Schlagwort: geschichten

  • Der 30 Tage Lauf – Tag 5

    Wie läuft’s?

    Tag 5 meiner Challenge „Der 30 Tage Lauf“. Wieder regnet es, wieder laufe ich meine Runde durch mein nahegelegenes Wäldchen und frage mich dabei, wann ich zuletzt Regen an meinen nackten Beinen gespürt habe. Als ich noch ein Kind war? Die Waldrunde ist übrigens tatsächlich 400 Meter lang, also eine Runde auf der Aschenbahn. Die Aschenbahn. Wie sehr ich es als Kind und Jugendlicher gehasst habe, dort Runden drehen zu müssen. Erinnerungen an stinkende Umkleidekabinen, Sportbeutel und Bundesjugendspiele kommen hoch. Es war nicht alles schön als Kind. Und hätte ich mir damals träumen, dass ich etwa 35 Jahre später mit Freude durch den Wald laufe?

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  • Der 30 Tage Lauf – Tag 4

    Wie läuft’s?

    Größte Herausforderung an Tag 4 meiner Challenge „Der 30 Tage Lauf“ war es, das richtige Zeitfenster zwischen den Gewittern zu finden, um nicht komplett naß zu werden. Das Laufen selbst bereite keine Probleme. Ich wählte erneut meine übliche Waldrunde, auch wenn sie vermutlich nicht länger als 400 Meter ist und ich daher gefühlt ein Dutzend Mal im Kreis laufe. Damals, als Besuche im Fitness-Studio noch möglich waren, begab ich mich gerne aufs Laufband und verband Krafttraining mit Ausdauertraining. Ein Laufband fühlt sich an wie in ein Hamsterrad. Man rennt, kommt nicht von der Stelle, ist in einer großen Halle unter Neonbeleuchtung… Auch wenn meine Waldrunden kurz sind, liebe ich die kühlen Schattenspiele der Bäume, den Duft nach Erde, Laub und Moos, die feuchte Luft, den weichen Boden unter mir. Und ich genieße es, dass er so nahe ist.

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  • Der 30 Tage Lauf – Tag 3 (SMART?)

    Der 30 Tage Lauf – Tag 3 (SMART?)

    Wie läuft’s?

    Es regnet. Doch wie in meiner Einführung zur Challenge „Der 30 Tage Lauf“ beschrieben, soll mich kein Wetter aufhalten. Nur eine der von mir aufgestellten Regeln und Ziele. Und ich lief auch nur einen kurzen Bogen (Haha, siehe Foto).

    Aber ich frage mich, ob meine gesetzten Regeln überhaupt smart sind. Als ehemaliger Projektmanager ist mir die SMART-Regel natürlich wohl bekannt. Ziele sollen dabei stets spezifisch, messbar, aktivierend, realistisch und terminiert sein. Schauen wir doch mal genauer hin.

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  • Der 30 Tage Lauf – Tag 2

    Der 30 Tage Lauf – Tag 2

    Wie läuft’s?

    Erstaunlich, wie schnell man im Sommer für einen Lauf bereit ist. Heute, an Tag 2 meiner Challenge „Der 30 Tage Lauf“, war es allerdings so heiß, dass ich kurzerhand einen Kuchen buk (ja, das schreibt man so). In meinen Sportklamotten. Um etwas zu haben, worauf ich mich freuen konnte. Meine Runde ging wieder durch den Park wie am Tag zuvor, heute allerdings mit einigen kleinen Schlenkern, vorbei ein grasenden Schafen. Wie erwartet lief ich heute nicht so viel. Zumal ich bereits einen 6 Kilometer Spaziergang am Vormittag absolviert hatte.

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  • Der 30 Tage Lauf – Tag 1

    Wie läuft’s?

    Tag 1 meiner Challenge „Der 30 Tage Lauf“. Üblicherweise laufe ich etwa 7 oder 8 Kilometer, wenn ich mich alle drei bis vier Wochen dazu aufraffen kann. Da mir nun ein tägliches Programm bevor steht, wollte ich gemächlich und kurz beginnen. Was mir nicht ganz gelang. Ich wählte einen nahe gelegenen kleinen Park, in dem ich meine Runden drehte. Sonne, Wald, Waldboden, ein kleiner Tümpel. Alles was man braucht. Ich startete bewusst zu einer Uhrzeit, zu der ich üblicherweise ein Nickerchen bevorzugen würde. Also zwischen 11 und 19 Uhr. Und war erstaunt, wie schnell ein Lauf doch gestartet ist, wenn man den Entschluss gefasst und der „Druck“ entsprechend groß ist. Und wie schnell so eine halbe Stunde vergeht, wenn man Spaß hat…

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  • Challenge: Der 30 Tage Lauf

    Challenge: Der 30 Tage Lauf

    Vor einiger Zeit versuchte ich mich selbst herauszufordern. Um mein mittlerweile brachliegendes Blog wieder zu beleben, beschloss ich, einen Monat lang täglich einen Beitrag zu verfassen. Ganz gleich wie umfangreich der Artikel oder welches Thema er behandelte. Ich schaffte es, doch seitdem ist hier leider wieder sehr viel Ruhe eingekehrt. Deshalb setze ich mir jetzt ein neues Ziel. Und eine für mich noch schwierigere Aufgabe.

    Ich möchte jeden Tag laufen gehen. Einen Monat lang. Vom 1. Juni bis zum 30.Juni. Egal, bei welchem Wetter, egal wie lange. Ziel ist es, jeden einzelnen Tag den Arsch hoch und die Laufschuhe an die Füße zu kriegen und das Haus zu verlassen. Mir erscheint das jetzt, nach Monaten zuhause, dringender denn je. Über jeden einzelnen Lauf möchte ich hier Buch führen und quasi öffentlich (wenn man das in diesem Blog so nennen kann) meine Erfolge und Misserfolge kundtun.

