Jahr: 2006

  • Ein ganzer Kerl

    Jetzt mal ehrlich. Wo können wir Männer heute denn noch zeigen, dass wir richtige Kerle sind? Ich meine nicht diese Yappadayayippiyppiyeah-ich-machs-mir-selbst-im-Baumarkt-Kerle. Und auch nicht die Kerle, die jetzt schon Brat- und Bier-Vorrat für die WM gekauft haben. Nein, ich meine so richtige Kerle, die etwas schaffen, wovon sie selbst gar nicht gewusst haben, dass sie es können. Und dafür auch dementsprechend von den Frauen bewundert und angehimmelt werden. Tja, ich bin jetzt so ein Kerl.

    Vor kurzem half ich nämlich der damalige Freundinn beim Um- und Einzug. Wir bestellten günstig einen kleinen Transporter, der für die paar Kisten und Möbel vollkommen ausreichend schien. Einen Tag vor dem gewünschten Termin hatte eben dieser Transporter einen Unfall und konnte nicht mehr genutzt werden. Man bot uns freundlicherweise einen größeren Laster zum gleichen Preis an.

    Einen Laster, so fragte ich mich gleich. Und tatsächlich, der Vermieter wollte wissen, ob ich noch einen alten Führerschein hätte. Ja, sagte ich, einen alten, zerfledderten, rosaroten Babbedeckel (wie man bei uns sagt) mit einem Bild von mir, wo ich so um die 15 Jahre alt bin. Ganz egal, wie der Führerschein aussah, im Gegensatz zu den neuen Plastikscheinen war es mit dem alten noch erlaubt, LKW bis zu 7,5 Tonnen zu fahren

    Erlaubt vielleicht, aber gemacht habe ich sowas noch nie.

    Wir hatten keine andere Wahl (sprich: man ließ mir keine andere Wahl) und so sagten wir zu und ich hockte am nächsten Tag hinter dem Steuer eines Trucks! In knappen Worten wurde erklärt, wie das Teil bedient und behandelt werden sollte, wir hinterlegten die Kaution und ich fuhr los. Anfahren am Berg, in einem Geschoß, dass sieben Meter lang war. Ich fühlte mich gar nicht wie der König der Straße. Mir war eher flau.

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    Denn der erste Weg, den ich fahren musste, war nach Freiburg in die Innenstadt. Durch kleine Gässchen, an einem belebten, zu geparkten Einkaufsmorgen. Es war die Hölle. Ich schwitzte. Ich zirkelte, blickte im Sekundentakt nach vorne und in die Seitenspiegel, beschleunigte, bremste und hatte das Gefühl in jedem Moment einen Radfahrer oder einen fremden Außenspiegel mitzunehmen.

    Aber um es kurz zu machen, ich schaffte es. Ich parkte den Lastwagen sogar rückwärts ein. Ich schleppte zusammen mit der damalige Freundinn Möbel, fuhr im Lastwagen in ihr Heimatdorf im Schwarzwald um einige der Dinge abzuladen, fuhr das Höllental im Lastwagen wieder hinunter und brachte den Lastwagen sicher und ohne Schramme zurück (ich möchte nur immer wieder erwähnen, dass es sich um einen Lastwagen handelte).

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    Und fühlte mich so gut. Erschöpft zwar, aber wie ein Held. Ein ganzer Kerl eben. Ich bin ein Trucker!

    Als wir zuhause ankamen, schnappte ich mir eine Truck Stop CD, ein Glas Whisky und legte mich bei Kerzenlicht in ein entspannendes, heißes Bad. Oder machen echte Kerle so etwas gar nicht?

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  • Ich liebe Google (denn die sind nicht evil)

    Hallo liebes Google Imperium. Ich möchte dir hiermit versichern, dass ich dich ganz doll lieb hab. Ehrlich jetzt. Und ich hoffe, du entschuldigst, dass ich dich einfach so duze. Schließlich weiß ich ja fast gar nichts von dir. Bist ja so schweigsam. Aber dafür weißt du mehr über mich. Im Grunde fast alles. Und ich nutze auch täglich mit großer Begeisterung mehrere deiner Produkte. Das freut dich bestimmt und berechtigt mich gewiss, einfach Du zu dir zu sagen. Oder?

