Jahr: 2006

  • Kabelsalat

    In meiner Wohnung liegen zusammengerechnet etwa 8 Kilometer Kabel. Aber nicht geordnet und auf einer Trommel aufgerollt, sondern wild durcheinander, die verschiedensten technischen Geräte verbindend. Besonders hinter dem Schreibtisch und hinter der Heimkino-Anlage herrscht heilloses Chaos. Man muss sich nur einmal vorstellen, wie viele Kabel aus einem Verstärker kommen, um den perfekten Raumklang erzeugen zu können. Und mein Rechner hängt wie ein Patient auf der Intensivstation an einer Armada von Verbindungen.

    Bisher habe ich das Chaos einfach verdeckt und zwischen Kabelwust und Schreibtisch ein Brett gestellt, damit mein Blick nicht ständig darauf fällt. Doch gestern brachte ich Ordnung in den Kabelsalat. Nunja, besser gesagt, ich verlagerte den Salat in einen Kabelkanal, den ich hinter dem Schreibtisch befestigte. Dieser Kanal beherbergt nun alle Strippen und ich gestehe, dass ich mir keine Gedanken darüber machte, ob es zu Problemen kommen könnte, wenn man Daten- und Stromkabel zusammenpackt (keine Ahnung, wie gut meine Kabel isoliert sind, welche Interferenzen auftreten können, welche Magnetfelder bei gebündelten Stromkreisen welche Netzwerkkabel beeinflussen können).

    Vor kurzem durfte ich bei einem Stöckchen beantworten, auf welche technische Errungenschaft ich noch warte. Ich weiß es. Ich möchte ein vollkommen kabelloses Heim. Ich möchte, dass alle Geräte die ich besitze und mir zulege, kabellos miteinander kommunizieren können in einem sicheren, stabilen Netz, dass fehlerlos arbeitet, nicht angreifbar ist und auch keinen Elektrosmog ausstrahlt. Natürlich müssen die Geräte auch auf Stromkabel verzichten. Ich möchte das alles völlig Barrierefrei und einfach, ohne ein Gerät auf irgendeine Weise umstellen zu müssen funktioniert.

    Zum Teil sind solche Verbindungen ja schon Gang und Gäbe. WLAN und Bluetooth, um nur zwei Beispiele zu nennen. Auch die Kabellose Stromübertragung ist meines Wissens schon vorhanden. Man kann bereits Kabellose Satellitenlautsprecher für den Surround Sound kaufen. Aber all das geht mir noch nicht weit genug. Zufrieden werde ich erst sein, wenn es im Baumarkt keine Kabelkanäle mehr zu kaufen gibt und ich nicht mehr über das Staubsaugerkabel stolpere oder mich ärgere, dass ich keinen USB-Anschluss mehr frei habe.

  • Der, die, das Duden macht uns schlauer

    Na also. Manche Fragen werden doch irgendwann beantwortet. Hatte ich vor einem halben Jahr noch die Aufgabe gestellt, mir schlüssig darzulegen, weshalb es „das Blog“ und „der Podcast“ heißt, so ist im ersten Fall die Diskussion hiermit beendet. Der Duden hat, wie im Freundinnen-Blog zu lesen war, in seiner kommenden Ausgabe beschlossen, dass man ab sofort der Blog oder das Blog sagen kann. Wunderbar. Das ist doch mal diplomatisch. Die vielen Kommentare, die meine Frage aufgeworfen hatte sind hiermit für die Katz. Wie es beim Podcast aussieht weiß ich derzeit noch nicht, aber ich halte euch natürlich auf das, die, den, dem Laufenden.

    via Basic Thinking

  • Meine Gedanken zur Fußball WM

    Zeit, dass sich was dreht. Und wie es sich dreht. In ganz Deutschland. Und auch bei mir, denn ich bin im WM-Fieber. Und das, obwohl ich sonst eigentlich kein ausgemachter Fußball Fan bin. Aber diese Stimmung und Spannung zu ignorieren, ist fast unmöglich. Deutschland zeigt sich von seiner besten Seite. Eine berauschende Party jagt die nächste, eine losgelöste Stimmung zieht durch das ganze Land. Euphorie.

    Niemandem entgeht dieses Wir-Gefühl, das bisher keine Kampagne und auch kein Ereignis so herbei zaubern konnte. Deutschland zeigt ein Nationalgefühl, ohne die sonst so übliche Scham oder einem schlechten Gewissen. Fahnen werden geschwenkt, die Hymne gesungen, alles ist schwarz-rot-gold. Noch habe ich so viele „Diplomaten Autos“ auf den Straßen gesehen. Selbst die Slogans zur WM passen. Die Welt scheint wirklich zu Gast bei Freunden zu sein.