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  • Ein Meter Vernünfzig Abstand

    Liebe Aachener*,

    der Kerl, der euch nun seit über einem Jahr auf den Straßen und Gehwegen entgegen kommt und euch fragt, bittet, anfleht, ein bisschen zur Seite zu gehen, bin ich. Auch nach so langer Zeit, nach einer ersten Welle, einer zweiten Welle, an der Schwelle zur dritten Welle, scheint ihr das Prinzip Abstand noch immer nicht kapiert zu haben. Ich zitiere gerne mal die Wikipedia für euch:

    Der Abstand, auch die Entfernung oder die Distanz zweier Punkte ist die Länge der kürzesten Verbindung dieser Punkte.

    Wikipedia
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  • Heißer Kaffee bei McDonald’s ist heiß

    Wenn man die halbe Republik mit dem Auto durchquert, sind regelmäßige Pausen obligatorisch. Bei unseren eher unregelmäßigen Fahrten in meine alte Heimat im schönen Südwesten waren MacDonald’s Filialen neben der Autobahn willkommene Ziele. Endlich mal wieder eine vernünftige Ausrede, einen McRib essen zu dürfen. Eine saubere Toilette. Und ein guter Kaffee. Ein heißer, guter Kaffee. Ein derart heißer Kaffee, dass man sich fragen muss, wie er hergestellt wurde.

    Im Sachkunde-Unterricht in der Schule lernte man einst, dass Wasser bei normalem Atmosphärendruck bei genau 100 Grad Celsius zu kochen beginnt und verdampft. So setzt sich im Gehirn fest, dass Wasser gar nicht heißer werden kann als 100 Grad Celsius. McDonald’s aber schafft es, seine Kaffeespezialitäten auf 400 Grad Celsius zu erhitzen und zu servieren (Schätzung, keine Messung). Wurde das Wasser etwa von Atomreaktoren erhitzt? Stammt es direkt aus der Quelle eines Geysirs? Hat jede McDonald’s-Filiale Bohrungen zum Erdkern unternommen, um die nötige Hitze in einer entsprechenden Wasserleitung in der Tiefe zu erzeugen?

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  • Arrivederci Va Piano

    Am Ende kam wohl alles zusammen. Größenwahn, Expansionswut, nicht mehr zeitgemäßes Konzept und zuletzt noch die Corona-Pandemie. Vapiano meldet im Jahr 2020 Insolvenz an und steht,so berichten die Medien dieser Tage, kurz vor der Zerschlagung. Es ist derzeit noch offen, ob es auch weiterhin Vapiano-Restaurants unter diesem Namen und mit dem alten Konzept geben wird. Und um ehrlich zu sein: Es ist mir relativ egal.

    Dabei war ich einst glühender Verehrer und Fan, besuchte teils wöchentlich eins der 80 deutschen Restaurants der Kette. In meiner Hochzeit, in der ich viel unterwegs war, gehörte es zur Tradition, in jeder Stadt ein Vapiano besucht zu haben. Immer woanders, aber immer das Gleiche. Gleiches Essen, gleiche Einrichtung, gleiches „Schlange stehen“, gleiches „Platz suchen“. Genau was man in einer Restaurant-Kette erwartet.

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  • Liebe ist stärker als Hass

    Ich liege entspannt auf dem Sofa und lausche einer Playlist eines bekannten Musik Streaming Anbieters. Und wundere mich, wie sehr die Playlist nicht zu meinem persönlichen Musik Geschmack passt. Jammernde Folk Songs wechseln sich mit Bossa Nova Stücken ab, deutscher Hip Hop wird nach einem Hard Techno Teil gespielt. Dann beginnt ein Titel von Mark Forster. Ich bin nicht mehr entspannt, springe spätestens jetzt auf und möchte dem Algorithmus hinter dieser Playlist meine Meinung sagen.

    Bei diesem Anbieter leider nicht möglich. Es gibt genau zwei Listen, in denen ich vorgeschlagene Songs und Künstler auch bewusst ablehnen kann. In allen anderen habe ich nur die Chance, es über mich ergehen zu lassen oder den Song zu skippen. Gut, das ist schon mehr als ich beim Radio könnte. Dennoch frage ich mich, weshalb meine Möglichkeiten auch im Jahre 2020 noch so begrenzt sind und weshalb die dahinter stehenden Algorithmen meinen Musikgeschmack nicht besser ermitteln können.

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  • Kino zuhause – zum gleichen Preis

    Meine Entertainment-Ausstattung besteht aus einem phantastischen, perfekt eingestellten, großen Bildschirm und einer 5.1 Surround Anlage, die mehr Bumms macht, als den Nachbar lieb sein könnte. Wenn wir Filme schauen, dann tun wir das mit ordentlichem Seh- und Hörvergnügen. Für mich als Liebhaber ist das sehr wichtig. Nur wenige Filme könnte ich „einfach so weg schauen“, nebenher, mit flachem TV-Ton. Filme schauen ist ein Genuss und wird zelebriert. Das vollkommene Eintauchen in die Geschichte und vor alle in die Emotionen ist das eigentliche Erlebnis.