    Ach, Google, weißt du noch, wie Harald Schmidt früher zu Sat.1 Kuschelsender gesagt hat? Du bist mein Kuschelimperium. Mit der großartigsten Wohlfühlsuchmaschine. Und weiteren Schnuckeldiensten. Alles an dir ist einfach wunderbar. Das fängt schon beim Namen an. Er beginnt mit einem G. Wie mein Nachname. Und wie Geld, Gesundheit, Glück, Gute Laune, Geduld, Großzügigkeit, Grazie, Gentleman, Geradlinigkeit, Güte, Genuss, Gerne, Genie, Gehirn und Gefühl. Herrlich, oder? Und die beiden Os, die dann folgen, wie mütterliche Brüste, so einladend und beschützend. Schließlich das „gle“, das wie ein glucksendes, glückliches Baby klingt. Und von deinen fröhlichen Farben möchte ich gar nicht erst anfangen.

    Aber hast du vor kurzem diese bösen Artikel in der c’t gelesen? Natürlich hast du, denn du hast ja auch die Links dorthin, nämlich hier und hier. Du weißt schließlich alles. Und genau das warf man dir in den Artikeln vor. Von Googlehagel sprach man dort (obwohl mir das Wortspiel schon gefallen hat) und von der Datenkrake. Ich glaube nichts davon, hörst du. Ich weiß, dass dein Motto „Don’t be evil“ auch wirklich so gemeint ist und auch immer so bestehen bleiben wird. Ich bin stolz in deinem Index zu stehen und hoffe, da auch noch recht lange zu bleiben, am besten so hoch platziert wie möglich (Wink wink). Ich glaube nicht daran, dass du alle Internet User nur zu gläsernen Kunden machen willst. Du musst Geld verdienen, natürlich, und das machst du ausgezeichnet. Und du gibst uns ja auch soviel zurück. Man denke nur an all die kostenlose Software und so.

    Ich glaube nicht, dass du irgendwann wissentlich Informationen verschweigst, nur weil dir eine Firma, eine Weltanschauung oder gewisse Informationen nicht passen. Wenn du Seiten in China blockierst, ist das ja nicht deine Schuld, sondern Sache der dortigen Regierung. Wenn du BMW Deutschland ein paar Tage aussperrst, dann doch nur, damit die frechen Gören dort lernen, dass man dich nicht verarschen sollte. Wenn dein CEO CNet ein Jahr lang boykottiert, dann doch nur, weil sie in seinem Privatleben herum geschnüffelt haben. Bastarde.

    Darum möchte ich mich auch bei Gmail anmelden, möchte mein Blog bei dir hosten lassen, möchte, ach, gib mir einfach alles von dir. Und nimm von mir, was immer du brauchst. Ich bin dein. Denn nur durch dich bin ich überhaupt vorhanden, hier im Netz. Ohne dich würde ich nicht gefunden werden, würde gar nicht existieren. Du bist das Alpha und das Omega, ich möchte wahrlich kein Imperium neben dir haben. (Verzeih, dass ich vor kurzem die Microsoft Suchmaschine benutzte – ich tat es nur um zu sehen, wieviel schlechter sie als deine ist)

    Ich weiß, dass du mich durchschaust, dass du besser weißt, wer ich bin, als sonst jemand. Sicherlich weißt du, dass ich gerade eine neue Digitalkamera suche. Ich freue mich schon auf die Werbemails deiner Kunden, denen du freundlicherweise von meinen Wünschen berichtest.

