Autor: Roger Graf

  • Der ausgestorbene Koffer

    Nicht dass ihn jemand wirklich vermissen würde. Aber ich machte heute am Bahnhof eine Beobachtung und fragte mich, ob denn der gute alte Koffer mittlerweile völlig ausgestorben ist. Ich meine die unhandlichen Dinger aus fettem Leder oder schwerem Hartplastik. Die Dinger, die nur einen (!) Griff hatten. Die man eher mit einem Bein vorwärts schob, als sie tatsächlich zu tragen. Die man so lange besaß, bis sie wirklich völlig aus allen Nähten platzen und nur noch durch Aufkleber aus aller Herren Länder zusammen gehalten wurden.

    Hat mittlerweile alles, was größer als eine Aktentasche ist, Rollen am unteren Ende? Und am oberen Ende einen Griff zum heraus ziehen? Ist denn mit den Koffern auch gleichzeitig der Kofferkuli verschwunden? Ich meine vor kurzem noch welche gesichtet zu haben, wie sie sich scheu in eine Ecke drückten und versteckten. Aber ich kann mich auch geirrt haben.

    Und nächstens wache ich dann auf und stelle fest, dass es keine VHS-Rekorder mehr gibt.

     

  • Müllheim hat einen DVD Automaten

    Auch mein Heimatstädtchen Müllheim entkommt so langsam dem Provinz Mief. Führte uns schon vor wenigen Jahren eine McDonalds Filiale in Richtung Zivilisation, gibt es nun seit etwa einem Monat einen DVD-Automaten. Dieser gesellt sich zu den bereits drei bestehenden Videotheken und wird diese gehörig unter Druck setzen.

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  • Neulich beim Bloggertreffen

    Meine größte Sorge, als ich gestern zum ersten offiziellen Bloggertreffen Freiburgs ging, war die, wie peinlich es sein könnte, wenn ich die Blogs der anwesenden Gäste gar nicht kennen würde. Natürlich stellte sich schnell heraus, dass diese Sorge völlig unbegründet war. Erstens, weil auch mein Blog (noch) nicht in aller Munde war. Zweitens, weil die bloggende Community rund um Freiburg ein sehr nettes Völkchen ist, bei der sich nicht alles nur um das Thema Computer, Internet und Blogging dreht. Startschuss zu einem angenehmen und informativen Abend.

    Insgesamt zählte ich etwa neun Blogschreiber, darunter natürlich Sven, JC, Niklas, Diana und Jens. Hinzu kamen noch einige Begleiter und zwei reizende Mädels von der BZ (ich gab wohl das kürzeste Interview) und Fudder (Cora, für alle, die die A-Liste kennen), die jeden einzelnen interviewten und auch fotografierten (auf diese Artikel bin ich ja mal gespannt). Wir hockten im Lago am Seepark und ließen uns die Radler und die Schnitzel schmecken, während die Gespräche über Gott ud die Welt in Gang kamen. Für mich war besonders interessant zu erfahren, wie andere Blogger über meine derzeitigen Lieblingsthemen dachten: Für wen schreibe ich? Wie wichtig sind Besucher- und Kommentarzahlen? Wie halte ich es mit aktuellen Themen? Wie lang sollten Artikel sein? Wer findet unsere Blogs und wie?

    Bei einem Blick in die Runde dachte ich darüber nach, wie ich die Anwesenden in einem Artikel beschreiben würde. Auf keinen Fall als Stereotypen. Blogger sind tatsächlich anders, offen, sehr nett und nicht die Geeks, für die man sie vielleicht halten würde. An unserem Tisch saßen und diskutierten Menschen über politisches, über die Welt, über das Medium, das wir benutzen, aber auch auch über alle anderen Themen, auf die man unweigerlich in geselliger Runde kommt. Die Interviewerinnen zeigten sich da natürlich als willkommene Eisbrecher.

    Schnell wurde klar, dass dieses Treffen nach einer Fortsetzung (oder Wiederholung?) schreit. Und beim nächsten Mal werde ich bestimmt alle anwesenden Blogs kennen.

    Die meisten Blogger haben bereits darüber berichtet und erste Fotos gibt es auch schon. Wenn Fudder und die BZ ihre Artikel veröffentlichen, werde ich nochmal darauf hinweisen.