    Machen wir uns nichts vor: Das funktioniert nur in einem Kino. Und zwar aus mehreren Gründen: Die wenigsten Menschen dürften tatsächlich eine Kino-Atmosphäre in den eigenen vier Wänden herstellen können. Auch ein 7.2-Atmos-Sourround-System, eine große Leinwand mit enstprechendem, hellen 4K-Beamer, Popcorn aus der Mikrowelle und Rollläden runter wird nie das Erlebnis eines Kinobesuchs nachahmen können. So sehr ich den Kinobesuch manchmal hasse (Quatschende, atmende, hustende, raschelnde, aufs Handy starrende Menschen um einen herum, zu große Menschen direkt vor einem, teils unbequeme, klebrige Sitze, der ständige, unnötige 3D-Zwang), so sehr liebe ich ihn auch. Denn all das Negative gehört tatsächlich dazu. Das gemeinsame Erlebnis mit anderen Menschen, das Lachen, die spürbare Anspannung. Und nur im Kino stellt sich das Gefühl des Eintauchens und des Ausgeliefert-Sein ein. Keine Fernbedienung, keine Pause-Taste. Da musst du jetzt durch, oder du gehst.

    Und dazu kommt noch: Die aktuellen Filme, über die man spricht, laufen noch immer zuerst im Kino. Will man keine illegalen Quellen anzapfen, ist das Kino der einzige Weg, die neuesten Blockbuster zu sehen. Bis jetzt. Denn die Corona-Situation trifft alle, auch Kinobesitzer und Filmproduktionen. Kinos bleiben auf lange Zeit geschlossen und es dürften einige Wochen und Monate ins Land gehen, bis die Menschen es wieder wagen, sich in großen Massen zusammen in einen Raum zu bewegen. Dreharbeiten auf der ganzen Welt werden abgebrochen und pausiert. Und Erscheinungstermine bereits fertiger Filme werden auf mehrere Monate oder gar unbestimmt verschoben.

    Neue Ideen müssen her. Nun hatte ich ja lange Zeit die Hoffnung, die Filmindustrie hätte aus den beschwerlichen Erfahrungen der Musikindustrie gelernt und findet sich zusammen, organisiert der heutigen Zeit angepasste Distributionswege, schafft eine gemeinsame Plattform und preislich attraktive Angebote. Kurz dachte man, Netflix könnte der Heilbringer sein, der unsichere, illegalen Quellen unnötig machen wird. Doch das Gegenteil geschah, angespornt durch den weltweiten Erfolg von Netflix, versuchte jeder Anbieter einen Konkurrenten aufzubauen. Ein eigenes Angebot, was früher oder später dazu führen wird, dass die Kunden sich auf ein oder zwei Anbieter konzentrieren werden und auf all die Filme werden verzichten müssen, die dort nicht verfügbar sind. Ein Spotify für Filme und Serien wird es für sehr lange Zeit nicht geben. Zum Schaden der Zuschauer und der Filmhersteller.

    Dann aber wurde die Corona-getriebene Idee, aktuelle Kinofilme über Streaming-Anbieter auszustrahlen, überraschend schnell umgesetzt. Sogar in Deutschland, wo iTunes und Amazon nun Filme anbieten, die eigentlich gerade im Kino gezeigt würden. Und das zu einem Preis, bei dem mir die Luft weg bleibt. Der hochgelobte Thriller „Der Unsichtbare“ mit Elisabeth Moss wird bei Amazon für 18 Euro angeboten. Zum Verleih. Einmal geliehen hat man 30 Tage Zeit, den Film zu starten, einmal gestartet, 48 Stunden, um ihn zu schauen. Zugegeben, in den 48 Stunden kann er so oft angesehen werden, wie man mag. Das muss dann wirklich ein außergewöhnlich guter Streifen sein.

    Rechnet man das mit einem Kinobesuch um, so läge man als Paar bei 9 Euro (Der Single kratzt sich am Kopf und schüttelt ihn). Ein Preis, den man im Kino nur selten erreicht (meist nur am Kino-Dienstag. Nicht an einem Samstag, mit 3D-Zuschlag, Reservierungsgebühr und Überlängenzuschlag (Überlängenzuschlag, den man bezahlen muss, wenn ein Film länger als 120 Minuten läuft)). Ist die Familie größer, spart man natürlich noch mehr. Und im Kino kommen noch Kosten für Popcorn, Chips und Getränke dazu. Also eigentlich ein No-Brainer. Ist doch deutlich attraktiver, das Amazon-Angebot.

    Allein, es ist kein Kino. Und es sollte daher auch kein „Kino-Preis“ verlangt werden. Auch wenn es eine Milchmädchenrechnung sein mag: Für 18 Euro erhalte ich drei Monate Netflix mit Inhalten ohne Ende. Für 18 Euro höre ich zwei Monate pausenlos lang Spotify. Die psychologische Hürde ist an der Stelle der mögliche Vergleich zu anderen Angeboten. Beim Kino ist das nicht möglich, da geht man hin und zahlt pro Person seine 12 Euro und weiß, was man im Gegenzug dafür bekommt (siehe oben). Auf der Couch ist die Hürde, 18 Euro auszugeben, eine völlig andere. Was sollte mich als Normal-Zuschauer dazu bewegen, einen Film wie „Der Unsichtbare“ für 18 Euro auszuleihen? Wird der nicht in drei Monaten ohnehin im normalen Amazon Prime oder Netflix-Programm dabei sein? Ist er wirklich so viel besser als all die anderen Thriller, die ich bei meinen jetzt schon abonnierten Streaming-Anbietern inklusive habe? Ist es ein Film, den ich jetzt sehen muss, weil jetzt meine Freunde, meine Umwelt darüber spricht (im Sinne eines Blockbusters)? Und nicht zuletzt: Bin ich bereit, den Preis für Kino zu bezahlen, selbst wenn ich kein Kino dafür bekomme?