    Natürlich ist das Ereignis WM an sich schon eine große Sache, doch letztlich hat die deutsche Nationalmannschaft nicht unwesentlich zu diesem Freudentaumel beigetragen. Soviel Spielfreude, so ein Siegeswillen, so ein Zusammengehörigkeitsgefühl war bis jetzt eher selten zu sehen. Die Mannschaft hat das Zeug zum Weltmeister (und ich hatte von Anfang an einen Einzug ins Halbfinale stets vorher gesagt- jetzt mal gucken wie es weiter geht).

    Die anderen Mannschaften überraschten auch. So wurden aus einigen Geheim-Favoriten Geh-Heim- Favoriten. England spielt öden Rumpelfußball. Brasilien ist überragend und auch schon beinahe arrogant, was ihnen hoffentlich demnächst zum Verhängnis wird. Holland bewies wieder einmal aufs Neue, dass sie in Sachen Fußball einfach eine an der Klatsche haben und möglichst von jedem Turnier fern gehalten werden sollten (auch Portugal spielte in jener Partie natürlich alles andere als zahm, aber da kann es sich doch nur um südländisches Temperament gehandelt haben und nicht um Schwachsinnigkeit).

    Selbst die Songs zur WM begeistern. Wann hatte man denn alle Fußballlieder zuletzt so kompakt in den Charts stehen? Wann konnte jeder, aber auch wirklich jeder jede Textzeile mit gröhlen? Selbst die Kleinsten zählen 54,74,90,2006 (diesen Song werden wir bei der nächsten WM wieder singen können). Und Herbert Grönemeyer steuerte einen Song bei, dessen Refrain als schlicht genial gehandelt werden muss (schade, dass gerade im Mittelteil vieles von dem Schwung verloren geht – ich stelle mir immer vor, wie 70000 Menschen auf den Rängen stehen und darauf warten, dass Herbert seinen Sprechgesang endlich beendet hat und wieder „was dreht, was dreht“ gerufen werden kann).

    Das Land steht ganz einfach Kopf. Und es dreht sich (was).

    Ich frage mich, wo all die Nörgler sind, die schon vor Monaten Tag für Tag etwas zu meckern hatten. Die nie auch nur ein gutes Haar an der Mannschaft oder dem Teamchef lassen konnten. Sie alle sind verstummt, warten auf den ersten Fehler, ein Ausscheiden im Halbfinale, ein erneuter Vize-Weltmeistertitel. Nur um dann lautstark analysieren zu können, was Klinsmann alles falsch gemacht hat. Ich hoffe, man wird, egal wie die WM beendet wird, nicht mehr allzu sehr auf sie hören.

    So wie man auch nicht auf die Totalverweigerer hören sollte. Wie nervig ist es, in diversen Blogs, Podcasts und Passanten-Interviews auf der Straße von Menschen zu hören, die die WM komplett boykottieren. Meist nur aus dem Grund um mit einer Kontrahaltung aus der Masse hervorzustechen (das sind die mit dem abgedroschenen Argument, Fußball sei ein blödes Spiel, bei dem 22 Männer dumm einem Ball hinterher laufen). Spaßbremsen. Ich finde die Tour de France auch öde (die kommt jedes Jahr und da fahren einen ganzen Mittag lang ein paar Männer Berge hoch und runter), aber das muss ich ja nicht jedem aufs Auge drücken. Diese Fußball WM ist für uns ein einzigartiges Erlebnis. Selbst schuld, wer sich da selbst verweigert.

    Es wird wohl traurig werden, wenn am 10.Juli so langsam der Alltag wieder einkehren wird. Wenn jeder bemerkt, dass diese Party vorbei ist und wie nach jeder Party die Rechnung kommt. Wenn Deutschland nicht nur Deutschland, Papst und Fußballweltmeister ist, sondern eben auch ein Land, in dem eine große Koalition beschlossen hat, dem Volk soviel Geld wie möglich abzuknöfpen.

    Wäre es nicht schön, wenn wir so lange wie möglich von dem jetzt herrschenden Gefühl zehren könnten? Wenn wir wie die Nationalteams umschlungen da stehen könnten? Für eine Sache, ein Ziel kämpfen?

    Ich unterstelle Grönemeyer grundsätzlich Tiefsinn, selbst bei einem Laune und Mitsing-Lied wie dem aktuellen. Und so glaube ich auch hier, dass er mit dem Titel „Zeit, das sich was dreht“ nicht NUR die Fußball WM meinte.

    Es wird Zeit, das sich was dreht. Es dreht sich. Wir müssen nur zusehen, dass es jetzt nicht mehr gestoppt wird.