  • Antjes und andere ehemalige Süßigkeiten

    Antjes und andere ehemalige Süßigkeiten

    Unsere Zunge kann, wie wir ja alle wissen, fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden. Da wären die bekannten Typen süß, salzig, bitter und sauer. Und hierzu gesellt sich noch umami (das ist kein Witz). Aber ich glaube, es gibt noch eine sechste Richtung, die schlicht und einfach Erinnerung heißt. Kann man Erinnerung schmecken? Ich hatte gestern den seltsamen Eindruck, dass es möglich ist, denn ich erinnerte mich an zwei Süßigkeiten aus meiner Jugend und je mehr ich an sie dachte, umso mehr konnte ich mich an den Geschmack erinnern. Seltsam.

    Die erste Leckerei, die mir so unvermittelt einfiel, hieß Canyon und war eine Art Schoko-Müsli Riegel. Die Körner befanden sich in einer weichen, leicht süßlichen Masse während eine Schicht Frucht-Gelee in verschiedenen Sorten darauf lag. Das ganze natürlich umhüllt von Schokolade. Canyon hat mir immer wahnsinnig gut geschmeckt und man bekam auch stets ein klein wenig das beruhigende Gefühl, etwas mehr für die Gesundheit zu tun, als wenn man sich ein Raider (so hieß das damals noch (oder war es da schon Twix?)) oder ein Mars genommen hätte (ja, die Psychologie). Es gab drei Geschmacksrichtungen und ich kann mich auch noch vage an die Werbung erinnern. Und dann… verschwand das Ding vom Markt und ich warte seitdem auf ein Revival. Es wäre nicht das erste Produkt, das aus den Archiven gekramt würde. Man denke zum Beispiel an das kürzlich neu erschienene TriTop.

    Woran ich mich auch immer gerne erinnere sind Antjes. Das waren Traubenzucker Plättchen in den Geschmacksrichtungen Pfefferminz, Zitrone und Waldfrucht. Sie lagen immer neben den Vivil Röllchen und wie ich bei Recherchen herausgefunden habe, war das auch der Hersteller. Komischerweise preist Vivil auf ihrer Website noch immer Antjes an (diesmal mit Erdbeer- Geschmack) aber ich habe bis jetzt noch kein Geschäft ausfindig machen können, dass die geliebten Traubenzucker führt. Ich werde wohl mal bei Vivil anrufen müssen.

    Ich höre besser auf, mich zu erinnern, bevor meine Tastatur sich mit meinem Speichel auseinander setzen muss. Aber wie wäre es, wenn ihr euch erinnert? Welche Leckereien von früher vermisst ihr? Was habt ihr schon seit eurer Kindheit nicht mehr gegessen, gelutscht, geknabbert oder getrunken? Schreibt mir in die Kommentare was das deutsche Volk wieder in den Supermarkt Regalen vorfinden möchte.

  • Die beschissenste Familie Deutschlands

    Eine deutsche TV-Produktionsfirma hat ein neues Konzept für eine Samstag Abendshow. Dieses Konzept wurde diversen großen Privatsendern wie RTL, der Pro7-Sat1 Gruppe und weiteren eventuell Interessierten vorgelegt. Die Sender zeigen sich begeistert und es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, wann die große Show „Die beschissenste Familie Deutschlands“ (Arbeitstitel) über den Äther geht. So dachte man…

    Da die TV-Sender mittlerweile alle erkannt haben, wie erfolgreich Bastel-, Renovierungs-, Verschönerungs-, Aufbau-, Lebenshilfe- und Therapie Sendungen sind, war es nur eine Frage der Zeit, bis ein solches Konzept entsteht. Ziel der „beschissensten Familie Deutschlands“ (Arbeitstitel) ist es, all die Ideen dieser Sendungen zu vereinen.

    Folgendes steht in etwa in dem vorgelegten Konzept:

    Man wird Familien casten, die im Grunde nicht im Fernsehen zu sehen sein
    würden (außer in Boulevard Magazinen). Gesucht wird in den unteren
    Schichten unserer Gesellschaft. Bevorzugt werden Familien ohne Arbeit.
    Je mehr Kinder in der viel zu kleinen Wohnung leben, um so besser. Je
    asozialer, umso geeigneter (Originalton der Produktionsfirma).