    Zuhause ist anders. Die Badewanne ist kein Thermal-Bad, die Musik-Anlage ist keine Disko, die Küche ist kein Restaurant, der Balkon kein Urlaub und der Fernseher ist kein Kino. Und das müssen sie auch nicht. Das Tolle an der Badewanne, der Musik-Anlage, der Küche, des Balkons und des Fernsehers ist, dass sie da sind, jederzeit genutzt werden können, eine ganz andere Art von Glück erschaffen. Und für alle die Momente, wo man darüber hinaus gehen möchte, mit Menschen genießen und eintauchen, Neues erleben und dem Alltag und Zuhause entfliehen möchte, geht man raus. Und bezahlt den verlangten Preis.

    Vielleicht werde ich mich in fünf oder zehn Jahren für diesen Artikel hier schämen und denken, wie sehr ich mich doch geirrt habe. Wie sehr die Corona-Krise die Distribution von Filmen, die Angebote und die Seh-Gewohnheiten der Menschen verändert hat. Wie bereit man doch war, das Kino zu vergessen. Vielleicht werden sich nun viel mehr Menschen zu Hause Kino-Atmosphäre schaffen. Vielleicht verkommen Filme aber auch zu einem Fast-Food-Vergnüngen, ähnlich einem Spotify, wo namenlose Musik ohne Seele in einer Playlist über den Zaun geworfen wird und kein Zuhörer überhaupt weiß, wie der Song, der Interpret oder das Album heißt.

    Nichts davon möchte ich jetzt glauben. Und ich hoffe, bald wieder ins Kino gehen zu können.

  • Feed me, Seymor!

    Aktuelle, technische Produkte sollen unser Leben erleichtern, uns im Alltag unterstützen und unliebsame Pflichten abnehmen. Ja, sie sollen sich um uns kümmern. Mitunter beschleicht mich allerdings das Gefühl, dass ich mich mehr um meine Geräte kümmern muss, als sie sich um mich. Ähnlich der fleischfressenden Pflanze Audrey II aus dem großartigen Musical „Little Shop of Horror“, die den armen Seymor pausenlos damit quält, endlich gefüttert zu werden, wollen alle Gerätschaften in diesem Haushalt etwas von mir.

    Auch wenn die meisten Rückmeldungen durch optische Anzeigen oder akustische Warnsignale erfolgen, stelle man sich bei folgenden Beispielen bitte eine nölige, nervende Stimme vor.

    Kaffeemaschine: „Ich habe kein Wasser mehr. Füll es auf. Mein Kaffeesatzbehälter ist voll. Mach ihn leer. Ich muss dringend wieder entkalkt werden. Kümmere dich drum. Der Auffangbehälter für Wasser läuft schon wieder über. Mach ihn leer. Ich habe keine Bohnen mehr. Füll sie auf. Außerdem habe ich kein Wasser mehr. Tu was.“

    Herd: „Da steht kein Topf drauf. Das Wasser ist übergelaufen. Mach das weg. Da steht immer noch kein Topf drauf. Ich mag es nicht, wenn ich nass werde. Der Topf steht nicht richtig drauf. Stell ihn richtig hin. Mach endlich das Wasser weg.“

    Küchenmaschine: „Der Deckel ist nicht richtig geschlossen. Mach ihn richtig zu. Die Teile sind zu groß, das kann ich nicht. Schneide das Zeug vor. Das ist mir alles zu anstrengend hier. Kannst du das nicht selbst schneiden?“

    Geschirrspülmaschine: „Ich habe keinen Klarspüler mehr. Füll es auf. Ich habe kein Salz mehr. Füll es auf. Ich bin fertig mit Spülen, mach mich leer. Und füll den Klarspüler auf.“

    Kühlschrank: „Mach zu. Ich mag es nicht, wenn die Tür so lange auf ist.“

    Staubsauger: „Mein Behälter ist voll. Mach ihn leer.“

    Elektrische Zahnbürste: „Mein Akku ist leer. Lad mich auf. Der Bürstenaufsatz ist alt. Tausch ihn aus. Mein Akku ist leer.“

    Smartphones und Laptops: „Mein Akku ist leer. Lad mich auf. Meine Batterien sind leer. Tausch sie aus. Meine Firmware ist alt. Mach ein Update. Mein Akku ist schon wieder leer. Lad mich auf. Da stimmt was mit dem WLAN nicht. Kümmere dich drum. Da stimmt was mit dem Internet nicht. Kümmere dich drum. Da stimmt was bei mir nicht. Kümmere dich drum. Mein Speicher ist voll. Tu was dagegen. Meine Festplatte ist voll. Räum das auf. Mein Akku ist schon wieder leer.“

    Kopfhörer: „Ich kann diese Verbindung nicht finden. Tu was. Wie? Ich war schon mal mit dem Gerät verbunden? Hör ich zum ersten Mal. Und jetzt? Kümmere dich drum.“

    Fernseher: „Ich kann das Programm nicht anzeigen. Das muss am Receiver liegen. Kümmere dich drum. Ich kann nicht umschalten. Ich kann den Ton nicht so ausgeben wie du willst. Kümmere dich drum. Ich weiß nicht, mit welchen Kopfhörern ich mich verbinden soll. Kenne die nicht. Tu doch mal was.“

    Receiver und Kopfhörer: „Kannst du dem Fernseher bitte ausrichten, dass wir keinen Bock mehr haben? Danke.“

    Der Mülleimer mit dem automatischen Deckel: „Hör mal, ich rede mit den anderen Geräten hier. Die sind nicht zufrieden mit dir. Und was ich noch sagen wollte: Fütter‘ mich, Seymor.“

    Ich: „Audrey?“

  • Meine Liebe zu Soundtracks

    Während ich diese Zeilen tippe, läuft im Hintergrund die Musik aus dem Film „The Shawshank Redemption“, hierzulande bekannt als „Die Verurteilten“. Danach dürfte ein Stück aus Apollo 13 erklingen, etwas aus Braveheart, A Beautiful Mind, Backdraft, Oblivion oder 1492. Großartige orchestrale Stücke von einzigartigen Komponisten.