    Weißt du, manche vergleichen dich mit Microsoft, sagen, du würdest dein Monopol, dass du dir gerade aufbaust, missbrauchen. Sie sagen, du würdest irgendwann bestimmen, wer welche Informationen bekommt. Sie sagen, die amerikanische Regierung wird sich deine Daten irgendwann zu Nutze machen um unliebsame Regierungen zu stürzen, um konkurrierende Firmen zu korrumpieren, um Privatpersonen auszuspionieren. Sie sagen, du würdest dich vom Guten abwenden und auf die dunkle Seite der Macht begeben. Ich als treuer Star Wars Fan weiß, wie leicht der Weg dorthin ist. Doch ich weiß ebenso gut, dass am Ende das Gute siegt. Und so wird es auch bei dir sein. Oh Google, ich hab dich ganz doll lieb. Ehrlich jetzt.

    P.S.: Ich weiß, dass du diesen Text nicht falsch verstehen und mir keine Anwälte auf den Hals hetzen wirst.

  • Der ausgestorbene Koffer

    Nicht dass ihn jemand wirklich vermissen würde. Aber ich machte heute am Bahnhof eine Beobachtung und fragte mich, ob denn der gute alte Koffer mittlerweile völlig ausgestorben ist. Ich meine die unhandlichen Dinger aus fettem Leder oder schwerem Hartplastik. Die Dinger, die nur einen (!) Griff hatten. Die man eher mit einem Bein vorwärts schob, als sie tatsächlich zu tragen. Die man so lange besaß, bis sie wirklich völlig aus allen Nähten platzen und nur noch durch Aufkleber aus aller Herren Länder zusammen gehalten wurden.

    Hat mittlerweile alles, was größer als eine Aktentasche ist, Rollen am unteren Ende? Und am oberen Ende einen Griff zum heraus ziehen? Ist denn mit den Koffern auch gleichzeitig der Kofferkuli verschwunden? Ich meine vor kurzem noch welche gesichtet zu haben, wie sie sich scheu in eine Ecke drückten und versteckten. Aber ich kann mich auch geirrt haben.

    Und nächstens wache ich dann auf und stelle fest, dass es keine VHS-Rekorder mehr gibt.

     

  • Müllheim hat einen DVD Automaten

    Auch mein Heimatstädtchen Müllheim entkommt so langsam dem Provinz Mief. Führte uns schon vor wenigen Jahren eine McDonalds Filiale in Richtung Zivilisation, gibt es nun seit etwa einem Monat einen DVD-Automaten. Dieser gesellt sich zu den bereits drei bestehenden Videotheken und wird diese gehörig unter Druck setzen.

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  • Neulich beim Bloggertreffen

    Meine größte Sorge, als ich gestern zum ersten offiziellen Bloggertreffen Freiburgs ging, war die, wie peinlich es sein könnte, wenn ich die Blogs der anwesenden Gäste gar nicht kennen würde. Natürlich stellte sich schnell heraus, dass diese Sorge völlig unbegründet war. Erstens, weil auch mein Blog (noch) nicht in aller Munde war. Zweitens, weil die bloggende Community rund um Freiburg ein sehr nettes Völkchen ist, bei der sich nicht alles nur um das Thema Computer, Internet und Blogging dreht. Startschuss zu einem angenehmen und informativen Abend.

    Insgesamt zählte ich etwa neun Blogschreiber, darunter natürlich Sven, JC, Niklas, Diana und Jens. Hinzu kamen noch einige Begleiter und zwei reizende Mädels von der BZ (ich gab wohl das kürzeste Interview) und Fudder (Cora, für alle, die die A-Liste kennen), die jeden einzelnen interviewten und auch fotografierten (auf diese Artikel bin ich ja mal gespannt). Wir hockten im Lago am Seepark und ließen uns die Radler und die Schnitzel schmecken, während die Gespräche über Gott ud die Welt in Gang kamen. Für mich war besonders interessant zu erfahren, wie andere Blogger über meine derzeitigen Lieblingsthemen dachten: Für wen schreibe ich? Wie wichtig sind Besucher- und Kommentarzahlen? Wie halte ich es mit aktuellen Themen? Wie lang sollten Artikel sein? Wer findet unsere Blogs und wie?

