Monat: Juli 2008

  • Mein getaggtes Leben

    Folgendes sollte ich vielleicht gar nicht erzählen. Zum einen, weil mir dann vielleicht jemand die Idee klaut. Zum anderen, weil mir dann jemand sagt, dass es die Idee bereits gibt, und mir die Hoffnung nimmt. Die Idee ist folgende: Spätestens seit dem Web2.0 ist Tagging en vogue, also das stichwortartige Beschreiben. Auch mein Blog basiert weitestgehend auf der Navigation mittels Tags. Besonders beliebt und auch weit verbreitet sind sogenannte Tag-Wolken. Das ist eine Ansammlung von Tags, die entsprechend ihrer Häufigkeit in ihrer Größe variieren. Je öfter, sprich je wichtiger das Tag, umso größer ist es.  Wäre das keine tolle Idee für T-Shirts? Tag-Wolken, die den Träger des T-Shirts beschreiben. Mit allen Adjektiven, die einem einfallen, gewichtet und entsprechend vergrößert. Wenn man hauptsächlich witzig und sexy aber auch nachdenklich und naschsüchtig ist. Wenn man sportlich ist, dafür aber auch Mario-Kart-Fan. Die Möglichkeiten wären mannigfaltig. Für Singles, die auf Partnersuche (mit ähnlicher Tag-Wolke sind) ein cooles Accessoire.

    Das Leben als Tag-Wolke. Mir würde so manches zu meiner Person und zu meinem Leben einfallen. Und während ich darüber nachdenke schweift mein Blick über die Tag-Wolke in meinem Blog. Mein Blog hält seit mittlerweile fast drei Jahren alles fest, was ich interessant, lustig oder ärgerlich finde. Alles, was ich persönlich für erwähnenswert erachte, wird in einem Artikel festgehalten und getaggt. Verstichwortet. Verstichwortbewölkt. Sprich, die Tag-Wolke meines Blogs könnte eine Tag-Wolke meines Lebens der letzten drei Jahre sein. Schauen wir mal hin.

    Welches Tag erscheint denn am größten, und somit auch am häufigsten in den Artikeln? Lustig. Mein Leben scheint also viel Spaß zu beinhalten. Außerdem sind Filme und Videos offenbar beliebte Inhalte. Aber auch Fragen werden wohl sehr oft gestellt, was auf einen nachdenklichen Menschen schließen könnte. Natürlich ist das Tag "Blog" sehr präsent. Verständlich, wenn man als Blogger auch über das Bloggen schreibt. Das Internet und Fernsehen stechen noch hervor. Die Städte, die ich bewohn(t)e und zum Glück auch Freunde. Ärger ist auch ein großes Wort, genauso wie Kritik und Welt. Interessant. Am besten gefällt mir aber, dass das Wort "Leben" mit zu den größten gehört. Ein Beweis, wie wichtig mir das Leben ist? Wie gerne ich über das Leben an sich schreibe? Das Leben, das Universum und der ganze Rest?

    Gleichzeitig würde man aber auch Tags vermissen: Bücher. Als würde ich nicht lesen (was ich allerdings zur Genüge tue). Oder Sport (okay, der kommt noch zu kurz). Aber vielleicht möchte ich ja auch nicht über alles schreiben, was mein Leben bestimmt. Vielleicht gibt es noch viel Privates, was hier nichts verloren hat. Entdeckt irgendjemand das Tag "Privat"?

    Okay, ich gebe zu, das war ein Gedankenspiel. Natürlich beschreibt die Tag-Wolke meines Blogs nicht mein Leben. Aber sie kommt schon sehr nahe. Zumindest so nahe, dass ich wirklich sagen kann: Ja, dies ist meine Tag-Wolke, zu diesen Themen stehe, diese Themen bewegen mich, über diese Themen denke ich nach und schreibe darüber.

    Erzählt mir, was in eurer Tag-Wolke stünde. Oder, wenn ihr Blogger seid, ob ihr eurer Tag-Wolke uneingeschränkt zustimmen könnt und sie etwas über euch aussagt. Und falls jemand mit mir die Idee mit den T-Shirts verwirklichen will (ein cooles Web2.0-Projekt vielleicht) so möge er sich bitte an mich wenden.

    Hmm, welche Tags gebe ich nun diesem Artikel?