    Womit wir direkt bei der Definition, dem Fehler im Titel und dem Grund dieses Artikels sind. Es gibt einen Unterschied zwischen Soundtrack und Score, der nur den wenigsten bekannt ist. Der Score eines Films ist die meist rein musikalische, orchestrale Untermalung eines Films, die meist von einem Komponisten arrangiert und eingespielt wurde. Der Soundtrack hingegen sind die im Film benutzten (gesanglichen) Musikstücke, die von mehreren unterschiedlichen Künstlern geschaffen wurden.

    Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man mittlerweile fast nur noch von Soundtracks. Es etablierte sich auch irgendwann, nur einen Tonträger zu einem Film zu veröffentlichen, der Songs, aber auch einige orchestrale Stücke enthielt. Wenn ich aber von Soundtracks spreche, meine ich Scores. Wenn ich von Scores spreche, meine ich Stücke, die von Komponisten wie Thomas Newman, James Horner, John Williams, Mark Isham, James Newton Howard, Alan Silvestri und natürlich von Hans Zimmer geschaffen wurden. Dieser Name dürfte mittlerweile jedem bekannt sein, selbst nicht eingefleischten Filmfans.

    Mit Hans Zimmer begann meine Liebe zu Scores. Vielleicht erwachte mit ihm sogar meine Liebe zum Film. Damals, im Jahre 1989, saß ich mit einer Gruppe ebenfalls sechzehnjähriger Halbstarker in einem provisorisch zusammengestellten Kino im Gemeindehaus in unserem Dorf. Eine kleine vergilbte Leinwand, die vermutlich einst für Dia-Shows benutzt worden war, stand inmitten des Saals. Davor waren in sechs oder sieben Reihen harte Holzstühle aufgebaut auf denen die Kinder keine Ruhe geben wollten. Im Hintergrund ratterte ein echter Projektor, wie man sie heutzutage nicht mehr zu sehen bekommt und ein alter Filmfan regelte und justierte an diversen Knöpfen, um den Film möglichst scharf auf die Leinwand zu werfen.

    In meiner Erinnerung war ich der einzige Anwesende, der den Film quasi in sich aufsog, sich der Geschichte hingab, mitfühlte, zu Tränen gerührt war und der zum ersten Mal erlebte, wie Musik einen Menschen berühren konnte. Wie Musik, ein Orchester, ein Rhythmus eine Stimmung erzeugen, ein Bild malen konnte, dass sich mit dem Bild auf der Leinwand vereinte, die Konturen schärfte, die Farben verstärkte, den Weg in das Hirn und das Herz erleichterte. Es handelte sich um „Rain Man“ von Barry Levinson mit Dustin Hoffman und Tom Cruise in den Hauptrollen, der die Geschichte des autistischen Raymond Babbitt und seines Bruders Charlie Babbitt und deren schwierige Annäherung erzählte. Der Soundtrack stammte von diversen Künstlern wie Johnny Clegg, Bananarama oder den Belle Stars. Der Score allerdings war von Hans Zimmer komponiert worden.

    An jenem Abend hörte ich Hans Zimmers Musik zum ersten Mal. An jenem Abend ließ ich mich zum ersten Mal mitreißen. Und an jenem Abend wurden Scores meine neue Leidenschaft. Klassische Musik, mit Streichern, Bläsern, Trommeln und Harfen, mit Dramatik, mit Gefühl, mit Herz. Keiner der anderen Kinder nahm die Musik wahr, keiner sah den Film, wollte ihn verstehen. Sie alle lärmten, lachten, wenn der autistische Raymond für sie nicht nachvollziehbare Dinge tat. Nur ich saß wie gebannt inmitten des Saals und wünschte, ich könnte sie ausblenden und die Musik lauter drehen.

    Seit jener Zeit entwickelte ich ein Ohr für Komponisten, näherte mich ihrem Œuvre, erkannte bald ihren Stil und ihre Handschrift. War ein Film vorbei, blieb ich bis zum Ende im Kino sitzen, um mich der Musik hingeben zu können, um die Momente, die mich zuvor noch bildlich begeistert hatten, musikalisch einbrennen zu lassen. Ich erkannte schnell schon nach den ersten Noten, um welchen Komponisten es sich handeln musste. Die Großen ihrer Zunft sind unverkennbar und die Jungen streben ihnen nach.

    Ein Score trägt unmittelbar zur Stimmung eines Films bei. Nein, er prägt ihn sogar, mehr noch als das Bild. Es gibt Videos, die Trailer von Komödien zeigen, aber mit einem schaurigen, unheilvollen Score unterlegt wurden, wodurch sich die Stimmung völlig änderte, abglitt und Unbehagen hervorrief. Die ergreifendsten Momente in Filmen werden durch die Musik erzeugt. Oder durch das bewusste Fehlen von Musik. Oder gar dem bewussten Einsatz falscher Musik, um das oben beschriebene Unwohlsein zu steuern. Die Musik, der Score, macht den Film erst zu dem, was er ist.

    Die Soundtrack-CD von Rain Man habe ich noch immer, auch wenn ich meine Scores mittlerweile aus anderen Quellen höre. Damals war es tatsächlich ein Soundtrack, denn neben den oben erwähnten Künstlern mit ihren Songs, enthielt die CD nur zwei Stücke, die einen Mix des Hans Zimmer Scores darstellte. Für mich über Jahre die einzige Möglichkeit, die Musik zu hören. Mittlerweile wurde ein echter Score des Films veröffentlicht und jedes noch so kleine Stück ist dort enthalten. Remastered und in bester Tonqualität.