    Das Konzept sieht vor, jeglichen verfügbaren Berater zu dieser Familie zu
    schicken und alles mit der Kamera fest zu halten. So werden zuerst
    Spezialisten auftauchen, die die Wohnung entrümpeln (wenn die Familie
    latente Messies sind, wäre das äußerst passend). Die Familie wird ihren
    nicht mehr benötigten Hausrat entsorgen und Tipps für Ordnungshaltung
    bekommen.

    Danach werden sich die Renovierungsprofis daran machen, etwas Stil in die Wohnung zu bringen.
    Neue Farben, neue Möbel, neue Aufteilung etc. Dazu gesellen sich
    schließlich noch Life Coaches, die die Eltern in das harte Leben
    führen, ihnen bei der Jobsuche beistehen und ihnen erklären, wie man so
    manches Familien-internes und -externes in den Griff bekommen kann.

    Die Kinder werden professionell von diversen TV-Nannys betreut. Man wird
    sie in die Schule begleiten und ihnen beibringen, richtig zu lernen und
    vernünftig mit ihren Aggressionen umzugehen. Es werden auch
    Tierpsychologen eingeladen, die sich um den schwer gestörten Hund und
    den Goldfisch der Familie kümmern.

    Das Renovierungsteam wird alsbald dazu übergehen, Handwerker Profis zu
    rufen, da Teile der Wohnung dermaßen verkommen sind, dass kaum mehr
    Reparaturen möglich sind. Und so wird die Familie dabei beobachtet, wie
    sie sich am Rande der Stadt in einer ruhigen Dreißiger Zone ein eigenes
    Fertighaus baut. Und mithilfe des Teams einrichtet.

    Zu guter Letzt kommen noch die Design und Style Profis und werden die
    Familie neu einkleiden, frisieren, schminken und was so alles nötig ist.

    Das Ende der der ersten Staffel wird die Präsentation „der glücklichsten
    Familie Deutschlands“ (Arbeitstitel) sein, die mit neuem Aussehen,
    neuen Jobs, neuen Umgangsformen, neuem Haus und neu gewonnenem
    Selbstbewußtsein wieder zu einem Teil unserer Gesellschaft geworden
    ist. Alles unter dem Slogan: „Manchmal braucht es nur einen kleinen
    Schubs“.

    Worüber sich die Produktionsfirma und die Sender allerdings noch streiten, ist die
    Wiedersehensfolge ein Jahr später. In dieser Sendung soll die Familie
    erneut besucht und interviewt werden, um den Zuschauern zu zeigen, wie
    sehr diese Verwandlungen ihr (der Familie) geholfen hat. Die TV-Sender
    sind allerdings davon überzeugt, dass eine beschissene Familie
    (Arbeitstitel) immer eine beschissene Familie (Arbeitstitel) bleiben
    wird und man dem Fernsehzuschauer lieber nicht die Illusion rauben
    möchte, dass solche TV-Hilfesendungen irgendetwas langfristiges
    bewirken können. Außerdem wären nicht gar so glückliche Familien
    ohnehin die besseren Fernsehzuschauer, da sie jeden Dreck im deutschen
    Fernsehen schlucken würden, ohne sich zu beschweren (aus gut
    unterrichteten Kreisen erhaltenes Zitat eines Programmchefs).

    Der Zynismus, der hier offen zur Schau gestellt wird, sollte
    schnellstmöglich in die Öffentlichkeit gelangen, um eine solche Sendung
    zu verhindern.

  • Der Müllmann kommt

    Nach beinahe neun Wochen haben es ver.di und die Arbeitgeber geschafft, sich zu einigen. Juhu. Neun Wochen Streik, neun Wochen keine Müllabfuhr in den Großstädten. Neun Wochen, in denen Kinder zu Hause sein mussten, weil Kindergärten geschlossen hatten. Neun Wochen, in denen sich Papa endlich mal wieder um die Kleinen kümmern konnte. Und wofür? Für eine halbe Stunde Arbeit mehr in der Woche. Ob sich der Aufwand für diese dreißig Minuten gelohnt hat, sei dahin gestellt. Von dem Geld, das verbraten wurde und der Schaden, der dabei entstanden ist, ganz zu schweigen.

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