  • Amiga mit Wasserschaden

    So ein Wasserschaden im Keller hat vielleicht auch etwas gutes. Derzeit stehen noch alle ehemals nassen Kartons in meiner Wohnung, während ich entscheide, was von den Inhalten ich noch weiter behalten will/kann. Einige Sachen sind kaputt, andere nicht und bei diesen gilt es nun zu überlegen, ob sie mir überhaupt noch wichtig sind, wenn sie doch nur in Kartons im Keller liegen. So auch mein Amiga nebst Zubehör. Ein ganzer Karton voller Disketten, Kabel, Mäusen, Competition Pro Joysticks, Büchern, einem Monitor und natürlich der nassen Freundin selbst gilt es nun zu sichten. Und selbst wenn bei meinem Test am Wochenende, ob das Gerät noch funktioniert und die Disketten überhaupt noch Daten enthalten (manche sind noch aus dem Jahr 1987 und den magnetisch gespeicherten Daten kann die Lagerung und die lange Zeit nicht gut getan haben), muss ich mich doch folgendes fragen: Will ich das alles behalten?

    Ich bin ein Nostalgiker, was hin und wieder meinem "Simplify your Life" Prinzip im Wege steht. Von manchen Dingen, die ich nicht mehr benötige, kann ich mich problemlos trennen. Von meinem PC beispielsweise. Von anderen wiederum nicht. Mit meinem Amiga verbinde ich eben nicht nur Computerspiele, sondern ein Gefühl, meine Jugend, alles. Sehr emotional das Ganze, ihr versteht. Rational gesehen muss ich natürlich gestehen, das Gerät und all das Zubehör ausschließlich aus Nostalgiegründen zu behalten. Anschließen und nutzen tu ich das alles nicht mehr. Und wenn, dann stelle ich fest, dass meine Erinnerungen an die damaligen Spiele, an die Demos, die Programme, die Bedienung weitaus leuchtender sind, als die Realität. Ich muß damals viel Zeit gehabt haben, denn die Ladezeiten sind quälend. Auch habe ich damals wohl viel mehr meine Phantasie eingebracht, denn aus den einfarbigen Polygonklötzen erkenne ich heutzutage nichts mehr. Kurz gesagt, die Frage ist wirklich, ob ich diesen Karton weiter behalten soll.

    Und diese Frage stelle ich mir ja nicht zum ersten Mal, wie ihr wisst. So lange ist es nicht her, dass ich mich auf den Weg machte, eine ganze Wagenladung Amiga Rechner und Spiele in einer fernen Stadt abzuholen. Bis auf meine eigenen Disketten und die meiner damaligen Demo Gruppe Addonic kann man so gut wie alles im Netz herunter laden. Was also spräche dagegen, den Nostalgiegefühlen per Emulator zu frönen? Nun, wie gesagt, die persönlichsten Erinnerungen gingen verloren. Und ein Emulator fühlt sich nunmal nicht an wie echt. Das ist wie Sex mit einer Gummipuppe (stell ich mir vor).

    Was mich gleich zu meiner Frage bringt: Kann mir jemand einen guten Amiga Emulator auf dem Mac empfehlen? Offenbar werden diese nur unter Windows gehegt gepflegt. Für OS X fand ich nur alte Emulatoren, die seit der Jahrtausendwende nicht mehr weiter entwickelt wurden. Und möchte ich wirklich einen Emulator in einer virtuellen Maschine (Parallels oder so) laufen lassen? Sprich, quasi die doppelte Simulation?

    Ist Nostalgie in unseren Köpfen schöner als in Wirklichkeit? Kämen wir heute noch auf die Idee unsere alten Musik Kassetten anzuhören? Andererseits erfreuen sich Schallplatten noch immer großer Beliebtheit. Würden wir wirklich noch Filme auf VHS kaufen? Andererseits wurden und werden alte Autos verehrt und geliebt. Ich kenne Leute, die noch immer mit alten Nintendo Entertainment Konsolen spielen.

    Ich fürchte, dass ich mich pünktlich zu meinem nun nahenden 35. Geburtstag von alten Zöpfen trennen muss. Keine Kartons mehr im Keller stehend zu wissen, um die ich mich immer sorgen muß, kann etwas befreiendes haben. Hoch lebe meine Erinnerung und Phantasie. Kein Spiel kann so schön sein, wie ich es in meinem Kopf habe. Mach es gut, meine alte Freundin. Wir hatten eine wirklich tolle Zeit und du wirst immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.