    Mittlerweile läuft im Hintergrund ein Stück aus „The Assassination of Jesse James“, ein Film, der mir gar nicht so recht gefallen mochte. Aber mein Gott, was für ein grandioser Score von Nick Cave & Warren Ellis. Schon alleine dafür liebe ich den Film. Danke Nick, danke Warren. Und danke, Hans.

  • Alles alte Klamotten

    Irgendwann öffnet man den Schrank und bemerkt, dass zu viele Klamotten darin verstaut sind. Sie hängen von Bügeln, liegen gefaltet auf Stapeln und verstauben in Schubladen. Irgendwann bemerkt man, wie dieser Haufen Kleidung zu einer Last wird, einer Bürde, derer man sich entledigen möchte. Irgendwann ist das alles nur noch Ballast, man sortiert aus, stellt fest, wie viele der Teile man seit Jahren nicht mehr angefasst oder gar getragen hat und ist mutig genug, sich davon zu lösen. Und dann steht man da mit 5 großen Tüten voll guter Kleidung, die eigentlich viel zu schade ist, um sie weg zu werfen.

    Natürlich möchte man sie spenden. Aber wo? Wohin mit den alten Klamotten? Man hört und liest ja so viel Übles. Über eine Altkleider-Mafia, über Firmen, die mit den abgegebenen Kleidungsstücken reich wurden, von Bedürftigen, bei denen die Spenden nie ankamen. Man liest über das Rote Kreuz, das offenbar Geld mit den Klamotten verdient, von der Caritas, die mittlerweile nicht nur von gut erhaltenen Altkleidern, sondern von jeglichem Müll überhäuft werden. Und man sieht Reportagen über Sammelstellen, die ebenfalls in den Bergen an alten Textilien untergehen. Wohin also damit?

    Das enorm-Magazin hat sich dieser Frage angenommen und versucht, Licht ins Dunkle zu bringen und Tipps zu geben, wohin man alte Kleidungsstücke bringen kann. Worauf sollte man unbedingt achten? Was sollte man meiden? Welche Organisationen gibt es überhaupt, die Altkleider-Spenden annehmen? Wo findet man zentrale Informationen? Und was steckt eigentlich wirklich hinter den Geschichten und Reportagen, wie mit Kleiderspenden Geld verdient wird?

    Ein sehr gut recherchierter Artikel, der uns anregen sollte, über unseren Konsum nachzudenken und der letztlich mit dem besten aller Tipps schließt: Hört auf, so viel Scheiß zu kaufen.

    Aufmerksam wurde ich auf die Seite durch die Attention Please Aktion von Felix Lobrecht auf seiner Instagram-Seite.

  • Update Junkie

    Never touch a running system. Eine sehr kluge Redewendung und Regel, die in allen möglichen Lebenslagen beherzigt werden sollte. Ganz egal, ob es um die Fußballmannschaft oder um die heimische Einrichtung der smarten Lampen und Lautsprecher geht. Wenn etwas funktioniert, lässt man besser die Finge davon und freut sich, dass es funktioniert.

    Jeder, der in der IT arbeitet, hält sich natürlich daran. Jeder? Nein. Ein unbeugsamer Autor eines unbedeutenden Blogs lebt seit Jahren nach der Devise „Neues ist immer besser!“ Neues verspricht noch unbekannte oder schnellere Funktionen, schönere Oberflächen, tolleres Benutzererlebnis – hach, Neues ist immer so… neu. Und aufregend. Und ja, ich spreche von mir selbst.

    Auch Jahre der Erfahrung konnten mich bis heute nicht von dem Drang abhalten, jegliches mögliche Update zu installieren. Neue Geräte anzuschaffen. Ja, sogar mit Warnung versehene Beta-Versionen zu ziehen, nur um den Kick des Neuen zu spüren. Ganz vorne dabei zu sein. Oder endlich Bugs entfernt zu wissen (die bislang vermutlich noch gar nie aufgefallen waren).

    Jeden Morgen die gleiche Routine: Wecker ausschalten, Wetter checken, Nach Updates suchen. Für zwei Apps stehen Updates bereits. Performance- und Stabilitätsverbesserungen. Ja, gib es mir, schnell. Natürlich starte ich die aktualisierten Apps nicht. Wozu auch, sie sind neu und verbessert. Ich muss mich davon nicht überzeugen, ich weiß es. Neu ist immer besser. Außerdem interessieren mich diese Apps gar nicht. Hauptsache sie sind aktuell.

    Natürlich fiel ich schon mehrfach auf die Nase mit diesem Verhalten. Apps, die plötzlich nicht mehr funktionierten, liebgewonnene Funktionen über Bord geworfen hatten, nicht mehr mit bestimmten Geräten oder anderen Apps zusammen arbeiteten. Gadgets, die sich nicht mehr starten ließen. Rechner, die neu installiert werden mussten. Ich habe alles durchgemacht.

    Nichts kurierte mich von der Sucht. Der App Store ist mittlerweile ganz hinten in einem Ordner versteckt, um mir den Weg dorthin zu erschweren, doch ich gehe ihn gern. Auf dem Macbook wartet allabendlich ein kleines Programm, das alle installierten Programme auf Aktualisierungen prüft, darauf, von mir gestartet zu werden. Ja, selbst dieser Artikel konnte erst begonnen werden, nachdem ein WordPress-Plugin aktualisiert wurde. Dieser kleine, rote Bubbel mit der weißen Eins, die eine verfügbare Aktualisierung signalisiert, war einfach zu verlockend und hätte mich nur abgelenkt.