    Nachtrag: Soeben sind auch die Engländer aus dem Turnier geflogen. Wie schön kann es noch werden? (Ist eigentlich jemand auf die Idee gekommen Beckhams Kotze aufzusammeln um sie bei eBay zu ersteigern? Die sollte doch mehr Geld einbringen Lehmanns Kaugummi, oder?)

  • Salat mit Thunfisch und Thunfischsalat

    Heute lernte ich den semantischen Unterschied zwischen Thunfischsalat und Salat mit Thunfisch kennen. Nach einem schönen Schwimmbadbesuch kehrten wir bei einem Italiener ein und ich bestellte, aus mangelndem Hunger und erwachtem Gesundheitsbewusstsein, einen Thunfischsalat. Erwartet hatte ich eine Schüssel mit leckerem grünen Salat, vielleicht hier und da eine Tomate, ein bisschen Zwiebel, möglicherweise eine leckere weiße Soße dazu und… einige Brocken Thunfisch. Bekommen habe ich einen Teller mit einem Haufen breiiger Thunfischmasse, garniert mit etwas Petersilie und einigen Zwiebelstückchen. Kann sich jemand an den Mr.Bean Sketch erinnern, in dem er aus Unwissenheit in einem Restaurant Tartar bestellt? Ungefähr so saß ich ebenfalls vor meinem Gericht.

    Ich fragte die Bedienung, ob das wirklich mein Salat sei und sie bestätigte es mit den Worten „Ich dachte mir schon, dass Sie sich was anderes darunter vorgestellt hatten. So machen die Italiener eben Thunfischsalat. Ich wollte sie eigentlich warnen.“

    Hat sie aber nicht. Und diese Erklärung half mir nun auch nichts mehr. Ich hatte ihn bestellt, musste ihn bezahlen und die Kellnerin musste sich nicht wundern, für die eingestandene unterlassene Hilfeleistung kein Trinkgeld zu bekommen. Ein Thunfischsalat ist eben kein Salat mit Thunfisch. Wieder was gelernt.

  • Dumm das

    Gestern wurde ich ein wenig von meinem geliebten DVD Automaten (wir berichteten) enttäuscht. Ich lieh mir den vielfach unterschätzten Film der „Verrückt nach Marry“-Farrely Brüder „Dumm und dümmer“ aus. Nun, so dachte ich zumindest. Auf der Automaten Homepage fand ich den Film als verfügbar vor, mit Cover, Beschreibung und Schauspielerriege. Ich klickte auf reservieren, holte ihn ab und stellte zuhause fest, dass es sich um die dumme Fortsetzung mit dem noch dümmeren Titel „Dumm und dümmerer“ handelte. Dumm das.

    Denn während „Dumm und dümmer“ eine gut gemachte Komödie ist (ich weiß, Geschmäcker sind verschieden, also keine Kommentare deswegen), kann die Fortsetzung als völlig sinnlose Videoproduktion vergessen werden. Während ich grübelte, wie es zu dieser Verwechslung kommen konnte, meinte die damalige Freundin nur lapidar, dass bisher noch niemand so dumm gewesen sei, „Dumm und dümmer“ ausleihen zu wollen und der Irrtum deshalb bisher unentdeckt geblieben sei. Ich hingegen glaube eher, dass jeder der sich „Dumm und dümmer“ ausleiht, wohl selbst zu dumm ist, den Unterschied zwischen „Dumm und dümmer“ und „Dumm und dümmerer“ festzustellen. Bis auf mich halt.

    Der Besitzer des Automaten konnte sich den Irrtum übrigens nicht erklären und versprach mir schnellstmögliche Aufklärung. Laut seiner Aussage habe er definitiv den Film als „Dumm und dümmer“ gekauft und von dem Film „Dumm und Dümmerer“ noch nie etwas gehört. Tja, dumm das.

    (Bitte nicht verdummen weil so oft das Wort dumm in diesem Artikel auftauchte)

  • Sonne, Schafe und die nackte Frau

    Wenn die ersten Sonnenstrahlen heraus brechen und die Temperaturen auf über 20 Grad steigen, liegt jeden Tag an der Straße von Denzlingen nach Sexau (!!!) eine nackte Frau an der Elz. Von frühmorgens bis spätabends macht sie es sich eingeölt auf einem Liegestuhl bequem, dreht sich vielleicht einmal in der Stunde vom Rücken auf den Bauch und brutzelt so vor sich hin. Mehr tut sie nicht. Jeden einzelnen Tag. Sie liest nicht, sie scheint auch kein Radio zu hören, nein, sie liegt einfach nur da.

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