    Bei einem Blick in die Runde dachte ich darüber nach, wie ich die Anwesenden in einem Artikel beschreiben würde. Auf keinen Fall als Stereotypen. Blogger sind tatsächlich anders, offen, sehr nett und nicht die Geeks, für die man sie vielleicht halten würde. An unserem Tisch saßen und diskutierten Menschen über politisches, über die Welt, über das Medium, das wir benutzen, aber auch auch über alle anderen Themen, auf die man unweigerlich in geselliger Runde kommt. Die Interviewerinnen zeigten sich da natürlich als willkommene Eisbrecher.

    Schnell wurde klar, dass dieses Treffen nach einer Fortsetzung (oder Wiederholung?) schreit. Und beim nächsten Mal werde ich bestimmt alle anwesenden Blogs kennen.

    Die meisten Blogger haben bereits darüber berichtet und erste Fotos gibt es auch schon. Wenn Fudder und die BZ ihre Artikel veröffentlichen, werde ich nochmal darauf hinweisen.

  • Antjes und andere ehemalige Süßigkeiten

    Antjes und andere ehemalige Süßigkeiten

    Unsere Zunge kann, wie wir ja alle wissen, fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden. Da wären die bekannten Typen süß, salzig, bitter und sauer. Und hierzu gesellt sich noch umami (das ist kein Witz). Aber ich glaube, es gibt noch eine sechste Richtung, die schlicht und einfach Erinnerung heißt. Kann man Erinnerung schmecken? Ich hatte gestern den seltsamen Eindruck, dass es möglich ist, denn ich erinnerte mich an zwei Süßigkeiten aus meiner Jugend und je mehr ich an sie dachte, umso mehr konnte ich mich an den Geschmack erinnern. Seltsam.

    Die erste Leckerei, die mir so unvermittelt einfiel, hieß Canyon und war eine Art Schoko-Müsli Riegel. Die Körner befanden sich in einer weichen, leicht süßlichen Masse während eine Schicht Frucht-Gelee in verschiedenen Sorten darauf lag. Das ganze natürlich umhüllt von Schokolade. Canyon hat mir immer wahnsinnig gut geschmeckt und man bekam auch stets ein klein wenig das beruhigende Gefühl, etwas mehr für die Gesundheit zu tun, als wenn man sich ein Raider (so hieß das damals noch (oder war es da schon Twix?)) oder ein Mars genommen hätte (ja, die Psychologie). Es gab drei Geschmacksrichtungen und ich kann mich auch noch vage an die Werbung erinnern. Und dann… verschwand das Ding vom Markt und ich warte seitdem auf ein Revival. Es wäre nicht das erste Produkt, das aus den Archiven gekramt würde. Man denke zum Beispiel an das kürzlich neu erschienene TriTop.

    Woran ich mich auch immer gerne erinnere sind Antjes. Das waren Traubenzucker Plättchen in den Geschmacksrichtungen Pfefferminz, Zitrone und Waldfrucht. Sie lagen immer neben den Vivil Röllchen und wie ich bei Recherchen herausgefunden habe, war das auch der Hersteller. Komischerweise preist Vivil auf ihrer Website noch immer Antjes an (diesmal mit Erdbeer- Geschmack) aber ich habe bis jetzt noch kein Geschäft ausfindig machen können, dass die geliebten Traubenzucker führt. Ich werde wohl mal bei Vivil anrufen müssen.

    Ich höre besser auf, mich zu erinnern, bevor meine Tastatur sich mit meinem Speichel auseinander setzen muss. Aber wie wäre es, wenn ihr euch erinnert? Welche Leckereien von früher vermisst ihr? Was habt ihr schon seit eurer Kindheit nicht mehr gegessen, gelutscht, geknabbert oder getrunken? Schreibt mir in die Kommentare was das deutsche Volk wieder in den Supermarkt Regalen vorfinden möchte.