    Ich bin ein Update Junkie! Gibt es dafür eine Selbsthilfegruppe? Die AA? Die anonymen Aktualisierer? Oder vielleicht einen Ratgeber? Einen 12 Stufen-Plan zur Entwöhnung. Was? Davon gibt es eine neue, verbesserte Version mit nur 11 Schritten? Ich wusste es. Gekauft.

  • Künstliche Aufregung um eine Umweltsau

    Wovor man vielleicht Angst haben sollte: Künstliche Intelligenz. Romane und Spielfilme wie Terminator haben uns gelehrt, dass eine KI früher oder später ein Bewusstsein entwickeln wird, erkennt, dass der Mensch der größte Feind der Menschheit ist und Schritte einleitet, diese Plage auszulöschen.

    Wovor man mehr Angst haben sollte: Künstliche Aufregung. Soziale und andere Medien haben uns gelehrt, dass jede(r) Meinung, Ansicht, Gedanke, Tat, Untat, Aussage derart emotional bewertet wird, dass zielführende Gespräche nicht mehr möglich sind. Letztes Beispiel (mittlerweile vielleicht auch nicht mehr) ist eine harmlose Umdichtung eines harmlosen Lieds, interpretiert von einem Kinderchor, initiiert vom WDR. Ein Text, der eine Oma als Umweltsau bezeichnet und damit kaum bösartiger oder ernster gemeint ist, als unsere damals neu getexteten Songs auf dem Schulhof oder auf der Otto-Schallplatte. Es reichte dennoch zu einer künstlichen Aufregung, Aufmärschen von Wutbürgern und recht(s) radikalen Arschgeigen vor dem WDR-Gebäude und höchst peinlichen Entschuldigungs-, Beschuldigungs-, Erklärungsversuchen aller WDR-Mitarbeiter (außer den Freien natürlich). Wie man mit einer solchen Situation besser umgehen sollte, hat der bekannte Rezo in seiner Zeit-Kolumne sehr treffend beschrieben.

    Wovor man am meisten Angst haben sollte: Reale Dummheit. Die Realität hat uns in den letzten Jahren gelehrt, dass die reale Dummheit die größte Gefahr der Menschheit darstellt, denn einige wenige Clevere nutzen sie, um ihre eigenen, egoistischen Ziele mit dummer Masse zu erreichen. Und so nebenbei den Frieden, die Umwelt und – auf lange Sicht – die Menschheit zu vernichten. Vermutlich noch schneller, als es künstliche Intelligenz schaffen würde. Diese entwickelt immerhin noch ein Bewusstsein.

  • Rückblicke, Ausblicke und ein frohes neues Jahr 2020

    Ende November kündigte ich an, ein kleines Experiment durchführen zu wollen. Ich nahm mir vor, jeden Tag im Dezember einen Blog-Artikel zu verfassen. Und dieses Ziel erreichte ich nicht nur, insgesamt entstanden in den letzten Wochen 39 Artikel (inklusive diesem hier). So viel wie zuletzt im Jahr 2009. Also vor 10 Jahren und damals waren es knapp über vierzig Artikel im ganzen Jahr.

    Meine Beweggründe hatte ich im Artikel vom 26.November bereits dargelegt. Ich wollte diesem Blog wieder Leben einhauchen, wollte wieder schreiben. Und: ich wollte mich nicht einschränken, die Hürden nicht direkt zu hoch setzen. So sollte es egal sein, ob ich am Rechner, am Tablet oder am Smartphone poste. Es sollte egal sein, ob es nur ein Foto, ein Tweet, eine Geschichte, eine Anleitung oder ein Video ist. Es sollte nur endlich was passieren. Dies ist mein Spielplatz und ich schreibe über die Dinge, die mich gerade bewegen.

    Was habe ich im vergangenen Monat gelernt? Bloggen macht noch immer Spaß, täglich bloggen ist eine ganz schöne Arbeit und das Feedback ist mittlerweile zum Erliegen gekommen. Ohne Publicity funktioniert es nicht. Ich bewarb nur einige meiner Artikel auf Twitter, doch nur die haben eine größere Menge an Lesern erhalten. Der Rest ging quasi unter. Auch die Kommentare blieben aus. Wo früher noch Diskussionen entstanden, ist es heute ruhig.

    All das hält mich aber nicht auf. Ich blogge weiter, wenn auch ab sofort wieder in etwas gemäßigterem Tempo. Und ich möchte keinerlei Ankündigen oder Versprechungen machen. Zu oft meldete ich mich ab und wieder an, schwor Abstinenz oder neues Engagement und beides wurde nie eingehalten. Vielleicht ist es Altersmilde, aber ich sehe das alles mittlerweile lockerer. Es kommt, was kommt. Auch in diesem Blog. Vielleicht gewinne ich Leser dazu, vielleicht auch nicht. Zum ersten Mal kann ich wirklich sagen: Ich schreibe hauptsächlich für mich. Und wenn ihr, liebe Leser, dabei Spaß habt, umso besser.

    In diesem Sinne wünsche ich allen ein frohes neues Jahr 2020. Habt euch lieb. Habt die Natur lieb. Meidet alles fremdenfeindliche. Meidet zu viel Plastik. Fahrt Fahrrad oder nehmt den Zug. Rast nicht und esst gesund. Glaubt nicht immer alles, was ihr im Netz lest, seht und hört. Hinterfragt, aber verurteilt nicht sofort. Trinkt nicht zu viel Alkohol und nehmt nicht zu viel Zucker zu euch. Schreibt Silvester nicht mit y. Schaltet öfter den Fernseher aus und hängt nicht ständig bei Whatsapp und Instagram rum. Löscht euren Facebook-Account! Und um Himmels Willen, regt euch nicht ständig über alles und jeden auf. Auf ein glückliches neues Jahr.

