deutlich ausdrücken würde? Was würde passieren, wenn man so manchen deutschen Film oder Serie synchronisieren würde? Mit Profis, die wissen, wie man Emotionen und Atmosphäre „rüber bringt“, auch wenn die Szene in möglichst undankbarer Umgebung spielt oder möglichst realistisch und lebensnah sein soll? Ich werde es wohl nie erfahren. Dafür freue ich mich aber, immer wieder zu Untertiteln greifen zu können, wenn ich etwas nicht verstehe.

  • Ein Einblick in Apples Photo App

    Apple stellt seit einiger Zeit ein PDF-Dokument unter dem Namen „Photos Tech-Brief“ bereit, das einen recht spannenden Einblick gibt, wie die Photos App im Hintergrund arbeitet. Wer sich für Machine Learning interessiert, dürfte hier ein paar interessante Informationen finden, die nicht zu sehr in die Tiefe gehen, aber verdeutlichen, wie viel künstliche Intelligenz am Werk ist.

    So wird beispielsweise erklärt, wie die Photos App „Gerümpel“ erkennt und aus der normalen Ansicht ausblendet, indem z.B. Szenen, Kompositionen, Gesichter, Tiere und die Aufnahmequalität für eine Entscheidung geprüft werden. Damit werden schlechte Schnappschüsse oder Bildschirmfotos als nicht relevant erkannt. Zudem wird ein sogenannter „Knowledge Graph“ erstellt, um passende Rückblicke zu generieren:

    Photos analysiert die Fotobibliothek eines Benutzers und verbindet und korreliert Daten von seinem Gerät, um personalisierte Funktionen in der gesamten App bereitzustellen. Diese Analyse liefert einen privaten, geräteeigenen „Knowledge Graph“, der interessante Muster im Leben eines Benutzers identifiziert, wie z.B. wichtige Personengruppen, häufige Orte, vergangene Reisen, Ereignisse, das letzte Mal, wenn ein Benutzer ein Foto von einer bestimmten Person gemacht hat, und vieles mehr.

    Und in die Faszination der Technik mischt sich dann auch immer gerne ein wenig Grusel darüber, wie gut uns diese kleinen Maschinen auf unserem Schoß oder in unseren Händen bereits „kennen“ und Verbindungen herstellen können. Denkt das nächste Mal daran, wenn ihr eure Fotos durchstöbert.

  • Das Steckdosen-Kind

    In einem kleinen, verschlafenen Dörfchen im sommerlichen Südtirol wartete ein Paar an der Rezeption eines Hotels darauf, auschecken zu können. Die Gastgeber waren gerade unterwegs. Stattdessen stand eine Mitarbeiterin des Spa-Bereichs an der Rezeption und lächelte so freundlich wie nutzlos. Das Paar stand ebenso nutzlos herum, stützte sich auf den gepackten Koffern ab und sah sich ein letztes Mal in dem Hotel um, das ihnen einige Tage lang als angenehme Unterkunft gedient hatte.

    Ihr Blick fiel auf ein kleines Kind, einen Jungen, mit voluminösem, braunen Haar. Er mag vielleicht 1 bis 2 Jahre alt gewesen sein, hockte auf dem Boden neben der hoteleigenen, schläfrigen Dogge und spielte. Vermutlich spielte er „Elektriker“, denn seine volle Aufmerksamkeit galt der Steckdose in der Wand. Konzentriert versuchte er, die Dose zu öffnen oder zumindest seine kleinen Finger in die „Schweinsnase“ zu stecken. Die Dogge ließ das kalt und gähnte.

    Auch die Spa-Mitarbeiterin ließ es kalt, denn als das Paar mit leichtem Entsetzen den Blick von dem Jungen auf die Frau wandte, stand sie weiterhin lächelnd da und beobachtete das Kind ebenfalls. Reglos. Dann sah sie auf und begegnete dem Blick des Mannes. Er sagte: „Sollte man das Kind nicht besser davon abhalten?“ Die Mitarbeiterin schien anderer Meinung oder hatte vielleicht die Frage nicht verstanden. Vielleicht hasste sie das Kind. Oder ihren Chef. Vielleicht war sie aber auch eine Hexe, oder schlimmer noch, die Dienerin des kleinen Jungen, der als Sohn des Satans in diesem Haus lebte, stets bewacht von der Höllen-Dogge und der Satans-Braut. Er hieß vermutlich Damien.

    Die Mitarbeiterin lächelte ungerührt weiter und die Frau des wartenden Paares sprang auf, nahm sanft den Arm des kleinen Jungen und zog ihn vorsichtig aus der Steckdose. Er wehrte sich nicht, sein Blick war allerdings so missbilligend, wie es seine noch eingeschränkte Mimik zuließ. Die Dogge drehte sich gelangweilt um. Sogleich eilten aufgeregte Herrschaften herein. Die Gastgeber, die dankend ihren kleinen Jungen in Empfang nahmen und in eine andere Ecke setzten. Die Spa-Mitarbeiterin lächelte weiter, als das Paar das Hotel verließ.

    Einige Monate später erhielt das Paar eine faltbare Postkarte des Hotels. Übliche Werbepost, die an alle ehemaligen Gäste verschickt wurde. Darauf zu sehen, Impressionen des Hotels, gestellte Spa-Fotos, Berge, gut aussehende, solvente Paare in Bademänteln in großzügigen Zimmern und… ein Foto der Familie. Zu ihren Füßen: das Steckdosen-Kind.

    Das Paar dankte der Familie mit einem freundlichen Antwortbrief. Und der las sich so:

    „Sehr geehrte Familie Hotel-Gastgeber aus Süditrol. Vielen Dank für Ihre freundliche Postkarte. Wir haben uns ausserordentlich darüber gefreut, dass der kleine Junge noch lebt und offenbar bei bester Gesundheit ist. Er scheint keine weiteren Steckdosen untersucht zu haben, bzw. muss den Schlag wohl gut überstanden haben. Wir fragten uns bei der Heimreise, ob es sich hierbei vielleicht um eine Südtiroler Tradition handeln könnte, kleine Kinder mit 230 Volt zu erschrecken. Falls wir uns irren, senden wir Ihnen anbei einen Steckdosen-Schutz, damit kleine Kinderfinger keinen Schaden mehr nehmen können. Bitte beachten Sie anbei auch den Amazon-Link zu weiteren Steckdosen-Schutzvorrichtungen und eine kleine Anleitung zur Wiederbelebung von Kleinkindern. Wir hoffen, die Dogge und Spa-Mitarbeiterin sind ebenfalls wohlauf, lächeln oder gähnen. Mit freundlichen Grüßen verbleiben wir. Das Paar.“