Apple lebt hier nicht von Kundenbindung, sondern von Gefangenschaft. Nutzer bleiben nicht aus Vertrauen oder Zuneigung, sondern weil sie im Ökosystem festhängen und der Ausstieg teuer, unbequem und riskant ist. Die erzwungene Umstellung bei Patreon zeigt dieses Machtverständnis in Reinform. Apple greift in die Einnahmen von Kreativen ein, ohne zu ihnen in Beziehung zu stehen, ohne Verantwortung zu tragen und ohne realen Mehrwert zu liefern. Das ist kein partnerschaftliches Plattformmodell, sondern reines Rent-Seeking. Kurzfristig mag das die Service-Zahlen schönen, langfristig untergräbt es die Loyalität, die Apple einst stark gemacht hat. Wer Nutzer nur noch über Abhängigkeit hält, darf sich nicht wundern, wenn immer mehr aktiv an Fluchtszenarien arbeiten. Ich übrigens auch.
Apple macht wieder Apple-Dinge. Bzw. Tim Cook Dinge. Just zur gleichen Zeit, in der Apple weitere Rekordumsätze bei Services und iPhones verkündet und der Aktienkurs weiter steigt, will das Unternehmen erneut eine 30-prozentige Beteiligung der Einnahmen von Patreon verlangen. Eine Forderung, mit der Apple schon zuvor vor Gericht gescheitert ist, nun aber noch einmal mit Patreons Abhängigkeit vom App Store eine regelrechte Erpressung anstrebt. Ich möchte an der Stelle gar nicht die Diskussion beginnen, dass unter Steve Jobs alles besser war. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es Jobs, trotz aller Versuche, seine Systeme nie zu öffnen, proprietär zu bleiben und dadurch Marktmacht zu erlangen, nie um das große Geld in erster Linie ging, sondern immer um das Produkt und das Erlebnis damit. Tim Cook agiert hier anders und produziert nur für die Aktionäre. Mit allen noch so dreckigen Mitteln. Und vielleicht wäre so langsam eine Ablösung nötig. Aber wozu, wenn der Mann so viel Geld rein bringt?
Übrigens weiß ich, dass man nie Kommentare im Internet lesen sollte. Wenn ein Kommentar aber so on point geschrieben ist, wie der oben zitierte von einem gewissen Travis, dann sollte das auch gerne verbreitet werden. Was Travis sagt!