  • Der bipolare Durchlauferhitzer

    Wo ich herkomme, kennt man so etwas wie Untertischgeräte oder Durchlauferhitzer nicht. Zumindest begegnete ich nie etwas derartigem – und glaubt mir, ich wohnte in sehr vielen unterschiedlichen Wohnungen. Wollte man warmes oder heißes Wasser, drehte/bewegte/drückte/zog man die entsprechende Armatur und erhielt sofort einen zuverlässigen, angemessen temperierten und satten Strahl aus dem Hahn. Alles andere war Magie, die irgendwo im Keller stattfand und nicht weiter hinterfragt wurde.

    Bis ich nach Nordrhein-Westfalen zog und bei jedem Umzug aufs Neue Untertischgeräte oder kleine Elektroboiler für die Küche und Durchlauferhitzer im Badezimmer organisieren/warten/reklamieren und an ihnen verzweifeln durfte. Für mich unverständliche Zustände. Auch in der aktuellen Wohnung treibt mich ein solches Gerät regelmäßig in den Wahnsinn. Dabei ist es doch das Gerät selbst, das an einer bipolaren Störung zu leiden scheint.

    Der Durchlauferhitzer im Badezimmer kennt nur zwei Zustände: zu heiß oder zu kalt. Angenehmes, warmes Wasser kennt er nicht. Und in der Dusche kennt er auch keinen Druck. Man kann zwischen kaltem oder heißem Plätschern wählen. Gerne übernimmt das Gerät die Wahl, je nach Lust und Laune. Stets durch ein lautes „KLACK!“ angekündigt, wird die aktuelle Temperatur umgeschaltet, obwohl man selbst nichts an den Armaturen geändert hat. Noch fluchend und mit Schaum in Haar und Augen, verbrüht oder verkühlt man sich und hört direkt im Anschluss ein weiteres „KLACK!“, das einen verkühlt oder verbrüht. Je nachdem.

    Das Gerät hat einen Umschalter mit drei Stellungen und einen großen Regler. Dies, so die Anleitung, soll komfortabel jede gewünschte Temperatur garantieren, speziell für jedes Bedürfnis, jede Jahreszeit, jeden gewünschten Energieverbrauch angepasst. In Wahrheit kann jegliche Schalter/Regler-Kombination zur zwei Dinge: zu kalt oder zu heiß. Ich habe es im Laufe der Jahre getestet. Und wieder getestet. Und wieder…

    Einmal wurde der bipolare Durchlauferhitzer so krank, dass er regelmäßig die Sicherung aktivierte, wenn ihm zu heiß wurde. Ein Installateur kam zur Rettung, tauschte irgendwas Durchlauferhitzendes und quittierte mein Klagen über die bipolaren Zustände des Geräts mit einem Achselzucken. Das sei nunmal so, ich solle mal versuchen, den Schalter und den Regler auf eine andere Position zu stellen.

    Irgendetwas in mir machte „KLACK!“

  • Familien-Rommé

    In meiner Familie ist es Tradition, bei jeglichem Zusammentreffen früher oder später gemeinsam am Tisch zu sitzen und das Kartenspiel Rommé zu spielen. Ich kenne es seit Jahrzehnten nicht anders. Dafür kennen andere die Spielregeln meiner Familie nicht, denn wie ich im Laufe der Jahre feststellen musste, scheint jedes Land, jede Region, jede andere Familie Rommé nach ihren eigenen Regeln zu spielen. Jedes neue Familienmitglied hat sich diesen Regeln zu beugen, beziehungsweise sie zu erlernen.

    Versucht man, die offiziellen und korrekten Regeln für Rommé zu recherchieren, gelangt man schnell zum Schluss, dass es eben nicht das eine Rommé gibt, sondern Dutzende von unterschiedlichen Varianten. Meist unterscheiden sie sich nur in kleinen Details, die dann aber wiederum zu gravierend sind, um unterschiedliche Rommé Spieler nach einem Regelwerk spielen zu lassen. Meist wäre es leichter, einfach Uno zu spielen. Wobei – auch hier sind mir mindestens fünf unterschiedliche leicht abgewandelte Varianten bekannt und niemand auf dieser Welt scheint nach den originalen Regeln zu spielen.

    Das Regelwerk in meiner Familie unterscheidet sich zunächst beim Zählen von allen bisher gefundenen Regelwerken. Gewonnen hat der Spieler, der als erster 1000 Punkte erreicht hat. Wurde eine Runde gewonnen, zählt jeder die Punkte, die er auslegen oder woanders anlegen konnte zusammen und zieht die Punkte, die er noch auf der Hand hat, wieder ab. Der Sieger der Runde erhält für seinen Sieg zusätzliche 30 Punkte, bei Hand sogar 60. Alle Karten mit Zahlen sind 5 Punkte wert, alle mit einem Bild zählen 10. Asse zählen 25, wenn sie in Kombination mit anderen Assen gelegt wurden. Sind sie nur Teil einer Straße (Dame, König, Ass), sind auch sie nur 10 Punkte wert. Joker zählen, was sie ersetzen, außer, man hat noch welche auf der Hand. Dann tun sie mit 50 Minuspunkten sehr weh.

    Ich schätze, gerade diese Zählweise macht die Variante unserer Familie so interessant. Doch vermutlich sagen das Millionen anderer Familien ebenfalls über ihr Rommé Spiel, das sie seit Jahrzehnten und über Generationen hinweg kennen.

    Ich muss jetzt auch wieder los, alle sitzen schon am Tisch und warten nur noch auf mich.